Der Alleinflug oder Die Zeit die man Leben nennt

Hinweise:
Die Dokumentation ist unterteilt in vorerst 18 Kapitel, Prolog, Epilog und beginnt im Jahre 1999, ich möchte jedes Jahr, solange es mein Gesundheitszustand erlaubt, ein neues Kapitel schreiben. Einige Leser meiner Dokumentation waren der Meinung, ich müsste aktueller sein, deshalb habe ich mich entschlossen, um zeitnah zu bleiben, ab 2005 jeden Monat am »Alleinflug« weiter zu schreiben. Mit aktuell über 700 Seiten ist es schon ein stattliches Buch geworden. Leider konnte ich in der vergangenen Zeit nicht kontinuierlich an der Dokumentation arbeiten.


Prolog – einige Vorbemerkungen


1. 1999 – Feierlichkeiten, Überraschungen und das Leben


2. 1999 Diagnosen, Krebs und die Verzweiflung aus dem Jahr 1999 und 2000


3. Operation und die Entscheidung zwischen Leben und Tod aus dem Jahr 2000 und 2001


4. Genesung, Hoffnung und ein Schicksalsschlag aus dem Jahr 2001 und 2002


5. Behörden, Kampf und das Selbstbewusstsein aus dem Jahr 2002 und 2003


6. Gerichtstermine, Katastrophen und ein Wiedersehen aus dem Jahr 2003


7. Feierlichkeiten, Scheidung und ein neues Problem aus dem Jahr 2004


8. Sorgen, Überraschungen, paar geklaute Monate und ein Jubiläum mit Praxistest
    aus dem Jahre 2005


9. Erinnerungen, wieder Ärger, neue Glanzpunkte und ein erfüllter Traum aus dem Jahre 2006


10. New Year's Eve in London, neue Planungen und ein Fall für den Chirurgen aus dem Jahre 2007


11. Stress, Feierlichkeiten und dann kommt "DAS " auch noch! aus dem Jahre 2008


12. Hoffnung, Pläne und ein Brief vom Rechtsanwalt aus dem Jahre 2009


13. 2010 – Ein besonderes Jahr, wieder Krebs und einige ungeplante Ereignisse


14. Reha, neue Therapie und 42 Jahre später - aus dem Jahre 2011


15. Neue Erfahrungen, Facebook und ein fast tötlicher Ausrutscher - aus dem Jahre 2012


16. 65 Jahre und ein bisschen Weise - aus dem Jahre 2013


17. Der letzte Lebensabschnitt - Grund zur Freude oder zum Weinen? - aus dem Jahre 2014


18.Geburt vor 66 Jahren - Wiedergeburt vor 15 Jahren und es war nicht alles schlecht - aus dem Jahre 2015


19. Beziehungen, Fitness, Wandern und meine große Lebensabschlussreise aus dem Jahre 2016


Epilog  –  Dank, Selbstwertgefühl und ein Fazit



Prolog – einige Vorbemerkungen

Eine wahre, ehrliche Geschichte, in der ich meine Erfahrungen und Erinnerungen, die mein Leben bestimmten aufgeschrieben habe. Im Mittelpunkt stehen die Jahre nach der Krebsoperation, einen großen Anteil an dieser Zeit hat meine Familie, deshalb nimmt sie einen besonderen Platz in dem Stück Zeitgeschichte ein. Da wo es passt, habe ich einige Episoden mit einfließen lassen. Ich bin mir bewusst, dass es nur eine subjektive Darstellung sein kann, meine Meinung muss deshalb nicht immer stimmen, sollte sich jemand missverstanden fühlen, so bedauere ich das ausdrücklich.
Da ich nicht im luftleeren Raum lebe, eine Vergangenheit habe und am Tagesgeschehen interessiert bin, äußere ich mich auch mehr und mehr dazu.
Ich möchte mit der Dokumentation anderen Menschen helfen, schwierige Lebensabschnitte zu überstehen, Wege gibt es, man muss sie nur erkennen und meistern.
Wenn ich nur einen kleinen Betrag leisten könnte, wäre eines meiner Ziele schon erfüllt.
Was ich nicht will ist Mitleid, wer Mitleid hat schaut immer aus einer Position der Überlegenheit auf den Bemitleidenden hinunter. Ich gehe aus dem ›Alleinflug‹ bestärkt hervor, über ein halbes Jahrhundert hat mich das Leben geprägt, jetzt präge ich das Leben und der Titel ist natürlich nicht zufällig gewählt.
Mein Lebensmotiv

Hoffnung ist eine gute Sache und gute Dinge können nicht sterben

hat mir über viele Probleme hinweggeholfen.
Für mich gab es drei wichtige Gründe mit dem Schreiben anzufangen, obwohl ich noch nie gern geschrieben habe, vielleicht ist es eine Fügung, die sich aus meinen Lebensumständen ergeben hat.

1. Schreiben ist mehr als nur ein Hobby – Schreiben hat mein Leben bereichert, denn kaum eine andere Freizeitbeschäftigung ist so fesselnd, so anregend und vielseitig wie das Schreiben.

2. Schreiben ist der Aufbruch in eine neue faszinierende Welt – mir hat das Schreiben geholfen verborgene Talente und Fähigkeiten zu erkennen. Dadurch entdeckte ich mein zweites, eigentliches ICH. Ich sah alles anders, mich selbst, meine Mitmenschen, die Welt in der ich lebe.

3. Schreiben schafft Anerkennung und Achtung – wer reich ist, wird bestenfalls beneidet. Angesehen, respektiert und geachtet wird, wer geistig reich ist, ob mit oder ohne Geld, bei mir eher ohne.
Geistiger Reichtum offenbart sich am ehesten in der Sprache. In der geschriebenen mehr noch als in der gesprochenen. Sie erreicht tausendmal mehr Menschen und ist nicht flüchtig wie der Augenblick.

Ich habe mich schreibend mit meinem Leben auseinandersetzt, inspirierende Entdeckungen gemacht und viel über mich sich selbst gelernt. Darüber mit welchen Strategien ich es geschafft habe, Herausforderungen zu begegnen. Oder darüber, was nicht nach Wunsch gelaufen ist, was ich (noch) nicht verwirklicht habe.
Manche Fähigkeit, mancher Traum ist so in mir wieder lebendig geworden. Die Erinnerungen aufzuschreiben haben mir geholfen, Klarheit zu schaffen, Abstand zu gewinnen, Probleme neu zu ordnen, Lebensfehler zu sehen und zu analysieren. So konnte ich schöne Momente noch einmal nachempfinden und daraus Kraft schöpfen.

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1. Feierlichkeiten, Überraschungen und das Leben (1999)

Ich sitze wieder einmal vor meinem Computer, kann nicht schlafen, was mir übrigens sehr oft so geht. Aber er ist mein treuer Begleiter geworden, dem ich alles mitteilen kann, meine Termine zum Beispiel, er ist mein Helfer, indem er Briefe schreibt und druckt. Er kann faxen, e–mailen und mich mit der Welt verbinden. Er zeigt mir die weite Welt, in Gestalt der Flugsimulation als Pilot für virtuelle Airlines.
Es geht eigentlich nur um paar Jahre meines Lebens, aber es ging um alles, beginnen will ich mit meinem 50. Geburtstag. Ach was haben alle meine Geburtstagsgäste sich gefreut, mit mir zu feiern. Ich wusste gar nicht, dass ich so viele ›Freunde‹ habe, später blieben nur eine Handvoll Menschen übrig. Damals wusste ich nicht, wer von den ca. 40 Gästen (meine Verwandtschaft natürlich ausgenommen) ein wirklich Freund war. Es war eigentlich eine recht angenehme Feier. Ich fühlte mich aber körperlich nicht so richtig wohl, schwach und verlor immer mehr an Gewicht.
Das Verhältnis zwischen meiner Frau und mir wurde trotz unseres Umzuges immer kälter. Wir sind aufgrund der Tätigkeit meiner Frau, näher an ihre Arbeitsstelle gezogen, mir war es eigentlich egal. Ich war selbstständiger Taxifahrer und hatte eigentlich angenommen, dass sich unser Verhältnis vielleicht auch durch den Umzug verbessert. Mitten im Jahr 1999 hat sie mir mitgeteilt, dass sie sich scheiden lässt. Ich wollte es nicht war haben, aber am nächsten Tag lag das Schriftstück von ihrer Rechtsanwältin schon auf dem Tisch. Da meine Frau sich entschieden hatte, half auch kein Reden mehr und ein Tag später waren dann schon die Leute da, die den so genannten getrennten Haushalt einrichteten. Darunter auch solche ›Freunde‹ aus dem Kreise meiner Geburtstagsgäste. Ich kam zufällig dazu, als ich nach den ersten Fahrten noch einmal nach Hause bin und traute meinen Augen nicht, meine Sachen wurden alle in unsere ehemaliges Schlafzimmer geräumt. Ich glaube ihr neuer ›Lover‹ war auch dabei, dreister geht es wohl nicht. Ich blieb ruhig, obwohl ich innerlich kochte. Die Wohnung verließ ich sofort wieder und überlegte kurz, ob ich gleich an einen Baum fahre, oder später, zum Glück habe ich mich besonnen.
Als ich am Abend nach Hause kam, sah ich das Chaos, es lag alles im Zimmer auf einem Haufen, natürlich gab es einen Disput, aber kein lautstarker, als ich fragte, ob sie einen neuen Mann hat, bekam ich zu Antwort: Nein, mit der Frage, ob dadurch die Scheidung für mich leichter wäre!
Sicherlich hat jeder für die Scheidung Ursachen gesetzt, man hätte vielleicht über vieles reden können und müssen, aber so nach und nach gingen wir eigene Wege. Dazu kam noch der Beruf (Beamtin und Taxifahrer), es war schwierig, schon zeitmäßig eine Lösung zu finden.
Meine wirtschaftliche Lage war überaus schlecht, ich hätte eigentlich 24–Stunden fahren müssen, das beste Geschäft war abends und am Wochenende. Dabei musste etwas auf der ›Strecke‹ bleiben. Gemeinsame Kinder hatten wir nicht. Es verlief auch alles relativ ruhig, bis auf ein paar unsachliche Ausrutscher meiner Frau, ihr Jähzorn war mir ja über all die Jahre hinweg vertraut geworden.
Vielleicht war sie sauer, dass ich nicht gleich untergegangen bin, oder dass ich mir keine neue Wohnung gesucht habe, aber ich dachte an die Mühen der Renovierung, die ich fast alleine gemacht habe, anschließend ging es dann noch auf den ›Gummi‹ ; also auf das Taxi. Das war meine Faulheit die sie mir bis zum jüngsten Tag vorgehalten hat, außerdem wollte sie ja die Scheidung. Den irrsinnigen Vorschlag im Schreiben ihrer Rechtsanwältin, ich könnte in den Sommermonaten auf meinen Erholungsgrundstück ziehen und dort vorübergehend wohnen, kam natürlich nicht in Frage, erstens war es nicht mein Grundstück und zweitens habe ich vor vielen Jahren schon einmal einen solchen Fehler gemacht. Ich glaube je ruhiger ich wurde, umso mehr Gemeinheiten ließ sich einfallen. So trat sie des Öfteren, bevor sie zur Arbeit ging, gegen die Tür meines Zimmers, der Wohn –, Schlaf – und Bürokombination, unser ehemaliges Schlafzimmer. Sie wusste ja, dass ich noch schlief, weil ich erst spät in der Nacht oder früh am Morgen nach Hause gekommen bin. In dem Zusammenhang fielen auch solche Äußerungen wie: ›Blödes Schwein‹ und zum Abschluss wurde die Wohnungstür mit aller Wucht ins Schloss geworfen. Manchmal stellte sie auch das Wasser im Bad ab, um mich zu ärgern.
Ich war über die Scheidung sehr traurig und habe sie mehrfach versucht umzustimmen. Als ich aber merkte, dass ich mich zum ›August‹ machte habe ich damit aufgehört. Meine Frau war dann schon im Oktober des Jahres nicht mehr in der Wohnung und ich konnte mich ziemlich frei bewegen. Es war mir ja egal, wo sie war, aber eigentlich war es mir nicht egal. Angeblich schlief sie bei ihrer Schwester auf der Luftmatratze, ganz blöd bin ich nun auch nicht. Einen Schüssel hatte sie aber noch von der Wohnung und deshalb war ein plötzliches Auftauchen immer möglich.
Mein Leben bestimmte fortan nur noch das Taxifahren. Denn ich musste meine Existenz sichern. Als ich alle Ausgaben und Kosten ausgerechnet hatte, glaubte ich nicht daran es zu schaffen. Die Existenzangst begleitete mich jeden Tag von Neuem. Da keimten in mir manchmal sehr seltsame Gedanken!
Ich musste, um eine Summe zu nennen, im Monat ca. 2500 DM aufbringen um nicht unter der Brücke schlafen zu müssen und was am Schlimmsten war, ich hatte im Einvernehmen mit meiner Frau, die gesetzliche Rentenversicherung gekündigt. Mir war schon damals nicht wohl dabei, aber es gibt Fehler die nicht rückgängig zu machen sind. Solche Fehler macht man nur einmal und bekommt irgendwann die Quittung. Ein weiteres Problem musste ich noch mit meiner Krankenversicherung klären, die war nämlich ohne Krankentagegeld, ich änderte die Versicherung, nun bekam ich ab dem 43. Tag Krankentagegeld. Als ob ich schon etwas geahnt habe.
Es ist kein leeres Gerede, wenn behauptet wird, selbstständige Taxifahrer sind teilweise nicht in der Lage sich so zu versichern, um nicht bei Krankheit oder Trennung zum Sozialfall zu werden, noch ahnte ich nicht, was mir widerfahren wird. Nach einigen Monaten merkte ich, dass ich ganz gut zu Recht kam. Ich war mein eigener Herr und bekam nicht die ›freundlichen‹ Worte meiner Frau: » Warst du wieder bei deiner Freundin! «, oder andere Gemeinheiten, zu hören, wenn ich nach Hause kam. Ich fuhr nur noch nachts und an den Wochenenden, 12–15 Stunden oder bis es wieder hell wurde, es war sogar noch ›eine Mark‹ für Bier und Zigaretten übrig, die mir den Feierabend verschönerten. Ich dachte aber trotzdem oft an meine Frau, wir waren immerhin fast 10 Jahre verheiratet und hatten doch die ersten Jahre nach der Wende gut überstanden, wie konnten sogar in den Urlaub fahren. Ich wollte damals für unsere Hochzeit im Jahre 1991 was ganz Besonderes und habe eine Heirat in Dänemark organisiert, aber auch das hat nichts genutzt.
Der Wechsel ins neue Jahrhundert rückte langsam in greifbare Nähe. Es war für mich albtraumhaft, diesen alleine zu verbringen. In den vergangenen Jahren wäre mir nie in den Sinn gekommen, das erleben zu müssen, dass ich selber einmal zu den Einsamen gehört, war für mich vor Jahren unvorstellbar. Weihnachten, das erste ohne Frau verbrachte ich bei meinen Eltern und Geschwistern. So richtig glücklich war ich aber dabei nicht, zumal es meinem Vater, aufgrund seiner Krebserkrankung nicht wirklich gut ging. Nach meinem Geburtstag, der zwischen Weihnachten und Silvester liegt, bin ich wieder nach Berlin gefahren.
Dann kam die Nacht der Nächte, ich bin damals das erste und letzte Mal in meinem Leben über den Jahreswechsel als Taxifahrer unterwegs gewesen. Im Radio die Schlager des Jahrhunderts und auch Zeit zum Nachdenken übers Leben. Zum Jahreswechsel war ich mit mir und dem Lied ›Morning has broken‹ auf der Stadtautobahn allein unterwegs. Zurückblickend war es eigentlich eine schöne Nacht. Die Menschen waren froh ein Taxi zu bekommen, glücklich und zufrieden. Um 6.00 Uhr war für mich Feierabend. Die Frage wo und mit wem feiert meine Frau kam öfters, als mir recht war in den Sinn. Dann gab es doch noch eine Überraschung. Ich hatte mir natürlich eine Flasche Sekt kalt gestellt um das neue Jahr zu begrüßen und die Einnahmen zu zählen. So viel Geld hatte ich manchmal nicht in einer Woche. Ich war stolz auf mich, eine ›Kasse‹ von 670 DM plus Trinkgeld und es überkam mich schon eine Freude, aber leider keiner da mit dem man diese hätte teilen könnte. Es rief auch keiner an von den damaligen Geburtstagsgästen, obwohl ich mich schon manchmal mit jemand unterhalten hätte. Das wird auch später so bleiben, bis auf meine Verwandtschaft und eine einzige Ausnahme, mein noch Schwager mit Familie. Da spricht man eben mit sich selbst, geht auch und man kommt sich nicht einmal blöd vor dabei.
Meine Frau ist dann im Januar 2000 aus der Wohnung ausgezogen, ich war nicht anwesend, wollte das Drama nicht persönlich miterleben, somit weiß ich auch nicht wer geholfen hat, ob es die gleichen Menschen waren, die uns beim Einzug geholfen haben, einer war jedenfalls nicht dabei, mein noch Schwager. Mir kam es recht merkwürdig vor, dass der Auszug so schnell ging, nun war es endgültig und schon ein komisches Gefühl.
Einen Rechtsanwalt musste ich mir inzwischen auch nehmen, denn ohne ihn geht keine Scheidung. Dafür hatte ich überhaupt keine Zeit, kein Geld und es kotzte mich regelrecht an.
Gesundheitlich wollte es mir aber nicht so richtig gut gehen. Ich nahm immer mehr ab und hatte Probleme mit dem Stuhlgang, häufig Durchfall, dem Blut beigemischt war. Ich war mir ganz sicher es kommt von den Hämorriden, wie man später feststellen wird habe ich gar keine. Das Problem mit dem Krankengeld ab dem 43. Tag wurde mir zu heiß, also schloss ich nochmals eine neue Versicherung ab, bei der ich nach 15 Tagen Krankheit Geld bekam. Wieder höhere Kosten, denn die Versicherung ist natürlich teurer.
Ich wollte mir ein kleines Kapital erwirtschaften, denn ich hatte keinerlei Rücklagen, musste noch die Leasingrate für das Auto bezahlen und nun auch die gesamte Miete, es ging gerade so. Ich hatte im Notfall noch meine Eltern im Rücken, die mir und auch meiner Frau schon mehrfach geholfen haben. Bei der Rückzahlung immer großzügig waren, sie wird es wissen, denn ihr Auto wären ohne meine Eltern nicht möglich gewesen.
Blöderweise hatte ich im Februar noch einen Unfall an dem ich Schuld war, vielleicht belastet mich die Scheidung doch, mein Auto war aber nur leicht lädiert, sodass ich weiter fahren konnte, das hätte mir noch gefehlt.
Ich quälte mich noch einige Monate, aber dann beschloss ich im Mai 2000 zum Arzt zu gehen. In dieser Zeit gab es auch noch ein Kuriosum, ich besorgte mir über die Krankenkasse meiner Tante, den Auftrag, sie zur täglichen Bestrahlung in das Auguste Viktoria Krankenhaus zu fahren. Ein guter Auftrag, der auch noch bis in die Krankschreibung von mir ausgeführt wurde, die restlichen Fahrten musste dann ein anderer Taxifahrer übernehmen. In dieser Zeit habe ich über die Strahlentherapie überhaupt nicht nachgedacht, sah nur wie meine Tante litt.

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2. Diagnosen, Krebs und die Verzweiflung

Mein Hausarzt, ein guter Bekannter, weil ich bei Eröffnung seiner Praxis, nach der Wende, einer seiner ersten Stammpatienten war und wir im selben Alter sind. In guten Zeiten haben wir auch schon mal ein Bier zusammen getrunken. In seiner Sprechstunde geht es ganz locker zu und wir sind per Du.
Als ich eintrat war er gleich über meine körperliche Verfassung schockiert. Er wusste auch dass sich meine Frau scheiden lassen will. Ihr fiel wohl dort beim Arzt kein besserer Grund ein als, ›Er trinkt, der Taxifahrer trinkt‹ . Was mein Doktor, trotz guter Freundschaft nicht tolerierte. Also, erst einmal Blut abnehmen und am nächsten Tag wiederkommen. Eine Überweisung zum Thoraxröntgen stellte er mir ebenfalls aus. Krank geschrieben hat er mich lt. Krankenschein wegen starker Gewichtsabnahme, innerhalb von 2 Jahren von 90 auf 70 kg. Nun gingen die Rennereien los, da war nichts mit gemütlich krankmachen und ausruhen. Es wäre auch seit 10 Jahren das erste Mal, verdient hätte ich mich eigentlich, aber bei den Selbstständigen ist es eben anders als bei den Beamten!
Den nächsten Tag wieder zum Doktor, der mich mit freundlichem Blick empfing, das konnte erst einmal nichts schlechtes heißen. Also, deine Blutwerte, hauptsächlich deine Leberwerte sind in Ordnung. Also, kein Trinker, sondern schlechte Ausrede für die Trennung. Aber nun kam er mit dem Diabetes heraus, eine neue Überweisung und los ging es. Arzt suchen und Termin holen. Mittlerweile war ich beim Röntgen und der Befund war negativ, darüber war mein Arzt echt froh, denn er dachte ich habe Lungenkrebs und weiter ging es zum Urologen, da war auch alles in Ordnung. Ja der Magen sollte auch noch angesehen werden, aber von innen, also, Termin geholt und hin. Ich hatte zwar schon davon gehört und es wurde unangenehme Geschichten darüber erzählt. Ich bekam vorher eine Faustan als Beruhigungstablette, man muss nur die Ruhe bewahren. Der Schlauch geht schon runter, die Ärztin arbeitete routiniert, es gab keine Feststellungen und schlimm war es auch nicht.
Inzwischen war ich bei meiner Diabetologin und wurde als Patient mit Diabetes Typ II a (tablettenpflichtig) eingestuft. Im Hinterkopf hatte ich sofort, dass man, wenn man sich spritzen muss, keine Personen mehr befördern darf und ich machte mir schon wieder Sorgen um was, das noch gar nicht aktuell war, aber so bin ich nun einmal. Na gut. Wir fingen erst einmal mit kleiner Dosis an, zum Essen dreimal täglich eine Tablette Novo Norm 1mg, Wiedervorstellung in 14 Tagen. Die Ärztin machte mir einen sehr gründlichen Eindruck, was auch die langen Wartezeiten begründete. Sie ist sympathisch und nahbar, für mich sehr wichtig, ich stand ja erst am Anfang der langen Kette von Arztbesuchen.
Für den Doktor war mein Problem eigentlich geklärt und dann sagte ich ihm zögerlich, dass ich manchmal Blut im Stuhl habe, aber nur sehr wenig und auch Durchfall. Ich erzähle ihm nicht dass ich hin und wieder vom Halteplatz von der ersten Stelle leer davon fahren musste, weil das Taxi sonst ›voll‹ gewesen währe. Ich erzählte auch nicht, dass ich schon einmal mir die Hosen zubinden musste um aus dem Auto auszusteigen und ich erzählte ihm auch nicht, dass schon die Putzfrauen aus der Toilette von mir verwiesen wurden.
Da der Urologe keine Hämorriden festgestellt hat, habe ich es ihm gesagt und mir wurde schon langsam etwas mulmig zumute. Ich fragte deshalb meinen Doktor, wie denn das ist bei so einer Untersuchung, der Darmspiegelung. Die Antwort war knapp: »Genauso wie beim Magen, nur von hinten«. Er hat wahrscheinlich auch noch keine Koloskopie machen lassen. Also, wieder Arzt suchen, Termin holen und hingehen. Das Schlimmste waren, die 3 bis 4 Liter, von diesem immer scheußlicher schmeckenden Zeug zu trinken um den Darm zu reinigen.
Ende Juni 2000, an einem Mittwoch war der Termin für die Koloskopie, mit einem unguten Gefühl bin ich hin, irgendetwas muss sein, vom Darmkrebs habe ich schon gehört, nie etwas Gutes. Der Doktor hat bestürzt, gleich wieder aufgehört, es war also gar keine richtige Darmspiegelung. Als ich ihn fragte, was ist, sagte er es gäbe im Darm, schon stark blutende Tumoren. Ich sollte mich bei meinem Arzt melden. Ich hatte aber erst am Freitag einen Termin, so verbissen habe ich das damals gar nicht gesehen. Meine Cousine holte mich ab und nahm mich mit nach Königs Wusterhausen. Ich glaube es war gut so. Den Befund hatte ich bei mir, später am Nachmittag fuhr sie mich in die Wohnung.
Im Briefkasten lag die Mitteilung meiner Krankenkasse, ab Montag sei ich wieder arbeitsfähig, mit dem Doktor hätte man schon gesprochen. Also, alles o.k., es gibt schon manchmal komische Überschneidungen im Leben, ja schon fast pietätlose.
Am Mittwochabend klingelt das Handy bei mir, der Hausarzt, in heller Aufregung, der Arzt hatte ihn informiert, ich sollte am nächsten Tag sofort in seine Sprechstunde kommen. Die Telefonnummer besorgte er sich von meiner Frau, einen Festnetzanschluss hatte ich damals nicht.
Mir war immer noch nicht ganz bewusst was los ist, aber er sagte es mir: »Henry, du hast vermutlich Darmkrebs!« Ich nahm immer an, die Proben werden erst zur Untersuchung eingeschickt und das Ergebnis dauert. Der Doktor hatte, wenn ich es richtig mitbekommen habe, gar keine Biopsie gemacht. »Henry, du musst sofort operiert werden, dein Leben hängt am seiden Faden!«
Das war mir nun gar nicht recht, es gab noch eine Menge klären. Die Statistik sagt zum Darmkrebs auch nichts Gutes aus, von 50.000 Erkrankungen, sterben 30.000. Übers Sterben habe ich mir ja bis jetzt noch gar keine Gedanken gemacht.
Der Doktor hatte sich schon mit dem Krankenhaus Lichtenberg (Oskar – Ziethen – Krankenhaus) in Verbindung gesetzt, aber noch keine Zusage erhalten. Nun das ging mir nun wirklich viel zu schnell. Ich fuhr wieder nach Hause, denn mein Doktor wollte mich anrufen, wenn es so weit ist. Noch schnell bei der Krankenkasse vorbei zu Bestätigung der Kostenübernahme für die Krankenhauseinweisung, um was man sich so alles kümmern muss, aber ohne Unterschriften geht in Deutschland nichts, egal wie krank man ist. Unterwegs rief mich meine Frau an und fragte was los ist. Ich habe es ihr gesagt, sie wünschte mir alles Gute, ich bedankte mich artig, ob es vom Herzen kam, ich weiß es nicht.
Am Freitag musste ich noch einmal zur Sprechstunde um die Befunde zu holen, der Termin für die Einweisung war Montag. Da wurde mir wieder bewusst, wie es ist, wenn man allein ist. Das Testament war schon geschrieben und in einem Computerprogramm mit dem treffenden Namen ›Mein Letzter Wille‹ , war vermerkt, was wichtig ist. Dort standen solche Dinge, wie, welche Zahlungen sind zu entrichten, welche Versicherungen sind vorhanden und gegebenenfalls zu kündigen. Es war nun, bis auf die Patientenverfügung, alles vorbereitet.
Für den Sonnabend war der Familienrat einberufen worden. Das Treffen fand in Königs Wusterhausen bei meiner Cousine statt. An diesen Treffen nahmen meine Eltern, meine Schwester und meine Zwillingstanten teil. Da meine Cousine am nächsten wohnte, ich ihr vertraute, wurde sie bevollmächtigt und die Patientenverfügung angefertigt. Mein Vater und meine beide Tanten waren zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon an Krebs erkrankt. Es war also nicht gerade eine fröhliche Zusammenkunft, dazu kommt noch, dass alle aus meiner Familie nicht gerade unsensibel sind. Mutter und meine Schwester Sonja sind mit zu mir gefahren, es wurde ein kleiner Abschied gefeiert, bei äußerst gedämpfter Stimmung. Am nächsten Tag brachte der Sohn meiner Cousine einen Sessel, denn die Sitzgarnitur hatte meine Frau mitgenommen, so brauchte ich nicht auf dem Stuhl beim Fernsehen sitzen. Mein Wohnzimmer strahlte zu dem Zeitpunkt überhaupt keine Gemütlichkeit aus, der Sessel, der auch als Schlafsessel nutzbar war, brachte etwas Wohnlichkeit hinein. Der anschließende Abschied in Königs Wusterhausen war kurz und traurig. Ein Tag blieb mir noch. Ich habe meinen Kollegen gebeten mich am Montag ins Krankenhaus zu fahren, was er auch gerne, unentgeltlich, getan hat. Dann war die Einsamkeit wieder da, kein Anruf, kein Gesprächspartner, das Leben war mir eigentlich egal, oder lag es an den Beruhigungstabletten.
Wie mir zumute war ist in meinem Abschiedsbrief zu lesen.

Abschiedsbrief vor meiner Operation vom 30.06.2000
Einen Tag vor meiner Einlieferung ins Krankenhaus, möchte ich noch ein paar Zeilen für die Nachwelt schreiben.
In solch einer Situation kommen ganz einfach solche Eingebungen.
Alle die mich Kennen und Mögen wissen , dass ich eigentlich ein stehst froher, gutmütiger und in der Regel liebenswürdiger Mensch gewesen bin.
Ich habe natürlich auch Fehler und andere Eigenarten gehabt, aber ich denke das Positive hat überwogen.
Mein ganzes Leben war durch erfolgreiche Arbeit geprägt, nur die letzten 10 Jahre nach der Wende, die Selbstständigkeit, hat mich psychisch und physisch an den Abgrund gebracht.
Leider hat es meine zukünftige Ex – Frau auch nicht verstanden mich diesbezüglich aufzubauen, sie wählte ein einfaches Mittel, die Scheidung, vielleicht war ich in meiner Beziehung zu tolerant. Die gesamten Lebensumstände sind mir wahrscheinlich auch zum Verhängnis für meine Gesundheit geworden. Ich habe es auch bis heute nicht verwunden, das diese Frau die Scheidung eingereicht hat. Wie kann ein Mensch nur so scheinheilig sein, so lange wie mein Geld floss, war ich für sie ›Mein Henry‹ der überall in den Himmel gehoben wurde.
Es gab in meinem Leben viele schöne Stunden; – Geburtstagsfeiern – Familienfeiern in Zeuthen – Familienfeiern in Dresden oder Auritz – Gemeinsame Urlaube mit meinen Eltern – und vieles anderes mehr.
Heut bin ich froh, dass ich mich mit meiner Verwandtschaft und besonders mit meinen Eltern nicht überworfen habe. Alle stehen mir in diesen Stunden bei und ich fühle mich nicht alleine gelassen.
Ich habe mich sehr gefreut, dass die Eltern und Schwester Sonja mich in dieser schweren Stunde noch einmal besucht haben, obwohl es bestimmt für alle (Tanten, Cousine) nicht einfach war.
Ich habe heut die kleine Flasche Sekt noch getrunken, natürlich auf das Wohl von Euch allen. Morgen ist es nun soweit. Ich hoffe ihr vergesst mich nicht und denkt an die schönen Stunden.
Ich möchte in Berlin keine Trauerfeier, meine Urne sollte nach Möglichkeit in Bautzen untergebracht werden.
In Erinnerung Henry

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3. Operation und die Entscheidung zwischen Leben und Tod

Ein sonniger Tag begann, aber was interessierte mich das schon, es war Montag. Den letzten Abfall entsorgt und dann stand das Taxi auch schon vor der Tür. Ich habe in den 10 Jahren als Taxifahrer schon viele Menschen ins Krankenhaus gefahren, dass ich selbst einmal in diese Situation komme, wäre mir damals im Traum nicht eingefallen. Eine kurze Verabschiedung vom Kumpel und dann ließ ich die Vergangenheit hinter mir.
Ich war innerlich ruhig und meldete mich auf der Station 3.3 der Chirurgischen Klinik im Oskar – Ziethen – Krankenhaus. Mir wurde aber mitgeteilt, dass ich erst zur Anmeldung des Krankenhauses muss, um die Anmeldeformalitäten zu regeln. Als das geklärt war, ging ich zurück auf die Station und bekam mein Bett in einem Dreibettzimmer. In dem ein Bett besetzt war, aber dieser Herr ging am nächsten Tag auf eigenen Wunsch nach Hause. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass es so etwas gibt. Ich blieb dann in diesem Zimmer allein bis zur Operation und hatte genug Zeit über mein Leben nachzudenken.
Das Krankenhaus in Lichtenberg ist noch in der Rekonstruktionsphase und deshalb auch nicht so modern eingerichtet. Es war ein Fernseher im Zimmer vorhanden, aber keine Toilette und kein Tisch zum Essen. Das Essen wurde auf dem Flur eingenommen. Mir war es die erste Woche egal, ich bekam sowie so nichts zu Essen. Ich fühlte mich fremd und einsam in diesem Krankenhaus, was aber, man sollte es nicht glauben, die nächsten Tage und Wochen verging. Es war für mich zeitweise zum zweiten zuhause geworden. Man lernte die Ärzte, Schwester und Mitpatienten kennen. Ich wollte zwar nicht für immer im Krankenhaus bleiben, aber es ließ sich aushalten.
Der erste Morgen war schon entsetzlich für mich, ich hatte wie ein kleines Kind ›das Bett voll‹ gemacht. Die Schwestern nahmen es gelassen überzogen es frisch. Dann bekam ich bis zur Operation, ›Pampers für Erwachsene‹ . Was es alles gibt, dachte ich. Dann gingen die Untersuchungen los, die waren natürlich nicht angenehm, da es sich immer um den Darm handelte. Sie zogen sich die ganze Woche hin, mehrere Darmspiegelungen, mit und ohne Kontrastmittel, mir wurden Sonden eingeführt, es wurde geröntgt und mehrere CTs durchgeführt. Ich habe es über mich ergehen lassen (müssen), andere Chancen hatte ich nicht und ich wurde regelrecht gleichgültig.
Am Freitag wurde mir mitgeteilt, dass ich am Montag operiert werden sollte. Die Diagnose hatte sich bestätigt. Bei mehreren Gesprächen wurde ich durch die Ärzte über die Operation aufgeklärt und vorbereitet, das letzte Gespräch fand am Freitag statt.
Bei den Gesprächen ging es im Prinzip darum, mir die drei Alternativen aufzuzeigen;

•• – die Erste war, es wird ein Stück vom Darm entfernt, dann wird er wieder zusammengenäht
         und es ist alles o.k.
•• – die Zweite wie oben, nur es gibt einen künstlichen Darmausgang für einige Zeit oder für immer,
•• – die Dritte war, man kann nichts mehr machen und dafür gab es Anzeichen,
         da der Tumor in der Nähe der Leber war.

Nun musste ich entscheiden ob ich die Operation überhaupt will, natürlich entschied ich mich für die Operation. Ein Grund dafür war, dass ich im Krankenhaus nicht das Gefühl hatte als Schwerkranker behandelt zu werden, deshalb habe ich versucht, den Gedanken an den Tod zu verdrängen, aber irgendwo nistet er sich eben doch im Hinterkopf ein.
Bis zu Operation habe ich mehrmals Besuch von meinen Verwandten bekommen, dass heißt von meiner Cousine, ihrem Sohn und von meinen Zwillingstanten, der letzte Besuch war am Sonnabend. Meine Frau habe ich angerufen und sie gebeten mich am Sonntag noch einmal zu besuchen, sie hat mir damals versprochen es zu versuchen, aber dabei blieb es. Ihre nebenberufliche Tätigkeit als Amway Berater schien ihr wohl wichtiger, ich existierte für sie gar nicht mehr.
An diesem Sonntag endeten für mich, die fast 10 Jahre Ehe, es ist mir klar geworden, sie hat sich endgültig entschieden, sie war für mich an diesem ›gestorben‹ . Oh, die Ohren klingen mir heut noch, als sie damals sagte, wir wollen so auseinander gehen, dass wir später noch einen Kaffee zusammen trinken können. Da bin ich gespannt, aber vielleicht erledigt sich das am nächsten Tag von selbst, daran habe ich ja noch gar nicht gedacht, denn beim Gericht war die Scheidung noch nicht eingereicht, dann bekommt sie gar noch die Witwenrente, das darf auf keinen Fall passieren, schon deshalb will ich überleben.
Am Sonntag musste ich noch einmal zum Röntgen, ein Arzt hatte festgestellt, dass noch eine Aufnahme fehlt. Am Abend habe ich meine Sachen in die Reisetasche verstaut und das Telefon abgemeldet. Da dieses, auch wenn man nicht telefoniert Geld kostete. Das Einpacken der Sachen in die Tasche war schon ein komisches Gefühl, so ungefähr wie ›Abfahrt ohne Wiederkehr‹ , denn die persönlichen Sachen werden im Abstellraum der Station deponiert und wenn man zurückkommt, gibt es die sie wieder, sonst bekommen sie die Angehörigen, praktisch oder?
Der nächste Tag begann wie immer, d.h. nichts zu essen, aber es stimmt nicht ganz, denn ich bekam eine Beruhigungstablette. Der Termin für die OP war für 11.00 Uhr festgelegt, das unendliche Warten begann, ich bekam mein ›Büßerhemd‹ und die weißen Kompressionsstrümpfe, ich sah richtig vornehm aus. Mir kam gleich das Sprichwort in den Sinn ›Vornehm geht die Welt zugrunde!‹ . Gegen 9.00 Uhr kam der Oberarzt, den ich bisher noch nicht gesehen hatte. Ein sehr netter, schon älterer Arzt, der mich nochmals über die Operation aufklärte. Seiner Ansicht nach würde ich 2–3 Tage auf der Intensiv Therapie Station (ITS) liegen und dann wieder in diese Abteilung zurückkommen. Er hat mir aufgrund seiner ruhigen Ausstrahlung doch sehr viel Vertrauen gegeben. Denn je näher der Termin kam, umso mehr war es mit meiner Ruhe vorbei. Es ist ja auch gelogen, wenn man sagt es lässt einem kalt, denn wenn es soweit ist dann hängt man doch am Leben.
Die Zeit verging es tat sich nichts, man wird mich doch nicht vergessen haben. Mir kamen Erinnerungen an meine Gallenoperation, da wurden bestimmte Stellen des Körpers schon einen Tag vorher von ›allen Haaren‹ befreit und man bekam noch einen Einlauf, obwohl im Darm hatte ich ja nix mehr. Ich wollte mich schon danach erkundigen, man will ja nichts falsch machen! Verspätet wurde ich in meinem Bett abgefahren, was zwei Krankenschwestern übernahmen. Das Gefühl mit dem Bett gefahren zu werden kann ich kaum beschreiben, es ist mit einem Karussell zu vergleichen. Es ging über Gänge und Fahrstühle, für die Schwestern war es nicht traurig, denn sie machten ihre Scherze, irgendwann kamen wir an. Ich wurde über einen ›Ladentisch‹ gereicht, auf eine nicht so weiche Pritsche umgebettet und es gab wieder was Neues zum Anziehen. Dann ging es in einen fensterlosen Raum und ich musste mich auf eine andere Pritsche setzen. Es waren vielleicht vier Leute um mich herum, aber ich war schon benommen, kann mich heut nicht mehr so richtig erinnern. Es war aber schon wichtig was hier geschah, man versuchte mir einen so genannten Schmerzkatheter ins Rückenmark zu legen, was nicht so richtig gelang. Ich kam mir vor, wie schon bei der Operation, ich blutete wie eine ›Sau‹ . Ich wurde noch einmal umgebettet, es war eine harte Wanne, dann bekam ich die Spritze in die Vene, ich hatte das Gefühl in ein tiefes, sehr tiefes schwarzes Loch rücklinks zu fallen und schwebte davon.
War es nur ein Traum oder hatte mich das Leben wieder. Noch konnte ich meine Umgebung nicht fassen, es war dunkel um mich herum. Aus weiter Entfernung drang eine Stimme an mein Ohr und sagte: »Es ist vorbei!«, aber was ist vorbei. War es das Leben oder die Operation? Es muss wohl die Operation gewesen sein. Noch im Unterbewusstsein bemerkte ich, dass sich jemand an mir zu schaffen machte, man hob mich oder schwebte ich immer noch. Ein Gesicht schaute mich nah an und wollte von mir wissen, wann wir mit der Physiotherapie beginnen wollen. Eine weitere Stimme sagte zu mir: »Den kenne ich doch!«. Dann wurde es wieder ruhig um mich, wahrscheinlich bin ich noch einmal eingeschlafen.
Als ich dann wieder aufwachte befand ich mich auf der Intensiv Therapie Station des OZK. Es war noch hell und die Sonne schien auf mein Bett, langsam kam ich nun zu mir. Es lag noch ein Patient im Raum, aber ich hatte den Fensterplatz. Ich habe mir nicht getraut mich zu bewegen und schaute erst einmal genauer um mich. Es war ein einziges Chaos, überall hingen Schläuche und Kabel( Mund, Nase, Körper, Harnröhre) von mir und es piepste unaufhörlich. Ich fühle ein Pflaster am Bauch, aber keine weiteren Wunden. Kein künstlicher Darmausgang? Nein es war keiner vorhanden, ich konnte es noch gar nicht fassen, die Tränen flossen in ›Strömen‹ . Dann erschien jemand an meinem Bett, es war die männliche Schwester Ralf, die mich fragte: »Wie geht es Ihnen, Herr Ullmann?«, anfänglich konnte ich nicht glauben, dass ich eine Operation hinter mir hatte. Ich war an Krebs operiert worden und lebte. Er versucht, so hatte ich den Eindruck mich durch ständige Fragen wach zu halten. Mehrmals kam die Ärztin und unterhielt sich mit mir, über meinen Job als Taxifahrer, später wurden mir auch schon ein Schlauch entfernt, die Magensonde, die Sauerstoffzufuhr behielt ich noch in der Nase. Während der Operation haben die Ärzte einen Katheter in die Vene gelegt, hier liefen mehrere Infusionen hinein, elektronisch gesteuert.
Anfänglich ging es mir den Umständen entsprechend gut, ich hatte keine Schmerzen. Man hatte mir immer wieder gesagt, wenn ich Schmerzen hätte sollte ich mich gleich bemerkbar machen. Dann fingen die Schmerzen trotz Schmerzkatheter gegen Abend an und waren nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen. In der Nacht bekam ich mehrmals Morphium gespritzt, was aber nichts half, ein Arzt hat den Katheter am, bzw. im Rückenmark untersucht. Ich habe auch kaum schlafen können. Auf der Station ist schlafen sowieso nicht oder kaum möglich. Die Schwestern sind sehr besorgt und haben immer was am Patienten zu reparieren. Am nächsten Morgen wurde geklärt, wieso ich die Schmerzen nicht loswurde. Es stellte sich heraus, dass der Schmerzkatheter wahrscheinlich nicht richtig im Rückenmark saß und ich bekam ab sofort zusätzlich (man nannte es Bonus) eine Dosis Schmerzmittel durch einen der Schläuche. Ich war ja erstaunt, dass ich mich früh schon im Sitzen waschen musste, dazu wurden alle Kabel und Schläuche abgeklemmt und dann ging es los. Zu Essen gab es natürlich nichts. Nun hatte ich schon über eine Woche nichts Richtiges mehr zu Essen bekommen. Trotzdem, auch wenn es vielleicht durch meine Wirbelsäule nicht so richtig mit dem Schmerzkatheter geklappt hat, lasse ich auf das gesamte Team nichts kommen. Die Visite war zufrieden mit mir, da der schnelle Herzschlag zu hören war, beruhigte man mich. Der Oberarzt von meiner Station war auch dabei, was mir gut tat, denn endlich sah ich ein mir bekanntes Gesicht. Da ich sowieso ein sensibler Mensch bin, sind mir wieder paar Tränen über das Gesicht gerollt. Nach der Visite dachte ich, dass es etwas ruhiger wird aber es war eine Fehleinschätzung. Es kam die Therapeutin, alle Kabel und Schläuche wurden wieder abgeklemmt. Ich glaubte es kaum, als ich hörte, dass ich aufstehen und paar Schritte machen sollte. Es hat auch geklappt und Nachmittag das Gleiche noch einmal. Meine Cousine und Tante haben mich besucht, auch sie haben sich gefreut, dass es mir einigermaßen gut ging. Die Nacht verlief wieder unruhig, obwohl sich die Schmerzen im erträglichen Rahmen hielten. Als ich am Mittwoch aufwachte ahnte ich noch nicht, dass es mein letzter Tag auf der ITS werden sollte und es gab ein Problem, nicht so sehr für mich, sondern für die Schwestern. Ich hatte kein Rasierzeug von meiner Station mitgenommen, nur die Zahnbürste, die Schwestern wollten nur gepflegte Patienten auf der Station haben. Ich entwickelte mich doch noch zum Problemfall. Da sie mich nicht so liegen lassen wollte, hat man versucht mich mit einem, wahrscheinlich 50 Jahre alten, elektrischen Apparat, zu rasieren und letztendlich hat es auch einigermaßen geklappt, wer weiß was oder wer damit schon alles rasiert wurde.
Am Nachmittag musste ich mit meiner Therapeutin schon über den gesamten Flur laufen. Es hat mir sicherlich für den Heilungsverlauf gut getan, obwohl es genervt hat. Auf der Station wurde ich mit solcher Therapie in Ruhe gelassen, weil ich von mir aus, viel gelaufen bin. Ich merkte am späten Nachmittag eine gewisse Unruhe auf der Station, man sucht einen Patienten der schon auf die ›normale‹ Station verlegt werden könnte. Für mich eigentlich ein gutes Zeichen, denn man hatte mich ausgewählt. Nun ging es mir bald zu schnell. Der Herr Professor war noch einmal an meinem Bett und sagte mir: »Später hätten sie nicht kommen dürfen, Herr Ullmann, dann wäre es mit Sicherheit vorbei gewesen!« Da fingen die salzigen Tropfen gleich wieder an zu laufen, ehrlich sind die Ärzte hier.
Danach war Eile geboten, ich konnte gerade noch sagen, dass mich meine Tante besuchen kommt und sie möchten ihr mitteilen, wo ich bin, weil sie nicht gut sieht. In meiner Station kam ich auf ein anderes Zimmer, ein Zweibettzimmer, ein Bett war schon belegt und meine gepackte Reisetasche bekam ich auch zurück. Nun lag ich da mit meinen Schläuchen und Tröpfen. Der ältere Herr hat mich herzlich empfangen und wie es so üblich ist wurden die Krankengeschichten ausgetauscht. Irgendwie kommt man zurück in eine fremde, andere Welt und fühlt sich unbeholfen.
Auf der ITS hat eine Schwester zwei Patienten zu betreuen und hier zwei Schwestern 20 Patienten. Zum Glück kam meine Tante zu Besuch und hat mir meine Sachen in den Schrank eingeräumt. Die Nacht verlief besser als ich dachte, ich bekam schon einen kleinen Schluck zu trinken, aber nix zu essen. Schon in der ersten Nacht hatte ich den Eindruck, ich bin wieder umsorgt, die Nachtschwester kam mehrmals zu mir, um sich um mich zu kümmern. Ich hing aber immer noch an meinen Schläuchen, ein permanenter Brechreiz überkam mich. Ich hatte panische Angst davor, nach einer frischen Operation einen Hustenanfall zu bekommen und jetzt war es bald soweit. Mir kam sofort der Gedanke, dass ich ja seit der OP noch keine Tablette gegen den Diabetes eingenommen hatte. Ich klingelte nach der Schwester, es wurde sofort der Zuckerwert gemessen, der aber relativ normal war.
Meine Cousine kam mich am Vormittag besuchen und hat das Telefon wieder aktiviert, denn ich musste mich ja bei meiner Familie zurückmelden. Aber sie merkte bald, dass ich Probleme hatte. Ein Arzt war nicht zu sprechen, alle waren sie im Operationssaal, aber nachmittags hat man mir die Tröpfe vorläufig abgenommen und der Brechreiz war weg. Bis dahin habe ich schreckliche Stunden erlebt. Die Visite am Abend ergab dann zu meiner Freude, dass ich auch nicht wieder angeschlossen werde, gegen den Brechreiz bekam ich ein Medikament. Am nächsten Tag (Freitag) gab es schon eine Suppe zu den Mahlzeiten und der Blasenkatheter wurde ebenfalls entfernt. So langsam kam alles heraus was nicht zu mir gehörte.
In den Vormittagsstunden erschien eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes bei mir, bis dahin hatte ich keine Zeit, mich mit dem Leben nach dem Krebs zu beschäftigen. Eine nette, einfühlsame Frau stand vor meinem Bett. Es ging um solche Fragen wie; Beantragung der Schwerbehinderung nach Krebsoperation, Beantragung einer Reha (ich hatte noch nie eine Kur) und Betreuung durch die Krebshilfe des Bezirksamtes. Es war für mich ein, sehr aufschlussreiches, Mut machendes Gespräch aber dann kam mir wieder die Gedanken der Existenzangst. Ein schwerbehinderter, selbstständiger Taxifahrer wie soll das funktionieren! Allerdings wusste ich auch, dass es erst einmal Krankengeld für noch fast 1 1/2 Jahre gibt und das war mehr als ich beim Taxifahren verdiente. Also, erst einmal ruhig bleiben war die Devise und wer es kann ist fein raus.
Sonnabend kamen meine Tanten und Cousine zu Besuch, aber so richtig gut ging es mir immer noch nicht, sie haben es wohl auch gemerkt und machten deshalb nur einen kurzen Besuch. Sonntag, es ging mir wesentlich besser, ich durfte Duschen und das Pflaster auf der Operationsnarbe wurde entfernt. Nach so kurzer Zeit und Wasser, da habe ich schon andere Erfahrungen gemacht. Na ja es waren eben die neuen Methoden, wahrscheinlich gute, denn ich habe keine Probleme mit meiner Narbe, Fäden mussten auch nicht gezogen werden.
Ich hatte allen Grund zur Freuden, meine Eltern, Schwestern und mein Schwager kamen am Sonntag zu Besuch. Da ich schon viel trainiert hatte, konnte ich sie im Hof empfangen und wir gingen gemeinsam in die Cafeteria. An ihren erstaunten Gesichtern konnte ablesen, dass sie eher dachten einen bettlägerischen, todkranken Menschen vorzufinden. Eine wirklich gelungene Überraschung, dafür war ich meiner Familie sehr dankbar, denn Bautzen liegt ja nicht gerade um die Ecke.
Ja, ich fühlte mich wie schon oben erwähnt ziemlich zuhause im Krankenhaus. Als man mir aber am Montag sagte, dass ich erst in der nächste Woche entlassen werde, konnte ich gar nicht begreife warum. Da aber sowieso niemand auf mich gewartet hat, nahm ich es zu Kenntnis, aber ich wollte unbedingt Vollkost haben und ich war froh, dass keiner nach der Diabetes gefragt hat. Ich hatte einen vorher nicht gekannten Appetit auf reichliches Essen, was sicherlich kein schlechtes Zeichen ist. Es gab eine schlimme Krankheit, die ich überstand und deshalb verdiente ich die Vollkost. Fast 2 Wochen nichts Richtiges zu essen, deshalb mahnte ich bei der Visite am Nachmittag selbige an und bekam sie auch. Als ich zum Abendbrot meine Vollkost betrachtete, habe ich mich, wie Weihnachten gefreut und aß Sachen, die ich unter normalen Umständen nie und nimmer gegessen hätte,(Schmelzkäse, Blutwurst, und vieles andere mehr), es gab sogar noch Nachschlag von den Schwestern und was meine Zimmerkollege nicht wollte, aß ich auch noch, ich freute mich auf jede Mahlzeit.
Ich kann es immer noch nicht richtig begreifen, dass ich die Operation überstanden habe, denn die Statistik beschreibt ein nicht so gutes Bild. Oder war ich einer von den jährlich 30.000 ›Darmkrebsen‹ die es überstanden haben. Das war dann doch fast wie ein Lottogewinn und über einen Gewinn freut man sich. Aber mit wem sollte ich die Freude teilen, wer war da, es gab nur meinen engerer Familienkreis, ja die waren immer für mich da, dass ist ein Markenzeichen der Familie Ullmann. Da es nicht überall so ist, erfüllt mich das mit Stolz.
Die anderen ›Freunde‹ und so genannten Bekannten, wo waren sie? Von den 40 Leuten die meinen Geburtstag ausgelassen gefeiert haben, wird sich später mal keiner rausreden können und da gibt es einige von denen ich es nicht erwartet hätte, vielleicht kommen später noch welche zur Besinnung, vielleicht tue ich auch den Menschen Unrecht, da ich nicht weiß was meine ›zukünftige Ex – Frau‹ alles über mich erzählt hat. Im Schlechtmachen war sie Meister und konnte das auch glaubwürdig rüberbringen.
Mein Nochschwager hat mich als einziger im Krankenhaus besucht, da habe ich in der Cafeteria probiert, ob das Bier noch schmeckt, ja es schmeckte noch, so gut, dass ich mir eine Flasche mitnahm und im stationseigenen Kühlschrank deponierte. In der letzten Woche im Krankenhaus ging ich viel spazieren und machte mir über mein bisheriges und zukünftiges Leben viele Gedanken.
Wenn man alleine ist kommen einem schon die ausgefallensten Ideen und mir kam in den Sinn, Vögel zu halten. Diesen Gedanken hatte ich eigentlich schon vor meiner Krankheit, da von meinem Wohnzimmer ein kleines Zimmer abging, kaum zu nutzen für irgendwelche Zwecke.
Bei der Visite, am Nachmittag wurde mir mitgeteilt, auf der Station war immer früh und nachmittags Visite, dass ich am Mittwoch nächster Woche entlassen werde, aber da ein Lymphknoten ›etwas abbekommen‹ hat, muss ich mich einer Chemotherapie unterziehen, dass auch noch eine Bestrahlung erfolgt, wurde mir vorerst nicht gesagt.
Immer hatte ich in Verbindung mit Krebs von Chemotherapie bzw. Strahlentherapie gehört, aber so richtig habe ich mich damals nicht dafür interessiert, ja es betraf mich ja nicht und nun hatte ich diese Therapien selbst am Hals, so schnell geht es manchmal.
Gleich kamen mir die Menschen im Sinn die ich, mit dem Taxi zu solchen Therapien gefahren habe, also auch mir bleibt es nicht erspart. Ich dachte aber sei froh, dass du lebst und jammere nicht. Also, ein Lymphknoten von 30, sagt der Doktor, dann habe ich ja Glück, oder! Trotzdem war mein Optimismus etwas gedämpft worden, doch keine Zebrafinken?
Man sagte mir auch, dass das Probleme mit dem Stuhlgang immer wieder auftreten können, vor allem Durchfall, was aber normal wäre. Der Tumor war zwar nur knapp 8 cm groß, aber es wurden ca. 25 cm vom Darm entfernt.
Es verlief bis zur Entlassung alles gut. Die Sozialarbeiterin des Krankenhauses hat noch den Antrag auf Schwerbehinderung eingereicht, bei der Reha – Maßnahme, haben wir uns geeinigt, diese nach der Chemotherapie zu beantragen. Am Mittwoch war es dann soweit, ich konnte nachhause gehen, nun hat es doch über drei Wochen gedauert, zuvor musste ich noch bei der Onkologin vorbei und den Arztbrief,

Chirurgische Klinik Berlin, den 25.07.2000
Allgemein–und Visceralchirurgie
Chefarzt: Prof.Dr.med.K.Gellert
Station : 3.3. Ullmann, Henry, geb. am 27.12.1948. Schwalbenweg 37, 12526 Berlin
Stationär vom 03.07. bis 25.07.2000

Diagnose:         Adeno–Karzinom des rektosigmoidalen Überganges
                           Diabetes mellitus (tablettenpflichtig)
                           Z.n. Nephrolithiasis

Therapie:          Anteriore Rektumresektion, Rekonstruktion mittels Descendorektostomie am 10.07.2000

Histologie:       Ca. 70 mm mess., nach Ang. im Rektosigmoid lokalisiertes, mäßig diff., tubuläres Adeno – Karzinom mit breiter Infiltration des paracolischen Fettgewebes, Angiosis carcinomatosa. In einem von 32 Lymphknoten des paracolischen Fettgewebes eine Metastasierung. Ein kleines tubuläres Dickdarmadenom mit bis mäßiggradigen Epitheldysplasien. Die Resektionsränder des Darmpräparates tumorfrei.
Im Rahmen der praeoperativen Vorbereitung führten wir am 04.07.2000 eine kontrastmittelverstärkte Abdomen–Computertomographie mit dem Nachweis einer hochgradig malignomsuspekten Wandverdickung des Sigma bzw. Rektosigmoids durch. Hierbei war eine Infiltration der Harnblase nicht auszuschließen. Ferner erfolgte der Nachweis grenzwertig großer Lymphknoten lateral der Aorta cranial der Bifurkation.
Die am 07.07.2000 durchgeführte retrograde Colondarstellung im Doppelkontrast ergab malignomtypische Raumforderung im rektosigmoidalen Übergang, Sigmadivertikulose. Das übrige Colon ohne Hinweis auf einen stenosierenden Prozess.
Am 10.07.2000 erfolgten die anteriore Rektumresektion sowie die Rekonstruktion mittels Descendorektostomie. Der postoperative Verlauf gestaltete sich ohne Komplikationen.
Im Rahmen des histologischen Staging ergab sich die Indikation zu einer adjuvanten Chemotherapie. Herr Ullmann wurde über die Notwendigkeit dieser Therapie sowie die Möglichkeit, diese bei Frau Dr.med. Zippel in der Chirurgischen Poliklinik am Hause durchzuführen, aufgeklärt.
Wir entlassen Herrn Ullmann am 25.07.2000 mit primär verheilten OP–Wunden, termingerecht gezogener Wunddrainage, gut toleriertem oralen Kostaufbau, regelrechter Stuhlgangsfunktion sowie in subjektivem Wohlbefinden in die weitere ambulante Betreuung.
Laborwerte (SI – Einheiten) : bei Entlassung alle Werte im Normbereich
Medikation : Antra 20 1 – 0 – 1
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. med. K. Gellert Chefarzt
Dr.med H. Gran Oberarzt
St.Eggeling Facharzt für Chirurgie

abgeben, erhielt meinen ersten Termin, danach ging es mit dem Krankentransport nachhause, ein ganz eigenartiges, erhebendes Gefühl durchströmte mich. Irgendwie war mir warm ums Herz und man sieht die Welt tatsächlich mit ganz anderen Augen.
Ich glaube, ich sah in dieser Zeit zum ersten Mal das Abendrot an meinem ›Lebenshorizont‹ ganz deutlich vor mir. Seine Farben lassen sich leichter deuten, wenn man die Augen reichzeitig für die Gezeiten des Lebens schult. Zum Glück erstrahlte nun das Morgenrot wieder auf.
In meiner Wohnung angekommen, mein Kühlschrank war gefüllt worden von den guten Geistern, meiner Cousine und ihrem Sohn, die auch noch am selben Tag nach dem Rechten sahen, trotzdem fühlte ich mich in der Wohnung einsam. Von meiner Krankheit, ich konnte es gar nicht glauben, spürte ich kaum etwas, ich hatte Appetit auf alles, auch auf Bier und Zigaretten. Im Krankenhaus rauchte ich natürlich nicht. Ich probierte es erst einmal mit einer Pfeife, na ja! Dann war baden angesagt, denn die sanitären Einrichtungen im Krankenhaus waren zwar in Ordnung, aber es gab für alle männlichen Patienten nur eine Toilette, mit Dusche, man konnte die Dusche benutzen oder die Toilette. Die baulichen Voraussetzungen gaben eben nichts anderes her. Aber wenn alles andere stimmt ist es schon o.k. so. In den rekonstruierten Teilen des Oskar Ziethen Krankenhaus sind Toiletten und Duschen auf den Zimmern. Damals konnte ich auch noch nicht ahnen, dass mir das Baden bald nicht mehr soviel Freuden bereiten würde, ich habe immer gern und ausdauernd gebadet.
Mein erster Termin bei der Onkologin in der Poliklinik des Krankenhauses gab mir wieder Mut, mit zitternden Knien bin ich hingegangen. Der Therapieplan sah vor, dass ich vier Staffeln Chemotherapie bekomme, nach den ersten beiden Staffel sollte ich zur Bestrahlung, wahlweise entweder in die Charité in Berlin Mitte, oder nach Berlin – Buch gehen. Zur Beruhigung sagte sie mir, dass es nicht so eine ›scharfe‹ Chemotherapie wäre, die in der Regel gut vertragen wird. Die Ärztin, ca. 35 Jahre alt machte auf mich einen zuverlässigen, sympathischen Eindruck und stand mit den Ärzten der chirurgischen Station des OZK in Verbindung. Heute bekam ich noch keine Therapie, sie gab mir noch eine Woche Zeit, die ich in Bautzen bei meinen Eltern und Geschwistern verbrachte. Die Freude war mich wieder zu sehen. Aber auch hier gab es zwar im engsten Familienkreis kleine Berührungsängste im Umgang mit einem Krebskranken, aber man merkte doch eine gewisse Zurückhaltung und Unsicherheit, also man wird z.B. nicht direkt gefragt: »Hallo, wie geht es dir?«, sondern schon etwas vorsichtiger. Nach der Krankheit oder Operation fragt man überhaupt nicht.

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4. Genesung, Hoffnung und ein Schicksalsschlag

Vor der ersten Chemotherapie hatte ich einen Termin bei meiner Diabetologin, der Zucker war etwas erhöht. Sie war aber der Meinung, dass die Krebsnachsorge Vorrang hat. Sie ist eine sehr umsichtige Ärztin, bei der aber aufgrund ihrer Sorgfalt erhöhte Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen, was ich gern tue.
Es war zwar nicht so wie zur Operation, aber ein komisches Gefühl hatte ich bei der ersten Chemotherapie schon, deshalb bin ich auch nicht mit dem Auto gefahren. Ich wurde auf das Zimmer geführt, in dem zwei Betten waren, musste mich hinlegen, Schwester Jutta bereitete alles vor und dann kam Frau Doktor. Die Kanüle wurde in die Vene gesetzt, es war ein kleiner und ein großer Beutel, den ich bekam. Die Schwester und auch Frau Doktor sahen immer nach dem Rechten. Das Ganze dauerte ca. eine Stunde, dann gab es noch nach Wunsch eine Tasse Kaffee und etwas Keks bzw. Obst und zwischendurch wurden noch Bonbons gereicht. Die Führsorge war nicht schlecht. Trotzdem sitzt man so wie ein ›Karnickel vor der Schlange‹ und wartet was passiert, aber es passierte nichts, die Infusionen liefen durch die Vene in den Blutkreislauf, oder so ähnlich. Ich staunte nicht schlecht, als eine Ärztin aus der zuständigen Apotheke, die den ›Cocktail‹ gemixt hatte, kam und sich nach meinem Befinden erkundigte.
Die Infusion heißt Folinsäure welche in Kombination mit 5–Fluorouracil (5–FU)verabreicht wird. Folinsäure wird in synergistischer Kombination mit dem Zytostatikum 5–Fluoruracil in der Chemotherapie zur Behandlung von Dickdarmkrebs und anderen Tumoren verwendet. Folinsäure bindet an das Enzym Thymidilat–Synthase und führt dadurch zur Erniedrigung der intrazellulären Thymidilat–Konzentration, wodurch die zytostatische Wirkung von 5–FU verstärkt wird. So steht es in der Arzneikunde.
Die Chemotherapie ging immer von Montag bis Freitag und dann waren 3 Wochen Pause. Ich habe in der ersten Woche gleich verschiedene Unternehmungen getestet. Es tat mir nichts weh und sonst ging es mir auch nicht schlecht. Ich hatte so gut wie keine Nebenwirkungen, die Probleme mit dem Darm, auf die man mich im Krankenhaus schon vorbereitet hat waren natürlich da, das heißt Durchfall und leichte Darmschwäche besonders nachts, aber ich dachte mir immer noch besser als ein künstlicher Darmausgang. Die Waschmaschine heißt ja nicht umsonst so, hoffentlich hält das alte Gerät noch lange durch.
Nun wollte ich meinen Plan verwirklichen und eine Zimmervoliere für die, noch nicht vorhandenen, Vögel bauen. Also fuhr ich wieder zu meinen Eltern nach Bautzen, wo ich die Möglichkeiten hatte so etwas zu machen. Ich hätte Bäume ausreißen können. Dann waren die drei Wochen auch schon wieder vorbei und die nächste Staffel begann. Dieses Mal war es anders gewesen, es überfiel mich eine totale Unlust und ich nahm, trotz reichlichen Essen nichts zu. Es waren ca. 63 kg die ich damals noch wog, ich schlief tagsüber sehr viel und nachts war ich munter.
Meine zukünftige EX – Frau konnte ich natürlich so leicht nicht vergessen, oft dachte ich, eigentlich könnte sie dich ja einmal anrufen, um zu fragen wie es mir geht! Obwohl ich ja mit ihr abgeschlossen hatte oder doch noch nicht? Seit dem Anruf vor der Operation habe ich nichts mehr von ihr gehört. Machte es mich wirklich traurig, ich glaube es ist nicht die richtige Empfindung. Dann kam tatsächlich ein Anruf von ihr. Es ging aber nur um den verteuerten Kredit den wir genommen haben.
Mittlerweile erfuhr ich, dass sie mit einem Mann zusammenlebt. Irgendwie ›muss‹ ich das verstehen. Wenn es dieses Mal ehrlich ist, dann sollte sie konsequent sein, trotzdem denke ich oftmals, es ist ein Traum.

CHEMOTHERAPIE UND ALLEIN, WAS GIBT ES EIGENTLICH SCHLIMMERES UND TROTZDEM GEHT ES WEITER

Ein Ende der Behandlung war noch in weiter Ferne und da konnte noch einiges auf mich zukommen. Ich hatte und habe keine Depressionen, trotzdem sinnt man über die Ungerechtigkeit im Leben nach.
Vor der zweiten Staffel war ich bei der Krebsführsorge im Bezirksamt und wieder muss ich sagen, zu der für mich zuständigen Sozialarbeiterin, habe ich sofort einen ›heißen Draht‹ herstellen können. Mir fällt es eigentlich schwer mich sofort zu öffnen und zu erzählen, aber wie so oft in meinem Leben nach dem Krebs, ging es sofort und einfacher. Die Sozialarbeiterin wird auch in der kommenden Zeit meine Ansprechpartnerin bleiben, die alles von mir erfährt, zu der ich Vertrauen habe, die mir zuhört und auch wenn sie nicht auf alle Probleme Einfluss hat oder sie lösen kann, bin ich ihr sehr dankbar.
Meiner Meinung nach ist eine solche Stelle im Bezirksamt sehr wichtig für uns, sie hilft oft mehr als das Gespräch mit den Angehörigen oder in Selbsthilfegruppen. Davon habe ich bisher nichts gehalten, deshalb ist die Einschätzung auch subjektiv.

MEIN TRAUM IST EINE HOMEPAGE FüR BETROFFENE MENSCHEN IM INTERNET

Dazu ist die finanzielle Voraussetzung nötig und ich muss mir die Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen. Bereits jetzt habe ich viele E – Mail Kontakte, die mich in diesem Gedanken bestätigen. Ich möchte vielen Menschen helfen. Den Anfang mache ich, indem ich meine Erfahrungen aufschreibe, egal ob ich sie später nutze.
Die zweite Staffel begann, Frau Doktor und Schwester Jutta waren wie immer besorgt um ihre Patienten. Ich habe sie wieder ganz gut überstanden, aber nicht si wie die erste, eine lähmende Unlust und Müdigkeit machte sich breit. Zum Abschluss wurde mir dann eröffnet, dass ich im Oktober zur Bestrahlung in die Charité muss. Die Ärztin hatte schon alles eingeleitet und einen Termin für mich besorgt. Beim Blutbild wurde eine Entzündung diagnostiziert und ein hochgradiger Eisenmangel, aber die Sonografie des Bauchraumes war in Ordnung.
Meine Voliere war noch nicht fertig, es gab noch kleinere Arbeiten und so fuhr ich nach Bautzen, aber auch hier hatte ich keine Lust, wirklich etwas Sinnvolles zu machen. Meinem Vater ging es auch nicht gut, sein Krebs ›nagte‹ auch immer mehr an ihm, es war schon traurig. Mein Vater, immer ein lebenslustiger, lebensbejahender Mensch wird immer schwächlicher. Er ließ es sich aber nicht nehmen die Walnussernte zu leiten und die Trocknung organisieren. Er hat diesen Baum vor vielen Jahren gepflanzt und nun trug er Nüsse, leider wird es seine letzte Nussernte sein. Das alles baute mich auch nicht auf, selbst das Hobby der Familie Ullmann, Pilze suchen, konnte mich nicht begeistern.
Ich fuhr bald wieder nach Berlin zurück, musste noch den Termin bei meinem Hausarzt wahrnehmen und bei der Diabetologin. Mein Hausarzt sah mich nach der Krebsoperation das erste Mal und war natürlich über meinen Zustand nicht gerade begeistert. Ich informierte ihn wie es weiter geht.
Ehrlich sagte er zu mir; » Henry, ich hätte nicht geglaubt, dich noch einmal wieder zusehen!« Er und nur er darf das zu mir sagen.
Der Zuckerwert war nicht so gut und die Medikation wurde erhöht, aber um es deutlich zu sagen, der Zucker war für mich in dieser Zeit nicht so maßgeblich. Näher stand, an Krebs zu sterben, als an Zucker. Ich habe mich dann so langsam auf die Bestrahlung in der Charité vorbereitet, wieder was neues Unbekanntes stand vor mir. Angst hatte ich eigentlich nicht, oder doch?
Ich kannte die Strahlenklinik aus meiner Tätigkeit als Taxifahrer, wusste was dort für Menschen hingefahren und kannte ihre ängstlichen Gesichtsausdrücke.
Am ersten Tag ging es ja um noch nichts. Das System in der Strahlenklinik ist schon gewöhnungsbedürftig, dazu aber später mehr. Die Ärztin, hat mich über die Nebenwirkungen der Bestrahlung informiert und ich musste mehrere Einwilligungserklärungen unterschreiben. Im Einzelnen ging es darum, weil der Lymphknoten so blöd lag, den habe ich mir aber nun wirklich nicht ausgesucht, dass der Harnleiter bzw. die Harnblase in Mitleidenschaft geraten könnten. Aber so schlimm wäre es nicht, durch einen OP könne man das wieder in Ordnung bringen. Doch dann kam der erste Schock, über die gesamte Zeit der Bestrahlung sollte ich eine permanente Chemotherapie bekommen, durch den Einsatz einer Pumpe. Vor lauter Aufregung und Nervosität habe ich vergessen näher Einzelheiten zu erfragen. Es ist schon eigenartig, ich war wie gelähmt obwohl noch gar nichts passiert ist. Ein Termin für die Simulation wurde vereinbart, Simulation was mag das sein. Ich musste alles erst einmal verdauen. Wieder war ich mit meinen Problemen allein zu Hause, es gab auch keinen ›Telefonjoker‹ , ein kleiner Scherz am Rande.
Der Termin für die Simulation war der 19.10.2000, das erste was passierte, es wurde ein Foto von mir gemacht, warum konnte ich bis heute nicht ergründen, dann wurde ›simuliert‹ . Es war eigentlich nichts anderes als eine Probebestrahlung mit Anzeichnung der Bestrahlungspunkte.

Mein Gesicht spricht Bände



Das Foto habe ich im Jahre 2005 aus
meiner Akte mitgenommen,
eigentlich wolle ich es wieder abgeben,
aber dazu bin ich nicht mehr gekommen,
weil ich vorerst nicht mehr zur Kontrolle kommen muss.

Ich glaube da ist sogar ein leiser Hauch eines Lächelns,
obwohl mir danach bestimmt nicht zu mute war.

Es ist Geschichte,
aber vergessen kann ich es nicht.
Der erste Termin für die Bestrahlung wurde festgelegt und ich musste 08.00 Uhr in der Tagesklinik erscheinen. Es wurde also ernst, los ging es am 26.Oktober 2000 und dauerte bis 06.Dezember 2000. Meine ›Strahlenkanone‹ hieß Clinac 3, was der Name auch immer bedeuten mag, mir war es egal. Zuvor musste ich die Kostenübernahme mit der Krankenkasse klären, was natürlich ohne Beanstandung genehmigt wurde. Man hat mir auch die Fahrt mit dem Taxi genehmigt, aber die Ärztin in der Charité hielt dies erst einmal nicht für notwendig. Diese Entscheidung fand ich sehr eigenartig. Also musste ich von Montag bis Freitag mit der S– und U–Bahn in die Charité fahren, ich war ja nicht alleine, meine Umhängetasche mit der Infusionspumpe begleitete mich, zum Glück konnte ich das kaschieren. Es war Herbst und die Jacke verdecktes sie ganz gut, denn ›Gaffer‹ brauchte ich in der Situation wirklich nicht.
Am 26.10.00 war es dann soweit, pünktlich wie wir Taxifahrer sind, stand ich 08.00 Uhr in der Tagesklinik. Aber es ging erst später los. Ausnahmslos alle Schwestern der Strahlenklinik waren sehr aufmerksam und man fühlte sich geborgen, obwohl es mehr oder weniger eine Massenabfertigung ist. Zur üblichen Prozedur gehörte die Blutabnahme, danach sollte der Katheter für die Chemotherapie gelegt werden. Ich kenne es schon und vermutlich wird mich das Problem bis an mein Lebensende, in unterschiedlichster Weise verfolgen, ›wenn etwas nicht klappt, dann bei mir‹ .
Meine Anfangsärztin habe ich an diesem Tag das letzte Mal gesehen, in der Charité gibt es Gruppen, ich gehörte Gruppe 3 an, dieser Gruppe waren 3 bis 4 Ärzte zugeordnet.
Der Katheter, dieser kleine Schlauch wollte einfach nicht in meine Vene, trotz intensiver Bemühung der Ärztin und Schwester Petra. Am Behandlungsraum stand paradoxerweise ›Notfallkoffer‹ dran. Es gab eine Pause, ich musste mein Mittagessen einnehmen, geschmeckt hat es mir überhaupt nicht, denn es war immer noch kein Katheder gelegt, der Termin für die erste Bestrahlung rückte auch immer näher. Ohne Chemotherapie wollte man mich auch nicht gehen lassen, ich bekam den Infusionsschlauch in die Vene auf dem Handrücken. Die Pumpe wurde mir umgehangen, ich war nicht gerade begeistert, weil es eine von der Logistik äußerst umständliche Angelegenheit war. Ich fühlte mich ziemlich hilflos, wie sollte ich mit dem langen Schlauch fertig werden?
Dann kam ich das erste Mal zum Clinac 3, der sich im Keller, neben der Strahlenklinik, befand. Ein seltsames, beklemmendes Gefühl beschlich mich, klar war die Angst auch mit dabei. Im Warteraum keine Menschen (was nie mehr vorkam), Behandlungskarte abgeben und warten. Dann wurde ich von einer leisen, undeutlichen Stimme gerufen, ich sollte in eine freie Kabine gehen. Ich rein in die Kabine und, was ich ja von der Simulation schon wusste, Unterwäsche und Socken anlassen. Dann wieder warten bis die MTA kam. Denn das waren dort keine Schwestern, ich wusste gar nicht wie ich die MTA anreden sollte. Nun schlich ich in Socken über die Auslegeware zum Clinac, es war recht unfreundlich dunkel, kalt war es nicht aber mir lief ein kalter Schauer über den Rücken und dann diese Liege, die ich ja schon kannte. Ich sollte mich auf den Bauch legen und da kam mein Problem, was später als Morbus Bechterew diagnostiziert wird, zum Vorschein. Ich konnte nicht wie verlangt meine Arme nach vorn legen, bis zur letzten Bestrahlung hatte ich dadurch ständig Probleme mit den MTAs. Die Bestrahlung dauerte immer nur kurze Zeit, wichtig war, dass man richtig lag, damit nur der Knoten bestahlt wird. Ich hielt immer die Luft an, merken tut man nichts, mein Gefühl bestand hauptsächlich aus Angst. Nachdem ich den Infusionsschlauch durch den Ärmel meiner Jacke gefädelt, die Pumpe umgehangen hatte, fuhr ich nach Hause. Die Nacht habe ich fast nicht geschlafen, der Schlauch und die Pumpe waren immer im Wege. Es war ja auch ein Provisorium.
Der Katheter war immer noch nicht gelegt, die gleiche Ärztin, eine junge, hübsche Frau, ich hätte ihr gern den Erfolg gegönnt, versuchte sich am nächsten Tag (Freitag) nach der Bestrahlung nochmals, wieder war Schwester Petra im ›Notfallkoffer‹ an meiner Seite. Es klappte wieder nicht, der kleine Schlauch wollte nicht in die Vene, angeblich war mein Blut zu dick, ich sollte viel trinken, mir war gar nicht klar was nun passieren sollte und dann kam die Rettung in Form eines Assistenzarztes, sein Name war Doktor Moser. Er schaffte es, nun musste ich noch zum Röntgen, zum Glück lag der Schlauch richtig. Ich war froh, denn 16.00 am Freitag, in den Gängen der Strahlenklinik kaum noch Begängnis. Es zog Stille ein, war ich der letzte Patient?
Das Wochenende kam in Sicht und ich konnte mich mit meiner Umhängetasche (Pumpe) anfreunden. Es war schon nicht ganz bequem und dazu kamen noch die immer größer werdenden Probleme mit der Bewegung der Arme. Ich konnte nachts sowieso nicht gut schlafen und jetzt nur noch auf dem Rücken und immer aufpassen, dass der Schlauch nicht ausreißt. Die Badewanne war für die nächsten Wochen auch passee. Ich habe in meinem Leben immer gerne und ausgiebig gebadet. Damals wusste ich noch nicht, dass es nicht mehr lange dauern wird und das Baden in der Wanne wird zum großen Problem für mich.
Was gibt es über die Bestrahlung noch zu sagen.
Jeden zweiten Tag auf die Tagesstation zum Wechseln der Pumpe, Menschen um mich und ich habe auch gesehen es gibt viele denen geht es wesentlich schlechter als mir. Doch ein gewisser Trost für mich und die Frage; habe ich es überstanden, kann man das nach dieser Zeit überhaupt schon sagen?
Immer am Mittwoch war ein Arzt am Clinac vorhanden und man konnte seine Probleme schildern. Bei mir ging bis jetzt alles einigermaßen gut. Eine Ärztin sagte mir ich hätte so große Augen, die Antwort – Rotkäppchen lässt Grüßen –, lag mir schon auf der Zunge, ich habe es dann doch gelassen. Warum fragte sie mich, weil die Vermutung nahe lag, dass ich etwas mit der Schilddrüse habe. Neuer Schock, oder was, erst einmal verdrängen und die Bestrahlung hinter mich bringen. Ja und dann war da noch ein Problem zu lösen, ich musste mein Taxi kaufen oder abgeben, denn der Leasingvertrag lief im November aus. Ich hoffte immer noch wieder einmal in meinen Job zurück zukehren, deshalb kaufte ich das Taxi. Mein Verkäufer war über mein Schicksal entsetzt, ich habe dann mit umgehängter Infusionspumpe, nicht mit der Pumpe, sondern mit Geld, das Auto gekauft. Es war natürlich eine zusätzliche Belastung, wobei man mir im Opel – Autohaus sehr entgegen kam. Da ich nicht genug Geld dafür hatte, musste ich mir deshalb von meiner Tante in Bautzen etwas leihen. Es war für sie kein Problem, meine Eltern hätten es mir sicherlich auch gegeben, aber ich wollte es so.

ICH WAR KRANK UND EINE ARME SAU

wer kann das schon von sich behaupten.
Wieder ein Freitag und die Charité suchte einen Patienten, der den Studenten vorgeführt werden kann. Es war keiner mehr da, war ich denn Freitag immer der letzte ›Kunde‹ , also fiel die Wahl auf mich, warum auch nicht ich hatte damit keine Probleme. Montag sollte ich im Hörsaal des Virchow Klinikums auftreten. Der Professor fuhr mich selbst hin, ich konnte auf alle Fragen antworten und hatte aufmerksame Zuhörer.
Jetzt wurde es aber langsam Zeit mit dem Ende der Bestrahlung, den ich bekam mehr und mehr Probleme mit dem Stuhlgang, es wurde wund am Darmausgang und am Auge entwickelte sich auch was. Trotzdem habe ich diese Phase eigentlich ganz gut überstanden, mit wenigen Nebenwirkungen. Keiner braucht sich davor zu ängstigen, aber sicherlich ist es bei anderen Menschen und Krebsen verschieden. Ich habe auch hier viel Leid gesehen und meinen ehemaligen Chef getroffen, einen feinen Menschen, dem ich von den Scheidungsabsichten gar nichts erzählt habe.
Es war Nicolaus, der 6 Dezember, diesen Tag werde ich wohl im Leben niemals vergessen, für mich ein beglückendes Gefühl, ein letztes Mal zum ungeliebte ›CLINAC 3‹ , dann wurde der Katheter entfernt und die Pumpe abgenommen, zurückblieb die Armsteife. Der nächste Termin war in drei Monaten. Ich fühlte mich frei und schwebte fast nach Hause.
Der Diabetes, er wurde im Bestrahlungszeitraum bald zum Problem, denn die Werte hatten sich ziemlich verschlechtert, die Tablettendosis wurde erhöht und ich stand kurz vor der Insulin–Spritze, zum Glück blieb die Diabetologin gelassen. Ich bekam ein Messgerät und sollte die Werte regelmäßig prüfen.
Vor Weihnachten musste ich unbedingt noch einen Plan umsetzten, in meinem Wohnzimmer gab es keine Gelegenheit mich einmal hinzulegen, ich hatte nur einen Sessel von meiner Cousine geborgt bekommen. Ich wollte mir wenigsten etwas Gemütlichkeit gönnen, verdient hatte ich mir die allemal. Bei DOMÄNE kaufte ich mir eine Polsterecke für 800 DM. Aber das alte Sprichwort ›Kaufst du billig, kaufst du zweimal‹ hat sich wieder einmal bewahrheitet. Weinachten und Silvester wollte ich in Bautzen bei meinen Eltern verbringen, deshalb wurde die Weihnachtsdekoration nicht aufgebaut.
Zuvor musste ich noch bei meiner Onkologin vorbeischauen, ein Lebenszeichen von mir geben und den Termin für die letzten zwei Staffeln Chemotherapie festmachen. Darüber hinaus musste ich die Krankenkarte abstempeln lassen, damit ich mein Krankengeld bekomme. Es waren immerhin über 2000 DM im Monat, von soviel Geld habe ich als Taxifahrer immer geträumt, aber die Quelle versiegt nach 78 Wochen. Noch war Zeit, ich dachte darüber vorsichtshalber nicht weiter nach. Im Januar ging es mit der Chemotherapie weiter.
Mir war es richtig peinlich, ich bekam Post von der Beratungsstelle für Krebskranke, meine Betreuerin hat sich Sorgen gemacht, da ich mich schon lange nicht mehr gemeldet habe, aber über die Zeit der Bestrahlung fehlte mir die Kraft dazu. Ich habe dann in nachfolgende Zeit immer sehr regen Kontakt zu ihr gehalten, was mir auch über viele Probleme hinweggeholfen hat.
Weihnachten in Bautzen, es war kalt und meinem Vater ging es schlecht, er konnte nicht einmal die traditionellen Besuche bei meinen Schwestern mitmachen. Vom Festtagsessen bei Sonja wollte er nur eine Suppe mitgebracht haben, sodass Weihnachten und auch Sylvester nicht wirklich aufbauend für mich waren. Meine Geburtstagsfeier haben wir in Auritz in der Gaststätte ›Zur Erholung‹ gefeiert, d.h. Abendbrot gegessen, ich habe so getan, als ob ich das Geld ausgegeben habe. Aber mein Vater hat mir vorher das Geld gegeben, es waren knapp 200 DM. Meine Tante habe ich am Tag noch in das Bautzener Krankenhaus gefahren, sie stand kurz vor dem Herzinfarkt, also war ein Gast weniger. Leider war es das letzte gemeinsame Weihnachten und Sylvester mit Vater, er hat den Krebs nicht überstanden, schade eigentlich.
Das Schilddrüsensonogramm bestätigte die Knoten, links 39 mm, rechts 20 mm, aber keine Zysten. Zur weiteren Abklärung wurde noch ein Szintigramm und eine Feinnadelbiopsie vorgenommen, besonders die Biopsie mit der Nadel, ist nicht gerade angenehm, aber es gibt schlimmeres. Ich hatte nun noch etwas, zwei kalte Knoten. Muss ich denn alles mitnehmen was es umsonst gibt? Die Behandlung erfolgt vorerst mit dem Schilddrüsenhormon L–Thyroxin 50 mg, eine Operation könnte aber in einiger Zeit notwendig sein, so der Professor der in der Medizinisch Diagnostischen Praxis in der Gudrunstraße. Jetzt war ich noch mit der Chemotherapie beschäftigt und war froh, dass nicht schon wieder eine Operation anstand. Während der letzten Staffel im Februar, kam Frau Kraus, die nette Sozialarbeiterin vom OZK zu mir und füllte den Antrag für die Anschlussheilbehandlung aus. Das Anschreiben trug die Überschrift EILTHEILVERFAHREN FÜR HENRY ULLMANN, ich wollte gern in das Reha – Zentrum in Lübben. Es lag zwischen Berlin und Bautzen und ich kannte es schon. Zwischen zwei Staffeln der Chemotherapie habe ich meine beiden Tanten dorthin zur Reha gefahren. Das Reha – Zentrum war neu und sehr modern. Frau Doktor hat den Antrag gleich unterschrieben. Es dauerte natürlich ein paar Wochen bis von der LVA die Zustimmung kam. Noch hatte ich keine Erfahrungen mit der LVA, aber die sollte ich noch zur Genüge bekommen und die waren nicht immer die Besten.

2001 nach 8 Monate Chemo und Strahle

Nun hatte ich es fast geschafft,
8 Monate
Chemotherapie und Strahlentherapie
lagen hinter mir,
geschwächt, aber glücklich und
nun bereitete ich mich auf die Anschlussheilbehandlung vor.

Am 13 März kam von der LVA die Bestätigung über die Bewilligung einer stationären onkologischen Nachsorgeleistung als Leistung zur Rehabilitation, so stand es geschrieben. Die Heilbehandlung dauert voraussichtlich 3 Wochen und wird in folgender Rehabilitationseinrichtung durchgeführt:
Median Klinik Kalbe Abt. Onkologie. Das war entschieden weiter wie Lübben, ich freute mich trotzdem.
Am 09.04.2001 bekam ich das Schreiben von der Rehabilitationsklinik für Orthopädie und Onkologie. Der Aufnahmetermin ist der 2. Mai und die Heilmaßnahme dauert voraussichtlich bis 23. Mai. Ich hoffte natürlich, dass ich länger bleiben kann. Ich fuhr an einen schönen Tag mit dem Auto nach Kalbe und dachte daran, dass ich im Leben noch nie eine Kur hatte, erst der Krebs hat mir dazu verholfen. Einmal hätte ich schon fast eine bekommen, aber dann kam die Wende, neben andern Sachen gab es auch keine Kuren mehr. Da kann ich doch Stolz sein, solange ausgehalten zu haben.
Hier in Kalbe war es fast wie im Hotel, es gab nur Einzelzimmer, für mich war alles ungewohnt und neu. Nach Erledigung der Anmeldeformalitäten, musste ich sofort zum Mittagessen, es war nämlich gleich Küchenschluss. Die Fahrt dauerte länger als ich dachte. Nach dem Essen, räumte ich mein Auto aus, dazu konnte ich bis an den Eingang fahren, danach stellte ich es auf den etwas entfernteren Parkplatz ab.
Mein Zimmer gefiel mir gut, Toilette, Dusche, Bett, Schreibtisch und Fernseher. Ich habe aber kein Anschlusskabel gekauft, brauchte ich auch nicht, es gab auf der Etage einen Fernsehraum, den ich hin und wieder nutzte. Ich hatte mir von zu Hause den Radiowecker mitgebracht, das reichte mir. Ich hatte mir vorgenommen mein Problem mit der Schulter und der Wirbelsäule zur Sprache zu bringen. Ein anderes Problem machte mir ebenfalls zu schaffen, obwohl ich nach meinen Meinung in der Vergangenheit immer ausreichend gegessen haben, nahm ich nicht zu. Ich war bei 62 Kg stehen geblieben und wollte mir unbedingt was ›anfuttern‹ .
Der Stationsarzt und auch die Chefärztin der onkologischen Klinik machten auf mich einen gewissenhaften und kompetenten Eindruck. Am ersten Tag wurde festgelegt, was ich alles machen musste. Als ich dann meine Behandlungskarte bekam, wusste ich gleich gar nicht wie ich die vielen Maßnahmen alle koordinieren sollte. Die nächsten Tage hat sich aber alles eingeschliffen. Die Therapiemaßnahmen gingen Wochentags von 07:00 bis 15:00 Uhr, Sonnabend bis Mittag und Sonntag war frei. Visite war zwei Mal in der Woche.
Der erste Abend brachte mir gleich ein traumatisches Erlebnis, ich wollte in die Schwimmhalle gehen, ja eigentlich nichts besonderes, schwimmen konnte ich ja, aber was ich bis dahin nicht so wahrgenommen habe. Ich konnte meinen Kopf nicht mehr aus dem Wasser heben. Ich war dem Ersaufen nahe, bekam panische Angst, zum Glück war das ›Ufer‹ nicht weit. Ich habe dann ca. 1 Stunde ›Standschwimmen‹ gemacht, dass heißt in der Ecke gestanden und mit den Beinen gestrampelt. Ich musste aber aus dem Wasser wieder hinaus, es hat dann ja irgendwie auch geklappt. Vom Wasser hatte ich die Nase gestrichen voll und wollte ihm nicht mehr zu nahe kommen. Bald darauf musste zum Chefarzt der Orthopädie. Ich wollte es ja so und er sagte mir gleich auf den Kopf zu ›Morbus Bechterew« , ja gehört habe ich den Namen schon einmal, und dann wusste ich, das waren die Menschen die mit krummen Rücken und gesenkten Hauptes durch die Gegend gehen. Und nun ich auch? Er nahm seine Messungen vor, kein Zweifel. Die Frage über die Möglichkeit der weiteren Berufsausübung hat er nicht beantwortet. Ich bekam schon wieder ein ungutes Gefühl.
Bei einer Visite, mit der Oberärztin, wurde es mir klar gesagt. Berufsausübung, also Taxifahrer ist nicht mehr, ich sollte mich mit dem Gedanken vertraut machen, Erwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen. Der Termin bei der Sozialarbeiterin wurde auch gleich festgelegt.

Damit habe ich mich erst einmal zurechtfinden müssen. Ja es war aus! Was nun?

Ich wurde von der Gymnastik befreit, die bekam mir eh nicht, ich war ganz einfach zu schwach und wacklig, aber es kam schlimmer als ich dachte, meine Gymnastik ins Wasser verlegt, mich beschlich schon wieder die panische Angst. Noch schlimmer es war Gruppengymnastik, ich konnte die Übungen nicht mitmachen, ich für mich nur am Rand wohl und sicher. Ich bekam daraufhin eine eigene Therapeutin, trotzdem war es immer eine Tortur. Am Schlimmsten fand ich die Arbeit mit der ›Nudel‹ dieser widerspenstigen Schaumstoffrolle.
Ansonsten waren Ergotherapie, Massage und Fango angesagt, Elektrolytbäder für Hände und Füße und Entspannungstherapie, die ich noch nie geliebt habe. Wir sollten versuchen ganz ruhig zu werden unter dem Motto ›mein rechter Arm wird schwer. usw.‹ , manche sind eingeschlafen, ich empfand nichts dabei, ich tat so als ob ich entspanne.
Manchmal bin ich spazieren gegangen oder mit dem Auto nach Gardelegen gefahren, habe Märkte und Spargelfeste besucht, es war eine schöne Zeit, aber an Gewicht nahm ich so gut wie nichts zu, obwohl ich immer der letzte im Speisesaal war und reichlich aß. Während der Heilbehandlung war ich sehr diszipliniert, habe kein Bier getrunken und nicht geraucht. Eine Ausnahme, am letzten Abend trank ich eine kleine Flasche Sekt.
Die gesamte Heilbehandlung hat mir sehr wohl getan und sicherlich den Grundstein für meine Rehabilitation gelegt. Insgesamt kann ich die Klinik, in Kalbe nur positiv hervorheben, einschließlich Personal. Ich hätte es noch länger ausgehalten, obwohl ich doch vier Wochen bleiben konnte. In einem Vortrag wurden insbesondere die onkologischen Patienten dazu angehalten, im nächsten Jahr wieder eine Nachkur zu beantragen.
Gern wäre ich noch einmal in diese Klinik gefahren, aber für erwerbsunfähige, kranke Menschen wird kein Geld mehr ausgegeben, mein Antrag wurde, trotz Widerspruch, abgelehnt. Wut die da aufkommt ist noch gelinde ausgedrückt, man wünscht ganz einfach diesen ›Entscheidern‹ solche Situationen an den Hals, sorry, es mag hart klingen, aber vielleicht hilft es ihnen das Leben mit normalen Augen zu sehen.
Ich hätte noch länger bleiben können, aber mein Vater hatte am 31.Mai Geburtstag, er wurde 75 Jahre alt, es war auch sein letzter Geburtstag, er ist im September an Krebs verstorben. Ich war froh, dass ich zu seinem Geburtstag gefahren bin, fast alle aus der Familie waren da. Die Stimmung war natürlich nicht wie sonst, wir wussten ja, wie es Vater geht. Er hielt tapfer durch, alte Bilder wurden angeschaut. Sein Zustand war sogar besser, als in den vergangenen Monaten. Schlimm für mich, war der Abschied in dieser Zeit von ihm, er selbst sah es wohl auch so, hoffentlich gibt es ein Wiedersehen, uns standen wohl immer die Tränen in den Augen. Sicherlich war die Zeit für Mutter auch nicht gerade einfach. Da ich gleich von Kalbe fuhr, waren es über 400 Kilometer. Natürlich musste ich meine Familie über die Kur berichten und die neue Situation schildern.

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5. Behörden, Kampf und das Selbstbewusstsein

Es war erst Mai und mein Krankengeld bekomme ich noch bis 04.12.2001, deshalb stand das Gesundwerden an erster Stelle. Denn auch nach der Reha fühlte ich mich noch sehr schwach und krank, obwohl der Grundstein gelegt war.
Bei meiner Onkologin begannen die Krebs – Nachsorgeuntersuchungen, Ultraschall, Computertomografie und Darmspieglung, es gab keine Anzeichen von Metastasen, im Darm bildeten sich immer wieder Polypen, die wurden gleich problemlos mit entfernt und in die Pathologie zur Untersuchung geschickt.
Was in dieser Zeit verstärkt auftrat war chronischer Eisenmangel. Die Ärzte waren sich nicht sicher, wo das herkommen könnte, Nachwirkungen der Chemotherapie / Bestrahlung oder vom Morbus Bechterew. Das Problem war, dass ich die Tabletten und Tropfen nicht vertragen habe und sofort heftigen Durchfall bekam, ich musste deshalb in regelmäßigen Abständen Infusionen bekommen.
In die Strahlenklinik musste ich erst vierteljährlich, dann halbjährlich und später jährlich, auch hier war immer alles in Ordnung. Natürlich ging ich in die Strahlenklinik mit erhobenem Haupt, soweit mir es mit Morbus Bechterew möglich war, am ›verhassten Clinac‹ ließ ich links liegen. Ich habe oftmals die Schwestern der Tagesstation besucht und wiederum festgestellt, es gibt Menschen denen geht es viel schlechter als mir.
Überhaupt nahm meine Kontaktfreudigkeit ständig zu, eine Eigenschaft die bei mir in der Vergangenheit nicht besonders ausgeprägt war. Ich werde diese Kontaktfreudigkeit noch brauchen wie sich herausstellen wird. Ab und zu schaute ich bei meinen Kumpels am Taxihalteplatz vorbei um die Neuigkeiten zu erfahren, denn so richtig wollte ich es nicht glauben mit der Erwerbsunfähigkeit, aber ich hatte es Schwarz auf Weis. Deshalb machte ich mich irgendwann im Juni auf zum Rentenberater der LVA und stellte den Antrag. Mein Problem war, dass ich in den letzten 5 Jahren keine durchgehenden Beiträge eingezahlt habe, eine Voraussetzung für die Erwerbsunfähigkeitsrente, wie ich mir angelesen habe. Ich hatte ungefähr eine Lücke von einem Jahr, wo keine Beiträge eingezahlt wurden. Der Rentenberater gab mir eine völlig desolate Auskunft, ich könne diese Beiträge nachzahlen und dann die Rente, wenn sie nicht genehmigt wird neu beantragen. Der hatte vielleicht eine Übersicht! Vollkommen unbefriedigt ging ich nach Hause, jetzt hieß es warten und nun hieß es warten. Da ich an Gott nicht glaube, brauchte ich auch nicht beten und die Kirchensteuer habe ich bis jetzt auch nicht an das Finanzamt nachgezahlt. Die Eltern haben mich zwar taufen lassen, da war man wohl automatisch in der Kirche, aber ausgetreten bin ich nie. Das ist aber schon wieder eine andere Geschichte.
Noch ein anderes Problem mit der LVA kündigte sich an, ich sollte für die Reha 476 DM bezahlen, da es sich um keine Anschlussheilbehandlung handelt. Ich war geschockt, denn über den Zeitraum der REHA gibt es auch kein Krankengeld und die Kosten wie Miete usw. liefen ja weiter. Trotz Widerspruch hatte ich keine Chance, die Widerspruchskommission der LVA sah keine soziale Härte. Was wissen denn diese Leute über soziale Härte, nur weil ich erst alle Therapien hinter mir haben wollte, kneift es mich in den ›Arsch‹ , selbst die Ärzte sahen das so. Manchmal wünsche ich solchen ›Entscheidern‹ , dass sie auch einmal in solche Situationen geraten, es mag hart klingen, aber vielleicht hilft es ihnen.
Meine Diabetologin war zufrieden mit den Werten, spritzen brauchte ich vorerst nicht, die Medikation wurde noch gesenkt. Wegen meiner diabetischen Neuropathie habe ich von ihr eine Überweisung zur Neurologin bekommen. Beim ersten Termin machte die Neurologin ein EMG, um sich von meiner Krankheit ein Bild zu machen. Die Elektro–Myographie (EMG) ist ein technisches Untersuchungsverfahren, bei dem die natürliche, elektrische Aktivität eines Muskels gemessen wird. Sie gibt Hinweise darauf, ob der Muskel selbst erkrankt ist oder der Nerv, der diesen Muskel mit Information versorgt, nicht ausreichend funktioniert. Bei mir kamen beide Möglichkeiten zur Anwendung um die elektrischen Aktivitäten eines Muskels zu erfassen.

Nadel–EMG
Der Arzt desinfiziert die Haut und sticht eine hauchdünne Nadel–Elektrode direkt in den Muskel des Patienten. über Verstärker lässt sich die Aktivität einzelner Muskelfasern im Inneren eines Muskels ableiten. Ein Computer speichert die gemessenen Spannungsschwankungen und stellt sie dar. über einen Lautsprecher sind diese Schwankungen auch als Rauschen und Knattern hörbar. Erfahrene Ärzte können schon anhand der Geräusche eine Aussage über die Art einer Schädigung treffen.
Oberflächen–EMG
Aufklebbare Oberflächenelektroden werden eingesetzt, wenn der Muskel direkt unter der Oberfläche liegt, beispielsweise bei der Zunge. Zur genauen Untersuchung des Muskels sind diese Elektroden aber weniger geeignet, weil sie die Aktivität vieler Muskelfasern gleichzeitig erfassen. Die Analyse einzelner Muskelfasern ist so nicht möglich. Solche Elektroden werden auch in der Sportphysiologie verwendet. So lässt sich beispielsweise der Zeitpunkt bis zum Beginn einer Muskelkontraktion bestimmen. Mit Hilfe einer EMG lassen sich die Art und Schwere verschiedener Muskel– und Nervenerkrankungen bestimmen.

Das Nadel–EMG ist keine angenehme Untersuchung, aber es gibt schlimmeres. Beim EMG geht es hauptsächlich darum, die Frage zu beantworten, handelt es sich eine Erkrankung des Muskels oder zuständigen Nervs?
Ich lag entspannt auf der Liege und die Ärztin stach eine dünne Nadel–Elektrode direkt in den Muskel. Danach musste ich verschieden Aktivitäten mit dem Muskel machen, anspannen und locker lassen. Die Neurologin, auch eine Ärztin zu der ich Vertrauen habe, die auch vieles abfragt. Als Medikation verordnete sie mir Gabamazepin und später Garbapentin, es ergibt allenfalls eine Linderung der Probleme, damit muss ich mich vermutlich abfinden. Die Missempfindungen und Schmerzen in den Füßen sind oftmals unerträglich. Manchmal ist mir so als ob ›der Fuß aus dem Fuß‹ will. Das Gefühl ist kaum zu beschreiben und für nicht betroffene Menschen wohl schwer nachzuempfinden, das Tragen von festem Schuhwerk ist Pflicht, jeder Fehltritt wird durch Schmerzen bestraft. Natürlich ist die Lebensqualität deutlich eingeschränkt. Die Neurologin meinte, die richtige Zuckereinstellung ist das Wichtigste und ein guter Eisenspiegel ist ebenfalls notwendig.
Da war ja noch das Problem mit dem Morbus Bechterew, deshalb holte ich mir beim Hausarzt eine Überweisung zur Behandlung. Zuvor war ich schon einmal bei einem Rheumatologen, der mit dieser Krankheit überhaupt nichts anfangen konnte oder wollte. Mein Hausarzt empfahl mir einen Facharzt für Innere Medizin. Er war ›begeistert‹ von Morbus Bechterew, wieder wurde ich vermessen, ich hatte aber zum Glück meine Röntgenbilder aus der REHA – Klinik mitgenommen, was gar nicht so einfach war. Ich brauchte nicht noch einmal geröntgt werden, nach dem Betrachten der Bilder, hat er nur gesagt ich wäre was für die Studenten, schon wieder Studenten dachte ich mir. Ansonsten blieb ich vorerst ohne Medikation. Das Rektum Karzinom ist noch ziemlich ›frisch‹ und deshalb war er vorsichtig. Es schickte mich erst einmal zum Knochenszintigramm und dann bin ich alle 4 Wochen bei ihm vorstellig geworden. Eine Entscheidung irgendwelcher Art fällte er nicht.
Ich war immer in Bewegung und im August wurde meine Schwester 50 Jahre alt, o.k. Evelyn viele haben es schon hinter sich. Als ich gerade losfahren wollte, lag eine Benachrichtigung, über ein Einschreiben im Briefkasten. Ich dachte mir schon woher und suchte im Wohngebiet die Postfrau, ich hätte sonst keine ruhige Minute gehabt. Na, was war es, ich hatte recht, die Ablehnung der Erwerbsunfähigkeitsrente, mit der Begründung, dass in den letzten 5 Jahre keine durchgängig Beitragszahlung erfolgt, eine rückwirkende Zahlung nicht möglich ist, es wurde aber betätigt, dass ich dauerhaft erwerbsunfähig bin, nun hatte ich es schwarz auf weiß. Die Frage war natürlich, wie geht es weiter, ich kann doch kein Taxi mehr fahren, selbst wenn ich wollte.
Was soll es, ich fuhr zur Geburtstagsfeier. Mein Vater, schon schwer von seiner Krebskrankheit gezeichnet, konnte mir auch keinen Rat geben, ich merkte nur, dass er über die Situation sehr traurig war. Ich habe versucht, immer wenn ich da war, zumindest die Fahrten zur Chemotherapie mit Vater zu machen. Ich sah doch wie er sich mit dem Auto quälte, obwohl er ein leidenschaftlicher Autofahrer war. Es wurde im Familienrat beschlossen, dass ich Widerspruch einlege.
In Berlin wieder angekommen kaufte ich mir die schon lange geplanten Zebrafinken, sie fühlen sich augenscheinlich wohl in ihrem neuen Käfig, der mit 2,20 m x 0,80 m x 0,50 m Platz genug, für zwei so kleine Vögel hatte. Ich habe viel Zeit bei der Beobachtung zugebracht. Meinen letzten Vogel bekam ich vor über 40 Jahren, es war ein Kanarienvogel.
Ich hatte aber noch andere, wichtigere Dinge zu tun, nämlich den Widerspruch an die LVA zu schreiben und mir Gedanken zu machen, wie es denn nun weitergehen sollte. Ich musste mich damit beschäftigen, Sozialhilfe zu beantragen oder Wohngeld, muss ich meine Wohnung verlassen, muss ich mein Auto verkaufen und vieles mehr ging mir durch den Kopf. Ich packte es an, den Widerspruch gemacht, dabei hat mir meine Cousine geholfen. Heute habe ich in solchen Dingen Erfahrung und kann sogar anderen Menschen helfen, auch dafür ist eine überstandene Krebserkrankung gut. Der Widerspruch wurde natürlich ablehnt, ich erwartete auch nichts anderes, aber ein Versuch war es wert. Der letzte Weg wäre das Sozialgericht gewesen, dazu fehlten mir damals die Kraft und die Erfahrung. Noch ahnte ich nicht, mit welchen ›Schriftkram‹ mein Leben noch konfrontierte wird.
Im September starb mein Vater nach langem Krebsleiden, eine Vertrauensperson war nicht mehr, was ich sehr bedauerte. Ich verspürte aber in der darauf folgenden Zeit, dass meine Mutter mich auch gut verstand , ich brauchte Menschen mit denen ich mich austauschen konnte, denn eine schwere Zeit stand mir noch bevor. Zur Besetzung meines Vaters waren natürlich viele Menschen da, die Trauerhalle in Bautzen war voll gewesen. Die Rede, ging an Vaters Leben vorbei, schade eigentlich, er hätte eine anspruchsvollere Rede verdient, aber zurück wäre er auch nicht gekommen. Es war ein kalter, regnerischer Tag gewesen, anschließend wurden die engsten Angehörigen und Freunde noch zum Essen eingeladen. Ich habe mir schon paar Gedanken gemacht, wie es Mutter verkraften wird, allein auf dem Grundstück. Dazu kommt, sie sind erst vor 3 ½ Jahren nach Auritz gezogen, nachdem das ehemalige Bungalow zum Wohnhaus umgebaut wurde. Den ganzen Papierkram hat Vater erledigt, wird Mutter das auch packen! Ich werde sie jedenfalls unterstützen wo ich kann und meine Schwestern wohnen in unmittelbarer Umgebung. Die gute Tradition, der Anruf zweimal in der Woche, hat sich jedenfalls bestens entwickelt und bewährt.
Im November wurde ich zum ersten Mal beim Sozialamt vorstellig, vorher habe ich die Taxikonzession mit Wehmut gekündigt und das Gewerbe abgemeldet. Das war endgültig, ein Lebensabschnitt ging zu Ende, ich war auf Dauer erwerbsunfähig und das alles auch noch zu einer äußerst depressiven Zeit im November und Dezember.
Den ausgefüllten Antrag auf Sozialhilfe und alle erforderlichen Unterlagen hatte ich dabei, nach ca. 4 Stunden war ich wieder draußen. Nichts geklärt und stinke sauer, man hatte mich zum falschen Sozialamt geschickt, das im Rathaus Köpenick war nicht zuständig für mich. Obwohl ich mir den Termin persönlich geholt habe. Die Dame am Tresen, hat sogar noch meine Adresse verlangt. Mir blieb nicht weiter übrig, ich musste mir einen neuen Termin holen im Sozialamt in Adlershof.
Das Sozialamt in Adlershof befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Wachregiment, genau dort wo ich drei Jahre gedient habe, welch ein Schicksal, ich konnte es kaum fassen. Ich glaube es war sogar das Gebäude in dem ich untergebracht war. Zuerst musste ich mir einen neuen Termin holen, da wird geprüft, ob überhaupt eine Bedürftigkeit besteht. Ich war zwar angezogen, kam mir aber ›nackt‹ vor. Ich musste schon geduldig reden, dass ich überhaupt einen Termin bei einer Sachbearbeiterin bekam, der war für Mitte Dezember festgesetzt, da war das Krankengeld schon ausgelaufen. Dann war es soweit und ich wurde vorstellig, musste allerdings über eine Stunde warten, als ich die Menschen sah und die Kinder schreien hört, da wurde mir bewusst, dass ich im ›Kapitalismus‹ angekommen bin. An den Tischen wurden irgendwelche Unterlagen oder Anträge ausgefüllt. Ich wartete teilnahmslos und war angenehm überrascht als ich auf eine Mitarbeiterin traf, die recht freundlich zu mir war. Ich bekam auch einen Antrag und saß plötzlich auch unter den ›Ausfüllern‹ . Nach einer gewissen Zeit wurde ich wieder aufgerufen, es dunkelte schon, mein Termin war 13.00 Uhr gewesen. Geld sah ich nicht und erfuhr, dass ich zu viel Geld auf dem Konto habe, eine Lebensversicherung und noch ein Auto.
Ja das war die Weihnachtsüberraschung für mich. Ich hatte zu viel Geld, das war mir doch in den letzten Jahren ›überhaupt‹ nicht aufgefallen. Es gibt für den Sozialhilfeempfänger eine bestimmte Summe die nicht überschritten werden darf, ich glaube sie bei 2.500 DM. Wir, also die Sozialhilfeempfänger unterteilen sich in ›normale‹ und ›erwerbsunfähige mit Merkzeichen G auf dem Schwerbehindertenausweis‹
Was war ich nun eigentlich, ich hatte mich zwar mit verschiedenen Kommentaren zum Sozialhilfegesetz beschäftigt, konnte mich aber nicht eindeutig zuordnen. Noch war ich auch nicht geschieden und ich erhielt die Auflage, die Klage auf Trennungsunterhalt, mit dem Rechtsanwalt abzusprechen. Ich bekam einen neuen Termin für Februar und habe mich damit abgefunden, vielleicht war es falsch gewesen.
Ich beantragte erst einmal Wohngeld, damit ich wenigsten etwas bekam, die Bearbeitung ging erfreulicherweise recht schnell, dank der netten Mitarbeiterin der Wohngeldstelle. Ich bekam für Dezember und Januar Wohngeld. Das Weihnachtsfest, den Geburtstag und den Jahreswechsel verbrachte ich in Bautzen, bei meiner nun verwitweten Mutter. Es war klar, die Stimmung tendierte gegen Null, kein Wunder, die Ereignisse lagen noch sehr nah. Natürlich haben wir, Mutter und ich die obligatorischen Besuche bei meinen Schwestern gemacht, die Abwechslung bekam mir und Mutter gut. Die Entscheidung war schon richtig, obwohl es insgesamt ein ›Scheiß‹ Jahresende war.
Aber meine Probleme waren dadurch nicht gelöst, sondern nur verschoben. Das mit dem Geld klärte sich von selbst, schneller als man denkt. Zum nächsten Termin hatte ich die notwenige ›Armut‹ und bekam für die Monate Februar und März Sozialhilfe. Ich musste der Mitarbeiterin aber etwas auf die ›Sprünge‹ helfen. Ich verwies auf meine Erwerbsunfähigkeit, mein Glück, ich hatte es ›schwarz auf weiß‹ , obwohl diese Bestätigung durch die LVA dem Sozialamt bekannt war. Dieser Fakt wird mein gesamtes, weiteres Leben prägen,

IM KAMPF GEGEN DIE BEHÖRDEN, MUSS MAN SICH SELBST DURCHSETZEN

Es wird dich nie jemand auf irgendetwas hinweisen, wichtig ist man muss sich auskennen, sonst hat man den Kampf schon im Ansatz verloren, o.k. ich stand aber erst am Anfang dieser Erkenntnis.
Ich habe bis heute nicht begriffen, ob Erwerbsunfähigkeit ausreicht um in den erhöhten Selbstbehalt zukommen, oder ob das Merkzeichen G auf dem Schwerbehindertenausweis vorhanden sein muss. Da ich jetzt Sozialhilfe bekam, habe ich auf eine Aufklärung durch die Sachbearbeiterin verzichtet, vielleicht hätte ich ›schlafende Hunde‹ geweckt. Der nächste Termin war im April und ich hatte wieder paar Auflagen bekommen. Bis dahin musste ich den Wert meines Autos und den Rückkaufswert der Lebensversicherung ermitteln bzw. ermitteln lassen.
Für zwei Monate war also das Überleben gesichert, nebenbei war ich ja auch noch ›etwas krank‹ und musste mich um meine Gesundheit kümmern, sonst brauche ich auch bald keine Sozialhilfe mehr.
Wo anfangen, als Erstes suchte ich meine Fürsorgerin von der Krebshilfe auf, denn wir wollten das Merkzeichen G beantragen, was wir auch taten. Dann zum Hausarzt, zur Onkologin, zur Diabetologin, zur Neurologin und in die Strahlenklinik. Von Langeweile keine Rede. Die zwei Monate vergingen schnell und die Ablehnung des Merkzeichen G erreichte mich auch. Der Grund dafür ist, ich bin nicht krank genug, der Morbus Bechterew reicht nicht aus, vielleicht hat mein Arzt nicht die richtige Begründung geschrieben, kann ja sein, deshalb gab ich natürlich nicht auf.
Ein neuer Arzt für die Diagnose Morbus Bechterew musste gefunden werden. Meine Betreuerin besorgte mir einen Termin beim Amtsarzt in Adlershof, es erfolgte ein sehr vertrauliches Gespräch, er schlug mir vor, mich mit dem Morbus Bechterew direkt an die Charité zu wenden.
Einige Tage später suchte ich die Poliklinik der Charité auf. Es dauerte eine ganze Weile, bevor ich mich durch gesucht hatte. Dann stand in der Anmeldung um mir einen Termin zu holen, es herrschte Hektik und ich merkte schon an den Patienten vor mir, wie lange die Termine ›ausgebucht‹ waren, mein Anliegen war schnell erläutert. Als der Name ›Morbus Bechterew‹ fiel, trat eine junge Frau interessiert an mich heran und sagte, dass sie Patienten mit Morbus Bechterew sucht. Ich hatte eine gesuchte Krankheit, da konnte ich doch richtig Stolz sein, wo werden schon Krankheiten gesucht. Die Frau nahm mich gleich mit auf die Tagesstation der Rheumaklinik. Dort wurde ich einer Assistenzärztin, die Studien an Morbus Bechterew Patienten durchführt, vorgestellt. Was war denn da passiert, ›Henry im Glück‹ ,ich glaubte es nicht. Ein kurzes Gespräch in ihrem Zimmer erfolgte und die Vereinbarung eines Termins, da ich auch keine Überweisung hatte. Die Ärztin, eine junge Frau, war mir von Anfang an kompetent und sympathisch, ich vertraute ihr sofort. Es war eigenartig, neben dem Schreibtisch stand ihr Fahrrad. Ich holte mir die Überweisung bei meinem bisherigen Arzt, auf dieser stand ›Morbus Bechterew Problemfall‹ ich nahm an, dass ich jetzt in guten Händen bin.
Der Termin im Sozialamt rückte bedrohlich näher. Ich hatte zudem noch die Aufforderung bekommen, beim Amtsarzt vorstellig zu werden, um den Mehrbedarf bestätigen zu lassen. Der Besuch bei der Ärztin stelle kein Problem dar. Ich musste mich nur für einen Mehrbedarf entscheiden, entweder Diabetes oder Krebskrankheit, da es bei dem Diabetes etwas mehr Geld gibt haben wir uns dafür entschieden.
Die Wertermittlung des PKW ließ ich in dem Autohaus machen lassen, wo das Taxi gekauft wurde. Mein ehemaliger Autoverkäufer, den ich vorher in das Problem eingeweiht habe, ›machte‹ ein Auto von 1.800 DM draus, vielleicht war es noch paar Mark mehr wert. Ich war froh, er hat immer Anteil an meiner Situation genommen. Er sah mich damals mit der Chemo – Pumpe und ich glaube, ein bissel war er glücklich mir einen Dienst zu erweisen, es wird ja alles auf den ›Selbstbehalt‹ angerechnet. Mit 1.800 Euro lag ich unter dem Selbstbehalt. Der neue Termin bei der Sachbearbeiterin die jetzt für mich verantwortlich war, wurde ich im Unklaren gelassen, ob ich weiter Sozialhilfe bekomme. Ich sollte mich in den nächsten Tagen telefonisch melden. Das war ja wieder eine Aussicht. Das Problem war der Rückkaufswert meiner Lebensversicherung, die schon seit Jahren beitragsfrei gestellt war, zum Glück. Ein paar Tage später rief ich im Sozialamt an und bekam mitgeteilt, dass die Zahlung der Sozialhilfe eingestellt wird und ich erst von der Lebensversicherung meinen Unterhalt bestreiten muss.
Wieder so eine ›Scheiß – Situation‹ . Was sollte ich nur machen?
Die Lebensversicherung gekündigt und wieder Wohngeld beantragt, die nette Mitarbeiterin der Wohngeldstelle begriff auch die Welt nicht mehr, ich sowieso nicht. Ich bekam eine detaillierte Aufstellung vom Sozialamt zugesandt, nun ja wie lange ich noch leben kann, unverständlich bis zum jüngsten Tag. Im Juli soll ich mich wieder melden, da war rechnerisch kein Geld mehr da. Die wissen schon wenn du wieder arm bist!
Es kam eine Mahnung von der Krankenkasse, denn ich musste die Beiträge nun wieder selbst bezahlen, da hatte ich wohl etwas übersehen. Ich meine die Mitarbeiter des Sozialamtes können auch nichts dafür, aber ich bin dorthin gegangen, weil ich krank bin und nicht arbeiten kann. Oft habe ich mir vorgestellt, welche Probleme alte Menschen bekommen, wenn es um das Sozialamt geht. Ich lebte also wieder von meinem eigenen Geld und nicht auf Kosten des Staates.
Ich habe mich auch nur ganz kurz als ›Staatlich Bettler‹ gefühlt, es aber schnell wieder vergessen, denn das Geld steht mir zu. So will es der Staat und die Erfahrungen haben mir gezeigt, wenn man ganz arm ist bekommt man soviel Geld um leben zu können, aber ohne Kampf geht natürlich nichts.
Die Untersuchungen in der Charité (Rheumaklinik) waren die schon bekannten für mich, vermessen, Blut abnehmen, röntgen und die Krankengeschichte erzählen.
Mir wurde vorgeschlagen 3 Wochen in die Tagesklinik zu kommen, was ich auch gern tat. Nach anfänglichen größeren Problemen mit der Krankenkasse, wegen der Kostenübernahme, konnte ich dann die Therapie aufnehmen. Die Ärztin in der Charité, die Studienärztin, schade, dass mir der Name nicht mehr einfällt, hat großen Anteil an der Aufnahme in Tagesklinik, ohne ihre persönliche Intervention wäre ich wahrscheinlich nie in der Tagesklinik gelandet. Der Aufenthalt war von Montag bis Freitag jeweils von 8.30 bis 16.00 Uhr, den langen Fahrweg von Bohnsdorf nahm ich gern in Kauf, es ging ja nicht zur Bestrahlung. Die Therapiemaßnahmen( Wassergymnastik, Ultraschall, Unterwassermassage, Wärmebehandlung u.a.) empfand sehr angenehm, denn so konzentriert und intensiv bekommt man die Behandlungen sonst nicht geboten. Ich war sehr froh über diesen Aufenthalt, habe die Ärztin noch oftmals gesehen und dann nach der Entlassung, war ich mit mir und dem ›Morbus Bechterew‹ wieder alleine.
Es gab noch eine lustige Begebenheit während im Rahmen der Therapie, Wassergymnastik, seit der REHA meine ›Lieblingsgymnastik‹ stand im Plan. Dazu ging ich mit 5 – 6 Leuten in das Schwimmbad, dann begannen die mir schon bekannten Übungen. Besonders gern wird durch die Therapeuten mit der ›Nudel und dem Schwimmbrett‹ gearbeitet. Ich war zu diesem Zeitpunkt in meinen gesamten Bewegungsabläufen noch ziemlich unsicher. Also an mir lag es nicht, der jungen Therapeutin habe ich das auch gesagt, sie stand draußen am Beckenrand. Dann rutschte mir das Brett weg und ich griff panikartig nach ihrem Fuß. Ich hatte sie ja gewarnt, nun lag sie in voller Kleidung neben mir im Wasser und hielt mich fest. Ihr war zuerst gar nicht nach lachen zu mute. So werde ich wohl meinen ›Wasseralbtraum‹ nie los.
Der Aufenthalt brachte mir noch etwas, zum Aufenthalt gehörte ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Deutschen Rheumaliga und der schilderte ich das Problem mit dem Merkzeichen G. Diese Frau, ebenfalls sehr einfühlsam und nett, war sofort bereit mir zu helfen und wir stellten den Antrag, nach Rücksprache mit der Stationsärztin, noch einmal. Der Arztbrief wurde gleich mitgeschickt.

Bescheinigung Einschränkung der Gehfähigkeit vom 05.06.2002
UNIVERSITÄTSKLINIKUM
• MEDIZINISCHE FAKULTÄT DER HUMBOLDT–UNIVERSITÄT ZU BERLIN ....
CHARITÉ –D–10098 BERLIN CAMPUS CHARITÉ MITTE
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie
Klinikdirektor: Prof. Dr. Burmester.
Tagesstation. Leiter: PD Dr. D. Bescheinigung: Herr Henry Ullmann, geb. am 27. 12.1948, wird wegen einer chronisch–entzündlichen Erkrankungen regelmäßig in unserer Ambulanz betreut. Zusätzlich leidet Herr Ullmann an einem Rectumcarzinom und einer ausgeprägten Polyneuropathie aufgrund eines Diabetes mellitus. Im Rahmen der Polyneuropathie und durch die periphere Gelenkbeteiligung beim Morbus Bechterew, kommt es zu einer deutlichen Einschränkung der Gehstrecke. So ist es ihm nicht möglich mehr als 200m kontinuierlich am Stück zu bewältigen. Erholungspausen müssen regelmäßig in kürzeren Abständen eingelegt werden. Aus diesem Grund benötigt er für das zurücklegen von zwei Kilometer weit mehr als 1 Stunde.
Hiermit bestätigen wir Herrn Ullmann das er im Rahmen seiner entzündlich–rheumatischen Erkrankung und durch die Polyneuropathie stark in seiner Gehfähigkeit eingeschränkt ist.

Dr. Loddenkämpfer Stationsärztin

Es dauerte nicht lange und ich bekam das Merkzeichen G und der Grad der Behinderung wurde sogar auf 90° erhöht. Ein Erfolgserlebnis für mich, es bestätigte mir wieder, kämpf und gehe auf die Menschen zu, sie helfen dir. Eine Eigenschaft die früher eher ›unterentwickelt‹ war.
Weiterhin erhielt ich noch einen so genannten Greifer, mit dem man kleine Sachen vom Boden aufheben kann, weil ich mich nur großer Mühe bücken kann und mein Bad wurde umgebaut, damit ich besser aus der Badewanne aussteigen kann. Der Umbau, o.k. es war nur ein Haltegriff, hilft mir vielleicht später einmal.
Ja, was hatte ich jetzt noch für Probleme zu lösen, eine Vielzahl sind übrig.
Ich wollte noch eine Nachsorgekur beantragen, hatten sie doch in der Reha – Klinik gesagt, steht mir zu. Meine Ärztin stelle den Antrag und ich ahnte es schon, sie wurde natürlich durch die LVA abgelehnt. Der Widerspruch, jetzt kenne ich mich langsam aus, wurde wieder negativ beschieden, von den ›Entscheidern‹ ,liegt es nun an der dauerhaften Erwerbsunfähigkeit oder an der Sozialhilfe, nach Einschätzung der LVA lag keine Notwendigkeit vor. Bin ich eben zu meiner Mutter gefahren, war auch bald wie eine Kur.
Der Monat war um und der Termin bei meiner Onkologin rückte heran. Sie wollte, dass ich mich einer Darmspieglung unterziehe. Dies fand wie immer im Krankenhaus Lichtenberg (OZK)statt, früher hätte ich ›das große Flattern‹ bekommen, heute gehe ich die Sache gelassen an. Mein einzigstes Problem ist den Darm sauber zu bekommen, dazu muss ich dieses furchtbar, schmeckendes ›Gesöff‹ trinken. Man kann es mischen mit Saft, aber der Geschmack ändert sich nicht. Bei mir endet es regelmäßig mit Brechreiz und Schüttelfrost, den Darm bekomme ich auch nie richtig sauber. Die Wartezeit ist oftmals ziemlich lange und ich habe Zeit die Leute zu beobachten die auf ihre Untersuchung warten, man sieht ihnen die Angst und Unsicherheit an. Aber jeder hat diese ersten Erfahrungen gemacht, auch ich habe das hinter mir. Man kann sich ja eine Spritze geben lassen, eine Kombination aus Schmerzmittel und Narkose, ich nehme diese sehr gern. Es ging los, ich bekomme immer nur den Anfang mit und dann entschwinde ich langsam. Gewöhnlich komme ich im Aufwachraum zu mir. Heute war es anders, es wurde ein großer Polyp festgestellt. Ich war ja gar nicht mehr richtig ansprechbar, hörte aber wie der Doktor zu mir sagte, wenn er den Polyp gleich mit entfernt, muss ich im Krankenhaus bleiben. Jetzt ist mir auch klar warum man jedes Mal vor einer Darmspieglung ins Krankenhaus aufgenommen wird, obwohl es ja eine ambulante Behandlung ist. Sicherlich stimmte ich zu, sonst hätte ich ja noch einmal kommen müssen und dann dieses ›Gesöff‹ nee. Ich hörte noch im Unterbewusstsein wie man sich um ein Bett in der Notaufnahme kümmerte. Von der Entfernung habe ich nicht gemerkt, die Einlieferung erfolgt hauptsächlich zur Beobachtung, falls einen Darmdurchbruch auftritt. Als ich erwachte lag ich in einem Dreibettzimmer, mit Dusche, Toilette und Tisch. Ich kann mich erinnern, dass dieses Gebäude damals renoviert wurde. Es war eine moderne Station geworden. Eine Ärztin erschien am Bett und sagte ich müsse hier bleiben und wenn alles in Ordnung ist, kann ich Morgen wieder gehen. Keiner wusste wo ich bin, ein Handy hatte ich auch nicht dabei. Auf Grund meines Hungers wollte ich in die Cafeteria des Krankenhauses gehen, eine Schwester hielt mich aber zurück und sagte ich hätte eine Operation gehabt und kann nun nicht einfach spazieren gehen. Essen gibt es zum Abendbrot, folgsam wie ich bin habe ich mich wieder ins Bett gelegt, draußen war es über 30°, aber herzlos war die Schwester nicht, sie gab mir ein Telefon und ich konnte meine Tante verständigen. Ich hatte ja auch kein Schlafzeug, kein Waschzeug usw. mit und musste in meinem ›Engelshemd‹ schlafen. Aber ein Tag wird zu überstehen sein und tatsächlich konnte ich den nächsten Tag wieder nach Hause gehen. Seit dieser Zeit nehme ich zu jeder Darmspieglung meinen ›Notfallkoffer‹ mit. Die pathologische Untersuchung des Polypen ergab keine Bösartigkeit und meine Onkologin war damit sehr zufrieden. Als ich wieder zu Hause war fasste ich einen ›folgenschweren Entschluss‹ .

Ich höre auf zu rauchen.

Warum eigentlich, die Kosten ja auch, die Gesundheit ja auch, aber es war die Selbstbestätigung, das was ich will schaffe ich auch. Ich habe in meinem Leben schon mehrmals über Jahre nicht geraucht, dann aber wieder angefangen. Meine blöde Ausrede war, ich bin alleine, habe keine Abwechslung also rauche ich. Das war wirklich eine unsinnige Ausrede, ich muss auch sagen, ich habe sogar während der Bestrahlung und Chemotherapie geraucht, weil es mir geschmeckt hat. Ich habe verstärkt bemerkt, dass egal, wenn ich am Tag angefangen habe zu rauchen, abends die Schachtel immer leer war. Das ist bei mir so eine Phase wo ich keine Zigaretten mehr brauche, weil ich nicht aus Genuss rauche, sondern aus Langeweile und dafür ist mir das Geld zu schade. Also aufgehört und sofort, ich wusste genau, dass es ging. Manchmal wenn ich in Stimmung bin rauche ich eine Tabakspfeife und dann wirklich aus Genuss.
Ich wurde auch gleich auf die Probe gestellt, zwei wirklich starke Raucher waren zu Besuch bei meiner Cousine in Königs Wusterhausen, zwei Freunde aus Moskau, wirklich nette Menschen mit denen wir, meine zukünftige Ex – Frau und ich, damals vor 15 oder 16 Jahren einige schöne Tage in Zeuthen verbracht haben. Sie waren natürlich über meine Situation informiert und sehr bestürzt, kannten aber Bilder kurz nach meiner Operation und waren sehr erfreut über meinen jetzigen Zustand. An die gemeinsame Zeit erinnere ich gern, eben richtige Freunde, spontan fällt mir ein, wie wir über 100 Pelmenis, eine russische Spezialität gekocht haben. Klar gab es auch russischen Wodka.
Ja das Sozialamt, da waren ja noch Probleme zu klären. Erst einmal hatte ich Schwierigkeiten meine Sachbearbeiterin zu finden, entweder war sie krank oder nicht da. Mir wurde dann mitgeteilt, dass ich eine neue Bearbeiterin bekomme. Na schön dachte ich mir, muss wahrscheinlich so sein. Einen Termin bekam ich Ende Juli, ich legte meine Kontoauszüge und den Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen G vor, auch darauf gibt es nämlich Mehrbedarf. Das Ergebnis war, ich bekam ab August wieder Sozialhilfe und der nächste Termin wurde für Ende Januar festgelegt. Drei Probleme standen aber noch ungelöst im Raum, das Auto, die Wohnung und der Trennungsunterhalt, es ging also wieder los und es dauerte auch nicht lange und ich bekam Post vom Sozialamt.
Nach und nach kamen drei Briefe mit Terminstellungen und der Androhung bei Nichtmitwirkung zur Klärung der Anspruchsvoraussetzungen werden die laufenden Leistungen teilweise entzogen. Da saß mir der Schock schon wieder in den Gliedern. Ich bin zu meiner Betreuerin der Krebshilfe gegangen, habe mit ihr gesprochen, einen Wohnberechtigungsschein beantragt, von meinem Hausarzt eine Bestätigungen geholt, dass ich aufgrund meiner Krankheiten das Auto brauche und nicht in der Lage bin einen Umzug zu bewältigen.
Das dritte Problem, die Abtretung bzw. die Einforderung des Trennungsunterhaltes war eine Arbeit für meinen Rechtsanwalt. Den Forderungen des Sozialamtes, zum jeweiligen Termin, bin ich mit entsprechenden Unterlagen nachgekommen. Ich war sehr erstaunt, als ich Mitte Dezember eine Antwort auf das Wohnungsproblem erhielt. Mir wurde bestätigt, dass die Sozialhilfe weiter gezahlt wird, ein Umzug ist nicht zumutbar. Da fielen mir aber ganze ›Steinhaufen‹ vom Herzen. Auf die anderen Probleme erhielt ich keine Antwort, habe auch nicht nachgefragt.
Noch war das Jahr nicht zu Ende und mein gesunder Pessimismus sagte mir, es könnte ja noch was vom Sozialamt kommen. Es kam auch wieder ein Schreiben vom Sozialamt, in dem ich aufgefordert wurde, die Grundsicherung zu beantragen, da diese Institution für mich jetzt zuständig wäre.
Das Grundsicherungsamt gab es tatsächlich, es hatte sich wahrscheinlich gerade ein paar Tage vorher gegründet und war mit im Wohnungsamt untergekommen. Da diese Aufforderung auch mit einem Termin verbunden war, bin ich gleich vorstellig geworden. Habe wieder einen Antrag ausgefüllt und warte, was nun passiert. Das Grundsicherungsamt ist für Rentner mit geringer Rente und für dauerhaft Erwerbsunfähige ohne Rente zu ständig. Die Anforderungen an den Antragsteller sind ähnlich wie bei der Sozialhilfe. Klingt besser, wenn man eine Grundsicherung bekommt, ich weiß es nicht. Die Bearbeitung nimmt natürlich entsprechende Zeit in Anspruch. Die Nachfrage bei meiner Sachbearbeiterin ergab, bis zur Klärung bin ich weiter dem Sozialamt angegliedert. Der Termin Ende Januar fiel aus, da ich eine neue Bearbeiterin bekommen habe, nun muss ich erst im April erscheinen und bis dahin habe ich bestimmt eine neue Bearbeiterin! Es gibt sicherlich Ursachen dafür, es wird ja auch viel Missbrauch mit Sozialhilfe getrieben und da stecken auch manchmal Mitarbeiter des Sozialamtes mit drin, bei häufigem Wechsel sind die Möglichkeiten stark eingeschränkt. Vielleicht ist das ja der Grund, ohne hier jemanden etwas zu unterstellen. Für mich ist es nicht so angenehm, immer muss man sich neu erklären.

2002 in Bautzen zum Geburtstag meiner Schwester


Ich habe im Jahr 2002 viel erreicht
und gesundheitlich geht es mir auch den Umständen entsprechend.
Die Erwartungen
nach einer solchen Erkrankung sind ja nicht mehr so hoch
und man ist froh über jeden neu erlebten Tag.

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6. Gerichtstermine, Katastrophen und ein Wiedersehen (2003)

Weihnachten und den Geburtstag 2002 verbrachte ich in Bautzen. Nicht die ganze Zeit, einen Tag bin ich auch bei meiner Cousine in Königs Wusterhausen gewesen. Es ist natürlich seit dem Tod meines Vaters einiges an Gemütlichkeit auf der Strecke geblieben. Jeder hat nun seine Probleme mit sich zu tragen, meine Mutter den Tod ihres Mannes, immerhin waren sie über 50 Jahre verheiratet, ich meine Krankheit und zu allem Überfluss starb am 27. Dezember noch meine Berliner Zwillingstante, an den Folgen ihrer Krebserkrankung. Auch sie stand mir sehr nahe und hat mir trotz ihrer eigenen Probleme in den letzten Jahren, immer Mut zugesprochen.
Schade, aber es ist ein ungeschriebenes Gesetz, die Zusammenkünfte werden immer trauriger, je älter man selbst wird. So ist aber nun das Leben.
Zurück zu Weihnachten, wenn ich einmal keine Probleme mehr habe werde ich paar schöne Geschichten über meine Kindheit unter dem Motto, kein Geld und trotzdem zufrieden und glücklich, schreiben. Kennt man so etwas in der heutigen Gesellschaft noch, wo nur noch finanzielle Werte zählen. Darüber lohnt es sich bestimmt nachzudenken !
Weihnachten in Bautzen ist sehr abwechslungsreich, es gibt eine Regel, jeder wird besucht. Da sind wir zum Heiligenabend bei meiner jüngeren Schwester Sonja, aber auch manches Mal bei der älteren Schwester Evelyn. Dann sind wir zum 1. Feiertag mal da, mal dort und am 2. Weihnachtsfeiertag sind wir, Mutter und ich ›zu Hause‹ in Auritz, aber was mir immer wieder aufgefallen ist, es ist ein harmonisches Fest.
Ich habe diese Besinnlichkeit in den letzten Jahren, besonders seit der Ehe mit der zukünftigen Ex – Frau immer wieder vermisst, ja warum kann ich eigentlich gar nicht so richtig sagen. Ich glaube sie hatte einfach keinen Zugang, zum Vorweihnachtlichen, es kam diese Stimmung, die ich kenne nicht auf. Vielleicht lag es auch daran, dass sie aus Thüringen und ich aus Sachsen kamen. Ich habe diese Weihnachtszeit immer gemocht, war auch mehrmals, in der Vorweihnachtszeit, im Erzgebirge in Urlaub. Ich war ja nicht ungeschickt und habe früher selbst Schwibbogen und Laternen aus Sperrholz gesägt. Einiges wird jedes Weihnachten wieder hervorgeholt. Die Lichter, der Geruch, das war für mich Weihnachten. Ich glaube zu Weihnachten gehört Charakter und ob sie den hatte, ich weiß es nicht.

Es trug sich irgendwann im Dezember des Jahres 1980 zu, ich war mit meiner damaligen Frau, meiner Tochter und einer befreundeten Familie in Urlaub. Der Urlaubsort Oberwiesenthal, damals noch mit viel Schnee. Highlights die Fichtelbergbahn, der Grog auf dem Fichtelberg, die Bratwurstbude am Eingang der Bahn und natürlich das Skifahren. Da wir in der Vorweihnachtszeit dort waren, drehte sich vieles um Räuchermänner und Nussknacker. Es war sehr schwierig solche Artikel im Laden zu kaufen. Da wir in der Region waren musste doch etwas gehen. Mein Kumpel und ich fuhren in ein kleines erzgebirgische Dorf, den Namen weiß ich nicht mehr. Wir suchten einen Drechsler, die gab es dort zur Genüge, aber sie durften ihre ›Kunstwerke‹ nicht privat verkaufen. Wir fanden einen Herrn Mandel, der Name war uns schon sympathisch. Er zeigte uns seine Werkstatt, alte Maschinen und kalt. Wir wollten nicht ohne Nussknacker zurück fahren. Er schilderte seine Lage und meinte aber in drei Tagen sollten wir doch noch einmal vorbei kommen. Wir fuhren noch einmal hin und er hatte zwei Nussknacker standen bereit, ca. 40 cm hoch und lackiert, schöne Exemplare. Er lud uns in seine Wohnung ein, der Preis je Knacker war 40 Mark. Als ich in die Wohnung kam, stockte mir der Atem. Eine Familie, in einem Raum mit Kachelofen in äußerst ärmlicher Situation. Ich sah nur viele Kinder, mir zeriss es bald das Herz, so etwas habe ich bisher nicht gesehen. Der Mann stellt Exporte her, die ins westliche Ausland gehen sind und lebt in solchen ärmlichen Verhältnissen. Wir gaben ihm jeder 60 Mark und verabschiedeten uns dankend. Diese Bild hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt.

So verschieden meine beiden Schwestern auch sind, so unterschiedlich ist auch das Essen zu Weihnachten, aber nicht im negativen Sinne. Bei meiner jüngeren Schwester, mit ihren Kindern , dem Eisenbahner in München, dem Seemann auf der Gorch Fock und dem Hotelmanager in Frankfurt/Main, gab es am Heiligenabend, Kartoffelsalat mit Zutaten oder am 1. Feiertag Kaninchen und Ente, bei meiner älteren Schwester bzw. Schwager wurde mittags Lende serviert, weil sie Hasenliebhaber. Auch hier sind die Kinder mit dabei, meine Nichte die Europasekretärin und mein Neffe, der Operator bei der Bahn. Meine Tante aus Bautzen spart auch keine Festlichkeit aus, wird immer eingeladen, auch sie hat mich nicht unwesentlich zur Aufrechterhaltung meiner Lebensbedingungen unterstützt.
Den 2. Feiertag habe ich mit Mutter, in besinnlicher Atmosphäre verbracht, wir konnten uns auch schon wieder über vergangene Weihnachten unterhalten.
Nein, Doppelkopf wird zu Weihnachten eigentlich nicht gespielt, obwohl meinen spielbesessenen Schwestern, das schon zuzutrauen wäre, ich bin für meinen verstorbenen Vater nachgerückt. Es wird auch um Geld gespielt, das aber beim gemeinsamen Essen wieder ausgegeben wird. Nach meinem Geburtstag bin ich nach Berlin zurück gefahren, denn ich war jetzt wieder gut in der Lage Silvester mit mir alleine zu feiern! Klingt gut.
Zum Geburtstag, haben sich meine Schwestern ein sehr schönes Geschenk einfallen lassen. Ich wurde und alle die z.Zt. in Bautzen anwesend waren zum Abendbrot eingeladen und die Rechnung ging auf ihre Kosten.
Das sind solche Kleinigkeiten, die mir eindeutig sagen, die Familie steht hinter mir, ich gehöre dazu, das richtet auf, das braucht man in solchen schwierigen Situationen. Also wieder ›Henry im Glück‹ .
Zu Hause angekommen habe ich feststellen müssen, dass ein Zebrafink tot im Käfig lag. Ich nehme an, er ist in der Nacht von einem Knallkörper oder Sylvesterrakete aufgeschreckt worden und hat sich zu Tode geflogen.
Ich erwartete eigentlich noch einen Brief von meiner zukünftigen Ex – Schwägerin, sie und ihre Familie haben gemeinsam mit mir geheult, als sie von der Scheidung erfuhren und das waren auch solche ›Lobesliedsänger‹ , es sind übrigens nicht die einzigen Menschen von denen ich schwer enttäuscht bin. Soviel zur Kategorie Mensch und zu meinen ›Freunden‹ !
Nein, eine Feier hatte ich nicht vor zu Silvester, ich wollte vielleicht bei einem Glas Sekt und einer guten Pfeife ›nachdenken‹ und mir fiel eine Menge ein.
Es gab Fragen die ich mir stellte,
› – wird es das Jahr der Scheidung
› – wird die Gesundheit halten
› – wird das Sozialamt bzw. das Grundsicherungsamt weiter meine soziale Sicherung zahlen
› – die wichtigste Frage, werde ich in der Wohnung bleiben können
› – werde ich weiter an meiner Dokumentation schreiben können
› – werden sich Träume erfüllen ›......«
einige Antworten wird es wohl in 2003 geben.
Ich war zum Jahreswechsel nicht gerade unglücklich, im nächsten Jahr wollte ich Weihnachten in meiner Wohnung bleiben und zum 55. Geburtstag meine Familie bzw. Verwandtschaft einladen. Die Idee meine Mutter Weihnachten bei mir zu haben kam mir erst viel später, ob sie sich trotz ihrer Gartenarbeit frei machen konnte. Noch ist meine Mutter der Meinung, im Winter gibt es im Garten auch viel zu tun und deshalb kann sie nicht zu mir kommen. Dazu kommt noch der permanente Protest meiner Schwestern. Mal sehen!
Dann war es auch schon soweit, dass neue Jahr (2003) klopfte an. Ich habe die Silvesterraketen gesehen und freute mich kein Geld dafür ausgegeben zu haben, trotzdem, es sah schön aus. In meinem Haus war ich wohl der Einzige, der da war. Ich dachte an den Jahrtausendwechsel und meinen schönen Umsatz. Das wird es nicht, niemals wieder geben, eigentlich doch schade, mit 55 Jahren, aber es ist nicht zu ändern.
Im August, drei Jahre nach meiner Krebsoperation habe ich das Taxischild endgültig aus dem Kofferraum geholt und im Arbeitszimmer platziert. Es wird einen Ehrenplatz bekommen, obwohl zurückblickend, viel hat mir das Taxifahren nicht eingebracht, neben paar schönen Stunden, mehr Probleme, nämlich eine ruinierte Gesundheit und einen gescheitete Ehe. Über meine Zeit als Taxifahrer kann ich natürlich auch einige spannende Geschichten erzählen, aber nicht jetzt.
Schon seit einiger Zeit trug ich mich mit dem Gedanken, eine eigene Homepage zu entwickeln und ins Netz zu stellen. Ich suchte eine Möglichkeit an die Öffentlichkeit zu gehen, bloß wie. Ich brauchte erst einmal einen Provider, den ich mir leisten kann, eventuell brauche ich jemanden der mir meine Website erstellt, das kostet natürlich auch wieder Geld. Ich wollte mich auch nicht zu abhängig machen und letztlich war es einfach unerschwinglich. Deshalb beschloss ich meine Homepage selbst zu entwickeln und zu hosten. Ich brauchte aber für den Anfang paar Bücher, keine Ahnung von HTML, XHTML, JAVA, CSS und CO, na das kann ja was werden!
Von meiner Cousine aus Königs Wusterhausen habe ich mir fürs Erste paar Bücher geliehen, die ich mir selbst gar nicht leisten konnte, dann ging es los. Die Planung für die Homepage war im Kopf schon lange fertig, als Provider wählte ich STRATO aus, die Firma erschien mir am günstigsten. Bevor ich zum 75. Geburtstag von Mutter gefahren bin, stand meine Website im Netz. Es war nicht einfach, aber mit Fleiß und Konzentration erlernbar. Wichtig ist ein durchdachtes Konzept, ob es gut oder schlecht ist beurteilen sowieso andere, eine Menge Ausdauer und eine ständige Pflege ist ebenfalls notwendig. Ich war jedenfalls sehr stolz auf mich, das geschafft zu haben. Damit hat sich schon einmal mein Wunsch erfüllt, anderen Menschen meine Erfahrungen mitzuteilen und ihnen damit vielleicht auch zu helfen, ähnliche Situationen zu meistern. Erschwinglich ist es schon, ich muss mich nur mit der Internetnutzung einschränken, aber wenn ich daran denke, was eine Schachtel Zigaretten kostet, ist es die billigere und gesündere Alternative. Früher hätte ich so bestimmt nicht gedacht, um ehrlich zu sein!
Die Feier zum 75. Geburtstag meiner Mutter war sehr schön, ich hatte auch den Eindruck, trotz, dass sie nun alleine ist, kommt sie ganz gut klar. Im Winter, wenn keine Gartenarbeit anliegt ist es ihr zwar immer ›langweilig‹ , aber im Frühjahr, Sommer und Herbst ist sie gut drauf. So ist das eben, die einen haben den Computer und die anderen den Garten.
Jetzt habe ich meine Website und nun will ich Englisch lernen, warum ist ganz einfach erklärt. Durch das Internet und die Flugsimulation machte es sich notwendig, es ist mir ganz einfach ›lästig« , dass ich keine englischen Texte verstehe. Ich will später mal ›online‹ fliegen und bei meiner virtuellen Fluggesellschaft ›Colourair‹ bin ich für die Umsetzung des Flugplanes im MS Flugsimulator verantwortlich. Das geht nur mit Kenntnissen der englischen Sprache. Ich habe mir einen Englischlehrgang für Anfänger, von Vera F. Birkenbihl, die ja die Methode des gehirngerechten Lernens propagiert, besorgt. Sie war mir schon als Motivationstrainerin in einem anderen Zusammenhang bekannt. Zur Feier bei meiner Mutter tat ich meine Absichten kund, ich erntete nicht nur ungläubiges Stauen! Ehrlich gesagt, ich, der in der Schule der Russische Sprache gerade so gerecht wurde und über eine 4 nie hinausgekommen ist, will mich an Englisch wagen! Ein großer Brocken war das schon.
Gesundheitlich hatte ich mich eigentlich ganz gut im Griff, regelmäßig suchte ich natürlich meine Ärzte auf, einen Arzt der mit Morbus Bechterew vertraut war, fand ich bisher nicht. Manchmal konnte ich kaum noch laufen und bewegen gleich gar nicht. Der Darm fand sich mit seiner neuen Länge, fehlten ihm doch ca. 25 cm nicht wirklich ab. So gab es immer wieder Probleme, die nur mit eine funktionsfähige Waschmaschine zu lösen waren. Meine funktionierte gerade noch so, sie hat bestimmt über 20 Jahre auf dem Buckel.
Im Rahmen meines Hobbys, Flugsimulation am PC, bin ich beim Berliner Simulantenstammtisch gelandet, dort treffen sich Gleichgesinnte, man kann beim einem guten Frühstück fachsimpeln, seine Probleme zur Sprache bringen und bekommt in den meisten Fällen auch Hilfe. Das Treffen hat für mich schon einen festen Platz in der monatlichen Terminplanung. In der Gaststätte "Am Rollfeld" direkt am Flughafen Tempelhof sitzen in der Regel 10 bis 15 ›Simulanten‹ zusammen. Dort lernte ich den Chef der ›Colourair‹ kennen. Im Gespräch habe ich mich angeboten unseren Flugplan, einschließlich Flugzeuge in den Flugsimulator einzubinden. Hat viel Arbeit, aber auch Spaß gemacht. Leider kann ich aus gesundheitlichen, aber auch aus finanziellen Gründen nicht an den Pilotenreisen der Colourair teilnehmen, die ja oftmals nach Norwegen zum Hauptsitz unserer Airline gehen. Da ich ja schon einmal in Norwegen Urlaub gemacht habe, kann ich mir jetzt die schöne Landschaft am Simulator erfliegen. Einige werden vielleicht sagen, ist doch Unsinn was der erzählt. Ihr braucht ja nicht zu fliegen, schaut doch einfach mal bei der Colourair vorbei und überzeugt euch vom Realismus. Auf alle Fälle ist es sinnvoller als ›Moorhühner‹ zu jagen.
Der April war ein Monat mit vielen Höhen und Tiefen und er ging schon gut los, nämlich mit dem ersten Scheidungstermin am 1. April. Eigentlich wollte ja meine zukünftige Ex – Frau nach der Scheidung mit mir noch einen Kaffee trinken gehen, aber dazu kam es nicht, zwischen uns gab es nicht einmal eine Begrüßung, sie saß mit ›zur Faust geballten Gesicht‹ da und geschieden wurden wir auch nicht. Ich war, wie es meine Art als ehemaliger Taxifahrer ist überpünktlich da. Mein Rechtsanwalt kam dann auch, es gab noch ein kurzes Gespräch zwischen uns und dann stand ich schon vor dem Richter. Er machte einen unnahbaren Eindruck, aber vielleicht müssen die so sein, ich weiß es nicht. Es sah schon wieder so aus, als ich um alles kämpfen muss. Es gab auch schon ein erstes Problem mit der Prozesskostenhilfe, ich habe meine Lebensversicherung nicht angegeben, weil es gerade die Zeit war, wo ich sie auflösen musste und da habe ich sie nicht angegeben. Mein Rechtsanwalt hätte mich hier auch besser beraten können.
Dem ersten Termin gingen unzählige Schreiben zwischen den Rechtsanwälten hin und her. Neben der Scheidung, ging es auch um den geforderten Trennungsunterhalt vom Sozialamt.
Was mir komisch vorkam, war, dass die ganze Sache erst im Jahre 2002 so richtig in Fahrt kam. Hat sie etwa gewartet, was aus mir wird? Die Frage kann ich zumindest mal in den Raum stellen. In den Schreiben wurde ich mit Gemeinheiten und Lügen überschüttet, manches machte mich fassungslos.
Einige Kostproben in Bezug auf den Trennungsunterhalt;
Der Kläger erhält eine Berufsunfähigkeitsrente – Falsch
Der Kläger erhält Pflegegeld aus der Pflegeversicherung bei einem Behinderungsgrad von 80 Prozent – Falsch
Der Kläger hat 1990 eine Erwerbsunfähigkeitsrente abgeschlossen – Falsch
Der Kläger ist nicht unterhaltsbedürftig und
    hat seine Einkommensverhältnisse nicht wahrheitsgemäß vorgetragen – Falsch
Von der Beklagten hat sich die Lebensversicherung des Klägers
    im Dezember 2001 einen Betrag von 5.524,99 DM vom Konto geholt – Keine Ahnung was gemeint ist.
Der Kläger überließ es der Beklagten für den Lebensunterhalt zu sorgen – Falsch
Er verschweigt, dass er Eigentümer eine Grundstücks in Bautzen ist – schön wäre es
Der Kläger hat sich schon vorher ein schönes Leben auf Kosten der Beklagten gemacht und
    jetzt versucht er es wieder – sie hat wohl alles vergessen.
Wenn der Kläger heut (31.03.2003) behauptet, er sei krank, so stimmt dies auch nicht.
     Nach Kenntnis der Beklagten ist seine Krankheit ausgeheilt.
Diese Behauptung war für mich die beleidigenste Äußerung, die ich je von einem Menschen gehört habe. Da war ich schon irgendwie schockiert gewesen, kann man so etwas überhaupt zu einem Krebskranken sagen, welche Menschenverachtung liegt in diesen Worten. Ich bin schwer enttäuscht von diesem Menschen für den ich mal etwas empfunden habe.
Man sollte sich immer klar darüber sein, dass aus einer Scheidung auch eine Katastrophe werden kann. Es muss schon für diese Frau ein Schock sein, wie sich alles entwickelt hat. Was will ich damit sagen, zum Beispiel durch Krankheit und Erwerbsunfähigkeit kann sich manche Situation auch schnell ändern. Es steht Trennungsunterhalt an oder auch der Vorsorgeausgleich und wer gibt schon freiwillig etwas ab. Mit diesen Konsequenzen muss der Scheidungswillige immer rechnen. Wer ehrlich ist wird das auch akzeptieren, diese Frau natürlich nicht. Ich habe das so auch nicht gewollt und dafür muss ich mir nun diese Beleidigungen gefallen lassen.
Die Katastrophen gingen aber nahtlos weiter, bei einer routinemäßigen Röntgenkontrolle der Lunge und der umliegenden Organe, wurde etwas festgestellt, was sich nach nochmaliger Kontrolle als Zyste in der oberen Lungenspitze darstellte. Mir wurde gleich ganz anders zumute. Nun hatte ich mich einigermaßen stabilisiert und nun das. Es stelle sich später als ein vermutliches intrathorakales Struma der Schilddrüse (was das auch immer sein mag) heraus. Es muss beobachtet werden, meine Onkologin war verwundert, wieso das erst jetzt festgestellt wurde, obwohl ich jährlich einmal zur Röntgenkontrolle gehe. Na ja, kann ich dazu nur sagen.
Daraufhin erfolgte die zu Frau Doktor Sydow, Ärztin für Nuklearmedizin, eine anerkannte Spezialistin, in einer Praxis in Hellersdorf. Ich war wieder einmal zufrieden mit meinem Hausarzt, ein guter Griff. Noch einmal sei hier an dieser Stelle gesagt, dass das Verhältnis zu meinem Hausarzt, besser nicht sein könnte. Ich würde es schon als freundschaftlich bezeichnen, das gute Verhältnis zu ihm, wirkte sich auch insgesamt auf die Einstellung zu den anderen Ärzten aus. Auf meine Gesundheit sowieso.
Die ›kalten Knoten‹ in der Schilddrüse werden erst einmal unter Beobachtung bleiben, eine Operation ist gegenwärtig nicht geplant, obwohl sie eine Größe von 30–40 mm haben, aber wenn sie weiter wachsen, komme ich nicht daran vorbei. Insgesamt hat mich das aber etwas beruhigt.
Ja, dann kam Ostern heran, nein geschneit hat es nicht aber kalt war es trotzdem. Ich war wieder mal in meiner Geburtsstadt Bautzen und habe paar schöne Tage verbracht. Am Ostersonntag haben wir, Mutter und meine Schwester Sonja einen Ausflug nach Oberwiesenthal unternommen. Das Wetter war wunderschön, obwohl auf dem Fichtelberg noch Schnee lag. Es war ein gelungener ›Osterspaziergang‹ , zurück fuhren wir über Tschechien, auch um das Auto voll zutanken. Durchfahren haben wir viele bekannte Orte, früher sind wir oft nach der damaligen CSSR gefahren. Man konnte zwar wenig Geld umtauschen, aber es gab immer paar interessante ›Mitbringsel‹ zu ergattern.
Da war noch etwas im April, ein Termin beim Sozialamt, es gab auch etwas zu klären. Ich hatte wieder eine neue Sachbearbeiterin oder sagt man vielleicht besser Fallmanagerin. Es hört sich sehr ›schön‹ an, wenn ich ein Klient bin. Da wird, meiner Meinung nach, das Verhältnis Sozialamt – Antragsteller richtig deutlich, kein weiterer Kommentar, das Sozialamt ist immerhin mein ›Brotgeber‹ . Es gab eine positive Überraschung, die neue Sachbearbeiterin war mir ersten sehr sympathisch, aber deshalb habe ich bestimmt nicht das Sommer– und Winterbekleidungsgeld bekommen. Die Menschen die Sozialhilfe bekommen, wissen wie viel das ist, aber ich wusste davon gar nichts und nur durch die Nachfrage meiner neuen Sachbearbeiterin bin ich in den Genuss gekommen. Doch kein Klient, sondern Mensch!
Mich bedrängte noch ein anderes Problem, meine Waschmaschine gab bald ihren Geist auf, ich ahnte es förmlich, die alten Sachen, wie Waschmaschine, Möbel, Kühlschrank und Fernseher wurden mir ja, bei der Scheidung gelassen. Warum sie ausgerechnet meinen Ehering mitgenommen hat, ich weiß es nicht, vielleicht als Erinnerung an die doch nicht etwa als Erinnerung an die ›Faule Sau‹ , ich glaube sie hat ihn zu Geld gemacht.
Die Waschmaschine war für mich sehr wichtig, den Antrag bereitete ich schon vor und gab ihn ab. Für die Sachbearbeiterin stellte das kein Problem dar. Das war im April und sie gab ›den Geist‹ auf und ich konnte nur noch mir der Hand waschen, was mir aufgrund des Morbus Bechterew sehr schwer fiel.
Die Darmkrebsoperation hat bei mir eine Darmschwäche zurückgelassen, nein beschweren will ich mich nicht, es gibt ja auch andere Fälle, mit einem künstlichen Darmausgang. Dadurch gibt öfters Wäsche und ohne Waschmaschine ist es eine Katastrophe. Ja, man bekommt schon eine Waschmaschine, hängt davon ab wie ausgelastet die Sachbearbeiterin ist, die zur Kontrolle in die Wohnung kommt. Bei mir hat es, trotz Nachfrage, 3 Monate gedauert, also man muss schon hellseherische Begabung haben um rechtzeitig einen Antrag zu stellen. Die Kontrolleurin von Sozialamt befand eine Reparatur nicht für angebracht.
Gut baten ist jeder Sozialhilfeempfänger auch, wenn er auf seinen Mehrbedarf selbst achtet und entsprechende Unterlagen rechtzeitig beibringt, es geht zwar nichts verloren aber man wird auch nicht erinnert, gut es geht ja auch um mein Geld. Zum nächsten Termin im August konnte ich alles klären, es war noch dieselbe Sachbearbeiterin. Ich bekam das Geld für die Waschmaschine komplett zurück. Prima, wirklich ein Grund zur Freude.
Zwischenzeitlich besuchte ich die Sozialarbeiterin der Krebsfürsorge, die immer ein freundliches Wort, einen guten Tipp für mich hat, also wie schon mehrfach beschrieben ist diese Frau sehr wichtig für mich. Ich vertraue ihr und konnte auch offen über die Scheidung mit ihr sprechen. Ein regelrechter Glücksfall für uns Krebskranke. Ich war schon immer sehr feinfühlig und achte auf jedes Wort, deshalb bemerke ich sofort, ob jemand nur so tut als ob er zuhört, oder es wirklich tut. Bei ihr war ich mir sehr sicher, dass sie zuhört.
Dieses Jahr gab es ja nun wirklich einen besonders schönen, langen und warmen Sommer. Lag es daran oder am besseren Gesundheitszustand.

Jedenfalls kamen mir die Erinnerungen an meinen Bungalow in Zeuthen, 1978 gebaut auf dem Grundstück meiner Tanten. Besorgt durch Vater, er hat nur sehr selten seine Beziehungen angewandt, für mich persönlich war es jetzt zweite Mal. Das erste Mal in den siebziger Jahren, da besorgte er für mich und meine damalige Frau eine Wohnung in Berlin. Diese befand sich in der damaligen Dimitroff Straße, Ecke Artur Becker Straße, direkt am Friedrichshain unweit vom SEZ (Sport– und Erholungszentrum). Sie hatte zwar Ofenheizung, aber eine Besonderheit, die Kohlen konnten mit dem Fahrstuhl geholt werden. Da gab es noch etwas besonderes, es war das einzige Wohnhaus in Berlin mit einem 5 Meter hohen DDR – Emblem, das zu besonderen Anlässen beleuchtet werden konnte. Da gab es in der DDR sehr viele. Die Wohnung war so groß, dass meine Tochter ihre ersten Lebensjahre hier verbringen konnte.
Ich erinnere mich noch, der Bungalow musste in Görlitz am Bahnhof abgeholt werden. Den LKW zu bekommen war auch nicht so einfach, aber ich erhielt einen, sogar mit Kraftfahrer. Die einzelnen Teile waren ziemlich schwer, als alles abgeladen war sank ich entkräftet ›da hernieder‹ aber am nächsten Tag sollte er schon aufgebaut werden. Ich hatte wenig Zeit mich zu regenerieren. Zu dieser Zeit war es nicht sehr schwer, paar treue Kumpels zu finden, die halfen, ob das heute noch so ist wage ich zu bezweifeln. Ich wählte meinen damaligen Chef und seinen Stellvertreter zum ›Aufbauhelfer‹ und innerhalb von zwei Tagen stand er fest auf der Erde.
Meine Welt, handwerkliche Fähigkeiten zu beweisen, ich habe fast alles selbst gemacht, was auch allgemein anerkannt wurde, leider bin ich nun, gesundheitlich und finanziell, nicht mehr in der Lage, dieses Wochenhaus weiter zu unterhalten.
Später leistete ich mir noch ein Motorboot und baute einen Bootsschuppen, das ich aber gleich nach der Wende verkaufte.
Das war damals für die zukünftige Ex –Frau alles selbstverständlich, über die Mitnutzung dieser Werte hat sie bisher in der Gerichtsverhandlung nichts gesagt, aber vielleicht kommt das ja noch! Sie saß eben gern in fremden Nestern und schmückte sich mit selbigen Federn.

Aber darum geht jetzt im Jahrhundertsommer nicht, es geht um meine Gartennachbarn, ja leider wurden sie auch ein Schicksal der Wende! Sie konnten das Grundstück, das nun einem ›Wessi‹ gehörte nicht kaufen, weil es zu teuer war.
Die Nachbarn, nebst Tochter waren immer gute Freunde, selbst in den schwierigen Phasen meines Lebens. Bei ihnen war ich im Spätsommer zu Besuch. Eines neues Heim, sie sind zufrieden, es hat mir gut getan. Gern denke ich an die gemütlichen Feiern mit ihnen zurück. Es gibt nicht mehr viele Menschen, die mir was bedeuten, aber sie gehören unbedingt dazu.

2003 in Zeuthen

Manchmal gibt es auch heute noch ein kleines Grillfest in Zeuthen. Ich habe kein Wochenendhaus mehr, könnte es mir auch nicht leisten, aber wenn ich will kann ich das Grundstück mitnutzen.
Bin auch schon wieder in der Lage kleinere Arbeiten im Garten zu machen. Bei Großeinsätzen steht Schwager Rolf mit Familie zur Seite
und freut sich wenn er anschließend den Grill anwerfen kann.

Das Problem mit dem Morbus Bechterew schwebte immer noch ohne Klärung über mir. Nach dem jährlichen Besuch der Strahlenklinik in der Charité habe ich mir in der Poliklinik einen Termin für die Rheumatologie geholt. Ich glaube es war eine Wartezeit von über einen Monat, aber es blieb mir ja nichts weiter übrig.
Zum Termin in der Rheumatologie habe ich fast zwei Stunden warten müssen und dann Morbus Bechterew, ich dachte schon die Ärztin ist damit überfordert, aber nein, es machte zwar auf mich den Eindruck, weil sie mich zur ›Neuen Therapien‹ überwiesen hat. Neue Therapien kann ja vieles sein. Eine Woche später war ich dort und traf die Ärztin wieder, die mich vor einem Jahr auf die Tagesklinik eingewiesen hat. Es ging hier bei der ›Neuen Therapien‹ um die Teilnahme an einer Studie für Morbus Bechterew Patienten. Diese Behandlung dauerte über zwei Monate und es handelte sich dabei um eine Doppelblindstudie. Dazu muss ich feststellen, dass die Medikamente helfen die Schmerzen zu lindern, was aber für mich besonders wichtig ist, ich hatte wieder kompetente Ansprechpartner. Es ist wirklich sehr schwierig Ärzte zu finden die sich mit Morbus Bechterew auskennen. Somit ist wieder ein Problem gelöst, jetzt nehme ich die Medikamente weiter und gehe zur Physiotherapie.
Im Verlauf des Jahres hatte ich mir von meiner Diabetologin ein Rezept über eine diabetische Fußpflege ausstellen lassen, da ich aufgrund der Polyneuropathie und des Morbus Bechterew nicht gut in der Lage war, meine Zehennägel selbst zu schneiden, ich hatte auch davon gehört, dass man das Geld von der Krankenkasse zurückbekommt. Also frohen Mutes eine Fußpflegerin gesucht, nun ist es aber nicht so, dass wenn am Schild "Medizinische Fußpflege" steht, auch welche für die Kasse gemacht wird. Da hatte ich mir gleich den Unmut einer solchen Fußpflegerin zugezogen. Ich musste ihr auch deutlich sagen, dass es nicht meine Schuld ist wenn sie nicht für die Kasse arbeiten kann. Ich habe aber dann eine nette Frau gefunden, die mir einen Kostenvoranschlag für die Kasse gemacht hat. Also ging ich mit diesem Schreiben zu Krankenkasse und, na klar die Übernahme wurde abgelehnt, was habe ich auch anderes erwarten können. Nun hatte ich aber schon Erfahrungen und wusste dass oftmals der erste Antrag aus Prinzip abgelehnt wird. Hier hat mir auch wieder mein Hausarzt geholfen. Also Doktor auf dich lasse ich nichts kommen und ich glaube nach der Gesundheitsreform wirst du noch wichtiger für mich.
Ich legte Widerspruch ein, fügte das Attest vom Hausarzt dazu und es klappte. Geht doch, gleich kamen mir auch wieder die Gedanken an andere Menschen, die nicht mehr in der Lage sind gegen diese Übermacht anzukämpfen. Diese sind doch hoffnungslos verloren in diesem System. Also 6 x Fußpflege ist genehmigt, vielleicht geht der Kampf dann wieder von vorne los!
Der zweite Scheidungstermin stand im Juli an, es ging um den Vorsorgeausgleich, wie erwartet wieder keine Scheidung, es gab danach ein Pamphlet meiner Frau von ca. 80 Seiten wo jede Ausgabe, die sie für mich getätigt hat aufgelistet war, bewiesen durch entsprechende Kontoauszüge, der Tenor war der gleiche wie oben schon einmal wähnt. Leider habe ich für meine Ausgaben keine Nachweis, da ich immer alles aus dem ›Taxiportemonaise‹ bezahlt habe und wer lässt sich schon in einer intakten Ehe für jede Ausgabe eine Quittung von seinem Partner unterschreiben, das gleicht ja dann schon einem Panoptikum. Aber man sollte es zukünftig gut überdenken!!
Im Oktober hatte ich einen Termin beim Sozialamt, vorher waren meine Mutter und meine Schwester noch mal zu Besuch in Berlin, ja sie sehen immer mal nach mir und helfen, bei Tätigkeiten die mir nicht so gut von der Hand gehen. Nicht weil ich diese nicht kann, sondern manchmal spielt der Morbus Bechterew eine Rolle und meine Blockade im rechten Arm. Deshalb habe ich auch meine Küchenschränke höher gehängt, damit ich mich anstrengen muss um Geschirr aus dem Schrank zu nehmen. Was ich nicht möchte ist bemitleidet zu werden und deshalb versuche ich mich, so gut wie es eben geht, selbst zu versorgen. Besucher habe ich ja sonst kaum im Hause, Kumpel Micha und der Sohn meiner Cousine. Mehr nicht, da lohnt sich nicht mal das Kuchenbacken. Trotz meiner zentralen Wohnlage finden nicht viele Menschen zu mir! Die Familie natürlich ausgenommen. Als Kranker wird man in dieser Beziehung sehr feinfühlig. So, nun wäre das auch einmal gesagt, aber es muss ja nicht so bleiben.
Beim Termin im Sozialamt ging es um die Mieterhöhung von 25 Euro, natürlich war wieder eine neue Bearbeiterin für meine Betreuung verantwortlich. Ich zähle sie schon nicht mehr. Aber was schlimm war, mir wurde wieder angedroht, dass die Miete nur noch bis Ende Januar bezahlt wird. Ein diesbezügliches Schreiben wurde mir auch gleich ausgehändigt. Ein neuer Schock, doch so leicht schockt man mich nicht mehr. Dazu habe ich zu viel erlebt. Die Frage, ob ich nun bei jeder Mieterhöhung oder von Monat zu Monat mit einer Obdachlosigkeit bzw. Umzug rechnen muss, war ihnen gar nicht genehm. Es wurde damit entgegnet, dass die Bearbeiterin mich erst übernommen hat, was auch von der Mitzimmerbenutzerin bestätigt wurde. Das Schreiben wurde mir nun nicht ausgehändigt und ein neuer Termin vereinbart. Wenn es noch Probleme gäbe, würde man sich bei mir melden. Mein Auftreten bei Behörden ist auch nicht vergleichbar mit dem vor einigen Jahren. Selbstsicherheit in meiner Situation, ist das Wichtigste, damit sind auch viele Probleme zu lösen und mich bringt so was nicht mehr um, so hat eben jede noch so schlimme Krankheit, noch so ›bescheidene‹ Situation was Gutes. Genug Sozialamt, die Leute die dort arbeiten, sind natürlich nicht zu beneiden, da bin ich sicherlich einer der angenehmeren Kunden.
Der Termin für die CT und die Darmspieglung rückte wieder heran, ein Untersuchungskomplex der jährlich wiederkehrt, d.h. ab Oktober bestimmt er mein Leben. Dieses Mal hatte ich, aus unerfindlichen Gründen ein nicht wirklich gutes Gefühl und dann kam auch schon die erste Panne, 2 Liter Kontrastmittel zu Hause getrunken und dann war das CT – Gerät kaputt. Da kommt Freude auf, zumal das Kontrastmittel zwar nicht so übel schmeckt wie das für den Darm aber belastend ist es doch. Neuer Termin, der Oberarzt hatte sein Not den Zugang in die Vene, über den das Kontrastmittel später einläuft, nach einigen Versuchen klappte es doch noch. Ich kann bei der CT meine Arme nicht wie gefordert über den Kopf nach oben legen, auch eine Auswirkung des Morbus Bechterew. Es bringt immer paar Probleme mit sich, weil der Infusionsschlauch mit durch die ›Röhre‹ laufen muss, aber man gewöhnt sich langsam an mich. Die Onkologin sprach bei der Auswertung von einer ›Spitzenmäßigen CT‹ . Mir wurde es schon wieder ganz feucht unter den Augen, sie sagte noch zu mir, wenn es, nur bei allen Patienten so wäre. Der Satz meiner zukünftigen Ex – Frau ›Soviel wie mir bekannt, hat er es überstanden!‹ stimmt vielleicht doch, oder?
Jetzt erfolgte nur noch die letzte Untersuchung in diesem Jahr, die von allen geliebte Darmspiegelung, manche Menschen fallen schon um, wenn sie nur das Wort hören, ich natürlich nicht, ich habe sie, ich meine die Spiegelungen, nicht gezählt. Jedenfalls ist es wirklich kein Problem, zum Problem wird sie erst wenn es zu spät ist. Das Schlimmste für mich ist das Trinken des Darmreinigungsmittels (Klean–Prep), es schmeckt furchtbar und mir kommt das Erbrechen. Zur Abschreckung lag dieses ›Zeug‹ schon einen Monat im Kühlschrank. Es dauert jetzt mit dem Termin etwas länger, da einige Menschen ihre Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen.
Donnerstag ist kein guter Tag für eine Darmspieglung dachte ich mir noch so, die ganze Woche ist versaut, aber ich wollte Gewissheit. Ich habe schon ab Montag weniger gegessen, weil ich immer Probleme mit der ›Darmsauberkeit‹ hatte. Mittwoch, Punkt 14.00 Uhr ging es los, am Dienstag rührte ich dieses ›Gesöff‹ schon an, 3 x 1 Liter und war verwundert, dass nun gar kein Geschmack mehr zugesetzt wurde, es schmeckte ekelhaft salzig. Der erste Liter ging ja noch, aber dann kamen das Erbrechen und der Schüttelfrost. Ja man soll diesen Cocktail kalt trinken, da wird es schon frostig und drei Liter in drei Stunden sind nicht so einfach runterzubekommen. Der Hauptaufenthaltsort ist natürlich die Toilette, um es mal vornehm auszudrücken. Ich hatte mir, aber bitte nicht weitersagen, für den Abend noch zwei Flaschen Bier bereitgestellt, denn man soll noch 3–4 Liter trinken, was stand so konkret nicht dabei, nur keine Milch. Die Nacht war unangenehm, ich hatte große Wäsche vor mir, aber mit der neuen Waschmaschine kein Problem. Der nächste Tag, auch noch Schienenersatzverkehr, der ›Notfallbeutel‹ war gepackt und meine Reisetasche für Probleme auch, ja so ist das, wenn man alleine ist, da hat man an vieles zu denken. Den CD–Player habe ich mitgenommen, um mir die Wartezeit zu verkürzen und meine Englischkenntnis weiter voran zu bringen.
Ich nutzte übrigens jede Möglichkeit meine Ziele zu verwirklichen, täglich eine Stunde Vokabeln, eine Stunde BBC World, noch andere Lernprogramme und es gibt Erfolge. Ich bin überzeugt ich schaffe es, so wie ich in den letzten Jahren vieles geschafft habe.
Aber weiter mit der Untersuchung, angekommen musste ich gleich noch einen Liter trinken, es waren wenig ›Därme‹ da, sondern mehr ›Mägen‹ , meine Chancen, nicht lange warten zu müssen stiegen gewaltig. Der kleine Wartebereich ist immer sehr voll, aber nicht von Patienten, sondern von Begleitpersonen, manche bringen 2–3 Leute mit, warum auch nicht. Nach einer halben Stunde war ich dran, etwas besorgt schon, das obligatorische ›Engelshemd‹ übergezogen, noch einmal auf die Toilette und schon ging es los. Die Spritze, eine Mischung aus Narkose und Schmerzmittel ließ mich leicht wegtreten und ich bekam noch extra Sauerstoff. Die Untersuchung tut nicht weh, aber die Schwestern mussten den Darm ziemlich hin und her bewegen, das geht nur durch entsprechenden Druck auf den Bauch, war etwas unangenehm, aber auszuhalten. Ich konnte alles am Monitor mehr oder weniger ›vernebelt‹ verfolgen. Die Überraschung war, es wurde nicht einmal ein Polyp gefunden, ganze Steinbrüche fielen von mir. Keine Einlieferung, so ist das eben wenn man darauf vorbereitet ist. Danach, noch etwas ausgeruht im Aufwachraum und dann gleich noch mit dem Befund zur Onkologin. Da kann ich schon ohne Termin auftauchen, auch sie war zufrieden. Nun habe ich wieder ein Jahr Ruhe.
Stimmt es doch, was diese Frau sagte:.......!, was hat die schon für eine Ahnung, aber dieser Satz, diese Arroganz wird mich zeitlebens verfolgen. Die paar ›Nachwehen‹ waren am Abend bei einem Glas ›Dornfelder‹ gut zu verkraften.
Und dann geschah etwas Besonderes, manchmal wenn ich vorm Computer sitze, oder über mein Leben nachdenke, kommt mir der Gedanke, es könnte doch mal jemand anrufen und ein unvorhersehbares Ereignis nimmt seinen Lauf. Dann kam tatsächlich ein Anruf von meinem besten Schulfreund Werner. Ich war wieder einmal verschollen und es ging um ein Klassentreffen im nächsten Jahr in Pirna. Er hat sich wirklich große Mühe gegeben um mich zu finden. Ich muss ehrlich sagen in meinem jetzigen Leben spielte bisher ein Klassentreffen keine vordergründige Rolle, obwohl ich eigentlich nur gute und schöne Erinnerungen hatte. Das letzte Klassentreffen ist ja nun auch schon 12 Jahre her. Wenn ich mich einigermaßen fühle werde ich teilnehmen.
Aber etwas hat mich schon die ganzen letzten Jahre beschäftigt und das konnte ich nun klären.
Bei einem der vergangenen Klassentreffen habe ich mich mit einer ehemaligen Klassenkameradin gut unterhalten und wir lernten uns näher kennen, nein nicht doch, es war nichts weiter gewesen. Noch heute habe ihre frische, humorvolle Art in Erinnerung und wir verlebten sogar einen gemeinsamen Tag in Berlin. Ein sehr schöner Tag, mit Visite im Fernsehturmrestaurant und Einkauf für die ›gesamte Republik‹ in der, zu DDR–Zeiten sagenumwobenen Leipziger Straße. Das sind genau 20, in Worten zwanzig Jahre her. Danach verloren wir uns leider aus den Augen. Einmal gab es noch ein Klassentreffen, ich war verheiratet, es gab wieder eine nette Unterhaltung, aber wir wussten, was sich gehört. Die Frage, hätte mein Leben vor 20 Jahren einen anderen Verlauf nehmen können, war schon im Kopf vorhanden!!
Durch den Anruf meines Schulfreundes, der damals, über die Keime der Beziehungsentwicklung gar nicht so begeistert war, habe ich meine Chance gesehen. Ich wusste nichts von ihr, keine Adresse bzw. Telefonnummer. In den vergangenen Jahren habe ich, um ehrlich zu sein, schon oftmals an sie gedacht, aber vielleicht war sie längst verheiratet und ich hatte eigentlich kein Recht wieder in ihr Leben zu treten und dann kam noch meine Krankheit dazu. Kurz und gut, Werner hat mir die Adresse gegeben und auch ihre Telefonnummer, er wusste aber auch nichts Genaues über sie. So einfach ist das also, dachte ich mir. Anzurufen habe ich mir, ehrlich gesagt, nicht getraut, vielleicht ist ihr Mann ist am Telefon und was dann?
Ich musste mir was einfallen lassen!
Ich erinnerte mich noch, dass ich beim letzten Klassentreffen, vor 12 Jahren, anschließend gleich wieder von Pirna über Dresden, noch in der Nacht, nach Berlin gefahren bin. Meine Schulfreundin wäre gern mit mir nach Dresden gefahren. Es gab aber, warum auch immer, keine vorherige Absprache zwischen uns, ich nahm eine andere Klassenkameradin ein Stück mit.
Nun hatte ich meine Chance, also schrieb ich einen langen Brief und bot ihr an, sie mit nach Pirna zum Klassentreffen zu nehmen und ich fahre sie auch wieder zurück. Brief abgeschickt und gewartet. Nicht lange, da rief sie an, wir waren wohl beide überrascht über unsere Stimmen. Es ist natürlich auch klar, viel ist passiert, aber mein Angebot nahm sie ohne zögern an.
Was soll ich lange warten, wie verabredeten uns und ich besuchte meine Schulfreundin noch im Dezember, ich wollte sowieso meine Mutter nach Berlin holen, damit sie mir bei den Geburtstagvorbereitungen hilft. Um es gleich vorweg zu sagen, an meiner Scheidung im Jahre 1983 war sie nicht Schuld, muss ja auch noch einmal ganz deutlich gesagt werden. Ist ja auch egal, es ist nun sowieso nicht mehr rückgängig zu machen!
Jedenfalls haben wir uns getroffen, sind noch in unsere Stadt Pirna , in der wir gemeinsam in die Schule gegangen sind, gefahren und ich wurde, weil sie mich abgelenkt hat auch noch auf der Rückfahrt geblitzt, na schön, 25 Euro für einen Sozialhilfeempfänger sind ja nicht so wenig.
Um die Frage gleich vorwegzunehmen, ich fahre als Sozialhilfeempfänger ein Auto, weil ich das Merkzeichen G habe und seit diesem Jahr zu 100 % schwerbehindert bin. Das Auto hilft mir manchmal, mich von A nach B zu bewegen, obwohl es mit der Bewegungseinschränkung auch nicht gerade angenehm ist zu fahren.
Der Besuch bei ihr war so, wie ich es mir nach 20 Jahren vorgestellt habe, jeder hat sein Leben gelebt, ich war sicherlich nicht so auf der Gewinnerstrecke, ob es meine Schulfreundin war, ich kann es nicht 100% einschätzen. Na gut, es wird weiteres zu berichten geben, jedenfalls, kann ich sie zum Klassentreffen mitnehmen und ich fahre sie auch wie vor 20 Jahren wieder nach Hause und werde bei ihr übernachten, dass mit dem Übernachten war aber vor 20 Jahren nicht so gewesen.
Es ist immer wieder dasselbe, wenn alle Leute froh sind Weihnachten geschafft zu haben geht es bei mir noch einmal so richtig los. Meine Mutter konnte ich nun doch überzeugen, Weihnachten mal bei mir in aller Ruhe zu verbringen. Aber meine Schwestern haben sie nur unter ›Protest‹ fahren lassen. Es war dann aber wirklich sehr ruhig geworden, wenn da nicht die Vorbereitung des Geburtstages gewesen wären. Da war ich wirklich froh, dass mich meine Mutter so tatkräftig unterstützt hat, einige Arbeiten fallen mir eben doch sehr schwer. Ich glaube alle Gäste waren zufrieden und ich natürlich auch.
Meine Mutter könnte auch jedes Jahr Weihnachten bei mir sein, trotz ihres Alters ist sie eben sehr ›pflegeleicht‹ , nur gibt es eben bei mir in der Wohnung kein Unkraut zu jäten und das macht ihr, selbst im Winter, Probleme.
Nun sind sie alle wieder gefahren, Mutter, Tanten, Schwestern, Schwägerin, Schwagers, Cousine und noch andere Freunde, mein fünfundfünfzigster Geburtstagtag war gelaufen. Einige gibt aber noch, die zwar nicht da waren, aber Freunde sind es allemal. Die Einsamkeit ist dann schlagartig nicht so einfach zu verkraften und manchmal kommt schon eine Träne gerollt.
Doch der Geburtstag war anders gewesen, ja warum ist einfach zu erklären, zum 55.zigsten kamen nur noch die Menschen, die auch in schweren Zeiten zu mir gehalten haben, an mich geglaubt und mich unterstützt haben, wie auch immer und da sind von ca. 40 nur noch reichlich 10 übrig geblieben. Sicherlich hat das unterschiedliche Ursachen, wahrscheinlich haben einige Menschen meine Krebserkrankung nicht verkrafteten können, denn es gibt immer noch viele Menschen die mit dem Krebs nichts anzufangen wissen. Warum auch immer sich die Menschen von mir abgewandt haben, letztmalig war hier die Möglichkeit, auch von denen die einmal meine Achtung hatten, den Kontakt wieder herzustellen. Warum sind die Menschen eigentlich manchmal so grausam?
Aber ich habe mich damit abgefunden und Mittlerweile kann ich damit ganz gut leben.
Dann kam das Jahresende, für mich eigentlich nach fünf Jahren Alleinsein, kein Problem mehr.
Doch das Schicksal schlug noch einmal erbarmungslos zu, die Familie vom Schwager Rolf, hat mich noch am letzten Tag des alten Jahres zum Abendbrot eingeladen. Ich wollte für seine Frau noch ein paar Blumen besorgen, na ja die Bundeshauptstadt, viele Blumenläden hatten schon geschlossen, also zum Alex und dann passierte es. ›Eine Begegnung der unheimlichen Art‹ am Ostbahnhof stieg meine Frau in den gleichen Wagen ein, natürlich in Begleitung, ich kann nicht einmal genau sagen, ob sich unsere Blicke begegneten, aber so wie sie geguckt hat, denke ich schon, oder es kann auch sein sie schaut jetzt immer so.
Den Jahreswechsel habe ich dann wieder allein zu Hause genossen, es war trotzdem schön gewesen, aber es muss auch nicht immer so bleiben!
Natürlich habe ich mir, wie jedes Jahr, über meine neuen Ziele Gedanken gemacht und da hatte ich mir, wenn die Gesundheit so bleibt, wieder einiges vorgenommen. Es geht tatsächlich langsam aufwärts. Die Probleme wie Grundsicherung und Scheidung konnten in diesem Jahr nicht gelöst werden und es bleiben einige Unsicherheiten übrig. Ich hoffe einiges wird sich im nächsten Jahr lösen, denn für den gesamten Prozess der Gesundung, wäre es schon wichtig.

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7. Feierlichkeiten, Scheidung und ein neues Problem (2004)

Was war es eigentlich, dass mich immer wieder so optimistisch machte,
war es mein Gesundheitszustand,
waren es meine Hobbys,
war es meine Familie,
waren es meine E–Mail – Kontakte, oder
war es mein Lebensmut.
Ich werde darüber in diesem Kapitel berichten, aber der Reihe nach, denn es gibt wieder viel zu schreiben.
Da kam mir schon einmal die Idee, warum eigentlich den ›Alleinflug‹ nicht als Hörbuch heraus zubringen. Für die Menschen die es interessiert oder für die nicht mehr oder nicht mehr gut lesen können.
Da hätte ich doch auch gleich paar Geschenke zur Hand, wo man ja heute sowieso nicht weiß was man schenken soll. Ich könnte damit auf einmal, alle Weihnachtsgeschenke, Geburtstagsgeschenke, Ostergeschenke und weitere Geschenke abdecken, denn eigentlich bekommen ja nur solche Leute was von mir, die sich auch für mich interessieren. In eine schöne Schachtel verpackt, ich meine die CD, das wäre doch super, dann gäbe es auch keine Probleme mehr mit meiner Rechtschreibung bzw. Grammatik. Aber es bleibt vorerst bei der Idee.
Dazu gleich einen Satz, ich kann mir alles tausendmal durchlesen und finde die Fehler trotzdem nicht, ich glaube der Inhalt macht es und dass, der richtig ist dafür lege ich die Hand ins Feuer, wie man so schön sagt.
Meine ehemalige Deutschlehrerin Frau Arndt wäre heute bestimmt stolz auf mich wenn sie wüsste, dass ich schreibe; wie sagte sie doch einmal treffend zu mir, als sie hörte, dass ich die Fachschulabschluss in JURA gemacht habe, » Henry, das hätte ich nicht von Sie gedachte «. Meine Zensuren im Fach Deutsch möchte ich hier lieber verschweigen, ich bin kein Vorbild für die Jugend.
›Der Alleinflug‹ würde es zwar nie in die Buchhandlung schaffen, es ist mein persönlicher Erfolg, egal was andere darüber denken und welche Meinung sie haben.
Schon seit geraumer Zeit überlegte ich, ob und wie ich den Kontakt zu meiner Tochter wieder herstellen könnte. Ich kannte leider weder ihren jetzigen Namen noch die Adresse und auch nicht ob sie überhaupt Interesse an einem Kontakt zu mir hat. Sicherlich würde es für beide nicht einfach sein und ich trage ja auch gewiss die Hauptschuld, dass es so gekommen ist, aber rückgängig ist es nicht mehr zu machen. Oftmals hatte ich schon daran gedacht und es gab auch Menschen die mich dazu ermutigten, also beschloss ich einen Brief an meine Tochter zu schreiben.
Der Hauptgrund ist eigentlich die Erkrankung, weil ich es als meine Pflicht ansah, meine Tochter darüber zu informieren, nicht um Mitleid zu erregen, das brauche ich schon lange nicht mehr, mein Leben ist so wie es ist und das ist gut so.
Mir geht es darum, ihr zu sagen wie wichtig Vorsorgeuntersuchungen sind, um solche Probleme frühzeitig zu erkennen und gar nicht erst zum Tragen kommen zu lassen, obwohl bis heute nicht ganz geklärt, gibt es doch Hinweise auf Vererbungen und in dem Zusammenhang hätte ich mich über einen Kontaktaufnahme gefreut.
Ich bin mir auch sicher, dass sie meinen Brief erhalten hat. Die Hoffnung gebe ich aber nicht auf. Vielleicht gibt es ja in einem der nächsten Teile vom Alleinflug was darüber zu berichten und das Jahr ist ja auch noch nicht zu Ende.
Mein letzter Versuch in diesem Jahr endete darin, dass ich ihr zum 30. Geburtstag eine Karte schrieb und einen bescheidenen Blumenscheck mitschickte, ich kann warten!
Bei mir gab es schon im vergangenen Jahr Überlegungen, etwas für unsere Schulklasse zu machen, also beschloss ich auf meiner Website, einige Seiten über unserer Klasse zu machen, dann sind es doch fünf geworden. Was ich mir damit für Arbeit aufgeladen habe, ahnte ich am Anfang nicht.
Ich besorgte mir als erstes alle Bilder von den vergangenen Klassentreffen und das waren nicht wenige. Um sie zu verwenden mussten alle eingescannt und mit meinem Bildbearbeitungsprogramm bearbeitet werden. Es hatte auch was Nützliches gehabt, ich lernte das Programm beherrschen, vorher hatte ich es zwar, aber die vielen Funktionen und die Komplexität des Programms blieben mir weitgehend verborgen, um es genau zu sagen, es war mir alles viel zu kompliziert. Zusätzlich zu den Webseiten wollte ich noch eine Foto–CD bzw. eine Video–CD erstellen. Es kamen insgesamt ca.500 Bilder zusammen.
Ich hatte dann bis kurz vor dem Klassentreffen voll zu tun um alles rechtzeitig fertig zu haben, aber ich habe es gern gemacht und ich denke meine Arbeit ist auch angekommen und die Mühe hat sich gelohnt. Selbst zum Klassentreffen war ich mit dem Brennen von CD's beschäftigt und musste auch viele Fragen rund um den PC beantworten, denn unser Jahrgang zählt nicht wirklich zur Computergeneration. Ausnahmen gibt es natürlich!
Zum Klassentreffen verzeichneten wir eine Rekordbeteiligung, es fehlten nur zwei Mitschüler. Das letzte Klassentreffen fand vor über zehn Jahren statt, wir hatten uns alle verändert und es gab natürlich viel zu erzählen. Die Zeit verging wie im Fluge. Einige sind so geblieben in ihrer Art und andere erkannte man kaum wieder. Die Organisatoren, Werner und Monika hatten sich große Mühe gegeben und das wurde durch die rege Teilnahme honoriert. Nun soll alle 5 Jahre ein Treffen erfolgen und ich habe damit 5 Jahre Zeit um die Bilder und Informationen aufzuarbeiten.
Wie war es mit meiner Schulfreundin gelaufen, ja wie ausgemacht habe ich sie von ihrer Wohnung abgeholt und wir sind gemeinsam nach Wehlen, dem Ort des Klassentreffens, gefahren und dann ging es gegen Mitternacht zurück, ohne Blitzer, dieses Mal.
Einige ehemalige Mitschüler hatten auf meiner Website was gelesen, über eine Schulfreundin von mir, über die Anfänge berichtete ich ja schon im Teil 6 vom ›Alleinflug‹ , so hat sich dann im Verlauf des Treffens alles aufgeklärt. Klar haben manche gestaunt.
Am nächsten Tag, am Sonntag, kam eine ehemalige Mitschülerin und ihr Mann zu Besuch nach Dresden und wir haben einen Stadtbummel gemacht. Geplant war weiterhin, dass meine Schulfreundin, für paar Tage, mit nach Berlin zu mir fährt. So fuhren wir gemeinsam am Montag nach Berlin. Es waren paar nette Tage gewesen und es wird wohl bei einem freundschaftlichen Verhältnis bleiben, das sich auf gelegentliche Besuche und Anrufe beschränken wird. Ich finde es gut so und vor Weihnachten werde ich sicherlich kurz bei ihr vorbeifahren, meine Weihnachtsgeschenke vorbeibringen und die für mich bereitliegenden mitnehmen.
Nun ist es passiert, ich bin geschieden und es war überhaupt nicht feierlich gewesen. Es ist also jetzt meine Ex–Frau. Es hat insgesamt fünf Jahre gedauert bis es nun zum positiven Ende kam.
Damit es besser nachvollziehbar ist, was sich bei so einer Ehescheidung abspielt, was alles hervorgekramt wird und wer alles als Zeuge benannt wird, gebe ich Auszüge aus einigen Schreiben wieder. Zugriff nur über die Privat–Seiten, ich muss immer noch vorsichtig sein, man weiß ja nie.
Es gab in diesem Jahr vier Verhandlungstermine und es war immer wieder das Gleiche, die Vorwürfe über meine Faulheit, Trunksucht und andere üblen Eigenschaften wurden von ihr immer wieder, mündlich bzw. schriftlich hervorgebracht, dass es selbst dem Richter manchmal zu viel wurde und er sie zur Sachlichkeit ermahnte. Mein Rechtsanwalt merkte natürlich wie ich innerlich kochte und es war glaube ich das einzige Mal, dass er mir während einer Verhandlung was sagte, nämlich ich solle ruhig bleiben. Mein Rechtsanwalt ist ja wesentlich jünger als ich und es hat sich doch ein gutes Verhältnis entwickelt, trotzdem, wenn er etwas cleverer gewesen wäre, so hätten wir noch mehr rausschlagen können.
Interessant war auch, wie sich die beiden Rechtsanwälte beharkt haben, nicht vor Gericht, sondern in ihren gegenseitigen Schreiben, da ging es um Terminversäumnisse, Unterlassungen, ich glaube es gehört wohl dazu.
Ich habe der Frau während den Verhandlungen nicht immer richtig zugehört, sondern darüber nachgedacht, warum sie so geworden ist, eigentlich stimmt das nicht, sie war schon immer so, nur ich habe es nicht wahr haben wollen, na gut also dieses Kapitel in meinem Leben ist abgeschlossen. Ich hätte niemals gedacht, dass ein Mensch zu solchen Lügen fähig ist und es artete dann doch mehr und mehr in eine Belastung aus. Die Gegendarstellungen wurden mir langsam lästig, denn ich wollte nicht mein restliches Leben damit verbringen.
Vor allem aber ein neues gesundheitliches Problem machte mir zu schaffen und ich wollte einen Schlussstrich ziehen. Nach Beratung mit meinem Rechtsanwalt haben wir dann einen Vergleich, hinsichtlich des Vorsorgeausgleiches, angestrebt. Im Nachhinein erwies es sich als Richtig.
Jetzt ist es schon komisch, wenn keine Briefe vom Gericht oder Rechtsanwalt kommen und mit der Prozesskostenhilfe scheint ja auch geklappt zu haben, weil bisher keiner Geld haben wollte.
Nach all den Gerichtsterminen ist mir auch klar, warum einige Menschen kein Kontakt zu mir suchen, denn sie sind als Zeugen benannt, die meine Faulheit, Trunkenheit und Jähzornigkeit bestätigen sollen, selbst mein Hausarzt wurde erwähnt.
Ich bin meinerseits froh, dass es so gekommen ist, mein Leben hätte sich zur Hölle entwickelt, das Ende unserer Ehe wäre so oder so gekommen. Ich wäre immer auf diese Frau angewiesen gewesen, jeden Euro hätte ich mir erbetteln müssen und sie hätte es mir spüren lassen, dann wäre ich vielleicht derjenige gewesen der die Scheidung beantragt hätte. Warum ist ganz einfach, weil ich aufgrund des Einkommens meiner Frau, keine Sozialhilfe bekommen hätte. Na gut, es ist eine Vermutung, die aber sehr nahe an der Wahrheit liegt. So habe ich zwar auch keine großen finanziellen Mittel aber ich brauche meine Frau nicht anbetteln.
Noch nicht geklärt ist die Unterhaltszahlung, die ja über das Sozialamt läuft und bei der Verhandlung keine Rolle spielte, ich bin froh darüber, dass mein Rechtsanwalt das nicht übernommen hat.
Mir ist aber bekannt, dass es mittlerweile eine Forderung vom Sozialamt gibt, die nicht gerade niedrig ist. Warum ich das weiß ganz einfach, meine Ex – Frau hat die Zahlungsaufforderung, es war schon die erste Mahnung, an meine Mutter geschickt. Dabei hat sie ihre Angaben geschwärzt und die meiner Mutter eingesetzt, zufällig oder besser gesagt bloß gut, als der Brief kam war ich zu Besuch bei meiner Mutter. Ich konnte sie gleich beruhigen.
Der Wortlaut, »Bitte kümmere Dich doch endlich mal um Deinen Sohn Henry. Ich zahle schon seit Jahren seine Schulden, habe Deinen Sohn unterhalten. Wünsch Dir alles Gute Unterschrift«
Ich konnte über soviel Dreistigkeit nur mit dem Kopf schütteln, da der Unterhalt nicht bei Gericht verhandelt wird, brachte ich dazu nichts vor. Wieder so eine typische Kurzschlussreaktion der Frau, der ›Antialkoholikerin‹ , ich hätte auch diesbezüglich einiges bei Gericht vorzubringen und hätte eine Menge Zeugen gehabt.
Das Sozialamt, mit seiner chronischen Überlastung, habe ich damit auch nicht behelligt.
Wer nun denkt ich habe es geschafft, der täuscht sich gewaltig, gerade wo ich diese Zeilen schreibe, kam ein Brief vom Rechtsanwalt, es gibt einen neuen Termin bei Gericht, aber erst im Januar 2005, was wird es da wohl wieder geben? Es soll um die Gerichtskostenkosten gehen, man versucht mir wieder etwas anzuhängen, ja so eine Scheidung ist eben teuer.
Im letzten Kapitel schilderte ich meine Behandlung wegen dem Morbus Bechterew in der Charité, ich bekomme seit dieser Zeit ein Medikament, was ich zweimal täglich einnehmen muss und im Juni war der Termin zur Nachkontrolle. Man hat einen Namen, kennt die Ärztin und fühlt sich aufgehoben, ich bin wirklich froh, wie es gelaufen ist. Es geht mir soweit auch ganz gut damit, aber die Versteifung bleibt eben, wie üblich bei den Kontrolluntersuchungen ist natürlich die Blutabnahme und Urinkontrolle dabei.
Die Ärztin meinte, wenn sich etwas ergibt, bekomme ich Bescheid und ich bekam ihn auch. Es sah nicht gut aus mit den Entzündungswerten, also überlegte man, eine neue Therapie in Anwendung zu bringen. Die Abteilung der Rheumaklinik heißt ›Rheumatologische Spezialsprechstunde‹ , da die Krebsoperation aber erst vier Jahren her ist, musste zuvor der Leiter der Rheumaklinik Prof. Dr. med Burmester konsultiert werden. Es wurde entschieden mir eine Infusion zu geben, die aber noch nicht so lange am Markt ist. Die Anti – TNF(Tumornekrosefaktor)α Therapie mit dem Wirkstoff Remicade. Durch diese Remicade –Therapie wird das Immunsystem erheblich geschwächt und die Nebenwirkungen sind auch nicht ohne.
Da stand ich wieder da, aber es kommt noch schlimmer, weil eben das Immunsystem geschwächt ist und im Zusammenhang mit der Therapie auch Tuberkulose aufgetreten ist, musste bei mir ein Tuberkulin – Test durchgeführt werden. Gleichzeitig wurde noch einmal der Thorax geröntgt.
Was rauskam, der Tuberkulin – Test war positiv, ich habe auch nichts anderes erwartet und in bzw. an der Lunge gibt es schon lange eine verkalkte Zyste, deren Herkunft ist nicht ganz geklärt, vielleicht kommt sie von den Knoten in der Schilddrüse. Die Reaktion auf den Test war so heftig, dass es selbst der Ärztin den Atem verschlug. Es wurde festgelegt, dass ich erst einmal ein Antibiotikum nehmen muss, aber nicht nur paar Tage, sondern 9 Monate lang, dass hat mir nun wieder den Atem verschlagen, als ob ich nicht schon genug Medikamente nehme. Eine TBC wollte ich aber auch nicht bekommen. Mit der Therapie wegen dem Morbus Bechterew wolle man noch warten.
Ich hatte insgesamt ein ungutes Gefühl und mein Gefühl täuschte mich nicht, ich vertrug das Antibiotikum nicht, was sich in einer Unterzuckerung bemerkbar machte, ich setzte die Tabletten selbstständig ab und wollte zum nächsten Termin in der Rheumaklinik dieses angeben, die eigentliche Therapie hatte ja noch nicht begonnen.
Aber es kam noch schlimmer, ich hatte mir vorgenommen Anfang August meine Mutter in Bautzen zu besuchen, es stand ja wieder einmal die Doppelkopfspiele an, meine Schwestern warteten schon eine ganze Weile auf mich und der Geburtstag von meiner Schwester Evelyn sollte auch gefeiert werden.
Während des Besuches fing mein rechtes Auge an zu tränen, aber ich nahm es nicht so tragisch, ich fühlte mich aber auch insgesamt nicht Wohl und hatte überlegt, ob ich überhaupt fahre. Zurück in Berlin bin ich dann zur Augenärztin gegangen.
Obwohl ich ja von der Zuzahlung befreit bin, wollte man mir die Praxisgebühr abnehmen, weil ich keine Überweisung hatte. Es ist schon eigenartig wie sich Sprechstundenhilfe auskannte, erst eine Rücksprache mit meiner Krankenkasse, hielt sie davon ab, fast ein dreiviertel Jahr nach Einführung dieser Gebühr, was soll man dazu noch sagen.
Natürlich besaß ich auch keinen Termin, aber man sah es mir ja an, dass ich nicht zum Spaße komme. Die Ärztin sagte gleich es ist eine massive Iritis (Regenbogenhautentzündung). Nun auch noch das, ich wusste, dass beim Morbus Bechterew eine solche Iritis auftreten kann und alles was kann nehme ich natürlich bereitwillig mit!! Ich ahnte auch noch nicht im Entferntesten, was mich erwartet und wie lange es dauern wird.
Das war wie gesagt Anfang August gewesen, ich bekam nun Tropfen und Salbe für das Auge verordnet, es war aber keine Besserung in Sicht. Meine Augenärztin startete den letzten Versuch und gab mir eine Kortisonspritze in den Augenhintergrund, ich bin schon vieles gewöhnt, aber das war nun wirklich unangenehm gewesen. Als das auch nicht half, überwies sie mich in die Notaufnahme der Augenklinik im Virchow Klinikum zur stationären Behandlung. Ich denke auch die vielen Therapien und Medikamente haben sie zu diesem Schritt veranlasst und ich wusste damals schon, dass was zurückbleiben wird, denn das linke Auge hatte nur noch eine Sehkraft von 10%. Nun konnte ich den Computer, das Englischlernen, das Autofahren, den Balkon und die Sonne vergessen. Meine Tätigkeit als virtueller Pilot bei der Colourair und der Euroberlin musste ich auch zeitweise einstellen.
Zwischendurch war ich in der Rheumaklinik und hatte meine Bedenken wegen den Nebenwirkungen vorgebracht, natürlich war die Iritis, ein Grund mehr für die Ärztin die Remicade – Therapie durchzuführen. Weil eben diese Regenbogenhautentzündung gern gemeinsam mit dem Morbus Bechterew auftritt. Meine Argumente waren am Ende gewesen, ich bekam ein neues Antibiotikum und nach einer Woche hatte ich den ersten Termin zur Infusion.
Dieser erste Termin fiel genau auf den Tag, wo ich geschieden wurde, d.h. 9.00 Uhr im Gerichtssaal, auf einem Auge fast blind und 10.00 Uhr zur Infusion in die Charité. Der Richter merkte natürlich, dass mit mir was nicht stimmte und auf die Frage, ob es mir nicht gut gehe, habe ich dann wahrheitsgemäß geantwortet, wie man es bei Gericht so macht. Er meinte noch, ob ich in der Lage bin die Verhandlung zu verfolgen. Ich hatte den Eindruck, es kann auch täuschen, dass er mehr auf meiner Seite stand, sie musste in den vielen Verhandlungen mehrere Zurechtweisungen hinnehmen.
Meine noch zukünftige Ex – Ehefrau konnte ich auch nur ganz verschwommen erkennen, es war vielleicht auch besser so. Jetzt hatte ich doch tatsächlich keine Zeit, mit ihr noch einen Kaffee trinken zu gehen, so wie sie es vor langer Zeit versprach. Ich glaube schon, dass sie richtig sauer, über den Ausgang der Scheidung war. Trotz meines Zustandes freute ich mich zumindest innerlich.
Vor der ersten Infusion hat man natürlich immer etwas Angst und ich dachte unwillkürlich an die Zeit der Chemotherapie. Die Infusion dauert ca. 2 Stunden und eine Stunde sollte man noch unter Beobachtung bleiben. Ich habe sie gut vertragen, konnte aber keine Verbesserung verspüren, die Halswirbelsäule blieb steif. Die Infusion bekomme ich ja nun zeitlebens, wichtig ist aber, dass die Entzündung im Körper zurückgedrängt wird, was sich positiv auf die Iritis auswirken könnte, sagte mir die Ärztin. Sie wird mich eine ganze Zeit lang begleiten.
Aber die Infusion begann gleich wieder mit Ungemach, es lag wohl an den Augen oder waren noch die Anstrengungen der Gerichtsverhandlung, mir entglitt mein, vom Munde abgesparter, MP3 – Player, er fiel auf den Boden und war kaputt. Ich wollte die Zeit wie üblich nutzen um englische Vokabeln zu lernen. Ich bekam in den nächsten Tagen einen neuen geschenkt, von meiner Cousine, den ihr Sohn mir überbrachte.
Nun wird es so sein, dass ich jetzt jeden zweiten Monat in die Charité muss, um diese Infusion zu bekommen. Ich bin überzeugt, dass die Behandlung und die Untersuchungen von qualifizierten Ärzten durchgeführt werden und ich habe mich auch bereit erklärt, immer einen viertel Liter Blut für die Wissenschaft abzugeben. Es hat noch etwas Positives, man nimmt oder hat wesentlich mehr Zeit für die Betreuung der Patienten, so sind es in der normalen Sprechstunde in der Rheumaklinik höchstens 20 Minuten, dort in der ›Neuen Therapien‹ mindestens 45 Minuten und mehr. Ich bin natürlich damit nicht unzufrieden, obwohl die Einrichtung sehr beengt ist, die Infusion bekommt man praktisch in der Anmeldung, etwas abgeschirmt vom Publikumsverkehr.
Bevor ich in die Augenklinik gefahren bin, habe ich meine Tasche (Notfallkoffer) fürs Krankenhaus gepackt, obwohl ich erst einmal ohne Tasche kommen sollte.
Immer wenn ich zu so einer neuen Umgebung überwiesen werde, überkommt mich die blanke Unruhe, die sich erst wieder legt, wenn ich mich auskenne. Von meiner Wohnung brauche ich, mit der S– und U – Bahn, eine reichliche Stunde, für Berlin ein guter Schnitt. Bis zu meiner S – Bahn Station (Grünbergallee)laufe ich nur 5 Minuten. Meiner Ex – Frau sei für die ›kluge Auswahl‹ der Wohnung gedankt, aber das war garantiert nicht ihr Ziel, sie hätte mir sicherlich einen Fußweg von mehreren Kilometern an den ›Hals‹ gewünscht.
Ich habe die Wohnung behalten, weil ich gar keine Zeit hatte mir eine neue zu suchen und um ehrlich zu sein, ich habe mich auch nicht sonderlich angestrengt. Da sie aber nicht schnell genug von mir weg kommen konnte, ist sie dann schließlich ausgezogen, obwohl sie die Wohnung bestimmt auch gerne behalten hättet. Wir hatten nach ihrer Scheidungsabsicht, die anteilmäßige Zahlung der Miete und sonstigen Kosten vereinbart. Selbst das wurde von ihr vor Gericht noch bestritten, da ich aber meine Quittungen über die Zahlungen aufbewahrte, konnte ich es entkräften.
Nun bin ich etwas abgeschweift, die Augenklinik der Charité befindet sich im Virchow Klinikum und da war ich bisher noch nicht gewesen, höchstens vor einigen Jahren als Taxifahrer.
Nachdem ich mich durchgefragt und die Anmeldeformalitäten erledigt waren, habe ich ca. 2 Stunden warten müssen.
Die Ärztin, Frau Doktor Schmidt, nette jüngere Frau, zu der ich sofort Vertrauen aufbauen konnte, konnte auch nur die ausgeprägte Iritis feststellen, die mich jetzt schon einen Monat plagt, etwas Angst kommt da schon auf. Sie gab mir neben Augentropfen, Augensalbe und nach Konsultation mit dem Oberarzt das Medikament Decortin (Cortison). Ich informierte sie über den Diabetes und bat sie sich mit der Rheumaklinik der Charité in Verbindung zu setzen, Frau Doktor war am Telefon und so nahm die langsame Heilung seinen Lauf. Ich wurde von der Ärztin auch beruhig und musste auch nicht einrücken. Ich bin noch mehrmals zu ihr in die Sprechstunde gegangen. Man musste immer sehr viel Zeit mitbringen. Das Medikament nahm ich ausschleichend bis Mitte Oktober, aber das Auge war leider noch nicht ganz in Ordnung. Zum Glück hat sich das Cortison nicht negativ auf den Zucker ausgewirkt.
In meiner Apotheke gab das Rezept Decortin beim einscannen einen Piepton von sich. Der Computer reagiert, wenn es Unverträglichkeiten zwischen den Medikamenten gibt, bei mir war es das NovoNorm, was ich gegen den Zucker nehme. Ich finde das gut, man wird darauf hingewiesen und kann die weitere Medikation mit seinen Ärzten besprechen. Das geht natürlich nur wenn man alle Medikamente in einer Apotheke holt.
Nach ca. 8 Wochen wurde ich an meine Augenärztin zurück überwiesen, ich war nicht geheilt aber nicht mehr akut gefährdet, das Auge sah wieder mit 50 % und glücklicherweise sind offensichtlich keine Schäden an der Netzhaut zurückgeblieben, die eingetretene Linsentrübung kann später durch eine Laserbehandlung korrigiert werden. Trotzdem werde ich mir überlegen, ob ich eine andere Augenärztin aufsuche, das ist aber gar nicht so einfach.
Im Arztbrief des Virchow Klinikums stand, dass ich gern wiederkommen kann und das ist nicht nur so dahergesagt, wie mir auch meine Augenärztin bestätigte, bei der nächsten Iritisattacke, sollte ich sofort die Notaufnahme aufsuchen, jetzt mit einer Akte geht es unkompliziert, wie sie meinte, abweisen kann mich mit der Erkrankung keiner.
Und sie sagte noch etwas, sie sprach vom Glück, ich und Glück, na wie finde ich den das, die Erblindung auf einem Auge war nicht auszuschließen, wie sie andächtig meinte. Ich glaube ja nicht an Glück, na jedenfalls nicht so richtig, aber vielleicht gibt es ja paar Menschen, die mir ab und zu die Daumen drücken, oder gar für mich beten. Ich lasse es einmal so stehen, die die ich meine wissen es garantiert.
Erst kurz vor Jahresende hat sich das Auge auf 80 % Sehkraft hoch gerappelt , worüber ich natürlich sehr froh bin, mehr ist nicht zu erwarten, aber ich kann wieder ganz vernünftig lesen und auch am Computer schreiben, es war ja neben den anderen Belastungen, die größte Entbehrung. Ist mir doch mein Computer ein treuer Begleiter in guten, wie in schlechten Zeiten geworden, die Anspielung auf meine Ehe ist natürlich bewusst von mir gewählt. Somit wird auch der siebente Teil vom ›Alleinflug‹ pünktlich erscheinen.
Eigentlich hatte ich mich ja Anfang August gesundheitlich ganz gut gefühlt und dann das, aber so ist es eben, wenn man gesundheitlich angeschlagen ist, sollte wirklich jeden Tag aufs Neue genossen werden.
Im April, es liegt schon paar Monate zurück, kaufte ich mir ein Trainingsgerät, weil ich an Gewicht zugenommen habe und ich meine Bewegungseinschränkung in Grenzen halten will, also legte ich mir unter der Devise,
Die Bechterewler brauchen Bewegung !
einen Hometrainer (deswegen sehen wir Bechterewler auch alle so sportlich aus!!) zu, für einen Sozialhilfeempfänger sicherlich eine Anschaffung, wie für andere Menschen ein Auto und ich glaube nicht, dass mir das Sozialamt so etwas gekauft hätte.
Damit will ich vor allem erreichen, dass;
› – die Elastizität des entzündlich befallenen bzw. schon vernarbten Gewebes soll erhalten bleiben soll
› – die Muskelkraft soll erhalten und gestärkt werden.
› – mit trainierter Muskelkraft soll die Wirbelsäule, die bei Unachtsamkeit eine Neigung zur Beugung aufweist,
     aufrecht gehalten werden, und zwar auch dann, wenn das vernarbte Gewebe wirklich verknöchern sollte.
› – das Bewegungstraining hat zum Ziel, über Stärkung der Muskelkraft die Haltung des Körpers zu korrigieren
      und schließlich über die Zugbelastung auf den Knochen einer Osteoporose vorzubeugen.
Ich als Bechterewler mit aktivem Krankheitsbild kann mir keine Trainingspause leisten, ich bemerke schon nach 4 bis 8 Wochen sowohl Leistungsabfall wie auch Bewegungsverminderung.
Leider musste ich aber jetzt aufgrund der Iritis, des Cortison und der ersten Infusionen meine Aktivitäten in den Hintergrund stellen.
Im Monat Oktober habe ich dann mit dem Radfahren wieder begonnen, es ist die einzige Möglichkeit mich fit zu halten und so fahre ich jeden Monat ca. 200 Kilometer. Das sind am Tag ca. 10 km, also jeden Tag, außer Sonntag und Sonnabend. Ich kann fahren bei Regen, Schnee, Glatteis, Sonne usw. ist doch eine feine Sache, es stört nichts, nur manchmal der innere ›Schweinehund‹ , den jeder wohl kennt. Bis zu Ende des Jahres habe ich ca. 1400 Kilometer zurückgelegt, 85 Stunden dazu benötigt und 50000 Kalorien verbraucht. Da bin ich auch etwas Stolz auf mich.
Die Probleme mit der Schilddrüse, die ja schon aus dem vergangen Jahr bekannt sind, sollten eigentlich dieses Jahr geklärt werden. Ich glaube nun nicht mehr daran, weil auch sie dem Auge weichen mussten und nun noch die alljährliche Computertomographie und die Koloskopie anstehen, d.h. sie erfolgen Ende November und kurz vor Weihnachten die nächste Infusion, da passt die Schilddrüse überhaupt nicht mehr dazwischen.
Ich habe die Kontrolluntersuchung doch noch dazwischen bekommen, die Kontrolle in der Nuklearmedizin ergab, dass die Knoten nicht gewachsen sind und deshalb eine Operation zurzeit nicht zwingend notwendig ist.
Die Ärztin meinte, wenn ich einmal nichts anderes mehr habe, könnte man operieren, mal sehen ob diese Zeit jemals kommen wird! Ich war über die Mitteilung froh, denn es ist ja doch wieder einiges passiert in diesem Jahr. Notwendig ist die weitere Einnahme der Schilddrüsenhormontabletten L – Thyroxin 50mg, die Kontrolle der Werte im Labor und selbstverständlich wird eine jährliche Kontrolle in der Nuklearmedizin erfolgen.
Das, was mich das ganze Jahr über am Laufenden hält, sind die Probleme mit den Behörden, auch meine Gerichtstermine, da ist so einiges wieder zusammengekommen.
Meine Geldgeber ist das Sozialamt und bald wäre es das Grundsicherungsamt geworden, aber der Reihe nach
Am Jahresanfang hatte ich die Zahlung der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu klären und zwar für das Jahr 2003. Ich schrieb wie üblich einen Antrag mit entsprechender Begründung, es ging darum, dass noch 21 Beitragsmonate fehlten um mit 60 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen zu können. Die Beiträge für 2003 wurden vom Sozialamt übernommen, die Übernahme der restlichen Beiträge für 2004 wurde abgelehnt.
Ich sollte einen Bescheid über die vermutliche Rentenhöhe beibringen und es wurde mir mitgeteilt, dass ich ja bald Grundsicherung bekäme und dann die ausstehenden Beiträge von mir selbst bezahlt werden könnten. Diese Feststellung übertraf ja nun alles bisher da gewesene was ich vom Sozialamt gewohnt war. War den Leuten dort wirklich nicht bekannt, dass die Grundsicherung sogar etwas weniger ist, als die Sozialhilfe. Solche arroganten und nichtnachvollziehbaren Behauptungen, lassen mich trotz meinen Erfahrungen in die Höhe schnellen. Es ist zu durchschaubar, hier wird die Verantwortlichkeit weg geschoben.
Bis zur Rente mit 60 Jahren sind es nur noch vier Jahre, wie doch die Zeit vergeht, dann könnte ich einen Teil meines Lebensunterhaltes selbst bestreiten, loskommen werde ich aber vom Sozialamt bzw. Grundsicherungsamt nicht, obwohl ich dann 35 Jahre Beiträge eingezahlt habe. Der Grund ist einfach, ich falle unter das Strafrentensystem, weil ich in der DDR nichts anderes getan habe, als der Bundesgrenzschutz in der BRD, nur ich stand auf der andern, auf der richtigen Seite. Warum ist denn eigentlich die Bundesrepublik bei ihren Nazis nicht auch so konsequent gewesen, stelle ich mir manchmal ernsthaft die Frage? Da gab es eine Lobby und die habe ich (wir) nicht.
Jetzt gab es noch einen Verhandlungspartner, nämlich die LVA. In Berlin wird das von der BVA mitgemacht, es gibt also nur eine Anlaufstelle und die besten Erfahrungen hatte ich bisher sowieso nicht gemacht, sei es Rentenantrag, Rehantrag oder Zuzahlung. Mit einiger Wartezeit konnte ich mein Problem vorbringen und merkte gleich eine gewisse Disharmonie zwischen beiden Stellen. Man versprach mir ein Schreiben zuzusenden, welches auch relativ schnell kam und dort wurde mir die Rentenhöhe mitgeteilt, aber es war nicht ersichtlich, dass ich mit 60 Jahren ohne Abzüge in Altersrente gehen kann und es fehlte die Angabe, wie viele Monatsbeiträge ich noch zu zahlen habe.
Der telefonische Rückruf bei der LVA zeigte mir wieder einmal, die erschreckende Inkompetenz der Mitarbeiter, obwohl ich den Gesetzestext der Dame am Telefon vorlas, war sie nicht in der Lage die Richtigkeit zuerkennen und beharrte auf der Aussage, dass ich zwar mit 60 Jahren in Rente gehen könnte, aber eben nur mit entsprechenden Abzügen.
Ich brauchte aber für das Sozialamt dieses Schreiben mit der Bestätigung, ich zweifelte schon selbst an mir, ob ich eventuell zu blöde bin die Gesetzte richtig zu lesen.
Ich musste mich in den letzten Jahren nicht das erste Mal mit Gesetzten beschäftigen und war der Meinung ich kenne mich aus. Ich hätte mich sicherlich auch an einen Vorgesetzten in der LVA wenden können, aber ich zog es vor mit den Praktikern zu reden, nämlich mit dem Versicherungsältesten des Stadtbezirkes. Der war sofort meiner Meinung und kurze Zeit später hatte ich das entsprechende Schreiben in der Hand, na es geht doch.
Den Widerspruch für das Sozialamt formuliert und abgegeben, ich geben meine Schreiben immer selbst ab, bei der Poststelle des Sozialamtes. Am Anfang hatte ich Bedenken, weil ich das Sozialamt nur Originale akzeptiert, ob nicht einmal etwas wegkommt, aber die Befürchtung war unbegründet.
Der Eingang des Widerspruches wurde mir schriftlich bestätigt, dann geschah wieder etwas völlig unvorstellbares. Ich bekam einen Bescheid vom Sozialamt über die Einstellung der kompletten Unterhaltszahlung durch das Sozialamt. Ich bekäme ab 1.5.04 Grundsicherung, nur blöderweise wusste ich davon noch nichts, komisch dachte ich und mir schwante schon wieder das Schlimmste. Ich war es doch gewöhnt, dass bei mir nie etwas auf Anhieb funktionierte.
Also machte ich mich zum Grundsicherungsamt auf, dort gibt es einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Sozialhilfe, es ist nicht so viel Andrang. Hier war man verwundert, weil noch gar nichts geregelt ist.
Einige Tage später wurde mir vom Grundsicherungsamt mitgeteilt, dass noch der Abgleich mit dem Sozialamt läuft. Wo der Mensch im Abgleich bleibt ist denen doch vollkommen egal, die bekommen doch regelmäßig ihr Geld. Die Bearbeiter dort können es sich nicht vorstellen, wie es ist, jeden Monat auf den Eingang des Geldes zu warten, mein Vermieter fragt nämlich nicht erst nach, bevor die Miete abgebucht wird. Der Monat April ging bereits in die letzte Woche, erst eine erneute persönliche Nachfrage ergab, dass die Bearbeitung noch nicht abgeschlossen ist, wenn ich in den nächsten Tagen nichts höre, sollte ich mich noch einmal melden.
Kurz vor dem Ende des Monats habe ich dann telefonisch bei der Bereichsleiterin nachgefragt, sie wollte sich kümmern und es kam auch die Antwort.
Mit dieser Antwort habe ich nicht gerechnet, die Grundsicherung wird abgelehnt, es war wieder so eine Situation, wo sich bei mir sofort alle Gehirnwindungen auf das Äußerste anspannen. Nun habe ich ja schon mehrfach solche oder ähnliche Situationen gemeistert. Für die Ablehnung gab es einen sehr einfachen Grund, erst wenn die Unterhaltsforderung gegenüber meiner Frau geklärt ist, könnte ich Grundsicherung bekommen. Man versprach mir auch, sich mit dem Sozialamt in Verbindung zu setzte um die Zahlung wieder zu aktivieren.
Das Grundsicherungsamt ist nicht berechtigt Unterhaltsforderungen einzuklagen, das darf nur das Sozialamt. Obwohl die Unterhaltsproblematik ja beim Sozialamt anhängig ist, hat wohl die eine Tür nicht gewusst, was die andere macht, na gut, weiteren Kommentar erspare ich mir, schließlich ist das Sozialamt mein Geldgeber und über seinen Vorgesetzten spricht man nicht schlecht.
Einen positiven Aspekt hatte der erste Kontakt mit dem Grundsicherungsamt doch, ich hatte zwar meine Erwerbsunfähigkeit im Schreiben der LVA bestätigt, aber die war dem Grundsicherungsamt nicht eindeutig genug. Deshalb beantragte das Amt bei der LVA eine entsprechende aussagekräftige, schriftliche Erklärung, das kann erfahrungsgemäß dauern.
Wenn ich nun glaubte, dass ich für den Monat Mai Sozialhilfe bekommen, es gibt ja auch ›Irrglauben‹ , erst meine Nachfrage Ende Mai beim Sozialamt brachte mir wieder Hilfe zum Lebensunterhalt und auch einen neuen Termin ein.
Ich weiß ja, dass die Bearbeiterin viel Arbeit hat, ich will auch nicht immer dort telefonisch Nachfragen, weil ich es erlebe, wie es ist wenn es ständig klingelt oder jemand die Tür aufmacht, da ist kein konzentriertes Arbeiten möglich. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn hier manchmal etwas nicht bearbeitet wird. Ich möchte auch hier ausdrücklich feststellen, dass ich mit meiner jetzigen Bearbeiterin zufrieden bin.
Beim Termin, ging es natürlich um die weitere Zahlung der Sozialhilfe und um meinen Widerspruch zur Rentenzahlung. Da die Zahlung der Mindestbeiträge noch bis März 2005 Zeit hat und die Bearbeiterin wieder auf die Grundsicherung spekulierte, gab es eine schriftliche Vereinbarung, dass ich im Monat November den Antrag noch einmal stellen sollte, was ich auch tat. Jetzt fällt, das natürlich genau in die Zusammenlegung von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe und das Chaos ist vorprogrammiert. Ich falle nicht in das ALG II, müsste demzufolge die Sozialhilfe, als erwerbsunfähiger Klient, weiter bekommen. Aber zum letzten Termin im September war dem Sozialamt noch nicht klar wie es weitergeht. Man sagte mir nur, dass die Zahlung bis Dezember gesichert ist. Damit musste ich mich zufrieden geben. Zwischenzeitlich kam auch die Bestätigung durch die LVA, über meine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit, noch ahnte ich nicht was das für ein ›Glücksfall‹ für mich sein wird. Vorsichtshalber gab ich diese Bestätigung beim Grundsicherungsamt ab, man sollte mein Gesicht nicht vergessen. Es gab zu dieser Zeit nur zwei Mitarbeiter, zu denen ich ziemlich guten Kontakt hatte.
Durch meine Betreuerin von der Behindertenhilfe im Bezirksamt, zu der ich mindestens einmal im Quartal Kontakt aufnehme, erfuhr ich, dass es eine neue Stelle beim Sozialamt gibt. Die sich mit den erwerbsunfähigen Sozialhilfeempfängern beschäftigen soll, also genau die richtige Stelle für mich. Ich habe mich dort gleich vorgestellt, mir wehte aber eine steife Brise ›sozialer Kälte‹ massiv entgegen, obwohl die Mitarbeiterin einen kompetenten Eindruck machte. Sie sagte mir, dass es bei mir eher unwahrscheinlich ist, dass ich ab Januar kein Geld bekomme. Den Sinn dieser Stelle habe ich trotzdem nicht herausfinden können. Es wäre sehr gut, wenn dadurch ein kompetenter Anlaufpunkt geschaffen würde, weil ich immer wieder feststellen musste, dass die Behindertenhilfe bei Problemen mit der Sozialhilfe ziemlich machtlos ist.
So wie jedes Jahr drängten sich bei mir am Jahresende die Termine, die Krebsnachsorge stand an und weil die Iritis dazwischen kam, wurde es besonders eng, bis kurz vor Weihnachten.
Mehrfach habe ich schon über die beiden Untersuchungen, Darmspieglung bzw. Computertomographie geschrieben, kann mir das schildern der Prozedur ersparen, denn es ändert sich nichts. Das Mittel zur Darmreinigung schmeckt immer noch abscheulich, wichtig ist aber das Ergebnis und das war in Ordnung.
Die Onkologin meinte, es sähe wirklich gut aus und auf die Darmspieglung können wir im, also ich im nächsten Jahr eventuell verzichten, damit wäre ich sehr einverstanden. Die Ärztin will mich erst im Sommer wieder sehen, ein gutes Zeichen wie ich finde, natürlich kann ich aber jederzeit vorbeikommen, wenn es was gibt.
Mitte Dezember bekam ich die letzte Infusion für dieses Jahr in der Charité. Auf die Frage der Ärztin, wie es mir geht, brachte ich mein neuerliches Problem zur Sprache. Ich verspürte seit einiger Zeit fast jeden Morgen ziemlich starke Kopfschmerzen, die aber meist im Tagesverlauf nachlassen.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Problem mit der Remicade – Therapie oder der Einnahme des Antibiotikums zusammenhängt. Es könnte aber auch noch von der Iritis herrühren oder eine Nasennebenhöhlenentzündung sein, weil durch die Remicade – Therapie das Immunsystem erheblich geschwächt ist, eine Grippeschutzimpfung wurde mir deshalb auch nicht angeraten. Die allerletzte Möglichkeit wäre ein Tumor im Gehirn, na gut, soweit wollten wir nicht denken, aber wie ich ja schon oft erfahren habe, alles was es gibt, will ich haben!!
Wir besprachen das Problem und ich ging nach der Therapie gleich zum Röntgen, um alle Eventualitäten auszuschließen sollte ich noch eine Computertomographie des Kopfes machen lassen. Die CT ist zwei Tage vor Heiligabend, aber nun wirklich der allerletzte Termin in diesem Jahr.
Mein Entschluss, alles was mit Krebs zusammenhängt, lasse ich im OZK machen und alles andere in der Charité, ich denke so ist es am effektivsten und eventuelle Rücksprachen sind somit schnell erledigt. Ich habe nämlich in diesem Jahr festgestellt, dass es sich nicht lohnt alle Ärzte mit allen meinen Problemen zu konfrontieren, es bringt nicht, also setzte ich Schwerpunkte und die beiden Kliniken habe ich jetzt ausgewählt. Damit Schluss mit den gesundheitlichen Problemen, ich hoffe nicht, dass es im nächsten Teil neue zu berichten gibt.
Dieses Jahr hatte ich noch einige andere Aktivitäten im Programm. Seit ca. 20 Jahren besuchte ich wieder ein Kino, habe mir einige Filme an den Kinotagen angesehen, weil da der Eintritt etwas billiger ist. Man war das komisch gewesen, ich kam mir vor wie ein Schulanfänger. Ich wusste auch nicht, dass es in den Kinos mehrere kleiner Kinosäle gibt und staunte, dass die Kinos so leer sind. Nun kenne ich mich aus, weiß auch, dass man Popkorn nur für einen Euro kauft und nicht für drei Euro, es sei denn man will die ganze Reihe versorgen.
Ich nahm mir auch vor, Berlin etwas besser kennen zu lernen, denn es könnte ja sein, dass mich einmal jemand besucht und dann vielleicht noch aus dem Ausland und ich kann nichts erklären. Bisher stand immer die Arbeit im Vordergrund, dann hatte ich aufgrund meiner gesundheitlichen Situation keine Lust. Ich kannte zwar den Ostteil ganz gut, nicht aber das Umfeld von Berlin und so nahm ich mir vor, wenn immer es geht etwas zu unternehmen. Allerdings durfte ich mir nicht zu viel vornehmen, denn nach wie vor machte mir die schwere Polyneuropathie zu schaffen und manchmal trieben mich vor allem die Schmerzen an den Füßen fast zur Verzweiflung.

2004 Sony - Henry
Besonders am Sonntag war eine meiner Lieblingsrouten,
der Potsdamer Platz, mit dem Sonycenter,
Fußmarsch zum Brandenburger Tor.
Am Brandenburger Tor ist immer etwas los und in unmittelbarer Nähe liegen auch die Gebäude der Regierung, auch der Weg am "Hotel Adlon" vorbei bringt oftmals eine Überraschung,
z.B. Begegnung mit Bill Clinton. Meist fahre ich dann mit dem Bus zum Alexanderplatz,
oder wenn ich noch gut zu Fuß bin, gehe ich ein Stück die Straße Unter den Linden entlang.

Das Sonycenter am Potzdamer Platz

Im Sony – Center gibt es eine Besonderheit für mich, es existiert eine so genannter HotSpot, also von dort aus kann man, vorausgesetzt das Notebook ist mit W–LAN ausgestattet, der Akku gut geladen, in DSL Geschwindigkeit ins Internet gehen. Unter den vielen Jugendlichen wirke ich natürlich wie ein ›Exot‹ , viele Menschen sprechen einem an und wollen wissen wie es geht, klar gebe ich bereitwillig Auskunft. Diese Möglichkeit kann man auch im Winter, an den Heizstrahlern oder in einem der Cafés, nutzen. Also wenn einer mit dem Rucksack dort sitzt, ne Pfeife raucht und einen Milchkaffee trinkt, das Notebook aufgeklappt hat, bin ich es. Nutzen tue ich das insbesondere um Online Englisch zu lernen, zum Beispiel auf der Website von BBC – World und um Recherchen über die mich interessierenden Probleme im Internet durchzuführen. Ich finde es eine gute Sache, dass es auch einmal etwas kostenlos gibt.
Weiterhin gehe ich gern zu Ausstellungen oder Aktionstage. Die Umgebung von Berlin habe ich auch erkundet, also Potsdam, oder der Besuch des Blütenfests in Werder. Hier präsentieren die Obstbauern ihren, nicht immer ganz ungefährlichen Wein, aus allen möglichen Obstsorten.
Den Tag der offenen Tür des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB) besuchte ich ebenfalls und von den Moderatoren die mich besonders interessierten, holte ich mir ein Autogramm und wechselte auch paar Worte.
Gern werde ich im nächsten Jahr, bei hoffentlich guter Gesundheit, diese Aktivitäten fortsetzen, auch dadurch erhoffe ich mir weiter Genesung.
Das langfristige Ziel, die englische Sprache zu erlernen, habe ich keinesfalls aus den Augen verloren und mich weiter entwickelt.
Dazu kaufte ich mir einen kleinen MP3 Player, der nun überall mitgenommen wird, sei es in der S – bzw. U – Bahn, bei Arztterminen, darauf sind in erster Linie Vokabeln des englischen Grundwortschatz und Aufbauwortschatz, natürlich selbst erstellt. Einige Audiodateien habe ich ebenfalls erworben, so dass ich entsprechend meiner Lust und Laune meinen Lernplan zusammenstellen kann.
Im Laufe des Jahres habe ich mir einige Lernmittel zugelegt, oftmals gibt es qualitativ hochwertige Materialien für wirklich wenig Geld. Andere Hilfsmittel sind zum Beispiel Platzdeckchen mit Grundwortschatz, Aufbauwortschatz und Grammatik. Im Bad spielt der CD – Player auch Lernprogramme, ich habe sogar ein Computerprogramm gewonnen, also die Basis ist vorhanden. Ich will ja ehrlich sein, nicht jeden Tag lerne ich intensiv, ab und zu muss ich mich auch meiner Website widmen. Dazu sind die erworben Kenntnisse in Englisch auch sehr nützlich und so schließt sich der Kreis wieder. Es ist also nicht umsonst was ich mache.
Meine Website liegt mir sehr am Herzen und ich bin froh, dass ich mich vor fast zwei Jahren entschlossen habe, dieses Projekt anzupacken. Dadurch habe ich viele neue Kontakte schließen können und viel Lob und Anerkennung sind mir zuteil geworden.
Ich bin mir gar sicher, ob Webdesign nicht noch eine Krankheit ist, die sich bei mir eingenistet hat, zumindest kann es sehr süchtig machen. Jetzt zum Jahresende bin ich gerade dabei alle Seiten umzuarbeiten um sie barrierefrei zu machen, das heißt die Umwandlung von HTML in XHTML.
Im Grunde genommen geht es darum die Website für sehbehinderte Benutzer zugänglich zu machen, die einen Text–to–Speech–Übersetzter ( dt. Text–in–Sprache–Übersetzter ) verwenden, oder für einen Benutzter, der ein Braille –Gerät zum Lesen benutzt und das geht nur bei konsequenter Anwendung von XHTML. Für diese Menschen will ich es tun, obwohl ich mich nicht um den ›Biene Award‹ bewerbe, denn für solche Seiten gibt es ganz andere Experten.
Das Jahr 2004 neigt sich nun bald dem Ende zu, als eine der letzten Handlungen stand noch der TÜV für mein 7 Jahre altes Auto an und es stellte sich heraus, dass es gesünder ist wie ich, aber mit den ›Augen‹ war auch etwas nicht in Ordnung, eine defekte Glühbirne.
Mehr über mich im nächsten Kapitel, denn nun geht es zu meiner Familie nach Bautzen um ein geruhsames Weihnachtsfest zu verbringen.

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8. Sorgen, Überraschungen, paar geklaute Monate und
    ein Jubiläum mit Praxistest (2005)

Weihnachten 2004 kam immer näher, alle Geschenke, na ja Kleinigkeiten waren verpackt und wenn notwendig verschickt worden. Ein Päckchen ging besonders weit, denn es hat fast 14 Tage gedauert bis es ankam, somit nicht pünktlich zur Bescherung. Die Deutsche Post machte ihrem Namen (Schneckenpost) wieder einmal alle Ehre, trotz teurer Gebühren muss man für ein kleines Päckchen nach Österreich lange Zeit einplanen.
Zwei Tage vor Weihnachten fuhr ich los, vorher kam noch ein Brief vom Rechtsanwalt, dass der Termin beim Amtsgericht im Januar ausfällt, weil die Klage gegen die Prozesskosten von meiner Ex–Frau zurückgezogen wurde, vielleicht hatte sie nun endlich begriffen, dass den Armen nix mehr zu nehmen ist. Letztendlich blieb sie auf den Kosten von 3000 Euro sitzen, eine kleine Genugtuung für mich. Beim Öffnen des Briefes, dachte ich schon, hört denn das niemals auf.
Die Fahrt ging über Dresden nach Bautzen, ich bin noch für eine Stunde bei meiner Schulfreundin vorbeigefahren, ich glaube sie hat sich sehr gefreut und paar kleine Geschenke wurden auch ausgetauscht, die natürlich erst am Heiligen Abend geöffnet werden durften. Harte Sitten im Sachsenland, wo Weihnachten sowieso anders ist, mehr Heimlichkeiten, mehr Christstollen, mehr Weihnachtsmarkt, also viel gemütlicher.
Am zeitigen Nachmittag kam ich dann bei meiner Mutter an, es war die erste große Fahrt nach den massiven Augenproblemen im letzten Jahr, es ging gut, weil es hell war, denn ich habe den Eindruck als ob ich nachts nicht mehr so gut sehen kann.
In Bautzen wurde kurz der Plan gemacht, wie das Fest abläuft und wie mein Geburtstag organisiert wird.
Am 24. Dezember hatte meine Mutter entgegen allen Traditionen zu sich eingeladen, also waren wir am Heiligen Abend insgesamt 8 Menschen, eine Katze und eine Katzentransportkiste, der Platz wurde jedenfalls eng.
Geschenke gibt es nicht, nichts heißt aber nicht gar nichts, es sind Kleinigkeiten, Mutter ist natürlich großzügig, ihre Kinder und die Enkel bekommen einen nicht unerheblichen Geldbetrag. Es gibt den gleichen Betrag in Euro, sie hat es so wie viele Händler gemacht und 1 zu 1 umgestellt. Natürlich haben wir die Mutter darauf aufmerksam gemacht, sie meinte Vater hätte es auch so gewollt.
Am 1. Feiertag, lud wie immer, meine Schwester Sonja zum Entenessen ein, ihre beiden Kinder und meine Tante waren auch zu gegen, der jüngste Sohn meiner Schwester hatte in Frankfurt am Main im Hotel Dienst zu machen, war also nicht da. Er ist erst nach Weihnachten gekommen. Es war ein vorzügliches Mal gewesen, anschließend bin ich gemeinsam mit Mutter zu ihrem Anwesen gelaufen. Es herrschte eine eigenartige atmosphärische Stimmung vor, die Berge waren so nah wie noch nie, es war ganz still, wie Weltuntergang und in der Nacht kam ja auch die Flutwelle in Südostasien!
Der 2. Feiertag sollte eigentlich ruhig werden, ich hatte schon seit mehreren Wochen Kopfschmerzen, deshalb wurde ja auch die CT in der Charité gemacht, sie waren beim Aufwachen da und verschwanden in den Vormittagsstunden. Es kam aber anders, meine Schwester Sonja rief am Vormittag an und fragte, ob wir nicht helfen wollen, ihr Karnickel zu verspeisen. Früher war ich nicht so ein guter Esser, aber solche Gelegenheiten lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Weil es regnete, holte uns mein Neffe Ronny mit dem Auto ab. Mir schmeckt der Hase besser als die Ente, wichtiger als Fleisch ist mir aber Soße, Rotkraut und Kartoffeln, bescheiden wie ich bin.
Da genug Leute da waren, wurde am Nachmittag ein gemütlicher Doppelkopf gespielt, obwohl es Weihnachten eigentlich nicht üblich ist. Alle verloren haushoch, ich war der überragende Gewinner. Es wird nicht um große Summen gespielt, das Geld ist für einen guten Zweck bestimmt, es verhilft uns Mitspielern in Form eines gemeinsamen Essens in einer Gastwirtschaft.
Weihnachten war wieder einmal vorbei und wie immer kam am nächsten Tag mein Geburtstag. Ich plante die Runde vom Heiligen Abend einzuladen. Für das Abendbrot habe ich, mit Mutter, am Vormittag eingekauft, ich konnte das von meiner ›Weihnachtsgratifikation‹ vom Sozialamt bezahlen. Die Feier war angenehm und natürlich wurde sich auch über meine Situation unterhalten, alle haben sie mir bescheinigt, dass ich trotz meiner Krankheit doch recht aktiv bin. Ich selbst habe auch noch positive über den Staat gesprochen, ich meine über die Hilfe die den wirklich Armen zu teil wird, noch ahnte ich nicht im Entferntesten was mich nach meiner Rückkehr in Berlin erwartet.
Es gab neben den Geburtstagsgeschenken, noch eine schöne Überraschung, eine sehr gute Mailfreundin Amely aus Österreich rief an um mir zu gratulieren. Wir kennen uns seit einem Jahr, aber eben nur virtuell, geplant ist aber auch ein persönliches Kennenlernen. Es hat sich daraus eine intensive und vor allem niveauvolle Mailfreundschaft entwickelt. Ja und diese Frau rief an, weil ich damit überhaupt nicht gerechnet habe, war die Freude groß. Es ist schon komisch, manche Leute aus dem Netz, stehen mir näher, als die aus meiner unmittelbaren Umgebung und wissen auch viel mehr über mich. Deshalb wäre für mich ein Leben ohne Internet kaum noch denkbar.
Am 28.12. fuhr ich zurück nach Berlin, ich habe immer ein ungutes Gefühl, wenn ich paar Tage nicht zu Hause bin und mein Gefühl täuschte mich auch dieses Mal nicht.
Die Vögel lebten alle, aber das Ungemach lag im Briefkasten bzw. auf dem Esstisch in der Wohnung. Ich konnte es kaum glauben, ein Brief vom Sozialamt mit einen Antrag auf Arbeitslosengeld II (ALG II), abgeschickt am 22.12.2004. Ich hatte im letzten Jahr mehrmals im Sozialamt nachgefragt, wie es bei mir ab 01.01.2005 weitergeht, weil eindeutig klar war, dass ich mit dem ALG II nichts zu tun habe. Ich bin seit 2000 voll erwerbsgemindert, bescheinigt durch die LVA.
Damit war mir schon klar, es gibt erst einmal kein Geld im Januar, zu Glück hatte ich mir im Laufe des Jahres soviel Geld zusammengespart und konnte wenigstens die Miete bezahlen, ohne mein Konto zu überziehen, aber wem interessiert das schon im Sozialamt.
Nun begann für mich der Kampf »David gegen Goliath«, es galt zuerst genau zu überlegen, was ich jetzt mache, denn die Zeit war knapp. Ich rief bei der angegebenen Hotline an und teilte mit dass ich diesen Antrag bekommen hätte. Man sagte mir, sicherlich ein Versehen, wenn ich erwerbsunfähig bin, trifft es auf mich nicht zu, damit war mir aber immer noch nicht geholfen. Am selben Tag setzte ich mich noch mit der Mitarbeiterin des Sozialamtes, die eigentlich für erwerbsunfähige Sozialhilfeempfänger zuständig ist in Verbindung. Die Antworten waren nicht gerade hilfreich und kompetent. Irgendwie war ich gelähmt, ich wusste plötzlich gar nicht wo ich mich hinwenden sollte, schickte noch eine E–Mail an meine ehemalige Sachbearbeiterin im Sozialamt, darauf habe ich bis heute keine Antwort.
Am nächsten Tag begab ich mich persönlich zum Sozialamt um eine Klärung herbeizuführen, wohin stellte sich mir die Frage, ich ging zur Erstberatung, verwunderlich dort standen, wie sonst nie keine Leute an, der Mitarbeiter den ich ansprach war mit meinem Anliegen vollkommen überfordert und meinte ich solle schnell noch einen Antrag auf Sozialgeld nach SGB XII ausfüllen. Ich hatte bis jetzt nirgendwo gelesen oder gehört, dass ich einen neuen Antrag ausfüllen muss. Kurioserweise waren gab es noch gar keine neuen Anträge, also stand ich wieder da, ging noch einmal persönlich zu der Mitarbeiterin die für die ›Nichterwerbsfähigen‹ zuständig war. Sie war ratlos, ich bin mir bis heute nicht klar, was diese Stelle überhaupt für eine Aufgabe hat, das Einzige was sie in Erfahrung bringen konnte, dass für mich kein Geld zur Zahlung angewiesen wurde, das war doch mal eine Beruhigung!
Sie konnte mir noch den Namen eines Gruppenleiters geben, der eventuell für mich zuständig sein könnte. Also versuchte ich ihn zu finden, hektisch hin und her laufende Menschen mit Akten und Büromaterialien zeigten deutlich die ›klare Linie‹ im Sozialamt. In einigen Zimmern waren auch schon die Vorbereitungen für die Silvesterfeier im Gange, was sich an Papierschlangen und anderen Utensilien ausmachen ließ. In all dem Treiben stand ich nun und suchte das Zimmer des Gruppenleiters, Vorstellungen, dass mir geholfen wird, kamen mir dabei nicht in den Sinn. Das war dann auch kein ›Kleinscheiß‹ mehr, ich hatte ein echtes Problem.
Wenig später stand ich ohne Anmeldung, nur mit Klopfen im Zimmer des Gruppenleiters, er war recht zugänglich, ich staunte nicht schlecht, fast so ein Mensch wie ›DU und ICH‹ . Ich schilderte mein Problem, aber helfen konnte er mir auch nicht, er meinte ich solle am 3.1. oder besser erst am 4.1. wieder vorbei kommen.
Damit war für mich der Jahreswechsel gelaufen, Stimmung wollte nicht aufkommen, es gab keinen Grund dafür. Schade eigentlich, eine leichte Depression machte sich breit, aber ich schob sie beiseite, nicht einmal ›Dinner for One‹ konnte mich so richtig erheitern. Eigentlich wollte ich vor den Jahreswechsel endlich einmal das Brandenburger Tor beehren, aber mir war die Lust vergangen, vielleicht gönne ich es mir im nächsten Jahr, wenn mir nicht wieder so eine Behörde einen dicken Strich durch die Rechnung macht.
Im Kopf kreisen die Gedanken, du hast in den letzten 5 Jahren so viel erreicht und dir alles schwer erkämpft, da wird es wohl im neuen Jahr eine Lösung geben, denn die Hilfe steht dir doch zu. Ich hatte nun Zeit drei Tage darüber nachzudenken wie ich im Januar vorgehen will und das macht sich zum Jahreswechsel ziemlich gut!
Danke, Sozialamt kann ich da nur sagen.
Zuerst habe ich mir den Gesetzestext im Internet besorgt, Ansprechpartner, wie Petitionsausschuss im Abgeordnetenhaus zu Berlin und mir schon einmal die Nummer vom Bürgertelefon der CDU – Geschäftsstelle rausgesucht. Ich hatte auch Zeit ein Schreiben zu entwerfen an den Leiter des Sozialamtes, welches ich, egal wie die Sache ausgeht abschicken wollte.
Im Internet wurde ich fündig dort steht;

§ 41 SGB XII – Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch – Sozialhilfe folgende (Fassung vom 01.01.2005)
(1) Zur Sicherung des Lebensunterhaltes im Alter und bei dauerhafter Erwerbsminderung können Personen mit gewöhnlichem Aufenthalt im Inland, die
1. das 65. Lebensjahr vollendet haben oder
2. das 18. Lebensjahr vollendet haben, unabhängig von der jeweiligen Arbeitsmarktlage voll erwerbsgemindert im Sinne des § 43 Abs. 2 des Sechsten Buches sind und bei denen unwahrscheinlich ist, dass die volle Erwerbsminderung behoben werden kann, auf Antrag die Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach diesem Kapitel erhalten.
(2) Anspruch auf Leistungen haben Leistungsberechtigte nach Absatz 1, soweit sie ihren Lebensunterhalt nicht aus ihrem Einkommen und Vermögen gemäß §§ 82 bis 84 und 90 beschaffen können.
(3) Keinen Anspruch auf Leistungen nach diesem Kapitel haben Personen, die in den letzten zehn Jahren ihre Bedürftigkeit vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt haben.

Genau dieser Paragraph trifft für mich zu, außer Absatz (3) natürlich.
Ich erinnerte mich daran, dass meine Grundsicherung im April 2004 schon einmal abgelehnt wurde, weil das Amt damals nicht die Unterhaltsforderungen gegenüber meiner Ex – Frau durchsetzten konnte. Dem Amt fehlten die Rechtsmittel und ich wurde an das Sozialamt zurückverwiesen, aber ich hatte damals das Schreiben von der LVA bekommen über meine voller Erwerbsminderung. Ich will mir gar nicht vorstellen wie es wäre, wenn ich diese Problematik nicht schon geklärt hätte.
Das war alles was ich vorbereiten konnte, meine gesamten Unterlagen die ich für die Beantragung als notwendig erachtete legte ich zurecht und am Montag , nicht erst am Dienstag, begab ich mich wieder zum Sozialamt.
Irgendwie hatte ich schon wieder eine Vorahnung, was mich erwarten wird, nämlich Inkompetenz, so war es auch. Ich erspare mir die Gedanken und Gefühle zu beschreiben die mich umgaben, jeder kann sie sich selbst ausmalen, manchmal, obwohl es sicherlich nicht gerecht ist, wünschte ich diesen Menschen ähnliche Probleme!!!
Die Damen an der Information waren mit meinem Anliegen, Geld nach SGB XII zu bekommen überfordert, schickten mich zur Beantragung von ALG II und zur Beantragung der Grundsicherung zu den entsprechenden Stellen. Es müsse erst die Ablehnung dieser beiden Stellen vorliegen, bevor ich etwas beantragen könnte. Es waren außer mir keine weitere Bedürftige da, also unter Zeitdruck standen sie bestimmt nicht. Sie hatten ganz einfach keine Ahnung. So einfach wollte ich mich aber nicht abwimmeln lassen, sprach noch einmal den Gruppenleiter an, der hatte aber keine Zeit, weil er zu einer Besprechung musste. Er sagte mir, ich solle morgen wiederkommen, dann will er mir helfen!
Da stellte sich mir ernsthaft die Frage, wie man mir helfen will, wenn keiner durchblickt. Ich dachte auch an den Brief für den Leiter des Sozialamtes den ich bei mir hatte, aber dann wollte ich doch erst den nächsten Tag abwarten. Trotzdem ich wusste, dass die Auskunft falsch ist, musste ich den Irrsinn mitmachen, den ›qualifizierten Mitarbeitern‹ sei dank.
Am selbigen Tag sprach ich bei der Beantragungsstelle für das ALG II vor, hier wurde ich wenigstens freundlich empfangen. Obwohl ihnen unklar war, warum ich ALG II beantrage, musste ich den Antrag trotzdem ausfüllen, das Ausfüllen wurde mir sogar abgenommen.
Danach ging ich zum Grundsicherungsamt und brachte mein Anliegen vor, auch dort stellte ich einen neuen Antrag. Der Herr in der Antragsstelle hatte überhaupt keine Ahnung, er musste erst irgendwo nachfragen und zu dem Antrag wurden auch keinerlei Unterlagen benötigt, das erschien mir alles sehr merkwürdig.
Mehr konnte ich am Montag vor Ort nicht machen, also wieder nachdenken zu Hause, mich regenerieren, denn ich fühlte mich ziemlich ausgelaugt. Die Problematik schlug mir unversehens auf den Darm, er rebellierte und ich bekam Hautausschlag, den ich beim nächsten Arzttermin abklären lassen musste.
Am Abend erfuhr ich im Fernsehen eine Telefonnummer von Rechtsanwälten, wo man sich beraten lassen konnte zu Fragen von Hartz IV, aber mein Problem hat mit Hartz IV eigentlich nichts zu tun, die Rechtsanwältin bestärkte mich auch in meiner Auffassung und meinte ich solle zum Sozialgericht gehen und ein einstweilige Anordnung erwirken. Nicht schon wieder ein Gericht kam es mir gleich in den Sinn.
Mir kam aber eine Idee, ich wusste, dass in meinem Bezirksamt, das Grundsicherungsamt zum Wohnungsamt gehört und nicht zum Sozialamt, obwohl es jetzt nach SGB XII eigentlich zum Sozialamt gehören müsste. Klingt komisch ist aber so, der Bürgermeister wollte es so, diese Ausnahmen gibt es nur sehr selten in der gesamten BRD und ich ahnte schon, dass das Problem vermutlich hier liegt.
Am Dienstag fuhr ich wieder zum Bezirksamt, begab mich gleich zum Gruppenleiter, dem ich auch, nach wirklich kurzer Wartezeit, mein Problem schildern konnte. Ich war auch gewillt, nicht eher zu gehen bis es eine Klärung gab.
Ich brachte vor, dass ich gestern, die beiden Anträge abgegeben habe und er fragte mich, wie lange es dauert bis sie abgelehnt werden, ich dachte schon er wollte so lange warten, aber er konsultierte sich mit einer Sachbearbeiterin.
Wieder stand das Problem der Zugehörigkeit des Grundsicherungsamt im Mittelpunkt, bis er sich nun endlich mit einer der Gruppenleiterin des Grundsicherungsamtes in Verbindung setzte. Wieder gab es keine Antwort, aber sie wollte sich darum kümmern und zurückrufen. War ich nun doch bei der richtigen Stelle im Grundsicherungsamt gelandet. Ich musste wieder auf dem Gang Platz nehmen, nach einer knappen Stunde war die Antwort da, ich gehöre jetzt zum Grundsicherungsamt und sollte mich dort melden, scheinbar war das am Montag noch nicht bekannt, bin ich etwas besonderes, war mein Fall einmalig?
Die zwei Mitarbeiter im Grundsicherungsamt waren mir schon bekannt, ich will es vorsichtig formulieren, sie sind zugänglicher, menschlicher, ob es was bringt wird die Zukunft zeigen. Ich staunte nicht schlecht wie schnell meine Akte wieder aus dem Archiv vorgeholt wurde und mein gestriger Antrag war auch schon im Computer, nun brauchten nur paar Daten ergänzt bzw. aktualisiert werden, jetzt fehlt nur noch das Geld.
Die zwei Probleme die sich auftaten, waren die Unterhaltsforderung gegenüber meiner Ex–Frau und meine zu große Wohnung. Man wollte mir aber schnell helfen und mir ein Darlehn für ein halbes Jahr geben, was auch immer das bedeuten sollte. Das Geld für Januar sollte ich mittels Scheck bekommen, welcher dann in der Sozialkasse bar ausgezahlt wird.
Nicht wirklich zufrieden begab ich mich wieder nach Hause und dachte nach, denn es standen weitere Zahlungen an, Telefon, Energie und Praxisgebühr, ich glaubte nicht wirklich daran, dass ich kurzfristig finanzielle Mittel bekomme, aber was half es, warten war angesagt. Als ich bis Sonnabend keinen Bescheid bei mir eingegangen war, beschloss ich am Montag wieder anzurufen um nachzufragen.
Mein Sachbearbeiter war sofort im Bilde und sagte der Scheck liegt bei der Gruppenleiterin, ich ließ mir die Nummer geben und rief an.
Meinen Namen konnte sie zuordnen, sie wusste sofort Bescheid und sagte die Akte liegt bei ihr auf dem Tisch, na schön dachte ich mir, wenigstens ist sie nicht verschwunden, bei der Übersicht hätte es mich nicht gerade gewundert.
Ich teilte der Gruppenleiterin mit, dass ich am Dienstag einen Arzttermin habe und die Praxisgebühr bzw. meine Zuzahlung zu den Medikamenten nicht leisten kann. Es schien sie hellhörig zu machen und sie meinte ob ich nicht vorher vorbeikommen könnte um mir den Scheck abzuholen. Es gäbe ein Darlehn für ein halbes Jahr mit Auflagen, die darin bestanden, dass ich mich um den Unterhalt von meiner Ex– Frau kümmern muss und mir einen angemessenen Wohnraum suchen sollte.
Beide Probleme sind beim damaligen Sozialamt schon geklärt worden. Na ja, Zusammenarbeit oder Absprachen egal welcher Art gibt es nicht, ich wunderte mich nicht mehr. Wichtig war für mich, dass ich mein Geld bekomme, die anderen Probleme werde ich im Laufe der Zeit klären. Es ist ja noch viel Zeit, ein halbes Jahr.
Trotzdem, ein ›Glücksgefühl‹ stellte sich nach dem Anruf nicht ein, ich war gespannt, was mich am nächsten Tag erwarten wird.
Am späten Nachmittag, ich arbeitete gerade an meiner Website um endlich die mehr als umfangreichen Seiten über die Euromünzen fertig zu stellen, diese Arbeit lenkt mich, beim Warten auf die Problemlösung ab. Da klingelte das Telefon, ich dachte schon, wird wieder ein neues Problem bei der Grundsicherung aufgetaucht sein. Aber es war meine Ärztin aus der Rheumatologie der Charité.
Sie teilte mir mit, dass bei der Kopf – CT im vergangenen Jahr etwas festgestellt wurde, sie hatte diese veranlasst, weil ich in der letzten Zeit verstärkt über Kopfschmerzen geklagt habe, zusätzlich vernahm ich noch Kopfgeräusche.
Da aufgrund meiner Vorerkrankung und der jetzigen Remicade – Therapie eine Metastasenbildung im Gehirn nicht ausgeschlossen ist, wollen die Neuroradiologen noch einmal genauer gucken.
Dazu machte sich eine Magnetresonanztomographie (MRT) notwendig. Sie sagte mir es wird sich jemand bei mir melden und einen Termin ausmachen, paar Tage später solle ich dann zur Auswertung kommen. Das war natürlich gleich wieder ein Schlag, ein Problem noch nicht geklärt und ein neues taucht schon wieder auf, wenn das nicht ein Jahresbeginn nach Maß ist.
Man befasst sich ja gleich wieder mit Krebs und allen seinen Nebenerscheinungen. Ich stellte mir die Frage, muss ich schon wieder einen neuen Abschiedsbrief schreiben? Aber so verbissen sah ich das Problem dieses Mal nicht, wenn es so ist, lässt es sich nicht ändern.
Der Termin wurde kurzfristig für die nächste Woche festgelegt.
Am nächsten Tag ging ich wie vereinbart zum Grundsicherungsamt um meinen Scheck abzuholen. Die Vorsprache beim Sachbearbeiter ergab, dass noch kein Scheck da war, er schickte mich gleich zu seiner Vorgesetzten. Nun sah ich die Gruppenleiterin wenigstens auch einmal, ich kann aber keine Einschätzung von mir geben. Obwohl sie mit mir sprach, Beachtung schenkte sie mir nicht, habe ich auch nicht erwartet, bin ja nur ein Schwerbehinderter und auf Hilfe angewiesen!
Endlich hatte ich den Scheck in der Hand und den Bescheid des Grundsicherungsamtes.

BESCHEID
über die Gewährung eines Vorschusses auf Leistungen nach dem vierten Kapitel des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII)
Sehr geehrter Herr Ullmann
unter Berücksichtigung Ihrer wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse erhalten Sie:
gem. § 42 SGB I einen Vorschuss vorbehaltlich der Überprüfung Ihrer Vermögensverhältnisse
für die Monate Januar 2005 bis Juni 2005.
In dieser Zeit sind Sie verpflichtet:
– Die Unterhaltsansprüche gegenüber Ihrer geschiedenen Frau gerichtlich einzuklagen.
– In Abstimmung mit dem Amt für Grundsicherung preislich vertretbaren Wohnraum zu suchen.
Sollten Sie dieser Verpflichtung nicht nachkommen, werde ich die gezahlte Vorschusszahlung zurück fordern.
Die Vorschüsse sind gem. § 42 Abs. 2 SGB I auf die zustehenden Leistungen anzurechnen. Soweit sie diese übersteigen, sind sie vom Empfänger zu erstatten.

Wie ich etwas klären sollte wurde mir von der Gruppenleiterin, die man getrost als ›arrogante Ziege‹ bezeichnen kann, folgendermaßen erläutert. Ich sollte nur zum Rechtsanwalt gehen und ihn beauftragen den Unterhalt bei Gericht einzuklagen, was und wann es ein Ergebnis gibt ist egal, dass Grundsicherungsamt wollte nur eine Aktion von mir sehen, klingt komisch ist aber so. Mein Rechtsanwalt wird sich freuen, wenn er sich mit meiner Ex – Frau wieder vor Gericht ärgern muss, er war damals froh, dass das Sozialamt die Sache selbst klären wollte. Meinen Bearbeiter bat ich noch zu klären, wie es ab nächsten Monat weitergeht und er änderte in meinem Beisein die Zahlungsanweisung, d.h. ab Februar müsste ich das Geld wieder auf das Konto bekommen. Ich hoffe es wir auch so sein, aber nach dem was ich alles erlebte, kamen doch leichte Zweifel auf.
Ich musste anschließend sowie so zur Sozialkasse um das Geld zu holen, beschloss ich gleich bei der Rechtstelle des Sozialamtes vorbeizugehen um die Unterhaltsproblematik abzuklären. Die Auskunft vom Grundsicherungsamt war mir doch zu blöd.
Die Mitarbeiterin der Rechtsstelle war zu Anfang etwas unnahbar, kannte aber meinen Fall komischerweise, langsam werde ich bekannt, da lebt es sich doch gleich viel besser. Ich erfuhr, dass meine Ex – Frau den Unterhalt nicht bezahlen will. Es gibt deshalb mit ihr massive Probleme, die Begründung ist die Gleiche wie bei der Scheidung, er ist faul, er trinkt, er schläft nur und hat nie etwas zum gemeinsamen Auskommen beigetragen. Ich heiratete doch wirklich, eine ›liebenswerte, herzensgute Frau‹ ,die immer für alles gesorgt hat, man hatte ich es gut.
Natürlich hat sie auch wieder ihren Mädchennamen angenommen, ich weiß gar nicht zum wievielten Male, deshalb ist die letzte Mahnung auch an das Sozialamt zurückgekommen. Es ist schon eine ziemlich hohe Summe zusammengekommen, ich werde sicherlich bei ihr in guter Erinnerung bleiben und sie wird noch öfters an mich denken müssen als ihr lieb ist. Ich kann es nicht ändern, selbst wenn ich es wollte, was ich natürlich nicht will. Dazu hat mir diese Frau zu viel angetan.
Auch die Mitarbeiterin sagte mir, ich sollte zum Rechtsanwalt gehen und ihn mit der Klage beauftragen. Jetzt versuchte ich, ›das kleine Würstchen‹ es noch einmal und machte sie auf die Besonderheit im Bezirksamt aufmerksam. Die Grundsicherung gehört eigentlich nun nach SGB XII auch zum Sozialamt mit allen Rechten und Pflichten, also kann das Amt nun auch Unterhaltsforderungen einklagen, nur kennt sich vermutlich keiner aus, oder keiner hat Lust. Bei mir im Bezirksamt ist es aber so, dass die Grundsicherung zwar zum Sozialamt gehört, aber dem Wohnungsamt unterstellt ist. Es ist ein ›Politikum‹ meinten einige Mitarbeiter im Grundsicherungsamt, weil ein einzelner Herr, nämlich der Bezirksbürgermeister es so wollte, vielleicht blickt ja deshalb niemand durch und die Menschen bleiben auf der Strecke. Der Grundgedanke ist ja nicht schlecht, die Grundsicherungsempfänger sollten nicht mit den Sozialhilfeempfängern in Berührung kommen, man wollte uns die Scheu nehmen. Ich stelle mir ernsthaft die Frage ›Scheu vor WAS oder WEM‹ ,ich bin doch genau so arm dran wie alle anderen, habe ja zwei Jahre inmitten der Sozialhilfeempfänger zugebracht, ich hatte nie Scheu und wenn es um das Überleben geht ist sie sowieso am falschen Platze.
Nach dem ich das Politikum ansprach, war sich die Mitarbeiterin der Rechtsstelle gar nicht mehr so sicher, wer nun in Aktion treten muss und sie sagte mir ich bekomme Bescheid, ob ich mich darum kümmern muss. War das etwa ein ›Satzgewinn‹ für mich?
Ich war jedenfalls erst einmal froh wieder finanzielle Mittel in der Hand zu halten, denn ich brauchte sie dringend und um es gleich vorwegzunehmen, dass Geld für Februar wurde sogar überpünktlich auf meinem Konto überwiesen.
Da ich insgesamt mit der Abhandlung der Problematik überhaupt nicht zufrieden war, schrieb ich am Ende des Monates den Brief an den an den Leiter des Sozialamtes.

Brief an den Leiter des Sozialamtes vom 31. Januar 2005
Die vergessenen ehemaligen dauerhaft erwerbsunfähigen Sozialhilfeempfänger.
Sehr geehrter Herr Leiter des Sozialamtes
mir ist bekannt, dass ab 01.01.2005 neue Gesetze, für die bisherigen Bezieher von Arbeitslosenhilfe und die erwerbsfähigen Bezieher von Sozialhilfe in Kraft getreten sind. Von diesen Neuregelungen bin ich aber nicht betroffen, da ich ›voll erwerbsgemindert‹ bin und deshalb nach SGB XII § 41 meine Sozialhilfe weiter beziehe.
Ich möchte mich mit meinem Anliegen an Sie wenden, weil ich einige Probleme und Sachverhalte nicht nachvollziehen kann.
Um es aber gleich vorwegzunehmen, ab Februar 2005 habe ich jetzt die Grundsicherung auf mein Konto überwiesen bekommen.
Am 23.12.04 wurde mir per Post ein Schreiben zugestellt, in dem ich aufgefordert wurde das Arbeitslosengeld II zu beantragen, eine Nachfrage bei der angegebenen Telefonnummer ergab, dass ich, wenn ich ›voll erwerbsgemindert‹ bin diesen Antrag nicht ausfüllen muss.
Alle dafür notwendigen Unterlagen (Bestätigung der LVA) sind im meiner Akte im Sozialamt schon seit dem Jahre 2001 enthalten und der Mehrbedarf zur Erwerbsunfähigkeit wurde auch schon immer gezahlt. Ich hatte schon das Gefühl, etwas wird schief gehen.
Es ist auch nicht so, dass ich mich nicht um die Formalitäten gekümmert habe, nur habe ich nie eine Antwort bekommen; so meine schriftliche Nachfrage am 23.11.2004 beim meiner Sachbearbeiterin, über den weiteren Bezug von Hilfe ab 01.01.2005 und auch zwei Nachfragen per E–Mail wurden nicht beantwortet.
Am 29.12.2004 begab ich mich deshalb persönlich zum Sozialamt, dort war man in der geöffneten Erstberatung im Haus 4 nicht in der Lage mir eine Auskunft zu geben. Die Mitarbeiterin in der Anlaufstelle für erwerbsunfähige Sozialhilfeempfänger im Haus 3, sah sich ebenfalls nicht in der Lage mir zu helfen, sie konnte mir lediglich mitteilen, dass kein Geld für mich angewiesene wurde. Durch sie wurde ich an den Gruppenleiter verwiesen, der eventuell helfen könnte. Er war auch ansprechbar und sagte mir ich solle am 3.1. oder 4.1.2005 wieder vorsprechen um die Sozialhilfe neu zu beantragen. Anträge für die Hilfe nach SGB XII waren zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorhanden.
Meine Vorsprache am 03.01.05 in der Information im Haus 3 zeigte das gleiche Bild wie im alten Jahr, die Mitarbeiterinnen waren mit meinem Anliegen ebenfalls überfordert. Um Sozialgeld zu bekommen, sollte ich erst einmal den Antrag auf ALG II stellen. Darüber hinaus wurde mir ein, jetzt vorhandener Antrag Grundsicherung nach SGB XII ausgehändigt. Als ich daraufhin mein Anliegen vorbrachte, dass ich ›voll erwerbsgemindert‹ bin und die Grundsicherung im April des Jahres bereits abgelehnt wurde, hat man mir gesagt, erst müsse ich diese beiden Anträge stellen und wenn die abgelehnt würden, könnte ich Sozialhilfe beantragen. Beide Schreiben, Erwerbsminderung und Ablehnung auf Grundsicherung habe ich hier auch vorgelegt. Da ich mit der Antwort nicht zufrieden war, sprach ich noch einmal bei Gruppenleiter vor, der aber an diesem Tag aufgrund von Besprechungen keine Zeit hatte, er sage, dass ich am nächsten Tag noch einmal vorsprechen sollte.
Frustriert ging ich in das Haus 9 um ALG II zu beantragen, brachte mein Anliegen vor und der Antrag wurde ausgefüllt. Danach ging ich zum Grundsicherungsamt und füllte dort den Antrag auf Grundsicherung aus.
Am 04.01.05 erschien ich dann wieder beim Gruppenleiter und teilte ihm mit was ich bisher gemacht habe um an meine finanziellen Mittel zu kommen. Er schickte mich dann, nach Rücksprache mit der Gruppenleiterin des Grundsicherungsamtes in das Grundsicherungsamt. Dort habe ich am 04.01. den Antrag auf Grundsicherung nach SGB XII noch einmal ausgefüllt, da meine Akte noch im Archiv vorhanden war, stelle der neue Antrag kein großes Problem dar hatte ich den Eindruck.
Froh darüber jetzt den richtigen Ansprechpartner gefunden zu haben und mit der Zusicherung man wolle mir erst einmal kurzfristig mit einem Scheck helfen verließ ich das Amt.
Da ich bis zum 10.01.05 keinen Anruf oder Information vom Grundsicherungsamt bekam, rief ich bei meinem Sachbearbeiter an, er meinte der Antrag befindet sich noch zur Bearbeitung bei der Gruppenleiterin. Da ich nun Probleme bekam, meine Ausgaben ( Praxisgebühr, Medikamente und Stromlieferung ) zu bezahlen rief bei ihr an und informierte mich. Sie sagte mir zu, dass ich am nächsten Tag den Scheck abholen kann. Das hat dann auch geklappt.
Das Problem was sich für mich nun ergibt ist, dass die finanziellen Mittel nur für ein halbes Jahr übernommen werden und bis dahin muss ich nun bestimmte Auflagen refüllen.
1. Suchen von angemessenen Wohnraum
2. Klärung des Unterhaltsanspruches gegenüber meiner Ex–Ehefrau
zu 1. Im Jahre 2002 wurde mir aufgrund meiner Erkrankungen vom Sozialamt mitgeteilt, dass die Kosten für die Wohnung in tatsächlicher Höhe übernommen werden. An meiner gesundheitlichen Situation hat sich auch jetzt nichts geändert, im Gegenteil, ich bin nunmehr zu 100 Grad schwerbehindert und habe das Merkzeichen ›G‹. Meine Begründung die ich im Jahre 2002 eingereicht habe ist nach wie vor aktuell und liegt in meiner Akte.
zu 2.
Die Problematik des Unterhalts wurde im Jahre 2004 von meinem Rechtsanwalt an das Sozialamt zurückgegeben, vom Sozialamt wurde mir Schreiben mitgeteilt, dass der Unterhaltsanspruch vom Sozialamt selbst übernommen wird, also sah ich für mich keinen Handlungsbedarf. Bei einer Rücksprache mit der Mitarbeiterin der Rechtsstelle des Sozialamtes wurde mir nun mitgeteilt, dass ich erst einmal nichts unternehmen solle, sie wird mich bis Mitte Februar informieren, wie es weitergeht.
Ein weiteres Problem, für dass ich keinen Ansprechpartner gefunden habe ist; mein Antrag auf die Übernahme von Zahlung der Rentenbeiträge für das Jahr 2004.
Mir fehlen noch 9 Monate Beiträge um mit 60 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen zu können.
Die Beiträge für das Jahr 2003 wurden vom Sozialamt übernommen und für die Zahlungen 2004 sollte ich eine Bestätigung der LVA über den Sachverhalt erbringen, was ich auch tat. Dem Sozialamt liegt ein entsprechendes Schreiben vor, ebenfalls über die Rentenhöhe. Mir wurde mitgeteilt, dass ich ja bald Grundsicherung bekäme und dann diese Beiträge selbst bezahlen kann. Ich legte Widerspruch ein und die Grundsicherung wurde damals im April 2004 abgelehnt, weil die Unterhaltsansprüche nicht geklärt waren. Mit meiner Sachbearbeiterin habe ich dann vereinbart (schriftlich), dass ich den Antrag im November 2004 noch einmal stellen sollte. Was ich auch tat.
Ich habe volles Verständnis, dass es zu Problemen bei einer solchen großen Umstellung kommen kann, es sind eben oftmals die Kranken und Behinderten die dann vor Problemen stehen.
Auf Grund meiner Schwerbehinderung und gesamten gesundheitliche Situation kann ich mich nicht ständig mit dieser Problematik befassen, es ist mir nicht möglich aller halben Jahre neue scheinbar unüberwindbare Problem vor mir zu sehen. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen liegen dem Sozialamt ebenfalls vor. Auf Anlagen habe ich verzichtet, weil sie in der Akte vorhanden sind, wenn notwendig reiche ich diese nach.
Ich hoffe mich an die richtige Stelle gewandt zu haben, sonst bleibt mir nur noch übrig mich an den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses zu wenden, da ich aufgrund meiner Erkrankungen solche psychischen und physischen Belastungen nicht ständig durchstehen kann.
Ich bitte um Überprüfung der aufgeführten Sachverhalte.
Mit freundlichen Grüßen
Henry Ullmann


und wenn bis Mitte Februar keine Antwort eingeht schreibe ich einen Brief an den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses zu Berlin.
Nach soviel Bürokratie ist die Gesundheit wieder dran, denn ich bekam den Anruf von der Röntgenabteilung der Charité zwecks Terminabsprache, Kernspintomographie hatte ich noch keine gehabt, also machte ich mich erst einmal im Web sachkundig, ja klang ja nicht so gefährlich, keine Strahlenbelastung und in eine Röhre wird man da geschoben, ich ließ mich überraschen.
Wie immer war ich etwas eher da und mir wurde gleich ein Zugang in die Vene gelegt, für das Kontrastmittel, was nicht so spannend war.
Ich musste zum Container gehen, der hat aber mit › Brother‹ nix zu tun, erliegt etwas außerhalb der Poliklinik.
Es war soweit, wieder eine nette MTA die mir die Einwilligungserklärung gab, die ich ausfüllte. Fragen hatte ich keine, musste alle metallenen Gegenstände ablegen, vor allem auch die Scheckkarte, weil die sonst gelöscht wird, es gab zwar bei mir nix zu löschen, dann musste ich mich lang auf die Pritsche legen. Das fiel mir schon ziemlich schwer mit dem Bechterew, der Kopf wurde in einem Gestell fixiert und ich durfte mich nicht bewegen. Die Röhre hatte ich mir vorher gar nicht angesehen, die MTR sagte noch es wird laut werden und dauert ca. 20 Minuten. Mit hinein durfte ich ein paar Kopfhörer und eine Klingel nehmen, der Kopfhörer war aber nicht zum Musik hören, sondern als Schallschutz gedacht. Dann schob sie mich in die Röhre, diffuses Licht und eine ungeheure Enge umfing mich, 20 Minuten, das kann ja heiter werden. Man musste sich beherrschen um keine Platzangst zu bekommen, ich versuchte mich sofort durch Gedanken abzulenken um bloß keinen Hustenanfall oder Niesanfall zu bekommen, aber es ging alles gut.
Es war, wie angekündigt sehr laut, es knallte und ratterte häufig und ich hatte schon das Gefühl durch Magnetströme zu fahren. Ich dachte daran, wenn du hier wieder raus bist gönne ich mir einen Kaffee und ein Buttercrossant, so machte ich es auch. Befund gab es natürlich so schnell keinen, also bis Montag zur Auswertung bei meiner Ärztin.
Diese Woche gab es noch eine schöne Überraschung, natürlich hatte ich es meiner Familie gesagt, mit dem Befund bei der CT und sie beschlossen mich am Wochenende in Berlin zu besuchen. Am Sonnabend kamen Mutter, Schwestern, Tante und Schwager mit dem Zug angefahren, zu fünft mit Wochenendticket, gegen 12 Uhr traf ich mich mit ihnen am Alex an der Weltzeituhr. Wir spazierten zum Nikolaiviertel, dem ehemaligen Zentrum von Ostberlin und besuchten dort ein Lokal um Mittag zu essen, denn 16 Uhr fuhr der Zug schon wieder zurück nach Bautzen. Ich habe mich über den Besuch riesig gefreut, hatte ja die Auswertung noch vor mir, aber die spielte, jedenfalls nach außen, keine Rolle.
Bevor ich weiter schreibe möchte ich noch ein paar Gedanken äußern, ich denke es ist wichtig zur Beurteilung des Verhältnisses, zu den Menschen die in meinem nahen Umfeld leben. Eigentlich ist allen bekannt, von was ich lebe und sie haben damit keine Probleme, ich am Allerwenigsten. Deshalb fasse ich Gesten, welcher Natur auch immer, als Bestätigung zu meinem neuen Leben auf. Es geht hier auch nicht um Geldbeträge, sondern um Kleinigkeiten, die für mich aber sehr wichtig sind und mir zeigen wie die Menschen zu mir stehen. Besuche oder Treffen, welche fahren fast an meiner Wohnung vorbei und schauen nicht herein, welche die sonst eher nicht bei mir vorbeigekommen sind, kommen vorbei. Bei Einladungen wird mir schon einmal eine Roulade eingepackt, oder eine Tüte mit Süßigkeiten mitgegeben, ein verbindliches Wort, auch zu meiner Internetdokumentation oder ein Eintrag im Gästebuch meiner Website, ein paar Mozartkugeln direkt aus Salzburg, ein Gebet für mich. Sicherlich gibt es noch mehr aufzuzählen, wenn man will kann man mir mit Kleinigkeiten, große Freude bereiten. Was ich überhaupt nicht will, wenn man versucht »mir zuliebe« etwas zu tun, nein danke kann ich da nur sagen.
Ich habe besonders in den letzten fünf Jahren gelernt, feinfühlige Unterscheidungen zu treffen, schade nur, dass man dazu erst Krebs bekommen muss, Krebs schärft nämlich auch das Gehirn und seine Umwelt kann man viel bewusster wahrnehmen, aber zu pingelig sollte man auch nicht sein.
Der Tag der Entscheidung nahte und ich hatte Termin bei meiner Rheumatologin, die sozusagen die Koordination für die Untersuchungen in der Hand hielt, was sie gut managte. Ich musste etwas warten und dann begrüßte sie mich, lächelnd, konnte das ein gutes Zeichen sein, ja es war es. Auch sie war erleichtert, aber es war nicht alles in Ordnung. Mein Optimismus wurde also schon wieder einmal gedämpft, bei der MRT wurde eine chronische Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) diagnostiziert. Als meine Mutter das hörte sagte sie spontan, »Die Nase konntest du noch nie richtig putzen!«, das habe ich geahnt, dass diese Äußerung so kommt.
Ein anderes Problem was mich seit einiger Zeit bewegt, oder besser was mir zu schaffen macht, ich bekam ein Hautekzem, was Kopf, Hände, Füße und andere Stellen am Körper befallen hat und auch schon nach außen sichtbar war. Vor allem bekam ich sehr starken Haarausfall. Nun ist ja so ein Ekzem nicht immer gleich ›tödlich‹ , aber ich kannte mich damit sehr gut aus.

Es ist nun über 20 Jahre her, die Hautklinik war noch in einem anderen Gebäude der Charité untergebracht und ich wurde für ca. ein Jahr Stammgast, d.h. ich musste immer wieder »einrücken«, weil nach kurzer Besserung, ein mykologisches Ekzem immer wieder massiv zum Ausbruch kam, die Zeit war entsetzliche. Es war keine Heilung in Sicht und auch die Zustände in der Hautklinik waren nicht gerade für die Genesung hilfreich, denn zur damaligen Zeit lagen noch bis zu 8 Patienten auf einem Zimmer, manchmal wurden auch noch Notbetten aufgestellt. Die Betreuung war aber in Ordnung und Spaß gab es auch eine Menge. Dort kam ich auch zum ersten Mal mit der Ergotherapie in Berührung, die damals vielleicht anders hieß und ich erlernte die hohe Kunst des Makramees, also das kunstvolle Knüpfen von Fäden und Stricken, ich glaube ich habe meiner Tochter sogar eine Tasche gemacht, war damals groß in Mode. Es wurde nicht nur äußerlich geheilt in Form von Salben, Wässerchen und Bädern, sondern beim täglichen Ausgang auch mal mit einem Bier.
So wie das Ekzem kam, so plötzlich ging es wieder weg, die Ärzte meinen damals es käme vom Kopf. Ich hatte auch zum damaligen Zeitpunkt einiges an Stress auf der Arbeit zu überstehen und aufgrund der einjährigen Krankheit konnte ich einige Maßnahmen nicht so wie geplant durchgeführt, z.B. ein fünfjähriges Fernstudium zum Diplomjuristen. Später machte ich ein dreijähriges Fernstudium unter großem Kraftaufwand zum Juristen. Leider ist heute ist beides ›für die Katz‹ , genau wie vieles andere auch. Für mich privat hat es allerdings einen Vorteil, Auseinandersetzungen mit Behörden oder Ämtern bringen mich nicht in Verzweiflung.

In meiner jetzigen Situation gab es ja auch viele Probleme, die mich kopfseitig stark beschäftigen, gesundheitlicher wie auch sozialtechnischer Natur und die von den Politiker, so oftmals zelebrierte ›Sozialromantik‹ war im ›Arsch‹ , deshalb kam mir das alles schlagartig wieder in den Sinn.
Meine Ärztin überwies mich in die Hautklinik und zur HNO – Poliklinik, hier hat die Charité ein Gutes, man bekommt einen Termin schneller, weil es von Klinik zu Klinik geht und man sich nicht selbst um den Termin bemühen muss.
Bevor die HNO – Problematik nicht abgeklärt ist, gab es auch keinen neuen Infusionstermin in der Rheumaklinik, ließ mich meine Ärztin noch wissen. Die Remicade – Therapie wird nicht gemacht, wenn Probleme vorliegen, die eine Schwächung des Immunsystems zur Folge haben können, weil die Infusion das System erheblich belastet. Die Therapie kostet immerhin ca. 26 000 Euro im Jahr und es gibt wohl zurzeit nur 300 Patienten die diesen Cocktail in der Berliner Charité verabreicht bekommen. Kann ich mich doch glücklich schätzen und ich glaube es hilft wirklich den Bechterew einigermaßen in den Griff zu halten.
Zwei Tage später war schon der Termin in der Hautklinik, ich hatte Mühe mir noch die Überweisung vom Hausarzt zu besorgen. Es muss ja alles seine Richtigkeit haben, da komme ich auch in der Charité nicht daran vorbei. Die Hautklinik ist nicht mehr dort wo sie vor 20 Jahren war und der Arzt war ein Chinese, er sah jedenfalls so aus und hatte auch einen so klingenden Namen Doktor Lee, besondere Kennzeichen, immer in Eile und etwas zerstreut. Er war begeistert als er mich sah, er holte sofort den Fotoapparat um die entsprechenden Stellen zu dokumentieren, zudem entnahm er noch eine Hautprobe (Biopsie), die unter lokaler Betäubung erfolgte. Dadurch kann man bestimmte Krebsformen nachweisen. Mit paar Stichen nähte er die Stelle wieder zu. Er arbeitete eng mit der Rheumaklinik zusammen, scheinbar sind Hautausschläge keine Seltenheit bei gewissen Rheumamittel. Er sah auch gleich noch einen Leberfleck, der ›beobachtenswert‹ ist wie er meinte. Na das konnte ich ja nun überhaupt nicht gebrauchen.
Er stellte insgesamt drei verschieden Ekzeme fest, die sich auf Kopf, Rumpf und Hände/Füße verteilten.
Sicher ist, dass es sich beim Kopf um eine so genannte seborrhoische Dermatitis handelt. Sie macht sich durch große, gelbliche Schuppen, Juckreiz und gerötete Kopfhaut bemerkbar, genau wie es bei mir zutraf. Die Therapie bestand in salben und ölen, nach besonderen Rhythmen, er schrieb zwar nicht Chinesisch, aber zu lesen war es im Nachhinein trotzdem nicht, sodass ich mir in meiner Apotheke erst mal einiges deuten lassen musste. Er meinte, Ekzeme sind eine langwierige Angelegenheit, was ich ja aus eigener Erfahrung bestätigen konnte. Leider wurden die weinigsten Mittel von der Kasse bezahlt, ich musste kräftig schlucken, als ich die Preise sah. Ich hatte die Wahl nehmen oder nicht, denn oftmals wirken sie ja nicht und man hat das viele Geld bezahlt, ich nahm sie und hielt mich an die Therapieanweisungen.
Der erste Erfolg stellte sich auf dem Kopf ein, ich ölte meine Kopfhaut ein und verbrachte den Tag unter einer ›modische Duschhaube‹ aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts gewesen sein muss. Die mir Mutter beim letzten Besuch zu ihrem Geburtstag dankenswerterweise zur Verfügung stellte. Gut wenn nichts voreilig weggeworfen wird, es kommt der Tag wo es gebraucht wird.
Die Gewebeproben ergaben nichts schlimmes, auch keine Neurodermitis, der Ausschlag ist da. Als Ursache benannte er, die Immunsystemschwäche durch die Remicade – Therapie und der Stress mit den Behörden. Ich kann nun jeden Montag am Vormittag beim chinesischen Doktor vorbeikommen. Und ich habe schon wieder so eine böse Vorahnung, als ob ich die Sache wohl nicht so schnell in den Griff bekomme.
Der Termin in der HNO – Klinik war paar Tage später anberaumt worden, da ich keine Auflagen erhielt etwas mitzubringen, nahm ich nur den Befund der MRT mit. Das ist eines der nicht so angenehmen Begleiterscheinungen in der Charité, man hat mit Assistenzärzten zu tun, jeder sieht es etwas anders und noch schlimmer ist, dass man immer bei einem anderen Arzt landet, ich wurde gleich wieder an die wechselnden Sachbearbeiter im Sozialamt erinnert.
Nachdem ich den Befund vorgelegt und meine Beschwerden geschildert hatte, schaute er mir in die Nase mit diesem langen, leuchtenden Endoskop, es gibt schlimmeres, obwohl er doch bald im Gehirn gewesen sein muss, so tief wie der drin war.
Er konnte nichts feststellen und ich bekam einen neuen Vorstellungstermin, dieses Mal mit den Bildern der CT, anderer Arzt, auf den Bildern konnte er auch nichts feststellen, auch er schaute wieder in die Nase und fragte mich wieso ich die Aufnahmen der MRT nicht mitgebracht habe. Der vorhergehende Arzt, den ich extra danach gefragt habe, meinte diese Aufnahmen sind nicht notwendig. Also steht man erst einmal wieder da, da er nix erkennen konnte sollte noch eine CT vom Kopf, speziell Nasenhöhle gemacht werden.
Die neuerliche CT des speziellen Nasenbereiches wurde ohne Kontrastmittel durchgeführt und die Bilder bekam ich gleich mit. In der HNO Klinik wurde nun bestätigt dass ich eine chronische Sinusitis habe und der Arzt bot mir eine Operation an. Er wollte aber, dass ich vorher noch ein kortisonhaltiges Nasenspray zur Anwendung bringe und in vier Wochen sollte ich wieder vorsprechen. Das Nasenspray half nicht, es half mir nur meine Zuzahlungsbefreiung zu bekommen und bei meiner Diabetologin brachte es mir einen bösen Blick ein. Da aber mein Zucker ziemlich gut eingestellt ist, warf mich das nicht aus der Bahn.
Der HNO – Arzt gab mir auch grünes Licht für die schon um einen Monat verschobene Remicade – Therapie in der Rheumaklinik.
Ich hatte wieder Zeit um mich um die Ämter zu kümmern. Mir kreiste immer noch der Bescheid vom Grundsicherungsamt im Kopf herum, der mit dem Darlehn, eigentlich sollte ich dagegen noch einen Widerspruch formulieren, damit mich dort ja keiner vergisst.

Widerspruch gegen den Bescheid vom 10.01.2005 über die Gewährung eines Vorschusses auf Leistungen nach SGB XII viertes Kapitel
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit lege ich Widerspruch gegen den oben genannten Bescheid ein.
Begründung:
Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum ich nur einen ›Vorschuss‹ bekomme begrenzt für ein halbes Jahr.
Ich bekomme seit 2002 fast durchweg Sozialhilfe und kann diese Verfahrensweise nicht verstehen. Die besondere Zuordnung des Grundsicherungsamtes im Bezirksamt mag zwar seine Richtigkeit haben, aber dadurch können doch dem Bürger keine solchen Nachteile erwachsen.
Zu der Forderung ›Unterhaltsklage gegenüber meiner geschiedenen Ehefrau‹ ist festzustellen, dass hier dem Amt das Schreiben des Sozialamtes vorliegt, aus dem hervorgeht, dass die Unterhaltsforderung von Sozialamt vorgenommen wird ist für mich immer noch verbindlich, denn das Sozialamt ist ja immer noch vorhanden.
Bezugnehmend auf die Forderung ›Suche einer preislich vertretbaren Wohnung‹, mir ist vollkommen klar, dass meine Wohnung nicht angemessen ist. Dazu gibt es ein Schreiben vom Sozialamt, das die Kosten in der tatsächlichen Höhe übernommen werden. Meine damalige Begründung dazu liegt dem Grundsicherungsamt ebenfalls vor.
Ergänzend dazu möchte ich mitteilen, dass sich mein Grad der Behinderung auf 100 erhöht hat und ich nunmehr auch das Merkzeichen ›G‹ besitze.
Weiterhin bin ich aufgrund meiner Erkrankungen nicht in der Lage solcher psychischen und physischen Belastung auf Dauer zu widerstehen.
Zum gesamten Sachverhalt, insbesondere über die Verfahrensweise mit den ehemaligen ›dauerhaft erwerbsunfähigen‹ Sozialhilfeempfängern habe ich einen Brief an den Leiter des Sozialamtes gesandt.
Mit freundlichen Grüßen
Henry Ullmann

Ich brachte ihn persönlich vorbei, Schreiben an die Ämter können mich nun wahrlich nicht mehr erschüttern. Zwischendurch habe ich auch vom Sozialamt auf meine Anfrage eine Antwort bekommen, aber nicht vom Leiter, sondern von einer Mitarbeiterin.

Ihre Nachfrage zum Sozialhilfebezug und zum Antrag auf Zahlung der Rentenbeiträge für das Jahr 2004
Sehr geehrter Herr Ullmann, auf Ihre Nachfrage vom 03.02.2005 gebe ich Ihnen folgende Hinweise:
1. Bis zum 31.12.2004 waren Ihnen Sozialhilfeleistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz gewährt worden. Ihrem Schreiben entnehme ich, dass Ihnen seit Januar 2005 nunmehr Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach §§ 41 ff. SGB VII durch das Amt für Grundsicherung und Wohnen gewährt werden. Ihr laufender Lebensunterhalt dürfte deshalb durch diese Leistungen gedeckt sein.
Soweit das Grundsicherungsamt Ihnen im Rahmen der Leistungsbewilligung Auflagen erteilt hat, müssen Sie deren Erfüllung mit der Grundsicherungsstelle klären. Das Sozialamt kann Ihnen dabei nicht behilflich sein.
Rein informatorisch gebe ich Ihnen zu bedenken, dass nach § 42 Satz 1 Nr. 2 SGB XII nur die angemessenen tatsächlichen Aufwendungen für Unterkunft und Heizung entsprechend § 29 SGB XII übernommen werden. Soweit das Sozialamt in der Vergangenheit überhöhte Unterkunftskosten im Rahmen des Sozialhilfebezuges nach dem Bundessozialhilfegesetz akzeptiert hat, wirkt dies nicht für die gegenwärtige Gesetzeslage fort. Aus meiner Sicht ist nicht zu beanstanden, dass das Amt für Grundsicherung und Wohnen Sie zu Bemühungen um angemessenen Wohnraum auffordert.
Allerdings könnten Sie sämtliche Umstände, die ein Verbleiben in der Wohnung erfordern, geltend machen und das Amt für Grundsicherung und Wohnen hätte dann in entsprechender Anwendung des § 29 Abs. 1 Satz 3 SGB XII zu prüfen, ob Ihnen ein Wohnungswechsel oder eine Senkung der Unterkunftskosten auf anderem Wege zuzumuten ist.
Ähnliches gilt für die Unterhaltsangelegenheit. Auch dies ist eine Rechtsfrage, die das Amt für Grundsicherung und Wohnen in eigener Zuständigkeit beantwortet. Soweit nach dortiger Auffassung ein Unterhaltsanspruch gegen Ihre vormalige Ehefrau weiteren Grundsicherungsleistungen entgegensteht, empfehle ich Ihnen, diese Unterhaltsangelegenheit nun möglichst kurzfristig zu klären.
2. Ihr Antrag auf Zahlung der Rentenbeiträge für das Jahr 2004 vom 23.11.2004 liegt hier vor. Ich habe nunmehr diesen Antrag der jetzt zuständigen Bearbeiterin zugeleitet. Dieser Antrag wird nun kurzfristig geprüft und Sie werden in Kürze darüber einen gesonderten Bescheid erhalten.
Ich hoffe, dass ich die von Ihnen mit Ihrem Schreiben vom 03.02.2005 aufgeworfenen Fragen erschöpfend beantworten konnte.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag


Die Antworten befriedigten mich nicht, dieser Irrlauf vom Jahresanfang wurde überhaupt nicht erwähnt und wahrscheinlich als normal betrachtet. Auf die Entscheidungen die das Sozialamt in der Vergangenheit getroffen hat, bezüglich Unterhalt und Wohnung, wurde überhaupt nicht eingegangen. Die müssen doch deine Akte Januar vernichtet haben, die wussten von nichts mehr, schoss es mir durch den Kopf. Sie sind nicht mehr zuständig für mich, so einfach ist eben.
Die Rentenproblematik wollte man aber klären, komisch hier auf einmal sahen sie Handlungsbedarf, verstehe die Welt wer will, mir fällt es immer schwerer, Hauptsache die Politiker können sich anerkennend auf die Schulter klopfen.
Da ich mit der Antwort völlig unzufrieden war und mir es wieder so vorkam, als ob jeder die Verantwortung weiter schiebt, wurde ich Mitte Februar beim Petitionsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses vorstellig. Mich empfing ein Mitglied der FDP – Faktion des Abgeordnetenhauses, er machte einen aufgeschlossenen Eindruck und ich konnte mein Anliegen vorbringen. Ich hatte alle Schreiben, Widersprüche und Unterlagen dabei, gab alles ab und einige Zeit später bekam ich vom Petitionsausschuss ein das mein Problem in Klärung ist. Wieder was auf den Weg gebracht dachte ich mir und ich staunte nicht schlecht, als ich vom Sozialamt Bescheid bekam, dass meine Rentenbeiträge für 2004 übernommen werden.
Diese wurden auch gleich vom Sozialamt an die LVA überwiesen, nun war das ausgestanden und ich konnte mit 60 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen. Der Kampf hat sich also gelohnt und ich muss hier immer wieder an Menschen denken, die, aus welchem Grund auch immer, nicht in der Lage sind, sich gegen Ämter und Behörden durchzusetzen. Es äußerst traurig wie es in dem Staat zugeht.
Nachdem die Geburtstagsfeier bei Mutter in Bautzen vorbei war, fuhr ich gleich wieder nach Berlin zurück, es war wie immer schön, aber ich blieb nur paar Tage. Meine Probleme mit dem Kopf und dem Ekzem belasteten mich schon, aber für zweimal Doppelkopf mit Mutter und Schwestern reichte es trotzdem und am folgenden Wochenende fand im Berliner ICC die 1.Offene Krebskonferenz statt und dort wollte ich natürlich teilnehmen. Konnte dort im letzten Jahr einen kostenlosen PSA – Test machen lassen.
Auf der Krebskonferenz bot ich mich, bei den Gründern der ›Gemeinnützigen Volker Karl Oehlrich – Gesellschaft e.V‹ an, im Krebskompass, eine Website die mehrfach als bestes deutschsprachiges Krebsinformations–Portal ausgezeichneten wurde, mitzuarbeiten, obwohl ich bald merkte, dass mir das Schreiben in Foren nicht wirklich Freude macht. Die ›selbst ernannten Experten‹ die sich dort tummeln sind nicht meine Welt.
Meine Augenprobleme aus dem letzten Jahr, diese massive Iritis, machten es notwendig öfters bei meiner Augenärztin vorstellig zu werden. Obwohl ich wieder ziemlich gut sehen kann, was sie immer wieder erstaunt, aber trotzdem erhielt ich eine neue Botschaft, sagte sie wirklich »in mir tickt eine Zeitbombe«. Ich sollte mich sofort, zu ihr oder in die Augenklinik begeben, wenn ich irgendetwas am Auge verspüre. Noch so eine massive Iritis könnte ich nicht verkraften. Das Schlimmste für mich wäre nicht mehr mit voller Kraft am PC zu schreiben.
Mitte März habe ich, da bisher keine Antwort auf den Widerspruch vom Grundsicherungsamt eingegangen ist, nicht einmal eine Bestätigung des Eingangs, eine Nachfrage gestartet. Es waren immerhin schon 1 ½ Monat vergangen.

Nachfrage zum Widerspruch und zur weiteren Verfahrensweise der Sicherung meines Lebensunterhaltes
Sehr geehrte Sachbearbeiter Herr .....,
leider habe ich auf meinen Widerspruch vom 03.02.05 bisher keine Antwort erhalten.
Ich möchte deshalb noch einmal Nachfragen, wie die weitere Verfahrensweise ist und hier folgende Punkte anführen.
1. Auf schriftliche Nachfrage beim Leiter des Sozialamtes wurden nun die restlichen Beiträge an meinen Rentenversicherungsträger gezahlt, so dass ich mit 60 Jahren ohne Abzüge in die ›Altersrente für schwer behinderte Menschen‹ gehen kann. Damit könnte ich dann einen Teil meinen Lebensunterhalt selbst bestreiten. Verwunderlich war für mich, dass sich hier das Sozialamt noch Zuständig fühlte.
2. In der Unterhaltsproblematik gegenüber meiner geschiedenen Ehefrau wurde offensichtlich nichts geklärt, obwohl mir hier die Rechtsstelle des Sozialamtes Bescheid über die weitere Verfahrensweise geben wollte, erwartungsgemäß erfolgte hier keine Information. Ich werde jetzt mit meinem Rechtsanwalt einen Termin vereinbaren. Er wird natürlich die Kostenfrage in den Vordergrund stellen, denn obwohl ich Prozesskostenhilfe beantragen kann, wird diese nur wirksam wenn die Unterhaltsklage Erfolg hat. Zur Klärung der Kosten wird er sich an das Grundsicherungsamt wenden und es müsste dann eine Entscheidung über Kostenübernahme erfolgen. Dass der Unterhalt nicht schon im Rahmen der Ehescheidung verhandelt werden konnte, liegt ja auch darin begründet, dass das Sozialamt die Klärung der Unterhaltsansprüche übernehmen wollte. Auch die bisher unternommenen Aktivitäten des Sozialamtes sprechen doch hier dagegen, dass nun die Arbeit noch einmal von meinem Rechtanwalt durchgeführt wird.
3. Zur Problematik, ›Suche von preislich vertretbaren Wohnraum‹ möchte ich auf mein Schreiben, welches sich in Ihren Unterlagen befindet, hinweisen. Da ich nicht in der Lage Tätigkeiten zu verrichten die im Rahmen eines Umzuges notwendig sind. Auch ist es mir nicht immer möglich meine Wohnung ohne Probleme zu verlassen und deshalb ist die Suche nach einer preislich vertretbaren Wohnung mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Als Anlage füge ich meinen aktuellen Bescheid vom Versorgungsamt über die Feststellung der Behinderung bei.
Ich würde Sie bitten mir mitzuteilen, welche Kosten das Grundsicherungsamt ab 01.07.05 übernehmen würde, falls ich nicht in der Lage bin mir preislich vertretbaren Wohnraum zu suchen.
4. Des Weiteren bitte ich Sie mich zu informieren, welche Anträge ich wo und wann stellen muss um ab 01.07.05 weiter Grundsicherung zu erhalten um nicht wieder solche Probleme wie am Jahresanfang zu bekommen.
5. Weiterhin möchte ich Sie informieren, dass ich mich mit meiner gesamten Problematik an den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses gewandt habe. Weil ich auch aufgrund meiner gesundheitlichen Gesamtsituation gegenwärtig nicht in der Lage bin mich ständig mit dieser Problematik zu befassen. Eigentlich war bis Ende 2004 alles geklärt und nur weil es hier im Bezirk einige Besonderheiten gibt, die ja dem Bürger dienen sollten, können doch gelöste Probleme nicht wieder als ungelöste auftauchen.
Am 23.03.2005 werde ich auch den Bezirksbürgermeister von Treptow Köpenick mit dieser Problematik konfrontieren, vielleicht kann er mir die Vorteile der Trennung der beiden Ämter erklären.
Mit freundlichen Grüßen
Henry Ullmann

In der Poststelle des Wohnungsamtes war nichts über einen Widerspruch bekannt, mich hat es nicht weiter interessiert und gab die Nachfrage ab. Ich dachte bei mir, einer wird sich schon melden, das halbe Darlehn – Jahr ist ja noch nicht zu Ende. Es dauerte, ich glaube nur zwei Tage und die Leiterin des Wohnungsamtes rief mich an um einen Termin zu vereinbaren. Natürlich standen die beiden Probleme; Wohnungsgröße und Unterhaltsverpflichtung im Vordergrund. Sie wollte mich aber auch persönlich kennen lernen, sagte sie jedenfalls.
Der Termin war am Gründonnerstag, ich dachte sofort an das letzte Silvester und hoffte nicht wieder problembeladene Feiertage verbringen zu müssen. Zum Termin bereitete ich mich entsprechend vor, die Leiterin war keine unsympathische Person und hörte mir erst einmal zu, dann brachte sie ihre Argumente vor.
Leider wird man nicht als Hundertprozentig – Schwerbehinderter – Erheblich – Gehbehinderter, sondern als ein Zuviel – Wohnraum – Besitzender Mensch gesehen.
Sie hatte auch schon eine Wohnung für mich freigehalten und würde alle Kosten übernehmen. Die Wohnung, zwei Zimmer 43 m², ist natürlich wesentlich kleiner als meine jetzige Wohnung und liegt noch unter der mir zuerkannten Wohnungsgröße von ca.50 m². Natürlich ist die Miete billiger, aber verglichen mit meiner jetzigen Wohnung liegt der Preis pro m² wesentlich höher.
Ich hatte allerdings auch nicht den Eindruck, dass ich ›Hals über Kopf‹ umziehen bzw. ausziehen muss. Zu diesem Problem, wollte sie nun alle ›Pro und Kontra‹ abwägen, d.h. die Kosten und den Nutzen, denn in reichlich drei Jahren bekomme ich Rente und ich erklärte mich auch bereit, den mir zustehenden Nachteilsausgleich von 58 Euro für die Kaltmiete aufzuwenden. Meine Wohnung kostet ca. 250 Euro Kaltmiete, plus 25 Euro Modernisierungskosten und zustehen tun mir 220 Euro. Wo genau die Modernisierungskosten angesiedelt sind muss ich noch feststellen, dann wenn sie mit in die Kaltmiete fallen würden, brauchten sie ja nicht als Extraposten aufgeführt werden.
Nun kam noch das zweite Problem, die Unterhaltsforderungen gegenüber meiner Ex – Ehefrau im Beamtenstatus. Ich brachte natürlich erst einmal mein Unverständnis zum Ausdruck, warum diese Angelegenheit nicht im Rahmen der Scheidung durchgesetzt wurde, der Vorsorgeausgleich wurde ja auch entschieden, dass war für sie auch nicht so richtig nachvollziehbar. Es hätte schon alles geklärt sein können und das Sozialamt / Grundsicherungsamt hätte das Geld bekommen. Auf die Frage, ob ich mich nun bei meinem Rechtsanwalt darum kümmern muss, sagte sie, »Das Sozialamt wird den Unterhalt für die Jahre 2002 bis 2004 einklagen und das Wohnungsamt ab 01.01.2005 Klage einreichen«, und ich hoffe es ist definitiv. Ich habe trotzdem ein ungutes Gefühl, denn meine Ex – Frau hat schon wieder von irgendwelchen ›Ländereien‹ , die in meinem Besitz sein sollen, auch gegenüber dem Sozialamt, gesprochen.
Die Leiterin des Wohnungsamtes ist mit mir so verblieben, dass ich mich nach dem Besuch beim HNO – Arzt in der Charité bei ihr melden soll. Zum Abschluss teilte ich ihr noch mit, dass ich mich mit der Problematik bereits an den Petitionsausschuss gewandt habe, daraufhin antwortete sie, dass sie damit kein Problem hat, ich aber auch nicht. Den Termin beim Bezirksbürgermeister habe ich erst einmal zurückgestellt und den Widerspruch natürlich aufrecht gehalten.
Jetzt hatte ich über Ostern Zeit mich mit der Problematik auseinanderzusetzen. Mir wurde sofort unwohl, wenn ich an den Umzug dachte, war ich doch in meiner Bewegung eingeschränkt, obwohl mir versprochen wurde alles zu machen, aber was ist alles und da kamen mir Bedenken. Sicherlich würde der Aus– und Einzug realisiert werden und auch die Übergabe der Wohnung, aber dann sitze ich in der neuen Wohnung, denn mit aus– und einräumen ist ja ein Umzug bekanntlich nicht getan. Davor hatte ich regelrecht Angst, dazu kommen ja auch noch die gesundheitlichen Probleme, die nicht nur mal so nebenbei zu lösen sind. Ich wolle aber auch erst den Termin in der HNO – Klinik abwarten. Ostern war zwar nicht ganz so traurig wie Silvester, aber doch schon etwas getrübt, da half auch kein ›Osterwasser‹ so richtig.
Deshalb gönnte ich mir etwas Kultur, ich hatte schon immer vom ›Jedermann‹ gehört und am Karlfreitag, war neben Bibelfilmen und andern Actionfilmen nix im Fernsehen zu finden, so kam mir die Idee die Aufführung des Stückes von Hugo von Hofmannsthal in 3Stat anzusehen. Es gibt ja viele Schauspieler die es als Königsdisziplin betrachten, einmal den ›Jedermann‹ zu spielen und davon wollte ich mich überzeugen. Die Aufführung war aus dem Jahre 2004 vom Salzburger Domplatz, mit Peter Simonischek als Jedermann, Tomas Moretti als Tod und Veronica Ferres als Buhlschaft, die Aufführung hat mir gut gefallen und nun ist mir auch klar, warum es schon etwas besonderes ist, ihn zu spielen und sicherlich auch eine Fleißarbeit, Dialoge und Monologe zu lernen. Denn viel improvisieren kann man nicht.
In Berlin soll es bald für Bedürftige, Theaterkarten für 3 Euro geben, Karten die übrig sind, ich finde es gut, nur kann ich mir es nicht vorstellen wie das ablaufen soll, eile ich dann von Theater zu Theater und frage nach ob noch Karten übrig sind? Vielleicht nehme ich das einmal wahr, wenn ich meine Probleme im Griff habe.
Der Monat März war vergangen und der neue Termin in der HNO – Klinik stand an, wieder eine neue Ärztin, aber ich fand sie ganz gut, sie wollte an eine Operation nicht so richtig ran, fragte noch einmal nach den Symptomen und brachte auch zu Ausdruck, dass die Operation keine Garantie dafür ist, dass meine Kopfschmerzen und die Kopfgeräusche (Pfeifkessel) weggehen. Ich musste zum Riechtest und zum Nasenatmungstest (den Namen habe ich erfunden) der Riechtest war in Ordnung, aber bei der Nasenluft gab es Probleme, ich merkte da schon, dass es schwer ging.
Die Ärztin hatte inzwischen mit dem Oberarzt gesprochen und man machte mir den Vorschlag vorerst nur eine Laseroperation vorzunehmen. Damit war ich einverstanden, obwohl auch sie mit Risiko verbunden. Im Prinzip geht es darum eine bessere Belüftung der Nasennebenhöhle zu erreichen und damit die Symptome zu beseitigen.
Diese Operation findet am 2. Mai statt, einen Tag nach Sonjas 50. Geburtstag, nach kurzer Überlegung beschloss ich trotzdem die 500 Kilometer auf mich zu nehmen, sie hat es ganz einfach verdient, dass ich dabei bin.
Nun musste ich noch die Remicadetherapie koordinieren, denn sie sollte am 4. Mai sein und ich ahnte schon, dass der Abstand zwischen Operation und Therapie zu kurz ist. Also ging ich zur Rheumaklinik und legte mein Problem dar, sie sahen es ebenfalls so und zogen die Therapie um drei Wochen vor.
Da ich gerade in der Charité war, ging ich gleich noch zur Strahlenklinik, vorbei am CLINAC 3 dem Strahlenbunker, um mir einen Termin für die jährliche Kontrolluntersuchung zu holen. Danach besuchte ich noch die Tagesstation, es gibt immer noch Schwestern, die ich kenne, ob sie mich noch kennen kann ich nicht genau sagen. Aber ich bin dort vor ca. 4 ½ Jahren für 6 Wochen ein– und ausgegangen und war dankbar für jedes freundliche Wort. Sie freuen sich immer wenn sie Menschen sehen die es geschafft (hoffentlich) haben. Trotzdem beschleicht mich auch ein bedrückendes Gefühl, wenn ich diese Einrichtung besuche, es waren die dunkelsten Monate in meinem Leben, durch die ich mich wieder ans Licht wühlen musste und diese Erfahrungen, die ich während dieser Zeit sammelte, haben mich geprägt. Manche sagen ich bin ein ganz anderer Mensch geworden. Auch lasse ich mir durch keine Amt oder Behörde das wieder kaputt machen. Die können mir allenfalls paar Lebensmonate klauen, so bezeichne ich diese Zeit, in der ich mich immer wieder mit irgendwelchen Problemen herumschlagen muss, so wie jetzt, denn jeder Monat in dem ich mich nicht um mich kümmern kann ist geklaut. Dazu hat niemand das Recht und der Staat gleich gar nicht.
Wie versprochen habe ich mich nach dem Termin in der HNO Klinik bei der Leiterin des Wohnungsamtes, mit folgender e – Mail gemeldet:

Sehr geehrte Frau ......
Wie in unserem Gespräch vom 25.03.05 vereinbart meine Mitteilung.
Der gestrige Termin in der Charité ergab, dass am 02.05.05 einen Laser Operation durchgeführt wird über weitere Maßnahmen wird danach entschieden. In Zusammenhang mit dieser Operation muss die Infusionstherapie in der Charité, die ich wegen einer anderen Erkrankung bekomme, vorgezogen werden, sie erfolgt am 12.05.05. Da diese Infusion eine erheblich Schwächung des Immunsystems zur Folge hat, sehe ich mich nicht in der Lage einen Umzug, trotz Ihrer Hilfe, durchzuführen.
Ein kürzlich diagnostiziertes mehrfaches Hautekzem belastet mich nun noch zusätzlich. Ich möchte Ihnen aber hier nicht alle meine gesundheitlichen Probleme aufzeigen.
Einer Klärung der Umzugsfähigkeit durch den zuständigen Amtsarzt würde ich natürlich zustimmen. Trotzdem habe ich mir vorab die Wegstrecke zur mir angebotenen Wohnung angesehen, der Weg bis zum S – Bahnhof Grünbergallee ist wesentlich länger als von meiner jetzigen Wohnung, ich brauchte ca. 15 – 20 Minuten bis zum Bahnhof, jetzt gerade einmal 5 Minuten.
Da ich wöchentlich mindestens zwei Arzttermine wahrnehmen muss, – Krebsnachsorge in der Charité und im Krankenhaus Lichtenberg – Behandlung des Morbus Bechterew in der Charité, um nur die Wichtigsten zu nennen, stellt der Weg für mich eine erhebliche Belastung dar.
Als Anlage schicke ich Ihnen deshalb die Beurteilung der Charité mit, die auch die Grundlage für das Merkzeichen ›G‹ beim Versorgungsamt bildet.
Ich möchte Sie deshalb bitten, den Sachverhalt noch einmal zu prüfen. Ich bin auch bereit, geringere Leistungen hinsichtlich der Wohnkosten, in Kauf zu nehmen. Zur Deckung der Wohnkosten, könnte ich zum Beispiel den Nachteilsausgleich, den ich auf die Schwerbehinderung bekomme, für die Begleichung der Grundmiete verwenden.
Mit freundlichen Grüßen

Henry Ullmann


Ihre Antwort lautete kurz;

Sehr geehrter Herr Ullmann,
herzlichen Dank für Ihre Information.
Meine Widerspruchsstelle wird nunmehr umgehend Ihren Widerspruch prüfen.
Mit freundlichen Grüßen

War die kurze Antwort nun ein positives Zeichen oder wie ist sie zu werten, auf alle Fälle heißt es für mich wieder warten, zum Zeichen meines äußerlichen Protestes bepflanze ich meine Blumenkästen auf dem Balkon nicht.
Nebenbei musste ich noch paar andere Probleme bewältigen, der Termin der Remicadetherapie wurde vorgezogen, damit zur Laseroperation das Immunsystem nicht geschwächt ist und fand schon Mitte April statt. Ich wusste, dass meine Ärztin rotiert, d.h. sie qualifiziert sich in einem anderen Bereich der Charité und kommt im halben Jahr zurück. Einige Ärzte kenne ich schon gut, die Frau Dr. Strangfeld auch, sie wird mich die nächste Zeit betreuen, eine sehr gründliche und dazu noch hübsche Ärztin, zu der ich sofort Kontakt fand. Ich merke es sofort, an den Fragen, die mir gestellt werden, ob die Ärzte meine Akte gelesen haben oder nicht, sie hatte. über diese Station gibt meinerseits sowieso keine Beschwerden, trotz aller Hektik, die manchmal herrscht, immer nette und freundliche Schwestern, die meisten Ärzte auch.
Ein Problem bereitete der Ärztin die Hautekzeme und sie überlegt nun, ob ich nun meine jetzige Anti–TNFα – Therapie mit Remicade, auf Etanercept umgestellt werde soll, dass hängt vom Hand – Fuß – Ekzem ab. Das Etanercept hätte ich mir nach kurzer Einweisungszeit selbst spritzen müssen.
Ich überlegte ernsthaft, ob mir ein neuerlicher dreiwöchentlicher Aufenthalt in der Tagesklinik der Rheumastation nicht gut tun würde, da könnte die Sache mit dem Etanercept gleich geregelt werden. Mit Frau Dr. Strangfeld führte ich darüber ein Gespräch, klar, es ist natürlich jederzeit möglich, nur solle ich erst einmal die Laseroperation durchführen lassen. Mir hat Aufenthalt vor drei Jahren sehr gut getan, Anwendungen von 09.00 bis 15.00 Uhr, Bäder, Wassergymnastik, Massagen und vieles mehr.
Das Gespräch bei der Ärztin mit Untersuchung hat wieder fast eine Stunde gedauert. Dann gab es wieder Probleme mit der Infusion, d.h. die Nadel wollte nicht in die Vene, aber schließlich klappte es doch. Jetzt hatte ich zwei Stunden Zeit, in der die Infusion in die Vene tropfte. Nutzen konnte ich diese Zeit um wieder Englisch zu lernen, aber es wurde mir langweilig und ich verstellte das Rädchen, was für die Tropfgeschwindigkeit zuständig ist, auf einen schnelleren Rhythmus. Das hätte ich mir vor Jahren niemals getraut, daran zu drehen, im Gegenteil ich betrachtete das ›Schauglas‹ immer mit Andacht.
Nebenwirkungen habe ich in der Regel keine, etwas müde vielleicht, aber sonst ist es in Ordnung.
Der nächste Termin ist für Anfang Juni festgelegt. Ich bat noch um eine Kopie der Laborwerte und war erstaunt, super Werte, alle lagen sie im Normbereich.
Mit meiner Rheumatologin vereinbarte ich schon vor einiger Zeit, dass sie mir einen Arztbrief, über meinen derzeitigen Gesundheitszustand unter der Remicadetherapie in der rheumatologischen Spezialsprechstunde schreibt, obwohl sie nicht mehr da war, traf ich sie trotzdem dort an und sie sagte gleich, »Ich habe ihn im Kopf!« Ich wollte diesen Brief auch bei einer eventuellen Vorstellung beim Amtsarzt vorlegen, damit er meinen Zustand und damit die Umzugsfähigkeit beurteilen konnte. Nach einer Woche war der Brief da.

Arztbrief der Charité vom 15.04.2005
CHARITÁ – UNIVERSITÄTSMEDIZIN BERLIN
Medizinische Klinik
Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie,
Prof. Dr. med. Burmester.
Klinikdirektor
Rheumatologische Spezialsprechstunde
– Neue Therapien –
An den mitbehandelnden Arzt/Ärztin
Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege, wir berichten Ihnen über den Patienten Henry Ullmann, geb. 27.12.1948, der sich in unserer rheumatologischen Spezialsprechstunde in Behandlung befindet und sich am 12.04.2005 zur Therapiefortführung vorstellte.
Diagnose:
Spondylitis ankylosans mit peripherer Beteiligung (rez. Iridozyklitiden; ED 2001)
Z.n. Anteriore Resektion eines Adenokarzinoms des Rektums (07/2000)
Diabetes mellitus
Periphere Polyneuropathie
Aktueller klinischer Befund:
Kardiopulmonal, Nierenlager und Abdomen unauffällig, keine Infektionszeichen. Kein Wirbelsäulenklopfschmerz, NAP frei. Auge: Injektionen links > rechts (It. Patient wurde durch die Augenärztin einer erhöhter Augeninnendruck gemessen); Hand–Fuß–Syndrom in Abheilung.
Zusammenfassender Bericht:
Herr Ullmann erhält seit dem 24.08.2004 infolge der sehr hohen Krankheitsaktivität des bekannten Morbus Bechterews mit rezidivierenden Iridozyklitiden eine Behandlung mit dem anti–TNFalpha Blocker Infliximab. Aufgrund eines kalkdichten Herdes im rechten Oberlappen und einen positiven PPD–Testergebnisses verabreichten wir zur Tuberkuloseprophylaxe eine Therapie zunächst mit Isozid, die wir dann infolge von Unverträglichkeiten (Diarrhoen) auf Rifampicin umstellten. Herr Ullmann wurde hinsichtlich des erhöhten Risikos eines Tumorrezidivs bei anamnestisch eruierbaren Rektumkarzinom mit Resektion ausführlichst aufgeklärt. Ein regelmäßiges Staging wird bei dem Patienten durchgeführt. Die Behandlung mit Infliximab erbrachte eine deutliche Besserung der Bechterew – Symptomatik.
Im Dezember 2004 klagte der Patient über zunehmende frontale Kopfschmerzen, die fast täglich auftraten. Wir veranlassten zunächst eine Röntgenaufnahme der Nasennebenhöhlen zum Ausschluss einer Sinusitis. Da hier der Verdacht auf eine Spiegelbildung geäußert wurde, führten wir zusätzlich eine kranielle Computertomographie durch. Hier stellte sich der Verdacht auf eine ossäre Metastasierung und zeigten sich Zeichen einer chronischen Sinusitis sphenoidalis. Zur Verifizierung wurde ein MRT des Kopfes durchgeführt. Hier bestätigte sich der Verdacht der Metastasierung nicht. Zur Behandlung der chronischen Sinusitis überwiesen wir Herrn Ullmann in die HNO–ärztliche Mitbehandlung. Gegen eine Weiterbehandlung mit Infliximab wurde von den HNO–Ärzten keine Kontraindikation gestellt. Allerdings empfahlen sie dem Patienten eine operative Sanierung der Sinusitis als mögliche Ursache der persistierenden Kopfschmerzen. Die Operation ist im Mai 2005 geplant.
Im Januar 2005 zeigten sich bei Herrn Ullmann ein kleinfleckiges Exanthem im Bereich des Körperstammes und eine Blasenbildung im Bereich der Hände und Füße im Sinne eines Hand – Fuß–Syndroms. Wir stellten Herr Ullmann unseren Dermatologen unter der Frage einer medikamenten–toxischen Reaktion unter Infliximab vor. Diese wurde von Dr. Lee primär ausgeschlossen. Ein endgültiges differenzialdiagnostisches histologisches Ergebnis steht allerdings noch aus. Wir verabreichten Herrn Ullmann am 12.04.2005 erneut 400 mg Infliximab. Bei erneuter Progredienz des Hand–Fuß–Ekzemes sollte eine Umstellung der anti–TNFα –Therapie auf Etanercept diskutiert werden.
Mit freundlichen Grüßen

Sogar vom Klinikdirektor Prof. Dr. med. Burmester abgezeichnet, vielleicht einmal ein Trumpf in meiner Hand, ich freute mich.
Meinen turnusmäßigen Besuch beim Hausarzt absolvierte ich ebenfalls, brauchte vor allem wieder Überweisungen für alle mögliche Ärzte. Die Vorstellung beim Doktor verlief wie immer im kumpelhaften, ja fast im scherzhaften Ton, obwohl ich mit ihm im vergangenen Jahr bald eine Auseinandersetzung hatte. Als meine Ex – Frau im Rahmen der Scheidung behauptete, ich sei ein ›Trinker‹ und zur Bestätigung unseren Hausarzt nannte, zu dem sie übrigens nicht mehr geht, stellte ich ihn zur Rede. Er konnte natürlich den Sachverhalt nicht bestätigen, aber da er auch ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Frau hat und sie als Beamtin ja Privatpatientin ist, war ich mir nicht so sicher was da abgelaufen ist. Er berief sich damals auf seine ärztliche Schweigepflicht und sagte solche Äußerungen keinesfalls gemacht zu haben. Trotzdem kam mir einiges komisch vor und ich verspürte eine leichte Unsicherheit bei ihm, kann mich aber auch täuschen. Jedenfalls meinte er letztendlich; »Wenn Deine Frau so etwas behauptet, muss sie es auch beweisen können!« ,diesen solle ich über meinen Rechtsanwalt einfordern. Da ich aber keinen Grund sah und der Herr Richter auch nicht, mich zu rechtfertigen blieb es im Raum stehen. Eine der vielen Unwahrheiten die immer wieder vor Gericht von meiner Ex – Frau behauptet worden sind.
Ich legte jedenfalls meinem Doktor die Laborwerte vor und er las sie aufmerksam, auch den Leberwert und ich fragte ihn ketzerisch, »Sind die beim Trinker so üblich«. Er war sofort im Bilde und meinte, »Na ja, im früheren Leben waren wir doch alle mal Trinker!«, vielleicht meinte er ja die Muttermilch.
Zum Thema Amtsarzt fragte ihn, ob er bereit ist über meinen Gesundheitszustand Auskunft zu geben, er sagte sofort zu, darauf kann ich mich verlassen. Ich muss es wieder betonen, ich bin froh so ein sehr gutes Verhältnis zum Hausarzt zu haben, es macht einiges leichter und er hat mir auch schon oft geholfen.
Ich nahm mir vor, eine Video – CD anzufertigen und zwar zum 50. Geburtstag meiner Schwester Sonja, sie hat auch so ihrer Höhen und Tiefen im Leben durch, drei Kinder erziehungsmäßig fast alleine durchgebracht. Ihr Mann hat sich erst scheiden, eine andere Frau geheiratet und dann ist er gestorben. ›Gott hab ihn selig‹ ist in unserer Familie das geflügelte Wort für ihn.
Ich kenne noch den Arbeitsaufwand von der Klassentreffen – CD, die Zeit wurde langsam knapp, aber mir fehlte der Trieb anzufangen. Die ganze ungeklärte Situation lähmte mich. Trotzdem fing ich an alle verfügbaren Bilder einzuscannen, der Rest ergibt sich dann schon. Dieses Mal wollte ich eine verbesserte Qualität verwenden, mit Musikunterlegung, eine Supervideo – CD sollte es werden. Nur ging das Material nach dem Rändern nicht auf eine CD und einen DVD – Brenner habe ich nicht (noch nicht). Mir blieb nichts anderes übrig, ich musste sie teilen, mein Rechenknecht trieb mir die Tränen in die Augen, nach jedem zweiten eingefügten Bildübergang stürzte das Programm ab. In diesem Dilemma bekam ich einen Anruf in der Vormittagszeit, eigentlich eine Zeit wo kaum private Anrufe kommen und meine Mail an das Wohnungsamt war auch schon 14 Tage alt, es könnte ja schon ein Ergebnis sein.
Es war eine männliche Stimme die, vom Onkologischen Forum , er meinte ob ich sitze, ich hätte gewonnen. Am Telefon gewinnt man ja öfters einmal, oder es gibt eine Befragung zu den Trinkgewohnheiten; »Welchen Wein trinken Sie, rot oder weiß, trocken oder lieblich«?, meine Antwort ist immer die gleiche, »Rot und Trocken« und die freundliche Stimme sagt regelmäßig, man wird sich bei mir noch einmal melden um mir ein Präsent zukommen zu lassen. Man meldet sich auch, natürlich wollen sie vorbeikommen um es mir persönlich zu überreichen, weil sie gerade in meiner Nähe sind und so weiter und so weiter.
Da ich ein freundlicher Mensch bin, den Leuten das Treppensteigen mit Staubsaugern, Weinkisten und anderen Hausrat, ersparen will, mache ich auf meine Situation aufmerksam. Regelmäßig wird mir dann versprochen, das Präsent wird mir zugeschickt, angekommen ist noch nie eins.
Aber zurück zum Anruf, ich habe eine Reise für zwei Personen zum Kongress der DGHO gewonnen, später habe ich mich erst einmal im Internet kundig gemacht, es ist die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, die ihren Kongress in Hannover abhält.
Ich musste überlegen, gewonnen ich und wieso, ja es stimmt ich hatte mich als Mitglied im Forum registrieren lassen und auch paar Beiträge geschrieben. Unter diesen wurde einer gezogen, ich habe es glaube auf der Krebskonferenz in Berlin gelesen, na prima ist doch einmal etwas Positives. Nun musste ich nur noch die zweite Person auftreiben, aber es ist noch bis Ende September Zeit, vielleicht findet sich bis dahin noch jemand. Ich fahre zum ersten Mal in meinem, nun doch schon betagten Leben, mit dem ICE von Berlin nach Hannover und zurück, ohne Krebs wäre mir das nicht passiert und somit hat jede Krankheit auch etwas Gutes.
Am Sonntag hatte ich vor das Frühlingsfest in Köpenick zu besuchen, vielleicht treffe ich ja meinen Bürgermeister, dem konnte ich dann gleich berichten was mich so bedrückt. Aber es war nicht mehr notwendig, denn am letzten Aprilsonntag passierte für mich etwas sehr Positives, ein sehr kraftraubender Kampfabschnitt ging nach gut 4 Monaten zu Ende. Eigentlich kommt ja am Sonntag keine Post und die vom Sonnabend holte ich am Nachmittag aus dem Briefkasten, keine Rechnung sondern, es war ein Brief ausgetragen von der PIN AG. Ein Brief vom Bezirksamt Treptow – Köpenick Amt für Grundsicherung und Wohnen drin.
Mein Herz begann sofort heftig zu schlagen und die Hände zitterten. Die Briefe der Ämter werden durch diese private Firma versandt und die tragen die Briefe auch noch aus, wenn die Post schon lange schläft.
Völlig außer Atem in der Wohnung angekommen, versuchte ich den Brief zu öffnen, es konnte eigentlich nur die Ablehnung meines Widerspruchs sein, oder die Anerkennung. Das Raten nützt hier nicht, also zog ich den Brief vorsichtig aus dem Umschlag und las die Überschrift; ABHILFEBESCHEID
über die Gewährung von laufenden Leistungen nach dem vierten Kapitel SGB XII ; damit konnte ich überhaupt gar nichts anfangen, las weiter und begriff es langsam, meinem Widerspruch wird inhaltlich voll entsprochen. Ich bekomme jetzt erst einmal bis 30.04.2006 Grundsicherungsleistungen.
Die Begründung lautet;

Im Widerspruchsverfahren wurde geprüft, ob es Ihnen zuzumuten ist, einen Wohnungswechsel vorzunehmen. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass es Ihr Gesundheitszustand nicht zulässt, Ihnen die Strapazen einen Umzuges und den damit verbundenen bürokratischen Prozesse zuzumuten.
Die Kosten der Unterkunft werden in voller Höhe berücksichtigt.
In Fettschrift steht am Ende
Ich wünsche Ihnen gesundheitlich Alles Gute und bedaure sehr, dass Sie mit unserer Prüfung der Aktenlage sehr belastet wurden.

Ich war ja alleine und konnte meinen Emotionen freien Lauf lassen, ich meine die Tränen und habe mich besonders über den letzten Satz gefreut, der ja etwas Menschliches innehat.
Vom Unterhalt gegenüber meiner Ex – Frau konnte ich nichts lesen, da verhalte ich mich erst einmal ruhig.
Man sieht es immer wieder, wer nicht kämpft hat schon im Ansatz verloren, ich werde dem Amt auch noch ein paar dankende Worte zukommen lassen, ein weiter Abschnitt in meinem neuen Leben ist geendet und zwar positiv.
Mein Leitspruch "Hoffnung ist eine gute Sache und gute Dinge können nicht sterben" hat sich wieder einmal bewahrheitet.
Also Köpenick fällt aus, ich schnappte meine Pfeife samt Tabak, sonst ist ja niemand da zum Schnappen und fuhr in Richtung Stadtzentrum. In der S – Bahn sitzend überlegte ich, was ich mir gönne und beschloss auf den höchsten Punkt Berlins zu gehen. Auf den Fernsehturm ins Telecafé, immerhin 207 Meter hoch, ein Bauwerk aus DDR – Zeiten, wo man bisher noch kein Asbest gefunden hat und auch sonst nix zu meckern hat. Das Café dreht sich innerhalb von einer halben Stunde um 360 Grad und man hat eine herrliche Sicht über Berlin. Früher dauerte die Drehung eine Stunde. Ich trank einen Kaffee und ein Glas Sekt, freute mich und erinnerte mich, dass ich hier vor über 35 Jahren gemeinsam mit anderen Leuten, ich glaube es waren 400 die so genannte Belastungsprobe mitgemacht habe.

Was wohl als nächstes folgen wird, das Jahr war ja noch lang. Ganz sicher gebe ich nun meinen Protest auf und bepflanze die Balkonkästen.

Den letzten Donnerstag im April fuhr ich nach Bautzen zu meiner Mutter, die Fahrt ca. 230 Km verlief ohne Probleme, ich habe immer ein ungutes Gefühl bei der Fahrt, als ob etwas mit dem Auto passieren könnte, denn ich glaube es ist ein ›Montagsauto‹ und vermutlich nicht in Deutschland zusammengebaut, aber es ging alles gut. Oder fährt etwa meine Ex – Frau als ›Racheengel‹ irgendwo versteckt. Angekommen, musste ich erst einmal berichten was sich so alles in den letzten Wochen ereignet hat und da meine Schwester Evelyn noch zu tun hatte mit der Geburtstagszeitung, verbrachte ich den Rest des Tages und den Abend mit meiner Mutter alleine. Ich war froh die Super Video – CD's im Handgepäck zu haben. Aber bei Evelyn ist es Methode, ihre Zeitungen und Texte sind bei Geburtstagen beliebt und obligatorisch, aber sie werden immer erst kurz vor der Feier fertig und bereiten ihr oftmals schlaflose Nächte.
Am Freitag fand unser traditioneller ›Doppelkopf‹ statt und ich war wieder einmal der Verlierer, aber es war nicht so schlimm, anschließend gaben wir das eingespielte Geld in der nahe liegenden Gaststätte in Rabitz ›Zur Goldenen Höhe‹ aus. Jeder konnte essen und trinken was er wollte, ein schöner Tag. Es ist das Geld von mehreren Monaten Spiel, sieben Mitspielern und einem nur Einzahler. Da nie alle da sind, muss Sonja hier die Kontrolle behalten, wer wann mit wem gegessen hat, damit keiner zu kurz kommt, vor allem ICH.
Am Sonnabend, dem letzten Tag im April, findet immer das traditionelle Hexenbrennen statt, was mich an meine Kindheit und frühe Jugend erinnert.
Mit dem Hexenbrennen wird der Winter endgültig vertrieben, es werden auf Scheiterhaufen aus Stroh gebastelte Hexen verbrannt, heute ein eher kommerzielles Volksfest. Früher, ein kultiges Fest, die Reisighaufen wurden schon Wochen vorher zusammengetragen und von der Dorfjugend bewacht, damals hatte jedes Dorf einen Haufen. Als beschämend für das ganze Dorf galt, wenn dieser Haufen vorher von fremden Dörflern angezündet wurde, deshalb stellten wir Wachen auf und schickten Trupps in anderer Dörfer um deren Haufen vorher anzuzünden.
Heute wird dieses Fest, eher im Garten in familiärer Runde, bei Bier und Grill gefeiert und meine Familie machte es ebenso, wieder ein schöner Tag, deshalb fahre ich auch gern nach Bautzen. Schade, dass mein Vater nicht mehr lebt, denn jetzt wo die einstige ›Giftspritze‹ weg ist, sind die Feiern irgendwie besser, ich erfahre eine ganz andere Achtung innerhalb meiner Familie, das ist wie Goldstaub auf meiner Seele. Ich kann heute behaupten, dass ich deshalb meine Ex – Frau in keiner Weise vermisse. Ich glaube sie hat kein Bild in meiner Seele hinterlassen. Manchmal wünsche ich mir schon eine neue Partnerin, mit der ich gemeinsam etwas unternehmen könnte, aber es geht auch so.
Der 50. Geburtstag meiner Schwester fand in familiärer Runde statt, wir trafen uns alle in ihrer Wohnung, auf ein Glas Sekt. Ich hatte die Möglichkeit die Video – CD's zu überreichen, Sonja freute sich sehr. Die erste sahen wir uns noch an, dann war die Zeit weg. Ich landete meinen Überraschungscup und die Emotionen schlugen hoch. Da ist es dann bis zu Tränen auch nicht weit, aber ich finde es nicht schlecht, wenn man seinen Gefühlen freien Lauf lassen kann. Die Feier fand in der Gaststätte ›Spreetal‹ in Grubschütz statt, nach dem Kaffeetrinken fuhr ich zurück nach Berlin und ich war froh, dass ich trotz der morgigen Operation bei Sonja war.
Am Montag musste ich schon etwas früher aufstehen und das ist auch ein Problem bei mir, bevor ich den Bechterew besiegt und meinen angeschlagenen Darm beruhigt habe brauche ich so meine Zeit, besonders der Darm nimmt mir jede Ungewöhnlichkeit übel, aber es ging alles gut und ich war pünktlich um 8.30 Uhr in der Charité. Die HNO Klinik kannte ich, aber den Raum für die Laseroperation fand ich erst wieder nach mehrmaligem Anlauf. Ein netter und auch fachkundiger Arzt, wie sich bei der Laserbehandlung rausstellte begrüßte mich freundlich. Die Nase betäubte er örtlich, aber nicht mit einem Schlag, sondern mit einer Lösung, nennt sich Oberflächenanästhesie, dazu wurde mir in jedes Nasenloch ein getränkter Tampon gesteckt, danach musste ich ca. 10 Minuten warten und schon war die Nase nicht mehr zu spüren. Mir wurde schon ganz komisch, als ich dieses ›Engelshemd‹ drüber ziehen musste, aber es wurde nicht so schlimm, ich bekam noch eine Schutzbrille auf und dann ging es los.
Die Lasermuschelkaustik wird endoskopisch durchgeführt, also nix für zittrige Hände, aber der Arzt war ruhig und erfahren, er überwachte die gesamte Operation am Monitor, kontrollierte ständig und machte auch mal eine kleine Pause. Man merkt eigentlich nicht viel, die Schmerzen, wenn überhaupt sind auszuhalten, es riecht wie beim Grillen und es qualmt aus der Nase. Nach einer halben Stunde war ich fertig und die Nase blutete ein wenig. Nun konnte ich nur hoffen, dass die Geräusche und Kopfschmerzen verschwanden. Zur Nachkontrolle wurde ich nach einem Monat wiederbestellt. Danach ging ich gemütlich Frühstücken, da ich ja nüchtern erscheinen sollte und schickte ein SMS nach Österreich. Wieder etwas geschafft!
Einige Tage später lag einen Brief vom Abgeordnetenhaus von Berlin im Briefkasten, der hoffentlich einen endgültigen Schlusspunkt unter meine verlorenen Monate setzen wird.


Abgeordnetenhaus B E R L i N
Der Vorsitzende des Petitionsausschusses
Abgeordnetenhaus von Berlin
Sehr geehrter Herr Ullmann,
die Mitglieder des Petitionsausschusses des Abgeordnetenhauses von Berlin haben Ihre Eingabe beraten. Das Sozialamt Treptow–Köpenick hat über Ihren Antrag auf Übernahme der Rentenversicherungsbeiträge für das Jahr 2004 am 14. Februar 2005 entschieden und die Beiträge überwiesen.
Das Amt für Grundsicherung und Wohnen hat Ihnen mit Bescheid vom 18. April 2005 Grundsicherungsleistungen nach dem SGB XII für die Zeit vom 1. Januar 2005 bis 30. April 2006 bewilligt. Die Kosten der von Ihnen bewohnten Wohnung wurden dabei in voller Höhe berücksichtigt. Ein Wohnungswechsel wird von Ihnen nicht verlangt.
Ihre (an das Sozial– bzw. Grundsicherungsamt übergegangenen) etwaigen Unterhaltsansprüche gegen Ihre getrennt lebende Ehefrau müssen Sie nicht selbst verfolgen. Das Grundsicherungsamt macht diese direkt geltend. Zu diesem Zweck ist inzwischen vor dem Familiengericht Tempelhof–Kreuzberg ein Rechtsstreit anhängig.
Wir freuen uns, dass Ihren Anliegen damit entsprochen wurde, und haben die Bearbeitung Ihrer Eingabe mit diesem Schreiben abgeschlossen.
Mit freundlichen Grüßen

Vielleicht ist nun für paar Jahre alles geklärt, zumindest habe ich genügen Schriftstücke in der Hand, wenn wieder einmal die Akte ›versenkt‹ wurde.
Himmelfahrt 2005, im Fernsehen gab es das Konzert mit Shania Twain in Chicago, was ich damals, Silvester 2004 schon gesehen habe, aber es nicht so richtig genießen konnte, weil ich vor fast unlöslichen Problemen stand, nun waren sie gelöst und ich konnte wieder einmal Stolz auf mich sein, meine Beharrlichkeit hatte sich ausgezahlt.
Jetzt sollte zumindest bis April 2006 Ruhe einziehen und ich konnte mich anderen Aufgaben widmen und da gab es eine Menge zu tun. Einiges war natürlich auch von meiner Gesundheit abhängig. Ich wohnte nun schon 7 Jahre in der Wohnung und eigentlich ist sie nie richtig fertig geworden, damals zum Umzug musste alles schnell gehen, damit meine Ex – Frau in 10 Minuten auf der Arbeit war. Ich hatte innerhalb kürzester Zeit zwei Wohnungen zu renovieren, die alte und die neue und zwischendurch musste ich auch noch Geld auf der ›Straße‹ verdienen und dafür wurde ich dann während der Scheidung als ›trinkender fauler Hund‹ betitelt, aber so ist das Leben, na gut. Erfahrungen sind eben dazu da um sie zu machen.
Jetzt hatte ich wieder Lust etwas zu tun, ich wollte auch den Sommer genießen auf Balkon und im Freien, Pläne habe ich schon. Urlaub will ich auch machen, gemeinsam mit meiner Mutter und meiner Schwester, wir wollten nach Holland fahren, zu Dritt, erschwinglich auch für mich. Eigentlich sollte die Reise schon im vergangenen stattfinden, aber die Iritis im letzten Jahr hatte mir ja einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht.
An die Iritis erinnert sich meine Augenärztin auch immer ›gern‹ und sie meinte beim letzten Besuch im Mai zu mir, in ihrer langjährigen Praxis hat sie erst zwei Patienten mit solch einer massiven Iritis erlebt und in ein Krankenhaus zur weiteren Behandlung überwiesen, einer davon ist dann auf einem Auge erblindet und der andere bin ich gewesen. Sie war auch erfreut darüber, dass meine Sehkraft fast so gut ist wie vorher war und der Augeninnendruck sich im Normbereich bewegte. Keine Hiobsbotschaft und auch momentan keine ›tickende Zeitbombe‹ .
Mitte des Monats bekam ich vom Onkologischen Forum die schriftliche Einladung zum Patiententag des DGHO – Kongress in Hannover zugesandt.
Nun hatte ich nur noch das Problem die zweite mitreisende Person zu finden, aber auch allein nehme ich natürlich teil, denn es gibt mir immer wieder die Möglichkeit mich zu informieren und Kontakte zu knüpfen.
Im Monat Juni stehen wieder paar Termine an, bei denen es sich aber nur um meine Gesundheit dreht und es geht gleich mit der Nachkontrolle zur Nasenlaseroperation los.
Die vier Wochen waren vorbei und ich befand mich wieder vor dem Raum in der Charité, wo Rhinologie und Allergologie darüber stand und über der Tür die Signaltafel ›Laser‹ , die aber nicht leuchtete. An die Tür sollte man nicht klopfen stand daran, aber nach einer halben Stunde tat sich nichts und ich fragte noch einmal bei der Anmeldung nach. Die Antwort war nicht so sehr freundlich, es klang so wie, ich sollte mich gefälligst gedulden.
Der Arzt der mich operiert hatte lief an mir vorbei und mir entglitt der Satz, »Ach hier ist er!«, aber er nahm keine Notiz von mir, ich ging wieder zu der besagten Tür und wartete. Dann erschien der Arzt und er tat so als ob ich nicht da bin, blätterte geistesabwesend in meiner Akte, die im dafür vorgesehenen Fach lag. Er wartete ebenfalls vor der Tür, weil sie verschlossen war. Nach Anruf kam die Schwester und beide verschwanden im Zimmer, ich wartete immer noch, dann wurde ich aufgerufen und der Doktor erklärte mir, was er vor hat und fragte mich welche Art meine Probleme sind. Verwundert machte ich ihm darauf aufmerksam, das ich schon vor einem Monat operiert worden bin und ich heute nur einen Termin zur Nachkontrolle habe. Wieder begann er meine Akte zu durchsuchen, fand aber keinen Vermerk über die Operation und er sagte, »Aber nicht von mir!« ich antwortete; »Natürlich von Ihnen!«. Fakt war also der Operationsbericht war nicht in der Akte, obwohl ich einen Durchschlag erhalten hatte. Er wunderte sich immer noch und betäubte meine Nase noch einmal, es war aber trotzdem ein umgänglicher Arzt, als die Operationsstuhl eingerichtet werden sollte, streikte er, die Batterie ist leer meinte er und der Stuhl konnte nicht, meinen Bedürfnissen entsprechend angepasst werden, den mit dem Morbus Bechterew brauche ich vor allen am Kopf entsprechende Unterstützung. Die Schwester holte, wie das letzte Mal, ein Kopfkissen herbei und dann ging es los.
Er zeigte mir am Monitor, dass sich noch Schorf in der Nasenmuschel befand, der entfernt werden muss, er schätzte die Operation als gelungen ein, ich bedankte und verabschiedete mich, er meinte noch wenn wieder etwas ist, kann ich gern wiederkommen.
Auf dem Flur saß einen junge Frau und fragte mich ob ich zur Laseroperation war, sie hätte so schreckliche Angst, ich beruhigte sie und sagte die Operation ist fast schmerzfrei, nur etwas unangenehm.
Als nächstes stand jetzt die Infusion in der Rheumaklinik an, ich fühlte mich gar nicht so sehr gut, ging aber trotzdem hin, meine neue Ärztin, Frau Dr. Strangfeld fragt immer nach dem Befinden. Wir haben uns geeinigt, dass es mir gut geht, dabei besprachen wir auch meine Probleme, das Hautekzem, die Kopfschmerzen, die Geräusche im Kopf und die Iritis, also wieder mehr als genug. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es fast einer Stunde dauert bis die Infusion anliegt. Dazu wurden noch meine Beweglichkeit geprüft, alles vermessen und dokumentiert, wie gesagt mit meiner Ärztin bin ich sehr zufrieden.
Sie vereinbarte noch Termine in der Kardiologie, in der Augenklinik im Virchow Klinikum und beim Hautarzt in der Charité. Danach begann die übliche Prozedur der eigentlich zweistündigen Infusion, die ich in der Regel gut überstehe und in kürzerer Zeit.
Einige Zeit später lag im Briefkasten schon das Schreiben meiner Ärztin mit den Terminen und den jeweiligen Arztbrief.
Der erste Termin war in der Augenklinik des Virchow Klinikums, man bestellte mich zum Konzil, untersucht wurde ich war wieder von Frau Doktor Schmidt, die vor einem Jahr die Iritis erfolgreich behandelt hat. Gegenstand im Arztbrief der Charité war die Frage, Rezidivierende Iridocyclitis, mit der Bitte um Klärung bzw. Ausschluss der rezidivierenden Iridocyclitis als Nebenwirkung der Remicade – Therapie. Die Augenärztin fand keine Anzeichen einer Iritis und war auch sonst mit dem Sehvermögen sehr zufrieden. Eine Konsultation mit dem Leiter der Augenklinik wollte sie noch durchführen und den Befund an die Rheumaklinik senden. Ich war mit diesem Befund mehr als zufrieden.
Zwischen den beiden Terminen nahm ich mir die Renovierung meine Wohnung vor, dabei stellten sich mir zwei massive Probleme in den Weg. Erstens das finanzielle Problem und zweitens meine Bewegungseinschränkung, aber was ich mir vorgenommen hatte, wollte ich auch alleine packen. Also kaufte ich Tapete, Farbe, Auslegeware, Leisten, andere Kleinigkeiten und überdachte die finanzielle Belastung, denn vom Staat gibt es keinen Cent mehr dazu für die Wohnungsrenovierung. Deshalb musste ich, für die nächsten Monate noch einige Sachen zurückstellen, wie z.B. das Panel und die Leuchtspots im Flur.
Die Arbeiten gingen zügig voran, glaubte ich jedenfalls, ich konnte auch meine fensterlose Küche entsprechend meinen Vorstellungen wieder mit Holz gestalten, was mir beim Einzug damals strikt ›verboten‹ wurde, aber ein Problem trieb mich fast zur Verzweiflung. Ich wollte auch einmal die neue Vliestapete kleben und dachte ist vielleicht eine Erleichterung, wenn man die Wand einstreichen kann. Es waren ja nur zwei Wände im Wohnzimmer.
Ich muss dazu sagen, ich habe bestimmt schon einige 100 Rollen Tapete verklebt, Decken tapeziert und es gab niemals Probleme. Aber hier, als ich die Wände fertig hatte, die Polsterecke stand schon wieder auf ihrem Platz und ich trank mein erstes verdientes Glas ›Dornfelder‹ und schmauchte eine Tabakspfeife mit Vanilla Club. Plötzlich knackte und knallte es hinter mir relativ laut und die Tapete sprang von der Wand, erst eine Bahn, dann die nächste usw. ,usw., usw., manchen blieben auch noch etwas kleben, ich war entsetzt und glaubte im falschen Film oder in einem Lustspielfilm zu sein. Am nächsten Morgen habe ich alle Bahnen abgezogen, das klappte prima, Leim war genug da. Aber vorher überlegte ich und stellte mir die Frage, »Was habe ich falsch gemacht?« Vermutlich zu wenig Leim genommen, gespart an der falschen Stelle, dachte ich mir. Also die Polsterecke wieder weggerückt, wenn ich die noch mehrmals bewege ist die auch bald hin, Billigprodukt von Domäne, viel Wert ist sie eh nicht mehr.
Ich merkte schon, dass es mir schwer fiel, hatte ich doch beim Decke streichen so meine Probleme, ich kann nicht nach oben sehen, weil ich den Kopf nicht so bewegen kann, also musste ich teilweise im ›Blindflug‹ streichen, es ist mir aber trotzdem ganz gut gelungen, sagen die Leute. Die Arbeiten am Boden sind für mich auch nicht leichter, da kommt die Schwierigkeiten beim Bücken zum Tragen, also hinlegen oder knien, was auch nicht so bequem ist. Nun ist aber genug gebarmt. Die Tapete hing wieder, Sofa stand und ich war nicht zufrieden, sie fiel zwar nicht mehr herunter, aber kleben tat sie nicht wirklich richtig und eine Hitze in Berlin.
Ich brauchte Hilfe und ging zum Händler um zu fragte, warum die Tapete nicht klebt, man sagte mir ich solle eine Dose Kleber für Wandbeläge zum Leim dazugeben, was ich auch machte. Was blieb mir weiter übrig, Tapete noch einmal abziehen, ging wieder gut und noch einmal von vorn, nun hält sie auch, was für eine Schmach für mich.
Nun bin ich erst einmal zufrieden, die Schrammen und Kratzer die meine Ex – Frau bei ihrem Auszug hinterlassen hat, beseitigt ebenfalls, damit verblassen auch die letzten Erinnerungen. Jetzt konnte ich die Sonne auf dem Balkon genießen.
Der nächste Termin in der Kardiologischen Klinik in der Charité stand an, ganz fertig war ich zwar in der Wohnung noch nicht, aber die paar Kleinigkeiten erledige ich noch so nach und nach. Obwohl das etwas Gefährliches ist, manche Restarbeiten können sich über Jahre hinziehen, besser ist es, man erledigt es gleich, ich weiß von was ich spreche.
Es sollte ein Ultraschall (Gefäß – Doppler – Beurteilung) der kopfversorgenden Gefäße gemacht werden, das konnte ja so schlimm nicht sein, dachte ich mir. Das entsprechende Zimmer fand ich ganz gut, ohne Rundgang durch die Charité, so langsam kennt man sich eben aus. Den Befund habe ich gleich mitbekommen, ihn muss ich mir nun bei der nächsten Infusion erst einmal erklären lassen, weil so viele unbekannte Begriffe darin stehen, der Arzt war übrigens auch nicht gerade der Mitteilsamste, er sagte während der Untersuchung nämlich nix zu mir oder zu sich, bloß gut dass solche Ärzte bei mir die Ausnahme sind. Ich hörte während des Ultraschalls nur meinen Pulsschlag laut und deutlich.
Als Befund stand jedenfalls: ›Geringe arteriosklerotische Veränderungen im darstellbaren Bereich der extrakraniellen hirnversorgenden Gefäße ohne Nachweis bedeutsamen Stenosen (Verschluss)‹.
Also ohne bedeutsame Stenjedenfalls:osen, war also doch was, vielleicht gut für die Kopfschmerzen oder die Geräusche.
Meine Unternehmungen waren bedingt durch die Wohnungsrenovierung ziemlich eingeschränkt, einmal habe ich mich mit meiner Schwester Evelyn und meinem Schwager getroffen. Sie machten Urlaub im Umland von Berlin, da haben sie mich zum Essen eingeladen. Wir waren bei Julchen Hoppe, der Tochter von Mutter Hoppe, ein Altberliner Gasthaus mit deftiger deutscher Küche im Nikolaiviertel. Ich freue mich immer wieder über das gute Verhältnis zu den beiden, es hat sich sehr positiv entwickelt. Sonja und Mutter haben mich auch besucht, aber wir hatten keine Zeit essen zu gehen, sie haben mir in der Wohnung geholfen, um das Essen habe ich mich gekümmert. Auf besonderen Wunsch gab es ganz kleine Pellkartoffeln, Pfifferlinge und Bouletten à la Henry, und einiges mehr, ja zu trinken gab es natürlich auch etwas. Beide sind echte ›Pellkartoffelfans‹ je kleiner umso leckerer.
An einem schönen Sonntag nahm ich mir vor wieder einmal meine Kenntnisse über Berlin aufzufrischen und fuhr zum neuen Hauptbahnhof (Lehrter Bahnhof), um dann durch den Spreebogen – Park, immer an der Spree entlang bis zum Alexanderplatz zurückzulaufen, etwas anstrengend, aber es ist schon imposant was alles besonders im Regierungsviertel gebaut wurde, das musste ich, als nicht gerade ›regierungsfreundlicher Mensch‹ anerkennen.
Wenn ich denke, wieder einmal alles geklärt, kommt etwas Neues auf mich zu, nun ist es die Überprüfung meiner Schwerbehinderung durch das Versorgungsamt, nach 5 Jahren Krebsoperation ist das wohl so, sicherlich werde ich einem Amtsarzt vorgeführt, der dann entscheidet, ich lasse mich überraschen.
Als ich mit meiner damaligen Frau zusammenlebte und die Welt scheinbar noch in Ordnung war, fanden in Zeuthen, wo mein Wochenendhaus auf dem Grundstück meiner Tante stand, Arbeitseinsätze. Dabei wurde das gesamte Grundstück ›Gereinigt und Gelüftet‹ , nicht nur das Stück auf dem mein ehemaliger Bungalow steht. Nach getaner Arbeit wurde für die fleißigen Helfer, ein Grillfest organisiert. Dafür war ich aber nicht verantwortlich, das machten meine Schwäger, ich beschäftigte mich mit der Koordination der Arbeit. Das Grundstück war aufgrund seiner Größe sehr arbeitsintensiv, die in der Regel sonst an mir hängen blieb. Ich kannte in Zeuthen, über viele Jahre als Anzugsordnung nur meine Arbeitslatzhose. Jetzt war ich froh solche fleißigen Helfer in Form meiner Schwägerinnen und Schwäger, nebst Kindern zur Seite zu haben.
Nach meiner Operation hatte ich keine Kraft, keine Lust und auch kein Geld um auf dem Grundstück etwas zu machen und ich zog mich mit Einverständnis zurück, die Pflege übernahm ein Nichtdeutscher, der auch mein Wochenendhaus nutzte. Als er merkte, dass er seine Interessen nicht durchsetzten konnte, verschlampte das Grundstück mehr und mehr, jetzt muss er wieder runter.
Deshalb habe ich nach 6 Jahren wieder einen Arbeitseinsatz, am vorletzten Juliwochenende, organisiert. Zu meinem Ex–Schwager Rolf und seiner Familie hatte ich schon die ganze Zeit in gutem Kontakt, wir haben auch hin und wieder in Zeuthen gegrillt. Nun kam für mich eine wirklich angenehme Überraschung, es meldete sich Ex–Schwager Frank und fragte an, ob er mit seiner Frau auch kommen kann, ich sagte natürlich sofort zu und freute mich riesig, wieder eine Überraschung mit der ich nicht gerechnet hätte. Leider war das Wetter nicht so sehr gut aber es war schön und der nächste Arbeits–, Grilleinsatz ist für September schon geplant.
In Vorbereitung unserer Hollandreise, für eine Woche in den Ferienhaus– Park Kijkduin bei Den Haag, war ich mir nicht sicher, ob ich noch eine Grüne Versicherungskarte benötige. Ich rief deshalb bei meinem Versicherungsvertreter (Vereinte) an, er meine eigentlich nicht, aber er schickt mir eine zu, das fand ich ja noch als ›normal‹ . Als er mich fragte, wie es mir geht, ob ich Probleme hätte und ob sich mein Gesundheit stabilisiert hat, staunte ich nicht schlecht, war es doch schon drei Jahre her als er zum Versicherungsabschluss bei mir war. Bisher traf ich noch keinen menschlichen Versicherungsvertreter, aber auch seine Wurzeln liegen im ›Osten‹ . Jetzt beginnt wieder die Zeit der Nachsorge und der erste Termin bei meiner Onkologin steht Anfang August an, sie hat mir im vergangenen Jahr nach der Darmspieglung gesagt, ich solle im Sommer wiederkommen. Sie versprach mir auch, dass dieses Jahr keine Darmspieglung gemacht wird, ich hoffe sie weiß es noch. Danach geht es für eine Woche nach Bautzen, Mutter besuchen, Geburtstag feiern, Doppelkopf spielen, Urlaub absprechen und mal sehen was die Mutter für Aufgaben für mich hat.
Ein verregneter Montag, typisch für den Sommer 2005, aufrechten Hauptes ging ich zur Onkologin, nach fünf Jahren guter Betreuung, was sollte mich da eigentlich Negatives erwarten, aber man weiß ja nie. Es war, entgegen manch anderen Terminen, relativ leer, es dauerte nicht lange und Schwester Yvonne rief mich auf. Ich hatte für die Frau Doktor, den Arztbrief der Charité und die Blutwerte kopiert, aber sie macht eine andere Laboruntersuchung wie die Charité, so dass die Schwester mir, sehr gekonnt Blut abnahm. Da konnte ich einen Blick in das Zimmer werfen, wo die ›Cocktails‹ (Chemotherapie) verabreicht werden, der Raum war voll besetzt, jetzt sitzt man allerdings auf bequemen, modernen Sesseln. Als ich meine Chemotherapie bekam, fand diese noch nicht im neuen MZL (Medizinisches Zentrum Lichtenberg) statt, es war alles etwas anders, persönlicher. Wenn die Betten alle besetzt waren, wurde schon mal ein zusätzliches Bett provisorisch in ein Arztzimmer geschoben, trotzdem, ich war nicht unzufrieden gewesen. Schwester Yvonne war damals auch noch nicht bei Frau Doktor, Schwester Jutta hatte die Obhut über die Patienten, sie war es auch die mir etwas von der Angst nahm, die vor jeder Chemotherapie hatte.
Schwester Yvonne war, trotz ihrer Jugend oder gerade deshalb, sehr einfühlsam. Ich baute bei den vergangenen Besuchen sofort einen guten Kontakt zu ihr auf. Heut ging es bei ihr, neben der Blutabnahme, um die Einschätzung gegenüber dem Versorgungsamt. Es galt es meinen Gesundheitszustand einzuschätzen, um der Doktorin die entsprechende Vorarbeit abzunehmen. Ich denke wir haben eine ordentliche Einschätzung hinbekommen und nun warte ich was passiert, mein Hausarzt muss ebenfalls seine Einschätzung abgeben. Wichtig für mich ist, dass ich mit 60 Jahren, ohne Abzüge in Rente gehen kann. Damit ich nicht mehr mit voller finanziellen Last dem Grundsicherungsamt auf der Tasche liegen muss. Ein Restbetrag wird sicherlich immer bleiben.
Frau Doktor war wie immer in Eile, aber über meinen Zustand sehr erfreut. Nun ging es nur noch um die Termine für die jährliche, herbstliche Kontrolle. Die CT (Computertomografie) stand an und die Darmspieglung auch, sie meinte die Darmspieglung brauchte ich nicht mehr jährlich zu machen, ab nächsten Jahr, ab nächsten Jahr. Ich erinnerte sie gleich an ihre Zusage im vergangenen Jahr und sie sagte mit einem leichten Augenzwinkern, »Soweit kommt es noch, jetzt fangen die Patienten schon an zu handeln«. Sie gab mit nur die Briefchen für den Haemoccult – Test, zum Nachweis auf okkultes Blut im Stuhl mit, eine Belastung weniger, die Darmspieglung ist zwar kein Höherpunkt mehr für mich, aber durch die notwendige Darmreinigung stellt sie mich immer wieder vor Probleme. Es gibt im Oktober dann nur die CT und dass ich kein Blut im Stuhl habe darüber bin ich mir fast sicher, oder, na ziemlich.
Nun konnte ich mich auf die Reise zu Muttern begeben, entgegen meiner sonstigen Art blieb ich fast 1 ½ Wochen, es war eine ganze Menge geplant, leider gab es ein nicht so gutes Ereignis, denn meine 90 jährige Tante lag im Krankenhaus, sie hatte einen Schlaganfall erlitten, nach 14 Tagen ist sie an dessen Folgen verstorben. Aber wir waren uns in meiner Familie einig, mit 90 Jahren hat sie ein erfülltes Leben gehabt und da sie halbseitig gelähmt war und auch nicht mehr richtig sprechen konnte, wir sind Realisten, es war das Beste für alle. Ich selbst habe sie zweimal besucht und als ich mich verabschiedet habe, weinte sie, ich glaube sie ahnte ihr Ende voraus, denn geistig war sie vollkommen klar.
Mein Schwager organisierte eine Zugfahrt mit Wochenendticket nach Plauen im Vogtland, ich musste als 5 Person einspringen, denn bisher fuhr meine Tante mit, ähnlich erging es mir schon beim Doppelkopf, als Ersatz für meinen Vater. Das Vogtland kannte ich bisher eigentlich kaum, vor vielen Jahren war ich mit Werner, meinem Schulfreund, in Klingenthal. Mit dem Fahrrad 180 Kilometer von Pirna entfernt, eine Riesentour bei Wind und Wetter.
Mit dem Zug ging es natürlich besser, in Bautzen sind wir 6.00 Uhr losgefahren, über Dresden – Freiberg – Chemnitz – Zwickau, Umstieg in die Vogtlandbahn über Plauen nach Muldenberg (Floßplatz) und von dort zurück nach Bautzen. Im Höhenluftkurort Grünbach/Muldenberg haben wir in der Gaststätte Flößerstube gemütlich zu Mittag gegessen. Gegen 18.00 Uhr waren wir zurück, für mich ein schöner Tag den ich gern in Erinnerung behalte.
In den nächsten Tagen wollte ich meiner Mutter helfen, das Bad vorzurichten und das Dach des Carports, der nie einer war, zu erneuern. Hier werden Gartengerät und alle anderen möglichen und unmöglichen Sachen gelagert. Es regnete manchmal herein, was Mutter misshagte, sie hat sich zwar schon selbst geholfen, aber das Problem besteht schon sehr lange. Auch wenn mir manche Arbeit schwer fällt, so versuche ich mich immer wieder selbst zu überwinden, ich glaube das bekommt mir ganz gut. Erstaunlich ist für mich immer wieder, wie Mutter mit ihren 78 Jahren zupackt, wenn ich die Tapetenbahnen nicht schnell genug an die Wand klebe und sie hätte Zeit zum Ausruhen, da ist sie schon wieder im Garten um Unkraut zu zupfen.
Ich beschloss dieses Mal am Sonntag zurückzufahren, weil ich am Dienstag wieder an den Tropf in die Charité musste, vorher habe ich noch mein Auto gründlich gereinigt, um Mutter und Sonja ein sauberes Fahrzeug für den Urlaub anzubieten. In der Regel mache ich das einmal im Jahr, aber letztes Jahr kam die Iritis dazwischen, es wurde Zeit. Die Geburtstagsfeier meiner größeren Schwester verlief auch im kleinen harmonischen Kreis und da das Essen in der Gasstätte nicht vollständig vertilgt wurde, gab es am nächsten Tag den obligatorischen Doppelkopf, verbunden mit dem Essen der Reste.
Am Sonntagvormittag beluden Mutter und ich das Auto, d.h. es musste Obst und Gemüse im Kofferraum verstaut werden und da wir allesamt nette Menschen sind wird dann in Berlin verteilt, meine Tante und auch mein Ex–Schwager bekommt was ab. Mutter versorgt mich noch mit eingemachtem Obst, aber auch Wust usw. fürs erste überleben nach meiner Ankunft in Berlin und so manches mehr. Ich kann mein Auto gar nicht auf einmal entladen, so voll ist es immer. Ich selbst habe mir noch Gewürze wie Dill und Bohnenkraut mitgebracht und für meine Vögel Beifuß, welchen sie gerne zu sich nehmen. Die Heimfahrt verlief reibungslos und in der Wohnung war auch alles in Ordnung als ich zurückkam.
Am Dienstag begab ich mich zum Termin in die Charité um meine Infusion abzuholen und ich freute mich auch schon auf das vorherige Gespräch mit Frau Dr. Strangfeld, die mir, ich kann es durchaus so sagen, sehr sympathisch ist, aber auch große fachliche Kompetenz besitzt. Es lief wie immer ab, Untersuchung, Vermessung und vor allem Nachfrage nach meinem Befinden, erst dann wird der ›Cocktails‹ zubereitet und die Infusion beginnt. Sie hatte auch die Ergebnisse der Augenklinik vorliegen und besonders erfreulich, es gibt kein Rezidiv. Das Untersuchungsergebnis der Sonografie der hirnversorgenden Blutgefäße händigte ich ihr aus und auch damit war sie zufrieden und die Stenosen, sind Einengungen der Blutbahnen, die altersmäßig bedingt vorhanden sind. Ich konnte mich also während der Infusion zurücklehnen und englische Vokabeln lernen.
Wenn das Wetter es zulässt sitze ich auf dem Balkon inmitten meiner Tomatenpflanzen und Hibisken, frühstücke, lese, plane meine nächsten Aktivitäten oder denke einfach nur nach. So auch über meine Kontaktversuche im Internet und ich hatte es mir eigentlich einfacher vorgestellt, aber scheinbar ist der Krebs für viele immer noch ein Hindernis, Menschen näher kennen zu lernen oder liegt es daran, dass ich ›nur‹ Grundsicherung (vormals Sozialhilfe) bekomme. Es kann ja sein, man denkt der ist auf Geld aus, das ist er bestimmt nicht, er lebt so ganz gut.
Meine jetzigen intensiven Mailkontakte sind zwar ziemlich international, Österreich, Schweiz und natürlich Deutschland, hier habe ich schon Menschen gefunden mit denen ich mich austauschen kann, aber für gemeinsame Unternehmungen bzw. Freizeit sind sie zu weit weg. Aber auch Gefahren laueren im Netz, manche Menschen gaukeln einem was vor und am Ende wollen sie nur ein Buch verkaufen und wenn es dann geklappt hat ist Schluss mit dem Kontakt, na Dankeschön kann ich da nur sagen. Natürlich habe ich auch nicht an jedem Kontakt Interesse um ehrlich zu sein, es muss schon paar Gemeinsamkeiten geben, aber die Hoffnung gebe ich nicht auf.
Deshalb musste ich auch zum Global Fashion Festival 2005 auf dem Kurfürstendamm alleine gehen, verbunden mit dem Besuch der Panorama –Etage im Europa – Center hier lag mir die ganze Stadt zu Füßen. Die 20. Etage, ein fantastisches Panorama, Hauptstadt bis zum Horizont, mit Fotogalerie, es lohnt sich wirklich und zu der Zeit wo ich dort war, vielleicht Sonntag gegen 10.30 Uhr wenige Menschen auf der Plattform. Man kann auch einen virtuellen Helikopterrundflug für 9,50 Euro machen, den hob ich mir für später auf. Da in Berlin am Wochenende immer etwas los ist, fällt es manchmal schwer sich zu entscheiden, ein weitere Event's war, das absenken der Bügelbrücken am neuen Berliner Hauptbahnhof – Lehrer Bahnhof oder der Tag der Offen Tür im Kanzleramt, ein gar nicht so pompöses Gebäude, aber mit großer Parkanlage, direkt an der Spree.
Ich entschloss mich den Haemoccult – Test vor dem Urlaub doch noch bei meiner Onkologin abzugeben und einen Termin zur Auswertung der CT brauchte ich auch noch, also begab ich mich mit den Briefchen auf den Weg, Schwester Ivonne stand am Tresen als ich den Test abgab, sie fragte sie mich, ob sie es gleich machen soll. Ich antwortete, dass ich in der nächsten Woche in Urlaub fahren will und stimmte zu. Es ist schon komisch, obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass kein okkultes Blut vorhanden sein wird, wurde mir plötzlich ganz flau im Magen. Alles ist wieder da, aber die Sorge war umsonst und Frau Doktor kam kurze Zeit später in den Warteraum und sagte, » Herr Ullmann, ich wünsche ihnen einen schönen Urlaub!«.

Es macht plumps und da denke ich immer, ich bin gegen so etwas immun geworden, da wurde mir auch schlagartig bewusst, ich hänge am Leben, wie jeder andere vernünftige Mensch auch, aber das war nicht immer so.

Jetzt konnte ich mich der Urlaubsvorbereitung widmen, denn Anfang September wollte ich mit Mutter und Sonja nach Holland in den Ferienpark Kijkduin fahren in der Nähe von Den Haag an der Nordsee, allein hätte ich es mir nicht leisten können. Es ist auch nicht der erste gemeinsame Urlaub oder Fahrt und die Ereignisse sind mir bis jetzt immer in guter Erinnerung geblieben. Besonders gern verreise ich mit Ronny meinem Neffen, eigentlich mag ich ihn, aber er hat auch ›Hörner‹ die er ab und zu ausfährt. Da kann es schon sein, das er plötzlich in Kopenhagen sein Beifahrerdienst einstellt. Da musste ich mich eben selbst aus der Stadt ›fädeln‹ , aber böse bin ich ihm nicht, er ist eben auf seine Art ein liebenswerter Mensch.
Ich erinnere mich aber auch an andere Urlaube, die schon wegen den kleinsten Kleinigkeiten regelmäßig im Streit endeten, da hatte ›sie‹ sie nicht die richtige Bekleidung an, oder wusste über irgendetwas nicht Bescheid. Da wurden nicht nur mir, sondern auch den Miturlaubern ganze Tage versaut.
Eine Begebenheit will ich doch erwähnen, weil sie typisch ist, 1995 Urlaub in Norwegen gemeinsam mit meinen Eltern, am Abend wurde der Plan gemacht, es sollte am nächsten Tag nach Bergen gehen. Jeder war für seine Reiseverpflegung selbst verantwortlich, dass heißt am Morgen wurden die Brote geschmiert, alle wussten Bescheid nur die Ex nicht. Da machte sie einen Aufriss und zerstörte fast die Fahrt nach Bergen, ich hatte natürlich Schuld, deshalb sprach sie auch den ganzen Tag nicht mit mir. Es war so etwas von blöd und das Schlimmste es war noch gar nichts passiert. Aus Protest nahm sie keine Reiseverpflegung mit. Dafür wurde eben eine Zigarette mehr geraucht. Zum Glück kannten meine Eltern ihre Eskapaden, sonst hätte ich mich geschämt. Aber das ist Geschichte und da soll sie auch bleiben.
Die Trauerfeier für meine Tante in Bautzen fand noch paar Tage vor dem Urlaub statt.
Sie war auch einer derjenigen Menschen die mit meiner Krankheit nicht umgehen konnten, sie war ganz einfach nicht in der Lage mit mir ein Gespräch nach meiner Operation zu führen. Sie konnte mich nicht nach meinem Befinden fragen, so dass das Verhältnis nicht mehr so wie früher war. Warum konnte ich nicht mehr erfahren, aber vielleicht spielte es eine Rolle, dass ihr Mann, also mein Onkel an Krebs verstorben war. Aber es soll nicht unerwähnt bleiben, dass sie mich in meiner schwersten Zeit finanziell unterstützt hat und dafür danke ich ihr auch.
Die Rede zur Feier war ausgewogen, der Redner war wirklich in der Lage ihren Lebensweg nachzuzeichnen, nicht wie der, der zur Beerdigung meines Vaters gesprochen hat. Der kam schon zur Vorbereitung der Rede, trotz Auto mit Alkoholfahne und entsprechend war auch die Rede, die mein Vater wirklich nicht verdient hatte, na gut, das bringt ihn auch nicht mehr zurück. Nach dem gemeinsamen Mittagessen der Trauergäste, welches Evelyn in der Gaststätte ›Lusatia‹ organisiert hat, eine Gaststätte in Bautzen, wo traditionell viele unserer Familiefeierlichkeiten stattfinden. Die engere Verwandtschaft traf sich anschließend noch bei Mutter im Garten zum Kaffee, dann ging es zurück nach Berlin.
Jetzt kann der Urlaub kommen, aber ›unverhofft kommt oft‹ ,paar Tage vorher bekam ich eine Mandelentzündung. Sofort dachte ich an das Problem zwischen Infusion und Immunsystem. Vorsichtshalber ging ich noch einmal zum Hausarzt und ließ mir ein paar Antibiotika geben, denn hier will ich nichts riskieren. Sie haben geholfen und wir konnten planmäßig den Urlaub antreten.
Bei unserer Urlaubsreise bestand meine Aufgabe im Transport, damit mein Auto auch weiß warum es ein Auto geworden ist. Ich befasste mich mit der Streckenplanung zum Ferienziel. Die Planung vor Ort war auch meine Aufgabe, natürlich mit demokratischem Mitspracherecht der Urlauber.
Einige Eindrücke, an erster Stelle sind mir die vielen Autos in Holland in Erinnerung geblieben, ich habe mir immer wieder die Frage gestellt, wo sie alle herkommen, denn so viele Einwohner hat Holland ja nicht, insbesondere vor Städten war es manchmal eine Katastrophe.
Die Fahrweise ist auch nicht gerade als sanft zu bezeichnen. Ich glaube mir hier als ehemaliger Taxifahrer ein Urteil erlauben zu können, man muss sich schon mit aller Macht den Spurwechsel oder die Ausfahrt aus der Autobahn erzwingen. Dazu kommt, dass die Beschilderung insbesondere auch auf der Autobahn gewöhnungsbedürftig ist, von den gefahrenen 2.500 Kilometern sind bestimmt 200 bis 300 ›verfahrene Kilometer‹ . Des Weiteren gibt es in Holland viele Kreisverkehre, die aber in der Regel gut zu durchfahren sind, die so genannten ›Drempel‹ (Schikanen auf der Fahrbahn) insbesondere vor Ortseingängen. Jeder Holländer hat natürlich ein Fahrrad und benutzt es auch. Die Holländer an sich sind nette und lustige Menschen, die gern irgendwelche außergewöhnliche Dinge tun und das Leben in Holland ist teurer als in Deutschland.
Besichtigt haben wir in Holland, Den Haag, Delft, Rotterdam und Gouda, die Städte machten abseits der Hauptstraßen einen schmutzigen Eindruck. Weitere Sehenswürdigkeiten waren das meistfotografierte Wahrzeichen und Unesco – Kulturerbe, die 19 Windmühlen von Kinderdijk und der Oosterscheldedam.
Einen kleinen Abstecher, von 400 Kilometern nach Belgien haben wir auch unternommen und die Stadt des Diamantenhandels Antwerpen besichtigt, Sauberkeit ähnlich wie in Holland. Natürlich sind wir auch die Uferpromenade in Kijkduin und in Scheveningen mehrmals abgelaufen, viele Gaststätten, hier haben wir auch die holländischen Fritten probiert. Da sich das Wetter von seiner schönsten Seite zeigte, unternahmen wir auch einige Strandwanderungen, denn der Ferienpark lag ja direkt an der Nordsee.
Der Höhepunkt unserer Reise war natürlich der Besuch von Amsterdam, auch ein Parkhaus in der Nähe von Bahnhof Amsterdam Centraal fanden wir ziemlich schnell. Nach 15 Minuten Fußmarsch befanden wir uns an der Anlegestelle vom ›Canal Bus‹ und beschlossen die 16 Euro für eine ›dagkaart‹ zu investieren, die uns die Möglichkeit eröffnete, mit der Green Line, Red Line oder Blue Line durch die Grachten von Amsterdam zu fahren. Man konnte beliebig oft ein und aussteigen und auch die Linien wechseln, das ganze dauerte ca. 3 Stunden. Es hat sich gelohnt um eine kleine Vorstellung von Amsterdam zu bekommen. Abschließend kann ich sagen, eine Woche ist natürlich viel zu wenig um noch mehr zu unternehmen, aber es war schön und harmonisch gewesen.
Einen Punkt konnten wir allerdings nicht abarbeiten, ich hatte ja vorgehabt noch nach London überzusetzen, aber hier habe ich dann doch auf meine 78 jährige Mutter Rücksicht genommen, aber den Fähranleger in Hoek van Holland haben wir uns schon angesehen, von dort sollte es in 3.40 Stunden nach Harwich in England gehen. Ich las im Internet, dass es ein Spezialangebot der Stena HSS gibt. Für 80 Euro Fahrt mit der Schnellfähre Stena HSS, anschließen mit dem Zug HSS Express und das Ganze Hin und Zurück, das hörte sich sehr gut und günstig an.
07.20 Abfahrt in Hoek van Holland mit Stena HSS
10.10 Ankunft in Harwich
10.50 Abfahrt mit HSS Express nach London
12.11 Ankunft in London Liverpool Street Station
17.02 Rückfahrt nach Harwich mit HSS Express
18.26 Ankunft in Harwich
19.20 Rückfahrt mit Stena HSS nach Hoek van Holland
23.55 Ankunft in Hoek van Holland
und das lag nur 12 Kilometer von unserem Ferienpark entfernt.
Hoek van Holland hat mich insbesondere auch deshalb interessiert, weil ich in vergangenen Zeiten die Züge kontrolliert habe die von Berlin aus nach Hoek van Holland gefahren sind, damals allerdings mit keiner Silbe daran gedacht, hier einmal stehen.

Londen wie die Holländer schreiben ist aber nach wie vor in meinen Gedanken enthalten.

Zurück in Deutschland, ich konnte noch gar nicht alle Eindrücke verarbeiten, galt es schon das nächste Event vorzubereiten, denn ich habe im Frühjahr des Jahres eine Reise nach Hannover, zum Patiententag der Jahrestagung der DGHO ( Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V.), gewonnen. Sie ist eine Vereinigung von Wissenschaftlern und Ärzten, die auf die Erforschung, Diagnose und Behandlung von Blutkrankheiten und bösartigen Tumoren spezialisiert sind. Weitere Informationen gibt es auf der Website.
Der Patiententag fand am 01.10.05 im Hannover Congress Centrum (HCC) statt. Leider hatte ich seit Mai von meinem Ansprechpartner im Onkologischen Forum nichts mehr gehört, war aber deshalb nicht gleich unruhig geworden, denn es war ja noch etwas Zeit. 14 Tage vor dem Patiententag meldetet ich mich per E – Mail beim Ansprechpartner, bekam aber auch nach einigen Tagen keine Antwort, ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, wollte mir aber die Fahrt auch nicht entgehen lassen. Ich beschloss den Chef vom Onkologischen Forums persönlich, über die allgemeine E – Mailadresse der Website, anzuschreiben und bekam sofort eine Nachricht, dass die Unterlagen auf dem Weg zu mir sind, also geht doch. In der Mail stand auch, dass man sich mit mir im HCC treffen will. Die Unterlagen trafen dann auch einige Tage später bei mir ein, darin war ein Stadtplan, die Wegbeschreibung zum Hotel und zum HCC, die Hin – und Rückfahrkarte für den ICE und der Hotelgutschein für das Grand Hotel in Hannover. Alles war schon im Mai ausgestellt, warum ich es fast nicht bekommen habe erfahre ich später auch noch.
Gleich hatte ich ein neues Problem, muss ich mich mit den Hotelgutschein vorher telefonisch im Hotel anmelden und was ist mit den Platzkarten für den ICE, es war nur ein formloses Schreiben über die Reservierung dabei gewesen. Die Nachfrage im Hotel ergab, dass es richtig war vorher anzurufen, die formlose Registrierung der Platzkarten war auch in Ordnung. Na ja ich fahre nicht jeden Tag mit dem ICE und schon gar nicht gehe ich in solch ein Hotel.

Am letzten Freitag im September startete ich mit dem ICE 954 pünktlich 7.42 Uhr in Richtung Hannover, etwas aufgeregt war ich schon, denn es war die erste Fahr mit dem ICE. Erstaunt war ich, dass der Zug so voll war, aber ich hatte ja Platzkarten und nicht nur eine sondern, zwei, weil die Reise eigentlich für zwei Personen war, aber keiner mitfahren wollte. Auf dem Ostbahnhof (vormals Ostbahnhof dann Hauptbahnhof dann wieder Ostbahnhof, es kann ja nicht sein, dass es im ehemaligen Ostteil der Stadt einen Hauptbahnhof gibt) kaufte ich mir noch einen ›Café to go‹ um von der Zugversorgung unabhängig zu sein.
Vorher informierte ich mich noch am Wagenlaufplan, wo mein Wagen ist und positionierte mich im entsprechenden Bereich, denn wer hier nicht aufpasst hat gleich am Anfang der Reisestress, denn die Züge halten nicht lange, also kann es passieren, dass man mit allen seinen Koffern durch diesen ellenlangen Zug und zum gern genommenen Beobachtungsobjekt der Reisenden wird. Ich konnte ich mich meinen Beobachtungen hingeben, weil ich alles richtig gemacht hatte und war erstaunt, mit wie viel Gepäck die Leute reisen. Ich brauchte meine Tasche zum Glück nicht in die Gepäckablage hieven, also ich bin ja nun nicht gerade der ›kleinste‹ aber dafür muss man schon groß und kräftig sein. Als der Zug an den mir bekannten Bahnhöfen Alexanderplatz – Friedrichstrasse – Zoo vorbeifuhr und ich die Leute dort an den S – Bahnsteigen stehen sah, dachte ich daran, wie oft ich den ICEs nachschaute, mit keiner Silbe daran denkend, auch einmal in einem solchen zu sitzen. Es war ein erhebendes Gefühl, der vom Leben gebeutelte fährt mit dem ICE.
Wie schnell 250 Km/h sind merkt man während der Fahrt nicht, es versprach ein schöner Tag zu werden, also legt ich die Ohrhörer meines MP3 –Players an, lehnte mich zurück und ließ mich von dem Englischlernprogramm berieseln. Nach ca. 1 ½ Sunden kam ich, mit Zwischenhalt in Wolfsburg, an und war erstaunt, wie viele Menschen sich auf dem Bahnhof in Hannover bewegten, da kommen einem ja die Bahnhöfe in Berlin, provinziell vor. An einem der vielen Imbissstände kaufte ich mir ein frisch zubereitetes Zwiebelmettbaguette, das sehr gut schmeckte, dazu trank ich eine Cola. Danach informierte ich mich über die Lage des Hotels, aber ich hatte noch viel Zeit um einzuchecken, lief ein Stück zu Fuß und fuhr dann mit der U – Bahn von der Station Kröpke zur Station Markthalle/Landtag. Was ich in noch keiner anderen Stadt gesehen habe, hier gab es Rolltreppen in der U – Bahn die sich in beide Richtungen bewegten, d.h. wenn man Glück hatte und man stand eine Weile vor einer entgegengesetzt laufenden Rolltreppe, hielt sie an und bewegte sich in die andere Richtung. Selbst die Einheimischen waren mit diesem System nicht so richtig vertraut. Meine Reisetasche nervte mich, sie baumelte an den Oberschenkeln herum und schwer war sie auch. Sollte ich mir vielleicht irgendwann einen Trolley zulegen, da ich kaum verreise, schien mir die Ausgabe nicht (noch nicht) gerechtfertigt. Sieht natürlich besser aus, als mit der schweren Tasche über der Schulter..
Im Hotel wurde ich herzlich begrüßt, legte meinen Gutschein vor und bekam meinen Zimmerschlüssel für ein schönes Doppelzimmer in der 9. Etage. Es war sauber, zweckmäßig eingerichtet, bei einem Zimmerpreis von 135 Euro pro Nacht, konnte man das auch erwarten. Nachdem ich alles begutachtet und mich etwas frisch gemacht hatte, warf ich noch einen Blick aus dem Fenster, sah direkt auf das auf das neue Rathaus. Ich verweilte aber nicht lange im Zimmer, sondern begab mich auf Sightseeingtour, schließlich wollte ich von Hannover auch etwas sehen. Zu Fuß ging ich von der Markthalle bis zum Hauptbahnhof, über die Einkaufsmeile, kaufte natürlich nichts ein. Am Mittag fuhr ich schon einmal zur Probe zum HCC und danach zum Flughafen Hannover Langenhagen, als Flugsimulant muss man den schon im Programm haben, ein relativ großer Airport, aber mit wenig Fliegern. Da ich aufgrund meiner Schwerbehinderung mit Merkzeichen ›G‹ in allen Städten der Republik für die Verkehrsmittel nichts bezahlen muss, konnte ich mir diese Fahren leisten, ob der Flughafen noch im Bereich lag, wusste ich nicht wirklich.
Eine Erholungspause im Hotel tat nun gut, ein leichter Sonnenbrand machte sich auch schon bemerkbar, denn Sonne meinte es sehr gut. Auf dem Zimmer schrieb ich meine Ansichtskarten und stellte fest, dass sich noch einiges verändert hat, ein großer Obstteller stand bereit und auch eine Flasche Mineralwasser war vorhanden. Bei mir dachte ich, hoffentlich muss ich das am Ende nicht noch bezahlen, denn die Preise in der Minibar hatten mich schon schockiert und ich schloss sie schnell wieder.
Danach verließ ich das Hotel abermals, da ich von der Altstadt Hannovers bisher noch nicht viel gesehen habe, wollte ich das jetzt nachholen. Es lohnt sich, viele liebevollen Fachwerkbauten und historische Gebäude gibt es zu sehen. Zufällig begegnete ich einer Stadtführerin mit einigen Leuten, ich schloss mich unvermittelt an und hörte ihren Ausführungen zu. Dabei erfuhr ich auch einige Dinge die es so bestimmt nicht in Reiseführern zu lesen gibt, zum Beispiel, warum es an der Marktkirche immer etwas windig ist, dort hat nämlich der Teufel den Wind ausgetrickst und der wartet nun immer noch auf die Rückkehr des Teufels, wer mehr wissen will sollte sich einer Stadtführung anschließen.
Danach habe ich eine Runde mit der Tram gedreht, bin aber in einer Gegen gelandet, die mir keinen soliden Eindruck machte, die Tram war leer, es dunkelte bereits. Ich stieg lieber aus und fuhr zurück in die Helligkeit.
Bevor ich in mich in einer gemütlich Bierstube der Altstadt niederließ um etwas zu essen, traf ich noch einen Berlinerin, die mich nach einer Kunstausstellung fragte. Als ich ihr sagte, dass ich nicht von hier bin, waren wir uns einig die Welt ist klein. Gemütlich ging es schon zu in der Bierstube und getrunken wird auch. Man kommt auch schnell ins Gespräch mit den Einheimischen, wenn sie hören wo man her kommt, gibt es immer was zu erzählen. Am Tresen muss man wirklich aufpassen, dass man nicht ›versackt‹ , ich musste mich gegen 22.00 Uhr gewaltsam entfernen. Es ist übrigens das erste Mal seit 5 Jahren, dass ich mal wieder in einer Kneipe war. Nun, bei Dunkelheit ging ich zurück ins Hotel, dabei machte die Altstadt, mit ihren engen Gassen einen geheimnisvollen, ja fast mystischen Eindruck.
Im Hotel angekommen, standen auf dem Tisch noch paar Snacks, ein Bademantel lag bereit, selbst das Tollentenpapier war am Anfang zu einer Spitze gefaltet, sorry ich habe das zum ersten Mal gesehen. Die Zimmerminibar rührte ich natürlich nicht an, eine gekaufte Flasche Bier stellte ich mir schon am Nachmittag kalt. Nach dem wohltuenden Bad trank ich diese, just in dem Augenblick ginge ein Feuerwerk los, was ich von Fenster aus gut beobachten konnte. So werden also die Gäste aus Berlin empfangen.
Nach einer recht angenehmen Nacht ging ich in das Restaurant L´Adresse um das Frühstück einzunehmen, was im Preis enthalten war. Ich fand mich auch gleich zurecht, setzte mich an einen freien Tisch, Kaffeekanne stand auf dem Tisch, ich wartet kurz um abzuchecken ob eine Bedienung kommt, kam nicht, also schenkte ich mir den Kaffee selbst ein. Danach ging ich ans Buffet, es war wirklich reichlich von allem vorhanden. Eigentlich brauche ich zum Frühstück nur eine Schrippe und Kaffee, aber wo es nun mal da war und ich auch nicht wusste, wann ich das nächste Mal etwas zu essen bekomme, brauchte ich fast eine Stunde. Dabei gab es Gelegenheit, Menschen zu beobachten, dass Hotel war nicht voll belegt, ich sah auch Menschen wie ›Du und Ich‹ , aber auch andere, denen man es ansah, dass sie nicht wie ›Du und Ich‹ sind. Ich war zufrieden und wusste, die nächsten Stunden brauche ich nichts zu essen. Danach packte ich meine Sachen und stellte fest, dass es entsetzlich regnete, na was soll es, bis zum U – Bahnhof war es nicht weit und mein Gepäck ließ ich, nachdem ich ausgecheckt hatte, vorerst im Hotel.
Da mir der Weg zum HCC bekannt war, konnte ich am Hauptbahnhof sogar noch einigen Menschen sagen, wie sie dort hinkommen. Es war natürlich im Vergleich zu den Patiententagen im ICC in Berlin, die ich schon mehrfach besucht habe, schlicht und bescheiden. Leider waren auch nicht viele Besucher da, aber vielleicht war 10.00 Uhr auch noch zu früh dachte so bei mir, hörte mir die Begrüßung des Kongresspräsidenten und danach die Ausführungen von Frau Dr. Tanja Vollmer aus München an. Das Thema war ›Psychoonkolgische Versorgung – Wunsch oder Wirklichkeit‹ .
Danach wartete ich auf den Anruf vom Onkologischen Forum, schaute mir inzwischen die Ausstellung an, es gab zwar einige Informationsstände, aber sehr wenige Besucher. Ich bekam tatsächlich einen Anruf und wir verabredeten uns, nach einiger Zeit erschein er tatsächlich mit einer Mitarbeiterin, die auch paar Fotos machte. Wir unterhielten uns, vor allem über die wenigen Besucher. Ich sagte ihm, dass ich auch in ganz Hannover keinen Hinweis über den Patiententag finden konnte. Wir waren uns auch darüber einig, dass es eigentlich nicht Patiententag heißen müsste, sondern ›Gesundentag‹ , denn die schon einmal Krebs durchgemacht haben kommen sowieso, aber kommen sollten eigentlich die Gesunden. Ich kenne es selbst, genau so ist es, denn als ich noch keinen Krebs durchgemacht hatte, waren auch für mich solche Veranstaltungen nicht relevant. Man beschäftigt sich einfach nicht damit, will das Thema gar nicht an sich herankommen lassen. Anders ist es auch nicht zu erklären, warum so wenig Menschen zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Aber hier spielt das gleiche Problem wie oben eine Rolle. Er entschuldigte sich noch bei mir, der Mitarbeiter der für meine Einladung zuständig war, ist nicht mehr im Onkologischen Forum, ich glaube wenn ich mich nicht gerührt hätte, wäre aus der Reise nichts geworden.
Das Programm des Patiententages war natürlich sehr anspruchsvoll und die Referenten zu den einzelnen Themenschwerpunkten waren meist Professoren. Ich habe am Symposium teilgenommen, das von Frau Dr.Rubin geleitet wurde. Dort gab es nämlich auch etwas zu essen, in meinem Beitrag sprach ich über die gemachten Erfahrungen in der vergangenen Zeit, nicht nur über die Krankheit, auch über die Zusammenhänge die sich bei mir so ergeben haben. Die Fragen konnte ich umfassend klären, ich habe die Frau Rubin schon mehrmals bei solchen Veranstaltungen gesehen, sie sieht viel kleiner aus, wie im Fernsehen. Sie tat so als ob wir alte Bekannte waren. Damit war mein Auftritt hier beendet.
Bei meinem Rundgang beobachtete Leute die eine Umhängetasche trugen, sie sah aus wie eine Notebooktasche, bedruckt mit dem Veranstaltungslogo. Ich spürte die Stelle auf, wo die Taschen ausgegeben wurden, schnell stellte ich aber fest, dass es die nur für die Doktoren und Professoren gibt, die die ganze Zeit beim Kongress sind. Dafür musste man Teilnahmegebühren bezahlen und akkreditiert sein, denn der Kongress ging ja eine ganze Woche. Aber so eine Tasche wäre nicht schlecht gewesen, ich fasste den Entschluss und ging noch einmal hin.
An den Ausgabeschaltern standen immer noch eine Menge Leute, als Erkennungszeichen hatten sie alle einen Ausweis mit Lichtbild am Schlüsselband umhängen, ich natürlich nicht, der war erst zum richtigen Kongress, ab Sonntag notwendig. Aber ich reihte mich trotzdem ein, als ich dran war stellte ich mich vor mit ›Dr. Ullmann‹ und bemerkte, dass hier heute einen Vortrag gehalten habe, mir war nicht mal komisch dabei. Der freundliche Herr sagte, er schaue mal in die Liste, natürlich stand weder ein Ullmann, noch Dr. Ullmann, noch Prof. Ullmann drauf. Daraufhin meinte er, er könne es bis morgen klären, darauf ich, dass ich heute schon wieder zurück nach Berlin muss.
Ich glaube er hat es gemerkt und sagte, »Wenn meine Chefs nicht alle hier wären, würde ich Ihnen eine Tasche geben!« Ich fragte, »Soll ich noch einmal wiederkommen?“, daraufhin antwortete er, »Ich reiche Ihnen einfach eine rüber, sie tun so als ob es ganz normal ist und dann verschwinden sie unauffällig!« Ich schnappte meine Tasche und verschwand, wie gesagt und nun hatte ich sie und war stolz.
Der nächste Kongress ist übrigens in Luzern, aber eine Einladung ist eher unwahrscheinlich, aber nicht wegen der kleine Falschaussage.
Im Hotel räumte ich die neue Tasche ein, jetzt musste ich allerdings noch eine Tasche tragen. Es ist schon komisch, am Vortag stand ich vor einer ähnlichen Tasche und hätte sie beinah gekauft, meine bisherige Armgelenktasche (Geschenk zum 50. Geburtstag von meiner Ex – Frau) gibt bald den Geist auf, gut dass ich mich wie immer nicht gleich entscheiden konnte. Die Armgelenktasche vernichtete ich noch in Hannover, wieder eine Erinnerung weniger an sie.
Es regnete immer noch, mit zwei Taschen und Regenschirm ging gar nicht, da kommt man sich vor wie ein Lastentier vor, es fehlt immer eine Hand. Man, wäre ein Trolley jetzt schön gewesen. Zu allem Unglück, vertat ich mich auch noch um eine Stunde mit dem Zug, 16.31 Uhr fuhr zwar auch einer, aber meiner fuhr erst 17.31 Uhr, also tigerte ich noch 1 Stunde auf dem Bahnhof rum.
Gegen 19.30 Uhr war ich wieder am Ostbahnhof in Berlin. Auf der Rückfahrt habe ich noch einem jungen Mädchen meinen zweiten Platz angeboten, weil sie Probleme bekam, ihre Platzkarte wurde zweimal verkauft. Ein älteres Ehepaar spielte sich entsetzlich auf, das Mädel war ihnen nicht gewachsen, also schritt ich ein, so konnte ich doch noch ein gutes Werk tun.
Das war die Reise, anstrengend aber ich habe es jedenfalls nicht bereut und um nicht aus der Übung zu kommen bin ich am Montag gleich zu den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit nach Potsdam gefahren, aber nicht um diesen Tag zu huldigen, sondern um einfach unter Menschen zu sein.

Nach der Reise standen nun die gesundheitlichen Angelegenheiten wieder im Vordergrund, ich machte als erstes das CT und war mir ziemlich sicher, es wird kein negatives Ergebnis geben. Dieses Mal konnte ich mit dem Trinken der Kontrastmittellösung zu Hause beginnen, einige Schlücke noch in der S – Bahn und den Rest dort, damit spart man natürlich viel Zeit ein. Die Kontrastmittellösung habe ich bisher immer gut vertragen. Ich bin auch pünktlich drangekommen, man kennt sich schon, nur das Legen des kleinen Katheters für das Kontrastmittel, wird immer wieder zum Problem, aber schaffen tut die Oberärztin es immer. Das Gefühl kenne ich ja schon, beim Zulauf des Mittels wird es heiß im Körper, aber nicht schlimm.
Eine Woche später ging ich zu meiner Onkologin zur Auswertung, sie war zufrieden, die, wie es heißt; ›minimalen dorsobasale narbige Veränderung in der Pulmo rechts‹ machten mir Sorgen, aber den Ärzten scheinbar nicht. Vielleicht hängt es auch mit der Schilddrüse zusammen. Wichtig, dass kein Lokalrezidiv vorhanden und die Tumorenmarker negativ waren.
Frau Doktor meinte, »Nächstes Jahr im Spätsommer sehen wir uns wieder, dann gibt aber auch wieder eine Darmspieglung!« in Anspielung auf meine diesjährige ›Verweigerung‹ .
Zufällig lief mir Schwester Jutta über den Weg, die jetzt schon in Rente ist, sie kann es aber auch nicht lassen immer wieder mal nach dem Rechten zu sehen, sie kennt mich sogar noch beim Familiennamen. Sie war es auch vor 5 Jahren, die mir die Angst vor der Chemotherapie nahm. Ich glaube so gemütlich geht es in der neuen Praxis nicht mehr zu, sieht immer etwas stressig aus. Ich bin froh, dass ich nicht mehr zu den ›Akuten‹ gehöre.
Zwischenzeitlich habe ich an einer kleinen Studie teilgenommen, deren Titel ungefähr so lautet, ›Der Morbus Bechterew und die Auswirkungen auf die Zähne‹, dazu musste ich in die Zahnklinik des Virchow Klinikum, was zur Charité gehört. Es wurde nach Parodontose geschaut, mit einer Nadel, welche in die Zahntaschen geschoben wurde. Es gibt angenehmeres, aber einen Ex – Krebspatienten kann so schnell nix mehr umhauen. Der junge Doktor hatte fast keine Beanstandungen, ärgerlich, dass ich meinen Zähnen nach der Krebsoperation keine so große Beachtung gescheckt habe. Ich dachte damals, es gibt wichtigeres und vielleicht lohnt es sich ja auch nicht mehr, nun habe ich den Salat. Paar fehlen, mal sehen ob der Staat oder die Kasse hier eine Unterstützung geben kann, muss ich eben wieder einmal kämpfen.
Als Dankeschön bekam ich eine professionelle Zahnreinigung, einschließlich Zahnsteinentfernung. Da in der Charité auch gespart werden muss, war keine Schwester da, also bat mich der Arzt, ob ich bei der Zahnsteinentfernung den Speichel selbst absaugen kann, natürlich konnte ich das, am Anfang zog es die Zunge immer mit herein, aber dann nach nochmaliger kurzer Einweisung war ich perfekt.
In Sachen Morbus Bechterew Behandlung in der Charité gab es eine Änderung, die Remicadetherapie erfolgt nun im Rahmen der Dispensairebetreuung direkt in der Rheumaklinik. Die Patienten, die aus der Studie, in der ›Neuen Therapien‹ heraus sind werden hier weiterbehandelt. Der Grund ist, Kapazitäten für neue Studien zu schaffen. Natürlich sind die Ärzte und Schwestern in der Rheumaklinik ebenfalls um das Wohl der Patienten besorgt, aber es geht etwas hektischer zu. Man steht nicht mehr in der ersten Reihe und ich hatte wieder eine neue, allerdings nette Ärztin, die mich jetzt für ein halbes Jahr behandelt sollte.
Die Schwester kannte ich noch von der Tagesklinik, na ja und die Infusion war wie immer. Die Schwester bekam den Katheter nicht hin, musste die Ärztin holen, meine Venen haben eben schon viel erlebt. Beim legen eines Katheters sehen sie immer gleich ›Rot‹ , weil sie sich an die Tortur in der Strahlenklinik vor fast 5 Jahren erinnern, wie die Zeit doch vergeht.
Meine neue Ärztin Frau Dr. Franz stellte beim abhören der Lunge, irgendein Geräusch fest, was sie etwas beunruhigte, aber letztlich gab es die Infusion, eine Überweisung zur Hautklinik und eine Verordnung für die Physiotherapie.
Doktor Lee aus dem Allergie – Centrum – Charité der Hautklinik kannte ich und wusste aus Erfahrung, am besten man geht hin und versucht ihn zu finden, was ich auch tat. Meine Akte war natürlich in der Anmeldung nicht auffindbar, weil er diese persönlich verwaltet. Er selbst war auch nicht auffindbar, ich sollte mich mal selbst darum kümmern. Daraufhin begab ich mich direkt ins Allergie Centrum, in der Hoffnung ihn zu finden oder zumindest einen Termin zu machen. In der dortigen Anmeldung befand sich zufällig, die Leiterin eine Frau Professor und hörte mein Anliegen. Der Doktor ist noch nicht da, er fängt heute erst Mittag an, aber sie riet mir zu warten, sie würde ihm Bescheid sagen, wenn er kommt. Es könne aber noch mindestens eine halbe Stunde dauern, bei mir dachte ich, ob ich hier nicht vergessen werde!
Es dauerte eine reichliche halbe Stunde, dann erschien er mit meiner Akte unter dem Arm. Er suchte ein Behandlungszimmer und musste sich erst einmal in meiner Akte belesen, ist ja auch klar, das letzte Mal war ich im März dort, aber er konnte sich dann gleich erinnern und er begutachtete mein hartnäckiges Ekzem auf dem Fußrücken. Verschreib mir noch einmal diese Dermatop – Salbe, war aber mit meinem Zustand soweit zufrieden. Meinte aber, dass die Untersuchung ein leicht erhöhtes Allergierisiko gezeigt und auf den Zehnnägeln sich ein Pilz angesiedelt hat. Dieser müsse mit Tabletten behandelt werden, aber erst brauchte er die Zustimmung der Rheumatologie, im Dezember werde ich dort das Problem vorbringen und anschließend soll ich gleich bei ihm vorbeikommen.

Es ist also nichts Lebensbedrohliches.

Als ich mir den Termin in der Physiotherapie holte, stellte die Leiterin fest, dass das Rezept zwar unterschieben war, aber der Stempel fehlte. Da ich vor 2 Jahren schon einmal dort war und sie mich noch kannte, konnte ich den ersten Termin auch so wahrnehmen.
Bei meiner Neurologin, brachte ich mein Problem mit den Kopfgeräuschen noch einmal zur Sprache. Ich dachte, vielleicht fällt es in ihr Ressort, aber auch sie hatte keine richtige Diagnose. Auf Grund meiner Schilderung meinte sie, vielleicht sollte ich mich einmal auf Tinnitus untersuchen lassen, die Halswirbelsäule könnte hier der Auslöser sein. Sie meinte aber in der Charité gäbe es in der Spezialabteilung sehr lange Wartezeiten, ich werde auch das zur nächsten Infusion ansprechen und hoffe es gibt nicht wieder ein neues Problem. Es bleibt also immer spannend in den Fragen der Gesundheit.
Im Monat Oktober lag der Bescheid über die Betriebskosten und die Heizkosten meiner Wohnbautengesellschaft im Briefkasten, es war fast eine komplette Miete die ich zurückbekam. Ich wusste, dass es nicht mir gehört, damit habe ich auch kein Problem. Vom Grundsicherungsamt wurde ich mehrmals darauf hingewiesen, jede Veränderung sofort zu melden. Also rief ich dort an, obwohl ich gar nicht wusste, wann und wie ich das Geld ausgezahlt bekomme. Na und jetzt, Erinnerungen an das Sozialamt werden wach, ein neuer Mitarbeiter war für mich zuständig. Einige Tage später sprach ich vor, es hatte sich einiges geändert. Vier Sachbearbeiter in einem Zimmer, also vier Anliegen mussten auf engsten Raum geklärt werden. Ich hatte den Eindruck es wurde vollkommen lustlos, ja fast ›lahmarschig‹ gearbeitet, Kompetenz konnte ich keine erkennen.
Die Auszahlung des neuen Betrages wurde sofort eingeleitet, meine Entgegnung, dass ich ja das Geld von der Wohnungsbaugesellschaft noch gar nicht erhalten habe spielte hierbei keine Rolle, gegebenenfalls müsse ich mich noch einmal melden. Einen Antrag auf die Weiterbewilligung ab April 2006 ließ ich mir gleich mitgeben, hoffentlich lässt sich die neue Regierung nicht wieder etwas einfallen, was mein Leben durcheinander bringt.
Ich hatte noch ein Problem, ein Schreiben meiner Krankenversicherung, indem es um die Nachzahlung von Beiträgen seit Anfang des Jahres ging und um einen neuen Beitragssatz zur Versicherung. Der Mitarbeiter nahm es zur Kenntnis und meinte ich solle einen Widerspruch machen, was ich auch tat, interessiert hat es ihn nicht wirklich.
Das Versorgungsamt meldete sich fast genau 5 Jahre nach meiner Operation bei mir, sie schickten mir ein Schreiben zur Neufeststellung oder Neubewertung des Grades meiner Behinderung. Ich sollte meine Ärzte angeben, also Hausarzt und Onkologin und eventuelle Gutachten einreichen, ich hatte aber nur ein Schreiben von der Rheumaklinik in dem mein Zustand beurteilt wurde, das schickte an das Versorgungsamt. Sie behalten es sich vor eine Untersuchung durch einen Vertragsarzt durchführen zu lassen. Meine maßgeblichen Ärzte habe ich schon darüber informiert.
Dazu kam es aber nicht, Erkundigungen wurden bei der Onkologin eingeholt und einige Zeit später hatte ich wieder Post vom Versorgungsamt, es wird der Grad der Behinderung auf 70 Prozent herabgestuft, aber das Merkzeichen ›G‹ wird beibehalten, das ist ja für mich eigentlich das Wichtigste. An das Merkzeichen ist ja die Beweglichkeit in Berlin geknüpft und auch ein Mehrbedarf vom Grundsicherungsamt. Vorsorglich habe ich mich aber noch bei meiner Betreuerin der Krebshilfe sachkundig gemacht, wir einigten uns keinen Widerspruch zu machen. Mit dem Merkzeichen ›G‹ ist auch die Entscheidung verbunden, mein altes Taxi vor dem TÜV im Dezember 2006 zu verkaufen, es rechnet sich nicht, die Betriebskosten sind einfach zu hoch und stehen in keinem Verhältnis zu jährlichen Fahrleistung. Es ist aber erst eine Überlegung, so einfach ist die Trennung auch nicht.
Am 06.12.jährt sich zum fünften Mal der Tag an dem ich meine letzte Bestrahlung in der Strahlenklinik der Charité bekam, danach lagen nur noch zwei Monate Chemotherapie vor mir. Ich glaube den Tag kann ich nicht vergessen, ich erinnere mich noch genau, mit welchem erhebenden Gefühl ich hinkommen bin. In der Tagesstation stand schon der Weihnachtsbaum und die Kerzen brannten. Es war ja Nicolaus, ich wurde nach der Bestrahlung endlich meine Umhängetasche mit der Infusionslösung los. Der mühevoll eingefädelte Katheter wurde ebenfalls entfernt, es war der glücklichste Moment in meinem Leben, obwohl ich damals noch keine Prognose wagte, ob ich es überstanden habe.

Deshalb habe ich mir an diesem Tag etwas Besonderes vorgenommen, ich wollte den Nicolaustag in London verbringen, will drei Tage bleiben und das verbinden mit einem Praxistest hinsichtlich der Beherrschung der englischen Sprache.

Im Gedanken war mir das schon klar, dann kamen mir wieder Zweifel auf, ob ich es packe, vor allem auch gesundheitlich. Bevor mir diese Selbstzweifel zu sehr in das Gedächtnis rückten, habe ich zumindest den Flug bei easyJet gebucht. Die billigsten Flüge waren schon weg, wieder mal zu lange gewartet, aber für 50 Euro Hin und Zurück inklusive Gebühren und Steuern geht es noch. Den Flug buchte ich schon vor meiner Reise nach Hannover, vorher habe ich mir die Modalitäten am Flughafen Schönefeld angesehen.
Nun brauchte ich noch eine Unterkunft, da hatte ich ein Problem, ich wollte im Internet in London buchen, aber da waren die Buchungen nur mit Kreditkarte möglich, die ich nicht hatte. Eine Nachfrage bei meiner Bank ergab, dass sie mir auch keine geben, weil ich nur Grundsicherung bekomme und deshalb nicht ›Kreditwürdig‹ bin. Da spielen die 15 Jahre Zugehörigkeit keine Rolle, nie das Konto überzogen, das musste ich erst einmal zur Kenntnis nehmen. Deshalb erfolge die Hotelbuchung auch bei easyJet, dort geht es mit dem Lastschriftverfahren problemlos. Eine Kreditkarte habe ich mir nun bei einer anderen Bank besorg, so dass ich in London etwas unabhängiger bin.
Zur Vorbereitung habe ich mich im Internet belesen und festgestellt, dass man nicht unbedingt einen Reiseführer braucht, weil es sämtliche Informationen gibt, aber ich hatte mir schon einen zugelegt.
Das BRITAIN VISITOR CENTRE schloss ich ebenfalls in meine Vorbereitungen ein, dort habe ich mir die 3 Day – VISITOR Travelcard für die Zone 1 und 2 gekauft. Mit dieser Karte kann man alle öffentlichen Verkehrsmittel (U–Bahn, Busse, Bahnen) in den Zonen 1 und 2 nutzen. Damit bin ich beweglich genug, denn dadurch wird das Stadtzentrum abgedeckt und die Docklands Light Railway kann ich auch benutzen.
Des Weiteren kaufte ich mir noch die Fahrkarte für den Thameslink um vom Flughafen Luton nach dem Bahnhof Kings Cross zu kommen. Alle Karten sind dort in Euro bar zu bezahlen. Vor Reiseantritt werde ich mir noch etwas Bargeld umtauschen und dann konnte es losgehen, in der Hoffnung, ›the weather isn't very British‹ .
A
ber noch war es ja nicht soweit, denn es waren wieder paar Probleme aufgetaucht, aber keine gesundheitlichen. Die Krankenkasse mahnte mich, meine ausstehenden Beiträge zu bezahlen, ansonsten würde mir die Mitgliedschaft gekündigt, da wurde mir wieder ganz komisch zu mute. Ich rief den Mitarbeiter im Grundsicherungsamt an und konfrontierte ihn mit dem Sachverhalt, er war aber der Meinung, dass das Amt die Beiträge gezahlt hat, nur nicht die Nachzahlung bzw. sei der Beitrag auch noch nicht abgeändert. Ich solle das Schreiben zuschicken, ich rief aber noch einmal bei der Krankenkasse an und mir wurde gesagt, »Sie sind bei uns versichert und deshalb auch für die Bezahlung des Beitrages verantwortlich«. Ja was soll man dazu sagen, sicherlich haben die irgendwo Recht, also rief ich den Mitarbeiter wieder an, er bat mich um die Telefonnummer und wollte es klären.
Wenn ich nun glaubte, ich bekomme eine Rückmeldung, dann täuschte ich mich, nach paar Tagen rief ich im Grundsicherungsamt wieder an, er meinte die Krankenkasse will es klären. So richtig wohl war mir bei der Antwort nicht gerade. Aber ich dachte mir, so ohne weiteres können sie mir doch die Mitgliedschaft nicht kündigen, denn das wäre für mich der Untergang.
In meinem jugendlichen Leichtsinn plante ich mir eine Lesebrille machen zu lassen, im Supermarkt kosteten diese nur 10 Euro, da ich aber noch ein gutes Brillengestell vom Vater hatte ging ich zu Apollo und wollte mir dort eine anfertigen lassen. Meine letzte Brille beim Optiker habe ich mir vor 10 Jahren machen lassen. Ich wollte auch wegen meiner Vorbelastung (Iritis) einen Optiker konsultieren, mich haut es bald vom Sessel als ich den Preis vernahm Glasgläser 110 Euro und Plastegläser 150 Euro, ich beschloss die aus Glas zu nehmen. Ich hätte gar keine nehmen sollen, manchmal ist man aber auch blöd.
Ein Termin in der Nuklearmedizin wegen der Knoten in der Schilddrüse stand noch aus, es war ein neuer Arzt dort, der alles etwas lockerer sah. Es wurde ein Szintigramm gemacht und dabei festgestellt, dass die Knoten nicht gewachsen sind, also keine Operation, weil ich auch keine Beschwerden beim Schlucken habe. Er meinte aber, wenn der Hals anschwillt solle ich lieber gleich zum Chirurgen gehen.
Nun rückte der Zeitpunkt der Reise immer näher und da ich mich nicht gegen die Grippe impfen lassen habe, es war ganz einfach nicht 100% - prozentig von den Rheumatologen der Charité zu erfragen und die anderen Ärzte wollten da auch von sich aus nichts machen. Also sprach ich meinen Freund, den Hausarzt an und teilte ihm mit, dass ich verreisen, aber nicht ohne Antibiotika losfliegen will, man weiß ja nie. Ich mit ihm einen Deal ein, ließ mir keine Medikamente gegen die Schilddrüse verschreiben sondern Antibiotika, ich hatte noch welche und am Jahresende ist es sowieso immer schlecht mit Medikamenten. Er meinte auch zu mir, eigentlich könnte er zu machen, denn sein Budget ist ausgeschöpft, er arbeitet sowieso für umsonst. Auf die Frage wie denn das geht, meinte er die Politik setzt auf unseren ärztlichen Ethos, ist das nicht schrecklich, wie mit den Ärzten umgesprungen wird.
Für meine Reise brauchte ich noch eine Reisetasche, mir fiel mit Schrecken gleich Hannover ein, als ich mit der Umhängetasche wie ein Lastentier durch die Gegend zog, das wollte ich mir in London nicht antun. Ich wollte mir einen Trolley kaufen, um mein Gepäck bequem hinter mir herzuziehen zu können. Mehrmals schon besah ich mir welche in verschiedenen Läden, aber meine Entschlusskraft tendierte immer gegen null. Die Preise lagen so zwischen 40 und 100 Euro, 4 Tage vor der Reise musste es nun werden, ich kaufte einen, der von 90 auf 40 Euro gesenkt war, er entsprach so ungefähr meinen Vorstellungen, nicht zu groß, also bequem zu händeln. An dem Tag gab es auch noch 10% Rabatt in der Galeria Kaufhof, also kostete er nur 36 Euro, Schnäppchen gemacht.
In dieser Woche war noch allerhand los, eine neu analoge Spiegelreflexkamera legte ich mir zu, mit meiner Digitalkamera war ich eigentlich nicht so sehr zufrieden und mein vorhandene Fotoausrüstung samt Kamera war zu umfangreich um das alles mitzunehmen. Da gab es noch einiges zu studieren, damit ich die Bilder auch in ordentlicher Qualität werden. Sonnabend dem 03.12. war unsere Flugsimulantenstammtisch – Weihnachtsfeier in der Gaststätte – Am Rollfeld in Tempelhof, bei Kaffee und Hausfrühstück wurde wieder über alles mögliche Rund um die Flugsimulation und den Computer gefachsimpelt. Vom Wirt bekamen wir als treue Gesellschaft jeder eine Flasche Rotwein geschenkt.
Dieses Jahr habe ich, anlässlich des 5. Jahrestages der Beendigung meiner Bestrahlung, alles was mit Weihnachten zu tun hat in der Wohnung verteilt, manches Jahr war es nicht so gewesen, es tummelten sich Schwibbogen, Glasfieberweihnachtsbaum, Räuchermänner, Laterne und Adventskranz in der Wohnung, entsprechende Tischdecken und Deckchen wurden aufgelegt. Es war so richtig gemütlich, auch alleine. Ich als ›Randerzgebirgler‹ brauche das.
Am Nikolaustag trat ich meine Flugreise nach London an.

Adventshopping in London

Ich gab der Reise den Titel "Adventshopping in London", aber ich war mehr zum Eindrücke sammeln dort, hier sind meine Reiseerlebnisse . Nur soviel sei hier gesagt, eine Stadt mit soviel Flair habe ich noch nicht gesehen und ich dachte immer ich habe Hauptstadterfahrung.

Seit dieser Zeit bin ich anglophil

Nach meiner Rückkehr wurde ich vom Alltag gleich wieder eingeholt, es standen Arzttermine, Weihnachts– und Geburtstagsvorbereitung an. Einen Termin hatte ich noch bei meiner Diabetologin Frau Dr. Wagner, es ging um die Auswertung der letzten Blut– bzw. Urinuntersuchung und um die Folgeverordnung für die diabetische Fußpflege.
Die Laborwerte waren eigentlich ganz gut gewesen, aber nun hatte ich das erste Mal nach meiner damaligen Operation, erhöhte Leberwerte, aber noch kein Grund zur Beunruhigung meinte die Ärztin. Die Folgeverordnung für die medizinische Fußpflege bekam ich natürlich, es ist sehr wichtig für mich, vor allem, weil ich aufgrund des Bechterew mir die Zehennägel nicht schneiden kann, wenn ich es tue nur ›blind‹ und mit unmöglichen Verrenkungen. Jetzt muss sie die Krankenkassen nur noch genehmigen, man ist immer in Bewegung.
Als nächstes war die Infusion in der Charité fällig, es hatte sich jetzt in der Rheumaklinik schon eingespielt und ich habe wieder das Gefühl in guten Händen zu sein. Mit der Ärztin Frau Dr. Franz verstand ich mich gut und teilte ihr gleich das Problem mit den Leberwerten mit, auch hier waren bei der letzten Untersuchung diese leicht erhöht. Bisher erfolgte bei jeder Infusion eine Blutabnahme, das soll jetzt anders und vom Hausarzt gemacht werden. Mal sehen wie sich das entwickeln wird, sparen aller Orten. Ich teilte ihr auch das Ergebnis des Arztbesuches in der Hautklinik mit (Behandlung des Nagelpilzes mit Tabletten), aufgrund der Leberwerte einigten wir uns auf keine Behandlung, ich hatte ja im Anschluss noch einen Termin bei Dr. Lee, wenn ich rechtzeitig fertig werde. Dann erfolgten die üblichen Untersuchungen und erst wenn sie nix auszusetzen hat und ich bereit bin, wird der ›Cocktail‹ angemixt. Trotzdem soviel Zeit wie in der Studienabteilung ist nicht da, aber ich will mich nicht beschweren, bin froh, dass ich dort bin. Sollten sich irgendwelche Probleme mit den Blutwerten ergeben, wollte sich meine Ärztin bei mir melden.
Schwester Heidi, die beim letzten Mal noch so ihre Probleme mit dem Legen des Katheders hatte, schaffte es beim ersten Mal. Es ist ja nicht so wie beim Blutabnehmen, für die Infusion muss so ein klitzekleiner Schlauch in die Vene geschoben werden. In dem Zimmer sitzen dann immer drei bis vier Leute die die Infusion bekommen, aber Unterhaltung gibt es kaum, ich höre meine Vokabeln oder Grammatik im MP3 – Player.
Erst wird der Tropf langsam eingestellt, ist ja auch richtig, aber dann musste ich ihn etwas beschleunigen, damit ich noch den Termin beim Dr. Lee schaffe, Mutter und Sonja hatten sich zum Nachmittag auch zu Besuch angesagt, also Stress pur.
Doktor Lee aus der Hautklinik musste gesucht werden, wie immer eigentlich, aber er wird immer gefunden. Als er kam hatte er natürlich meine Akte nicht zur Hand und ich musste ihm erklären um was es geht, es ging ja um die Pilzgeschichte, ich übermittelte ihm die Entscheidung meiner Ärztin, mit der er voll einverstanden war. Danach zeigte ich ihm noch die Stelle auf dem Fußrücken, die trotz Salbe nicht abheilt, wir einigten uns dass ich jetzt nichts mehr auftrage. Im Februar vor der nächsten Infusion will er mich sehen und der Frau Professor vorstellen, er meinte es könnte eine Medikamentenallergie sein. Ich sputete mich nach Hause zu kommen.
Dann kamen schon die Vorweihnachtsbesucher aus Bautzen angereist, es war wie immer schön, mit kleiner Stadtrundfahrt und dem Besuch diverser Berliner Weihnachtsmärkte. Meine Mutter konnte ich schon beim letzten Besuch in Bautzen nicht dazu bewegen, Weihnachten bei mir zu bleiben. Der immer wieder vorgebrachte Einwand, es wäre ihr zu langweilig bei mir, also beschloss ich Weihnachten alleine zu bleiben und es mir gemütlich zu machen, inmitten meiner Weihnachtsdekoration. Denn zum Geburtstag sind sie sowieso alle wieder da.
Aber es gab in der Vorweihnachtswoche noch etwas Wichtiges zu erledigen, ich wollte gern das Problem mit meiner Krankenkasse geklärt haben, also rief ich dort an. Die Nachfrage, ob sich schon etwas mit der Nachzahlung bzw. dem neuen Beitragssatz geklärt hat, ergab ein negatives Ergebnis, also begab ich mich noch einmal zum zuständigen Sachbearbeiter im Grundsicherungsamt. Man muss ja trotz aller Probleme immer versuchen ruhig zu bleiben. Ich nahm mir vor, wenn er wieder nichts unternimmt, seiner Leiterin per E – Mail den Sachverhalt zu schildern, weil es für mich nicht nachvollziehbar ist warum man sich so verhält und am Ende eine Kündigung der Krankenkasse heraufbeschwört, denn die Arztrechnungen muss das Amt sowieso bezahlen, dann wird es noch teurer. Der Mitarbeiter meinte, er hätte mit der Krankenkasse gesprochen, so hörte es sich aber in meinem Gespräch mit der Kasse nicht an, erlaubte ich mir anzumerken. Er wollte abwarten, bis mein Widerspruch von der Kasse bearbeitet ist, es würde dem Amt viel Arbeit machen, erst zu bezahlen und dann eventuell das Geld zurückzufordern. Ich konnte es nicht nachvollziehen, was glaubt er denn warum er Arbeit hat um zu arbeiten dachte ich immer. Ich würde den Jahreswechsel ruhiger verbringen wenn ich wüsste es gibt eine Klärung, oder er möge mir eine Bestätigung für die Krankenkasse ausstellen, aus der hervorgeht, dass ich wiederholt beim Amt zum Sachverhalt vorgesprochen habe. Daraufhin meinte er, er könne das Geld unter Vorbehalt bezahlen, ehrlich gesagt mir war es egal, Hauptsache es wird bezahlt. Ich glaube er war nur faul, faul, faul.
Ich sollte einen neuen Bescheid zugeschickt bekommen, war mir aber nicht sicher ob er kommt, denn er versprach es schon zweimal. Ich erinnerte mich immer wieder an den letzten Jahreswechsel, als ich ohne Geld und Aussicht auf Klärung in meiner Wohnung saß.
Den Heiligen Abend, oder besser Nachmittag war ich mit der Berliner – Tante bei meiner Cousine und deren Sohn zum gemeinsamen Kaffeetrinken eingeladen. Den Dreien habe ich in den vergangenen Jahren auch einiges zu verdanken, es waren immer meine ersten Ansprechpartner, Helfer bei Problemen. Jetzt bin ich auf Hilfe nicht mehr so angewiesen, jeder muss sein Leben sowieso für sich leben und ich packe es momentan zumindest ganz gut. Einige neue Ansprechpartner sind auch dazugekommen. Auf den anschließenden Kirchgang habe ich aber verzichtet, das ist mir dann noch zu gewöhnungsbedürftig, außerdem beschloss ich Weihnachten keine Besuche mehr zu machen.
Depressionen kenne ich schon seit paar Jahren nicht mehr, deshalb habe ich Weihnachten auch kein Problem mit dem Alleinsein. Das Essen fiel nicht so üppig aus, wie es vielleicht an Weihnachten üblich ist, vor lag viel Arbeit. Ich wollte meine 1. London – DVD erstellen und musste mein Geburtstag am 27. vorbereiten.
Das Erstere gelang mir nicht, nach dem zigsten Programmabsturz gab ich entnervt auf und fluchte auf ›Pinnacle‹, werde mir wohl ein neues Programm zulegen, erst einmal sind ja alle Bilder eingescannt.
Das Zweite, die Geburtstagsvorbereitung gelang mir besser, ich hatte vor Weihnachten schon alles eingekauft, außer Baguettebrote. Aber am zweiten Feiertag nachmittags begann ich schon kleine Hackfleischbällchen, etwas über 100 Stück, zu braten, diese werden von meinen Gästen immer gern genommen. Kuchen brauchte ich nicht backen, der wurde aus Bautzen mitgebracht, obwohl Probleme hätte ich damit nicht.
Am Morgen meines Geburtstages kaufte ich 4 Baguettebrote, schnitt sie in Scheiben und belegte sie vielfältig, Getränke waren ebenfalls genug da und zumindest vom Essen ist nix übrig geblieben, also denke ich dass es allen gemundet hat. Man hat ja immer so seine Sorgen ob alles reicht, aber es war alles in Ordnung. Gekommen sind die, die sonst auch immer da waren, 11 Leute sind zusammengekommen, es war sehr gemütlich. Besonders gefreut habe ich mich, dass zum ersten Mal weiterer Besuch aus der Familie meiner Ex – Frau da war, meine Ex –Schwägerin, ihr Mann musste leider arbeiten.
Nach dem Geburtstag bekam ich noch den erwarteten Brief vom Versorgungsamt, mit der Bestätigung der Schwerbehinderung 70 Grad einschließlich Merkzeichen ›G‹. Der Schwerbehindertenausweis war jetzt gültig bis 01/2021, die Zahl wollte mir gar nicht so richtig in den Kopf, was wird da wohl sein, da liege ich bestimmt schon in Bautzen neben meinem Vater. Begründet wurde das mit folgenden Funktionseinschränkungen
a) Bechterew'sche Erkrankung mit Gelenkbeteiligung
b) Tablettenpflichtige Zuckererkrankung mit Folgeerkrankungen
c) Teilverlust des Dickdarmes, Afterschließmuskelschwäche
Ja so steht es geschrieben und damit hat das Versorgungsamt Recht. Besonders wichtig war für mich das Merkzeichen ›G‹.
Ich bekam noch einen noch eine Brief von meiner Ärztin aus der Charité mit den Laborwerten und es bestätigte sich, dass die Leberwerte nicht ganz so gut waren, sie meinte dass diese sicherlich auf Medikamente zurückzuführen sind und ich solle beim nächsten Besuch den Hausarzt informieren. Bin ja gespannt was sich daraus entwickelt.

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9. Erinnerungen, wieder Ärger, neue Glanzpunkte und ein erfüllter Traum
    
aus dem Jahre 2006

Ja, ich habe es getan und war am Brandenburger Tor aber nur bis 18.00 Uhr, denn dann wurde es voller und voller, alleine macht es auch nicht wirklich Freude. Den Rest des Abends verbrachte ich in meiner Wohnung, ich lege sogar Papierschlangen aus. Das gesamte Weihnachtszeug verstaue schon einen oder zweit Tage nach dem Geburtstag, es reichte und man freut sich wenn wieder Ordnung herrscht.
Mitternacht sah mir die ›Euroshow‹ an, also es sieht sehr schön aus, wenn die Geldscheine in Form von Raketen in die Luft fliegen. Um 01.00 Uhr schaute ich noch auf BBC das Feuerwerk in London an, die zentrale Stelle ist das BA LONDON EYE, es sah auch nicht schlecht aus und wenn man sich nun schon etwas auskennt noch besser.

Ein gedankliches Flämmchen keimte, wie wäre es einmal Silvester in London zu verbringen?

Natürlich dachte ich zum Jahreswechsel an das letzte Jahr zurück, mit Schrecken an die Situation am Anfang des Jahres. Ich konnte eigentlich richtig glücklich sein, wie nach dem verkorksten Jahresanfang, das Jahr doch noch einen positiven Verlauf nahm.
Ich war auch nicht faul in Punkto der Erhaltung meiner Beweglichkeit, der Bechterew zwingt mich dazu. Leider konnte ich mein Training auf dem Ergometer nicht konsequent das Jahr über durchhalten. Aber es sind immerhin 850 Kilometer und 46 Stunden zusammengekommen. Ein Vorsatz ist, wenn es gesundheitlich klappt, im dieses Jahr monatlich ca. 200 Kilometer abzustrampeln, Pausen lege ich nur am Wochenende ein.
Meine Wohnung war fast fertig renoviert, der Rest (Paneleinbau im Flur) erfolgt dieses Jahr, obwohl ich im April meine Leistungen beim Grundsicherungsamt neu beantragen muss. Ich hoffe nur, dass der Kampf um die Wohnung nicht wieder von vorn losgeht, wie haben ja eine neue Regierung im Amt.
Zwei Hauptstädte besucht oder drei wenn ich Berlin mitrechne, die Gesundheit spielte so einigermaßen mit, also konnte ich ziemlich zufrieden sein.

Seit vielen Jahren mal ein Jahresbeginn ohne Probleme?

Vorplanungen für 2006 machte ich auch, meine Mutter hat mir zum Geburtstag den traditionellen Obolus geschenkt, dafür habe ich mir einen Flug gebucht und wohin, natürlich nach London für den Mai. Mein Motto ›Spring at the Thames‹ ,wenn mich jemand fragt warum, »Weil ich es mir Wert bin!« ,den Anlass fand ich auch. Vor fünf Jahren im Mai begann eigentlich meine langsame Genesung, die Bestrahlung und die Chemotherapie waren vorbei, ich erholte mich in der Reha – Klinik in Kalbe an der Milde. Dort faste ich trotz der Diagnose Morbus Bechterew wieder Lebensmut, danach ging es schrittweise aufwärts.
Andere Menschen haben nicht so viel Glück wie ich, schaffen es nicht. Ich erfuhr mit Schrecken, dass die Sängerin Hanne Haller im vergangenen Jahr verstorben ist, ihre Lieder mochte ich sehr. Das hat mich besonders bewegt, weil ich sie vor zwei Jahren im Saturn Markt getroffen habe. Sie gab Autogramme, sah gut aus und wie wechselten einige Worte über die Geisel der Menschheit, beglückwünschten uns gegenseitig zum geglaubten Sieg über den Krebs. Dann nach nicht einmal zwei Jahren gibt es keine Rettung mehr für sie. Vieles bewegt mich nicht mehr so stark, aber wenn es um den verlorenen Kampf gegen den Krebs geht, da bin ich doch sehr emotional veranlagt. Ich bin mir natürlich auch bewusst, es gibt viele Menschen die ihn gewinnen oder verlieren, jeder hat sein ganz persönliches Schicksal zu meistern, nur von den ›Prominenten‹ erfährt man es. Wichtig ist, man muss nach vorn schauen und sich mit der Zukunft intensiv auseinandersetzten. Wenn es dann soweit ist, sollte man selbst und das Umfeld sagen können, der hat noch etwas aus dem Leben gemacht.
Als ich in der ersten Januarwoche vom Flugsimulantenstammtisch kam und im Briefkasten ein Schreiben meiner Krankenkasse vorfand, ahnte ich nichts Gutes. Ich glaub es geht schon wieder los, das Lied kann ich mir eigentlich in Stein meißeln lassen. Zumal es sich um eine so genannte förmliche Zustallung mit Postzustellungsurkunde handelte. Nach dem Öffnen bestätigte sich mein Gefühl auch, es war ein Brief vom Team Versicherungsrecht;
Beendigung Ihrer freiwilligen Krankenversicherung
hier: Ausschluss wegen Zahlungsverzug

Sonnabend gegen 15.00 Uhr, keiner ist zu erreichen, also stand mir wieder einmal ein Wochenende mit Grübeln bevor und mein Optimismus im neuen Jahr sank schon im Januar gegen ›Null‹ . Ich habe am Sonnabend nur die Überschrift gelesen und erst am Sonntag nahm ich mir das Schreiben noch einmal vor. Der wörtliche Inhalt war folgender;


Der Beitrag zur freiwilligen Krankenversicherung für den Monat 11/05 sind bisher nicht oder nicht vollständig entrichtet worden. Der Gesamtrückstand einschließlich dem Beitrag für 12/05 beläuft sich am 16.01.06 auf insgesamt
170,18 EURO
Nach § 191 Nr.3 Sozialgesetzbuch V endet die freiwillige Mitgliedschaft mit Ablauf des nächsten Zahltages, wenn für zwei Monate die fälligen Beiträge trotz Hinweises auf die Folgen nicht entrichtet wurde.
Zur Vermeidung des drohenden Ausschlusses zum 15.02.06 ist es zwingend erforderlich, dass Sie zumindest den Beitrag zur freiwilligen Krankenversicherung (ohne Pflegeversicherung und Nebenkosten) für den Monat 11/05 in Höhe von 17,06 EURO bis spätestens zum 16.01.06 entrichten.
Als Tag der Entrichtung der Beiträge gilt bei Zahlung durch Scheck, bei Überweisung oder Einzahlung auf eines unserer Bankkonten der Tag der Wertstellung zugunsten der Krankenkasse. Veranlassen Sie bitte daher die Zahlung rechtzeitig vor dem genannten Termin.
Zweite Seite Schreiben vom 05.01.2006 Sofern vorerst nur die Krankenversicherungsbeiträge eingezahlt werden können, weisen wir Sie darauf hin, dass die Beiträge zur Pflegeversicherung darüber hinaus fällig bleiben. Um weitere Gebühren und mögliche Vollstreckungsmaßnahmen zu vermeiden, bitten wir Sie, diese Rückstände mit der nächsten Beitragszahlung zu begleichen.
Entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen machen wir auch darauf aufmerksam, dass bei Erfüllung der Voraussetzungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB XII) die Übernahme von Krankenversicherungsbeiträgen durch den Sozialhilfeträger möglich ist. Ergibt sich der Zahlungsverzug aus finanziellen Schwierigkeiten, empfehlen wir Ihnen, sich mit uns wegen einer Zahlungsvereinbarung oder eines persönlichen Beratungsgesprächs – unbedingt vor Ablauf des genannten Zahlungstermins – in Verbindung zu setzen.
Ferner machen wir ausdrücklich darauf aufmerksam, dass bei einem Ausschluss die freiwillige Mitgliedschaft unwiderruflich in der gesetzlichen Krankenversicherung endet, d.h., auch bei einer anderen gesetzlichen Krankenkasse ist eine freiwillige Krankenversicherung dann nicht mehr möglich. Dies gilt auch dann, wenn der Beitrag nachträglich vollständig entrichtet wird. Gegen einen Bescheid über den Ausschluss aus der gesetzlichen Krankenversicherung wegen Zahlungsverzug ist die Einlegung eines Widerspruchs möglich. Wir weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass dieser nach den Vorschriften des Sozialgerichtsgesetz (SGG) keine aufschiebende Wirkung hat, da die sofortige Vollziehung im öffentlichen Interesse oder im überwiegenden Interesse eines Beteiligten liegt (§ 86a Abs. 2 Nr. 5 SGG). Sollte es in Ihrem Fall tatsächlich zum beschriebenen Zahlungsverzug kommen, so weisen wir schon jetzt darauf hin, dass die sofortige Vollziehung im Interesse der übrigen Versicherten (Solidargemeinschaft) angeordnet werden wird.
Freundliche Grüße


Trotz relativer geistiger Rege bekam ich den Inhalt nicht im Gehirn unter, vielleicht wollte ich es auch nicht. Deshalb beschloss ich Sonntag zu machen und mich am Montag erst beim Grundsicherungsamt und dann bei der Krankenkasse zu melden. Ich habe ja in den letzten fünf Jahren viel gelernt und bin mit allen möglichen Problemen fertig geworden, aber was ich nicht kann, Probleme einfach wegzudenken, sie sind immer präsent. Denn ein Ausschluss mit allen seinen Folgen wäre für mich das Schlimmste was passieren kann. Ich verfluchte meinen Bearbeiter im Grundsicherungsamt, den ich seit Oktober diesbezüglich mehrmals ansprach. Was geht in den Köpfen der Leute eigentlich vor, wissen die denn gar nicht, dass es um Menschen und deren Existenz. Ich hatte doch tatsächlich, am 27. Dezember, einen neuen Bescheid vom Grundsicherungsamt bekommen, daraus geht hervor, dass die neuen Beitragshöhe und die Nachzahlung erfolgt sind.
Am Montag rief ich meinen Bearbeiter an und fragte nach, er reagierte sofort, genervt und gereizt. Er meinte es ist sicherlich eine Überschneidung, mein Hinweis auf einen drohenden Ausschluss bewegte ihn auch nicht sonderlich. Die Nachfrage wann das Geld überwiesen wurde konnte er definitiv nicht beantworten, für ihn war die Sache damit erledigt, es geht ja hier nur um Menschen. Ich überlegte schon ob ich mich weiter wenden sollte, an seine Leiterin oder an den Petitionsausschuss, aber dann dachte ich mir, dass ich auf diesen Menschen sicherlich nicht das letzte Mal angewiesen bin, man muss als ›Abhängiger‹ immer genau abwägen.
Danach rief ich in der Krankenkasse an, zum Glück war die Briefschreiberin nicht da, zu ihr finde ich einfach keinen ›Draht‹ , also sprach ich mit einer anderen, in der Hoffnung, dass die Zahlung eventuell schon eingegangen ist, aber ich erhielt eine negative Antwort und ich soll mich am Mittwoch noch einmal melden. Wieder war warten angesagt.
Das Leben geht aber trotzdem weiter und deshalb nahm ich meinen Termin zur diabetischen Fußpflege wahr, die Weiterbewilligung wurde mir von der Krankenkasse genehmigt. Die neue Fußpflegerin arbeitet sehr gewissenhaft, es dauerte fast ein Stunde, der Wechsel war eine richtige Entscheidung, aber nicht wegen der Qualität, sondern aufgrund des kurzen Weges. Die Physiotherapie Wagner zu der auch die Fußpflegepraxis gehört kann ich zu Fuß erreichen und die Chefin freut sich über einen neuen Kunden. Meine ehemalige Podologin kann es verschmerzen, sie war mir auch nicht böse, dass ich den Wechsel vollzogen habe.
Bis Mittwoch drehten sich die Gedanken nur um den Ausschluss. Einen Notfallplan legte ich mit natürlich zurecht und wollte die geforderte Summe aus der eigener Tasche bezahlen, obwohl ich nicht wusste, ob ich das Geld dann jemals zurückbekomme. Ich wäre dann sofort zum Hauptsitz meiner Krankenkasse gefahren um die Bezahlung zu tätigen, denn eine Überweisung wäre vielleicht nicht mehr pünktlich angekommen, was dann passiert, steht eindeutig im Schreiben. Verwundert war ich, dass hier ein Hinweis enthalten ist, dass ich mich wegen der Zahlung an den Sozialhilfeträger wenden kann. Weiß denn die Krankenkasse nicht wer meine Beiträge bezahlt?
Am Mittwoch rief ich wieder an, diese Mal war die Briefschreiberin selbst am Telefon, meine Nachfrage über den Zahlungseingang war positiv, was mir emotionslos mitgeteilt wurde, ich konnte gerade noch nachfragen, ob sich nun alles erledigt hätte und ob der Beitrag in der richtigen Höhe überwiesen worden ist, da war das Gespräch genau so emotionslos beendet. Vorher erfuhr ich noch, dass die Nachzahlung und auch der neue Beitragssatz in der entsprechen Höhe gezahlt wurde. Ich hätte jetzt ein Guthaben von einigen EURO, deshalb werde ich vorerst nichts unternehmen.
Ich glaube die Kasse wäre ganz froh, wenn sie mich nicht mehr hätten, so ein Gefühl beschleicht mich jedenfalls, Gefühle kann man ja mal äußern.
Dieses Problem hat mir wieder einmal anschaulich und in aller Deutlichkeit gezeigt, es löst sich nichts von selbst. Man sollte sich auch nicht von den Ämtern abwimmeln lassen, denn wenn ich nicht im Dezember zum dritten Mal beim Grundsicherungsamt auf die Lösung gedrungen hätte, wäre es nicht so positiv ausgegangen. Man muss immer höllisch aufpassen, dass man nicht zwischen die Mahlsteine der Ämter oder Behörden gerät und ich muss immer wieder an die Menschen denken, die nicht in der Lage sind, aus welchem Grund auch immer, sich zu helfen.
Es gab aber auch eine positive Nachricht, der neue Schwerbehindertenausweis kann angefordert werden, ich brauchte nur ein Lichtbild hinschicken und innerhalb weniger Tage hatte ich den ›Neuen‹ in der Hand, mit der Bestätigung der Behinderung von 70 Grad und dem Merkzeichen ›G‹ wegen ›erheblich gehbehindert‹. Wenn man, wie ich, keine Steuern bezahlt, ist der Grad der Behinderung nicht so wichtig, aber das Merkzeichen schon, man bekommt die Jahreskarte für den öffentlichen Personennahverkehr für 60 Euro, zuzüglich freie Fahrt in den Regionalzügen im Umkreis von 50 Kilometern. Da ich aber Sozialleistungen erhalte brauche ich für die Jahreskarte nichts bezahlen und das hilft mir ungemein. Dazu kommt, dass ich auf das Merkzeichen noch einen Mehrbedarf vom Grundsicherungsamt bekomme.
Ich bin mir hier allerdings nicht ganz sicher, ob ich diesen wegen der Erwerbsunfähigkeit, des Merkzeichens oder nur wenn beides zutrifft. Es ist mir auch irgendwie egal, Hauptsache ich bekomme ihn. Ich werde, so wie es aussieht wegen der Gültigkeit keine Probleme mehr bekommen, denn der Ausweis ist bis zum Jahre 2021 gültig, eine Zahl die in mein Gehirn nicht hineinpasst und Realist bin ich ja auch.
Belogen habe ich das Grundsicherungsamt hinsichtlich der häufigen Arzttermine nicht, innerhalb der ersten 14 Tage im Februar standen fünf Arzttermine an.
Bevor ich den Termin beim Hausarzt wahrnahm, habe ich die ›Chemie‹ (Blutbild) machen lassen. Ich wusste gar nicht, dass die Ärzte auch nur ein bestimmtes Kontingent haben um Laboruntersuchungen machen zu lassen, nur durch die Eingabe einer entsprechenden Verwaltungsnummer geht es nicht vom Kontingent, dazu hatte ich extra von der Rheumaklinik der Charité ein Schreiben mitbekommen. Das Ergebnis der Untersuchung war so wie bisher, die Leberwerte waren geringfügig erhöht. Es machte meinem Hausarzt keine ernsthaften Sorgen, er empfahl mir eine Ultraschalluntersuchung machen zu lassen. Er übergab mir auch noch den Befund der Schilddrüsensonografie, aus dem hervorging, dass sich die Knoten nicht vergrößert haben, nächste Kontrolluntersuchung im Herbst des Jahres.
Die nächsten beiden Termine waren an einem Tag, Vormittag bei der Neurologin und am Nachmittag bei der Diabetologin, bewaffnet mit den Laborwerten ging ich zu den Ärztinnen.
Die Neurologin verwies gleich darauf, dass es am Gabapentin nicht liegen könne, es wird nicht über die Leber abgebaut. Heute stand auch die noch die Untersuchung der Nervenleitbahnen auf dem Programm, diese ergab keine Verschlechterung zum Jahre 2003. Die Messung ist nicht wirklich angenehm, aber alle 2 bis 3 Jahre, auszuhalten. Die Schmerzen in den Füßen sind immer noch da, werden wohl nicht mehr weggehen, trotz der Einnahme der Medikamente, sie meinte zwar die Dosis ist noch nicht ausgeschöpft, ob die Medikamente helfen kann ich auch nicht so richtig einschätzen. Die beste Hilfe gegen die Schmerzen habe ich, wenn ich nicht daran denke, wie jetzt zum Beispiel, wenn ich am PC sitze und schreiben. Da war doch vor vielen Jahren schon einmal etwas mit dem Kopf!
Nachmittag bei meiner Diabetologin, wieder so ein Glücksgriff, gab es nicht viel auszusetzen, die Leberwerte nahm sie auch nicht so tragisch, gegenüber ihrer Untersuchung im vergangenen Jahr haben sie sich sogar verbessert. Der HbA1c (Langzeitwert) war 5,8 mmol/l und der aktuelle Wert 4,9 mmol/l also keine Besorgnis angesagt, obwohl ich eigentlich den Diabetes bei meiner Ernährung nicht vordergründig beachte, vielleicht liegt es ja auch an der Bewegung, die Benutzung des Ergometers, dass die Werte relativ gut sind.
Immerhin habe ich in den letzten zwei Jahren, seit März 2004 insgesamt 2600 Kilometer abgestrampelt, dabei ca. 10 000 Kalorien verbraucht und 140 Stunden auf dem Gerät gestrampelt. Das sind so meine Erfolgserlebnisse und wenn man den inneren ›Schweinehund“ überwunden hat, ist es eigentlich kein Problem. Jetzt bin ich am überlegen, ob ich mir einen Crosstrainer zulege, um auch die Schultern mit in die Bewegung einzubeziehen. Bei meiner Diabetologin ließ ich mir auch den Antrag auf kostenaufwendige Ernährung bestätigen um auch hier in den Genuss des Mehrbedarfs zu kommen.
Die beiden letzten Termine, Hautklinik und Rheumaklinik in der Charité, fanden ebenfalls an einem Tag statt.
Zuerst war ich bei Doktor Lee in der Hautklinik, er brauchte heute nicht lange gesucht werden, aber meine Akte hatte er wieder nicht dabei, ich bin mir auch nicht so sicher ob er den Termin im Plan hatte. Die Stelle auf dem Fußrücken sah ganz vernünftig aus wie er meinte. Er sprach wieder von einer eventuellen Arzneimittelallergie und wollte diese durch einen Allergietest abklären, dass hätte für mich bedeutet, drei wochenlang jeden Tag mich vorzustellen, diese tägliche Berlindurchquerung wollte ich mir nicht antun. Wir einigten uns, dass ich wenn es schlimmer wird wieder vorbei komme, die anderen Stellen am Körper und auf dem Kopf habe ich ja auch in den Griff bekommen. Ich persönlich bin der Meinung, dass es an den Medikamenten gegen die TBC lag, die ich am Anfang der Remicadetherapie neun Monate einnehmen musste. Der Frau Professor wurde ich nicht vorgestellt. Er gab mir dann noch eine Hand voll Salbentuben und ich verabschiedete mich.
Danach ging ich in die Rheumaklinik zur Remicadetherapie, es geht jetzt hier etwas geordneter zu, also es herrscht eine Arbeitsteilung zwischen Schwester und Ärztin. Die administrativen Sachen, wie das Ausfüllen der Fragebögen, die Vermessung der Beweglichkeit, Blutabnahme und der Anschluss an die Infusion wird von Schwester Carola oder Kerstin durchgeführt, auch die kenne ich schon vom Aufenthalt in der Tagesklinik im Jahre 2002.
Meine Ärztin Frau Doktor Franz sah das mit den Leberwerten auch nicht so tragisch, wir vereinbarten eine Ultraschalluntersuchung. Sie erwägte auch mich auf Hepatitis C Erreger untersuchen zu lassen, die Halswirbelsäule sollte noch einmal röntgen werden, um eventuell gezielte physiotherapeutische Maßnahmen einzusetzen. Ich verspürte in der letzten Zeit vermehrt Schmerzen beim Laufen im Kreuzbein, deshalb ließ ich mir noch paar Tropfen verschreiben, welche die nicht auf die Leber gehen. Sie war übrigens auch der Meinung, dass die erhöhten Werte nicht an der Infusion liegen können.
Danach erfolgte die Infusion, die zwei geplanten Stunden waren schon wieder in 1 ½ Stunden vorbei, man kennt sich ja aus, ich überholte sogar einige im Raum. Dabei lernte ich English und brauchte mir dadurch die Sätze eines ›Schuld auf die Ärzte‹ abschiebenden Menschen bis zu einen bestimmten Zeitpunkt nicht anhören. In seiner Familie gab es alle erdenklichen Krankheiten, Todesfälle und immer waren die Ärzte schuld, als es mir zu viel wurde musste ich doch paar Sätze sagen, erzählte über meine Krebserkrankung und die Genesung, fortan verstummte er mit seinen Geschichten und ich konnte wieder Englisch lernen.
Danach holte ich mir den Termin in der Inneren Medizin für den Ultraschall und zum Röntgen ging ich gleich. Auf der Heimfahrt hatte ich so meine Mühe rechtzeitig in die Wohnung zu kommen, die Hosen konnte ich gerade noch so runterziehen, vielleicht sollte ich die Zeit bei der nächsten Infusion einhalten und kein ›Wettrennen‹ machen.
Da meine Grundsicherung immer nur für ein Jahr genehmigt wird, musste ich sie, das heißt zwei Monate vor Ablauf Ende April, neu beantragen. Der Antrag ist ein Blatt und ich brauchte nur die geforderten Unterlagen beibringen, also ging ich Mitte Februar zum Grundsicherungsamt und erlebte eine Überraschung.
Es gab einen Aushang, dass die Grundsicherung ab März 2006 dem Sozialamt zugeordnet wird. Ab dem 13.02.2006 gibt es keine Sprechstunden mehr, ich war am 14. Februar dort, prima dachte ich bei mir, der ganze Ärger Anfang 2005 für umsonst gewesen, hoffentlich erlebe ich nun nicht noch einmal diese Prozedur. Da ich wusste wo mein Bearbeiter saß, bin ich trotzdem hingegangen und habe ihm den Antrag abgegeben. Der Antrag wird geprüft, er nahm ihn zumindest entgegen. Wer mein neuer Bearbeiter ist wusste er auch nicht, nun hieß es wieder warten, warten, warten.
Nun ist die Grundsicherung also wie in allen anderen Bezirken in Berlin aus dem Wohnungsamt ausgegliedert und dort angesiedelt wo sie als Sozialleistung hingehört, der Wunsch des einzelnen Herrn, des Bürgermeisters, hat sich nicht erfüllt, dass hier Menschen dranhängen wird dabei oftmals nicht beachtet. Da wir keine Lobby haben wird es wohl ewig so weitergehen. Da fällt mir manchmal diese unsinnige Werbung im Fernsehen ein, wo gut bezahlte Menschen mir einreden wollen, ›Du bist Deutschland!‹ ich weiß gar nicht wer sich solchen Schwachsinn ausdenkt, ja wenn ich soviel Geld hätte, dann fiele es mir nicht schwer Deutschland zu sein. So steht in meine Situation die Antwort fest.
Der der Monat war noch nicht zu Ende, ich habe schon soviel Ausgegeben, dass mich von der Zuzahlung befreien lassen konnte. Ich suchte die Servicestelle meiner Krankenkasse, der IKK auf, dort wird die Stimmung von Mal zu Mal, eisiger, kundenunfreundlicher und bürokratischer, zumindest an dem Tag kam es mir so vor. Gewissenhaft wie ich bin hatte ich alle Unterlagen dabei, Einkünfte konnte ich keine angeben, legte aber meinen Grundsicherungsbescheid vor, sofort wurde das von der ›freundlichen‹ Dame angezweifelt, so etwas gibt es nicht meinte sie ernsthaft, ich kam mir als Betrüger abgestempelt vor. Ich versuchte zu erklären, warum das so ist, dann fand sie noch einen ›Krümel‹ im Grundsicherungsbescheid und war vollkommen außer sich.
Dort stand nämlich, dass die Nachzahlung der Krankenkassenbeiträge nur unter Vorbehalt geschieht, weil der Widerspruch noch nicht beantwortet ist. Daraufhin hielt sie mir einen Vortrag, dass Widersprüche beantwortet werden müssen, als ich ihr sagte, dass es sich hierbei um einen Widerspruch meinerseits gegen ihre Krankenkasse handelt, war das Zerwürfnis perfekt. Sie kopierte die Unterlagen, meine Erklärungsversuche blieben ungehört, denn sie wandte sich anderen Tätigkeiten zu. Sie meinte nur noch, sie wird es zur Prüfung weiterleiten.
Zum Glück gab es noch ein erfreuliches Ergebnis an diesem Tag, meine Berliner Tante hatte Geburtstag und wurde 85 Jahre alt. Das war die offizielle Feier und die mit der Familie erfolgte am Wochenende in Königs Wusterhausen bei Berlin. Vor fünf Jahren gab es hier ebenfalls die Nachfeier, da lebten allerdings noch mehr Personen, die Zwillingsschwester meiner Tante, noch eine Tante aus Bautzen und mein Vater, ich war in der letzten Phase meiner Chemotherapie. Es gibt eben immer wieder Punkte im Leben wo es gilt innezuhalten um nachzudenken und mit zunehmenden Alter werden diese nicht weniger.
Ich entschloss mich, dieses Jahr seit vielen Jahren, nicht zum Geburtstag meiner Mutter zu fahren, ich hatte einfach keine Stimmung gehabt und die Gesundheit. Es gibt neben den Leberwerten noch ein Problem, was mich zunehmend beschäftigt, es sind diese Geräusche im Kopf vor allem nach dem wach werden und mein linkes Auge macht mir auch kleinere Probleme, wie so eine Vorstufe der Iritis.
Den Termin bei der Augenärztin habe ich schon geholt, es dauert aber drei Monate und so akut ist es noch nicht, aber ich will eventuell den Arzt wechseln.
Das mit dem Kopf bin ich ja schon einmal angegangen, hat aber nix gebracht, das Problem will ich mit dem Hausarzt beim nächsten Besuch besprechen.
Von der Charité bekam ich den Befund der über die Hepatitis, also kein Nachweis, keine Antikörper, so richtig bin ich nicht schlau geworden und auch den Befund von der Halswirbelsäule war dabei, aber kein Wort meiner Ärztin, also denke ich es ist keine Gefahr im Verzug, auch dass wird mir der Hausarzt erklären müssen.
Nach der Abgabe des Antrages zur Zuzahlungsbefreiung hörte ich nach einer Woche immer noch nichts von meiner Krankenkasse. Ich hatte mir schon einen ›bösen‹ Brief ausgearbeitet, aber auch hier, muss ich vorsichtig sein, denn ich brauche die Kasse und die mich nicht, weil ich sowieso durch meine Krankheiten ein Verlustgeschäft bin.
Nach einer reichlichen Woche bekam ich ein Brief von der Kasse, endlich dachte ich so bei mir, beim Lesen aber verschlug es mir dann doch die Sprache, es war schon wieder eine Mahnung, dass ich mit der Beitragszahlung im Rückstand bin und der Hinweis über den Ausschluss war auch wieder enthalten. Es kotzt mich nun langsam an.
Ich kann es mir nicht erklären und habe ja auch keinerlei Einblick in die Zahlungsmodalitäten, weil diese ja vom Amt direkt überwiesen werden.
Drei e – Mails erstellt und versandt;
  eine an das Grundsicherungsamt bzw. Sozialamt, die aber erst am 06.03 2006 wieder arbeitsfähig sind,
  eine an die Servicestelle der Krankenkasse, mit einem höflichen Schreiben zur Gewährleistung der Zuzahlungsbefreiung und
  eine an die Beitragsstelle der Krankenkasse, mit der Bitte um Begründung.
Eine Antwort erhielt ich am nächsten Tag von der Servicestelle der Krankenkasse, in der mir mitgeteilt wurde, dass die Zuzahlungsbefreiung in den nächsten Tagen eingeht. Die kam schon am darauf folgenden Tag, aber die Befreiung geht nur bis Ende April, na gut ist nachvollziehbar, weil die Grundsicherung Ende April ausläuft. Im letzten Jahr war es nur ein vorläufiger Bescheid, ebenfalls begrenzt bis April, aber da bekam ich die Befreiung für das ganze Jahr, also ist bald wieder eine Vorsprachen notwendig, macht ja auch Spaß bei dieser Freundlichkeit. Trotzdem eigenartig, erst musste ich nachfragen bevor sich etwas rührte, kann ja auch ein Zufall sein.
Auf die anderen beiden Mails bekam ich keine Antwort, die Krankenkasse meldete sich auch nicht noch einmal.

So hat sich meine Euphorie vom Jahresanfang schon etwas relativiert.

Anfang März, genauer am ersten Tag, war mein Ultraschalltermin in der Charité, diese Untersuchung ergab keine besonderen Auffälligkeiten der Organe im Bauchraum, na ja, etwas verfettet ist die Leber schon und wegen der Luft im Bauch war nicht alles einsehbar, aber fast ausgeschlossen sind Metastasen. Mein Hausarzt war mit dem Ergebnis zufrieden und die große Hauptuntersuchung, der TÜV des Menschen, erfolgt erst im November bei meiner Onkologin im MZL des Sana Klinikums in Lichtenberg und der TÜV des Autos im Dezember.
Der Monat März war ansonsten ein ruhiger Monat gewesen, in den letzten Tagen im Monat stieg ich am S – Bahnhof Schöneweide um, auf den Bahnsteig, dachte ich so bei mir, eigentlich müsstest du dich ja wieder einmal bei deiner Betreuerin von der Krebshilfe sehen lassen. Warum ich gerade hier daran dachte, hat einen Grund, vor einiger Zeit trafen wir uns nämlich auf dem Bahnsteig zufällig und just in dem Augenblick kam sie mir wider entgegen gelaufen, was für ein erneuter Zufall. Dies Frau hat mich eigentlich den ganzen Weg nach der Erkrankung begleitet und ich habe großes Vertrauen zu ihr aufgebaut, obwohl ich sonst eher nicht so bin. Aber sie war der erste Ansprechpartner nach der Operation, konnte mir viele Tipps geben und stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite, hat mit mir gelitten, wenn es Probleme gab.
Das Verhältnis beschreibe ich für mich so, sie war der Mensch der nach der ›Wiedergeburt‹ ,also nach erfolgter Operation in mein Leben trat und mein Vertrauen gewann. Darüber war und bin ich sehr froh, denn ich kam mir damals, trotz meiner Familie, ziemlich hilflos und schwach vor. Mein Selbstvertrauen lag am Boden, ich wusste nicht wirklich, wie es weitergehen soll. Es gibt auch Dinge da kann eine noch so intakte Familie nicht helfen.
Also trafen wir uns und fuhren paar Stationen mit der gleichen S– Bahn, ich berichtete ihr über die letzten Probleme mit den Ämtern und verabredetet mit ihr, gleich wenn ich vom Sozialamt den neuen Bescheid bekomme, bei ihr vorzusprechen, um die Befreiung von den Rundfunk – und Fernsehgebühren  bei der GEZ zu beantragen.
Ich glaubte es kaum, als ich Anfang April Post vom Sozialamt bekam, da macht sich immer wieder Beklemmung breit und ich stellte mir die Frage, »Was wird es wohl jetzt wieder für ein Problem geben?« ,aber nein, freudig las ich
Bescheid
Über die Gewährung von laufenden Leistungen nach dem vierten Kapitel des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII)
Sehr geehrter Herr Ullmann
unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse erhalten Sie für nachfolgend aufgeführte Person
Ullmann, Henry *27.12.1948
Leistungen ab dem 01.05.2006 bis 30.04.2007.
Keine Nachfragen zur Wohnung,
der Mehrbedarf gemäß § 42 Nr. 3 SGB XII
– wegen Erwerbsunfähigkeit und
– Kostenaufwendiger Ernährung
war ebenfalls dabei.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen im Sozialamt einmal nachzufragen, was die Unterhaltsforderung gegenüber meiner Ex – Frau macht, aber noch ist es mir egal und ich wollte keine ›schlafenden Hunde‹ wecken.
Das war doch etwas positives, ich holte mir sofort einen Termin bei meiner Betreuerin, um die Befreiung bei der GEZ noch rechtzeitig  zu bekommen. Der Besuch bei ihr dauerte ca. eine Stunde und wir sprachen über viele Probleme, auch über meine vergangene Englandreise. Sie war auch in der Lage den Bescheid der Sozialhilfe zu beglaubigen, nur ein Problem gab es noch, die Beantragung des Sozialtarifs bei der Deutschen Telekom, das geht nur wenn der Befreiungsbescheid der GEZ vorliegt. Also bin ich wieder abhängig und warte, ob dieser Bescheid pünktlich kommt.
So ist das nun einmal, wenn man von den Ämtern abhängig ist und leider keine Lobby hat, es bleibt immer etwas Ungeklärtes im Gedächtnis hängen. Damit werden eben auch die Kranken aktiv gehalten, manches Mal vielleicht gar nicht so schlecht, bloß ich denke hier an die Menschen, die, aus welchem Grund auch immer, nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen.
Der Bescheid vom Sozialamt bedeutete auch, dass ich meine Befreiung von der Zuzahlung, bei der Krankenkasse bis zum Jahresende verlängern lassen konnte. Ich hoffte nicht wieder an diese ›freundliche Dame‹ im Servicecenter zu geraten. Aber es war eine andere, wirklich freundliche Mitarbeiterin und ich bekam meine Befreiung sofort ausgedruckt und zwar bis zum Jahresende, es geht doch, wieder ein Problem geklärt.
Nun konnte ich mich endlich wieder einmal meiner Website widmen, denn es gab einiges aufzuarbeiten. Die Seite über das letzte Klassentreffen im Jahre 2004 wollte ich fertig stellen, dazu mussten alle Bilder eingescannt werden, einige Probleme bei der Zuordnung von Bild und Person ergaben sich dennoch, ich hoffe niemand verwechselt zu haben. Die Bilder will ich nun von Zeit zu Zeit auszuwechseln um den Webspace nicht unnötig zu belasten, denn auch der kostet Geld und ich habe auch noch ein paar andere Projekte die ich unterbringen will.
Damit bin ich gleich beim nächsten Thema, die Erlebnisse über meine Reise nach London (Adventshopping in London), Ende 2005, wollte ihn unbedingt noch vor der nächsten Reise aufschreiben. Was ich mir vornehme klappt in der Regel auch, nun stehen sie im Netzt. Als nächstes sind dann die dazugehörigen Fotos für die Bilderseite dran, ich hoffe, dass es einen schönen Sommer gibt und ich auf dem Balkon, inmitten meiner Blumen dazu komme. Eine längere Mail steht auch noch im Plan, an einen lieben Mailkontakt, zumal sie in Stralsund bei der Qualifizierung auch hin und wieder eine Aufmunterung braucht.
Ostern wollte ich in diesem Jahr wieder einmal in Bautzen verbringen, also in der eigentlichen Hochburg der Osterbräuche, doch zuvor hatte ich noch meine Infusion in der Rheumaklinik der Charité zu bekommen. Darüber, dass ich keine Laborwerte mit hatte war Schwester Beate gar nicht so erfreut, aber was soll es, ich werde auch zukünftig nur jedes zweite Mal, diese vom Hausarzt mitbringen. Manchmal interessiert es auch keinen.
Nach wie vor kann ich mir den Eindruck nicht erwehren, in der ›Neuen Therapien‹ war es besser, es läuft hier, direkt in der Tagesklinik, alles etwas hektischer ab. Meine Ärztin Frau Dr. Franz war auch nicht anwesend und ich habe es nicht so gern, wenn ich immer neue Ärzte bekomme. Die Vertretung, stand überhaupt nicht im Stoff, zu allem Unglück war ich auch noch der erste ›Erste Kunde‹ .Deshalb erfolgte auch keine tiefgründige Auswertung der letzten Befunde (Sonografie, HWS – Röntgen), ich habe es auch nicht gewollt. Denn wenn ich den Befund über die Halswirbelsäule lese, kann ich mir ungefähr vorstellen, wie sich das weiter entwickeln wird, deshalb werde ich hier bei der nächsten Infusion noch einmal nachfragen. Sicherlich hängen auch die Geräusche im Kopf bzw. im Ohr damit zusammen, aber keiner kümmert sich darum. Der Termin bei einer HNO Ärztin ist leider erst im Juli.
In dem Raum, wo die Patienten die Infusion bekommen, trifft man immer wieder die unterschiedlichste Menschen an, dieses Mal braucht ich meinen MP3 – Player gar nicht erst einstöpseln, denn es entwickelte sich sofort, ein Gespräch. Ich konnte feststellen, es gibt Menschen, denen es mit dem Bechterew noch viel schlechter geht als mir. Ungewöhnlicherweise mussten heute sogar Patienten auf die Infusion warten, weil nicht alle im Zimmer Platz hatten, da sollte man zukünftig doch etwas mehr Wert auf die Terminvergabe legen.
Zu Ostern habe ich dann wie geplant, meine Familie in Bautzen besucht, dass Wetter war nicht so überwältigend, aber trotzdem wurde viel unternommen, zwei Mal Doppelkopf gespielt und das eingezahlte Geld wurde beim gemeinsamen Abendbrot der Mitspieler ausgegeben. Dazu wählten wir, wie schon so oft, die gemütliche Gaststätte ›Goldenen Höhe“ in Rabitz, die sich vor allem im guten Essen, Bier und Bedienung auszeichnet.
Am Karfreitag erfolgte unser gemeinsamer Osterausflug nach Moritzburg bei Dresden, Mutter, meine beiden Schwestern, Schwager und die Tochter meiner älteren Schwester mit Freund. Leider war hier das Wetter ebenfalls nicht besonders, es regnete häufig, trotzdem, die Zugfahrt mit der Kleinbahn (Löcknitztalbahn) war schön, wir waren natürlich nicht die einzigen Ausflügler, die diese Idee hatten. Ein ›schauerhafter‹ Spaziergang zum Schloss Moritzburg, mit anschließendem Mittagessen in einer gemütlichen Gaststätte rundete den Ausflug ab.
Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Abstecher nach Kötschenbroda, wo es Kaffee und Kuchen gab und einen Blick auf das gerade abgezogene Elbehochwasser. Fieberhaft versuchte sich die ganze Familie im Absingen des berühmten ›Ostliedes‹, ›Verzeihung mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötschenbroda‹. Es kamen die verschiedensten Melodien und Texte heraus, bis wir an einer Gaststätte ihn lesen konnten, aber mit der Melodie hatten wir trotzdem unsere Probleme und waren zwischendurch auch schon einmal bei Udo Lindenberg mit dem ›Pankower Sonderzug‹ gelandet.
Am Sonnabend schlug das Wetter um, ein sehr schönen Tag, ich erledigte paar kleinere mir mögliche Arbeiten bei Mutter in Haus und Garten. Am Donnerst ließ ich mir ein Jackett in einem Einkaufscenter in Bautzen zurückhängen. Die Problematik beschäftigte mich den ganzen Sonnabend, manchmal lässt eben meine Entschlusskraft, besonders in solchen Sachen, sehr zu wünschen übrig, aber das muss ja nicht immer eine schlechte Eigenschaft sein. Ich nervte Mutter immer wieder mit der Frage, »Soll ich noch einmal gucken, ob es noch da ist, wenn nicht, hat es sich sowieso erledigt?« Ich hatte nämlich nur meine Winterjacke mit, da es so warm war, trieb es diesen Gedanken immer wieder hoch, ein Jackett wollte ich mir für meine nächsten Unternehmungen sowieso kaufen. Einige Zeit nach dem Kaffeetrinken, so gegen 17.00 fasste ich den Entschluss, es zu kaufen.
Um diese Zeit ist in der Bautzener Gegend das Osterschießen schon im vollen Gange, das Osterschießen wird noch heute vorwiegend im Oberland der Lausitz praktiziert. Seinen Ursprung hat der Brauch im Aberglauben. Damals glaubte man, mit Krach, Knallerei und Lärm böse Geister, Hexen und andere Unholde zu verjagen. Geschossen wird heute noch nach alter Tradition mit selbstgebauten Karbidkanonen. Ich kenne diesen Brauch noch aus meiner Kindheit, wir ›Kleinen‹ hatten uns Blechbüchsen mit Deckel und Zündloch organisiert, dahinein kam Karbid, dann wurde drauf gespuckt, der Deckel aufgedrückt und mit einem Streichholz das Gas am Loch entzündet. Später hatten wir auch Milchkannen vom Bauern im Einsatz, durch das Gas wird ein unheimlicher Druck erzeugt, der den Deckel unter lautem Knall einige Meter fliegen ließ.
Auch mein Vater, stand mir in jüngeren Jahren in solchen Sachen immer hilfreich zur Seite, er war ein praktischer Mensch, so wollte auch ich sein und deshalb lernte ich den gleichen Beruf. Er war es auch, der mir als Kind das Eislaufen beigebracht hat. Das Problem für mich war, dass der Dorfteich in Auritz im Dezember schon unter Wasser stand, aber das Geburtstagsgeschenk, die Schlittschuhe, mussten trotzdem ausprobiert werden und somit lernte ich schnell das Schlittschuhlaufen, also auch früher war es im Dezember nicht immer kalt.
Meine Mutter entschloss sich spontan mit zum Jackettkauf zukommen und damit schließt sich der Kreis wieder. Wir nutzten den Kauf und die österliche Stimmung um dem Grab meines Vaters einen Besuch abzustatten. Ich gehe jedes Mal wenn ich in Bautzen bin an sein Grab, weil hier auch schon ein Platz für meine Urne eingeplant ist. Meine Mutter hatte das Grab schon für das Frühjahr hergerichtet und wir legten noch einen Blumenstrauß nieder, nun werden es bald fünf Jahre, seit Vater tot ist, sicherlich hätte es dieses Jahr eine große Feier anlässlich seines 80. Geburtstages gegeben, denn ein Kind von Traurigkeit war er nicht gewesen. Meine Mutter, so meine Meinung und die der Familie, hat den Tod ihres langjährigen Ehepartners, zumindest nach außen hin, gut verkraftet.
Nun hatte ich mein neues Jackett, leider war am nächsten Tag, Ostersonntag, kein Jackenwetter. Mutter lud mich zur Osterfahrt der Bautzener Rentner ein, zuerst ging es nach Ralbitz und Wittichenau zu den Osterreitern, zu meiner Schande muss ich gestehen, als gebürtiger Bautzener habe ich diese Prozession noch nie gesehen.
Der Brauch des Osterreitens stammt aus vorchristlicher Zeit. Damals sollten Feldumritte die junge Saat vor Schaden bewahren und eine gute Ernte erzielt werden. Heute wird das Osterreiten in allen sorbisch – katholischen Gemeinden gepflegt. Am Ostersonntag verkünden Männer in Zylinder, Gehrock, Reithosen und Reitstiefeln auf besonders geschmückten Pferden laut singend und betend die frohe Botschaft über Christi Auferstehung. In der Oberlausitz sammeln sich in den jeweiligen Kirchgemeinden ca. 1.500 Reiter in neun Prozessionen. Es ist üblich, dass der Geistliche Kirchenfahnen, die Statue des Auferstandenen und das Kruzifix den Reitern überreicht. Danach segnet er alle Osterreiter mit den Worten: »Reitet in die Nachbargemeinde und verkündet: Christus ist auferstanden!« Nach dreimaligem Ritt um die Pfarrkirche und den Friedhof machen sich die Reiter auf in die Nachbargemeinde.

Osterreiter und der Schäfer in Johnsdorf

Es ist schon beeindruckend diese Reiter zu sehen, allein an unserem Standort sind um die 500 sorbisch singend vorbei geritten. Ich verstand nichts, obwohl ich immerhin drei Jahre sorbisch Unterricht hatte. Ich habe in der Grundschule in Grubditz, gleich nach Ende des ersten Schuljahres Sorbisch gelehrt bekommen, gern bin ich nicht in die Schule gegangen, vielleicht lag es daran;

Mir war es schon klar, dass es mit der unbeschwerten Kindheit nicht ewig so weiter gehen konnte. Es geschah so um den 1.September 1955, ich war noch nicht mal 7 Jahre alt und meine Schwestern noch viel viel kleiner. Die Erwachsenen hielten es für richtig und selbst meine Eltern waren dafür. Ich musste in die Schule gehen. Ein Schock von dem ich mich über 10 Jahre lang nicht erholen konnte. Das schönste waren die Zuckertüten, die am Baum in meiner Schule hingen, er wurde aber gleich abgeerntet und hat nie wieder welche getragen. Dann mussten wir in Begleitung der Eltern und Verwandten gleich wieder nach Hause, ich glaube es war ein Sonnabend. Danach feierten die Erwachsenen, warum weiß ich auch nicht. Ein gutes hatte die Feier für mich, es gab keine Kartoffelsuppe, die eigentlich bei uns an den Sonnabenden immer auf dem Mittagstisch stand. Sie wurde extra für mich mehrmals aufgewärmt, aber nicht weil sie dann besser schmeckt, sondern, weil ich die Angewohnheit hatte über der Suppe einzuschlafen. Meine Mutter weiß heute, dass ich eine ›Schluckhemmung‹ hatte, die sich aber bei den Bratkartoffeln mit Spiegelei sofort behoben war. Meine Oma wohnte nämlich unter uns verwöhnte mich. So war es damals, es fehlte einfach das Geld. Die Gäste zur Feier fühlten sich wohl, mich beschlich ein Unwohlsein, hatten die in der Schule nicht gesagt, dass ich am Montag wieder kommen soll und zwar alleine. Und dann kam es, da wir am Montag mit unserer Schule nicht fertig geworden sind, mussten wir am Dienstag gleich noch einmal kommen und so setzte es sich Tag für Tag , über 10 lange Jahre. Aber wahrscheinlich lag es auch daran, dass bei uns zwei Schuljahre in einer Klasse waren, ein Stress, der eine schüttete sein Tintenfass um, jene heulte weil was vergessen, der dritte hatte ein anderes wichtiges Problem. Dann mussten wir auch noch ab der zweiten Klasse eine Fremdsprache lernen, damit wir auch die alten Frauen im Dorf belauschen konnten, wenn etwas nicht für unsere Ohren bestimmt war. So geschah es, dass ich mit meiner jüngeren Schwester Evelyn in eine Klasse ging, ich in die 4. Klasse und sie in die 1.Klasse. Damals musste man ja, im wahrsten Sinne des Wortes, noch in die Schule gehen, ich hatte den weitesten Schulweg, brauchte über eine Stunde nur für den Hinweg, war immer der letzte, kam oft zu spät und ärgerte mich den ganzen Weg, dass ich ihn ja auch noch wieder zurückgehen muss. Im Winter mussten wir uns durch meterhohe Schneewehen kämpfen, aber konten auch wunderschöne Schneehütten bauen, die Schule rückte in weite Ferne. Bei mir stellten sich deshalb schon in frühester Jugend ›Migräneanfälle‹ ein und wenn das nicht half, habe ich beim letzten Haus des Dorfes starke Halsschmerzen bekommen, oder einen Schwächeanfall, ich musste aber aufpassen, meine andere Großmutter wohnte im letzten Haus vom Dorf, beim Bäcker, direkt über der Backstube, es musste schon echt aussehen, wenn ich in mich zusammen sackte. Sie war aber verschwiegen, manchmal war die letzte Rettung, dass mich bei der Milchrampe im Bauerndorf ein wildes Pferd nicht durchgelassen hat. Die gab es wirklich, manches wurde geklaubt, das meiste jedoch nicht.


Aber zurück zum Osterausflug, nachdem Mittagessen, ein einheimisches schmackhaftes Zanderfilet ging die Fahrt weiter in das Zittauer Gebirge nach Johnsdorf zum Kaffee. Anschließen machte der Schäfer John, gemeinsam mit uns und seiner Ziegen und Schafherde noch einen kleinen Rundgang durch Johnsdorf. Ein sehr schöner Ausflug.
Am Dienstag wurde noch einmal Doppelkopf gespielt, dieses Mal bei meiner Schwester Evelyn, der ich am Computer noch einen neuen Drucker installiert habe, am Mittwoch fuhr ich zurück nach Berlin. Ich fahre zwar gern nach Bautzen, aber bin auch froh wenn ich wieder in meinen vier Wänden bin.
Ende April hatte ich wieder Termin beim Hausarzt, er nahm seine Routineuntersuchung vor, dabei fragte er fragt mich, ob ich mal etwas von meiner Ex – Frau gehört hätte. Ich war ganz erstaunt über diese Frage, er wollte bisher noch nie etwas über sie wissen. Ich war der Annahme er hat noch einen Draht zu ihr, im darauf folgenden Gespräch erfuhr ich, dass sie sich schon vor der Scheidung nicht mehr bei ihm gemeldet hat, Es gab mir doch zu denken, sie hatte doch zu ihm fast ein noch besseres Verhältnis als ich. Er stellte diese Frage auch deshalb, weil er wissen wollte, ob sie überhaupt noch in Berlin ist und er die Akte archivieren kann.
Auf der Heimfahrt dachte ich noch einmal über die Frage nach und konnte den vermutlich Zusammenhang herstellen. Meine Ex – Frau hat mir im Rahmen der Scheidung ernsthaft vorgeworfen, ich hätte kein Geld als Taxifahrer verdient, weil ich immer nur im Bett gelegen habe, weil ich getrunken habe und dafür als Zeugen meinen Hausarzt aufgeführt. Wie schon erwähnt war mein Doktor war darüber empört, dass sie ihn benannt hat. Ich habe damals bei Gericht auch gefordert ihn als Zeugen zu hören, dazu kam es aber nicht, weil es erstens nicht stimmte und zweitens keine Rolle spielte, vielleicht ist sie daraufhin nicht mehr hingegangen, wer weiß, denn so einen guten Kontakt gibt man eigentlich nicht auf, das nur nebenbei, aber es gehört zur Aufarbeitung der Lebensgeschichte dazu.
Anfang Mai warfen insbesondere zwei geplante Ereignisse ihre langen Schatten voraus, die Pilotenreise der Colour Air VA auf die Ostseeinsel Fehmarn und die Londonreise ›Spring at the Thames‹.
Die Frage kommt ja auf, woher hat er das Geld, erstens kann ich mit Geld umgehen, ich bin ja nicht mehr verheiratet und dann habe ich Mutter. Sie war einmal beim VEB Zahlenlotto beschäftigt, musste am Montag und am Dienstag zu einer wirklich unchristlichen Zeit aufstehen und arbeiten, damit alle ihre Gewinne einlösen konnten, da gab es sogar Lohnabzug wenn eine Zahl nicht erkannt wurde. Mutter war immer schon am Sonntagabend aufgeregt. Die Auswertung der Lottoscheine erfolgte natürlich nicht mit dem Computer, sondern mit einer simplen Schablone. Trotzdem hängt sie wohl an dieser Zeit und hat ihren eigenen kleinen Lottobetrieb aufgebaut. Ich bin Mitspieler, sie tippt zwei Scheine, seit Vater tot ist, bin ich auch hier eingesprungen. Das Problem ist, ich muss meinen wöchentlichen Tippschein nicht bezahlen, das gewonnene Geld wird am Jahresende zwischen uns aufgeteilt. Ich denke meine Schwestern wissen und tolerieren es. Mutter betreibt hier ein eindeutiges Verlustgeschäft, sie häuft nur die Gewinne an, die Gebühren werden außen vor gelassen. Das hilft mir eine Teil der Reisen zu finanzieren, wie lange es noch geht, steht in meiner Situation sowieso in den Sternen, oder weiß der da oben schon etwas, egal, es ist jedenfalls keine Zeit etwas auf die lange Bank zu schieben.

Pilotenreise der Colourair

Die Pilotenreise, eine kleine Truppe von Flugsimulanten traf sich auf der Ostseeinsel Fehmarn zur Konferenz. Ich betreibe die Flugsimulation am PC schon seit ca. 10 Jahren mit unterschiedlicher Intensität. Besonders in Zeiten der Scheidung und nach der Operation eigentlich gar nicht. Danach, als ich mich wieder mit dem PC beschäftigte, für mich, im stillen Kämmerlein. Irgendwann stelle ich fest, es gibt virtuelle Airlines und traf mich mit Matthias von der Euro – Berlin VA, dadurch kam ich zum Berliner Flugsimulantenstammtisch. Dort traf ich später meinen jetzige Chef Gregor von der Colour Air VA. Diese virtuelle Airline war sehr interessant für mich, da sie in Norwegen fliegt, eines meiner Lieblingsländer, ich bin gegenwärtig Pilot dieser beiden Airlines, im Range eines Senior Flight Kapitäns mit insgesamt 800 Flugstunden.
Die Colour Air VA hat schon mehrere Pilotenreisen gemacht, auch schon bis Norwegen, aber es waren immer irgendwelche Gründe (gesundheitliche oder finanzielle) warum ich nicht teilnehmen konnte. Zwar lag der Termin sehr ungünstig, am Sonntag zurück und am Dienstag nach London, trotzdem habe ich teilgenommen. Weil es so ein interessantes Hobby ist und es zu meinem Leben gehört will ich hier auch dazu schreiben.
Am Freitag 7.30 Uhr ging es los, mit dem ICE nach Hamburg, nach Umstieg in den Regionalexpress erwartete mich in Lübeck, Matthias von der Colour Air, den ich schon einmal beim Berliner Stammtisch getroffen habe, deshalb gab es auch kein Problem mit der Wiedererkennung. Er zeiget mir in einem zweistündigen Stadtrundgang Lübeck, eine sehr schöne Stadt, die ich bisher nicht kannte. Man hatte sich viel zu erzählen, über Simulation, Berlin, Lübeck und mehr, also verging die Zeit wie im Fluge. Danach fuhren wir auf die Ostseeinsel Fehmarn, ca. 100 Kilometer von Lübeck entfernt. Unser Hotel das ›Intersun‹ war recht angenehm gewesen, ich hatte sogar ein Zimmer mit Meeresblick. Matthias hatte Verpflichtungen als Fahrer und musste von Puttgarden einige Teilnehmer abholen, Gregor kam aus Dänemark und Gerhard aus Österreich.
Ich nahm die Gelegenheit war und inspizierte die Strandpromenade , es war sehr stürmisch gewesen, also beschloss ich mich in den überdachten Teil der Promenade zurückzuziehen. Dort schrieb ich einige Postkarten und vermischte den Geschmack der Seeluft mit einem Glas Radeberger. Einheimisches Bier gab es nicht, aber das Bier war mir ja nicht unbekannt. Später trafen wir uns mit den anderen Teilnehmern und brachen zum Abendessen in ›Det Old Aalhouse‹ auf. Dort gab es, wie der Name unschwer vermuten lässt, Fisch in allen Variationen, ich aß einen Fischteller, mit verschiedensten Fischsorten, einschließlich Krabben, die ich so oft noch nicht gegessen habe. Dazu gab es Bratkartoffeln, bald so wie ich sie macht, es war eine riesige Portion. Die Bedienung war allerdings nicht die Schnellste, sie musste wohl ein Gespräch zwischen Gregor, Matthias und mir mitgehört haben, es ging um die beste Currywurst in Berlin. Es ja bekannt wo es die gibt, bei Konnopke’s Imbiss ( Wenn’s um die Wurst geht – Tradition mit Geschmack ) unter der U – Bahn an der Schönhauser Allee. Als ich sagte, das wäre am U – Bahnhof Eberswalder Straße, mischte sie sich ein und meinte es stimmt nicht, diese Wurst gibt es am U – Bahnhof Schönhauser Allee, sie wüsste es, denn sie käme aus Berlin. Nicht gerade ein Aushängeschild, langsam und auch noch besserwisserisch, na die Menschen kann ich leiden, da werde ich gleich an meine Ex – Frau erinnert. Die Bedienung war noch lange nicht so alt an Jahren, wie ich schon in Berlin lebe. Das sind nun schon über 35 Jahre, Trinkgeld gab es deshalb nicht. Danach wurde noch bis in die Morgenstunden am PC geflogen, ich als ältester Teilnehmer, habe aber nicht bis zum Schluss durchgehalten.
Am nächsten Tag war die Konferenz geplant, dazu hatte Gregor einen Konferenzraum auf der Fähre von Scandlines gemietet. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel fuhren wir los. In Puttgarden am Fähranleger, stießen noch paar Teilnehmer zu uns und wir schifften uns auf der MS Deutschland ein. Gegen 11 Uhr legte das Schiff ab und die Konferenz begann. Sie dauerte bis nach 18 Uhr, im Mittelpunkt standen die Analyse der geleisteten Arbeit und die zukünftigen Pläne, um unser Ziel, eine der innovativsten Airline zu werden, zu verwirklichen. Ich hatte noch zusätzlich die Aufgabe, die Fahrten zu zählen, nach viermaligen Hin und Her mussten wir das Schiff verlassen. Man kann nicht gerade sagen, dass es billig war auf der Fähre, deshalb habe ich nur das Notwendigste zu mir genommen.
Am Abend war noch ein Abstecher in das Nachtleben von Burg geplant, der ›Hauptstadt‹ der Insel. Zum Abendbrot aß ich Seemannsfrühstück im ›Haifisch‹ in Burg, es war wieder eine Fischplatte mit verschiedenen Fischsorten und die Bedienung war dieses Mal mehr auf Draht. Die Gaststätte war eine kleine gemütliche Kneipe, unser Chef musste noch einen Fischergeist trinken, 56 % Schnaps, der brennend serviert wird. Danach war wieder fliegen am PC angesagt.
Am folgenden Tag mussten wir leider nach dem Frühstück schon wieder zurück, eigentlich war noch ein Rundflug mit der Cessna geplant, aber der CO – Pilot hatte am Abend eine Party und konnte deshalb nicht fliegen. Es war nicht allen unangenehm, dass nicht geflogen wurde, denn es herrschte immer noch eine ›Steife Brise‹ . Also tranken wir zum Abschluss noch einen Kaffee zusammen und dann ging es zurück. Matthias nahm mich wieder mit nach Lübeck und mit dem Regionalexpress fuhr ich weiter nach Hamburg. Leider war keine Zeit vorhanden, noch einen Abstecher zum gerade stattfindenden Hafengeburtstag zu machen. Hamburg ist jedenfalls im Plan für eine Wochenendreise, da hoffe ich dann auch, dass die Klimaanlage im ICE geht, Bahn eben.
Nur ein Tag Zeit und dann ging es schon weiter mit dem Flieger nach London, es war alles vorbereitet, Flugbuchung und Hotelbuchung lagen vor, die notwendigen Fahrkarten waren gekauft. Die für den Thameslink hatte ich ja noch vom vergangenen Jahr, die Queen wird es mir hoffentlich verzeihen, dass ich sie zweimal benutzen will. Wie schon erwähnt, den Grund für die Reise hatte ich, vor fünf Jahren im Mai 2001 begann mein langsamer Genesungsweg. Der Aufenthaltes in der REHA – Klinik Kalbe an der Milde legte dazu den Grundstein. Wenn mir da einer gesagt hätte, in fünf Jahren wirst du in London sein, ich hätte ihn für verrückt gehalten.

Spring at the Thames

Ich habe meiner Reise wieder ein Motto gegeben ›Spring at the Thames‹ und hier sind meine Erlebnisse.
Einen Satz möchte ich aber noch über London verlieren, es war wesentlich eindrucksvoller, wie im Dezembe und ich werde es nicht zum letzten Mal tun, es gibt schon neue Pläne, aber der müssen erst noch reifen. Sie sind vor allem von der Gesundheit abhängig, denn im Herbst habe ich wieder das volle Nachsorgeprogramm zu durchlaufen.
Als ich von der Londonreise zurück kam, erhoffte ich mir, die Befreiung von der GEZ schon im Briefkasten zu haben, was solle es, denken kann man ja vieles, aber in Erfüllung geht es nie. Ich wolle mir die Atmosphäre der Londonreise nicht verderben und beschloss die Nichtzusendung zu ignorieren, einfach eigentlich, aber mein Problem ist nach wie vor, mein vegetatives Nervensystem. Ich trage solche Probleme dann doch in mir herum und denke, »Warum klappt es bei dir wieder mal nicht!«. Es hat sich schon wesentlich gebessert, nach dem was ich so alles erlebt habe in den letzten Jahren, trotzdem ganz überwinden kann ich das wohl nicht.
Nach dem Wochenende beschloss ich bei der GEZ in Köln anzurufen, es ging ja auch noch um den Sozialtarif bei der Telekom, denn dazu brauche ich die Befreiung. Nach ewigen Versuchen, klappte es endlich, die Mitarbeiterin war sehr nett, ich bracht mein Anliegen vor und sie meinte nach kurzer Überprüfung, der Antrag ist am Freitag raus gegangen. Also vom 28. März bis zum 11. Mai brauchte man um den Antrag zu bearbeiten. Da stellte sich mir gleich wieder die Frage; bin ich ›auch Deutschland?‹ Sicherlich ist den Damen und Herren dort bekannt, dass dieser Befreiungsbescheid notwendig ist um den Sozialtarif zu beantragen. Aber es geht ja nur um Menschen.
Wenn der Antrag am Freitag raus gegangen ist, so dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn, so müsste er am Dienstag spätestens ankommen, kam er aber nicht, sondern erst am Donnerstag, also nehme ich an, dass der Antrag erst nach meinem Anruf bearbeitet wurde.
Infolge hatte ich einen Tag später die Kündigung des Sozialtarifs von der Telekom im Briefkasten, es sind zwar nur 6,94 EURO, aber für mich viel, also geht mir hier aufgrund der schlampigen Arbeitsweise der GEZ ein Monat verloren. Die Wiederbeantragung im T – Punkt gestaltete sich allerdings als sehr unkompliziert, ich brauchte nicht einmal einen Antrag ausfüllen, die Vorlage der Befreiung rechte vollkommen aus. Nun habe ich bis April 2007 erst einmal Ruhe, es gibt eben immer etwas zu klären, mal sehen was als nächstes kommt.
Im Mai fand in Berlin die ILA (Internationale Luft– und Raumfahrtausstellung) statt, da ich vom Balkon die Flugvorführungen gut sehen kann, ist sie für mich immer ein Highlight. Da hat der Umzug im Jahre 1998 doch noch etwas Positives gebracht. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, auch weil ich 1998 gemeinsam mit der Ex – Frau dort war und mir einen kräftigen Sonnenbrand holte. Wie mir damals zumute war, ich hatte nicht mal mehr Geld um zum Friseur zu gehen. Sie wollte am liebsten alles neu kaufen und die Schuldenfalle schnappte zu. Nicht einmal zwei Jahren hielt sie es hier aus, ich bin heute froh über den Umzug froh, auch darüber, dass sie weg ist.

Nun lebe ich zwar alleine, aber ich bin nicht einsam und es lebt sich gar nicht schlecht, ohne Beleidigungen und sonstigen Gemeinheiten.

ILA 2006 A 380

Für den letzten Tag der ILA hat sich, zu meiner Freude, die Bautzener Verwandtschaft angesagt, Mutter, Schwester, Schwester und Schwager, angesagt. Ich besorgte paar Getränke, richtete die Tribüne auf dem Balkon ein und briet einige Hackfleischbällchen. Mutter brachte den Kartoffelsalat und Evelyn zwei Flaschen Rotkäppchen Sekt mit. Ich glaube sie haben es nicht wirklich geglaubt, dass man die Flieger sieht und staunten nicht schlecht, als der neue Airbus A 380 über das Haus kam. Solche spontanen Tage sind eigentlich immer die Schönsten. In zwei Jahren ist es dann wieder soweit. Die Plätze sind schon reserviert.
Die regelmäßigen Besuche in der Strahlenklinik der Charité gehört seit über fünf Jahren zu meinem Leben dazu, nun wird es der letzte sein. Den Doktor kannte ich schon vom vergangen Jahr. Er war nicht so mein Fall gewesen, hatte nichts Menschliches an sich und ist unnahbar. Die Prozedur ist immer gleich, erst in die Akte in der zentralen Anmeldung holen, die mittlerweile auch schon einen gewaltigen Umfang hat, danach in die Anmeldung der Strahlenklinik. Ich habe hier die ganze Zeit nicht wirklich, ein geborgenes Gefühl gehabt.

Die Ausnahme bildet hier lediglich die Tagesklinik, hier wurde man umsorgt und man fühlte sich geborgen.

Der Doktor, las meine mitgebrachten Befunde nicht, er fragte mich routinemäßig wie es mir geht. Es geht ja hier eigentlich nur um Spätfolgen der Bestrahlung und da habe ich keine Probleme. Das Problem mit dem Stuhlgang wird sich nicht mehr ändern meinte er und ob die Polyneuropathie eine Folge der Bestrahlung ist, kann auch nicht nachgewiesen werden. Im Gespräch teilte ich ihm mit, dass die Operation nun schon fast 6 Jahre her ist, er war erstaunt, ein Zeichen, dass man sich nicht wirklich mit den Patienten beschäftigt, wie sollte man auch bei der Masse. Er meinte danach, ich brauchte nun nicht mehr zu kommen, erst war ich etwas verwundert, ja fast schockiert, aber dann dämmerte es mir, ein Lebensabschnitt im Kampf gegen Krebs geht zu Ende. Nach insgesamt 40 Besuchen in der Strahlenklinik brauche ich nicht mehr zu kommen. Er wünschte mir für die Zukunft alles Gute, meinte aber gleichzeitig, wenn ich irgendwelche Probleme habe sollte ich mir sofort einen Termin holen.
Zum Abschluss ging ich noch einmal über die Tagesklinik, die auf derselben Etage liegt, traf aber keine mir bekannte Schwester an. Egal ich habe mich bei einer Schwester bedankt, sie meinte, setzen sie sich doch und trinken sie noch einen Kaffee, was ich auch tat. Es waren auch noch Patienten da, denen es nicht so gut ging, ohne Überheblichkeit sprach ich mit ihnen, machte Mut und sagte vor 5 Jahren habe ich hier auch gesessen und der lange Weg der Genesung begann. Man denkt unweigerlich nach und ist natürlich Stolz zu denen zu gehören, die es vermutlich geschafft haben. Ein guter Grund am Abend ein Glas Wein zu trinken.

Eröffnung Hauptbahnhof Berlin

Ein Event stand in Berlin an, die Eröffnung des neuen Bahnhofs, Hauptbahnhof nennt er sich, wir hatten schon einmal einen Hauptbahnhof, den jetzigen Ostbahnhof, der heiß vor ›Wende‹ Hauptbahnhof. Erst dachte ich, es kann ja nicht sein, dass der ›Osten‹ einen Hauptbahnhof mitbringt, doch jetzt macht es schon Sinn. Nach vielen Jahren Bauzeit, hohen Baukosten, Querelen zwischen Bahn und Architekt, bezeichnenderweise war der auch nicht bei der offiziellen Eröffnung dabei.
Am 26. Mai war es nun so weit, mit einem riesigen Event wurde die Eröffnung gefeiert. Ich war schon zeitig da, man konnte an diesem Tag nicht im Hauptbahnhof aussteigen, also bin ich mit dem Bus hingefahren. Beim Eintreffen, so gegen 17 Uhr, ging es noch sehr beschaulich zu, ich hatte schon meine Bedenken, ob es so viele Menschen hier hinziehen wird. Ich machte die ersten Fotos, stärkte mich und begab mich dann auf die andere Seite des Spreebogens, genau gegenüber vom Hauptbahnhof. Dort traf ich einige Hobby Fotografen, mit Stativ und Teleobjektiven. Es wurde gefachsimpelt, ich überlegte, ob ich den Standort noch einmal verlassen sollte, noch waren nur wenige Menschen da, aber es wurden immer mehr, ich blieb stehen. So nach und nach füllte es sich und um 20 Uhr, als das offizielle Programm begann war es schon mächtig voll. Ich stand direkt an der Mauer und hatte eine hervorragende Sicht. Als die Lichtshow und das Feuerwerk um 22.30 Uhr begann, waren es über eine halbe Million Menschen und hinter mir standen sie in Zehnerreihe oder mehr.
Es war schon beeindruckend, was hier geboten wurde, ein einmaliges Erlebnis, was nur live die wirklichen Emotionen hervorruft. Ich war dabei und habe es nicht bereut, die fünft Stunden stehen waren natürlich ziemlich anstrengend, zumal es auch hin und wieder geregnet hat, dafür sahen die Scheinwerfer besonders eindrucksvoll aus. Ich habe eine solche gigantische Show noch nicht erleb und sicherlich wird es wohl auch nicht wieder passieren.
Ein Wermutstropfen war dann allerdings, der Amoklauf des verrückten, besoffenen Berliners, der 28 Besucher mit dem Messer verletzte. Ich hatte vermutlich Glück, weil ich nicht gleich nach Hause gegangen bin, sondern im ›Bundespressestrand‹, eine Gaststätte am Spreebogen, noch einen Drink zu mir nahm. Als ich den Tatort passierte war nur noch Chaos, wir wurden zum S – Bahnhof Friedrichstrasse umgeleitet, sahen zwar die Polizei und die Blaulichter, wussten aber nicht warum. Erst in der Wohnung, sah ich im TV was passiert war, klar ist auch, dass man nach so einem Tag nicht gleich ins Bett gehen kann, deshalb genehmigte ich mir noch ein Glas Rotwein und lag so gegen 2.30 Uhr im Bett. Trotz allem war ich froh, diese Strapaze auf mich genommen zu haben.

Der Monat Juni war wieder von einigen notwendigen Arztbesuchen geprägt, dabei bildete die Infusion in der Charité den Schwerpunkt. Frau Doktor Franz war auch wieder da und entschuldigte sich sogar, dass sie das letzte Mal nicht anwesend sein konnte. Sie musste Dienst auf der Rheumastation der Charité machen. Meine Laborwerte hatte ich dabei, es gab keine Ausrutscher, fast alle Werte lagen im Normbereich. Sie untersuchte mich, das Problem mit meinem schnellen Pulsschlag, was ja nicht neu ist, bereitete ihr zwar keine direkten Sorgen, aber sie gab mir eine Überweisung in die Kardiologie für ein 24 Stunden EKG.
Bei der Blutabnahme musste noch einmal ein Hepatitis C Test gemacht werden, ein Wert wurde nicht bestimmt. Die Infusion verlief dann wie immer, erst ließ ich es langsam tropfen und dann stellte ich es wieder schneller ein, so dass ich keine zwei Stunden brauchte, aber ein ›Wettrennen‹ gibt es nicht mehr.
Ich hatte eigentlich vor mir gleich einen Termin für das EKG in der Kardiologie zu holen, aber das geht so einfach nicht, wie sich herausstellte, nur mit Überweisung und entsprechenden Laborwerten ist das in Charité möglich. Meinen Hausarzt konfrontierte ich ebenfalls mit dem Problem, er war auch dafür, aber ein 24 Stunden EKG macht er nicht. Ich werde wohl erst einmal warten, hatte keine Lust schon wieder etwas Neues anzugehen.
Einen weiteren wichtigen Termin gab es noch, der bei meiner Augenärztin. Sie erinnerte sich natürlich sofort an mich und an diese hartnäckige Iritis im Jahre 2004, das sind nun auch schon wieder zwei Jahre her. Die Überweisung für den Augenarzt hatte ich von meiner Diabetologin bekommen. Es gab im Zusammenhang mit der Diabetes keine negativen Feststellungen, der Augendruck war in Ordnung und auch die Iritis hat nur kleinere Schäden hinterlassen.
Die Sehkraft ist zwar nicht schlechter geworden, aber besonders das linke Auge ist sehr empfindlich gegen die Sonne geworden und manchmal habe ich das Gefühl, als ob ich etwas im Auge habe. Sie meinte nach der schweren Erkrankung, solle ich froh sein, dass nicht mehr zurückgeblieben ist. Da die Iritis, aufgrund meiner Grunderkrankung Morbus Bechterew, immer wieder plötzlich auftreten kann, habe ich für diesen Notfall immer eine Überweisung für das aktuelle Quartal in der Tasche.
In Bautzen bei Mutter musste ich mich auch wieder einmal sehen lassen, das konnte ich gleich mit einem kurzen Besuch bei meiner Schulfreundin verbinden. Bei Mutter musste ich paar kleinere körperliche und geistige Arbeiten erledigen und für meine Schulfreundin habe etwas am PC geschrieben, was ich ihr vorbei gebracht habe. Natürlich wurde in Bautzen wieder Doppelkopf gespielt und meine Schwester Sonja hat Mutter und mich zur Einweihung ihrer neuen Küche eingeladen. Der obligatorische Besuch am Grab meines Vaters fehlte auch nicht. Insgesamt war der Aufenthalt durch sehr viel Wärme gekennzeichnet, also ich meine wettermäßige, die andere ist sowieso immer vorhanden.
Für mich gibt seit dem letzten Jahr ein Problem, ich kann oder will mein Auto nicht mehr auf das Grundstück fahren, da ich mit dem Auspuff aufsetze. Im letzten Jahr hatte ich mir nämlich den Vorschalldämpfer dadurch zerstört, der musste für über 200 Euro erneuert werden, Kulant wie meine Mutter ist, hat sie die Reparatur bezahlt. Vielleicht war das der Grund, dass es sich ein Marder im Motorraum des Autos gemütlich gemacht hat.
Mein Auto wird von ihnen regelmäßig besucht, aber bisher nur äußerlich, was an ihren Spuren auf der Karosserie, auf den Scheiben und sonstigen Hinterlassenschaften sichtbar ist. Als ich wieder nach Berlin starten wollte, merkte ich, dass die Batterie beim Anlassen nicht voll durchzog. Mit meinen Batterien habe ich sowieso immer wieder mal Probleme. Die Fahrt nach Berlin verlief ohne Zwischenfälle und ich stellte mein Auto ab.
Am nächsten Tag fuhr ich einkaufen, auch da stellte ich keine Probleme fest. Als ich einen Tag später das Auto wieder benutzen wollte, sagte es gar nichts mehr, mir war es schon klar als die Türen nicht mehr über die Zentralverrieglung öffnen ließen. Die Batterie war tot, mausetot. Als ich Motorhaube öffnete sah ich die Bescherung, die Dämmmatte war zerfressen, also hatte er es geschafft einzudringen und vermutlich irgendein Kabel angefressen, was nun einen Kurzschluss verursacht. Ich baute als erstes die Batterie aus um sie in der Wohnung aufzuladen. Bevor ich sie wieder einbaute machte ich eine Sichtkontrolle, aber feststellen konnte ich nichts. Das Auto sprang an und ich konnte meine Besorgungen erledigen, danach klemmte ich die Batterie wieder ab.
Das ist natürlich kein Dauerzustand, das ist mir klar, aber mich reißen hier meine Gefühle Hin und Her, lohnt es sich überhaupt das Auto zu behalten, denn der TÜV ist im Dezember fällig. Eigentlich brauche ich das Auto so gut wie nicht, hier in Berlin sowie so nicht, da ich mit dem Merkzeichen ›G‹ auf dem Schwerbehindertenausweis und als Grundsicherungsempfänger im öffentlichen Nahverkehr nichts bezahlen muss. Große Reisen werden vermutlich auch nicht mehr gemacht, beleibt nur Bautzen um das Obst nach Berlin zu transportieren. Also wenn ich maximal 3000 bis 4000 Kilometer fahre ist es schon viel. Dazu kommen die hohen Benzinpreise, also muss ich mich hier bis zum Jahresende entscheiden, leicht fällt es mir natürlich nicht, da ich seit über 40 Jahren mobilisiert bin.
Das Highlight in diesem Jahr war natürlich die Fußballweltmeisterschaft, eigentlich bin nicht so ein großer Fußballfan, aber besonders die Fanmeile hat mich fasziniert und ich war mehrmals dort. Meine Spiegelreflexkamera war natürlich immer mit dabei. Es war schon außergewöhnlich, dass es hier so friedlich zuging, wo sich doch sonst die einzelnen Nationen nicht immer so verstehen. Ich selbst habe viele Menschen kennen gelernt, besonders habe mich naturgemäß nach Engländern bzw. englischsprechenden Menschen Ausschau gehalten. Dabei konnte ich feststellen, es wird immer besser mit dem Englisch bei mir, die größten Hemmungen habe ich wenn Deutsche mit dabei sind, weil ich denke ich blamiere mich. Es sind mir viele schöne Erinnerungen im Gedächtnis hängen geblieben, besonders auch das Endspiel, wo es auf einmal so voll geworden ist, dass ich mir das Spiel auf der Meile ansehen musste, obwohl ich es eigentlich nicht wollte, aber es gab keine Möglichkeit die Meile zu verlassen. Es hatte auch sein Gutes, habe ich doch dadurch paar Leute aus Bristol kennengelernt, für die ich paar Bilder gemacht habe und wenn mir dann Richard schreibt;
Hello Henry
Your English is much better than my German!
Da kommt doch Freude auf.
Ich war auch zufrieden, dass Deutschland nicht Weltmeister geworden ist und eine Fahne hatte ich natürlich auch nicht am Auto oder sonst wo, mir hat schon die überhebliche Berichterstattung von Kerner und CO gereicht und das abgesperrte Sonycenter.
Anfang Juli war endlich mein Termin bei der HNO Ärztin Frau Dr. Bremer, dabei ging es einmal um die chronische Sinusitis und um meine Geräusche im Kopf bzw. Ohr, insbesondere das letzte Problem habe ich nicht im Griff. Es war einer der heißen Tage in Berlin und das Wartezimmer war voll, ich bekam schon einen leichten Schock als ich eintrat. Es ging auch relativ langsam voran, aber ich war der zweite oder dritte der aufgerufen wurde.
Wieder einmal Glück gehabt, eine sehr nette, relativ junge Ärztin, die sich meine mitgebrachten Unterlagen schon durchgesehen hatte. Sie untersuchte die Nasennebenhöhle und war zufrieden und meinte wenn ich mein Medikament (Nasonex) brauche, kann ich es mir das Rezept in der Anmeldung geben lassen, es ist im Computer vermerkt, das fand ich schon sehr zuvorkommend.
Mein Problem mit den Geräuschen brachte ich ebenfalls vor um einen Tinnitus auszuschließen. Bei der Untersuchung der Ohren, stellte sie fest, dass eine kleine Narbe auf dem Trommelfell ist, die vermutlich von einer Mittelohrentzündung stammt, ja solche Krankheiten hatte ich früher, aber es ist nicht gefährliches. Die Schwester machte noch einen spezielle Tests zur Hörfähigkeit. Dabei ging es um den Zeitpunkt des Hörens von hohen und tiefe Töne. Zur Auswertung musste ich noch einmal zur Frau Doktor. Die Schwester, die mir etwas laut und herrisch vorkam, hatte nicht gleich Zeit für mich und ich überlegte, warum ich so schnell drangekommen bin, der Grund war ganz einfach, ich hatte einen Termin und die anderen waren akut dort gewesen, das finde ich eigentlich gut so.
Die Auswertung der Tests ergab, keinen Tinnitus, gute Hörfähigkeit, nur die hohen Töne sind nicht so schnell erkannt worden, aber das wäre auch normal, es ist das Alter. Die Geräusche, so meinte sie stammen von der Halswirbelsäule, d.h. da dort auch Blutgefäße in den Kopf gegen, ist die Durchblutung nicht in ausreichendem Maße gewährleistet. Da war ich schon etwas schockiert und dachte an Alzheimer, aber sie und auch mein Hausarzt meinte, es hat mit Alzheimer nichts zu tun. Meine HNO – Ärztin sagte man kann die Durchblutung fördern, indem man eine Infusion gibt, das machen aber eigentlich nur die Internisten, sie macht es aber in Ausnahmefällen auch. Nun muss ich erst einmal meine Rheumatologen fragen, was sie dazu meinen, noch ein Tropf, das ist mir nicht so Wohl. Mal sehen ob ich zur nächsten Infusion in der Charité etwas sagen werde. Es war ein wirklich guter Arztbesuch und das als Kassenpatient.
Man hört ja immer über die Behandlung der Kassenpatienten ›Gräuelmärchen‹ . Ich bin nun seit sechs Jahren bei den verschiedensten Ärzten gewesen und das waren nicht wenige, ich wurde immer ordentlich behandelt, ich lebe noch und ich habe bisher noch nicht feststellen können, dass ich Patient zweiter Klasse bin. Man sollte eben nicht alles glauben was so erzählt wird.
Die ersten 6 – mal Fußpflege bei meiner neuen Podologin waren auch vorbei, ich bin eigentlich zufrieden, unterhalten kann man sich mit ihr auch über alle Probleme. Da sie weiß was ich durchgemacht habe, erzählt sie mir auch mal etwas mehr, was sie sonst nicht erzählen würde. Wenn Frau Wagner, die Chefin der Einrichtung mich sieht vergönn sie mir auch immer ein freundliches Wort. Im Herbst werde ich die Physiotherapie wieder aufsuchen, die HWS bearbeiten lassen.
Da die Verordnung abgelaufen ist, musste ich eine neue bei meiner Diabetologin ausschreiben und dann natürlich bei der Krankenkasse genehmigen lassen. Da habe ich immer wieder ein ungutes Gefühl, was wenn die Kasse plötzlich nein sagt, warum auch immer. Ich war überrascht, die Mitarbeiterin im Servicecenter, die mich am Anfang des Jahres wie den letzten Menschen behandelte, war wie ausgewechselt, im Stillen hoffte ich, dass sie nicht da ist. Sie begrüßte mich freundlich und als ich ihr die Verordnung vorlegte, war sie gleich im Bilde und meinte sie, dass ich sie zugeschickt bekomme. Am nächsten Tag hatte ich selbige mit Stempel im Briefkasten, es geht doch.
Daneben lag noch ein Brief der Krankenkasse vom Team Versicherungsrecht meine absoluten Freunde und von denen kommt gewöhnlich nichts Gutes. Es war, man glaubt es kaum, die Antwort auf meinen Widerspruch vom Oktober vergangenen Jahres. Diesen habe ich auf Anraten des Grundsicherungsamtes machen müssen. Der Grund war die Nachzahlung von Beiträgen und die Erhöhung der Beiträge. Nun kam nach 9 Monaten die Beantwortung, am Textanfang wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich den Widerspruch fristgerecht eingereicht habe. Einen Hinweis, warum er nicht Fristgerecht beantwortet wurde habe ich nicht gefunden. Es wird ja auch nun alles ordnungsgemäß bezahlt. Die gesetzlichen Bestimmungen, warum und weshalb, interessierten mich offen gesagt nicht so sehr, waren eben so. Ich sollte aber bis Anfang August schriftlich Bescheid geben ob sich der Widerspruch mit dieser Antwort geklärt hat. Die Entscheidung wollte ich aber mir nicht nur alleine zumuten, sondern auch dem Grundsicherungsamt, welches die Beiträge schließlich bezahlt.
Die Gültigkeit meiner Wertmarke für die vergünstigte Fahrt der Schwerbehinderten im öffentlichen Personennahverkehr läuft im August ab, ich brauchte vom Grundsicherungsamt eine Bestätigung auf dem neuen Antrag.
Dabei wollte ich gleich klären, ob sich der Widerspruch erledigt hat. Man kommt ja nicht mehr zum Sachbearbeiter, es gibt jetzt eine so genannte Servicestelle, nach kurzem warten kam ich auch schon dran. Es war schon mal keine überhebliche Begrüßung, ich bin es auch anders gewöhnt. Aber die Kompetenz der Mitarbeiterin ist sehr eingeschränkt, die Unterschrift auf meinen Antrag, bekam ich erst nach Rücksprache mit dem Sachbearbeiter, obwohl ich im Computer stehe. Das Anschreiben zur Beantwortung des Widerspruchs konnte ich da lassen. Die Mitarbeiterin war sehr nett gewesen, gab mir noch einen neuen Befreiungsantrag für die GEZ mit, damit ich die Befreiung eher beantragen kann.
Trotzdem das System ist wieder nicht durchdacht, wenn schon überall Computer stehen, sollte sie man auch effektiv nutzen und die Sachbearbeiter wirklich entlasten, aber es soll nicht mein Problem sein und ich war gespannt, ob sich mein Sachbearbeiter wegen dem Widerspruch melden wird. In den nächsten Tagen erhielt ich schon wieder Post vom Team Versicherungsrecht, es war eine Beitragserhöhung ab August, ich begriff die Welt nicht mehr so richtig und hoffte nur, dass das Problem mich nicht wieder bis an den Rand des Ausschluss aus der Versicherung bringt.
Ich hatte mir schon vorgenommen, wenn es wieder so ein Hin und Her gibt, zahle ich die Differenz selbst, es handelte sich um knapp 2 Euro.
Natürlich wollte und musste ich die Erhöhung dem Amt zukommen lassen. Es dauerte ein paar Tage und ich bekam einen Anruf von Sachbearbeiter aus dem Grundsicherungsamt, er meinte, ich solle den Widerspruch als erledigt betrachten, er hätte auch keine Zeit sich damit weiter zu beschäftigen. Na gut wenn es so ist, mein Geld war es nicht. Ich teilte ihm gleich mit, dass ich eine neuerliche Beitragserhöhung von der Krankenkasse bekommen habe. Jetzt kam wieder etwas unerwartetes, die Kasse hat ihm ebenfalls ein Schreiben geschickt. Die Erhöhung ist schon veranlasst, den entsprechenden Bescheid bekomme ich zugeschickt. Die Kasse hat es nun auch begriffen, wer die Beiträge momentan bezahlt.
Da waren wieder einige Probleme geklärt, ich war froh. Ich kann mit ungeklärten Sachen schlecht leben, auch wenn sie manchmal nicht lebensbedrohlich sind. Leider kann ich dieses ›Problem‹ wohl nicht mehr lösen.

Vor 6 Jahren am 10.Juli 2000 war die Operation, das Leben änderte sich danach grundlegend, die Krebserkrankung ist Teil meines Lebens geworden, meine Lebensgeschichte wurde neu geschrieben.
Die teilweise ausweglosen Situationen habe ich gemeistert und an die schönen, die es auch gab, erinnere ich mich gern, all das kann mir keiner nehmen.

Solche Ereignisse sind für immer Anlass zur Erinnerung und solche Tage Versuche ich mit Glanzpunkten unvergesslich zu machen. Ein neuer Punkt wird nun dazukommen, ich fahre mit der Deutschen Bahn vom 04.08. bis 07.08. nach Brüssel, ein verlängertes Wochenende sozusagen.

Das Motto der Reise ist ›Über den Dächern von Brüssel‹ und hier sind die Erlebnisse.
Mitte August musste wieder zur Infusion in der Charité, ich wunderte mich schon, wieso mein Termin um eine Woche vorverlegt wurde, die traurige Auflösung erfuhr ich von meiner Rheumatologin Frau Dr. Franz. Als ich das Arztzimmer betrat, sah ich einige Blumen und Geschenke. Daraufhin fragte ich, ob sie Geburtstag hat, ihre Antwort war, nein sie verlässt Deutschland und geht in die Schweiz. Einen mittelschweren Schock für mich, so eine menschliche ärztin finde ich nie wieder.
Ich mag diese Arztwechsel überhaupt nicht und wenn es sich um Ärzte handelt, mit denen ich gut auskam ist es noch schwerer. Sie tröstete mich aber gleich und meinte, am Ende des Jahres wäre sowieso ein Wechsel erfolgt. Im Rahmen der üblichen Untersuchung kamen wir auch über die Gründe ins Gespräch. Ihre Stelle als Rheumatologin in der Charité läuft aus und eine Festanstellung ist nicht in Sicht, der chronische Geldmangel im Gesundheitswesen in Deutschland treibt die Ärzte ins Ausland, wo sie weniger Arbeiten und wesentlich mehr Geld verdienen.
Was wird in Deutschland für eine Politik betrieben, muss man sich wirklich ernsthaft fragen. Meine Ärztin geht nun in eine Privatklinik nahe Luzern, danke Deutschland, sie ist nun nicht mehr ›Du bist Deutschland!‹ . Gespürt hat sie es auch gleich nach bekannt werden ihres Weggangs, keine eigenes Zimmer mehr, keine Umkleidemöglichkeit, keine Verabschiedung vom Leiter der Rheumaklinik. Es war ihr letzter Arbeitstag und die Untersuchung war genau so grünlich wie immer, ich wünsche ihr jedenfalls alles Gute. Mal sehen was mich nun erwartet. Wirklich schade!
Zwei Tage später musste ich zur Neurologin, ich wollte sie eigentlich dazu bewegen mir ein anderes Medikament zu verschreiben. Zuvor habe ich mich mit meiner Diabetologin beraten, weil ich eine nachhaltige Wirkung nicht so richtig feststellen kann, obwohl die Untersuchung der Füße bei ihr keine Verschlechterungen ergaben, eher eine leichte Verbesserung (Stimmgabeltest, Wärmetest) ergaben.
Meine Probleme liegen ja auch eher in einer Überempfindlichkeit, d.h. starker Berührungsschmerz, aber trotzdem kann ich nur in festem Schuhwerk laufen, denn schon ein falscher Tritt in Sandalen, kann zur Katastrophe werden. Die Neurologin reagierte auf das Ansinnen ziemlich angesäuert und meinte vielleicht sollten wir erst einmal die Dosis erhöhen, oder ich soll zwischendurch noch Tabletten einnehmen. Es stehen ja immer noch die Blutwerte zur Diskussion und mir ist auch klar, Medikamente haben eben auch auf die Leberwerte Auswirkungen. Beim nächsten Termin wollen wir uns noch einmal ausführlich unterhalte. Das Medikament ist Gabapentin, momentan nehme ich 400 mg zur Nacht und jetzt zusätzlich 200 mg tagsüber bei Bedarf.
Im August fand ein gemeinsamer Arbeitseinsatz in Zeuthen statt, mit Tante, Cousine, ihrem Sohn und der Familie meines Ex – Schwagers Rolf statt. Es tat Not, der Verschnitt der Hecken stand an, eine Arbeit die ich natürlich nicht mehr alleine machen kann, früher, als ich meinen Bungalow auf dem Grundstück noch genutzt habe, war es meine alleinige Aufgabe. Besonders die Familie meines Ex – Schwagers ist eine tatkräftige Unterstützung. Danach wird in gemütlicher Runde gegrillt, Rolf bekam die Gelegenheit, seinen neuen Grill auszuprobieren. Er war Stolz darauf, dass es nun endlich einmal richtig gut geklappt hat mit dem Grillen. Es war auch gleich noch eine kleine Nachfeier zu seinem 50. Geburtstag. Besonders freut er sich, wenn seine ›Grillkunst‹ immer wieder in den höchsten Tönen gelobt wird.
Ich hatte allerdings ein Problem mit meinem Auto, es sprang wieder einmal nicht an, die Batterie war abermals runter. Vielleicht sollte ich doch einmal eine Werkstatt aufsuchen. In der kommenden Woche wollte ich das unbedingt in Angriff nehmen, denn im September sollte es wieder zum Besuch nach Auritz zur Mutter gehen, Zaunbau war geplant.
Ich habe mir die Batterie von Rolf noch einmal in die Wohnung tragen lassen und sie bis Montag aufgeladen, danach eingebaut und in meine freie Werkstatt (Auto – Klix) gefahren, ein letztes Mal, weil sie vor Inkompetenz glänzten.
Was war passiert. Als ich mein Problem schilderte, sagte mir der Monteur, »Sie haben zu wenig Luft auf dem rechten Vorderrad!«, es stimmte zwar aber mein Problem war durch höheren Luftdruck auch nicht gelöst. Er kam nun mit einem Messgerät, ein ziemlich großer Kasten, den er an die Batterie anklemmte, einschaltete, dann gab es einen Knall ,eine Lampe leuchtete, mit der Bezeichnung ›Batterie schlecht‹. Ich dachte, »Das Gerät gehört ins Technikmuseum!«. Damit war es für den Monteur klar, die Batterie ist kaputt, aber die ist erst zwei Jahre alt meinte ich. Er wollte mir zum Test eine neue einbauen, die Prüfung der Zellen scheitete am nicht auffindbaren Säureprüfer. Eine weiter Prüfung auf einen Leitungsschaden, scheiterte ebenfalls, weil in dem nach langem Suchen gefundenen Gerät die Batterie entladen war. Damit stand für mich fest, dort fahre ich nie mehr hin und verabschiedete mich dankend.
Anschließend fuhr ich zu Auto – Unger, nicht das erste Mal, auch hier brachte ich mein Problem vor. Nach kurzer Zeit prüfte ein Mitarbeiter, die Batterie und die Lichtmaschine mit dem Ergebnis alles in bester Ordnung. Für eine Tiefenprüfung durch den Elektriker musste ich das Auto dort lassen, man wollte mich anrufen um mich zu informieren.
Auf der Nachhausefahrt mit Bus und S – Bahn kamen mir wieder die Gedanken auf, was wird mit dem Auto im Dezember, wenn der TÜV ansteht. Eine Entscheidung habe ich noch nicht getroffen. Zu Hause angekommen, dauerte es nicht lange und die Werkstatt rief an, Fehler gefunden und schon repariert, schneller als ich dachte. Vier Kabel waren im Motorraum beschädigt, ob vom Marder, man weiß es nicht genau. Auto – Unger hat im Ansehen gewonnen und wenn ich das Auto behalte, werde ich vorerst dort bleiben, denn es ist schon ein schönes Gefühl von A nach B zu fahren.
Die Familie meines Ex – Schwagers Rolf, zu der ich ein ziemlich enges Verhältnis habe, lud mich wieder einmal ein. Meine Ex – Nichte Jessica hatte Geburtstag. Ich wollte neben Blumen noch etwas mitbringen, meine Digitalkamera, die hat zwar schon 2 Jahre auf dem Buckel, in der schnelllebigen Zeit lohnt es nicht so etwas zu verkaufen, besser ist es jemanden eine Freunde zu machen. Ich glaube das Geschenk ist angekommen, es war ein netter Nachmittag bzw. Abend. Ilona kocht übrigens sehr gut, es gab Hackbraten, für mich wurde eigens ein zusätzlicher kleiner, höherer Tisch aufgestellt, damit ich bequemer essen kann. Ich kann mich kaum bücken und den Kopf auch nicht so weit runterbiegen. Das sind wirklich nette Menschen.
Ein neues Highlight war für Anfang September geplant, den Flug buchte ich schon vor einigen Monaten. Ich wollte bevor meine ganzen Herbstuntersuchungen beginnen, Darmspieglung, Computertomographie, Sonografie noch einmal nach London fliegen. Ohne pessimistisch zu sein, ich weiß ja nie, wenn das komische Schwert, also das des ›Damokles‹ wieder anfängt über mich zu schweben. Für die Reise suchte ich mir das zweite Wochenende im September aus.

Meine Londonreise hat das Motto: ›Weekend in London‹ , meine Eindrücke dazu.
Nach der Rückkehr am Dienstag in der Nacht hatte ich nur einen halben Tag Zeit und musste gleich wieder zur Muttern nach Bautzen fahren, Tasche neu bestückt und los ging es am Mittwoch Nachmittag. Natürlich gab es einen Grund für die Eile, Mutter hatte nämlich für die noch vorhandenen Familienmitglieder eine Fahrt nach Prag gesponsert und die fand am Donnerstag statt.
Gemeinsam fuhren Mutter, Evelyn, Sonja und ich, mit weiteren 40 – 50 älteren Menschen, gegen 7.00 Uhr los. Das Wetter war prima, vielleicht sogar etwas zu warm. Ich hatte gerade an dem Tag wieder einmal mit Darmproblemen zu kämpfen, deshalb mag ich eigentlich keine Busfahrten.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, ich war zwar schon mehrmals in Prag, aber eben meist zu Einkäufen zu DDR – Zeiten, bis auf den Hradschin bin ich nie gekommen, auch die berühmte Karlsbrücke kannte ich nicht. Es war schon ein Erlebnis gewesen, einige schöne Fotomotive gab es auch und natürlich auf dem Prager Altmarkt ein frisch gezapftes Budweiser, welches ich gesponsert habe, zu mehr war leider keine Zeit gewesen. Den Anschluss der Fahrt bildete ein Abendessen in einer Baude unweit der deutschen Grenze, der Name ist mir gleich wieder entfallen, weil das Essen ›Grottenschlecht‹ war. Das von der Reiseleiterin angepriesen Wild befand sich im kaum essbaren Zustand, es muss ein wohl sehr, sehr alter Hirsch gewesen sein. Ich sehe meine Schwester Sonja noch vor mir, wie sie an den Bissen würgte. Dafür gab es Böhmische Knödel genug, für mehr als ein schmackhaftes Bier blieb dieses Mal auch Zeit. Solche Fahrten könnte man öfters machen, war unsere einstimmige Meinung.
Am Freitag spielten wir den obligatorischen Doppelkopf, bei stürmischem Wind auf der Terrasse bei Mutter. Sonnabend wurde der alte Zaun abgebaut und am Sonntag ging es zum Tanken nach Tschechien, anschließend besuchten wir, Mutter, Sonja und ich ein so genanntes Waldfest in Sohland, wo es rund um das Thema, Holz, Waldfrüchte usw. ging, ein kleines aber feines Fest. Für mich als absoluter ›Holzfan‹ wie gemacht.
Montag sollte nun die Aktion Zaun oder wie Mutter immer sagt ›Zaum‹ beginnen. Die Hauptperson war mein Neffe Daniel, der z.Zt. in Bayern seine Brötchen als Maurer verdient, weil es eben auch in Sachsen keine Arbeit gibt. So ganz sicher waren wir uns nicht, ob er pünktlich aus dem Urlaub von Kroatien eintrifft, aber er war am Sonntag zur Absprache erschienen. Es ist ja doch eine heldenhafte Tat, wenn er den restlichen, kargen Urlaub dazu verwendet um bei seiner Oma eine Zaun zu bauen.
Um 9.00 Uhr standen dann 4 Leute zur Arbeit bereit, Mutter, Sonja, Daniel und ich, als erstes mussten 11 ca. 50 – 60 cm tiefe Löcher für die neuen Säulen gegraben werden. Wir waren auf alles gefasst und Daniel hatte schweres Gerät besorgt. Vor allem meine Mutter meinte, es hätte dort eine Mauer gestanden und es sind große Steine zu erwarten, aber es stimmte nicht ganz. Daniel und ich gruben die Löcher, einmal mit viel Glück, einmal mit weniger und überhaupt 11 : 2 geht sowieso nicht, ich hatte mehr Glück, d.h. ich musste 6 Löcher graben, weil ich weniger Steine auszubuddeln hatte, so ein Glück aber auch.
Wir staunten nicht schlecht, als wir zum späten Mittag schon alle Löcher gegraben hatten, also konnten die Säulen noch am selbigen Tag eingesetzt werden, für Daniel als Maurer kein Probleme. Mir und den anderen blieben Handlangerarbeiten übrig, gegen 17.00 Uhr waren wir fertig, im wahrsten Sinne des Wortes.
Die groben Arbeiten waren damit erledigt, da ich der Einzige war der schon einmal einen Maschendrahtzaun verlegt hat, waren meine Kenntnisse jetzt gefragt. Am nächsten Tag, Sonja und Daniel erschienen wieder pünktlich, die Arbeit verteilte ich dieses Mal. Zuerst mussten die Leitdrähte gezogen werden, drei Stück an der Zahl, oben – mitte – unten, nachdem sie mit Spannschlössern gestrafft wurden, sah es schon ziemlich gut aus. An einigen Stellen musste noch etwas Boden entfernt werden. Nun kam der schwierigste Teil, die erste Rolle wurde ausgerollt, dazu brauchten wir die eine Hälfte der Dorfstraße. Die zweite Rolle Maschendrahtzaum musste jetzt angekettelt werden, nur ich kannte die Methode. Vielleicht ist der Draht etwas besser, aber die Methode ist gleiche. Danach konnte der gesamte Zaun provisorisch aufgestellt werden, es begann die ›Festknüpfarie‹ ein geduldiges Spiel, aber dank der Arbeiter Mutter, Sonja, Daniel war auch das bald überstanden. Es ist wirklich ein schöner, gerader grüner Maschendrahtzaun geworden, Mutter war froh, dass diese Arbeit endlich erledigt war.
Da ich mich auf mein Auto wieder verlassen kann, bin ich am Mittwoch, mit Obst und Gemüse für Familie Rolf und mich, mit Heu und Vogelmiere für meine Zebrafinken wieder nach Berlin gefahren. Die sich übrigens immer prächtig wohl fühlen, wenn ich eine Woche nicht da bin. Mit genügend Futter und Wasser funktioniert das prima. Es gibt auch einen neuen Plan für den Umbau bzw. Neubau des Vogelheims, z.Zt. ist er aber noch am PC in der Konstruktionsphase, erst will ich die Koloskopie abwarten.
Am Wochenende war schon wieder ein Arbeitseinsatz in Zeuthen von meiner unermüdlichen 85 jährigen Tante anberaumt wurden, zugegen waren wieder alle diesbezüglich Verdächtigen, gegrillt wurde auch wieder, ich habe mich aber bereit erklärt einen selbst gebackenen Pflaumenkuchen zu sponsern. So etwas geht mir eben auch problemlos von der Hand, wenn man nunmehr seit 7 Jahren alleine lebt, sie haben jedenfalls gesagt, er hat geschmeckt. Ich hoffe nicht nur aus Anstand, meine Tante bekam die restlichen zwei Stücke mit, sie schwärmte noch tagelang davon. Gearbeitet wurde auch, der Heckenverschnitt vom letzten Mal und der neu hinzugekommene musste geschreddert werden, das war ein ziemlich großer Haufen. Am nächsten Tag gab es den Muskelkater gratis dazu, aber wichtig ist, dass meine Tante zufrieden ist. Ich bzw. wir machen es hauptsächlich ihr zuliebe.
Das System bei meinem Zahnarzt, klappte bisher vorzüglich und seit ich wieder regelmäßig gehe habe ich auch mit den Besuchen bei ihm keine Probleme. Durch die Zahnarzthelferin werde ich halbjährig angerufen um einen neuen Termin zu vereinbaren, da gibt es keine Ausflüchte, find ich gut so. Meistens findet er nichts, aber jetzt mussten zwei alte Füllungen erneuert werden, die wie er richtig schlussfolgerte bestimmt 15 Jahre alt sind, ich musste zustimmen.
Ich hatte mich Anfang des Jahres schon einmal unverbindlich wegen Zahnersatz erkundigt und beraten lassen. Ich brachte das Gespräch noch einmal darauf weil ich noch zwei Jahre Zeit habe bis zur Rente, da ich mit 60 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen könnte. Es hängt davon ab, ob ich mit meiner geringen ›Strafrente‹ leben kann, weil ich eben nicht Deutschland bin. Ich würde jetzt als Bezieher von Grundsicherung die Kosten für den kompletten normalen Zahnersatz erstattet bekommen, ein paar Bonuspunkte habe ich ja auch schon wieder gesammelt, mein Zahnarzt meinte ich sollte das erst einmal mit meiner Krankenkasse abklären. Auf ein Problem machte er mich aber gleich aufmerksam, meine quer liegenden, schlafenden Weisheitszähne könnten zum Problem werden. Manchmal wird auch ein Gutachter der Krankenkasse hinzugezogen.
Was für eine begeisternde Idee, vom Skalpell des Kiefernchirurgen bearbeitet zu werden. Ich vereinbarte gleich nach drei Wochen einen neuen Termin, weil er meinte, wenn wir etwas machen wollen, dann gleich, weil man nie weiß was die Gesundheitsreform noch so alles bringt.
Einige Tage später war ich schon bei der Krankenkasse, ich wurde freundlich bedient, es gab sogar einen extra Platz für Zahnersatz, mit nur einer Nachfrage war alles geklärt. Ich bekomme die Erstattung, Irritationen gab es nur, weil die Summe der Leistung des Sozialamtes die Befreiungsobergrenze geringfügig übersteigt, aber im Bescheid steht die Gesamtsumme drin, einschließlich Wohnkosten und Krankenversicherung. So einfach habe ich es mir gar nicht vorgestellt, ich hoffe es realisiert sich auch so, damit ich wieder alle Welt anlächeln kann, d.h. ich konnte jetzt auch lächeln, aber nicht so breit.

In den vergangenen Jahren gab es eben wichtigeres, da galt es Prioritäten zu setzen. Ich wusste ja gar nicht ob es sich noch lohnt, denn man wird sowieso ohne Zahnersatz verbrannt, glaube ich jedenfalls.

Im September kam wie jedes Jahr die Betriebskostenabrechnung mit einer Rückzahlung von über 500 Euro, da wird sich das Amt freuen. Die Rückzahlung trete ich, wie es sich gehört, an das Grundsicherungsamt ab, ich habe die Miete und die Heizkosten ja auch nicht bezahlt, so viel Ehrlichkeit muss schon sein.
Das Schreiben wollte ich auch sofort in der Erstberatungsstelle des Sozialamtes abgeben, vier Leute waren vor mir und es dauerte ewig, eigentlich leuchtete es mir nicht ein, nur wegen der Abgabe dieses Bescheides hier die Zeit zu vertrödeln, mittlerweile waren die zwei Stunden kostenlose Parkzeit auch fast aufgebraucht. Leider hatte ich die Zimmernummer meines Bearbeiters nicht dabei, ich versuchte diese beim Pförtner zu bekommen, oder was auch immer diese Menschen für eine Funktion haben. Wichtig kommen sie sich schon vor, denn als ich nach der Zimmernummer fragte, wurde mir mitgeteilt, sie seinen angehalten worden keine Nummern mehr herauszugeben, was für eine Logik, die steht auf jeden Bescheid drauf. Da ich nicht annahm, dass es so lange dauern würde hatte ich sie nicht mit. Also warten, aber die Erlösung kam unmittelbar danach, als die nette, ja wirklich nette Mitarbeiterin am Kopierer etwas kopieren wollte und dieser besetzt war nutzte ich die Chance. Ich brachte mein Anliegen vor und fragte ob ich deshalb auch so lange waren muss. Ja war die Antwort, als ich aber sagte es ist schon eine Kopie, nahm sie mir diese ab, mehr war es nicht. Ob es den andern wartenden gefiel weiß ich nicht, ich war jedenfalls wieder draußen und konnte noch vor Ablauf der zwei Stunden den Parkplatz verlassen.
Ich war gespannt, was für ein Arzt mich in der Charité zur Remicade – Infusion erwarten wird, es war einer, der leider keine Ahnung hatte, er war so unerfahren, dass es nicht einmal lohnte, sich den Namen zu merken. Vielleicht war ich auch der wieder der Erste, der eine Infusion von ihm bekam. Der Ablauf war entsprechend, seine Frage; »So was muss ich den jetzt machen?« Die Laborwerte interessierten ihn nicht und das Rezept auszudrucken, schaffte er auch nicht, der Rest bei den Schwestern verlief wie immer, routiniert. Bei der Infusion werden jetzt Plastikflaschen verwendet, d.h. sie ziehen sich zusammen, es entsteht ein Vakuum und die Infusion tröpfelt langsamer. Es gibt aber eine Möglichkeit, dieses Problem zu beseitigen, was ich beim nächsten Tropf anwenden werde. So richtig zufrieden war ich mit dem Arztbesuch nicht, eine Infusion hatte ich noch in diesem Jahr, mal sehen was mich da erwartet.
Im letzten Jahr konnte ich mich bei der jährlichen onkologischen Nachsorge um die Darmspieglung herummogeln, dieses Mal musste oder besser, ich wollte, das volle Programm durchziehen, Labor, Computertomografie und Koloskopie. Die gute Seele der Praxis Schwester Yvonne musste die Anmeldung für zwei Arztpraxen bewältigen, aber sie ist trotz des Stresses der ruhenden Pol. Lange musste ich nicht warten, Frau Doktor war wie immer freundlich, nahm das Blut ab, fragte mich nach meinem Befinden und übergab mir die Überweisungen zur CT und zur Darmspieglung, nach der Darmspieglung, sollte ich wie immer zur Auswertung bei ihr erscheinen. Sie sagte, dass sie nur noch bis November da ist, worauf ich fragte, ob sie Urlaub macht. Die Antwort war für mich verblüffend, nein sagte sie, »Ich bekomme ein Kind!« etwas schüchtern, meinte sie, »Wenn ich stehe, sieht man es auch schon!«. Die Onkologin ist ca. 40 Jahre und lebte nach dem Motto, erst die Kariere und dann die Kinder, wenn es so geplant war, ist es in Ordnung und ich freue mich für sie, immerhin hat sie mich 6 Jahre lang begleitet und mir auch viel Angst vor der Chemotherapie und der Bestrahlung genommen. Ich konnte mit allen Fragen zu ihr kommen. Sie meinte in einem Jahr wäre sie wieder da, dazu habe ich aber auch andere Meinungen gehört, ich lasse mich überraschen.
Bewaffnet mit den Überweisungen, ging ich zuerst in die Anmeldung für die CT, bekam meinen Termin und holte mir noch die Trinklösung (Kontrastmittel) welches ich schon zu Hause trinken konnte, dann brauche ich nicht schon zwei Stunden vorher da sein. Den nächsten Termin holte ich mir in der Endoskopie, hier wurden mir auch die Beutel mit dem Clean Prep übergeben. Ich konnte mir die Frage nicht verkneifen, ob es nicht bald einmal etwas Wohlschmeckenderes für die Darmreinigung gibt, die Schwester meinte, ich sollte das Mittel mit Apfelsaft anrühren. Danach begab ich mich wieder zur Anmeldung der Onkologie, Schwester Yvonne meinte, ob ich meine Hausaufgaben gemacht habe, ich bejahte pflichtbewusst und bekam einen Termin zwei Tage nach der Darmspieglung. Das alles passierte im Monat Oktober bzw. November, es waren für mich zwei terminreiche Monate, kam doch noch der Besuch beim Zahnarzt, bei der Neurologin und bei der Diabetologin dazu. Die Dosis von Gabapentin wurde durch die Neurologin erhöht, weil meine Berührungsschmerzen in den Füßen stärker geworden sind, sodass ich nun 300 mg mittags und 400 mg zur Nacht nehmen muss, aber ob es hilft, mag ich nicht wirklich sagen, scheinbar auch etwas mit dem ich Leben muss.
Zuckermäßig geht es mir eigentlich am Besten und die Diabetologin ist regelmäßig erfreut, ich nehme meine Tabletten, aber ich achte im täglichen Leben nicht wirklich auf die Krankheit, vielleicht ist das ja, das Mittel.
Beim Zahnarzt passierte mir etwas seltsames, er hatte mich bestellt, um sich über den Zahnersatz mit mir zu unterhalten. Ich teilte ihm auch mit, dass die Kasse die Kosten übernimmt. Er röntge meine Zähne noch einmal und fing an zu grübeln, ja wenn er mir noch einen Zahn ziehen würde, dann wäre es kassenmäßig konform, das konnte ich nicht begreifen, eigentlich wollte ich einen Zahnersatz und mir nicht noch Zähne ziehen lassen. Er wollte mir einen Kostenplan zukommen lassen, aber seit dieser Zeit habe ich nichts mehr von ihm gehört. Mal sehen, was er sagt, wenn er mich im neuen Jahr zur Kontrolle bestellt und ich ihn daraufhin ansprechen werde. Eigentlich war er es, der mich zur Eile drängte, vielleicht steht ein Arztwechsel an.
Am Tag vor der Koloskopie, beginnt um 14.00 Uhr die Vorbereitung. Ich habe mich auch streng an den Ernährungsplan gehalten, also schon Tage vorher, Diät gelebt, damit der Darm endlich einmal richtig sauber ist. Ich wollte aber noch in der HNO – Praxis vorbei gehen, um mir das Nasenspray – Nasonex zu holen, was ich wegen der chronischen Nasennebenhöhlenentzündung nehmen muss, mit der Ärztin habe ich beim letzten Besuch vereinbart, dass ich das in der Anmeldung bekomme. Vorbildlich, mit einer Überweisung trat ich vor die Schwester, dann traf mich fast der Blitz, als sie sagte, »Herr Ullmann, sie besitzen seit 01.11.06 keinen Versicherungsschutz mehr, ihre Zuzahlungsbefreiung ist ebenfalls gestrichen worden! « Das Gesagte, wollte sich mir im Kopf nicht verewigen, ich begriff die Welt nicht mehr und brachte meine Verwunderung zum Ausdruck, das Rezept bekam ich aber trotzdem ausgestellt. Was nun stellte ich mir die Frage, gehe ich morgen zur Darmspieglung, wenn ich nicht versichert bin, dann muss ich es selbst bezahlen, ich habe keine Vorstellung was es kostet, wenig bestimmt nicht, oder die nehmen mich gar nicht erst dran, dann war die Vorbereitung umsonst und an die schlaflose Nacht gar nicht zu denken. Ich grübelte und fragte mich wo das Problem liegen könnte, eine Mahnung hatte ich auch nicht bekommen.

Alles was anderen nicht passiert, ist bei mir gepachtet, daran habe ich mich ja schon gewöhnt, manchmal ist nur KLEINSCHEISS, aber oft ist es eben auch größeres Ungemach.

Ich beschloss deshalb gleich noch zur Krankenkasse zu fahren um das Problem zu klären, Unwohlsein machte sich körperlich und geistig breit, was wird mich erwarten. Es erwartete mich eine freundliche Mitarbeiterin, der ich mein Anliegen schilderte, auf der Kasse gab es keine Anzeichen, dass ich keinen Versicherungsschutz mehr habe, es gab auch keine Beitragsrückstände, plumps!, machte es, ein ganzer Steinbruch fiel mir vom Herzen. Die Mitarbeiterin gab mir noch ein Schreiben mit, wo mir bestätigt wird, dass ich seit 1990 Mitglied der IKK bin. Der Darmspieglung stand also nichts mehr im Wege.
Das Ritual konnte beginnen, es ist schon die 8. oder 9. Koloskopie in 6 Jahren, nur das mit dem Apfelsaft ist auch keine Lösung, nach Schüttelfrost und mehrfachen Brechattacken trank ich am Abend noch ein Glas Wein, aber auch in der Nacht kam ich nicht zur Ruhe, aber ich kenne es. Da muss die Waschmaschine wieder in Aktion treten. Mein Termin war um 10.00 Uhr, nach der Anmeldung, musste ich noch einen Liter von dem ›Gesöff‹ trinken, mehrmals auf Toilette gehen, und es dauerte, warum, eine kleines Mädchen hatte Probleme bei der Magenspieglung, es weinte immer wieder. Die Mutter, hat sich sogar pikiert über den Geruch auf der Toilette geäußert, ist doch klar, wenn die zwei ›Zylinder‹ ständig in Benutzung sind, riecht es nicht nach Parfüm, nicht zumutbar für sie, dass ihre Tochter dort hineingeht. Es war anzunehmen, so wie sie sich aufführte, ein Privatpatientin, na ja was soll es, ich hatte Zeit. Es dauert nämlich auch im Krankenhaus, bis man eine mit Plüsch ausgelegte Toilette findet, nichts gegen die Tochter, aber die Mutter hat sicherlich was an der Waffel, und so werde die Kinder schon zu etwas besserem erzogen, Zweiklassenmedizin lässt grüßen.
Der Doktor entschuldigte sich bei mir, über die lange Wartezeit, wie sich herausstellte waren wir Landsmänner und kamen beide aus Bautzen, als er mich fragte, warum ich hier bin, sagte er gleich, aber sagen sie nicht wegen der Darmspieglung, also schilderte ich ihm meinen Grund. Dann bekam ich meine Spritze und merkte wie ich langsam von mir ging, dass schönste an der Darmspieglung. Noch positiver war, dass es keine Feststellungen gab, nicht einmal einen Polypen, den gab es doch immer, also blieb mein ›Notfallkoffer‹ jungfräulich.
Bei der Darmspieglung wird mir manchmal bewusst, dass ich alleine bin, die Leute kommen immer in Begleitung der Partner, selten so wie ich, wenn ich dann nach dem Aufwachen gefragt werde, wer mich nach Hause begleitet, muss ich sagen ›Keiner‹ ,sie sehen es nicht gern, eigentlich dürften sie mich gar nicht alleine gehen lassen. Mit dem Taxi ja, ist mir aber zu teuer, ich soll zumindest vorsichtig sein beim nach Hause fahren.
Ich konnte also beruhigt zur Auswertung in die Onkologie gehen, nebenbei, die CT war auch in Ordnung. Der neue Arzt wirkte etwas fremd auf mich, von Schwester Yvonne ließ ich mir noch die Grippeschutzimpfung geben, da ich nie, eine richtige Antwort auf meine Frage, wegen der Impfung, in der Charité bekommen habe, traf ich diesem Jahr die Entscheidung selbst.
Ende November, immer zum Buß – und Bettag, hielten Mutter und Schwester noch einen Besuch bei mir ab, entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten blieben sie sogar 3 Tage, bewundert wurde die neue Voliere und auch schon Ausschau nach neuen Vögeln gehalten, aber gekauft wurden keine. Natürlich musste im November noch einmal der Wald in der Zeuthener Gegend nach Pilzen durchsucht werden, aber es gab keine mehr, es ist bald so eine Mania wie die Doppelkopfmania. Als ich am nächsten Tag, meinem Besuch ›Das Schloss‹ in Steglitz zeigte, waren die beiden ›Nichteinkäufer‹ ziemlich sprachlos, es hat ihnen gefallen, danach fuhren wir zum neuen Hauptbahnhof. Dort erleichterte Mutter ihren Geldbeutel und lud uns zum Mittag ein. Gestärkt marschierten wir an der Spree Richtung Alex und danach statteten wir der Berliner Tante noch einen Besuch ab. Ein anspruchsvolles Programm nahm in meiner Wohnung sein Ende, bei Schultheiß und Kräuter, ich habe ja nicht Schnaps gesagt. Ich freue mich immer wieder wenn ich Besuch bekomme, leider ist es viel zu selten.
Meine Mutter ließ mir das Weihnachtsgeld da, ich wollte mir schon immer ein Bild machen lassen, gedruckt auf Leinewand mit Keilrahmen. Ich nahm einige Fotos auf Stick mit, natürlich von London, ließ mich in der Werkstatt beraten und entschied mich für eine Nachtaufname vom London Eye an der Thames. Die Größe, ca. 70 cm x 50 cm, ich war gespannt. Abholen wollte ich das Bild, nach der Infusion in der Charité, zuvor gab es noch eine Terminverschiebung auf den Nikolaustag, Vormittag beim Hausarzt und am Nachmittag zur Infusion.
Ende November war ich bei meiner Ex –Schwägerin Ilona zum Geburtstag eingeladen, ja eine der ›übriggeblieben‹ aus der Ehezeit, nette Menschen allesamt, die es im Leben auch nicht immer einfach haben. Als ich nun vorher über den Weihnachtsmarkt am Alex schlenderte und mir die Jugendlichen auf der Eisbahn ansah, kamen mir natürlich die Erinnerungen. Ich konnte vor meiner Krankheit auch gut Eislaufen, gelernt, auf dem wässrigen Dorfteich in Auritz, vervollständigt in Pirna auf Spritzeisbahnen und weiter betrieben im SEZ (Sport– und Erholungscenter) in der Landsberger Allee, vormals Leninallee, auch gemeinsam mit meiner kleinen Tochter. Leider heut nicht mehr möglich, weder das Eislaufen und schon gar nicht mit Tochter, schade eigentlich, in beiderlei Hinsicht, an einem Umstand bin ich zumindest selbst Schuld.
Ich sah aber etwas anderes, an einem Verkaufsstand, stand, eine Frau, mit der ich eine Zeitlang zusammen lebte, bis meine Ex – Frau in Erscheinung trat. Ich glaube, hier war ich das erste Mal seit über 6 Jahren wirklich feig, warum, ich bin nicht gerade wie ein ›Gentleman‹ von ihr gegangen, aber es ist Geschichte. Sie hat mich noch zweimal überholt, Gelegenheit genug, ihren Namen zu rufen, aber ich glaube ich habe mich doch irgendwie geschämt, mir war erbärmlich zu mute. Vielleicht war es besser so, sicherlich hat sie eine Beziehung, oder ist verheiratet, es gehört sich da wohl nicht, wieder in ihr Leben zu treten. Eines weiß ich aber sicher, sie hätte mich wegen der Krankheit nicht verlassen, eine wirklich liebenswerte Frau. Hinterher habe ich mich geärgert, bei meiner Schulfreundin hatte ich mehr Mut. Feigling!


Scheinbar habe ich im Leben doch einiges falsch gemacht, aber auch einiges richtig, besonders in den letzten Jahren brauche ich mir keine Vorwürfe machen.

Mit meinem Hausarzt verbindet mich seit über 15 Jahren ein enges Band, was auch meine Ex – Ehefrau nicht zerschneiden konnten. Wir unterhalten uns nicht nur über Krankheiten, auch über die Lage der Ärzte in Deutschland und wenn er mir erzählt, dass er den letzten Monat im Quartal umsonst arbeitet, frage ich mich ernsthaft, was Frau Merkel und Frau Schmidt für eine Politik machen. Sollte man nicht wirklich einmal die Wurzeln anpacken, an die Pharma – Lobby traut sich wohl keiner ran, schade eigentlich. Der Doktor wird in absehbarer Zeit die Praxis gemeinsam mit seinem Sohn betreiben, das finde ich nicht schlecht, denn ich habe ihm schon gesagt, solange ich lebe kann er nicht einfach aufhören.
Der 6.Dezember ist ja ein besonderer Tag für mich, vor 6 Jahren die letzte Bestrahlung in der Charité und vor einem Jahr, mein erster Flug nach London, seit dieser Zeit fasziniert mich diese Metropole, mit Tube, Pups und Menschen.
Die Infusion in der Charité war das bisher Letzte was ich erlebt habe, es war mehr ein Verhör, als ein Arztbesuch, aber der Reihe nach. Ich hatte bei der Terminverschiebung Bescheid gesagt, dass ich vorher beim Hausarzt bin und nicht genau sagen kann, ob ich es bis 13.00 Uhr schaffe, aber ich war pünktlich gewesen. Die Prozedur war die Übliche, anmelden, Befindlichkeitsbogen ausfüllen und warten. Nach einer Zeit kamen, die mir bekannten Schwestern, ich fragte, welcher Arzt heute da ist, die Antwort war ›Keiner‹ , meine Nachfrage ergab, die Ärzte wären alles zur Weiterbildung, nur der Stationsarzt der Rheumaklinik ist da, er befindet sich aber noch bei der Visite. Die Schwestern überlegten schon, ob sie mir einfach die Infusion geben, ich hätte zugestimmt. Es dauerte, gegen 14.00 Uhr war der Arzt zu sehen, er rief mich auf, leider fand er den Schlüssel für das Arztzimmer nicht. Nachdem er sich noch eine Viertelstunde mit einer Patientin der Rheumatagesklinik unterhielt, wurde der Schlüssel gefunden. Gemeinsam mit dem Arzt, und drei weiteren Personen betrat ich das Untersuchungszimmer. Ich musste mich frei machen, er horchte mich ab und besah sich den Befindlichkeitsbogen. Er fing sofort an zu mäkeln, das Kreuz ist nicht richtig usw. usw., ich glaube er wollte den anderen zeigen, er kennt sich aus. Das Arztzimmer machte auch nicht gerade einen Übersichtlichen Eindruck, Berge von Akten lagen auf dem Boden.
Der Eindruck bestärkte mich, wenn nicht unbedingt notwendig, werde ich auf der Tagestation keine drei Wochen mehr verbringen, es hat einfach kein Niveau mehr, es sei es gibt einen neuen Stationsarzt. über meine Probleme mit den Ohr– bzw. Kopfgeräuschen habe ich gar nicht erst etwas gesagt, ich hoffe es zieht bald wieder Ordnung ein, im Februar werde ich es sehen. Laborwerte interessierten auch nicht, das nächste Mal bringe ich keine mit. Vielleicht sollte ich in diesem ›Kummerkasten‹ mal etwas einwerfen. Ich sehne mich nach der Zeit, als ich noch bei Frau Dr. Franz, Detert oder Strangfeld war. Da gab es Vertrauen und ich hatte den Eindruck, man versucht zu helfen, zurzeit bin ich mir nicht mehr so sicher, es sieht mehr nach ›Abfertigung‹ aus. Die Schwestern arbeiten natürlich wie immer umsichtig, damit die Infusion schneller läuft, habe ich mir ein Loch in die Plastikflasche stechen lassen.
Um zur Bushaltestelle in der Invalidenstraße zu kommen, benutzte ich den Weg durch die Strahlenklinik, 06.Dezember vor 6 Jahren, dort fühlte man sich trotz der schweren Krankheit, oder vielleicht gerade deshalb aufgehoben und umsorgt.

Ich werde das in meinem restlichen Leben niemals vergessen, aber so ist es eben nicht überall in der Charité, noch überwiegt aber das Positive.

Von der Invalidenstraße fuhr ich mit dem Bus bis zum Nordbahnhof und dann mit der Metrotram über die Bernauerstraße zur Danzigerstraße um mein Bild in der Dunkerstraße abzuholen. Die Fahrt geht über eine Gegend wo die Mauer stand, heut versucht man mit mäßigem Erfolg daran zu erinnern, Touristen sah ich kaum, aber mehr Kommentar dazu nicht, ich kann mich nicht schon wieder outen.
Nach anfänglichen Suchen fanden sie mein Bild, es gefiel mir gut und hängt jetzt über dem Sofa in der guten Stube, obwohl eigentlich habe ich überall gute Stuben, trotzdem muss ich manchmal auch meine Wohnung herausputzen, sei es zum Beispiel zu Weihnachten und dem anschließenden Geburtstag. Wenn ich mit meiner neuen elektrischen Laubsäge, in der guten Stube, hantiere, da gibt es auch eine Menge Staub, aber zum Glück, ›Keine‹ mehr die meckert und mir geht es richtig gut dabei.
Zu Weihnachten werden die Dinge hingestellt, die sonst 11 Monate in Kisten lagern, nur in einem Jahr, habe ich nichts gemacht. Es gesellt sich auch von Jahr zu Jahr etwas hinzu, jetzt sind es englischen Weihnachtsmänner, mal sehen was es im nächsten Jahr ist. In meiner Voliere ist auch Weihnachten, neben den neuen fliegenden Schneebällen, den weißen Zebrafinken, gibt es einen Futterplatz mit Tannenzweigen,


Impressionen vom Advent in Berlin

aber auch die Hauptstadt liegt voll im Adventtrend.
Weihnachten ist auch immer für eine Überraschung gut, da denke ich schreibst eine Weihnachtskarte an meine Mailbekanntschaft Andrea, in Stralsund bzw. Waren (Müritz). Sie macht seit paar Jahren eine Qualifikation. Schon alleine dafür hat sie meine Bewunderung, leider habe ich lange Zeit nichts von ihr gehört, weiß aber, dass das Studium sie voll in Anspruch nimmt. Ich schicke die Karte ab, und einen Tag später habe ich ein Weihnachtspäckchen im Briefkasten. Obwohl wir uns noch niemals gesehen haben, gibt es einen Draht seit drei Jahren, ich hoffe der Sichtkontakt erfolgt noch irgendwann einmal. Als ich das Päckchen am 24. auspackte habe ich allerdings nicht gerade erfreuliches gelesen. Sie ist schon seit paar Monaten krank, will aber ihre Ausbildung weiter machen, so viel Lebenswillen und Mut, muss doch belohnt werden, ich wünsche es ihr, von ganzem Herzen und wenn dann im Geburtstagsglückwunsch, noch ein kleiner, selbstgehäkelter Schmetterling ist, da wird es einem warm ums Herz und ich kann nur danke sagen.

Ich schäme mich auch nicht, meines sentimentalen Charakters, ich bin auch mit fast 58 Jahren noch so und meine Seele wird sich nicht mehr ändern.

Wie jedes Jahr zur Geburtstagsfeier kommen die Bautzener, die Berliner Tante, meine Cousine mit Sohn, der Ex – Schwager mit Frau und seiner Tochter, die erstmals als Kraftfahrerin fungiert, eingeladen ist auch mein ehemaliger Gartennachbar aus Zeuthen, alle kamen in Intervallen. Die Vorbereitungen für die Feier beginnen am 26.Dezember mit Hackfleischbällchen braten, eigentlich wie jedes Jahr, es könnten noch so viele Leute kommen, ich mache es immer wieder gern. Am 27. habe ich auch wie immer 4 Baguettes geholt, belegt, um 12 Uhr standen die Bautzener vor der Tür.
Besonders habe ich mich über den Besuch meiner ehemaligen Gartennachbarn gefreut, die ihre Enkelin mitbrachten, die sich nach kurzer Zurückhaltung wohl in der Runde fühlte und mich bald in Verlegenheit brachte, als sie Filzstifte und Zeichenblock haben wollte. Für sie hat natürlich die Voliere eine besondere Anziehungskraft gehabt und als sie diese betreten konnte und die Vögel füttern durfte war sie überglücklich. Das Essen hat gereicht, es war eine schöne Feier und ein langer Tag für mich.
Danach gab es nur zwei Ruhetage, denn am 30.Dezember flog ich mit easyJet wieder einmal nach London. Es ist ein Traum von mir die Reise hat das Motto; ›New Years Eve in London‹ mehr geht dieses Jahr nicht.

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10.New Year's Eve in London, neue Planungen
und ein Fall für den Chirurgen
aus dem Jahre 2007

Nun ist das neue Jahr schon wieder paar Tage alt, ich bin sicher in Berlin gelandet, bisher hatte ich noch gar keine Zeit das alte Jahr zu resümieren und mir Gedanken über das neue zu machen.

New Year's Eve in London

Meine Reiseerinnerungen zum New Year's Eve und der New Year's Parade in London.
Wenn ich zurückblicke, es war gar nicht so ein schlechtes Jahr gewesen, wieder einiges von der Welt gesehen. Damals vor nunmehr fast 7 Jahren, am 10. Juli 2000, als ich gegen 14.00 Uhr aus der Narkose erwachte, da war an Brüssel oder London nicht zu denken. Eine Vielzahl von Problemen musste ich bewältigen, aber es ist Geschichte und heut haut mich so schnell nichts mehr um. Damals war mir mein Leben eigentlich schon manchmal egal, aber das hat sich gewaltig geändert.
Die Gesundheit hat sich über die Jahre stabilisiert, natürlich gibt es Probleme, aber ich kann sie gut bewältigen oder gar wegdenken, auch das habe ich gelernt. Die Monate Januar und Februar muss ich unbedingt dazu nutzen um meine Reiseerlebnisse zu bearbeiten, d.h. in Worte fassen und ausgewählte Bilder auf meine Website stellen. Es ist nämlich gar nicht so einfach, sich nach Monaten an die Details zu erinnern. Bis jetzt komme ich gut vorwärts, Renovierungsarbeiten stehen keine an und die Flugsimulation fliegt mir auch nicht davon.
Etwas ist mir allerdings in 2006 nicht mehr so richtig gelungen, meine Aktivitäten am Hometrainer gingen nur bis August, deshalb sind es nur 866 Kilometer geworden, aber seit März 2004 immerhin 3059 und das ohne Doping. Es gibt eigentlich keinen vernünftigen Grund im März nicht wieder damit weiterzumachen.
Das erste Quartal ist außerdem voll mit Terminen bei den Behörden, die Beantragung der Zuzahlungsbefreiung bei meiner Krankenkasse, aber absolute Priorität hat der Antrag auf Weiterbewilligung der Grundsicherung. Gerade dabei habe ich immer wieder ein ungutes Gefühl, obwohl es ja auch schon zur Routine geworden ist.
Natürlich sind auch diverse Arzttermine wahrzunehmen, an erster Stelle der beim Hausarzt, schon um alle Überweisungen zu bekommen und dort geht es nicht nur um die Krankheit, sondern auch um private Dinge und auch ein Hausarzt hat gesundheitliche Probleme. Es ist mehr ein Gespräch unter Kumpels, gut zu wissen, dass sein Sohn die Praxis übernehmen wird. Er will sich dann in einigen Jahren langsam zurückziehen, ich denke aber, dass ich zu seinem Sohn ebenfalls ein gutes Verhältnis aufbauen kann, bei den politischen Vorstellungen zur Gesundheit sicherlich auch in der Zukunft, wichtiger den je. Manchmal kann ich im Bett nicht wirklich zur Ruhe kommen, obwohl ich eigentlich keine großen Probleme habe, fängt mein Herz an zu pochen und es überkommt mich eine Unruhe, dieses schilderte ich ihm und er gab mir daraufhin aus seinem ›Giftschrank‹ Tabletten mit dem Wirkstoff Metoprololtartrat, von denen ich bei Bedarf eine Halbe nehmen soll.
Meine Verordnung für die diabetologische Fußpflege ist im Januar abgelaufen, also besprach ich mit meiner Podologin, was zu beachten ist, denn die Krankenkasse hat hier ihre eigene Vorstellung, d.h. zwei Wochen nach Genehmigung muss die erste Behandlung erfolgen. Da mein nächster Termin bei ihr erst Ende Februar ist, konnte ich die Nachfolgeverordnung nicht schon Mitte Januar beim meiner Diabetologin beantragen.
Der Diabetes ist gut eingestellt, sie war wie schon bei den letzten Besuchen sehr zufrieden. Der Blutdruck war wieder etwas niedrig 110/65 mm Hg, das passiert mir öfters einmal, obwohl in der Regel ist er normal. Wenn ich daran denke, wie mein Blutdruck noch vor Jahren bei einem Arztbesuch angestiegen ist. Ich kann mich gut erinnern, als ich meine Untersuchung für den Personenbeförderungsschein machen ließ, ist der Arzt bald in Ohnmacht gefallen, als er ihn feststellte, es war das typische ›Weißkittelsyndrom‹ . Da heute die Arztbesuche zum Alltag gehören, habe ich auch jegliche Aufregung verloren, egal ob Darmspieglung oder normalen Arztbesuch, selbst beim Zahnarzt regt mich nichts mehr auf, nur dass er den Heil– und Kostenplan für den Zahnersatz immer noch nicht fertig hat.
Die zweimonatliche Infusion wegen dem Morbus Bechterew stand im Februar auch wieder an, mal sehen was mich dieses Mal erwarten wird, gibt es einen neuen ständigen Arzt, nein es gab ihn nicht, Urlaub war die Ursache. Ein türkisch, sprechender Arzt hatte die Verantwortung, kein Rheumatologe und er tastete sich vorsichtig an das Problem heran, wichtig ist immer ob ein Infekt vorhanden ist, aber ich fühlte mich gut und andere Probleme brachte ich nicht ansprechen. Also verlief die Infusion wie immer, den Tropf gelegt, jetzt sitzen wir in der ›Palmenecke‹ ein abgeteilte Ecke im Flur der Tagesklinik, mit viel Publikumsverkehr.
Schwester Beate kam schon ins Grübeln bei der Rezeptausstellung, das machen, oder können die Ärzte nicht mehr. Der Termin, eigentlich in zwei Monaten war auch nicht möglich, gar kein Arzt da, nur eine Woche eher konnte ich einen bekommen.

Ich weiß überhaupt nicht mehr was sich hier abspielt, werden wir hier als notwendiges Übel behandelt?
Ich will es nicht hoffen.

Ich hatte aber mit den Schwestern der Rheumaklinik noch ein Problem abzuhandeln, die zum Urgestein gehören sind immer freundlich und gern bereit auf Fragen zu antworten. Ich habe mich erkundigt, wie die Aufnahmeprozedur in die Tagesklinik von statten geht, ich war ja schon einmal dort, für drei Wochen, heute sind es nur noch 13 Tage. Erkundigt habe ich mich für eine Frau, die auf meiner Website über den Morbus Bechterew gelesen hat und auch über die Therapie mit Remicade. Das was sie einleitend und abschließend schrieb ist genau das Ziel meiner Website;

Sehr geehrter Betreiber und Ideengeber von Alleinflieger.com! Danke für die informative Seite mit Ihren vielen, persönlichen und daher authentischen Schilderungen! Dies allein hilft (auch mir), das eigene Schicksal zu relativieren und vor allem: Nach vorn zu schauen!

Das war sie schrieb kenne ich genau, bis hin zur Iritis, auch das Suchen nach einem kompetenten Arzt und das wird sich auch mit der Gesundheitsreform nicht ändern.


Noch einmal großen Respekt vor Ihrer Arbeit (!) als Autor, Lebensbewältiger in schwierigen Situationen, strukturieren der Zeit: Flugsimulator fliegen, Zebrafinken, Englisch lernen, London–Fan werden, Homepage gestalten: Von der hatte ich auch wertvolle Infos (›tickende Zeitbombe im Auge‹, Bechterew) um meine Situation zu begreifen!


Ich hoffe auf meiner Website konnte sie einige Tipps bekommen, die Modalitäten für die Aufnahme in die Tagesklinik teilte ich ihr ebenfalls mit.
Eigentlich wollte ich noch warten bis die Grundsicherung durch ist, aber dann bin ich doch den nächsten Plan angegangen. Denn je zeitiger desto billiger. Im Juni fliege ich mit easyJet nach Schottland, genauer gesagt nach Glasgow, Flug, Hotel und ein Tagesausflug nach Loch Ness and The Highlands sind gebucht. Nun müssen nur die Gesundheit und das Wetter mitspielen.
Manchmal habe ich den Eindruck meine Neurologin denkt ich mäkele an ihrer Medikation zur Behandlung der Polyneuropathie, wenn ich nach anderen Medikamenten frage, die mir z.B. die Diabetologin empfiehl, wird sie immer gleich etwas ungehalten, obwohl das Gabapentin keine nachhaltige Wirkung hat, denn die Schmerzen sind manchmal extrem, auch die Erhöhung der Dosis hat bisher kein Ergebnis gebracht. In den Nebenwirkungen steht ja auch, dass es Tinnitus auslösen kann, darauf angesprochen, meinte sie die Kopfgeräusche kommen nicht davon. Ich glaube schon nicht mehr daran, dass ich jemals in beiden Problemen Abhilfe bekomme. Was hilft es, Zähne zusammengebissen und durch, solange es irgendwie geht.
Vom Hausarzt habe ich mir eine Überweisung für die Nuklearmedizin geben lassen, meine Schilddrüse wurde im vergangenen Jahr nicht untersucht. Ich gehe immer selbst in die Praxis um mir einen Termin zu holen und traf eine Ex – Schwägerin Jutta wieder, nachdem wir im letzten Jahr keinen Kontakt hatten, aber das soll sich wieder ändern. Ich glaube schon, dass ich soviel Menschenkenntnis habe um zu sagen, die Freude war auf beiden Seiten. Eine Unterhaltung über die Familien gab es auch, also weiß ich auch einiges neues. Sie vergab auch den Termin, Wartezeit 4 bis 5 Monate, aber sie meinte, »Na für dich Henry, lässt sich bestimmt etwas machen!« ,ich bekam einen Termin schon in 14 Tagen, Beziehungen schaden eben nur dem der keine hat, war früher immer so ein geflügeltes Wort bei uns, das hat sich wohl nicht geändert.
Bei der Untersuchung zum Termin, hat der Arzt gesagt, ich wäre ein ›Fall für den Chirurgen‹ , die Knoten wachsen nach außen und könnten auch eine Ursache für die Geräusche im Kopf sein, aber der Doktor meinte, ich solle erst einmal den Sommer genießen, was auch tun werde.
Ende Februar plante ich zum Geburtstag meiner Mutter nach Bautzen zu fahren, da ich im vergangenen Jahr nicht dort war. Im nächsten Jahr gibt es dann den 80. zigsten. Bevor ich den Besuch antrat, wollte ich unbedingt noch die Nächfolgeverordnung für die Fußpflege bei der Krankenkasse genehmigen lassen und die Unterlagen beim Grundsicherungsamt einreichen.
Bei der Krankenkasse erlebte ich schon einmal eine positive Überraschung, die Nachfolgeverordnung wurde sofort abgestempelt, d.h. genehmigt und ich konnte sie wieder mitnehmen. Im Sozialamt habe ich bei der Abgabe der Unterlagen erfahren, dass ich wieder eine neuen Bearbeiter habe, eine Direktkontakt gibt es scheinbar gar nicht mehr, man hat die Unterlagen in der Erstinformation abzugeben. Ich war der Einzige und die Unterlagen vollständig, ich habe wie immer alles dabeigehabt. Mir wurde mitgeteilt, dass ich nur die Unterlagen abzugeben habe, wo sich etwas geändert hat. O.K. ist ja gut, ich werde es mir merken. Wichtig sind die Kontoauszüge der letzten 3 Monate, nach was die wohl gucken, man weiß es nicht genau. Die Mitarbeiterin war nicht unfreundlich, aber auch nicht sonderlich zugänglich. Positiv ist, dass man den Antrag auf Befreiung von den Rundfunk und Fernsehgebühren gleich mit abgeben kann, damit spare ich einen Weg. Nun muss ich wieder warten, in der Hoffnung, dass es kein neues Ungemach gibt. Mein Plan war geschafft und ich konnte beruhigt zur Mutter fahren.
Bevor ich in Bautzen einfuhr, besuchte ich meine Schulfreundin in Dresden, zwei Stunden zum zweiten Frühstück, sie hat es auch nicht einfach, krank, die Arbeit steht auf der Kippe und da ist sie froh wenn sie ihr Herz ausschütten kann. Dafür bin ich offensichtlich der richtige Mensch. Ich denke sie freut sich schon wenn ich vorbei komme und ich tue es gern, oftmals bringe ich neben Blumen noch ein am PC geschriebenes Gedicht für ihre Geburtstagszeitungen mit.
In Bautzen wurde gleich am ersten Tag und in der nächsten Woche noch ein Doppelkopf gespielt, aber am Sonnabend haben Mutter, Schwester, Schwester, Schwager eine Zugfahrt nach Leipzig gemacht.
Dafür gibt es diese Wochenend – Ticket's, gar nicht mal so teuer, die Fahrt ging über Dresden, Riesa, Leipzig und zurück über Döbeln, Meißen, Dresden. Mir ist Leipzig noch als Messestadt in Erinnerung, vielleicht war ich vor über 30 Jahren mal mit hier. Ehrlich gesagt ich war etwas enttäuscht, viel hat sich hier nicht verändert, na ja mehr Läden, aber sonst. Ein schönes Erlebnis gab es auf dem Hauptbahnhof, es war der Sonnabend vor dem Rosenmontag, da präsentierte sich eine Kapelle aus Schwaben die Guggenmusik spielte und richtige Stimmung verbreitete.

Impressionen von Leipzig

Nach dem Geschäftsbummel haben wir zu Mittag in ›Auerbachskeller's Keller‹ gegessen, den kannte ich bisher nicht, sind durch die sündhaftteure Mädlerpassage gegangen und haben den Fuß von Faust berührt. Der war schon richtig blank, aber warum viele diesen berühren, konnte mir keiner sagen. Im Lotto haben wir jedenfalls nichts gewonnen.
Zum Geburtstag hat uns Mutter in die uns bekannte Bautzener Gaststätte ›Lusatia‹ eingeladen, wo traditionell die Trauer– und Geburtstagsfeiern abgehalten werden. Vorher haben wir noch ca. eine Stunde auf der hauseigenen Bahn gekegelt, das ist mir leider nicht mehr möglich, also betätigte ich mich als Fotograf.
Für Mutter habe ich noch paar Probleme für das Finanzamt geklärt, es ist schon entsetzlich was den alten Menschen alles zugemutet wird, wer keinen hat, bleibt auf der Strecke oder gibt dem Staat sein Geld. Mir macht es richtige Freude mich mit dem Finanzamt auseinander zusetzen, ich frage mich ernsthaft, was für Leute dort ihren Dienst machen. Da ich als selbstständiger Taxifahrer meine Steuererklärungen, die für meine damalige Frau und für ihre nebenberufliche Tätigkeit immer selbst gemacht habe, kenne ich mich ganz gut aus, es hat auch geklappt nach kurzer Zeit war das Geld zurück gezahlt. Diese Tätigkeit ist mir bei der Scheidung allerdings als Faulheit nachgesagt worden. Ich hätte zu oft, auch des Nachts am PC gesessen, die Einsparung von immerhin 2000 DM im Jahr, hat sie gern vergessen.
Praktische Arbeiten gibt es auch immer welche zu machen, hier mal einen Schalter wechseln, dort mal etwas anschrauben, am Grab vom Vater waren wir natürlich auch und haben paar Schneeglöckchen aus Mutters Garten hingestellt.
Das Hauptproblem war aber, ein Teil vom Dach des Carport hat sich beim Orkan Kyrill selbstständig gemacht und nun regnet es rein, dem Auto schadet es nicht, weil sie keins hat, aber ihren Gartengeräten und sonstigen Ein – und Auslagerungen. Da mein Neffe auch gerade da war, haben wir Maß genommen und werden Ende April ein neues, besseres bauen.
Zurück in Berlin, stellte ich beim der grünlichen Reinigung des Vogelkäfigs fest, dass meine neuen gefiederten Bewohner, die ›Schneeball – Finken‹ vermutlich Nachwuchs bekommen werden.
Der März sollte eigentlich ein ruhiger Monat werden, die Arzttermine lagen erst am Ende, ein Problem hatte ich zu bewältigen, ich musste bis Anfang April eine Gutscheineinlösung tätigen. Im Klartext heißt das, Erstellung einer DVD über unsere vier Klassentreffen. Meiner Schulfreundin hatte ich nämlich zu Weihnachten einen Gutschein geschenkt und den wollte bis zu ihrem Geburtstag einlösen, welch ein Leichtsinn von mir.
Mein Hausarzt sollte auch nicht zu kurz kommen, meine Besuche bei ihm liegen im Durchschnitt bei 4 bis 6 Wochen, vor allem für die Ausstellung der Überweisungen. Da gibt es welche die ich regelmäßig brauche, wie die Rheumatologie, Neurologie, Diabetologie, HNO und dann gibt es eine Überweisung, die ich immer in Reserve haben muss, die für den Augenarzt, ich weiß ja nie wenn die tickende Zeitbombe, die Iritis, wieder zuschlägt. Ich werde zwar auch so behandelt, aber hat man die Überweisung geht es ohne Komplikationen und wenn es Anzeichen gibt muss es sehr schnell gehen. Ich besprach mit ihm auch die Problematik der eventuellen Schilddrüsenoperation. Bei seinen Routineuntersuchungen gibt es immer einen Unterhaltung, die im Plauderton stattfindet, deshalb staunte ich nicht schlecht, als mein Blutdruck 140/80 mmHg war. Er war auch der Ansicht ich solle es machen lassen, aber den Sommer noch genießen, nicht weil es vielleicht der letzte ist, sondern weil es keine Eile gibt. Geeinigte haben wir uns auch gleich, dass ich wieder in das Sana Klinikum in Lichtenberg gehe, meine guten Erfahrungen bei der Krebsoperation haben es favorisiert. Für den nächsten Besuch Mitte April lasse ich ein Scheck Up machen, mal sehen was es ergibt.
Ich begann mit der Sichtung des Materials für die Klassentreffen – DVD. Meine Handlungsfähigkeit war allerdings etwas eingeschränkt, ich kann, wenn noch ungelöste Probleme vorhanden sind nicht wirklich etwas in Ruhe machen, immer wieder denke ich daran. Es ging natürlich um die Fortsetzung der Grundsicherung, man weiß ja nie was meine neue Bearbeiterin für Probleme mit dem Antrag hat, da habe ich schon so einiges erlebt, deshalb auch meine Unsicherheit. Obwohl ich auch realistisch bleiben musste, vor vier Wochen nach Abgabe der Unterlagen, also Mitte März kommt sowieso keine Antwort. Leider werde ich wohl diese Charaktereigenschaft nicht mehr aus mir heraus bekommen, das sitzt viel zu tief, aber es hat mit Pessimismus nichts zu tun.
Die Antwort kam tatsächlich Mitte März, es gibt einige, aber wirklich nur einige Euros mehr, weil sich die Energiepauschale verringert hat, diesen Posten habe ich noch nie begriffen, egal, das Geld ist wieder für ein Jahr genehmigt und die Mehrbedarfe auch. Die Energiepauschale taucht nun überhaupt nicht mehr auf, es wird jetzt bei den Heizkosten ein Warmwasseranteil abgezogen, auch das verstehe ich nicht, die Heizkosten und dieser Warmwasseranteil wird nur bis auf weiteres gezahlt, egal, lieber nicht nachfragen, denn es ist ja nicht weniger und Störungen lieben die Mitarbeiter im Amt überhaupt nicht. Es eben nur ein Verwaltungsakt, aber Positiv ist zu bemerken, den Antrag an die GEZ hat man direkt hingeschickt, das war sonst nicht üblich, informiert wurde darüber natürlich nicht, aber weil ich eine Kopie für meine Unterlagen bekam, dachte ich es mir.
Trotzdem kam einige Tage später, das Schreiben von der GEZ, dass meine Befreiung abläuft, vielleicht hat es ich überschnitten, erst einmal warten, es war noch Zeit und kurz darauf schickte mir die GEZ die Befreiung für ein weiteres Jahr. Damit kann ich den Sozialtarif bei der Telekom beantragen. Nun waren alle Problem geklärt, noch nicht ganz, die Befreiung von der Zuzahlung bei der Krankenkasse war noch abzuklären, ich hatte alle Unterlagen schon vom Arzt bestätigt, es fehlte nur noch der Grundsicherungsbescheid, auch hier war ich angenehm überrascht, ich bekam die Befreiung sofort und der zu viel bezahlte Betrag war innerhalb von wenigen Tagen auf das Konto überwiesen worden.
Wenn man keine Arbeit hat, macht man sich selbst welche, wie berichtet habe ich im vergangenen Jahr ein neues Zuhause für meine Finken gebaut, dabei muss ich wohl kurzzeitig die Übersicht verloren haben, denn der Bau ist so geworden, dass sich das Fenster nicht mehr öffnen ließ. Es geht zwar noch einen Spalt auf, aber das Fensterputzen ist unmöglich. Gerade jetzt im Frühjahr wenn die Sonne hinein scheint, na ja die Hausfrauen wissen was ich meine, obwohl, auch wenn ich mir noch so viel Mühe geben, so richtig streifenfrei werden meine Scheiben nie. Was soll es, wem es nicht gefällt, der muss ja nicht durchsehen.
Mir blieb nichts anderes übrig, ich musste den Käfig zurückbauen, was meinen 7 Finken absolut nicht gefiel, sie ertrugen es mit Fassung. Ich konnte es nur machen weil, die neuen Finken sich zu ›Rabeneltern‹ entwickelten und ihre Kinder aus dem Nest geworfen haben, gefunden habe ich sie in der andern Ecke des Käfigs, oder waren es die andern, ich weiß es nicht genau.
Die wichtigste Arbeit, die DVD habe ich natürlich pünktlich fertig bekommen. Das Feedback von meiner Schulfreundin war mehr als positiv. Es ist eine DVD mit ca. 450 verarbeiteten Bildern geworden, teilweise als Video zusammengefasst aber auch mit einzelnen Bildern, besonders wichtig war mir die musikalische Untermalung, mit den ›Sounds of the Sixties‹ genau unserer Zeit. Was für Arbeit eine solche Video – DVD macht, kann nur der ermessen, der sich damit beschäftigt. Aber ich konnte schon früher unter Stress ganz gut arbeiten. Deshalb wurden Terminarbeiten immer bis zur drohenden Katastrophe herausgezögert, ob das der allerbeste Arbeitsstil ist, vermag ich nicht zu sagen, aber es ging. Vielleicht sollte ich mir für die nächsten Projekte tatsächlich mehr Zeit nehmen, d.h. eher anfangen mit der Bearbeitung. Neben meinen Bildern von den Reisen, steht vor allem die DVD für meine Mutter zum 80. Geburtstag im Februar 2008 noch aus. Einige Bilder habe ich ja schon aufbereitet, aber es ist noch eine Menge Arbeit übrig.
Ende des Monats fand in Berlin ein großes der Europafest statt, unter dem Motto: EUROPA wird 50. Feiern Sie mit! Vielleicht haben die Veranstalter, sprich die Bundesregierung nicht mit so vielen Gästen gerechnet, hier zeigte jedenfalls Deutschland wieder einmal, wie weit es denken kann. Die Idee war schon gut, für die offiziellen Gäste, aber das Gedränge am Brandenburger Tor war eher lästig, die 75 Informationszelte waren auf dermaßen engen Raum aufgebaut, dass man Platzangst bekam, ich konnte es nicht nachvollziehen, die Straße des 17. Juli ist doch lang und breit genug, aber es ging ja nicht um Fußball. Das was im Flyer zur ›Große Open – Air – Veranstaltung‹ stand konnte man deshalb vergessen.
Noch zwei Arztbesuche standen an, die Remicade – Therapie in der Rheumaklinik und der Besuch bei meiner Diabetologin Frau Doktor Wagner. In der Charité war wieder ein neuer Doktor, zur Abwechslung mal einer aus Süd Tirol, aber er hinterließ einen guten Eindruck auf mich, komischerweise war der Blutdruck wieder höher als sonst. Blutwerte hatte ich keine mitgenommen, d.h. ich habe keine anfertigen lassen, weil sich die letzten Male keiner dafür interessierte. Ich bat den Doktor um eine Verordnung für die Physiotherapie, das gab keine Problem, die Infusion verlief wie üblich, am rechten Arm keine Vene gefunden, aber im linken, der Tropf lief ziemlich schnell durch, aber ich verspürte keine Nebenwirkungen. Auf dem Heimweg bin ich bei Konnopkes Imbiss in der Schönhauser Allee vorbeigefahren und habe eine Currywurst gegessen, hier soll es immer noch die besten in Berlin geben.
Die Diabetologin war wie immer zufrieden mit mir, es hat aber wieder 1 ½ Stunden gedauert bis ich dran war, dort war der Blutdruck viel niedriger 125/80 mmHg. Ich sagte ihr, dass ich gestern noch einen wesentlich höheren Wert hatte, sie meinte, »Herr Ullmann ,Sie fühlen sich hier eben wie zu Hause!«, das lasse ich so stehen. Vielleicht ist es so, jedenfalls bin ich mit der Wahl meiner Ärztin sehr zufrieden. Wenn möglich sollte ich im II. Quartal die Augenärztin aufsuchen, mal sehen ob ich da noch einen Termin bekomme.

Impressionen von der Pfaueninsel

Am letzten Sonnabend im März habe ich mich dem Schwedenclub angeschlossen und die Pfaueninsel besucht, wie viele andere Berliner habe ich diese Insel noch nie betreten, hier lernt man die andere Seite der Großstadt kennen. Die in der südlichen Havel gelegene Pfaueninsel gehört mit ihrem umfangreichen Pflanzen– und Tierbestand zu den schönsten und erlebnisreichsten Naturgebieten Berlins. Im Jahre 1990 wurde die Pfaueninsel sogar in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die etwa einen Quadratkilometer große Insel liegt südlich des Großen Wannsee und sie macht ihrem Namen alle Ehre, denn es gibt wirklich freilebende Pfaue, aber sie werden durch die hier lebenden Füchse ständig dezimiert. Erreichen kann man die Insel nur mit der Fähre, man muss für die Hinfahrt 2 Euro bezahlen, zurück wird man so mitgenommen.
Mein Kumpel und ich haben die Inseln langsam durchquertes und sind deshalb verspätete zum Mittagessen erschienen. Das wurde im gegenübergelegenen Blockhaus Nikolskoe genossen, dass Friedrich Wilhelm III. für seine Tochter Charlotte und deren Mann Nikolaus, den späteren Zaren, im Jahre 1819 im russischen Stil erbauen ließ. Nach einem durch Brandstiftung verursachten Feuer wurde das Haus wieder aufgebaut und wird heute als Gastwirtschaft betrieben. Von der Terrasse aus hat man einen wunderschönen Blick auf die Havel und die Pfaueninsel. Wer die Gegen nicht kennt sollte ihr einen Besuch abstatten, nicht nur für Berliner zu empfehlen auch für deren Gäste. Wer sich für Kirchen interessiert sollte die unterhalb von Nikolskoe gelegene Kirche St. Peter und Paul mit ihrem charakteristischen Zwiebelturm, die Friedrich Wilhelm III. ebenfalls nach russischem Vorbild errichten ließ besuchen. Ich habe es jedenfalls nicht bereut, viele Fotos gemacht und das schöne Wetter genossen.
Zwei Tage später war ich bei der Fußpflege und danach holte ich mir in der dazugehörigen Physiotherapie gleich die Termine geholt. Frau Wagner die Inhaberin der Physiotherapie, erkannte mich gleich wieder und sprach mich mit Namen an, obwohl ich so oft gar nicht hier bin. Ich brachte mein Problem vor. Ich bekam gleich am nächsten Tag einen Doppeltermin, Fango und danach Massage der HWS, vielleicht können meine Kopfgeräusche am Morgen dadurch etwas eingedämmt werden.
Ostern verbrachte ich in Ruhe, Besuch kommt keiner und weg fahren will ich auch nicht, denn ich muss nicht verreisen, wenn es alle tun. Pünktlich zu Ostern haben meine beiden Neuen wieder Eier im Nest, na das passt doch.
0stern in Ruhe zu verbringen, heißt für mich nicht, nichts zu unternehmen, in der Zionskirche in Berlin war am Ostersonntag ›Tag der offenen Kirche‹ angesagt, offene Kirche. Nun bin ich nicht wirklich ein Kirchgänger, ich sehen sie mir lieber von Außen an, es ist wirklich nicht abwertend gemeint. Ich habe ja auch eine langjährige Mailbekanntschaft die sehr aktiv in der Kirche ist und die hat es natürlich gefreut, als ihr von meiner Aktivität berichtete.
Nun war der Ostersonntag nicht wirklich ein schöner Tag, wettermäßig kalt und trüb, aber ich fuhr trotzdem los, bis zur Schönhauser Allee mit der S – Bahn. Dann mit der Straßenbahn bis zu Zionskirchplatz über die Szenestraße Kastanienallee im Prenzlauer Berg und da waren sie wieder da die Erinnerungen. Am Zionskirchplatz gab es früher, also vor mindestens 20 Jahren einen Zoo – Laden. Dort habe ich für meine Tochter zwei schöne Zebrafinken gekauft, weil sie ein sehr gutes Zeugnis in der Schule bekommen hatte. Sie haben den letzten gemeinsamen Urlaub mit meiner Familie nicht überlebt, traurig vor allem für meine Tochter.
Die Kirche hatte zu DDR – Zeiten auch einen Namen gehabt, hier befand sich die sogenannte ›Umweltbibliothek‹, ich hatte gehört, das man heute ausnahmsweise den Turm besichtigen kann, in Erwartung schöner Bilder wollte ich ihn besteigen, ich hätte es sein lassen sollen, denn was mich bei der Erklimmung erwartete war ein Albtraum.
Die Kirche steht auf dem höchsten natürlichen Punkt Berlins, dem alten Weinberg. Der 67 Meter hohe Turm steht genau im Schnittpunkt von Zionskirch– und Griebenowstraße und diente durch seine Höhe auch als Orientierung – und Aussichtspunkt, aber erst einmal muss man oben sein. Unten im Vorraum war ein kleines österliches Buffet aufgebaut mit Kaffee, Schmalz, Butter, Brot und gefärbten Eiern, der Eintritt zum Turm kostete 1 Euro, ich gab drei Euro und fragte noch die Leute ob man an einer anderen Stelle wieder runter gehen kann, ich dachte an Gegenverkehr, ja vermutlich war die Antwort, sie waren auch nur Gäste.
Ich versuchte den Aufstieg, die Wendeltreppe war am Anfang noch in Ordnung, wurde aber oben immer steiler und enger, es gab auch nur eine Ausweichmöglichkeit auf dem Weg nach oben. Den ganzen Fuß konnte ich auch nicht aufsetzen, es waren nur die Zehenspitzen möglich. Ich dachte daran welcher Teufel mich geritten hat, als Religionsloser diese Marter auf mich zu nehmen, Verzeihung solche Worte sollte man in der Kirche nicht in den Mund nehmen, oben wurde es noch enger, ich konnte nicht einmal mehr aufrecht gehen. Ich schaffte es trotzdem, zahlte noch einmal einen Euro, bekam einen Kaffee und zitterte am ganzen Körper, denken konnte ich nur an den Abstieg, trotzdem habe ich einige Fotos gemacht. Gut dass die Minolta eine Anti – Shake – Funktion hat. Ich staunte nicht schlecht, selbst eine Frau mit umhängtem Baby war hier oben. Nachdem ich alle Balkone betreten hatte, ging ich zurück, schloss mich einer herunterlaufenden Gruppe an, es kam niemand entgegen, aber ich dachte darüber nach, was passiert, wenn ich hier abrutsche oder mir schlecht wird, da fällt man doch bis nach unten durch. Ich schaffte es, wie alle andern auch, unten nahm ich etwas Brot mit Leberwurst zu mir, einen Kaffee und ein gekochtes Ei als Wegzehrung.
Vom Zionkirchplatz lief ich anschließend zum Alexanderplatz, sah noch im Park eiersuchende Kinder, na klar es war Ostern, langsam fühlte ich mich wieder wohler, Menschen waren kaum auf der Straße, auf dem Alexanderplatz war ein Osterevent im Gange, aber kaum Leute dort, bei dem Wetter auch kein Wunder. Abends im Bett dachte ich noch mehrmals an die Wendetreppe und war froh sicher in der Waagerechten zu liegen.
Die sechs Termine in der Physiotherapie waren innerhalb von 3 Wochen abgearbeitet, aber Erfolg verspüre ich nicht, mit einigen Problemen muss ich vermutlich leben. Beim Hausarzt war ein Check Up geplant, der letze erfolgte im Jahr 2003, da ich immer unter Kontrolle bin, ist das nicht so problematisch. EKG, Lungenfunktion und auch das Blutbild waren in Ordnung, na ja die Leberwerte waren wie immer leicht erhöht, aber darüber werde ich mir zukünftig keine Gedanken mehr machen und mein Glas Rotwein trotzdem trinken.
Nach Ostern fand der Frühjahrsputz in Zeuthen statt, ich hatte die personelle Organisation von meiner Tante übertragen bekommen, kein Problem für mich, so viel gibt es da nicht zu organisieren. Meiner Ex – Schwägerin Jutta hatte ich versprochen, sie, d.h. Familie Frank Neumann über den nächsten Arbeitseinsatz per Mail auch zu informieren. Warum Ex – Schwager Rolf sie bisher nie informiert hat, weiß ich nicht.
Es klappte prima, neben meiner Tante erschienen in Zeuthen,
Ex – Schwager Rolf,
Ex – Schwägerin Ilona,
Ex – Nichte Jessica,
Ex – Schwägerin Jutta,
Ex – Schwager Frank,
meine Cousine, der das Grundstück eigentlich gehört, war nicht da, sie hatte einen Brief mit Anweisungen hinterlassen und Kuchen für das Kaffeetrinken bereitgestellt.
Einige waren über den Brief nicht gerade erfreut gewesen, mir war es egal. Ich brauchte nicht arbeiten, nur zu organisieren, da war der Kompost auszubreiten, die Straße zu reinigen, die Dachrinnen zu säubern, Rolf braucht dazu fast keine Leiter. Große Aufregung gab es, als Jutta beim Kompostumsetzen eine Schlange aufschreckte, wir einigten uns auf eine Blindschleiche, jedenfalls nichts gefährliches.
Danach gingen wir zur Lieblingsbeschäftigung über, der Grill wurde angeworfen, das ist alleine Rolf seine Sache, obwohl Frank auch gerne grillt. Nachdem er in den letzten Jahren einige Fehlversuche abgeliefert hat, besitzt er einen neuen Grill, der funktioniert und wenn es klappt will er natürlich immer gelobt werden, was wir auch tuen. Mir haben besonders gut die Thüringer Bratwürste geschmeckt, Steaks gab es auch, aber ich bin mehr für die Würste. Es war wie immer viel zu viel, aber die Tante hat es bezahlt und jeder bekam noch etwas eingepackt, für schlechte Zeiten.
Es war ein sehr schöner, sonniger Nachmittag geworden. Es ist für mich außergewöhnlich, dass die beiden Familien zu mir stehen. Andere haben keinen Kontakt nach der Scheidung zu mir gesucht, obwohl damals das Grundstück fast komplett ›unter Wasser‹ stand. Am glücklichsten war meine Tante, Ordnung in Zeuthen, ihre Welt war in Ordnung.
Ende Mai hatte ich vor zur Mutter nach Bautzen zu fahren, aber es war keine Erholung geplant. Das Dach von Mutters Geräteschuppen wurde vom Orkan Anfang des Jahres stark lädiert, es hat mit kleineren Ausbesserungen 10 Jahre gehalten. Gerade als ich nach Bautzen fahren wollte zogen die Benzinpreise wieder an, also musste ich den Tanktourismus nach Tschechien nutzen, im Gepäck befanden sich neben Werkzeug auch zwei DVDs vom Klassentreffen. Mein Schulfreund Werner plante einen Besuch in Bautzen, ihm und der Mitorganisatorin Monika wollte eine schenken. Mein Aufenthalt war für eine Woche geplant, ich musste noch den Briefkasten präparieren, denn mein Postrausholer Helmut war im Krankenhaus. Wenn ich zu Hause bin macht mir die Werbung eigentlich nichts aus, aber innerhalb einer Woche läuft er über damit, deshalb klebte ich ein Schild daran, ›Bitte keine Werbung einwerfen, auch keine Zeitungen‹ und das klappt wunderbar. Ich hätte noch paar Tage bleiben können, aber für meine Finken wäre es knapp geworden, Futter ist kein Problem, aber das Wasser.
In Bautzen musste das Material besorgt werden, ich hatte alles berechnet, mein Neffe Daniel kann erst am Sonnabend kommen. Positiv war, dass beim Praktiker gerade die Aktion ›20% auf Alles‹ lief. Der erste Tag ging für das Angucken und auswählen der Baumaterialien drauf, am zweiten Tag wurde das alte Dach entfernt und die neuen Platten gekauft und am dritten Tag habe ich mit Schwester Sonja gemeinsam die neuen Platten verschraubt. Für Mutter war auch immer etwas zu tun, musste mal hier und da Hilfestel­lung leisten. Mein Vater wäre bestimmt von unsere Brigade begeistert gewesen, nur mein Neffe konnte seinen Ärger am Telefon nicht unterdrücken, weil wir schon so viel gemacht haben, war er sauer, später wird er froh darüber sein.
Am Sonnabend erweiterte sich unsere Brigade, es stießen hinzu Schwester Evelyn, Schwager Roland und mein Neffe Daniel, der nun begeistert war. Heute sollte die Dachpappe verklebt werden, ich konnte das Dach nicht betreten, weil man nur auf den Dachpfosten laufen kann. Es war heiß und Daniel war richtig im Stress. Roland musste Platten verlegen und ich kümmerte mich um die Dachrinne, die beim alten Dach immer ein Problem war. Mehrmals betonte Daniel, es sei nicht zu glauben, dass ich vor einigen Jahren an Krebs operiert wurde, ist doch auch eine wunderschöne Anerkennung, ich versuche auch durch Aktivität mich fit zu halten und jammern tue ich sowieso nicht.
Im zeitigen Nachmittag kam Werner, ich zog mich zurück, er war fast vier Stunden da und natürlich wurde viel erzählt, über die alten Zeiten, aber auch über die neuen Zeiten, da wir politisch auf einer ähnlichen Linie liegen, gab es auch hier viel zu deuten. Die beiden DVDs gab ich mit, Tage später rief er mich an, und meinte, dass er einmal reingesehen hat, ihm ging es aber mehr um das Programm, mit dem ich diese erstellt habe. Na ja dachte ich mir, so begeistert war er nicht, aber weit gefehlt, ich bekam nach einiger Zeit eine Mail, die von Begeisterung kaum zu überbieten war, er will sie nun gleich beim nächsten Klassentreffen im Jahre 2008 oder 2009 mit anbieten, Preisvorstellungen sind erwünscht. Einen Beamer will ebenfalls besorgen um diese allen vorzuführen, besonders hat ihn die musikalische Untermalung gefallen, Musik aus unserer Zeit, also der sechziger Jahre. Da scheint sich meine Arbeit gelohnt zu haben.
Sonntag war auch in Bautzen arbeitsfrei und Mutter, Sonja und ich machten uns nach Tschechien auf, vorher schauten wir noch bei Vaters Grab vorbei, legten paar Blumen nieder. Gleich hinter der Grenze in Sohland befindet sich die Tankstelle und seit neuem ein sogenannter Travel Shop, wo man einige Sachen billiger einkaufen kann z.B. Ballantine’s Finest Scotch Whisky 1 Liter für nur 12 Euro und viele andere schöne Whisky Sorten, nicht alle billig, aber wenn ich bald nach Schottland fliege muss ich schon einmal einen kosten. Beim Tanken kann man natürlich in Euro bezahlen , das Benzin kostet ca. 20 Cent weniger als in Deutschland.
Hier befindet sich eine Gaststätte in der man sehr gut zu Mittag essen kann. Ich konnte meine Mitfahrer bewegen einzukehren, weil sie immer etwas zögerlich im Ausland sind. Gegessen haben wir Hirschgulasch mit Böhmischen Knödeln und eine halben Liter tschechisches, wohlschmeckendes Bier. Mutter und ich wurden sogar vom Schwesterlein eingeladen, sie bezahlte pro Person nicht einmal 5 Euro, da kommt Freude auf. über die nette Bedienung kann man sich nicht beklagen, alle sprechen deutsch. Auf der Rückfahrt habe ich noch paar schöne Bilder von blühenden Rapsfeldern gemacht, davon will ich eins auf Keilrahmen ziehen lassen.
Hier in der Gegend findet das traditionelle Hexenbrennen statt, dazu wird am 30. April ein Feuer entfacht, mit dem man ›bösen Geister‹ vertreiben will. Dies wird bis spät in die Nacht gefeiert. Auf dem Hexenfeuer stehen gelegentlich ›Hexen‹ aus Stroh. Es gibt offizielle Feuer der Gemeinden und private in den Gärten, dieses Jahr wurden sogar, aufgrund der Trockenheit einige verboten, als Vater noch lebte haben wir das auch gemacht, jetzt schauen wir beim Nachbarn zu. Diese Feuer erinnern mich immer an meine Kindheit.
Vor nunmehr 52 Jahren wurde nach dem verlöschen der Feuer meine Schwester Sonja geboren und nun feiern wir jeden 1. Mai ihren Geburtstag. Es wurde gegrillt, die Sonne schien zwar, aber es war trotzdem kalt, zur Feier gesellten sich noch, mein Neffe Ronny, ein Sohn von Sonja und meine Nichte Anke mit Freund. Es war ein schöner Nachmittag, wieder kamen Erinnerungen an die Feiern auf, wo noch Spiele gemacht wurden bzw., Gedichte aufgesagt worden. Einige Spiele waren dann auch gleich wieder da, Federball, Dart, Luftgewehrschießen, nur die Tischtennisplatte wurde nicht aufgestellt. Ich hatte bis zur letzten Minute zu tun, eigentlich wollte ich mein Auto einer kosmetischen Behandlung unterziehen, es blieb keine Zeit. Beim Doppelkopf musste mich mein Neffe Ronny vertreten, er ist ebenfalls so ein versessener Spieler, wie meine beiden Schwestern. Als letzte Amtshandlung habe ich noch die Steuererklärung für meine Mutter gemacht, es geht noch. In Berlin angekommen hatte ich zwei neue Mitbewohner, der Nachwuchs der Finken war da, aber nicht so weiß wie die Eltern.
Der Zeitpunkt für die Pilotenreise der Colourair nach Fehmarn rückte immer näher, am zweiten Maiwochenende sollte sie stattfinden, da wir zwei Piloten aus Berlin sind, fuhr ich im Auto mit und brauche nicht mit dem Zug alleine fahren.

Impressionen von der Pilotenreise nach Fehmarn

Auf der Hinfahrt sind wir über Hamburg gefahren, leider regnete es in Strömen, trotzdem hat mir mein Kumpel, der ›alte Schwede‹ einiges von der Stadt gezeigt. Er hat hier einige Jahre gelebt, danach fuhren wir vollkommen nass weiter nach Fehmarn. Das Wetter besserte sich etwas, in Burg machten kauften wir uns jeder ein Six Pack Bier und ich brauchte unbedingt braune Schuhcreme. Meine brauen Halbschuhe hatten sich vor Nässe schwarz gefärbt, das geht ja gut los dachte ich.
Unsere Unterkunft ist das IFA Ferien–Centrum Südstrand Südstrandpromenade in Fehmarn/Burg, dort waren Appartments mit jeweils zwei Zimmern und einem Bad für je zwei Piloten bestellt. Genau dort war ich im letzten Jahr mein Bier trinken, also war das Finden auch kein Problem.
An der Rezeption im Hotel konnte mit unseren Namen keiner etwas anfangen, aber mit der Colour Air kannte man sich aus. Im ziemlich ausgelasteten Lift fuhren wir nach oben, unser Zimmer befand sich im 15. Stock, nur ein Stockwerk war noch über uns.
Die Aussicht war fantastisch, aber das Appartment, entpuppte sich als ganz gewöhnliche Zweiraumwohnung, mit Schlaf – und Wohnzimmer. Wer schläft wo, mein Kumpel, über zwei Meter groß , passte nicht auf das Sofa. Im Ehebett wollten wir nicht zusammen schlafen, also nahm ich das Sofa und quälte mich zwei Nächte lang.
So nach und nach versammelten sich die Piloten in der überdachten Strandpromenade, die auch zum Feriencentrum gehört. Es war gerade noch Zeit für ein Bier, dann fuhren wir zum Abendessen ins ›Det Old Aalhouse‹ was ich schon vom letzten Jahr kannte. Eigentlich schade, dass nur 8 Piloten teilnehmen. Ich habe wieder den Fischteller genommen, aber das nächste Mal, werde ich die Krabben nicht nehmen. Es ist nicht so mein Geschmack, Bier gab es auch und zur besseren Verdauung paar Line Aquavit, ein mit Kümmel versetzter Branntwein. Das besondere an dem ist, dass er einmal im Fass über den Äquator geschippert ist. Später im Hotel tranken wir noch ein Bier an der Hotelbar. Ich schlug mir irgendwo den Handrücken auf, weil ich immer mit meiner Fototasche zu tun habe. Es blutet wir verrückt, ein Taschentuch war schon versaut, ich nahm dann Toilettenpapier, die Piloten meinten schon ob ich ein ›Bluter‹ bin. An der Rezeption holte ich mir anschließend ein Pflaster.
Ich war froh als die Nacht zu ende war, es schlief sich entsetzlich auf der Liege. Wir machten noch paar Bilder vom Balkon, denn die Sonne schien, man konnte sogar einen kleinen Spaziergang am Strand machen. Am Frühstücksraum, stand pro Person 10 Euro, ein stolzer Preis. Wir waren uns nicht sicher, ob das mit im Zimmerpreis enthalten ist, unser Chef war noch nicht da. Das Frühstück war nicht inklusive, er zahlte die 10 Euro für jeden, ich hatte den Eindruck so richtig durchorganisiert war das nicht. Dafür wurde uns ein üppiges Buffet serviert, da es danach wieder auf die MS Deutschland zur Pilotenkonferenz ging, war jeder gut beraten sich ordentlich satt zu essen.
Mit der MS Deutschland fuhren wir wieder 4 x zwischen Puttgarden und Rodby hin und her. Ich musste mir meine Wunde am Handrücken neu verpflastern lassen, die nette Dame war sehr freundlich, fragte ob der Schiffsarzt kommen muss und gab mir noch paar Reservepflaster mit. In der Konferenz diskutierten wir, der harte Kern über die verschiedensten Probleme, die Zeit verging sehr schnell und 18.00 Uhr war die Zusammenkunft beendet. Man konnte sich auf dem Schiffsdeck nicht aufhalte, es zog wie ›Hechtsuppe‹ ,sogar die Plastestühle wurden vom Winde verweht. Zum Abendbrot fuhren wir mit dem Mietwagen zum Störtebeckerhaus nach Burg. Ich aß etwas leichteres, marinierter Hering, mit Bratkartoffel, es war trotzdem viel, deshalb wurde nach dem Bier, wieder ein oder zwei ›Line Aquavit‹ getrunken. Später am Abend wurde beim Bier noch gefachsimpelt, hier erfuhr ich vom Chef, dass er bei einer großen Hotelkette in Norwegen tätig ist. Klar haben wir auch über diverse Reisen gesprochen, als er anführte, dass er weltweit Plätze in den Hotels besorgen kann, wurde ich hellhörig. Es entwickelte sich ein permanent, aufstrebender Gedanke.
Am nächsten Tag, Sonntag war es schon wieder vorbei mit der Pilotenreise, nach dem ausgiebigen Frühstück checkten wir aus. Es stand noch ein Event an, der Rundflug mit der Cessna, der im letzten Jahr ausgefallen ist, das Wetter war prima. Wir hofften alle, dass der Flug stattfinden kann. Bald hätte es wieder nicht geklappt, weil die Wiese, durch den vielen Regen zu nass geworden war und der Flieger einsank. Der Pilot, ein Herr in meinem Alter machte es hervorragend, ich konnte hinten alleine sitzen und gut Luftaufnahmen machen.
Zurück bin ich mit dem ›alten Schweden‹ über den Timmendorfer Strand, der Badewanne der Schönen und Reichen aus Hamburg gefahren, mit Gang auf die Seebrücke und Stopp im Kaffee ›Wichtig‹ wo alle in eine Richtung sitzen um gesehen zu werden. Danach steuerten wir Lübeck an, machten einen kurzen Stadtbummel, heut war das Holsten Tor wieder ausgerüstet. Es ist so groß, ich bekam es gar nicht auf die Linse und es sieht so aus, als ob es in der Mitte durchhängt.
Die Weiterfahrt nach Berlin brachte uns 200 Kilometer Umweg ein,es war kein Kartenmaterial im Auto vorhanden. Wir fuhren die neue A 20 nach Rostock, bogen aber nicht nach Schwerin ab. Mit 50 Euro war ich dabei und 20.00 Uhr landete ich am Hauptbahnhof um den Rest mit der S – Bahn zu fahren, wie sooft in dem Jahr, musste ich zwischendurch den Busersatzverkehr benutzen. Halb Zehn lag ich in der Badewanne und ließ die Reise Revue passieren.
Wenn nur so wenig Piloten kommen, muss ich mir überlegen, ob ich noch einmal mitfahre, es ist zwar nicht schlecht unter Gleichgesinnten zu sein, aber billig ist es auch nicht wirklich. Dazu kommt, dass ich aufgrund der Versprechungen meines Chefs einen Flug nach Bergen in Norwegen gebucht habe, er dann aber doch nicht in der Lage war, ein Zimmer zu organisieren, so dass ich Stornogebühren bezahlen musste. Die Zimmer in Bergen kann ja kein ›Normal Sterblicher‹ bezahlen. Ich war schon enttäuscht, und habe meine Aktivitäten mehr oder weniger nur nach auf das Fliegen gerichtet. Ich mag solche Menschen, die sich mit Versprechungen hervortun überhaupt nicht.
Die Himmelfahrt verbrachte ich zu Hause, mit der Neuinstallation von Windows, es hatte sich ein hartnäckiges Virus eingenistet, welches mich keine Programme mehr öffnen ließ und meine Word – Dateien als leere Dokumente anzeigte. Die Neuinstallation ist kein Problem, aber irgendetwas geht immer etwas verloren, denn ich habe wohl in Hektik reagiert, aber es sind keine größeren Schäden entstanden, nun habe ich den Schwur zum hundertsten Male abgeleistet, täglich oder zumindest wöchentlich eine Datensicherung zu machen, mal sehen wie lange ich durchhalte. Nach soviel Stress musste etwas Kultur her.
Ich wusste auch schon was ich mache könnte, am Sonnabend gibt es in Berlin auf dem Bebelplatz die Premiere von ›Staatsoper für alle‹, ein kostenloser Operngenuss. Die restlos ausverkaufte ›Manon‹ mit Anna Netrebko wird ab 19.00 Uhr live auf einer 70 Quadratmeter großen Leinwand übertragen. Die musikalische Leitung hat Daniel Barenboim, auf dem Platz moderiert Alfred Biolek.
Wäre das etwas für mich? Ich entschied mich für ja, das Wetter war schön und warm, am Bahnhof Friedrichstrasse musste ich noch paar Briefe abgeben und danach lief ich über den Flohmarkt am Bode Museum in Richtung Unter den Linden. Berlin entwickelt sich wirklich zur Touristenstadt, Kutschen, Velotaxen, Sightseeing Busse und viele Menschen waren unterwegs, auf dem Bebelplatz ging es noch sehr übersichtlich zu, Bier– und Imbissstände waren schon vorhanden, davor kaum Leute, die Leinwand stand schon fast fertig da, aber überall wurde noch geschraubt, deshalb nahm ich noch einmal die Bauten in der Umgebung in das Kameravisier.
Vieles wurde neu hergerichtet, aber eine Frage stelle ich mir immer wieder, warum musste der Palast der Republik abgerissen werden, aber er rächt sich gewaltig, es wird teuerer und dauert länger. Ich habe dort jedenfalls schöne Stunden erlebt u.a. auch den Schuleingang meiner Tochter gefeiert.
Danach setzte ich mich auf eine Bank gegenüber der Staatsoper und beobachtete das Treiben dort, wenn man die Menschen in ihren feinen Roben sieht, lassen sich Gedanken nicht unterdrücken, man gehörte einmal vor vielen Jahren dazu, heut kommt doch etwas Wehmut, manchmal sogar auch Wut auf, aber es ist Geschichte, schade eigentlich.
Langsam war es Zeit zum Bebelplatz zu gehen, ich kaufte mir ein Paar Wiener, für zwei Euro und ein Bier 0,33l für 2,50 Euro, den Gästen der Staatsoper schien das relativ billige Angebot, ebenfalls zuzusagen, denn es waren nicht wenige hier. Der Platz war nun ungefähr eine Stunde vorher schon gut gefüllt. Stühle für 5 Euro wurden auch verkauft, aber die meisten Menschen saßen auf dem Pflaster, es war wie ein großes Picknick, auf jeder kleinen Erhebung, auf Paletten, auf Plastekisten hatten sich die Leute niedergelassen. Mir war schon klar, dass ich nicht bis zum Ende bleiben werde, vier Stunden stehen, das wird mir einfach zu anstrengend. Zusehens wurde es voller und begab mich weiter nach hinten, aber hier war genau so ein Gedränge. 15 Minuten vor 7 Uhr erschien Herr Biolek auf der Bühne, begleitet vom Bürgermeister Herrn Wowereit und dem Vorsitzende des Vorstandes der BMW AG, sie richteten einige Worte an die Anwesenden, BMW hat dieses Event übrigens gesponsert, mal etwas Positives von den Bayern.
Manon ist eine Oper in fünf Akten von Jules Massenet, der kurze Abriss der Handlung.
Als die Oper begann, herrschte ein sehr erwartungsvolle Atmosphäre auf dem Platz, als Anna Netrebko zu singen anfing wurde spontan geklatscht, sowie nach jedem Akt Jubelstürme und Beifall aufbrandetet, ich habe so etwas noch nie erlebt und es war aufgrund der guten Tonübertragung als ob man wirklich live dabei ist. Hinter mir standen nun die Menschen ebenfalls dicht gedrängt, auch aus den Fenstern der Staatsoper und der Humboldt Universität schauten die Menschen zu. Zwei hatten sogar die Uhr am Bebelplatz erklommen. Ich glaube so hatten es sich die Veranstalter den Zuspruch gar nicht vorgestellt. In die vorgetragenen Arien hinein, hat die Polizei ihre Lautsprecherdurchsagen verkündet, d.h. man sollte die Straße Unter den Linden frei halten, die Menschen sollten aufrücken, was nicht mehr möglich war. Sie habe es dann irgendwann aufgegeben und die Straße Unter den Linden gesperrt.
Als ich in der Pause nach dem 3. Akt 1. Bild gegangen bin konnte ich mir ein Bild davon machen, bis in den Hof der Humboldt Universität standen die Zuschauer, es waren 25 000 wie ich erfuhr. Das kommt bald an das ›public viewing‹ zur Fußballweltmeisterschaft heran, nur mit mehr Niveau. Ich habe es nicht bereut, da alles abgesperrt war bin ich bis zum Alex gelaufen, von dort mit der S – Bahn nach Hause gefahren und ließ den schönen Abend beim Glas Rotwein ausklingen.
Manchmal denke ich darüber nach, ob so ein Besuch auch zu zweit besser wäre, aber leider als ›Erwerbsunfähiger‹ hat man keine Lobby und wird von den Frauen oftmals nicht als vollwertiger Mensch angesehen. Wenn sie noch erfahren, welche Krankheit man durchgestanden hat, darüber hinaus nicht mehr so gerade gehen kann wie andere Menschen, ist es sowieso vorbei. Ja, mir sieht man es schon an, wenn ich so krumm dahergeschoben komme. Das tut aber meinen Unternehmungen keinen Abbruch.
Pfingsten begann ich, auch aufgrund des Wetters mit dem kompletten Relaunch meiner Website, ich wollte nun endlich das Zertifikat vom World Wide Web Consortium (oder kurz W3C), den Schöpfern von XHTML, erhalten. Die Seiten waren schon seit über einem Jahr in XHTML geschrieben, aber ich verwandte immer noch Frames, das wollte ich sowieso abändern, also machte ich mich daran.
Es hat irgendwie etwas mit Hausumbau zu tun, man muss planen, verwerfen, abwägen und schließlich anfangen zu bauen, nur eins ist anders, es kostet kaum Geld und man ist wetterunabhängig, denn in die Website kann es nicht reinregnen. Vor allem aber kostet es Zeit und Konzentration.
Weil ich gerade dabei war habe ich Webseiten getrennt zwischen Inhalt und Format, dazu verwendete CSS oder Cascading Style Sheets, eine Sprache zum Formatieren von HTML/XHTML–Elementen. Verglichen mit den HTML–Formatierungen bietet CSS erheblich mehr Möglichkeiten, wie z.B. Schriftgestaltung, Rahmen, Innen– und Außenabstände, Listen, Hintergründe, Positionieren. Ein wichtiger Punkt ist die Möglichkeit, Formate zentral festzulegen, d.h. entweder im head –Bereich eines Dokuments oder ausgelagert in einer separaten Datei. Dies hat den Vorteil, dass Formate nur einmal festgelegt werden müssen und diese für das gesamte Dokument, bzw. das gesamte Projekt gültig sind. Damit erreicht man ein über alle Seiten einheitliches Erscheinungsbild, was für einen gelungenen Webauftritt besonders wichtig ist.
Ich habe in der Vergangenheit meine Seiten schon mehrfach prüfen lassen, aber immer gab es Fehler und ich bekam die Validierung nicht, das ärgerte mich gewaltig, obwohl viele Webseiten, auch von renommierten Firmen noch in HTML geschrieben sind, aber ich wollte besser sein. Nach ca. 3 bis 4 Wochen hatte ich es geschafft und bekam die Validierung für XHTML 1.0 – Transitional und für die CSS – Dateien ebenfalls. Zwischendurch musste ich mich auch anderweitig beschäftigen, denn es wurde mir jeder falsches Zeichen oder Leerstelle angekreidet, das nervt mit der Zeit.
Deshalb entschloss ich mich, die Fenster in meiner Wohnung zu putzen und die Gardinen zu waschen. Es war gerade wieder ein sehr heißer Tag, aber ich packte es gut. Ich habe eigentlich keine Probleme mit solchen Arbeiten, mache sie auch ,wie jede Hausfrau ›gern‹ , nur meine Fenster werden immer streifig. Deshalb nahm ich wieder das alte Hausmittel Papier zur Hilfe, es klappte ganz gut, natürlich weiß ich auch, dass man bei Sonne keine Fenster putzt, aber es ist ja nicht immer überall Sonne. Im Zuge dieser Aktion habe ich eine lang anstehende Arbeit angepackt, der Umbau meines PC – Tisches (Schreibtisch) als Cockpit, damit ich zukünftig mein Hobby, die Flugsimulation, noch besser betreiben kann.

Für diese Arbeiten gönnte ich mir eine Belohnung, im September fliege ich für 5 Tage nach, na wohin, nach London, mit Abstecher nach Oxford.

Nun waren nebenbei auch noch einige Arzttermine abzuarbeiten, wenn ich die medizinische Fußpflege dazurechne, gab es hier eine angenehme Überraschung, die Fußpflege musste um fast 14 Tage verschoben werden, weil meine Podologin erkrankt war. Als ich nun den verspäteten Termin wahrnahm, stand dort eine junge Frau vor mir, die sich als Frau Höppner vorstellte, mit der Bemerkung, sie wäre aus Schottland. Besser konnte es nun nicht kommen, denn ich wollte in 14 Tagen nach Schottland fliegen. Es ergab sich eine sehr angeregte Unterhaltung, sie war in Schottland in einem Krankenhaus tätig, ihre Fußpflege empfand ich sehr angenehm. Meine Frage, »Was macht eine Schottin in Berlin?«, beantwortete sie mit, »Die Liebe hat mich nach Berlin gezogen!« Sie gab mir noch einige Tipps, manchmal gibt es schon eigenartige Zufälle.
Am nächsten Tag musste ich zur Infusion in die Charité, es war wieder ein Arzt da, den ich noch nicht kannte, oder hatte ich es vergessen, denn wie schon hinlänglich beschrieben, es sind immer andere dort, nur die Schwestern bleiben. Es lohnt sich auch nicht irgendwelche Probleme anzugeben, denn in der Charité wird eh nichts mehr gemacht, während der Studie war es noch anders gewesen. Jetzt kommt man nur noch über einen Facharzt zum Termin, schade eigentlich.
Trotzdem, etwas Gutes hat die Infusion langfristig doch, meine Beweglichkeit hat sich gebessert, ich kann mir meine Socken schon im Sitzen anziehen. Vorher war es nur im Stehen auf einem Bein möglich, es hatte etwas ›storchenhaftes‹ an sich wie das ausgesehen hat, manche lachten auch darüber. Da ich mich besser bücken kann, muss ich diese Verrenkungen immer öfters nicht mehr machen. Leider bleibt die Versteifung der Halswirbelsäule bestehen, das belastet mich immer mehr, ich habe mir deshalb auch einen neuen Termin bei der HNO – Ärztin geholt. Die chronische Sinusitis muss sowie beobachtet werden, ich wollte die ärztin auch noch einmal wegen der Infusion konsultieren.
Als ich in der Anmeldung stand, kamen mir die Erinnerungen an das letzte Jahr, »Herr Ullmann Sie sind nicht mehr krankenversichert!!«, die Sprechstundenhilfe erkannte mich wieder, ich bat um die Prüfung im Computer, es gab keine Beanstandungen, ich hatte den Mitgliedertest bestanden. Ich wusste ja, dass die Terminvergabe lange im Voraus erfolgt, es wurde von Oktober gesprochen, die andere Sprechstundenhilfe bot mir einen bei der Vertretung im August an, aber da ich ja mit der ärztin über die Infusion sprechen wollte, fand sie es für Richtig, wenn ich zur regulären Sprechstunde komme. Ich bekam den Termin Anfang September, einen Tag vor der nächsten Londonreise.
Vorher war ich noch bei meiner Diabetologin, ein besonders heißer Tag, was wird er sagen der Zucker und der Blutdruck, nach 1 ½ Sunden war ich dran, angenehm überrascht. Mit dem Wert von 5,5 mmol/l und dem HbA1c Wert von 5,6 mmol/l waren wir beide sehr zufrieden, komischerweise war auch der Blutdruck prima 125/75 mm HG, meiner Schottlandreise stand nichts im Wege. Ich unterhielt mich noch eine Weile mit ihr, u.a. auch über Schottland. Ein Problem über das ich sie noch informierte, die Sache mit dem Blut und die schlecht heilenden Wunden. Sie meinte bei der guten Einstellung kann es an dem Diabetes nicht liegen, sie wollte ab zum nächsten Mal ein Blutbild machen, dazu sollte einen Woche vorher vorbei kommen, damit es zum Termin vorliegt.
Vor der Schottlandreise gab es noch paar Kalamitäten, bei einer Windbö vor einem Gewitter flog mein Sonnenschirm vom Balkon und ward fortan nicht mehr gesehen. Der Stiel war aber noch da, als ich einen neuen Schirm kaufen wollte, war meine Batterie vom Auto, wieder einmal vollkommen leer. War es die Hitze oder stellte es wieder einmal den Antrag entsorgt zu werden! Nun steht sie ausgebaut im Bad und wartet auf das Ladegerät, aber vor Schottland tut sich hier nichts mehr. Nun war es soweit, am Dienstag in der Mitte des Monats Juni flog ich für 5 Tage nach Schottland.

Impressionen von meiner Scotlandreise

Die Reise steht unter dem Motto; ›Glasgow and the Highlands‹ , hier sind meine Reiseerinnerungen dazu.
Zum Glück habe ich mich über das Wetter in Deutschland, vor meiner Rückkehr informiert, sonst hätte ich wohl einen Hitzeschock bekommen, sicherlich wunderten sich die Schotten über mein sommerliches Outfit. Nun gilt es die Eindrücke zu verarbeiten und vor allem die 700 Bilder auszuwerten.
Mein Hausarzt wollte mich paar Tage später auch sehen, komischerweise war hier der Blutdruck wieder leicht erhöht, was soll es. Ich sagte ihm, dass ich immer aufgeregt bin wenn er mich abhört, er äußerte; »Ist doch verständlich, wir kennen uns ja erst über 15 Jahre!« Als ich ihm erzählte, dass ich im Mutterland des Whiskys war, musste ich dazu nähere Auskünfte geben, er trinkt gern einen Whisky, natürlich konnte ich ihm von meinem mitgebrachten 12 Jahre alten Glenfiddich nichts abgeben und mein ›The Glencairn Glass‹ zeigte ich auch nur. Wir waren uns einig, man schreibt dem Whisky alle möglichen medizinischen und magischen Eigenschaften zu. Whisky ist an sich kein Heilmittel, allerdings verspürt man einfach keine Schmerzen, wenn man davon paar Schlucke zu viel getrunken hat.
Er meinte zu mir, die Leberwerte waren ja bei der letzten Blutabnahme ganz gut, also hin und wieder kann ich mir ein Dram (35 ml), ein Schluck gönnen. Ich werde wohl noch zum ›Genusstrinker‹ . Aber es ging nicht nur um Whisky beim Arztbesuch, ich wolle wissen, wenn ich mich ernsthaft mit der Schilddrüsenoperation befassen muss, denn im November bzw. Dezember wollte ich das machen lassen, er meinte im Oktober geht es los, bis dahin war also noch etwas Zeit.
Meine Batterie steht immer noch im Bad, aber nun will ich mich darum kümmern, weil Mutter und Sonja sich für Ende des Monats zum Besucher angemeldet haben, da brauche ich das Auto um die Einkäufe zu erledigen. Mein Kühlschrank wird sich freuen, da muss er beim Öffnen innen nicht gleich beschlagen. Vermutlich liegt es aber an der schwülen Luft und nicht an der Leere. Da ich zurzeit sowieso auf dem abnehmenden Ast sitze, muss er auch nicht so voll sein, seit April 5 Kilogramm angenommen, aber nicht durch hungern, sondern durch Bewegung auf dem Ergometer, das habe ich mir vorgenommen und zumindest bis zum optimalen BMI (Body Maß Index) geht es weiter. Ich möchte nicht Teil der ›Fettsucht – Epidemie‹ werden, die fast alle Länder der Erde befallen hat, in Europa haben die Deutschen gewonnen, ›Wir sind die Europameister‹ , endlich wieder ein Titel! Die Weltgesundheitsorganisation beurteilt das als äußerst bedenklich und als Vorbote einer demnächst wieder sinkenden Lebenserwartung . Wenn man nicht aufpasst kann heut jeder Opfer der gewinnorientierten Nahrungsmittelindustrie, die billige, aber dafür kalorienstrotzende Fertiggerichte so verlockend anbietet, werden. Dagegen hilft Bewegung und natürlich eine gesunde Ernährung, es droht sonst mit zunehmender Leibesumfang das ›metabolische Syndrom‹, also die Störung des gesamten Stoffwechsels, die geradewegs zu Diabetes, Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten und dadurch langfristig zu Herzinfarkt und Schlaganfall führt.
Ich bin kein Gesundheitsapostel, trinke auch mal ein Glas Wein oder Whisky, durch die Diabetes und der Knoten in der Schilddrüse bestimmt keinen guten Stoffwechsel, dazu kommt noch meine Autoimmunerkrankung. Ich versuche zumindest einiges für mich zu tun, deshalb erkenne ich auch solche Ausreden wie Stoffwechselprobleme nicht an, sicherlich gibt es wirklich kranke Menschen, die meine ich auch nicht, aber meist liegt es einfach am ›inneren Schweinehund‹ , und wer an die teuren Nahrungsergänzungsmittel und irgendwelche Vitamine glaubt, der wirft nur sein Geld zum Fenster raus. Ich weiß von was ich rede und von wem ich rede.
Die Ladung der Batterie verlief, nach längerer Anlaufschwierigkeit problemlos, deshalb wusste ich nun auch nicht wirklich, wo der Fehler liegen könnte. Das Auto sprang auch an und ich fuhr zu AUTO – UNGER, 10.00 Uhr war ich dort und hoffte auf Rettung. Da ich keinen Parkplatz bekam wollte ich schon wieder losfahren, manche Probleme lösen sich ja von selbst, aber das Risiko war mir doch zu hoch, also wartete ich bis ein Platz frei war. Die Aufnahme schickte mich mit meinem Problem zum Elektriker, der war froh, dass ich mein Auto dort lassen wollte. Das Problem war geschildert und ich lief den Kilometer zurück zur S–Bahn.
Nun hieß es abwarten, wenn kommt der Anruf, der kam auch, gegen halb Sieben, man konnte nichts feststellen, die Säure der Batterie sei allerdings etwas dunkel, was auf eine baldige Erneuerung hinweist. Ich beschloss gleich eine neue einbauen zulassen. Bei sintflutartigen Regenfällen fuhr ich zur Werkstatt, der Regenschirm befand sich natürlich im Auto, prima für mich. Da ich immer mal Probleme mit der Batterie habe, war ich über den neuen Preis fast schockiert, dafür fliege ich nach London und wieder zurück. Nach so einer Aktion bin ich immer am überlegen, wie lange ich mir den Stress mit dem Auto noch antuen will, aber die Entscheidung fällt mir echt schwer.
Ich hatte mir für Mutter und Schwester Sonja etwas Besonderes einfallen lassen, ein Zugfahrt mit dem ›Warnemünde Express‹ nach dem gleichnamigen Ort. Das ›Schönes Wochenend Ticket‹ gibt es für 33 Euro, für bis zu fünf Personen, kein schlechter Preis. Der Zug ging 8.30 Uhr vom Hauptbahnhof los und war 11.30 Uhr in Warnemünde. Da meine Mutter die Fahrt bezahlt hat, wurde es für mich noch günstiger, aber ich habe mich als Kraftfahrer einspannen lassen, da konnte sich mein Auto gleich einmal beweisen ob es die Reparatur verdient hat, na ja einen Obolus hat meine Mutter hier auch dazu gegeben.
Am Tag zuvor wurden noch paar Einkäufe getätigt, die GfK (Gesellschaft für Konsumtion) wird es wundern, wieso ich so viel eingekauft habe. Eine S–Bahnfahrt zum Alex machten wir auch noch, genauer gesagt zur Galleria Kaufhof, wo ich mir eine Jacke zurückhängen lassen habe. Dort in der Feinkostabteilung gab es ganz kleine Kartoffel, die meine Leute so gern essen. Sie waren begeistert.
Eine neue Jacke brauchte ich unbedingt, ich gab in Glasgow, mit meinem Seidenblouson, eine nicht so glückliche Figur ab. Die zwei Fettflecken auf dem Rücken, die trotz mehrmaliger Wäsche nicht rausgegangen sind und dann riss sie noch irgendwo ein, mein Entschluss stand fest, sie wird nur noch zum Pilze suchen angezogen.
Die Jacke ist eine von ›Esprit‹, nicht so billig, aber gesenkt, deshalb brauchte ich Urteile, diese waren durchweg positiv, nur meine Mutter meinte in ihrer unnachahmlichen Art, »Macht die nicht sehr schlank?«, aber wer hat damit schon Probleme. Es blieb kaum Zeit sich zu unterhalten, der Reiseproviant musste noch zubereitet werden, wie üblich Spiegeleischnitten und noch paar Snacks.
Am Sonnabend fuhren wir zum Hauptbahnhof, erstaunlicherweise zeigte sich mein Auto von der positiven Seite, ich wollte auch meiner Schwester diese Fahrt nicht überlassen, ich glaube, sie hätte keinen ruhigen Schlaf gehabt. Unweit vom Bahnhof bekamen wir auch einen Parkplatz, der lange Zug kam pünktlich an und war trotz des durchwachsenen Wetters gut besetzt. Leider saßen wir in einem Wagen mit äußerst lästigen Reisegästen, die dem Alkohol reichlich zusprachen. Am aufdringlichsten waren die Frauen, seine Mitreisenden kann man sich nicht aussuchen, wie waren uns einig, so benehmen wir uns bei entsprechenden Ausflügen nicht.

Impressionen von der Ostsee

Ich, bzw. wir kannten Warnemünde noch vor der Wende, Mutter war sich nicht sicher, ob sie schon mal hier war. Es hatte sich viel verändert, viele Boutiquen, Gaststätten und Boote am alten Strom. Sonja und ich sind bis zum Ende der Mole rausgelaufen, dann zurück zum Teepott. Im Hotel ›Am Leuchtturm‹, genauer gesagt im Restaurant – Bistro ›Olive‹ habe ich die Damen zum Rostocker Bier eingeladen, hier an der Strandpromenade konnten wir sogar im Strandkorb sitzen. Danach ging es weiter zum Hotel Neptun. Auch das Hotel macht einen nicht gerade billigen Eindruck, aber wir wollten hier nicht übernachten. Mutter sponserte uns anschließend eine Hafenrundfahrt, zwischen zwei Regenschauern stachen wir dann in See, aber einer erwischte uns voll auf dem Oberdeck, zum Glück war ein Teil davon überdacht, Sonja und ich mussten gehörig aufpassen, das unser ›Lübser Pils‹ nicht überlief. Trotz des Regenschauers brauchten wir die Rundfahrt nicht bedauern, sie war interessant und informativ.
Mir kamen dabei einige Erinnerungen;


Die erste war, von Warnemünde bin ich 1989 das erste Mal nach Dänemark übergesetzt, dabei Mutter, Vater und meine damalige Lebenspartnerin dabei, wir wussten noch gar nicht, ob wir es schon dürfen. Eine stürmische See, volle Fähre, kein Westgeld waren nicht so angenehm. In Gedser reichte es nur für einen kleinen Spaziergang, später bin ich noch mehrmals dort angelandet u.a. auch um meine Lebenspartnerin in Dänemark zu heiraten, ich hätte es lieber lassen sollen. Meine Eltern habe ich als Trauzeugen ebenfalls mit involviert. Aber es ist Geschichte und das ist auch gut so, so konnte ich mein neues Leben, nach der Krebsoperation, genießen. Die ist nun schon 7 Jahre her und keiner hätte es geglaubt, was ich bis jetzt aus dem Leben gemacht habe, darauf bin ich, ohne überheblich zu sein, zu Recht stolz.
Weiterhin dachte ich an die Fahrten vor der Wende zur Ostsee, wieder mit ihr und meinem Lada 1500 cm², ein russisches Auto, eines der Besten in der ehemaligen DDR. Dort haben wir im Auto, auf irgendeinen Platz übernachtet, damals gab es keine Probleme, es interessierte sich keiner dafür. Von Marienehe setzen wir mir der Fähre über die Warnow und genossen den alten Strom, kauften dort von irgendeinem Kutter Sprotten, die waren damals ›Goldstaub‹ ,frisch geräuchert und noch warm. Auf einer Bank an der Warnow haben wir diese genüsslich gegessen, sicherlich gab es später auch noch etwas Trinkbares zum Nachspülen.
Die niveauvollste Übernachtung war wohl die auf dem Parkplatz am Traditionsschiff, in der uns in der Nacht ein schweres Gewitter heimsuchte, man hat es schon gehört, dass man im Auto sicher ist, aber weiß das auch der Donnergott. Am Morgen war alles wieder vorbei und wir konnten unseren mitgebrachte Tisch, Stühle und Propangaskocher im Freien aufbauen, zum Frühstück gab es Kaffee, Eier und Schrippen. Warum sollte ich das fallen lassen, auch das ist Geschichte und die war ja nicht nur schlecht, denn es gab noch keinen Westen.


Kurz nach 18.00 Uhr fuhr der Zug wieder von Warnemünde ab, bis dahin stand er ungenutzt auf dem Gleis herum. Es war ein kurzes Wochenende mit Mutter und Schwester, am Sonntag sind wir noch auf einen Sprung in Zeuthen vorbeigefahren, wo uns meine Berliner Tante freudig erwartete ,um uns den Garten zu präsentieren, ihr ganzer Stolz, besonders wenn er so gepflegt aussieht. Ich stellte fest, dass zumindest die Hecken geschnitten werden müssten und organisierte gleich für Mitte Juni einen Arbeitseinsatz mit den üblichen Verdächtigen, meine Tante freute sich über den Einsatz.
Im Mittelpunkt des Fußpflegetermins bei der Schottin, in der Physiotherapie von Frau Wagner, stand natürlich meine Schottlandreise, es gab viel zu erzählen, sie war echt begeistert und mit ihrer Behandlung, bin ich sehr zufrieden. Ich hoffe für die nächste Reise bekomme ich noch paar Tipps, denn sie kommt aus einem kleinen Dorf im Glyde – Tal. Im nächsten Jahr, anlässlich meines 60. Geburtstags, werde ich mir noch eine Reise nach Schottland gönnen, man weiß ja nie. Ich habe einen Traum, ich möchte im Leben noch einmal in der Natur die Papageientaucher (Puffins) erleben, dazu muss ich auf die Orkney Inseln.
Jetzt kommt ein kleiner Schwenker, manche werden mich vielleicht belächeln, der 58 jährige interessiert sich für so etwas und hört dazu auch noch solche Musik. Das erste Event, war das von RTL II übertragene, ›CONCERT FOR DIANA‹, organisiert von den Prinzen, ihren Söhnen. Dazu musste ich extra noch meine Antennenanlage umbauen, weil ich RTL II nicht empfangen kann, sogar Teile der Schrankwand habe ich umgesetzt. Hier interessierten mich besonders Sir Elon John, Anastacia und Fergie. Die ersten Beiden sind ja bekannt, aber wer ist Fergie, sie singt Hip Hop, verrückt, oder. Ihr Titel ‹LONDON BRIDGE‹ gefiel mir ganz gut, alles was mit London zusammenhängt gefällt mir und den neuen ›BIG GIRLS DON'T CRY‹ finde ich super. Insgesamt hat mich das Konzert sehr bewegt, obwohl ich nicht mit allen Acts etwas anfangen konnte.
Aber es kommt ja noch besser, das ›LIVE EARTH CONCERT‹ am darauffolgenden Wochenende, dafür habe ich sogar den Flusimulantenstammtisch sausen lassen, es war sowieso wieder einmal Schienenersatzverkehr angesagt, d.h. von meinem S–Bahnhof Grünbergallee fuhr kein Zug. Nebenbei fand auch noch der Prolog der Tour de France in London statt und da haben es die Engländer so richtig verstanden, ihre Stadt zu präsentieren, trotz der Terrorproblematik, ich war begeistert, auch der nächste Tag der Tour war klasse, EUROSPORT übertrug ja die ganze Etappe, mit allen Sightseeing – Punkten. Die Gebührenprogramme hatten es nicht notwendig, dort wurde geritten, da ich keine Gebühren für diese Programme bezahle, muss ich mich auch nicht aufregen. Es war also viel los am Wochenende in London und die Organisation war perfekt, Polizei war zwar präsent, aber nicht aufdringlich, immer im Hintergrund, ich habe es ja schon oft persönlich erlebt, vielleicht kann sich hier unsere Regierung etwas abgucken. Da ja künftig, nach Gedanken von einem gewissen Herrn, alles Überwacht werden soll. Ich baue es nicht weiter aus, sonst sitze ich auch noch irgendwann in der Falle.
Mich interessierte beim Konzert vor allem London, ob es wirklich etwas zu bewegen vermag kann ich nicht beurteilen, ein Denkanstoß war es allemal. Ich wollte natürlich ›Madonna‹ hören und als sie nach 21.00 Uhr im neuen Wembley Stadium auftauchte, staunte ich nicht schlecht, was die Pop Ikone drauf hat. Als sie den eigens für das LIVE EARTH CONCERT produzierten Titel ›HEY YOU‹ (die heimliche Life Earth Hymne) gemeinsam mit dem Kinderchor sang, hatte ich Gänsehaut bekommen, sicherlich sind die Meinungen über Madonna unterschiedlich und kontrovers, ich mag sie, spätestens seit dem Musicalfilm ›EVITA PERRON‹ zumal ich das gleichnamige Musical im Londoner ›Adelphi Theater‹ gesehen habe. Vom mir hätte der Film einen Oscar bekommen. Was war das Fazit, ich habe mich bei musicload.de angemeldet und mir diese beiden Titel, trotz Modemverbindung runtergeladen.
Nach dem bewegenden Wochenende, holte mich die Wirklichkeit schlagartig ein, ich musste zum Grundsicherungsamt. Die Krankenversicherung hatte sich um 1 Euro erhöht, über die Erhöhung war ich ja nicht sauer, obwohl mir die Berechnung vollkommen unklar ist. Ich bekam schon 10 Tage vor Ablauf des Termins eine Mahnung vom Team Versicherungsrecht, namentlich von der gewissen Frau, mit der ich in der Vergangenheit schon einige unangenehme Berührungen hatte, sie drohte mir gleich wieder an, mich in eine höhere Beitragsklasse einzustufen, wenn ich nicht bis zum Termin mein Einkommen mitteile. Sie war es auch, die mir die Mitgliedschaft in der Versicherung kündigen wollten.
Das zweite Problem beim Amt, war der Antrag zur Wertmarke für die vergünstigte Fahrt der Schwerbehinderten im öffentlichen Personennahverkehr, was für ein Bandwurmsatz, dazu brauchte ich eine Unterschrift und den Stempel vom Grundsicherungsamt. Der Montag scheint kein guter Tag um die Ämter aufzusuchen, vordem Zimmer für die Regelung solcher Probleme saß keiner, also klopfte ich, ein ›Herein‹ war nicht zu hören, ich öffnete trotzdem die Tür einen Spaltbreit und sah die Dame dort sitzen. Die Frage, ob ich eintreten darf, ignorierte sie, aber ich stand schon vor dem Tresen. Vorsichtig und ganz leise äußerte ich, »Ich hätte zwei Probleme zu klären!« .Sie kam langsam mit ihrem Bürostuhl an den Tresen rangefahren, etwas mehr Bewegung hätte ihr auch gut getan, ist aber ihr Problem. Ich legte das Schreiben von der Krankenkasse vor, gelangweilt nahm sie es entgegen, nun kam der erste, von zwei Sätzen; ›Ist das schon eine Kopie?‹, der zweite Satz war; ›Was ist das zweite Problem?‹, sie hatte mir doch wirklich zugehört, ich brachte es vor, bekam mein Stempel, bedankte mich und verabschiedete mich, natürlich ohne eine Antwort zu bekommen.

Das sind solche Situationen, wo mir bewusst wird, was der Staat für eine Macht über mich hat und wie beschissen es ist, davon abhängig zu sein, egal der nächste Tag ist mein Auferstehungstag und seit dem muss ich mit dem Staat zusammenleben.

Am Nachmittag leistete ich noch Hilfe und holte meinen Nachbarn aus dem Krankenhaus, schlimm, wenn die Kinder zwar hier wohnen, aber für solche Sachen keine Zeit haben. Ich habe ihn deshalb schon mehrfach geholfen, nur seinen Dackel ›Dagmar‹, oder ist eine Dackelin, nehme ich nicht in Pension.
Mein Schulfreund Werner aus Pirna rief auch an, ob er am folgenden Tag nicht mal für eine Stunde bei mir vorbeischauen kann, natürlich konnte er, es war ein angenehmes Treffen, gibt es doch viele Gemeinsamkeiten zwischen uns. Die alten Zeiten werden immer wieder gern aufgewärmt, über die Gegenwart haben wir eine Meinung, die lautet eindeutig ›SCHEIßE‹ , darüber hinaus rückt das nächste Klassentreffen im Jahre 2009 heran, unsere Monika will es am Lieben schon 2008 machen, mal sehen wer stärker ist.
Mitte Juli stand wieder ein Arbeitseinsatz in Zeuthen ins Haus, mit dabei die üblichen Verdächtigen Familie Neumann (Rolf, Ilona, Jessica) die Tante und ich, meine Cousine mit Sohn waren auch anwesend, sie bildeten ihre eigene Brigade und arbeiteten am Anbau. Zu arbeiten gab es für uns nicht so sehr viel, sodass Rolf bald seinem Hobby ›grillen‹ frönen konnte und wenn das so richtig klappte ist er der glücklichste Mensch auf der Welt, unser Rolf eben. Es gab Thüringer Bratwürste und Ilona reichte in der Arbeitspause noch ein paar Schnittchen, nebst Bouletten. Die können mit meinen Bouletten locker standhalten. Ich sollte überlegen, ob ich sie nicht zur ›Geburtstagsbraterei‹ einladen soll. Gegen 17.00 Uhr fuhren wir nach Hause. Der Herbsteinsatz ist für Mitte September geplant, hier gibt es mehr Arbeit, deshalb muss die Teilnehmerzahl erweitert werden, ob ich den wieder organisiere, muss ich mir aber noch überlegen.
Mit erstaunen entnahm ich, eine Woche nach der Abgabe des Schreibens von meiner Krankenkasse im Grundsicherungsamt den Bescheid mit dem neuen Krankenversicherungsbeitrag. Es ging wirklich schnell, ich konnte wieder ein Problem abhaken. Einige Zeit später, erhielt ich auch das Beiblatt zum Schwerbehindertenausweis, damit kann ich wieder ein Jahr den öffentlichen Personennahverkehr kostenlos nutzen, das gilt übrigens nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland.
Die Infusion in der Charité verlief wie immer, positiv ich kannte den Arzt. Da hier die Patientendaten bzw. Patientenakten für den Computer aufbereitet werden, musste er paar mehr Angaben erfassen, wenn es hilft und die Betreuung besser wird! Für das Kompetenznetz Rheuma wollte ebenfalls einige zusätzlich Angaben für die Kerndokumentation haben, dabei geht es um die Erfassung von wichtigen klinischen Daten (Diagnosen, Therapien) durch den Arzt und um Angaben des Patienten zum Befinden, zu Schmerzen und Einschränkungen im Alltag. Diese Aussagen sollen dem Arzt helfen, sich ein besseres Bild von der Krankheit zu machen. Die Daten werden am Deutschen Rheuma – Forschungszentrum in Berlin ausgewertet, regelmäßige Berichte und Veröffentlichungen erstellt, die Aufschluss über die Versorgungssituation von Rheumakranken geben. Um einen Vergleich mit der Situation in anderen Ländern zu ermöglichen, ist vorgesehen, einen kleinen Teil der Daten in eine europäische Datenbank einzubringen. Natürlich wird der Datenschutz dabei gewährleistet. Ich habe damit sowieso keine Probleme, Hauptsache es hilft den Betroffenen.
Der Doktor hatte ein Problem mit mir, Laborwerte waren nicht dabei, manchmal wird sich auch dafür nicht interessiert, aber heute schien es wichtig zu sein. Deshalb sollte ich nach der Infusion noch ins Labor gehen, Carola schüttelte nur ungläubig den Kopf. Wusste der Doktor nicht, dass die Blutabnahme gleich hier auf der Station gemacht wird?
Oftmals denke an die Zeit, als Frau Dr. Franz noch da war, sicherlich weint sie der Charité in einer Schweizer Privatklinik in Luzern keine Träne nach, solche Ärzte gehen wegen der Gesundheitspolitik dem Staat verloren, macht ja nichts. Die Patienten müssen es ausbaden, denn ›das Gefühl hier steht der Patient im Vordergrund‹ habe ich lange verloren. Bei Frau Dr. Franz war ich auch schon nicht mehr in der Studie, bekam aber trotzdem Kontrolltermine im Virchow Klinikum, wegen der Iritis, heut interessiert sich keiner mehr dafür, obwohl sie ebenfalls eine Autoimmunerkrankung ist, die mit dem Morbus Bechterew zusammenhängt. Ich bin mir auch bewusst, dass die Ärzte vielleicht gar nichts dafür können, leider konnte ich bisher auch kein Verhältnis zu den neuen Ärzten aufbauen.
Die Schwestern, heißen die überhaupt noch so, ich werde mich erkundigen, Beate und Heidi in der Anmeldung und die auf der Station Kerstin und Carola sind natürlich ausgenommen, da ist das menschliche Verhalten. Trotzdem bin ich froh im Jahre 2002 hier gelandet zu sein, denn meine Schmerzen sind zurückgegangen, die Beweglichkeit im Halswirbelbereich ist allerdings nach wie vor stark eingeschränkt. Man sieht es mir schon an. Ich kann deshalb nur Menschen begrüßen die mir direkt entgegenkommen, die ausweichenden sehe ich nicht. Vielleicht habe ich deshalb weniger Freunde, als vor dem 50. Geburtstag oder erkenne sie nicht mehr und sie können mir problemlos ausweichen.
Seit Jahren schleppe ich mich nun nicht nur den Morbus Bechterew mit mir herum, nein auch einen Spitznamen ›Heinrich‹ ,den habe ich schon vor fast 40 Jahren bekommen, hier in Berlin beim Wachregiment. Ich weiß allerdings nicht mehr warum, es war jedenfalls kein Schimpfname, vielleicht auch von Henry hergeleitet. Drei Jahre Wachregiment haben nicht nur mich geprägt, sondern auch den Namen innerhalb meiner Familie. Heute überlege ich manchmal, da gibt es doch ein Märchen mit dem ›krummen Heinrich‹ und der bin ich wohl jetzt, so fügen sich die Schicksale zusammen. Probleme habe ich jetzt, besonders beim Autofahren, das Rechts und Links gucken wird zum Problem, auch das Hochgucken, so gibt es auch oftmals Schwierigkeiten beim Fotografieren, deshalb kommt jetzt ein Winkelsucher auf die Minolta. Manche, auch die meine Komplikationen kennen, sagen trotzdem ›Guck mal dort oben!‹ und wissen oder denken nicht daran, dass ich es nicht sehen kann. Ich finde aber nicht, dass ich dadurch im Leben viel verpasse. Es hätte noch schlimmer kommen können und alles braucht man nicht zu sehen.
Nun bin ich schon wieder abgeschweift, die Infusion lief, nachdem Carola den zweiten Versuch mit der Vene brauchte, von mir gesteuert ziemlich schnell durch, obwohl ich Zeit hatte. Bei der Terminvergabe bei Beate gab es eine Überraschung, das Remicade Medikament wird nun von der Charité selbst bestellt, ein Vertag mit der Krankenkasse wäre ausgehandelt worden. Es gäbe aber noch eine Alternative, wenn ich bei meiner Apotheke irgendwelche Vorteile hätte, kann ich es dort weiter ordern. Es handelt sich immerhin um 1500 bis 1700 Euro, aber Vorteile bei meiner Apotheke konnte ich bisher nicht erkennen, Zeitungen bekommt man in jeder. Zugaben irgendwelcher Art gab es nie, ich kenne andere Apotheken, die etwas geben (Sälbchen, Pülverchen, Tüchelchen, usw.), deshalb sah ich auch keine Veranlassung, das nicht zu akzeptieren. Meine Apothekerin nahm es gelassen zur Kenntnis und meinte, »Viel hat sie, eh nicht davon bekommen!« ,ich glaubte es ihr nur bedingt.
Der nächste Termin ist im September, es gab wohl wieder ein Problem, es war kein Arzt vorhanden, das begreife wer will, ich nicht. Zum Infusionszeitpunkt wäre nur die Stationsärztin der Tagesklinik anwesend. Ich sah sie schon während der Infusion, sie grüßte sogar, was andere Stationsärzte nicht taten, eher durch Nichtbeachtung glänzten. Sie machte auf mich einen sehr sympathischen Eindruck, so Dr. Franz mäßig, mit äußerst positiven Gefühlen gehe ich deshalb zur nächsten Infusion.
Es hat schon einmal geklappt, dass ich meine Betreuerin von der Beratungsstelle für Behinderte, Krebskranke und Aidskranke zufällig in der S – Bahn traf. Des Öfteren dachte ich schon daran, sie wieder einmal aufzusuchen, nur so, weil ich sie nun schon seit dem Jahre 2000 kenne und sie mir über viele schwierige Probleme in der Anfangszeit hinweggeholfen hat. Eigentlich der erste staatliche Mensch, zu dem ich, nach der Krebsoperation Vertrauen gefunden habe, ich glaube schon, dass sie mein Leben positiv beeinflusst hat. Meine Probleme bekomme ich nun zwar auch alleine in den Griff und ich hoffe es bleibt so. Unvermittelt tauchte sie plötzlich hier in meiner Straße auf, sie kam von einem Hausbesuch. Die Freude über das Wiedersehen war auf beiden Seiten vorhanden. Ich weiß schon, wer sich wirklich freut, oder nur so tut. Ich spüre es, schlecht für die Umwelt, gut für mich, manches relativiert sich so sehr schnell. Wir vereinbarten, nach der London Reise ein Treffen in ihrem Büro, mit Reisebericht.
Kann es vorkommen, dass man vergessen wird vom Zahnarzt, was keinem passiert, passiert mir, da stellst sich mir schon die Frage, ziehe ich so etwas an, ich hatte in der Vergangenheit mehrfach diese Erscheinungen. Jetzt ist es mein Zahnarzt, es zieht sich nun schon eine Weile hin, seit Oktober letzten Jahres.
Ich wollte mir Zahnersatz machen lassen, er war damit einverstanden, er meinte noch, so schnell wie möglich, denn sonst nehmen die Zähne noch mehr schaden. Nach der Krebsoperation hatte ich, tatsächlich erst einmal andere Sorgen und wusste gar nicht ob es sich noch lohnt, aber jetzt, ich hoffe es. Ich hatte mich schon bei meiner Krankenkasse, wegen der Kostenübernahme erkundigt und sollte dort den Kostenvoranschlag nach Erstellung durch den Zahnarzt einreichen. Er wusste nicht so recht, was er machen sollte, sprach immer wieder von Problemen mit der Kasse, die einfachste Lösung wäre, wenn er mir noch einen Zahn ziehen würde, dann gibt es auch keine Probleme mit der Krankenkasse. Die anschließende Erklärung konnte ich nicht nachvollziehen. Er zählte immer etwas vor sich hin, ich machte ihn darauf aufmerksam, dass ich neue Zähne haben wollte und keine mehr verlieren will. Er wollte mir einen Kostenvoranschlag zuschicken, auf den warte ich bis heute. Eigentlich war ich mit dem Zahnarzt soweit zufrieden, gefallen hat mir auch, dass er halbjährlich anrufen ließ und ich einen neuen Termin zur Kontrolle bekam. Es gibt keine Vergessen und Aufschieben, praktisch, aber ein Anruf kam auch nicht mehr. Den Ärzten hinterher rennen, tue ich mir auch als Kassenpatient nicht an, es gibt genug Zahnärzte.
Im Juli las ich eine Annonce in der Zeitung, es ging um Zahnersatz der in China hergestellt wird, über die angegebene Website ließ ich mir Informationsmaterial zuschicken und bekam auch gleich drei Zahnärzte in meiner Nähe genannt. Davon habe ich mir einen in Adlershof ausgesucht, Dr. Wilke, wartete noch paar Tage, vielleicht kommt ja doch noch ein Anruf vom bisherigen Arzt, kam aber keiner, da er seine Praxis in Marzahn hat, erschien mir die Lösung doch besser.
Ich bekam für Ende Juli einen Termin, die Zähne waren soweit in Ordnung, in der Praxis befanden sich auch paar Leute, beim vorherigen Arzt saß nie jemand, ich weiß nicht, ob das positiv zu werten ist. Ich sprach ihn auf den Zahnersatz an, er war auch der Meinung, dass etwas gemachte werden müsste, weil im Unterkiefer noch alle Zähne vorhanden sind, kann es passieren, dass sie rauswachen. Ich fragte ihn wenn wir anfangen wollen, heut war Freitag und am Mittwoch saß ich schon wieder auf dem Stuhl, vollkommen erstaunt war ich, als er mir, nach einen abermaligen Blick in den Munde, den fertigen Kostenvoranschlag aushändigte. Er schämte sich fast, als er mir sagte, dass er mit der MDA AG (Mamisch Dental Health) zusammenarbeitet. Ich beruhigte ihn, dass ich damit kein Problem habe, Hautsache die Krankenkasse macht keine Probleme, das konnte er entkräften, die sei froh, wenn kostengünstig gearbeitet wird, wo ist denen egal. Die Firma wirbt übrigens mit dem Slogan,
›Das Ziel, Qualität bezahlbar zu machen, haben wir erreicht. Tradition und High – Tech zu verbinden ist eine Kunst, mit dem Marktführer zu arbeiten ihre Erfolgsgarantie.‹
Der ist aber mehr für die Zahnärzte gedacht, denn man soll als Patient, eigentlich seinem Zahnarzt dieses Informationsmaterial aushändigen um sie zur Zusammenarbeit zu gewinnen.
Im Kostenvoranschlag hat er schon ausgerechnet, was ich als voraussichtlichen Eigenanteil zahlen muss, da ich mein Bonusheft erst seit dem Jahre 2003 wieder regelmäßig führe. Den Kostenvoranschlag muss ich nicht verstehen, es geht hier um Punkte und Summen, die Kosten belaufen sich auf eine Gesamthöhe von 670,03 Euro und ein Eigenanteil von 230,70 Euro. Mit dem Heil – und Kostenplan ging ich danach gleich zu meiner Krankenkasse, nahm noch meinen neuen Bescheid vom Grundsicherungsamt mit und war erstaunt wie problemlos ich alles genehmigt bekam.
Natürlich habe ich mich vorher sachkundig gemacht, als Grundsicherungsempfänger braucht man nichts zuzahlen, sondern wird als Härtefall eingestuft. Ich konnte den Heil – und Kostenplan gleich wieder mitnehmen. Die vorläufige Summe wurde auf 878,64 Euro beziffert, mein Zahnarzt wird schon damit etwas anzufangen wissen.
Solche Tage gibt es nicht so oft für mich, dass etwas reibungslos klappt, die Mitarbeiterin der Krankenkasse war auch sehr zugänglich gewesen, das ist eigentlich ein Grund am Abend ein Glas Rotwein zu trinken, denn ich denke in einigen Wochen, kann ich wieder ein breites Lächeln aufsetzten, vorausgesetzt es gibt etwas zu lachen!
Nun konnte ich meinen Besuch, bei Muttern in Bautzen, beruhigt angehen, brauchte auch nicht um eventuelle Zuschüsse bitten, obwohl ich weiß sie hätte es gern getan. Der Besuch war für eine Woche geplant, neben kleineren Arbeiten bei Mutter, war auch ein Grund der Geburtstag meiner Schwester Evelyn. Sie hat vor einiger Zeit, es fertig gebracht meinem Schwager aufzuzeigen, dass er, wenn er nicht ins Krankenhaus geht, keine wirkliche Chance mehr hat. Zum Glück sah er es endlich ein, war wieder gut drauf, hat sogar eine Dankesrede auf sie, zu ihrem Geburtstag gehalten, zu Recht, wie ich fand.
Auf der Strecke nach Bautzen gab es keine Zwischenbesuche, Werner war erst da und Christine, ist in Spanien. Nun ja mein Auto, ich war mir nicht sicher, kurz hinter Berlin auf der Autobahn, fing es schon an zu husten, danach aber fuhr es, ich habe ihm doch erst eine neue Batterie spendiert und wo bleibt da der Dank!
Ich fahre meistens in Thiendorf von der Autobahn ab, danach über Königsbrück weiter nach Kamenz, zwischen Autobahnfahrt und Königsbrück gibt es eine Abkürzung, die ich immer langfahre. Dafür habe ich einen ganz einfachen Grund.

Ich war schon Unteroffizier im Wachregiment und es gab das Manöver ›Waffenbrüderschaft‹ gemeinsam mit unseren damaligen, sowjetischen, tschechischen und polnischen Waffenbrüdern. Ich habe hier, gemeinsam mit paar Kumpels, in dem Waldstück einige Zeit als Regulierer zugebracht. Es war eine schöne Zeit, geschlafen haben wir neben dem Motorrad in einer Kiefernschonung, immer bereit für einen neuen Einsatzbefehl. Dabei gab es auch einige Episoden, wir hatten einen beleuchteten Verkehrsregulierungsstab, so wie er in der DDR üblich war, das Motorrad MZ 250 cm³, das ich übrigens, nach meiner Zeit bei der Armee für 50 Mark der DDR kaufen konnte. Nachdem es umgespritzt war, leistete die Maschine, erst mir und dann meinem Vater noch einige Jahre gute Dienste. Es war gar keine so schlechte Idee gewesen, hat man doch seine Maschine gut behandelt, gepflegt und auch zum Ende noch paar Verschleißteile vorsorglich gewechselt. Das war aber bestimmt nicht der Grund, dass die DDR zusammen gebrochen ist.
Bei unseren täglichen Einsätzen, haben wir auch mit den Regulierern der anderen Armeen zusammengearbeitet. Die sowjetischen Regulierer hatten natürlich eine Molotow mit wesentlich mehr Hubraum, aber als Verkehrsstab einen Holzstock, der Schwarz Weis angestrichen war, das hat uns doch angesichts der Einfachheit fast schockiert. Es wurde getauscht, beleuchteter Stab gegen Wodka und natürlich probierten wir die Molotow aus. Ich kannte sie schon, aus meiner Zeit bei der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) in Pirna, dort habe ich mit einem Freund, eine Molotow 750 cm³ aufgebaut, sie war unser ganzer Stolz. Die fehlenden Ersatzteile haben wir in den sowjetischen Kasernen zusammengetauscht, da ging es umgekehrt, Wodka von uns gegen Ersatzteil. Die Molotow war ein Sprit fressendes Monster, als Lehrling mit 70 Mark Lohn, ließ sie sich nicht unterhalten, aber sie schluckte alles und in meinem Lehrbetrieb dem Reifenwerk war der Waschbenzin fassweise zu haben. Da gab es schon neidische Blicke der Kollegen, als ich mit der Seitenwagenmaschine vorfuhr. Sie war für alle möglichen Aufgaben einsetzbar, ich erinnere, dass sie zum Transport von Teekübeln genutzt wurde um die Teilnehmer der vormilitärischen Ausbildung bei GST zu versorgen. Den Tee kochte übrigens meine Mutter in unserer großen Küche in Pirna, es wurden alle verfügbaren Leute eingesetzt, weil es in der DDR so üblich war, weil wir eine Richtung hatten in die gezogen wurde.
Eine anderes Erlebnis war im Zusammenhang mit dem Manöver nicht so schön, die Regulierer waren eine eingeschworene Truppe, einen Feldwebel als Vorgesetzten hatten wir auch dabei, aber es lief alles kumpelhaft ab. Er hatte in der weiteren Umgebung eine Freundin und setzte sich eines Nacht ab, waren wir eingeweiht, einer muss ihn aber verpfiffen haben Es gab nach dem Manöver einen großen Ärger, er musste in den Bau und die anderen bekamen ein Orden.

Daran muss ich immer denken, wenn ich dort vorbeifahre.
Der erste Nachmittag in Bautzen, war der Lieblingsbeschäftigung meiner Schwestern untergeordnet, Doppelkopf, ich habe zwar mein Solo gewonnen, aber ansonsten haushoch verloren, einmal muss ich das über mich ergehen lassen, ich brauche nicht mal mischen, die Karten werden mir gemischt serviert, so dass ich nur beim Geben aufpassen muss, das jeder die richtige Anzahl bekommt. Eigentlich könnten das meine Schwestern auch noch übernehmen.
Am Freitag war die Geburtstagsfeier meiner Schwester, Gelegenheit für mich, neben anderen Verwandten meine Neffen und Nichte wiederzusehen, einige kommen schon mit Freund bzw. Freundin. Es war eine nette Feier gewesen, wenn es geht, richte ich es mir so ein, dass ich teilnehmen kann, denn das ist auch der harte Kern, der immer zu meinem Geburtstag kommt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass meine Mutter nach solchen Familienfeiern oft an Vater denkt, denn er war auch ein sehr geselliger Mensch gewesen. Sie, wir natürlich auch, bedauern es bestimmt, dass er nicht mehr dabei ist, obwohl er nun schon fast 6 Jahre tot ist. Ganz deutlich wird das auch daran, dass sie ihren Radiosender immer ausschaltet, wenn die Geburtstagsglückwünsche kommen, sie will ganz einfach nicht hören, dass es Menschen gibt die älter geworden sind als ihr Mann. Dass sie selbst fast achtzig Jahre ist spielt keine Rolle, ihr Leben hat sie voll im Griff, ständig im Garten arbeitend und mit der Auritzer Rentnertruppe reisend.
Da kann man getrost sagen ›80 Jahre und kein bisschen leise‹ . Vater hätte seine Freunde.
Bei Mutter waren einige Holzarbeiten zu erledigen, Vogelfutterhaus, Brunnenabdeckung, Sägebock bauen und ein alter Kirschbaum musste entfernt werden, zur Strafe, weil die Kirschen immer madig sind. Das hat er nun davon, jetzt dient der Reststamm als Auflage für einen Blumekübel, er könnte aber auch als Stehtisch bei einer Party benutz werden. Dafür ist jetzt kein Schatten mehr auf der Terrasse und ich bin Schuld.
Eigentlich wollte ich mein Auto einmal gründlich reinigen, denn es setzt an einigen Stellen schon Moos an, aber da ich mir schon einmal den Vorschalldämpfer an der Toreinfahrt kapput gemacht habe, musste ich erst eine neue Auffahrt basteln. Wir haben zwar einen Maurer in der Familie, aber der arbeitsmäßig, gezwungen Wahlbayer hat auch nicht immer Zeit oder Lust wenn er da ist. Von meiner Mutter werde ich immer wieder daran erinnert, dass ich ja vorsichtig auf das Grundstück fahren soll, noch einen Auspuff bezahlt sie nicht. Ich habe entsprechend meinen Fähig – und Fertigkeiten eine Auffahrt gebaut und das Auto ohne Blessuren hineingefahren. Die Generalreinigung solle in der kommenden Woche erfolgen.
Am Sonntag fuhren wir, Mutter, Sonja und ich, traditionsgemäß zum Tanken nach Tschechien, es ist 20 Cent billiger als in Deutschland. Mutter wollte uns dann noch zum Mittagessen einladen, ein Besuch im Travel Free Shopping Center in Rozany war auch eingeplant, es gibt einige Sachen billiger, Kaffee, Zigaretten und Schnaps. Ich habe Whisky, Sonja Zigaretten, Mutter Kaffee und Schnaps gekauft. Zum Mittagessen war es aber noch zu zeitig, also beschlossen wir eine kleine Tour in Tschechien zu machen und über Schmilka wollten wir wieder einzureisen.
Diese Fahrt wird in die Geschichte, als Tour der Gerüche eingehen!
Es hörte sich manchmal beim Fahren so an, als ob die Flaschen im Kofferraum selbstständig geworden sind, aber die waren doch in einer Röhre aus Pappe. Bis Mutter meinte es riecht komisch, es kommt schon vor, dass es in meinem Auto komisch riecht! Es war in der Nähe von Decin und dort gibt es Industrie, da riecht es schon hin und wieder. Mutter gab aber keine Ruhe, nun merkte ich es auch, es roch nach Schnaps, nur die Sorte war nicht auszumachen, war es Whisky oder klarer Schnaps, den meine Mutter zum Aufsetzen der Brombeeren gekauft hat. Ich hielt an und stellte fest, dass eine Whiskyflasche aus der Verpackung gerutscht war und sich unglücklicherweise am Eisenfuß des Warndreieckes ein Leck geholt hat. Sie war schon bis auf den letzten Tropfen leer, schade eigentlich, den Spott hatte ich nun gepachtet. Trotzdem ging es weiter, ich kann damit leben und beschloss in Hrensko einen neue Flasche zu kaufen, dort gibt es ebenfalls solch einen Shop.
Uns kam die Idee dort Mittag zu essen, wo Ronny mein Neffe, Sonjas Sohn und Mutters Enkel seine Hochzeit gefeiert hat, also fuhren wir zum Hotel ›Mezni Louka‹ in der Bömischen Schweiz. Es ist ein ausgesprochenes Wanderparadies, bei Tschechen und Deutschen gleichermaßen beliebt. Bekannt vor allem durch das ›Prebischtor‹ und die ›Edmundsklamm‹. In Hrensko geht es recht ab zum Hotel. Wir konnten feststellen, es herrschte wirklich Betrieb hier, dass Wetter war auch entsprechend. Vor dem Hotel gab es einen Parkplatz, für einen Euro konnten wir hier stehen, Quittungen gibt es natürlich keine. Wir speisten in dem Saal wo Ronny die Feier gemacht hat, hier war es ebenfalls voll, aber es ging sehr schnell, 16 Euro mit Bier sind super billig. Nicht so billig kam Ronny davon, es sollte damals ein Schnäppchen sein, das sich aber als Horrorpreis entpuppte. Oder hat er die ›Leichten‹ Tschechischen Mädels mitbezahlt, die plötzlich als Mittänzerinnen auftauchten. Meine Mutter meinte zwar, es wären welche, schon vom Reinigungsgeschwader. Dann haben die Tschechen aber wirklich ›schöne‹ Reinigungskräfte. Es war insgesamt eine lustige Feier, leider hielt die Ehe vom Ronny nicht viel länger als die Feier.
Es ging zurück nach Hrensko, ich wollte im Travel Free Shopping Center die ausgelaufenen Flasche Glen Parker erneuern, der ist übrigens ein Single Malt von der Speyside aus den Highlands in Schottland, reklamieren konnte ich nicht und der Shop ist ziemlich unübersichtlich. An der Grenze in Schmilka stand eine Anzahl von Fahrzeugen an, ich wollte meinen beiden Insassen während der Kontrolle erzählen, wie ich hier vor ca. 35 Jahren meinen Dienst versehen haben, das muss ich auf später verschieben, denn es gab wieder einen neuen Geruch.
Sonja meinte im Stau, es riecht komisch, ich sagte vielleicht kommt es vom Vordermann, Mutter meinte, es währe vom Zug auf der andern Elbseite, der fuhr aber Elektrisch, eher selten riechend. Ich blieb erst einmal ruhig, mein Auto riecht nicht, vielleicht kommt es noch vom ausgelaufenen Whisky, obwohl es roch nicht nach Whisky, eher nach geschmorten Kabeln, auch dass kann immer noch vom Vordermann kommen. Dann traten leichte, dünne Rauchwolken aus der Motorhaube, nun wusste ich es war mein Auto, aber vielleicht qualmt es nur kurzzeitig. Nein tat es nicht, manchmal ist eben der Wunsch der Vater des Gedanken, nun weiß ich aus den letzten Jahren, alles was keinem passiert, mir wiederfährt es. Im wahrsten Sinne des Wortes, es wurde brenzlich, kurz vor der Kontrolle fuhr ich auf eine kleine Ausbuchtung, vor einem Parkplatz des BGS. Die beiden Frauen waren sofort nach dem Stillstand des Autos verschwunden, Sonja war am weitesten weg. Ich öffnete die Motorhaube und sah mit erschrecken, es brannte im Bereich der Lichtmaschine, die Kabel brannten. Feuerlöscher, nicht an Bord, Wasser auch nicht, nur Scheibenwaschanlagenzusatz begrenzt in einer Flasche, aber es reichte zum Löschen. Sonja stand immer noch weit weg vom Auto und rauchte auch, eine Zigarette. Zu diesem Zeitpunkt ahnte sie noch nicht, dass sie zur Hauptperson der Situation wird. Nachdem Mutter beim Grenzposten war und neues Wasser holte, konnte ich auch den Brand bzw. den Qualm restlos ersticken, schon guckten uns die vorbeifahrenden Gaffer nicht mehr so an. Das habe ich mir schon immer gewünschte, einmal im Mittelpunkt zu stehen und den Leuten Rätsel aufzugeben, hat der etwas ausgefressen oder warum stehen die hier bei dem schönen Wetter.
Ich lief danach zum Grenzposten und schilderte unsere Situation, aber Mutter hatte es schon beim Wasser holen getan, natürlich konnten wir dort stehen bleiben, er kam sogar noch mit und riet mir nicht weiter zu fahren. Da ich schon in Deutschland war, brachte er den ADAC ins Gespräch. Es schien so, als ob es einen Kabelbrand in oder nahe bei der Lichtmaschine gegeben hat. Ich war vor vielen, vielen Jahren mal Mitglied, aber als Taxifahrer hätten sie mir eh nicht geholfen, später hatte ich kein Geld, nun rückte Sonja in den Vordergrund. Ich hatte sowieso keine Wahl, aber die Chance bestand, es soll so sein, ob der Halter oder ein Mitfahrer im ADAC ist, spielt keine Rolle, aber genau wussten wir es nicht. Der Anruf beim ADAC klappte, ich hatte nicht einmal mein Handy dabei, auch hier musste Sonja aushelfen, ihr Mitgliedsausweis war auch noch abgelaufen, der neue lag zu Hause.
Ich schilderte das Problem und die Dame am Telefon sagte, »Es wird sich jemand bei ihnen melden!« Zum Glück standen wir zwar noch vor der Kontrolle, aber schon in Deutschland, denn in Tschechien wäre nur einer gekommen, wenn Sonja die Premiummitgliedschaft hätte. Ja was soll man machen, warten und nachdenken ob der Fehler gefunden wird, nachdem das Auto wieder abgekühlt war, versuchte ich einen Neustart, Mutter und Sonja gingen aber vorher in eine angemessenen Entfernung zurück, es sprang an, lief aber nun nur über die Batterie. Mir war schon klar, bis Bautzen geht es so nicht, dann bleiben wir irgendwo unterwegs liegen und das Drama geht von vorn los.
Der ADAC kam nach ca. einer Stunde, vorher rief der Mitarbeiter an und erkundigte sich nach dem Problem, ihm wurde gesagt, ich hätte einen Marderschaden, ich glaube es ist schlimmer, aber vielleicht hat er doch die Ursache gesetzt, denn Marder gibt es bei Mutter. Einer hat tatsächlich bei mir unter der Motorhaube rumgeknabbert.
Der Mitarbeiter kam von der Firma AUTO – WALTHER die im Auftrag des ADAC fährt. Ein junger Mann mit Freundin, die wir wahrscheinlich gerade vom Badestrand geholt haben. Er konnte auch nur das Problem feststellen und nicht beheben, das Auto könnte nur in der Werkstatt in Pirna repariert werden, dazu musste der Abschlepper kommen, mich wollte er auf einen Parkplatz in Schmilka schleppen. Ohne Bremskraftverstärker und Servolenkung ein fast unmögliches Unterfangen. Ich schlug ihn vor, da mein Auto noch fährt, selbst auf den Parkplatz zu fahren, es waren vielleicht 800 Meter, darauf hätte er eigentlich selbst kommen können. Auf dem Parkplatz mussten zuerst die Formalitäten erledigt werde, d.h. mehrere Verträge wurden ausgefüllt, von mir und von Sonja unterschrieben. Damit er an die Unterlagen rankommt, mussten erst die Badesachen wegräumen werden. Er meinte, »In ca. einer Stunde kommt der Abschlepper, er muss erst noch ein anderes Auto aufladen.« Damit wir wieder nach Bautzen kommen, bot er uns einen Mietwagen an, den wir dann in der Werkstatt bekommen können, gar nicht mal so teuer.
Es war gegen 17.00 Uhr und der schöne, sonnige Tag neigte sich dem Ende zu, direkt an der Elbe warteten wir nun, eigentlich wollten wir über das Kirnitschtal zurück nach Bautzen fahren, vielleicht auch noch am ›Lichtenhainer Wasserfall‹ einen Kaffee trinken, aber nun standen wir hier.
Genau die richtige Stimmung, um paar Erinnerungen zu erzählen.

Vor 35 Jahren war diese Gegend meine zweite Heimat gewesen. Ich tat das Gleiche, was heute der BGS macht, geschlafen haben wir damals in einer Pension, direkt neben der Grenzübergangsstelle. Trotz anstrengendem Dienst, gab es viele Erlebnisse, die ich nicht vergessen habe. Davon erzählte in meinen beiden Mitfahrerinnen einige. Die Pension war eigentlich ein Eiskeller, es gab nämlich keine Heizung und kein fließendes Wasser, ich meine auch kein kaltes. Wir schliefen in Ehebetten, man konnte sich hier nicht aufhalten, essen natürlich auch nicht. Die freien Abende wurden in einer naheliegenden Kneipe verbracht, dort war es warm und gemütlich, es gab Essen und Trinken. Die Beherbergung war so organisiert, dass jeder noch einen Schlafpartner hatte, d.h. so richtig kühlte das Bett nicht aus, der nächste nahm nach Dienstende das Bett in Beschlag, lediglich die Bezüge wurden gewechselt, es war normal, keiner nahm Kritik daran. Ich glaube nicht, dass so etwas heut noch möglich wäre. Dafür ist man aber jetzt in der neuen Gesellschaft ein für allemal gezeichnet!
Neben dem Bahnhof Bad Schandau gehörte der Bahnhof Krippen auch zum Aufgabenbereich dazu, dort mussten die Güterzüge kontrolliert werden, Aufgaben mehr für Zoll, Veterinäramt und das Amt, das Obst und Gemüse kontrollierte. Selten gab es auch Menschen auf den Güterwagen, wenn waren es Pferdetransporte aus Jugoslawien, hier wurde die Passkontrolle zwischen Heu und Pferden gemacht. In den Wagen war es schön warm, auch im Winter, denn wir bekamen immer noch hochprozentigen Sliwowitz gereicht. Es galt aufzupassen, dass man rechtzeitig aus den Wagen kam, klar wissen durften es die Vorgesetzten nicht.
Um auf den Bahnhof zu kommen fuhr von Schmilka eine kleine Fähre über die Elbe, kostete 10 Pfennig, im Winter als die Elbe zugefroren war, ja so etwas gab es 1972 noch, konnte man auf einen abgesteckten Weg, über das Eis zur anderen Seite Laufen, kostete aber dann 20 Pfennig.
Gute Erinnerungen habe ich auch noch an die Abfertigung des ›Vindobona‹ ,ein Autoreisezug der nach Bulgarien fuhr, die Abfertigung erfolgte auf der Fahrt vom Dresdener Hauptbahnhof nach Bad Schandau, da er mit Reisegruppen besetzt war ging die Kontrolle relativ schnell und es war Usus, dass wir im Speisewagen ein Frühstück bekamen. Die Attraktion war die Ungarische Salami, die damals wirklich noch nach Ungarischer Salami schmeckte.
In den Speisewagen der tschechischen Züge gab es solche Einladungen auch regelmäßig, ich glaube aber nicht, dass wir Bier getrunken haben. Wir konnten aber sogenanntes Dienstbier kaufen, nicht schlechter als Pilsener Urquell oder Staropramen, aber wesentlich billiger, ich hatte deshalb öfter meine Seitentaschen am Motorrad gefüllt und fuhr damit über die Berge nach Bautzen. Wir hatten nur 12 Stundendienste und deshalb gab es auch ein längeres Dienstfrei was ich in Bautzen verbrachte.


In der Abendsonne kam uns eine Idee, vielleicht kann uns mein Schwager hier abholen, wir brauchten keinen Mietwagen und auch nicht erst nach Pirna mitfahren. Evelyn hat aber am Abend eine Nachfeier mit Hausbewohnern organisiert, aber vielleicht klappt es doch, Sonja rief an. Er war nicht da, musste Hasenfutter holen, Evelyn wollte sich melden wenn er wieder da ist. Wie geplant kam der Abschlepper gegen 18.00 Uhr und hatte schon einen Ami Pick Up (Chevrolet) auf der Ladefläche, Evelyn meldete sich bisher nicht, wir mussten bis Pirna mitfahren, das Auto sowieso. Nach leichten Schwierigkeiten gelang es mein Auto an den Abschlepper anzuhängen. Mein Schwager meldete sich kurz vor der Abfahrt, er war noch ein Bier in der Gartenkneipe trinken, Evelyn war entnervt, weil er so etwas sonst nie tut. Natürlich war er sofort bereit, da kann ich meinem Schwager wirklich nichts nachsagen, hilfsbereit ist er immer. Wir beschlossen uns in Pirna an der Werkstatt zu treffen, zwei Plätze waren schon belegt und wir drei hatten auch noch Platz und schon ging die Fahrt los. Der Fahrer machte nicht gerade einen sicheren Eindruck, obwohl eine solch lange Fuhre nicht einfach zu steuern ist. Was er gut konnte, ohne Freisprecheinrichtung mit dem Handy telefonieren. Diese Strecke war uns nicht unbekannt, schließlich haben wir 10 Jahre in Pirna – Sonnenstein gewohnt, ich dachte daran, wie oft ich mit meinem Schulfreund Werner die Strecke zwischen Königsstein und Pirna gefahren bin, er mit dem Rennrad und ich mit dem normalen Fahrrad.
Gegen 19.00 Uhr kamen wir in Pirna an, es herrschte Stau und wir mussten noch bis Pirna Copitz. Das Aussteigen aus dem Abschlepper war gar nicht so einfach, vor allem für Mutter und Sonja, der Chevy – Fahrer dachte auch nicht daran irgendwelche Hilfestellungen zu leisten, was kann man aber auch von einem erwarten, der einen solchen Schlitten fährt, aber kaputt gehen die zum Glück auch. Die Werkstatt machte nicht gerade einen soliden Eindruck, es mussten wieder paar Formulare ausgefüllt werden und auch hier war der Fahrer nicht gerade sicher, Mein Schwager stand mittlerweile schon vor der Werkstatt. Man wollte mich am Montag anrufen und mir den Kostenvoranschlag mitteilen. Der Tag war gelaufen und es gab nach dem Abendbrot noch ein zwei Bier, klar ist auch, dass über einen solchen Tag diskutiert wird.
Ich hoffte nur, dass es nicht zu teuer wird und die Reparatur nicht zu lange dauert, denn irgendwann muss ich zurück nach Berlin, meine Mitbewohner können nur eine Woche alleine bleiben. Solche Ereignisse sind Gift für meine Seele, ich denke immer wieder daran, mein vegetatives Nervensystem kommt nicht zur Ruhe und der Darm schließt sich spontan an. Deshalb war es auch eine unruhige Nacht mit zusätzlichen Albträumen.
Am nächsten Tag wartete ich geduldig auf den Anruf der Werkstatt, der natürlich nicht kam, also beschäftigte ich mich, mit dem Sägebock und dem Vogelfutterhaus, um mich abzulenken. Evelyn meldete sich auch schon, dass mein Schwager Dienstag erst am späten Nachmittag fahren kann. Da bis Mittag kein Anruf kam, rief ich an. Der Kollege am Telefon meinte, sie seien schon dabei, Lichtmaschine ist defekt und der Kabelbaum müsste auch gewechselt werden. Kostenpunkt ca. 400 Euro, man wollte mich anrufen, wenn noch andere Probleme auftauchen und mir die Fertigstellung mitteilen, vermutlich am Dienstag. So ist das mit den Anrufen, klar ich war erst einmal beruhigt und konnte meine Arbeiten konzentriert fortsetzen, denn an der Kreissäge sollte man sich schon konzentrieren. Mutter hatte immer noch paar kleinere Arbeiten für mich, aber ich mache es gerne, so lange ich es kann. Nach dem Abendbrot saßen wir noch lange auf der Terrasse, es war ein schöner, warmer Abend. Wir haben auch über demnächst anfallende Arbeiten gesprochen, denn die Betonwege bröckeln so langsam vor sich hin. Das kann ich nicht alleine machen, da muss Daniel, mein Neffe dabei sein, aber er hat jetzt eine Wohnung in Bayern und wie oft er kommen wird, weiß keiner.
Dienstag, warten auf den Anruf, bis Mittag gab es jedenfalls keinen, also musste ich wieder anrufen, es war fertig. Die Kosten belaufen sich auf knapp 400 Euro, Keilriemen, ein Lämpchen im Armaturenbrett mussten noch zusätzlich ausgewechselt werden. Ich weiß, dass das sehr teuer ist, weil das ganze Armaturenbrett ausgebaut werden muss und richtigerweise haben sie gleich alle gewechselt. Das war eine gute Idee, denn dies Lämpchen kosten nicht viel. Bis 18.00 Uhr konnte ich das Auto abholen. Was Dank meines Schwagers hervorragend klappte.
Nun konnte ich am Mittwoch doch noch meinem Auto eine intensive Pflege zukommen lassen, es war wirklich notwendig. Ich dachte auch darüber nach, wie lange will ich es noch halten, fahre kaum und trotzdem immer ist wieder etwas. Am Abend gab es noch ein gemütliches Zusammentreffe, Roland und Evelyn gaben den Ausstand, weil sie für eine Woche in Urlaub fahren. Meine Mutter hatte noch eine Überraschung für ihre Kinder, sie schenkte uns jeweils einen nicht unbeträchtlich Betrag als Urlaubsgeld, damit konnte ich meine Reparatur gut abfedern und das Equipment für die Minolta, um einen Winkelsucher und 2 fach Telekonverter, erweitern.
Am nächsten Tag fuhr ich zurück nach Berlin, nachdem Mutter mir noch Äpfel, Birnen, Tomaten, Pflaumen, Rhabarber, Zwiebeln und Brombeeren in den Kofferraum eingeladen hat, der nun nicht mehr nach Whisky roch. Wir machten noch einen Kurzbesuch an Vaters Grab, es war wieder ein schöner, harmonischer Besuch, vielleicht der letzte für dieses Jahr, nun muss nur noch die Heimfahrt nach Berlin klappen. Ich fuhr eine andere Strecke, über Berndorf und stelle fest, die ist 30 Kilometer kürzer. Ich kannte sie noch von früher, aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse habe ich sie die ganze Zeit gemieden. Jetzt ist die Straße neu, ich werde sie wohl immer nehmen, da muss ich schon in Ruhland von der Autobahn abfahren. In Berlin angekommen, galt es die Post zu sichten, nach den Vögeln zu gucken und das Auto auszuräumen. Post, da war nichts besonders dabei, ein Vogel hat es nicht überlebt, er lebte zwar noch, aber er muss sich das Genick gebrochen haben, kurze Zeit später war er tot, da waren es nur noch 11. Ich musste noch drei bis vier Mal hoch und runter gehen bis das Auto ausgeräumt war. Nachdem ich mich bei Mutter zurückgemeldet hatte, lockte die Badewanne.
In der Wanne konnte ich in aller Ruhe meine Gedanken sortieren und die nächsten Tage planen, aber bis zum Wochenende passiert erst einmal nichts, aber auch gar nichts. Es gab noch einige Arzttermine, der wichtigste war der Zahnarzt und den konnte ich schon in der nächsten Woche wahrnehmen, zuvor musste ich aber noch zur Diabetologin, es ging mir hauptsächlich um die Auswertung des Laborwerte. Zu meinem Erstaunen gab es nicht einen Wert der daneben lag, auch die Nierenwerte waren in Ordnung, das lässt sich doch hören. Vielleicht war deshalb der Blutdruck auch mit 110 / 70 mm Hg mehr als optimal, der HbA1c von 5,3 mmol/l befand sich im grünen Bereich.
Beim Zahnarzt legte ich meinen genehmigten Heil – und Kostenplan vor und schon saß ich auf dem Stuhl. Als er mit der Spritze kam fragte ich ihn, was jetzt los ist, er spricht nicht so sehr viel. Er musste ein älteres Teleskop abschleifen und dafür die Spritze, ich dachte nun will der auch noch ein Zahn ziehen. Ich merkte natürlich nichts vom Schleifen, aber mir war bis zum Abend, als sind meine Gesichtszüge entgleißt, beim Trinken lief alles wieder hinaus. Der nächste Termin war in einer Woche, da wurde der Abdruck gemacht, d.h. mehrere, wenn man diese Masse im Mund hat, heißt es durch die Nase durchatmen, sonst fängt man noch an zu kotzen. Das Beste ist abschalten und auch nicht an einen Hustenanfall denken. Als er mir für die kommenden Woche schon wieder einen Termin gab, fragte ich ihn, was er macht, da ich den darauffolgenden Tag nach London fliegen will. Es musste noch ein Abdruck gemacht werden.
Beim Thema London habe ich ihn zum regelrechten Redefluss herausgefordert, er war auch schon dort und wir tauschten unsere Erfahrungen aus. Unsere einhellige Meinung war, dass Berlin dagegen ein Dorf ist, dass das Wartezimmer voll war schien ihn nicht zu stören. Wir unterhielten uns bestimmt 20 Minuten und die Zahnarzthelferin stellte ebenfalls paar Fragen zum Thema, da sie noch nie in London gewesen ist. Ich hatte noch ein anderes Problem, es ist eine Gemeinschaftspraxis die der Zahnarzt sich mit einem Augenarzt teilt.
Seit zwei Tagen tränte mein linkes Auge wieder, ich dachte sofort an die tickende Zeitbombe und war der Meinung, dass es die Anfänge einer herannahenden Iritis sein könnten. Ich erinnerte mich an die Symptome vor drei Jahren, Lichtempfindlichkeit, Tränen und Gefühl, als ist etwas im Auge. Mir wurde ganz anders zu mute, das kurz vor London. Die letzte Attacke war vor drei Jahren und es ging gerade noch einmal gut, ich hatte zwar noch Medikamente, aber gerade beim Auge sollte man sie nicht mehr verwenden, zu gefährlich. Gleich als ich ankam, fragte ich die Schwester, ob sich der Arzt das ansehen kann. Sie meinte, wenn ich beim Zahnarzt fertig bin sollte ich noch einmal vorbei kommen. Ich habe für solche Fälle immer eine Überweisung bei mir. Es waren gar nicht so viele Patienten vor mir beim Augenarzt, als ich wartete sah ich, dass mein Abdruck abgeholt wurde und schon im Flieger nach China ist. Ich dachte darüber nach, ob der Doktor es in den Griff bekommen wird, denn halb blind nach London, geht nun gar nicht.
Er rief mich auf, es war ein Ausländer aus dem Arabischen Raum. Erst hielt er mir einen Vortrag, das die Ärzte solche Menschen wie mich behandeln müssen, da gebe es einen Codex, eine Überweisung ist dazu nicht notwendig. Dann meinte er, dass solche Patienten eigentlich einen Stammarzt haben und er wollte den Namen meines Augenarztes wissen. Ich hatte ja eine Ärztin, bin aber dort nicht so richtig zufrieden, vor allem wegen der langen Wartezeiten. Bevor er zur Untersuchung kam, erklärte er mir noch so einiges, vor allem wie gefährlich die Krankheit ist und das ich es richtig gemacht habe, gleich zu kommen und er habe es mir gleich angesehn, dass ich Morbus Bechterew habe.
Der Doktor meinte, es sind leichte Anzeichen einer beginnenden Iritis festzustellen, was er noch sah, kam von der letzten. Auf Grund der Diabetes untersuchte er noch den Augenhintergrund, keine Probleme, im linken Auge, aber gab es Anzeichen eines grauen Stars im Anfangsstadium. Ich bekam Medikamente, Cyclopentolat Alcon 1% sollte ich morgens und abends in das Auge Tropfen. Die Kombipackung Dexamytrex Tropfen und Salbe holte ich mir in der Apotheke. Dabei handelt es sich um ein Antibiotokum, die Tropfen sollte ich vier Mal nehmen und die Salbe ein Mal vor dem Schlafen gehen. In 10 Tagen wollte er mich wiedersehen, bei Problemen natürlich sofort. Ich werde den Termin bei meiner Augenärztin absagen, denn die Untersuchung hat er schon gemacht, der Diabetologin werde darüber berichten, sie wird sicherlich einverstanden sein. Vielleicht wechsele ich im nächsten Jahr zu diesem Augenarzt.
Jetzt hieß es die Ruhe bewahren und zu Gott beten, dass bis zum Abflug nach London alles wieder im Lot ist, zumindest keine Verschlechterung eintritt. Belasten wird es mich sowieso, denn durch die Tropfen kann ich insbesondere auf die Nähe nicht gut lesen, aber da muss die Lesebrille her. Komischerweise bekam ich in der Nacht, nach dem Augenarztbesuch, eine Unterzuckerung, habe ich eigentlich nicht so oft, aber es ist ein blödes Gefühl, es kribbelt, es schwindelt und es war mir heißhungrig, deshalb gab es in der Nacht noch einen Joghurt, der Mensch ist eben manchmal ein wundersames Geschöpf.

Mein Motto, nichts mehr auf die lange Bank zu schieben, ist mir wieder eindringlich in das Gedächtnis gerückt worden.

Am Donnerstag hatte ich noch einen Termin beim Zahnarzt, die Krone war schon fertig, er hat noch etwas daran rumgeschliffen und dann passte sie. Ich musste aber noch einmal in diesen Brei beißen, kein Löffel, sondern eine Glasform und es war noch unangenehmer, denn die Masse drohte in den Rachen zu laufen, erste Würgungen überkamen mich. Der Arzt meinte, ich solle die Zunge nehmen um den Fluss zu stoppen. Langsam wurde sie fest, ich weiß auch nicht was los war, er sagte plötzlich, »Herr Ullmann lassen sie meinen Finger los!« Ich habe doch tatsächlich die ganze Zeit auf den Finger vom Zahnarzt gebissen. Mit ganzer Kraft befreite er mich von der Masse. Der nächste Termin ist in einer Woche, es geht richtig zügig voran und die Krone machte keinen schlechten Eindruck, aber behalten durfte ich sie noch nicht. Er und seine Helferin wünschen mir ein schönes Wochenende in London.
Das war aber noch nicht der letzte Termin, am Nachmittag musste ich noch zur Hals–Nasen–Ohren – Ärztin, bevor ich zu ihr kam, wurde der Hörtest gemacht, zu meinem Erstaunen, war der besser wie vor einem Jahr, der wurde aber heute von der ruhigeren Sprechstundenhilfe durchgeführt und nicht von der plärrigen, ich hasse laute Menschen. Selbige war es auch, deren Computer mich vor fast einem Jahr, als nicht mehr versichert auswies, einen Tag vor der Darmspieglung. Die Ärztin Frau Doktor Bremer, eine zierliche Person, rief mich nach ca. einer Stunde auf, also eine Zeit die ich gern eingeplant habe, es saßen noch paar Leute dort, die schon vor mir da waren.
Es scheint wieder so ein Glücksfall zu sein, eine sehr sympathische, junge Frau, ich hatte schon im letzten Jahr sofort den Kontakt zu ihr gefunden. Sie war sehr zufrieden mit dem Hörtest, ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich objektiv besser ist, was ich ihr auch sagte. Heute war ich darauf vorbereitet, es war nicht so heiß wie im letzten Jahr, sie gab mir recht, es kann so sein. Wir unterhielten uns eine ganze Weile, wie gesagt, das macht man gern mit so einer sympathischen Ärztin.
Der Hauptgrund meines Kommens sind die Ohrgeräusche oder Kopfgeräusche, ich kann sie eigentlich selbst nicht genau lokalisieren. Die HNO – Ärztin erklärte mir es noch einmal, dass die vermutlich von der Halswirbelsäule kommen. Ich habe zwar in der Charité immer darauf hingewiesen, leider ohne Aufmerksamkeit, Therapiemöglichkeiten gäbe es schon, aber eben mit Nebenwirkungen, meinte sie. Die Ärztin riet mir es mit 300 mg Magnesium täglich zu versuchen, bei manchen Menschen hilft es. Ich schilderte die Geräusche noch einmal ausführlich, sie sind immer am Schlimmsten, wenn ich aufwache, dafür hatte sie auch eine Erklärung. Durch die Ruhigstellung der Halswirbelsäule wird die Durchblutung reduziert. Da hat Frau Doktor Bremer vermutlich die richtige Diagnose gestellt. Selbst bei einem kurzen Nachmittagsschlaf, können die Symptome vorkommen. Ich war begeistert, hat das Problem wirklich diese zierliche, sympathische Ärztin gefunden?
Sie untersuchte noch einmal die Ohren, glattes Trommelfell, keine Entzündungen in der Nase, die Sinusitis hält sich in Grenzen. Danach kam sie auf die Therapie zu sprechen, es wird sich nicht mehr beheben lassen, aber wenn ich es nicht mehr aushalte, gibt sie mir eine Infusion. Die andere Möglichkeit, neben Magnesium, wären Medikamente die die Durchblutung des Kopfes fördern. Damit es aber keine Komplikationen gibt, soll ich bei der nächsten Infusion in der Charité nachfragen, ob es Nebenwirkungen geben könnte. Die Ärztin verschrieb mir das Nasenspray Nasonex und die Tabletten Pentoxifyllin. Wenn ich Nachschub brauchte, kann ich diese an der Rezeption neu ordern. In einem Jahr soll ich wieder kommen, wenn es Komplikationen gibt, natürlich jederzeit. Das Gesundheitswesen wie ich es mir vorstelle, egal ob Kassenpatient oder Privatpatient. Von meiner am nächsten Tag geplanten Londonreise musste ich ihr natürlich auch erzählen, sie meinte ob ich beruflich fahre, schön wäre es, sie war noch nie in London, aber ist begeistert, ihre Kinder sind noch zu klein. So war es kurz vor London, zwar stressig aber ein sehr aufbauender Besuch bei Frau Doktor Bremer.
Am Freitag flog ich zum verlängerten Wochenende nach London und blieb bis 11.September, darauf habe ich mich schon den ganzen Sommer gefreut. Die Entzündung im Auge war nicht wirklich abgeklungen. Am Montag machte ich den Tagesausflug nach Oxford. Ich werde jetzt regelmäßig einen Tag außerhalb von London verbringen, da sind auch noch eine Menge Attraktionen zu besichtigen, aber für mehrere Tage lohnt es sich nicht.

Impressionen aus London und Oxford

Zurück aus London mit vielen neuen Eindrücken und der Gewissheit es gibt noch viel zu entdecken, im Kopf reifen schon die nächsten Planungen. Meine Erlebnisse stehen unter dem Titel ›Visit London and Oxford‹ zur Verfügung.
Ausruhen war nach der Reise überhaupt nicht zu denken, am Donnerstag hatte ich gleich zwei Arzttermine und noch einen zusätzlichen. Vormittag zum Augenarzt, er war noch nicht wirklich zufrieden, obwohl er keine Verschlechterung diagnostizierte. Ich bekam noch zwei weitere Medikamente, Mydrum – Augentropfen, die sollte ich abends zur Salbe zusätzlich tropfen. Das zweite war Indocolir, welches mittels einer Trockensubstanz hergestellt wird, dabei stellte er sich nicht gerade geschickt an, das Fläschchen kippte beim Verschließen um, er hätte lieber seine Schwester Nicole rufen sollen, beim zweiten Versuch half ich dem Doktor.
Jetzt hieß es für mich die Kontrolle zu behalten, dreimal täglich, vier verschieden Tropfen und abends Salbe und Tropfen. Obwohl ich mir nicht so sicher bin, ob so viele Tropfen wirklich notwendig sind. Von den Mydrum – Tropfen gab er mir gleich selbst welche ins Auge, ich sollte eine halbe Stunde warten, dann wollte er mich noch einmal sehen. Er drohte schon wieder mit der Kortison – Spritze, wenn die Pupille nicht besser aussieht. Es passte mir nicht, da ich am Nachmittag einen Termin beim Zahnarzt hatte, machte ich den Vorschlag nachmittags noch einmal vorbeizukommen. Damit war er einverstanden. Viel Zeit blieb nicht, ich konnte gerade noch eine kleine Mittagspause in meiner Wohnung machen und dann musste ich schon wieder los.
Im Briefkasten fand ich die Betriebskostenabrechnung, nebst Heizungs– und Warmwasserverbrauch, ich bekomme zwar etwas zurück, aber nicht mehr so viel wie in den letzten Jahren. Ich werde mir die Abrechnung später noch einmal genauer ansehen, vorerst wollte mich der Zahnarzt ansehen, er passte wieder etwas ein, reden tut er nicht sehr viel dabei, in einer Woche bekam ich den nächsten Termin. Der Augenarzt war zufrieden, ich bekam keine Spritze, aber auch er wollte mich in einer Woche wieder sehen.
So ging die erste Woche nach London schnell vorbei, aber es kommt noch besser. Am Freitag wollte ich mein Auto, nach 14 Tage wieder in Bewegung setzten, denn alles bekomme ich in meinem PLUS Laden nicht, übrigens der mieseste den ich kenne, mit mindestens drei äußerst unfreundlichen Kassiererrinnen und einer noch unfreundlicheren Leiterin. Auch die Auslagen sind nicht gerade kundenfreundlich, beim Obst und Gemüse hat man manchmal den Eindruck, als ob hier eine Obstfliegenzucht aufgemacht wird. Bei der Wahl des freundlichsten PLUS Ladens haben die bestimmt gar nicht erst mitgemacht. Typisch für diese Gesellschaft auch, dort wo keine Alternativen zum Einkaufen vorhanden sind, werden die Artikel besonders teuer gemacht, aber es sind nur 5 Minuten von meiner Wohnung, also muss ich das in Kauf nehmen.
Mich traf fast der Schlag, die Batterie war wieder einmal tot, obwohl vor einigen Monaten erst gekauft. Im ersten Gedanken, war es der ›Todesstoß‹ für mein Auto, nach 10 Jahren mehr oder weniger treuer Dienste musste ich mich wohl trennen. Nach über 40 Jahren Motorisierung fällt die Entscheidung trotzdem schwer. Eigentlich steht meine jährliche Fahrleistung von ca. 4000 bis 5000 Kilometern in keinem Verhältnis zu den Kosten, aber es wird auch mein letztes Auto sein. Ich strafte es vorerst mit Missachtung, denn ich brauchte es jetzt nicht wirklich, obwohl sich Mutter und Sonja für das nächste Wochenende zum Besuch angemeldet haben.
Am Wochenende habe ich die Bilder von London und Oxford gesichtet, von den 800 Bildern sind viele ganz ordentlich geworden. Die ersten Reiseerlebnisse sind auch schon im Computer, da die nächste Woche wieder mit diversen Arztterminen ansteht musste ich mich wirklich auch ausruhen.
Der Montag begann mit der Fußpflege, bei Frau Höppner, einer sehr aufgeschlossenen jungen Frau, aus Schottland, die mir anbot, dass wir uns auf Englisch unterhalten können. Das nahm ich sofort an und nun versuche ich mich mit meinem Wissen bei ihr verständlich zu machen. In der Unterhaltung ging es um Schottland und London, sie will mir paar interessante Reiseziele in Schottland aufschreiben, vielleicht kann ich sie in meine nächste Reise einbauen. Zum nächsten Termin brauche ich eine Nachfolgeverordnung und das ist gar nicht so einfach, nicht dass ich keine bekomme, sondern von der Ausstellung durch die Diabetologin bis zum Fußpflegetermin dürfen nur 10 Tage vergehen, vorher muss ich mir die Verordnung noch von der Kasse bestätigen lassen. Ich glaube es wird bewusst alles so kompliziert gemacht, es ist Methode.
Dienstag, holte ich mir einen Nachsorgetermin in der Onkologie des Sana Gesundheitszentrum Berlin. Frau Doktor ist noch im Babyjahr, oder wie immer das immer heute heißt, kommt aber im Januar 2008 zurück, ich bekam einen Termin Ende Oktober bei ihrer Vertretung. Ich will versuchen nur die CT machen zu lassen und die Darmspiegelung auszulassen, mal sehen wie ich das hinbekomme, Schwester Yvonne wird mir dabei sicherlich helfen, denn es steht noch ein wichtiger Termin an. Darum wollte ich mich auch gleich noch kümmern.
Die beste Anlaufstation ist die Zentrale Patientenaufnahme im Sana Klinikum Lichtenberg, ehemals Oskar Ziethen Krankenhaus. Ich war der Einzige der etwas wollte, mein Problem war schnell geklärt, ich wurde an die Schilddrüsensprechstunde Medizinische Zentrum Lichtenberg (MZL) verwiesen. Von dort kam ich gerade, fand die Anmeldung auch schnell und brachte mein Problem vor. Es herrschte eine angenehme Atmosphäre, ich staunte nicht schlecht, als ich für den nächsten Tag einen Termin bekam. Ich brauchte nicht einmal eine Überweisung, sollte nur die Laborwerte und das Szintigramm, ein Leuchtbild, was durch die Einwirkung der Strahlung radioaktiver Stoffe auf eine fluoreszierende Schicht erzeugt wird. Das letzte war vom Jahre 2006 und befand sich in meinen Unterlagen. Das Szintigramm ist nicht weiter schlimm, man bekommt eine kleine Spritze in die Vene, wartet 20 Minuten und dann sitz man vor einem Kasten, der Morbus Bechterew ist der einzige der mich dabei etwas behindert.
Am Mittwoch, beim Hausarzt, konnte ich ihn über den Termin zur Schilddrüsensprechstunde informieren, sonst war er zufrieden mit mir, obwohl der Blutdruck etwas erhöht war. Ich meinte, es hängt wohl mit meiner innerlichen Aufregung zusammen, wenn er mich untersucht. Worauf er anwortete: »Wenn ich ne Frau wäre und 30 Jahre jünger, dann könnte ich das verstehen!« Ich ließ mir noch die Schilddrüsenwerte auf dem Blutbild erklären, die auch in Ordnung gewesen sind. Es war der Laborbefund von der Diabetologin, wo alle Werte im grünen Bereich gewesen sind. Er meinte zu mir, »Du kannst dir ruhig hin und wieder einen Whisky genehmigen« .
Bis zum nächsten Termin im MZL hatte ich noch Zeit und beschloss deshalb meiner 85 jährigen Tante im Frankfurter Tor einen Besuch abzustatten, über den sie sich wie immer sehr freute, natürlich mit Voranmeldung. Nach Kaffee, Kuchen und mit einigen Äpfeln im Beutel machte ich mich auf den Weg zum Termin.
Am Tresen gab ich meine Unterlagen und Befunde ab, eine Frau saß noch im Wartezimmer, es dauerte aber nicht lange und ich war an der Reihe. Der Doktor machte einen verbindlichen Eindruck, ich fragte ihn wie er zu Operation steht, worauf er mir die Situation erklärte. Das Fazit war, ›Kalte Knoten‹ können immer eine Gefahr darstellen, bis hin zum Krebs, aber eher selten und wenn nicht so eine aggressivere Erscheinungsform. Eine Operation bürgt aber immer Gefahren, bei der Schilddrüse sind es Verletzungen der Stimmbänder, aber die Werkzeuge sind so konstruiert, dass sie einen Warnton abgeben. Mein Entschluss stand fest, ich lasse mich operieren. In Vorbereitung suchte ich mir schon einen Termin aus, am Montag dem 26. November. Mit dem Termin hatte er kein Problem, es war noch alles frei. Ich bekam die üblichen Unterlagen mit und das war es, er meinte noch, es könnte sein, dass ich in der Privatklinik hier im Hause untergebracht werde, weil das neue Krankenhaus noch nicht fertig sein wird. Ich brauchte dafür aber nicht mehr bezahlen, es ist mir eigentlich egal wo ich untergebracht bin. Ich kenne noch die alte Chirurgische Klinik hier, da gab es noch keine Toilette im Zimmer, in der neuen sind nur Zweibettzimmer mit Toilette. Der Operationstermin steht auch fest, es ist der 27. November, da ist genau ein Monat Zeit, mich bis zum Geburtstag zu regenerieren. Anfang November habe ich noch einen Termin in der Nuklearmedizin in Hellersdorf, der Doktor wird sicherlich ein aktuelles Szintigramm machen und die Sonografie der Schilddrüse. Das ging recht unkompliziert, ich hoffe die Operation auch.
Donnerstag, Termin beim Zahnarzt und anschließend beim Augenarzt, Erstere bestimmte noch die Farbe der Zähne und er meinte nächste Woche ist der Ersatz fertig. Dem Augenarzt nahm ich vorsichtshalber den Bericht der Augenklinik im Virchow Klinikum mit, dort wurde ich mit dem Medikament Decortin behandelt. Dabei stellte sich eine schnelle Besserung ein, er nahm es zur Kenntnis. Ganz zufrieden war er immer noch nicht und er wollte vom linken Auge eine Gesichtsfeldbestimmung haben, ich hasse diese Tortur. Vorher bekam ich noch irgendwelche Tropfen und schon saß ich vor dem Kasten, Schwester Nicole wies mich noch kurz ein und es fing an zu blitzen, man muss sich hochgradig konzentrieren um keine Punkt zu vergessen. Der Doktor war mit dem Gesichtsfeld zufrieden, in 14 Tagen wollte er mich wieder sehen.
Meine Betriebskostenabrechnung brachte ich anschließend zum Grundsicherungsamt nach Adlershof, solange ich etwas zurückbekomme gehe ich mit einem guten Gefühl hin, aber was wird sein, wenn etwas nachgezahlt werden muss oder sich die Miete erhöht, hoffentlich geht dann die ganze Prozedur nicht wieder von vorn los. Gegenwärtig ist es ja ziemlich ruhig, meine Bearbeiterin habe ich allerdings noch nie zu Gesicht gekommen. Solange sie aber mir nicht auf den Geist geht, kann ich damit leben. Ich brauche keine Gesichter. Die Betriebskosten haben sich um 30 Euro erhöht und die Heizkosten und Warmwasserkosten um 200 Euro, obwohl ich sogar, weniger verbraucht habe. Das ist schon ein gewaltiger Sprung, ich muss es zwar nicht bezahlen, aber es ärgert mich trotzdem. Mein Guthaben vom letzten Jahr ist von 500 Euro auf 280 Euro gesunken. Da ich das Geld von der Wohnungsverwaltung zurückbekomme, wollte ich im Amt gleich die Abrechnung abgeben, hier nur nicht auffallen. Heute war sogar mal eine einigermaßen freundliche Mitarbeiterin in der Servicestelle, obwohl wieder typisch, ich war der Einzige, aber sie musste erst ihr Gespräch mit dem Sicherheitsdienst zu Ende bringen. Immer wieder bekommt man gezeigt, wer das Sagen hat. Ich ließ mir gleich noch die Anträge für das nächste Jahre mitgeben, Folgeantrag für die Grundsicherung Antrag auf Mehrbedarf Antrag auf Befreiung von der Rundfunk– und Fernesehgebühr, denn im März nächsten Jahres ist es wieder soweit, aber es ist schon zur Routine geworden.
Die Woche war fast geschafft und am Sonnabend kamen Mutter und Schwester zu Besuch, es ist nicht wirklich eine Belastung, sie sind beide pflegeleicht, ich musste mir nur noch überlegen, was wir am Sonntag und Montag machen wollen. Die Einkäufe mussten wir mit Sonjas Auto machen, so viel war es auch nicht gewesen. Zum Kaffee habe ich uns einen Apfelkuchen gebacken, ja wir ›Hausfrauen‹ haben immer etwas zu tun, die Äpfel waren von meiner Tante, aber es kam Nachschub aus Bautzen. Zusätzlich brachte mir Mutter noch Walnüsse mit, schon die neue Ernte, ein überaus ertragreiches Nussjahr. Mein Vater, der den Baum im Jahre 1985 gepflanzt hat, wäre begeistert gewesen. Leider hat er nur noch wenige Ernten miterlebt.
Ich hatte mir einige Unternehmungen rausgesucht, es wurde ein Wagenrennen auf der Pferderennbahn in Karlshorst veranstaltet, ein internationales Drachenfest in Potsdam und der andere Vorschlag kam von ihnen, Bootsfahrt mit der Stern und Kreisschiffahrt, sorry die nennt sich so, es ist kein Rechtschreibfehler. Ich hatte nur einen alten Fahrplan zur Hand, schaute aber im Internet nach, es gab eine Fahrt ab Hafen Treptow 12.00 Uhr ›Rund um die Müggelberge‹ Fahrpreis 15.00 Euro, dass sagte uns zu, da die Abfahrt zu einer christlichen Zeit erfolgte.
Impressionen von der Müggelseerundfahrt Rechtzeitig begaben wir uns am Sonntag zum S – Bahnhof Grünbergallee, ich brauchte mit meiner Schwerbehinderung nichts bezahlen, Mutter und Sonja für eine Fahrt 2.20 Euro. Für die Rückfahrt lösten sie auch gleich eine Karte. Seit vielen Monaten fährt die S – Bahn von hier am Wochenende unregelmäßig, d.h. mal fahren Busse, mal fährt sie bis Adlershof, mal fährt sie bis Schöneweide und dann geht es mit Bussen weiter. Das spannende ist es wechselt fast jedes Wochenende, damit es nicht langweilig wird, besonders für die Touristen, die mit dem Flieger nach Schönefeld kommen, ich habe schon oft welchen geholfen, weil ich weiß wie es ist. Noch etwas regt mich schon seit Jahren auf, das am Wochenende, wenn nur die S 9 fährt, die ältesten Wagen zum Einsatz kommen, oder muss Berlin jedem Touristen zeigen wie arm wir sind!
Wir konnten heute bis Schöneweide fahren, von da an wurde es unübersichtlich, deshalb fuhren wir mit dem Linienbus 166 zum S – Bahnhof Treptow. Der Treptower Hafen ist nur wenige Gehminuten entfernt, Mutter gab die Fahrt aus, für Sonja 15 Euro und für sie und mich 12.50 Euro mit Ermäßigung. Gegen 11.30 Uhr konnten wir auf das Schiff, es gab nur vorn und hinten ein relativ kleines Oberdeck, bei dem strahlenden Sonnenschein waren die Plätze schnell besetzt. Die Innenplätze blieben fast alle leer. Dann ging es los, für mich keine unbekannte Strecke.

Denn bis zum Hafen Treptow konnte man zu DDR – Zeiten mit dem Boot fahren, ich hatte damals ein Motorboot, bin soweit allerdings in Richtung Grenze niemals gefahren, aber bis Köpenick schon. Am Zeuthener See lag es im Wasser, Goldstaub zur damaligen Zeit, an den Wochenenden und im Urlaub waren wir viel auf den Berliner Gewässern unterwegs. Meine Ex – Frau hat es sichtlich genossen, aber das vergaß sie später bei der Scheidung zu erwähnen, wie so vieles was sie genossen hat. Nach der Wende musste ich das Boot verkaufen, aus zeit – und finanziellen Gründen.

Es ging über die Treptower Spree, vorbei am Haus Zenner, Spreehöfe, Rathenau Hallen in Schöneweide, kein so schöner Anblick, stillgelegte Industrieanlagen, dabei viele große Betriebe aus DDR – Zeiten.

Am ehemaligen Werk für Fernsehelektronik, später von Samsung betreiben, heute auch stillgelegt, dachte ich daran, dass ich Mitglied im werkseigenen Motorsportklub war. Mein Lada 1500 cm³ leistete uns dabei treue Dienste, nach der Wende zerfiel das auch, wie alles andere. Schade eigentlich, wir waren eine ziemlich feste Truppe, es wurden viele Veranstaltungen gemacht und sonstige Unternehmungen. Die Rallyes hatten mehr volkssportlichen Charakter, aber es hat Spaß gemacht. Das größte Erlebnis war die Teilnahme an der Freundschaftsfahrt in Prag, im Frühherbst 1989, als die Pager Botschaft schon besetzte war und die Ausreise nur noch mit DDR – Reisepass möglich war, bekamen die Teilnehmer noch einen Reisepass, mit den entsprechendem Visa ausgestellt. Meine Ex – Frau und ich waren damals noch ein Team, aber wir fuhren unter ferner liefen. Das war eigentlich fast die letzte Veranstaltung, solche Erinnerungen kommen einem bei der Passage dieser Stätten in den Sinn.


Der erste Haltepunkt war Luisenhain in der Köpenicker Altstadt, dort stiegen noch eine ganze Anzahl Leute zu, wir wollten hier auf der Rücktour gegen 16.15 Uhr aussteigen. Jetzt begann die schöne Strecke, über die Müggelspree fuhren wir nach Friedrichshagen, vorbei an neu gebauten exquisiten Wohnhäusern, hier direkt am Wasser hat meine Ex – Frau auch eine bezogen, ich hoffen nun ist sie glücklich bis an ihr Lebendende, denn angeblich soll sie erst jetzt ihr Glück gefunden haben. Wie sagte sie doch damals gleich, »angeblich hat er es überstanden!«. Nur ihr Problem ist, nach maximal 10 Jahren muss sich wohl der Glücksstern immer wieder plötzlich verfinstern. Man wird sehen. Es scheint jedenfalls so, dass ihr Vorwurf, der angeblich auch mit zur Scheidung geführt haben soll, nicht haltbar ist. Sie gab mir die Schuld, dass ihre Kinder nicht bei ihr geblieben sind, begründet hat sie es nicht. Komisch, heut sieht ihre Tochter immer noch durch sie hindurch! Warum hat sie dazu im Scheidungsprozess nichts gesagt, es gab doch für alles Zeugen, da wären doch bestimmt noch paar aufzutreiben gewesen. Oder traute sie sich nicht, es hätte ja sein können ihre Tochter sagt etwas dazu.
In Friedrichshagen, dort wo das Bürgerbräu gebraut wird, saßen viele Menschen in den Biergärten der Gaststätten, weiter ging es über den Großen Müggelsee zur Gaststätte Rübezahl mit Stopp zum Ein – und Aussteigen, auch hier herrschte viel Betrieb, Rübezahl ist als Ausflugsziel bekannt und berüchtigt, besonders zur Himmelfahrt, nach der Wende legal und vorher illegal.
Jetzt näherten wir uns langsam dem Höhepunkt der Fahrt, Neu Venedig, den Abschnitt der Müggelspree bin ich schon mehrfach mit meinem Boot entlang gefahren, aber mein Besuch kannte die Durchfahrt nicht. Es ging an Müggelhorst und Neu Helgoland vorbei, in Neu Helgoland befindet sich die gleichnamige Gasstätte, sehr empfehlenswert, ich war schon mit meiner Schwester Evelyn und ihrem Mann dort, auch meine Schulfreundin habe ich hierher geführt. Vom Land ist sie aber nur mit dem Auto über Müggelheim erreichbar. Neu Venedig hat wirklich etwas mit Venedig zu tun, viele kleine Kanäle mit schönen Häusern. Aber auch hier sieht man viele ungeklärte Eigentumsverhältnisse in Form von verwilderten Grundstücken. Kurz vor dem Dämeritzsee fuhren wir an Hessenwinkel vorbei, die Grenze zu Brandenburg. Ich habe hier in der vornehmen Gegend vor vielen, vielen Jahren ein Fernstudium gemacht. Vom Dämeriztsee aus fuhr das Schiff zurück durch den Gosener Kanal, eher eine langweilige Strecke, auf dem Kahn gab es einen Livekommentar, informativ und nicht aufdringlich. Weiter fuhren wir über den Seddinsee, vorbei an der Dahme – Wasserstraße, dem Abzweig zum Zeuthener See, hier in Schmöckwitz befindet sich eine Gaststätte, mit Hausmannskost und schönen Blick auf den See. Sonja ist hier schon einmal, nach einem Heidelbeereis schlecht geworden.
Vorbei an der Großen Krampe und Langer See über die Regattastrecke liefen wir wieder in Köpenick ein, eine schöne Fahrt mit über vier Stunden ging zu Ende. Vor der Durchfahrt durch die Dame Brücke in Köpenick wurden wir alle gewarnt, wir sollten uns hinsetzen, die außen sitzen, auch noch die Arme reinnehmen, eine Aufsicht wurde auch noch auf das Deck geschickt. Es war nicht gelogen, das Schiff passte wirklich gerade durch, es was ein komisches Gefühl. Es sollte noch erwähnt werden, Sonja hat uns ein Bier und ein Paar Wiener ausgegeben, mit dem Essen war es eh schwierig, es gab nur Plaststühle. Die Organisation einen Tisches hatten wir verpasst. Es war eine wirklich gute Idee die Fahrt zu machen, der Vorschlag hätte auch von mir sein können!

An vielen Stellen kamen mir Erinnerungen hoch, einige habe ich wiedergegeben, aber eine fehlt noch. Der Besitz einen Motorbootes war die eine Seite, es musste vor der ersten Fahrt abgenommen werden, es war so etwas TüV ähnliches. Da gab es paar Sachen die besonders kontrolliert wurden. Es sprach sich unter den Bootsbesitzern rum, worauf zu achten ist, ich bekam die Genehmigung problemlos. Das war am Langer See in Schmöckwitz, an dem Tag herrschte eine ziemlich steife Brise und sehr manövrierfähig war der Kahn auch nicht gerade, dazu kam noch das schlechte Ansprungsverhalten der ›Forelle‹ . Für den normalen DDR – Bürger gab es nur diesen Motor. Ich bekam jedenfalls den Motor nicht mehr an und wir trieben auf die Fähranlegestelle zu. Hier standen viele Leute um auf die andere Seite zu kommen. Vielleicht habe ich mich auch ungeschickt angestellt, jedenfalls gab es schadenfreudige Rufe aus der wartenden Menge, ich höre es heute noch; ›Pass auf jetzt kentert er gleich.‹ Zum Glück kamen wir irgendwie von der Stelle los und der Motor sprang an.


In Köpenick an der Uferpromenade am Luisenhain ist eine Menge gemacht worden, sie ist zwar noch nicht ganz fertig, aber es sieht schon richtig gut aus. Im Ratskeller in Köpenick musste ich mich auch erkenntlich zeigen gabt einen Kaffee aus und ich trank ein Guinness. Mein Besuch kannte das Rathaus überhaupt noch nicht, es macht schon etwas her, die Attraktion ist natürlich der Hauptmann von Köpenick. Danach nahmen wir die Straßenbahn, fuhren bis zum S – Bahnhof Adlershof zurück und anschließend mit der S – Bahn nach Hause. Es war wieder ein schöner Tag.
Impressionene vom Berleiner Tierpark Nun blieb uns noch der Montag, mein Vorschlag Shopping in der neuen ALEXA wurde überhaupt nicht für gut befunden, er fiel durch, ich dachte es mir schon. Insbesondere meiner Schwester wird schlecht, wenn sie mehr als 3 Menschen auf einem Haufen sieht und dort werden es garantiert paar mehr sein. Ich dachte mir schon, was für ein Vorschlag kommen wird. Besuch des Tierparks Friedrichsfelde, da Sonja den Eintritt spendieren wollte, erklärte ich mich einverstanden. Wir waren alle vor längerer und ganz langer Zeit im Tierpark, bei mir sind es bestimmt über 35 Jahre her. Das Wetter spielte am Montag auch mit, es lohnt sich schon, den Tierpark wieder einmal zu besuchen, aber 11 Euro Eintritt ist eben auch nicht gerade wenig Geld. Der Park machte einen ordentlichen Eindruck, neben dem Alfred Brehm Haus, was schon vor 35 Jahren stand, gab es auch neue Anlagen, Dickhäuter – Haus, Elefanten – Haus, Giraffen – Haus und Affen – Haus. Eine alte Gaststätten stand auch noch da und verfiel langsam, vielleicht war ja schon keine Saison mehr, denn alle Gaststätten waren auch nicht geöffnet, die, in der wir Mittag gegessen haben machte einen guten Eindruck, später leisteten wir uns hier noch ein Eis. Ich war wieder gut dran, Eintritt bezahlte Sonja, Mittag und Eis Mutter, ich brauchte nur für den Abend noch paar Flaschen Bier holen. Ich bin eigentlich kein Zoogänger, aber bereut habe ich es auch nicht und meinem Besuch hat es sehr gut gefallen. Dienstag fuhren sie wieder, da ich selten Besuch bekomme, freut es mich immer wenn jemand kommt.
Mittwoch ging es gleich weiter, die Infusion stand an, ich lies mich überraschen. Termin war 9.00 Uhr, es herrschte irgendwie ein leichtes Chaos, so viele Leute hatte ich lange nicht mehr gesehen. Eigentlich sollte ich bei der Stationsärztin vorstellig werden, die begegnete mir bei der letzten Infusion und ich fand sie recht sympathisch, schließlich hatte ich einige Probleme zu klären, aber es kam anders, sie war nicht da oder noch nicht da. Ich hoffte, dass ich nicht zu dem Arzt muss, der mir am unsympathischsten ist, seine Untersuchungen gleichen eher einem Verhör.
Natürlich kam es so, ich weiß doch, alles was geschehen kann, passiert mir. Nach einer Stunde, kurz bevor die Stationsärztin erschien, rief er mich auf, als die ärztin in sein Zimmer kam, wollte sie mich übernehmen, vielleicht klappt es ja doch noch, dachte ich bei mir. Aber er wollte mich nicht mehr hergeben, bestellte sich bei ihr nur einen Kaffee und da saß ich nun.
Die Laborwerte fragte er nicht ab, interessierte sich auch nicht sonderlich für mich, horchte mich ab, die anderen Untersuchungen zur Beweglichkeit machte er nicht. Die Iritis interessierte ihn auch nicht, er sah nur, dass die linke Pupille größer ist. Die Schilddrüsenoperation nahm er zur Kenntnis und mit meinem Vorschlag die Infusion vorzuziehen war er nicht einverstanden, nun erfolgt die nächste in 12 Wochen. Er schickte mich danach zu Schwester Kerstin, die heute alleine da war, nur eine Lehrschwester stand ihr zur Seite. Es dauerte wieder, gegen 11.00 Uhr kam ich nun endlich dran, Kerstin hat sich schon einmal an meinen Venen versucht, ich ahnte es schon, am linken Arm ging es schief und am rechten Arm!
Ich fragte sie vorher was passiert, wenn es hier auch nicht klappt, dann muss der Arzt rann. Nun haben die Schwestern sicherlich auch ihren Stolz, es klappte nicht wirklich, die Infusion tröpfelte und das nur wenn ich meinen Arm ganz gerade hielt. Sie schickte mich aber in die Palmenecke, das ist ein abgetrenntes Stück auf dem Gang aber mit Durchgangsverkehr, auch nicht gerade eine günstige Lösung.
Ich bemühte mich, aber die Infusion setzte immer wieder mal aus, es war eine echte Quälerei. Nach mir gesehen hat auch keiner, Kerstin hatte gar keine Zeit dazu. Zum Ende der Infusion merkte ich, dass mein Arm angeschwollen war, deshalb ging ich zu Kerstin, sie war auch einigermaßen geschockt, befreite mich von dem Schlauch und fragte ob mir schlecht ist. Ich meinte noch nicht, sie schickte mich in die Kantine der Tagesklinik, dort sollte ich einen Kaffee trinken und dann noch einmal vorbeischauen. Schlecht ging es mir nicht, aber es war schon eigenartig. Als ich danach zu ihr ging, nahm sie mich gleich mit zum Doktor, er besah sich das Problem und meinte wenn es dicker wird sollte ich am nächsten Tag noch einmal vorbeikommen. Stellte noch an Kerstin die Frage, ob die Nadel richtig gesessen hat, sie meinte ja und ich betätigte es, ich werde doch Kerstin nicht anscheißen, die ist mir doch viel sympathischer als dieser Doktor. Ich glaube sie war froh, dass ich so zahm war. Danach habe ich mir noch den neuen Termin geholt, es war immer noch voll, gegen 12.30 Uhr verließ ich die Klinik.
Zu Hause machte ich erst einmal einen ausgiebigen Nachmittagsschlaf, der Arm wurde auch nicht dicker, so dass ich nicht noch einmal in die Charité musste. Ich denke schon, dass eine ganze Menge von der Infusionslösung in das Muskelgewebe geflossen ist, nicht gerade günstig, da die nächste Infusion so lange hin ist.
Am nächsten Tag hatte ich schon wieder einen Termin beim Zahnarzt, ich bekam die Krone einzementiert und den Zahnersatz. Der Zahnarzt meinte, wenn etwas drückt sollte ich noch einmal vorbeikommen, aber die nächste Woche hat er Urlaub, notfalls ist aber eine von beiden Zahnarzthelferinnen da. Als ich im Warteraum saß, wurde die Schwester Nicole vom Augenarzt auf mich aufmerksam und sagte, »Herr Ullmann, sie stehen gar nicht auf der Liste!«, »Ich habe heut auch keinen Termin, erst in einer Woche!« ,worauf sie meinte, »Sie müssen doch langsam die Nase voll haben, so oft wie ich sie hier sehe!« . Na ja klar, langsam geht es mir auf den Senkel, aber was soll es. Zur Probe aß ich in Schöneweide eine Thüringer Bratwurst und merkte schon, der Zahnersatz zwackt, aber so stark, dass ich ihn gar nicht tragen konnte.
Am Freitag verabredete ich mich mit Kumpel Micha, wir wollten das Auto in Gang bekommen. Es klappte mit der Starthilfe, ich drehte eine Runde und stellte es wieder ab, beim erneuten Startversuch sagte es wieder nichts, aber ich hatte das Kabel an der Batterie nicht richtig angezogen. Mir kam schon eine Vermutung, vielleicht war es die Ursache. Eine neue Werkstatt hatte ich mir zuvor in den Gelben Seiten rausgesucht, ein Bosch Dienst in Niederschöneweide, die Firma Thews, aber heute hatte ich keine Lust mehr. Ich klemmte die Batterie wieder ab und zweit Tage später versuchte ich das Auto zu starten es klappte. Ich beschloss noch einen letzten verzweifelten Versuch zu unternehmen und brachte das Auto zur Werkstatt.
Im Internet habe ich schon einmal nachgeschaut, mit Zugbindung kostet eine Fahrt nach Bautzen zuwischen 40 und 50 Euro, das ist weniger wie mit dem Auto und zeitmäßig ist es auch vertretbar, nur mit dem Transport, von Obst und Gemüse wird es kompliziert, mit dem Zug will ich es nicht mitnehmen. Da möchte ich vornehm reisen, nur mit Trolley, nicht mit noch 5 Beuteln, unter dem Motto, man kann zwar arm sein, muss aber nicht unbedingt arm aussehen. Da bin ich auch Stolz auf mich, mir sieht man es ganz bestimmt nicht an, wie auch andere Leute bestätigen.
Noch ein Termin beim Augenarzt, Schwester Nicole sagte, sie weiß nicht warum ich komme. Sie hat bei meinen vielen Terminen die Übersicht verloren und meinte sie hat das Gefühl als ob ich jeden Tag hier bin. Da habe ich innerhalb von sechs Wochen mir bei ihr einen Namen gemacht, ich mag es wenn die Menschen mich kennen und ich nicht das unbekannte Wesen bin. In den meisten Fällen gebe ich mich auch so, dass die Leute mich in positiver Erinnerung behalten. Aber ich kann auch anders.
Der Doktor meinte die Iridocyclitis sei geheilt, die Entzündung ist weg, aber der Augendruck ist nicht so gut, er liegt an der Grenze des erlaubten und das am guten rechten Auge. Er wollte noch eine Gesichtsfeldmessung vom rechten Auge und ein Tagesprofil. Die Tropfen sollte ich ausschleichend einnehmen, nächster Termin im Dezember, aber wenn etwas ist, muss ich sofort erscheinen. Ich bedankte mich und meldete mich bei der Schwester. Wir vereinbarten im Dezember, nach der Operation zwei Termine, eine für das Gesichtsfeld und einen Tag später das Tagesprofil, d.h. drei Mal am Tag zum Augendruck messen erscheinen und dann zu Auswertung zum Doktor.
Die Zahnarzthelferin war noch da und ich berichtete ihr vom Problem mit dem Zahnersatz, da ich ihn nicht bei mir hatte, konnte sie natürlich nicht machen und ich bekam einen Termin in der kommenden Woche beim Arzt.
Ein Anruf von der Werkstatt bekam ich ebenfalls, sie konnten keine stillen Verbraucher feststellen, die Batterie war sehr schlecht, das kann eigentlich nicht sein, sie ist erst paar Monate alt. Notfalls habe ich ja noch Garantie drauf. So eine richtige Lösung hatten wir beide nicht, ich vereinbarte mit dem Monteur, dass sie die Batterie noch einmal aufladen sollen, denn so viel bin ich ja nicht gefahren und am Montag sollte ich vorbeikommen.
Aber es kam anders, am Montag meldete sich natürlich keiner, das kannte ich doch irgendwie, von Auto Walter in Pirna. Ich rief am Nachmittag an, der Herr Thews war auch gleich verfügbar, just in dem Augenblick, als wir gerade die Abholung vereinbarten, kam der Monteur in das Büro. Es gab eine Feststellung, das Zündschloss hat einen Kurzschluss. Herr Thews meinte aber, ursächlich kann das nichts mit der Entladung der Batterie nichts zu tun haben.
Mir fiel gleich ein weiteres Problem ein, welches sich folgendermaßen äußerte, manchmal ging das Auto während der Fahrt aus, nur nach ausschalten der Zündung sprang es wieder an. Es wurde manchmal zur Katastrophe, mit Ausfall des Motors, gehen weder die Servolenkung, noch der Bremskraftverstärker, in einer Kurve wird das wirklich zum Problem. Deshalb fühlte ich mich insbesondere auf der Autobahn, beim Überholmanöver immer sehr unsicher. Das Problem schilderte ich nun, es könnte daran liegen, meinte er. Ich habe mir nie getraut, das anzusprechen, endlose Fehlersuche, unkalkulierbare Kosten.
Ich entschied mich das Zündschloss wechseln zu lassen, 120 Euro veranschlagte er dafür, es kam aber wieder ein Anruf, das besorgte Zündschloss passt nicht, man brauchte ein originales von OPEL, was deutlich teurer ist, was soll es, da muss ich nun auch noch durch.
Am Mittwochnachmittag sollte der Zahnersatz gerichtet werden, einige Leute saßen da und warteten. Es dauerte über eine Stunde bis ich dran kam, als ich ihm mitteilte, das ich den Ersatz in die ›Schachtel‹ sperren musste, weil er vorne beißt und hinten kneift, hatte ich die Lacher von ihm und Leila auf meiner Seite. Er erkannte wohl das Problem, feilte und schliff etwas herum, irgendwie war mein Gefühl nicht so gut, vielleicht hätte ich es doch nicht das Chinesische Labor einschalten sollen? Er passt nun besser, aber es ist sehr gewöhnungsbedürftig, ich muss mich zwingen ihn zu tragen. Oder ich lege ihn nur an, wenn ich auf ›Brautschau‹ gehe.
Vor dem Zahnarzt legte ich noch einen Zwischenstopp beim Friseur ein und holte mir auch die Nachfolgeverordnung für die diabetische Fußpflege, natürlich nicht beim Friseur, es gibt tatsächlich Wochen, wo ich nicht einen vollen freien Tag genießen kann. Langweilig wird es auch an dem nicht, Flugsimulation, Webhosting und Vogelkäfig säubern, es gibt immer etwas zu tun, aber ich lebe nicht nach dem Motto, es gibt viel zu tun, warten wir es ab. Die Verordnung bekam ich sofort, nun muss ich sie nur noch von der Krankenkasse bestätigen lassen, bis zum ersten Termin sind nicht nur 10 Tage Zeit, sondern 21 Tage, sagt die Sprechstundenhilfe in meiner Diabetespraxis, ich hoffe es stimmt.
Der Friseur in Schöneweide, heißt ›COUTNGO‹ , kostest 9 Euro, den kann ich mir sogar leisten, als Taxifahrer war das nicht so, damals habe ich geknausert, mein schwer verdientes Geld war mir einfach zu schade.

Im übrigen habe ich zum Friseur schon immer, seit der Kindheit, ein gespanntes Verhältnis. Es hat mich einfach angekotzt dort zu warten und manchmal kam ich auch nicht dran, da wurde eine Bestellung vorgezogen und was weiß ich noch alles.
In Bautzen habe ich das Geld lieber für Süßigkeiten ausgegeben, es war ein weiter Weg von Auritz bis zum Friseur, leider gingen mir bald die Ausreden zu neige, ich musste es doch Mutter beibringen, denn Geld hatten wir damals nicht. Die Großmutter hat mich dann immer in Schutz genommen.
Die nächste Station war Pirna, ja die Beatleszeit hielt damals auch in der DDR Einzug, wohl dem der sich die Haare entsprechend wachsen lassen konnte, ich durfte es nicht. Mit allerlei Drohungen versuchte mich mein Vater davon abzuhalten. So konnte es schon einmal vorkommen, dass ich zu bestimmten Ausflügen nicht mitgenommen wurde, als ich mir dann noch, schon in der Lehrzeit, heimlich eine Schlaghose schneidern ließ, war ich unten durch. Das gab natürlich wieder, ich brauchte meine Eltern, sonst hätte ich mir niemals ein Motorrad kaufen können. Ich hatte das Gefühl, die Friseure konnten mich auch nicht leiden, einmal in Pirna, wurde ich sogar beleidig, indem die Friseurin, damals noch ›Frisöse‹ ganz laut fragte, ob ich ein Junge oder Mädchen bin. Ich war vielleicht sauer.
Das Debakel setzte sich in der Armeezeit fort, dort herrschte ja bekanntlich ein besonders strenges Regime. Kurz, kürzer, am kürzesten war die Devise. Es gab einen besonderen Anlasse, was es genau war, weiß ich nicht mehr. Wir hatten am Nachmittag zum Appell anzutreten und ich bekam vorher den Befehl mir einen ordentlichen Haarschnitt zuzulegen. Ich durfte natürlich nur in der Unform aus der Kaserne heraus und die Zeit war auch knapp, also suchte ich einen Friseur in Adlershof unweit der legendären ›Currywurstbude‹ . Im Salon schnitt nur ein älterer Friseur und ich wurde richtiggehend ignoriert. Beliebt waren wir bei den Berlinern sowieso nicht. Viel zu spät kam ich dran und verpasste den Appell, die Strafe war, eine Woche Ausgangssperre und das tat wirklich weh. Kein Bier, keine Mädels. Wem wundert es noch, dass ich nicht so gut auf den ›Haareschneider‹ zu sprechen bin. Selbst hier kam man mit Beziehungen weiter, die ich leider nicht hatte.
Heute habe ich mit den Friseuren auch ein Problem, ich kann meinen Kopf, aus den bekannten Gründen nicht nach vorn beugen, dazu muss ich immer meine Erklärung abgeben. Für die Friseure ist es ganz normal, dass die Kunden den Kopf bewegen können.
In den letzten Wochen bin ich mehrfach an der ›Currywurstbude‹ vorbeigelaufen, denn Zahnarzt und Augenarzt lagen auf dem Weg, manchmal leiste ich mir eine, die aber bei weitem nicht mehr so gut schmecken und es stehen auch nicht mehr so viele Menschen an. Damals gab es uns, den Fernsehfunk und die Akademie der Wissenschaften. Die Bude fristet eher ein begrenztes Dasein, ich denke mit Fertigstellung des neuen Bahnhofs in Adlershof ist Schluss.
Aber für die, die damals eine Ausgangssperre bekamen, war sie ein Glück. Meist wurden die jungen Soldaten damit beauftrag, erst 20 bis 30 Currywürste zu kaufen und in die Kaserne zu bringen, bevor sie ihren Ausgang genießen konnten. Gemault hat damals keiner, denn wir ›Längergedienten‹ waren auch für die Ausgangskontrolle am Kasernentor zuständig. Das war in verschiedener Hinsicht positiv, wir konnten schon mal uns nicht ›genehme‹ Zeitgenossen, aus vielerlei Beanstandungen nicht raus lassen. Dadurch hatten wir auch unsere Vergünstigungen. Nach dem Ausgang gingen wir regelmäßig in der Bäckerei vorbei, holten frische Schippen, Eier, Wurst und andere Leckereien. Danach wurde im Zimmer geschlemmert.


Am nächsten Tag kam der Anruf von der Werkstatt, der ›Problemfall‹ ist fertig, Kostenpunkt 350 Euro, welch eine Summe, prüfen kann ich sie eh nicht. Er, der Problemfall war nun ein Woche dort, ich hoffe die Standzeit wurde nicht, wie beim Taxifahren, mit berechnet. Das Zündschloss ausgewechselt, die Batterie fast leer, mal sehen ob es sich gelohnt hat. Das war der letzte Akt, die Entscheidung fällt im nächsten Jahr.
Neben der Rechnung, bekam ich noch das Messergebnis über den Ladezustand der Batterie ausgehändigt. Die Reparaturunterlagen von AUTO Unger hatte ich dabei, deshalb fuhr ich gleich noch dort vorbei. Es herrschte reger Betrieb, aber ich kam nach 10 Minuten an die Reihe und konnte mein Problem schildern. Da die Batterie erst ca. 3 Monate alt ist, lag ein Defekt nahe. Ich wurde dem Meister vorgeführt, den Test beachtete er nicht weiter, doch er konnte durch seine Messung den miesen Zustand bestätigen.
Ein Mitarbeiter kam um die Batterie zu wechseln, er fuhr auch einen Opel Vectra und wir tauschten uns über einige Probleme aus. Er konnte mir auch meine Vermutung betätigen, dass das Auto nicht in Deutschland gebaut wurde, man erkennt es an der Zulassungsnummer.
Zu meiner Überraschung führte er noch einen ziemlich gründlichen Check durch, mein Vertauen in Auto Unger ist dadurch wieder gewachsen. Nun bin ich gespannt wie lange das ›Problem‹ fahren wird.
Ich habe mich spontan entschlossen die Probefahrt nach Bautzen zur Mutter zu machen. Oftmals gibt sie zur Reparatur etwas dazu, aber das ist nicht der Hauptgrund, ich hoffe meine Schwestern sehen das positiv, denn sie sind ohne Zugaben lebensfähig. Vielleicht habe ich mit meiner Familie wirklich Glück gehabt, viele haben es nicht.
Vorher muss ich aber noch die Nachfolgeverordnung für die Fußpflege bestätigen lassen. Es ging problemlos, aber eine definitive Antwort bekam ich nicht wirklich. Ich meine wegen dem Zeitraum zwischen Ausstellung und dem ersten Behandlungstermin, er sagte, es sollten nicht mehr als 14 Tage sein. Nun habe ich drei Aussagen;
10 Tage die Fußpflegerin,
21 Tage die Diabetespraxis und
14 Tage die Krankenkasse,
so ist es, vor lauter Bestimmungen, der Patient muss sich etwas raussuchen.
Da ich einmal dort war, erkundigte ich mich nach den Modalitäten für die Krankenhauseinweisung, 7 Tage vorher bekomme ich erst die Bestätigung der Kostenübernahme von der Krankenkasse. Der Grund leuchtet einigermaßen ein, es könnte ja sein, dass ich bis zur Einweisung in das Krankenhaus nicht mehr krankenversichert bin.
Nun konnte ich die Fahrt starten, eigentlich wollte ich dieses Jahr nicht mehr wegfahren, aber ich bekomme eine Ladung Äpfel und Walnüsse mit, die ich dann an die guten Freunde in Berlin verteile.
Ich war mir nicht wirklich sicher, ob das Auto durchhalten wird, gehofft habe ich es, sonst wäre es der endgültige ›Todesstoß‹ gewesen, das ahnte es wohl, denn es fuhr ganz ordentlich. Mutter freute sich wie immer über den Besuch und die mitgebrachten Blumen. Meine Schwestern sind immer neidisch darauf, aber für alle kann ich keine mitbringen. Es war ein Segen, Evelyn hatte keine Zeit zum Doppelkopf (Urlaubsvorbereitungen), also fiel er aus, das ist noch nie passiert, seitdem ich mitspiele. Meine Mutter musste den ›Hasendienst‹ übernehmen. Arbeiten in Haus und Garten gab es keine, o.k. einige kleinere Tätigkeiten, aber nicht der Rede wert. Am Sonnabend lud Mutter Sonja und mich wieder einmal zur Auritzer Rentnerfahrt ein, es sollte nach Seiffen gehen.
Aber zuvor gab es erst einmal Unheil, bei der Präsentation meines neuen Zahnersatzes verlor ich eine Plombe im vorderen Zahnbereich, so ein Murks aber auch, dachte ich mir, gerade fertig beim Zahnarzt. Ich rief gleich von Bautzen aus an und machte einen Termin fest. Jetzt ist alles wieder in Ordnung. Ich brauchte noch einige Sachen für den Krankenhausaufenthalt, die ich in Bautzen und Umgebung einkaufte, denn so lange war es nicht mehr hin. Die Tank – und Eikaufsfahrt nach Tschechien wurde, obwohl die letzten Erinnerungen noch frisch im Gedächtnis hafteten, trotzdem gemacht. Es ging auch alles glatt, aber das Auto setzte wieder aus, also war der dieser Fehler noch vorhanden. So kurz vor der Struma – Operation wollte ich mich nicht mehr darüber aufregen.

Impressionen von der Rentnerfahrt

Am Sonnabend 8.40 Uhr starteten wir mit einem voll besetzten Bus (45 Leute) nach Seiffen. Das Wetter war durchwachsen, aber die Stimmung gut, nicht lange unterwegs gab es schon Frühstück auf einem Parkplatz der Autobahn A 4. Eine schöne Fahrt über, Hainichen – Frankenstein – Oederan – Flöha – Zschopau – Augustusburg – Marienberg, einige Orte waren mir bekannt, andere weniger. Das Ziel war die Hirtsteinbaude, als Berggasthof 1927 erbaut, auf der höchsten Erhebung im Mittleren Erzgebirge, dem Hirtstein (890 m).
Für fast alle ein unbekanntes Objekt, selbst der Busfahrer musste mehrmals Anlauf nehmen um die Gaststätte zu finden, unterwegs fing es an zu schneien, der erste Schnee ›live‹ , das hat doch etwas. Auf der Hinfahrt wurde die Essenbestellung aufgenommen, zur Wahl standen Schweinebraten oder Lachsfilet, die Mehrzahl entschied sich nichtsahnend für Lachs. Im Gegensatz zum Internetauftritt war das Essen eine Katastrophe, das Lachsfilet war nicht paniertet, es gab nur ein halbes Stück, keine Soße und dazu Bratkartoffeln die nach ›Arsch und Friedrich ‹ schmeckten. Auf Nachfrage wurde uns mitgeteilt, hier isst man das so, das Raderberger Pilsener war dafür gut. Wenn man Glück hatte schien sogar für paar Minuten die Sonne, sodass ich einige ganz gute Fotos machen konnte, die wunderbare Sicht entschädigte für das Mittagessen.
Bis Seiffen war es nicht mehr sehr weit, Seiffen ist eine Gemeinde im Mittleren Erzgebirgskreis in Sachsen. Sie ist bekannt für ihre Spielzeugmacher und deren Schauwerkstätten. Ich kenne Seiffen noch vor der Wende und war erstaunt, wie viele Läden mit Weihnachtsdekorationen es hier plötzlich gab. Damals kann ich mich nur an das Spielzeugmuseum erinnern, das es zwar immer noch gibt, aber zu kaufen gab es überhaupt nichts. Heute ist das Spielzeugmuseum nicht wirklich frequentiert, die Massen zieht es in die Weihnachtsläden und was hier angeboten wird ist unüberschaubar und teuer. Selbst Vorlagen für Laubsägearbeiten sind fast unerschwinglich, früher bekam man dies Bogen für wenige DDR – Mark. Mutter und ich kauften nichts, Sonja machte Jagt auf irgendwelche kleinen Weihnachtsengel, unter dem Motto, ›man gönnt sich ja sonst nix‹ .
Vom voll besetzten Parkplatz, oberhalb von Seiffen ging es 16.30 Uhr zurück in Richtung Bautzen. Das Abendbrot war gegen 18.00 Uhr in einem Ort, der mir entfallen ist, geplant, es sollte eine Überraschung sein. Ausnahmsweise war ich einer der ersten der den Bus verließ und ich konnte mir einen schönen Tisch aussuchen, nahe am Buffet, die eigentlichen Überraschung, leider durfte unser Tisch als letztes zum Buffet, aber es war genug da für alle. Nach paar Bier und einigen Kräuterschnäpsen stand die letzte Etappe bevor. Gegen 21.30 Uhr trafen wir wieder in Bautzen ein. Ein schöner Ausflug, ich liebe das Erzgebirge, natürlich ist es direkt in der Vorweihnachtszeit noch viel heimeliger. Wie so üblich erfolgte noch eine Auswertung der Fahrt. Wir kommen eigentlich ganz gut aus, was mich besonders beeindruckt ist ihre politische Einstellung, sie lebt die Überzeugung meines Vaters weiter.
Am nächsten Tag musste ich wieder zurück nach Berlin. In den Kofferraum wurden Äpfel, Birnen und Nüssen geladen. Auf der Autobahn war es relativ voll, das Ende der Herbstferien machte sich massiv bemerkbar. Wenn ich Äpfel einlade, denke ich oftmals an eine Fahrt von Bautzen nach Berlin. Damals bekam ich die Äpfel von meiner Großmutter, ich musste nicht mit dem Zug fahren. Ein Kraftfahrer vom Wachregiment nahm mich im Dienstwagen, einem russischen Jeep, mit. Es war keine illegale Fahrt, bloß gut. Kurz hinter Bautzen, auf einer Straße, die bei Nässe zur Rutschbahn wurde, geriet dem Fahrer der Wagen aus der Kontrolle. Wir schlitterten mit hoher Geschwindigkeit auf einen Telefonmasten zu. Der war zum Glück aus Holz, den säbelte das Auto um, wir überschlugen uns mehrfach.
Ich muss wohl kurzzeitig das Bewusstsein verloren haben, denn es wurde dunkel. Dann spürte wie mir irgendetwas an den Kopf flog, bis ich merkte, es waren Omas Äpfel. Zum Stehen kamen wir vor einem Einfamilienhaus, neben paar kleineren Blessuren war uns nichts geschehen. Das Auto hatte Totalschaden. Später wurde der Straßenbelag ausgewechselt. Ist doch klar, dass man sich daran erinnert.
Für meine Fußpflegerin hatte ich zwei kleine Tüten Nüsse im Kofferraum, aber ich wollte sie vorher fragen, ob sie Walnüsse isst, sie war begeistert als ich ihr nach der Behandlung die Nüsse brachte.
Es gab noch einiges zu erledigen bevor die Struma – Operation an der Reihe war. Beim Hausarzt holte ich mir neben den üblichen Überweisungen zu den Fachärzten, die auch immer mehr werden, die Einweisung zur Operation in das Sana Klinikum Lichtenberg. Ich legte sie mir auf Termin im Computer ab.
Ende Oktober fand ein Tag der offenen Tür, anlässlich der Eröffnung des Neubaus im Sana Klinikum Lichtenberg statt, ich beschloss hinzugehen. Der Bau machte eine sehr funktionellen Eindruck, alles in einem Haus und nur Zweibettzimmer mit Dusche, Toilette und Flachbildschirm am Bett. Ich besah mir alles das, was mich interessierte und wozu ich Fragen hatte. Vielleicht komme ich ja hier schon zur Operation unter.
Nun galt es noch zum jährlich Nachsorgetermin den Onkologen zu überzeugen, dass ich in diesem Jahr keine Darmspiegelung machen lassen will. Es passt einfach nicht ins Zeitfenster, er war einverstanden und ich brauchte nur zur CT, den Termin habe ich mir schon lange vorher geholt, nach der Struma – Operation sollte ich mich wieder sehen lassen.
Das Blut wird dort abgenommen wo die Chemotherapie stattfindet. Ich war sehr erstaunt, wie viele Krebskranke zur Chemotherapie anwesend waren. Es sind mehr Erkrankungen geworden, Dickdarmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Todesursache durch Krebs. Jährlich erkranken etwas 71.000 Menschen, rund 29.000 sterben jedes Jahr an den Folgen der Erkrankung. Doch im Gegensatz zu anderen Tumorerkrankungen kann Darmkrebs frühzeitig diagnostiziert geheilt werden. Früh erkannt, ist Darmkrebs in etwa 90 % der Fälle heilbar. Trotzdem nehmen nur etwa 18 % der Männer und 34% der Frauen in Deutschland regelmäßig an Früherkennungsprogrammen teil. In den meisten Fällen entwickelt sich Darmkrebs langsam über einen Zeitraum von acht bis zwölf Jahren aus gutartigen Vorstufen den Darmpolypen. Diese neigen zu Blutungen und können deshalb durch einen Test auf verstecktes Blut im Stuhl erkannt werden. Diesen Test kann jeder ab dem 50. Lebensjahr jährlich kostenlos durchführen lassen. Ist der Test positiv wird bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) die Ursache geklärt und mögliche frühe Stadien eines Darmtumors können entfernt werden.
Das Darmkrebsrisiko steigt mit fortschreitendem Alter oder bei langjähriger chronischer entzündlicher Darmerkrankung. Seit dem 1. Oktober 2002 ist daher die Vorsorge – Koloskopie ab dem 55. Lebensjahr Teil des Angebotsspektrums der gesetzlichen Krankenkassen. Doch erschreckenderweise haben bisher nur 3 Millionen dieses Angebot wahrgenommen. Das sind weniger als 10% der Anspruchsberechtigten. Dabei ist die Koloskopie die aussagekräftigste Untersuchung zur Früherkennung und Diagnose von Darmkrebs. Selbst kleine Darmpolypen und Tumoren lassen sich aufspüren und gegebenenfalls entfernen. Wer möchte, bekommt zur Untersuchung eine leichte Narkose. Ich nehme diese immer, man muss ja nicht den Helden spielen.
Ich denke es hört sich überzeugend an, leider sah ich das vor der Feststellung des Darmkrebses auch nicht so. Aber so ist das nun einmal im Leben, man muss erst einen richtigen Schlag bekommen, bevor man schlau wird, das kennt wohl jeder in den verschiedensten Situationen. Also gebt euch einen Ruck.
Die Kontrolluntersuchung (Blut und Sonografie) in der Nuklearmedizin in Hellersdorf, hätte ich mir schenken können, denn die versprochenen Ergebnisse kamen natürlich nicht an. Meine Ex – Schwägerin Jutta war aufgrund einer Privatangelegenheit nicht anwesend, sie hatte mir aber einen Brief hinterlassen, fand ich nett. Sie hätte ich mit der Zusendung beauftragen können, so sind die Befunde beim Hausarzt gelandet. Den anwesenden Doktor kannte ich bisher nicht, er hinterließ einen oberflächlichen Eindruck. Die Befunde wurden im Nachhinein sowieso nicht gebraucht, die gehen zu lasten der Krankenkasse.
Der nächste Termin war bei meiner Diabetologin, wie immer ein netter Besuch, wie unterhielten uns über ihren Urlaub in Tibet, ja soviel Zeit muss sein. Sie meinte, es könnte sein, dass sich mit dem Zucker nach der Operation etwas ändert, deshalb sollte ich danach öfters kontrollieren.
Die Neurologin, bei ich ebenfalls noch einen Termin wahrnehmen musste, sagte mir ausdrücklich, dass ich das Gabapentin wegen der Polyneuropathie nehme und nicht wegen epileptischer Anfällen, das sollte ich bei der Operationsvorbereitung unbedingt sagen. Ich werde es mir merken. Nun waren immer noch nicht alle Termine abgearbeitet.
Eine Woche vor der Aufnahme ins Krankenhaus musste ich zur Computertomografie, das Kontrastmittel trank ich schon zu Hause, die CT sollte schon im neuen Haus stattfinden. Als ich dort pünktlich ankam, wurde ich von den Wachleuten zurückgewiesen, denn das Gebäude war noch vollkommen leer. Es sah auch nicht so aus, dass hier in einer Woche schon operiert wird, na mal sehen. Es wurde eine umfangreich CT gemacht Schilddrüse – Thorax – bis zum Darm, der Onkologe wollte das so. Das gespritzte Kontrastmittel, ich kenne es ja schon macht eine wohlig, warmes Gefühl, aber nur für kurze Zeit. Die Auswertung erfolgt zum nächsten Termin in der Onkologie. Für die Struma – Operation wurden diese Aufnahmen auch nicht gebraucht.
Ein anderes Problem machte mir Sorgen, die Iritis meldetet sich zurück, immer wieder tränte mein linkes Auge, das fehlte mir noch in der Sammlung und das kurz vor der Operation. Zum Augenarzt, mir war das einfach zu viel, Tropfen und Salbe hatte ich noch zur Genüge im Haus. Ich machte meine eigene Therapie und es klappte, bis zur Operation hatte ich das Auge im Griff. Aber war das nicht ein ungutes Zeichen?
Mutter und Sonja erschienen, traditionsgemäß zum Buß – und Bettag in Berlin, das war noch eine Abwechslung für mich. Ich wollte den Besuch aber nur bis Sonnabend haben, klar sahen sie das ein. Es war wie immer ein harmonischer Aufenthalt. Ich habe für Mutter noch ein Schreiben an die Rentenversicherungsanstalt gemacht und ihr mein neues Testament mitgegeben, man weiß ja nie.
Aktivitäten plante ich auch, eine Tagestour durch Berlin, mit S – Bahn, Straßenbahn, U – Bahn und Bus, mehr geht nicht. Die Highlights waren, die Fahrt über die Bernauer Straße an der ehemaligen Mauer entlang, bis zum Nordbahnhof. Mutter konnte es gar nicht fassen, sie war noch nie an der Mauer. Ich konnte vieles erzählen und auch einiges über die ehemaligen ungenutzten U – Bahnhöfe der Nord – Süd – Bahn preisgeben. Ich besitze darüber ausgeprägtes Insiderwissen.
Danach machten wir die Friedrichstraße unsicher, genauer gesagt, die Galeries Lafayette Berlin – einzige Auslands–Dependance der berühmten Pariser Galeries Lafayette und eine der ersten Hauptstadtadressen für internationale Mode und französische Spezialitäten. Aktuelle Kollektionen und Accessoires auf 4 Etagen, exklusive Düfte und Pflegeprodukte in der Beauté – Abteilung, Klassiker der Weltliteratur, Comics und Bestseller in französischer Sprache in der Librairie française und Schlemmen wie Gott in Frankreich im berühmten Lafayette Gourmet – die Galeries Lafayette Berlin an der Friedrichstraße sind ein wahrer Genuss für die Sinne. Ich tat so, als ob ich das kenne, ehrlich gesagt, ich war genauso überrascht wie mein Besuch und als wie wieder draußen waren, hatte ich die Orientierung verloren und lief auf der Friedrichstraße mehrmals in die falsche Richtung, man war mir das peinlich.
Es war geplant im Komplex der Nordischen Botschaften Mittag zu essen, einige Tage vorher brachte der RBB einen Bericht darüber, dass man hier ab 13.00 Uhr essen kann. Es war voll und leider hatten wie einen Tag erwischt, mit einer Speisekarte die keinem so richtig zusagte. Ich hätte vorher im Internet nachschauen sollen. Egal zu essen gab es trotzdem, Mutter lud uns in die Winterwelt am Potsdamer Platz ein. Ich glaube aber so eine gute Idee war es wohl nicht, denn es wurde am Essen gemäkelt. Mir hat es geschmeckt, nur als meine Schwester am nächsten Tag noch sagte, ich würde nach Knoblauch riechen, war es mir klar das Dressing war durch Knoblauch ›verseucht‹ worden. Wir sind nämlich keine Knoblauchfans und ich gleich gar nicht. Ich bringe Knoblauch immer mit meiner Ex – Frau in Verbindung, so viel wie möglich und dann regte sie sich auf wenn ich von ihr weggerückt bin, ich hätte kotzen können. Manchmal dachte ich, sie macht es absichtlich um mich zu provozieren, auch wie schön ist es jetzt im Schlafzimmer ohne Knoblauchgeruch und anderen Geräuschen.
Mutter hat sich den Schweinebraten eingepackt und auf ging es zum nächsten Event, die ALEXA am Alexanderplatz. Meine Besucher sind eigentlich überhaupt kein ›Einkaufszentrumsgänger‹ , es schien sie aber zu beeindrucken und viele Leute waren auch nicht da, deshalb gefiel es auch meiner Schwester.
Nachdem sie am Sonnabend planmäßig nach Bautzen fuhren, habe ich mich erstmals mit der Reistasche befasst, war die nicht viel zu groß?
Für eine knappe Woche, trotzdem wurde sie voll, vielleicht komme ich zum Lesen. Nahm deshalb von Charles Dickens ›Der Weihnachtsabend‹ und von Time Out aus London ›1000 things to do in London‹. Das Handy und der MP3 – Player hatte ebenfalls noch Platz. Die Wohnung war sauber, die Vögel versorgte, am Briefkasten brachte ich den Aufkleber ›Bitte keine Werbung einwerfen, auch keine Zeitungen‹ an. Am Sonnabend fand ich dort noch eine Rechnung von der Charité über die Zuzahlung zum Remicade Medikament, jeweils 10 Euro, war dort meine Befreiung von der Zuzahlung untergegangen, es ist ja unwahrscheinlich, das Medikament kostet genau 1.397,87 Euro, ich glaube in meiner Apotheke war es teurer. Ich hoffe es klärt sich nach meiner E–Mail.
Die Nacht vom Sonntag zum Montag war nicht wirklich erholsam, zumal ich mit einem leichten Durchfall zu kämpfen hatte, das ging ja gut los dachte ich am Montag früh.
Gegen 8.30 Uhr sollte ich da sein, also fuhr ich mit der S – Bahn 7.20 Uhr bis zum Treptower Park, stieg in die Ringbahn zur Frankfurter Allee und von dort mit der U – Bahn bis Lichtenberg. Die Tasche war ganz schön schwer geworden, vielleicht hätte ich den Trolley nehmen sollen, aber da käme ich mir wie Urlaub vor. Da die Zentrale Patientenaufnahme noch an der alten Stelle war, wurde mir langsam klar, der Neubau ist noch nicht in Betrieb. Die Einweisung hatte ich in der vergangenen Woche der Krankenkasse zur Bestätigung vorgelegt. Ich musste eine Telefonkarte kaufen, warum erschloss sich mir nicht. Die 10 Euro waren Pfand ich bekäme sie zurück. Nun war ich gespannt wo ich mich einfinden muss, noch hat die freundliche Dame es mir nicht gesagt. Ich erinnerte mich aber, das Dr. Feller, der das Gespräch mit mir führte sagte, wenn der Neubau noch nicht fertig ist komme ich auf die Privatstation, ohne Zuzahlung, das hörte sich damals im September gut an.
Es stimmte tatsächlich, ich kam auf die PrivatClasse – Station der Chirurgischen Klinik. Die Station befindet sich im Medizinischen Zentrum Lichtenberg (MZL), dort wo auch meine Onkologin ist.
Ich begab mich dorthin und wurde am Tresen freundlich empfangen, gab meine Unterlage ab und eine Schwester brachte mich in mein Zimmer (204). Es war ein schönes Zimmer, mir zwei Betten, Dusche und Toilette. Es lag schon ein Patient im Bett, die Schwester sagte, “Dem geht es heut noch an den Hals!”. Wir begrüßten uns kurz und ich räumte meine Tasche aus. Vom großen Fenster konnte man direkt auf die Auffahrt und bis zum Bahnhof Lichtenberg sehen. Es ist immer wieder komisch so eine Ankunft, ich merkte es gibt kein zurück mehr und das Geschehen nahm seinen Lauf. Es dauerte auch nicht lange und die junge Assistenzärztin erschien um mir Blut abzunehmen, später wollte sie mich über die Operation aufklären.
Meine nächsten Anlaufpunkte waren, die Röntgenabteilung und der Ultraschall. Die angebotene Begleitung durch einen Zivildienstleistenden brauchte ich nicht. Eigentlich sollte ich nur zum Röntgen gehen, aber die MTA dort machte gleich einen Termin beim Ultraschall aus, da konnte ich einen Weg einsparen, aber es ging schon los. überall wo ich hinkam musste ich mich zum Morbus Bechterew erklären, konnte die Arme nicht richtig hochheben und beim Ultraschall musste mir noch zusätzlich etwas unter den Kopf gelegt werden.
Wieder zurück auf der Station, stelle ich fest, mein Zimmer ist abgeschlossen, sicherlich hat man entsprechende Erfahrungen gemacht. Mein Mitbewohner war schon zur Operation ›abgefahren‹ ,ich sollte gleich noch zur HNO – Ärztin Frau Dr. Ronneburger gehen. Sie hatte die Aufgabe meine Stimmbänder zu kontrollieren. Die Methode ist relativ einfach, sie legt um die Zunge ein Stück Krepppapier, zieht sie raus, steckt ihr Endoskop bis an das Zäpfchen in den Hals. Da würgte es mich schon und ich musste ihr noch ein langes ›hiiie‹ sagen, es kommt aber nur ein kläglicher Laut heraus, das reichte ihr aber. Alles in Ordnung, sie gab grünes Licht für die Operation. Gegen 12.00 Uhr gab es Mittagessen, es war eigentlich nicht wie im Krankenhaus, schmackhaft und abwechslungsreich, obwohl die Vorbestellung nicht immer hinhaute, egal ich war zufrieden.
Am Nachmittag kam die ärztin und führte das Aufklärungsgespräch durch, es sollte wenn überhaupt, nur ein winzig kleiner Teil der Schilddrüse übrigbleiben. Sie konnte die Operation überzeugend erklären, die Risiken waren im Aufklärungsborgen gut beschrieben. Die Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule, aufgrund des Morbus Bechterew brachte ich vor, ich musste den Kopf nach vorn und hinten neigen, sie sah keine großen Probleme darin.
Danach wurde eine kleine Gruppe zum EKG gebracht, begleitet durch einen Zivildienstleistenden, es ging durch Gänge und Fahrstühle in die Chirurgische Klinik, zurück wurden wir nicht gebracht und ich fand mich nicht durch, musste den langen Weg durch das Außengelände des Klinikums nehmen, zum Glück war ich warm angezogen.
14.00 Uhr brachten die Schwestern meinen Mitpatienten, operiert wieder zurück. Für mich stand nur noch die Aufklärung durch den Anästhesisten offen, der sollte irgendwann im späten Nachmittag erscheinen. Zwischendurch kam die ärztin noch einmal vorbei und meinte, es wird wohl erst Mittag mit der Operation. Da war ich schon sauer, man liegt von früh bis mittags im Bett und wartet.
Man kann ja einen Tag zuvor schon nicht wirklich abschalten, ich beobachtete meinen Zimmerkollegen, der schlief, also fing ich an ›Der Weihnachtsabend‹ zu lesen, gar keine so schlechte Geschichte vom Mister Scrooge, dem alten Geizkragen und dessen Läuterung, vielleicht sollten den Deutschen Politiker und Manager auch hin und wieder solche Geister erscheinen. Mich würde es freuen.
Kaffee und Kuchen wird 15.00 Uhr ausgefahren, nicht nur ein kleiner Keks, sondern wirklich ein ganzes Stück Kuchen.
Später am Nachmittag erschien Dr. Feller begrüßte mich kurz und wandte sich dem frisch operierten Patienten zu, er musste eine Sprechübung machen und der Doktor war zu frieden. Ich kannte ihn schon aus der Schilddrüsensprechstunde, er erschien mir irgendwie nicht sonderlich zugänglich, machte aber einen korrekten Eindruck. Meine Bettnachbar bekam Besuch von seiner hustenden Frau, da war er noch der Schatz! Die Patienten, die keine Schonkost bekommen, werden zum Abendbrot an das Buffet gebeten, es gab reichhaltig zu essen und zu trinken. Ich durfte noch bis Mitternacht etwas zu mir nehmen.
Nach dem Abendessen musste wieder eine kleine Gruppe in die ITS (Intensiv Therapie Station) zum Aufklärungsgespräch durch die Anästhesistin, begleitet durch einen Zivi, ich nur im T–Shirt, zurück fand ich mich wieder nicht in die Station. In der ITS herrschte Hektik, es war die ITS der Chirurgischen Klinik, genau dort wo der Darmkrebs operiert wurde. Als ich an der Reihe war, verwies ich auf den Morbus Bechterew, die ärztin notierte es im Bogen, das Gespräch war kurz und knapp, aber ausreichend. Sie verordnete mir für die Nacht noch eine Beruhigungstablette und meinte meine Medikamente kann ich nach der Operation gleich weiter nehmen.
Wie gesagt zurück, ging es über das Außengelände, mir fröstelte, ich war sauer auf die Zivis, die ihre Arbeit sowieso lustlos machten. Mit dem angebrochen Abend war nicht wirklich viel anzufangen, ich las mein Buch zu ende und hörte Musik vom MP3 – Player. Zur Nacht 20.00 Uhr kommen die Schwestern durch, um die Medikamente zu bringen und das war es dann. Ich bekam meine Beruhigungstablette, wurde noch einmal aufgeklärt, dass ich nach Mitternacht ja nichts mehr trinke und das ›Engelshemd‹ lag schon bereit. Der Doktor käme gegen 6.45 Uhr zum Anzeichnen, wenn möglich sollte ich vorher noch duschen.
Mein Mitpatient bekam schon etwas zu essen, einen Joghurt, so wird es hoffentlich bei mir auch sein. Zwischen 22.00 und 23.00 Uhr schaut die Nachtschwester noch einmal vorbei, aber ob der Fernseher noch läuft stört offensichtlich keinen, Hauptsache man ist sich mit dem Mitpatienten einig. Meiner war ja noch nicht richtig da, aber in den nächsten Tagen wird er mich, mit seinen niveaulosen Gesprächen und selbigen Fernsehsendungen, noch gehörig nerven.
Es war keine angenehme Nacht, geschlafen habe wohl etwas, aber es ging mir nicht wirklich gut, es war sogar ein Hustenreiz da. Ich werde mich doch nicht erkältet haben, war mein Gedanke. Ich duschte schnell, dann kam der Doktor schon und zeichnetet in einer Hautfalte am Hals den Schnitt an, aus Neugier fragte ich noch einmal nach dem Termin, er sagte vielleicht 10.00 Uhr, aber er wusste es nicht wirklich. Ich gab mich meinem Schicksal hin und legte mich ins Bett. Ernst wird es erst, wenn man die Beruhigungstablette bekommt, erst dann wollte ich mein Engelshemd anziehen.
Ich staunte nicht schlecht, als mein Zimmerinsasse schon den Dränageschlauch gezogen bekam und auch die Klammern aus der Operationsnarbe wurden entfernt, dass ging aber schnell, er konnte sich frei bewegen. Ich wünschte mir, dass es morgen auch so sein wird, aber noch lag ich hier, 11.30 Uhr bekam ich endlich die Tablette und durfte mein Hemd anziehen.
Beim Anziehen merkte ich, es hat eine Tasche, ich dachte immer ›das letzte Hemd hat keine Taschen‹ ,also war es noch nicht so weit, ein gutes Omen. Als ich 12.00 Uhr abgeholt wurde, musste ich aus dem Bett auf eine fahrbare Trage umklettern, die Betten in der Station waren fest stationiert und deshalb zum Transport nicht geeignet. Ich bat die Schwester, mir in mein Bett eine Unterlage zu legen, denn der Darm war nicht wirklich ruhig. Dann ging es los, die Operation wird nicht in der Chirurgischen Klinik durchgeführt, sondern in einem Seitentrakt des MZL im 1. Stock. Dort angekommen wurde ich wieder umgebettet, auf eine sehr schmale Liege, bevor ich die richtige Lage hatte musste ich mich mehrmals neu positionieren. Die Unterlage erschien mir wie fester Schaumgummi, in dem sich der Körper eindrückt und fixiert ist, vielleicht täuschte ich mich auch, denn so ganz da war ich nicht mehr, mein Kopf lag ganz gut in dem Schaumgummi.
Im Raum erschien der Anästhesist, ein Oberarzt und meinte gleich, “Herr Ullmann, ich habe auch Morbus Bechterew, aber nicht so schlimm wie sie!” Ein Verbündeter dachte ich, er erklärte mir, es könnte sogar sein, dass ich nicht operiert werden kann. Man muss dann etwas anderes versuchen, was für Aussichten, dass Problem war den Tubus für die Beatmung in die Luftröhre zu bekomme. Durch meine Halswirbelsäule könnte es sein, dass man nicht um die Kurve kommt.
Mein Gott, warum ziehe ich immer alle Probleme auf mich.
Der Zugang zur Vene war schon gelegt, die Schwester erklärte mir, dass ich jetzt in den Operationsraum gefahren werde, ich sah die Lampen über mir, ich wollte eigentlich noch wissen wie es weiter geht, aber man hatte mir schon eine Spritze gegeben, der Oberarzt sagte oder fragte mich noch etwas. Ich erinnere noch, wie ich sagte, “Herr Doktor ich schwebe schon davon!” , es wurde dunkel und ich kippte nach hinten, in ein tiefes Loch.
Später, hörte ich jemand sagen, die Operation ist vorbei, war ich doch operiert, ich konnte die Uhr sehen, 15.15 Uhr, hatten die Ärzte etwa solange an mir gearbeitet, oder sind sie noch einmal vorbeigekommen.
Das Drama begann, ich bekam keine Luft, lag auf der Pritsche und konnte nur röcheln, das einzige was ich flüstern konnte war das Wort ›Schleim‹ . Ich hatte Angst, es kündigte sich wieder an, das Abendrot am ›Lebenshorizont‹ , ganz dunkel erschien es mir. Ich konnte die Farbe schon gut deuten, ich hatte in den letzten Jahren genug Zeit, meine Augen auf die Gezeiten des Lebens zu schulen. Der Mann mit der Sense war deutlich auszumachen und blickte schon ganz interessiert nach mir. Ich sah sein Treiben im Augenwinkel, zum Glück war er noch dabei sein Werkzeug zu ›dengeln‹ , die Insider wissen was ich meine. Ich kenne diese Prozedur, habe bei meiner Großmutter mehrmals zugesehen, es nie begriffen. Ich weiß aber, dass es dauert, hoffentlich wird er nicht so schnell fertig.
Gedanken kamen auf, bloß gut, dass du in den letzten Jahren noch einiges unternommen hast, meine Reisen zogen an mir vorbei. Zum Röcheln und dem Schleim kam noch ein permanenter Hustenreiz. Plötzlich standen 4 Leute im weißen Kittel um mich herum, die ich schemenhaft sah, Dr. Feller war auch dabei, einer sagte, ich sollte beim Husten die Hand auf die Naht am Hals drücken, damit nicht alles wieder aufreißt. In meiner Verzweiflung verlangte ich etwas zu trinken, was ich auch bekam, aber ich verschluckte mich heftig. Man setzte mir eine Sauerstoffmaske auf, die Überwachung der Herz – Kreislauffunktionen erfolgte permanent. Es gab mal gute, mal weniger gute Informationen, ich verzweifelte an meinem Röcheln. Die Ärzte berieten sich und wollten mich auf die ITS in der Chirurgischen Klinik bringen, aber es war kein Platz frei. Lag es am Umzug oder an der Gesundheitsreform, ich weiß es nicht. Ich, jedenfalls lag noch immer im Aufwachraum und röchelte, angstvoll vor mich hin, war das Hemd vielleicht ein Versehen, das ich an hatte!
Jetzt trat Dr. Feller in Aktion, denn er war sich nicht sicher, ob die Operation erfolgreich verlaufen ist. Seine Methode die Stimmbänder zu testen ist relativ einfach, man muss Wörter, wie Zitrone, Ananas oder Amerika sagen, ich konnte vorerst nichts sagen, er kam ganz dicht an meinen Mund und quälte mich immer wieder mir den Wörtern. Mit letzter Kraft entfuhr es meinem Hals und ich setzte noch ein Wort dazu, ich sagte nicht nur Amerika, sondern ›Scheiß Amerika‹ . Das war für ihn ein wie ein Befreiungsschlag. Man entschied sich, mich auf meine Station zu bringen, ich fragte, »Geht es nach Hause?«, “ja”, war die Antwort. Ich wurde immer wieder dazu angehalten, tief durch den Mund zu atmen und versuchte es, so gut es eben ging.
Man hievte mich in mein Bett, da lag ich nun, konnte es gar nicht begreifen. Ich wurde sofort an die Telemetrie zur überwachung der Herz – und Kreislauffunktionen angeschlossen per Funk wurden die Funktionen auf einen Monitor bei den Schwestern am Tresen beobachtet.
Der Doktor war auch schon wieder am Bett, er quälte mich erneut mit seinen Sprechübungen, es ging sehr schlecht, dann war er fort der Doktor. Ich bat die Schwester, ob ich nicht etwas zu trinken bekommen kann, nein das müssen die Ärzte entscheiden, dann bringen sie mir wenigsten eine ›Ente‹ . Die bekam ich ohne Probleme und einige Papiertücher für meinen abgehusteten Schleim, aber nur wenige, die nicht lange reichten. Mein Zimmerkollege sagte bescheid, aber deshalb bekam ich noch lange keine, ich konnte mich auch nicht wirklich verständlich ausdrücken, nur ganz langsam sprechen, da waren die Schwestern schon wieder fort. Irgendwann bekam ich welche, so lange benutze ich eine Tasse, dass hat ihnen überhaupt nicht gepasst, war aber nicht mein Problem.
Ja, es muss gegen 19.00 Uhr gewesen sein, als zwei Ärzte von der ITS erschienen, jetzt wäre ein Platz da, sie könnten mich gleich mitnehmen, wenn ich will. Ich wollte hier bleiben und die Doktoren waren einverstanden. Sie konnten feststellen, dass meine Herz – Kreislauffunktionen in guten Händen sind, der Blutdruck hatte sich stabilisiert, Zucker wurde ständig gemessen. Bevor sie gingen bat ich um Wasser zum Trinken, sie sagten bescheid und endlich bekam ich eine Schnabeltasse. Voller Freude nahm ich einen Schluck. Ich konnte aber nicht trinken, es lief nicht in die Speiseröhre, sondern in die Luftröhre, das Drama setzte sich fort, ich verschluckte mich und fing wieder an zu röcheln.
Plötzlich stand Dr. Feller, so gegen 21.00 Uhr wieder vor meinem Bett und meinte er hatte einen Termin beim Zahnarzt, den er unbedingt wahrnehmen musste, wegen mir ist er eh schon zu spät gekommen. Ich war überrascht und bemerkte, er war ein Mensch der alles für seine Patienten gibt, ich musste meinen ersten Eindruck revidieren, er ist gar nicht unnahbar.
Was jetzt geschah hat mich tief beeindruckt, er stand vor meinem Bett und sagte; “Herr Ullmann, sie können mir glauben, ich habe keine Fehler gemacht, obwohl es eine sehr komplizierte Operation war!” Nun begann er mir einiges zu erklären, die Ausführungen wurden durch meine Röchelattacken immer wieder unterbrochen. Es beruhigte in zunehmend, auch dass ich mich immer wieder beim Trinken verschluckte, eigentlich ein Zeichen dass irgendetwas nicht gut gegangen war. Ich habe mich entschlossen den Operationsbericht hier wiederzugeben, bringt er doch einige Fakten anschaulich zu tage.


Operationsbericht (Auszüge und Erläuterungen)
Verwendung des Neuromonitoring und der Lupenbrille
Während früher der Stimmbandnerv per Augenschein identifiziert wurde, wird beim intraoperativen Neuromonitoring eine Nadelelektrode in die Stimmbandmuskulatur eingebracht. Durch einen Reizstrom wird dann jede Muskeltätigkeit der Stimmbänder angezeigt und der Stimmbandnerv kann in der Schilddrüse genau verfolgt werden. Durch intraoperatives Neuromonitoring kann das Verletzungsrisiko des Stimmbandnervs von 2–3 Prozent auf unter 1 Prozent reduziert werden. Bei normalem Neuromonitoringsignal wurde bei mindestens 97 Prozent der Patienten postoperativ ein normaler Stimmlippenbefund festgestellt.
Nach Lagerung des Patienten, welches sich schwierig gestaltete, da eine Reklination des Kopfes bei Ankylose im HWS – Bereich wegen Morbus Bechterew nicht möglich ist. Reklination ist ein Begriff aus der Medizin. Er bezeichnet in der Medizin allgemein das Rückwärtsneigen z. B. des Kopfes. Schon die Exploration gestaltete sich nicht einfach, da sich aufgrund der Bechterew – Veränderungen der Kehlkopf im Jugulumbereich befindet. (Jugulum (lat.) oder auch Drosselgrube bezeichnet die Grube zwischen den beiden Schlüsselbeinen, die nach unten durch den Oberrand des Brustbeins begrenzt wird. Schließlich können beide Schilddrüsenlappen exploriert werden, wobei der linke Lappen erheblich vergrößert erscheint. Beide Schilddrüsenlappen sind von Knotenbildung unterschiedlicher Größe durchsetzt, so dass die Indikation zur Durchführung einer Thyreoidektomie besteht.
Als Thyreoidektomie wird in der Medizin die operative Entfernung der Schilddrüse bezeichnet. Der Eingriff kann als totale Thyreoidektomie (Entfernung der gesamten Schilddrüse; beispielsweise bei einem Schilddrüsenkarzinom) oder als Hemithyreoidektomie (Entfernung eines Schilddrüsenlappens) durchgeführt werden. Neben der kompletten Entfernung des jeweiligen Lappens besteht auch die Möglichkeit, einen Gewebsrest zu belassen (subtotale Resektion), der für die Hormonproduktion in der Regel ausreicht. Der Eingriff wird in Allgemeinanästhesie durchgeführt. Der operative Zugang erfolgt über den sogenannten Kocher–Kragenschnitt, einen etwa 3 – 6 cm langen horizontalen Hautschnitt, der – um ein günstiges kosmetisches Ergebnis zu erzielen – in eine Hautfalte gelegt wird. Die Operationsdauer bei unkomplizierten Fällen beträgt etwa eine Stunde. Mögliche Komplikationen der Thyreoidektomie sind Beschädigung eines Stimmbandnerven Nervus recurrens (Risiko ca. 1 bis 5 %) sowie versehentliche Mitentfernung der Epithelkörperchen. Die Folge können eine Stimmbandlähmung mit Heiserkeit sowie Calciumstoffwechelstörungen sein.
Vor dem weiteren Vorgehen wird der Versuch unternommen, die funktionelle Intaktheit des Stimmbandnervs zu überprüfen. Dies gelingt auf beiden Seiten trotz intensiver Bemühungen nicht (Änderung der Einstellungen am Monitoring – Gerät, Lageänderung des Tubus). Umso sorgfältiger wird im Weiteren auf die sorgfältige Schonung des Simmbandnerv geachtet.
Links beginnend werden die oberen Polgefäße zwischen Ligaturen durchtrennt. Beim weiteren Vorgehen wird auch bewusst auf die sorgsame Schonung von Epithelkörperchen geachtet, das heißt, es wird bewusst kein Nebenschilddrüsengewebe entfernt. Schrittweise wird der linke Schilddrüsenlappen freipräpariert, indem die versorgenden Gefäße durchtrennt werden. Schließlich gelingt es, den linken Schilddrüsenlappen hervorzuluxieren (auszurenken). Nun kann der Stimmbandnerv links eindeutig identifiziert werden. Er verläuft unversehrt nach zentral, wo er in den Weichteilen verschwindet. Unter ständiger Sichtkontrolle der Nerven mit der Lupenbrille wird die Entfernung links vervollständigt und das Präparat zur histologischen Untersuchung gegeben.
Unter Valsalva – Manöver Blutstillung im Bereich des linken Schilddrüsenloge bzw. Feststellung der Bluttrockenheit. Über das Valsalva – Manöver kann man im Internet nachlesen, mir ist die Erklärung zu kompliziert, aber es geht um Herzkammer, Lungenarterien und es kann zum Kollaps führen.
Nochmaliger Versuch der Anwendung des Neuromonitoring direkt über den Nervus recurrens und über den Nervus vagus links. Diese Versuche scheiterten weiterhin. Gleiches Vorgehen wie auf der linken Seite beschrieben nun rechts. Auch hier wird auf die sorgsame Schonung der Epithelkörperchen und des sicher identifizierten Nervus recurrens rechts geachtet. Ausführung einer Thyreoidektomie rechts. Auch auf der rechten Seite gelinkt die Anwendung des Neuromonitoring nicht.
Nach Feststellung der Bluttrockenheit Einlage von zwei Redondrainagen. Verschluss durch fortlaufende Naht. Klammerverschluss der Haut. Verband. Histologie.


Er hatte keine Ruhe und meinte, die HNO – Ärztin wird sich bei mir am morgigen Tag melden. Seine Entscheidung mir Sauerstoff zu geben so viel wie ich will, war segensreich. Ich habe sogar in der Nacht hin und wieder geschlafen. Ich trug eine Sauerstoffmaske und versuchte immer wieder tief einzuatmen. Der Schmerztrunk den ich bekam, ging wieder voll in die Luftröhre, ich bekam den üblichen ›Luftnotanfall‹ . Die Nachtschwester erschien alle 15 Minuten um nach mir zu sehen und zu fragen wie es mir geht. Manchmal streichelte sie mir über die Wange und sprach mir Mut zu. Jeder weiß, der mich kennt, das bleibt nicht ohne Folgen, mir kamen die Tränen. Jedenfalls hat mir die Nacht unter Sauerstoff gut getan. Was das Trinken anging, die Mundpropaganda sagt, Kopf so weit wie möglich auf das Kinn und einen kleinen Schluck nehmen. In der Nacht begriff ich es allmählich, es wird dachte ich mir.
Was lag denn eigentlich noch alles im Bett herum, ich hatte das Gefühl, es war zu viel, zuerst stellte ich fest, aus dem Hals kamen zwei Schläuche, deshalb hingen am Bett auch zwei Tanks, dann waren die Saugknöpfe am Körper, von dort gingen Kabel zu einem Kasten mit Antenne, der im Bett lag. Dann war da noch ein Gerät, welches den Pulsschlag wiedergab, dazu hatte ich eine Klammer am Finger. Also bewegen konnte ich mich nicht wirklich. Die Benutzung der ›Ente‹ gestaltete sich etwas kompliziert, deshalb habe ich der Nachtschwester gesagt, sie soll nicht unruhig werden, wenn kein Pulsschlag mehr da ist, ich habe nur kurzzeitig die Klammer abgemacht. So ging die Nacht dahin, für meinen Zimmerkollegen war es bestimmt nicht angenehm, deshalb konnte ich seine Fernsehgewohnheiten (Zwei bei Kallwass, Richterin Barbara Salesch, Richter Alexander Hold usw.) letztendlich tolerieren.
Gegen 7.00 Uhr kam der Doktor, er war zwar nicht zufrieden, aber auch nicht mehr sorgenvoll. Ich bekam meine Medikamente, also die die ich immer einnehme und zusätzlich noch eine halbe Tablette ACC – Accut zur Schleimlösung , paar Dragees zum Lutschen und sollte drei Mal am Tag mit Emser Salz inhalieren. Die Sauerstoffflasche stand ja noch vor meinem Bett. Ich habe mich qualifiziert und konnte bald selbstständig inhalieren, das war auch gut so. Ich musste mich nur um die Zutaten kümmern, denn von selbst ist keiner gekommen. Ich habe eine ganze Flasche Sauerstoff verbraucht. In der ganzen Zeit wurde ich nur einmal aufgefordert zu inhalieren, am Entlassungstag. Man ist gut beraten, wenn es geht, sich selbst zu kümmern, es wird zwar nichts abgeschlagen, aber auch nur das notwendigste gemacht.
Die Schwestern entfernten alle Kabeln, ein gutes Zeichen, ich bekam frische Bettwäsche und auf Wunsch ein sauberes ›Engelshemd‹ , ein schönes mit kleinen grünen Fröschen drauf. Gut, dass ich die Unterlage angemahnt hatte, denn es war passiert, ›Schleifspuren‹ im Bett. Die Ente gab ich auch ab, ich schlich mit den Kanistern zur Toilette, aber gewaschen habe ich mich nicht. Nun lag ich da, im neuen Hemd und die ›Frühstücksfrau‹ meinte, ich könne zum Buffet gehen. Ich hatte aber absolut keinen Bock darauf, Hunger verspürte ich nicht, sie schlug mir vor zwei Joghurt zu bringen, ich nahm den Vorschlag dankend an und versuchte nach der Methode, Kopf aufs Kinn zu essen, es ging, trinken konnte ich auch, aber nur kleine Schlücke, wehe wenn ich das vergaß, da war das Röcheln wieder da. Mir wurde langsam klar, ich war wieder einmal diesen Mann mit der Sense davon geeilt und der Lebenshorizont erhellte sich wieder.
Die HNO – ärztin trat am Vormittag an mein Bett, dieses Mal mit dem mobilen Untersuchungsequipment, Spiegel auf dem Kopf und den Kasten für das Endoskop, das Krepppapier zum Zunge festhalten, das war wichtig. Ich sagte ihr vor der Untersuchung, ich kann nicht garantieren, dass ich nicht brechen muss, wenn sie mir mit dem Endoskop am Zäpfchen im Hals rumfummelt. Eine ärztin, die so schnell nicht aus der Ruhe zu bringen schien, sie machte ihren Job. Eigentlich eine nette ärztin, schon hatte sie meine Zunge rausgezogen und das übliche klare ›hiiie‹ sollte gesprochen werden. Ich bekam nur wieder etwas Krächzendes heraus und würgte vor mich hin, sie sprang bei jeder Attacke flink zur Seite und schaute mich mit großen Augen abwartend an, aber lies nicht locker, immer wieder ›hiiie‹ . Sie stellte fest, dass im Hals alles geschwollen ist, verordnete Prednisolon. Noch vor dem Mittagessen kam Dr. Feller vorbei, setzte sich auf mein Bett und sagte: “Herr Ullmann, ich wollte sie nicht ärgern, aber ich hatte keine Ruhe mehr. Jetzt wird alles gut, die Stimmbänder sind nicht verletzt.” Ein Schritt vorwärts, ich sah noch nie einen solchen frohen und entspannten , ja fast glücklichen Arzt. Dr. Feller stieg in meiner Achtung immer mehr. Ich habe mir einmal ausgerechnet, er macht in der Woche zwischen 6 und 9 Struma – Operationen, wenn man das hochrechnet. Man sagt ein guter Chirurg muss 300 Operationen im Jahr machen, das kommt bei ihm hin.
Es war schon Mittwoch, werden die Schläuche gezogen, irgendwann erschien ein Assistenzarzt, nahm Blut ab, es ging um den Kalziumgehalt, der wenn die Nebenschilddüse geschädigt ist ebenfalls mit Medikamenten ersetzt werden muss. Er versprach mir, die Schläuche kommen heute noch raus. Dann trat Ruhe ein, Mittag saß ich schon am Tisch im Zimmer und genoss das Essen, immer darauf achtend den Kopf nicht zu hoch zu halten, damit das Schlucken funktionierte.
Ich freute mich schon auf die Schlauentfernung, aber es tat sich nichts, o.k. manchmal geht es auf der Station so zu, dass man denkt es wird etwas vergessen. Zum Kaffee sagte ich noch nichts, konnte ja an den Tisch gehen und meinen Nachmittagskuchen genießen. Danach bekam der Mitpatient Besuch, sie hustete wieder und ich hörte sie tuscheln, blutet der, da meinte sie mich, ich hatte mir mein rotes Handtuch ins Bett gelegt, aus den bekannten Gründen, man weiß ja nie.
Nun war es endlich an der Zeit ein Lebenszeichen von mir geben, keiner wusste so recht wo ich überhaupt untergekommen bin und wie es mir geht. Ich habe extra kein Telefon genommen, ahnte aber auch nicht, dass man hier vom Zimmer aus mit dem Handy telefonieren kann. Die mir am nächsten stehende Person, meine Mutter rief zuerst an, sie hatte die Aufgabe, alle zu informieren. Zu dem Zeitpunkt war meine Stimme noch sehr anfällig, ich konnte nicht schnell sprechen und es strengte mich an. Die Mutter war entsetzt über meinen Zustand, ich gab ihr einen kurzen Situationsbericht, am nächsten Tag wollte ich dann meine Tante anrufen, die besonders litt, wenn in der Familie jemand krank ist.
Als die Aufforderung zum Abendbrot kam, fragte ich nach, nein war die Antwort, heute nicht mehr, hat der Doktor so angeordnet. Nun wusste ich wenigstens bescheid, ich zog mit den Schläuchen und den beiden Kanistern los. Mein Engelshemd hatte ich auch noch an, zog mir nur die Trainingshose und die Jacke drüber, was soll es. Ich habe mit meinem Zimmerkollegen im Speiseraum gegessen. Die Kanister klemmte ich mir in den Hosenbund, das sah vielleicht bescheuert aus. Langsam essen und trinken, trichterte ich mir immer wieder ein, es klappte.
Wir schauten am Abend Fußball, gegen 21.00 Uhr stand plötzlich Dr. Feller in der Tür, ach ja, da gibt es noch etwas zu erzählen, hier auf der PrivatClasse Station wird generell angeklopft, auch durch die Ärzte und Schwestern. Er erkundigte sich nach unser beider Wohlergehen und meinte zu mir, die Schläuche kommen morgen raus, bei mir muss er ganz sicher gehen. Er brachte noch einmal zum Ausdruck, dass er sehr froh ist, wie es nun doch verläuft. Er kam noch einmal auf die Alternative eines Luftröhrenschnitts zu sprechen, aber wer will das schon, so seine Worte. Er wünschte uns einen schönen Abend und verließ das Zimmer.
Donnerstag geschah es dann wirklich mir wurden die beiden Dränageschläuche gezogen und die Klammern entfernt. Es ist kein wirklicher Höhepunkt, tief einatmen und der Schlauch wird wie ein Regenwurm rausgezogen, noch einmal tief einatmen und der zweite war auch raus. Sie sitzen ungefähr 10 cm tief drin, auch das Entfernen der Klammern tut nicht weh, ich hatte nur paar mehr, weil mein Schnitt länger war. Nun war ich befreit, duschte vorsichtig, zog mich an und fühlte mich wieder als Mensch. Das Schlucken klappte noch nicht wirklich gut und die Verschleimung war auch noch da. Während des Mittagessens kam der Doktor vorbei und meinte ich sollte, wenn ich fertig bin mit essen, zu HNO – Ärztin gehen, da sie am Freitag nicht da ist. Die übliche Untersuchung und das grüne Licht für die Entlassung, sie meinte zu mir, ich könnte mich im neuen Jahr noch einmal bei ihr sehen lassen. Ich verabschiedete mich freundlich von ihr und nahm ihren Bericht gleich mit, selbigen gab ich am Tresen ab. Später lief mir der Doktor über den Weg und fragte nach, was die ärztin meinte, ich verwies ihn auf ihren Bericht. Irgendwann steckte die Assistenzärztin den Kopf zur Tür herein und frage ob alles in Ordnung ist und schwupp was sie verschwunden.
Am Nachmittag ging ich in die Cafeteria im MZL und trank einen Sauerkirschsaft, vielleicht hätte ich auch ein Bier getestet, aber es gab keines zu kaufen. Ich fragte die Dame am Tresen, seit einem Jahr, gibt es kein Alkohol mehr, das hätte die Ärzte gestört, es sei ein Krankenhaus, den Zigarettenautomaten schien niemand zu stören. Ich kannte die Frau von 2000, als die Cafeteria noch im Krankenhaus war, damals gab es Bier zu kaufen, aber es stellte nicht wirklich ein Problem für mich dar, es wäre ja nur ein Test gewesen.
Von hier aus informierte ich die Tante über meinen Zustand, auch sie war nicht glücklich darüber, ich versprach ihr, mich am Sonnabend nach der Entlassung zu melden. Ich lies mir zur Nacht neben dem Schmerztrunk, eine Schlaftablette geben, ob sie geholfen hat vermag ich nicht einzuschätzen, ich konnte aufgrund der Schmerzen im Kopf und Schulterbereich nicht wirklich gut liegen, wer weiß wie sie mich während der Operation verdreht haben.
Freitag wurde mein Mitbewohner entlassen, obwohl er leicht erhöhte Temperatur hatte, mich fragte der Arzt bei der Visite, ob ich am Sonnabend gehen will, ob ich will, geht es denn hier nach Wusch, oder was war los. Ich sagte ihm, ich entscheide mich am Sonnabend, denn so richtig entlassungsfähig fühlte ich mich nicht. Der Doktor war aber am Sonnabend nicht da, nur die Ärztin, zu der ich übrigens keinen richtigen Kontakt fand, sie beachtete mich auch auf dem Flur nicht, manche Schwestern machten es genau so. Ich war ja auch kein ›richtiger« Privatpatient.
Ich genoss den Tag alleine im Zimmer, die Erzählungen meines Mitpatienten gingen mir doch auf den Geist, aber ich tat so als hörte ich zu. Was er da so über seine Ehe sagte und was ich selbst mitbekommen habe, o.k. da lebe ich doch ganz gut alleine.
Eine Überraschung erlebte ich im späten Nachmittag, Ex – Schwager Rolf und Jessica haben mich aufgespürt und standen plötzlich im Zimmer, klar habe ich mich riesig gefreut. Es ging mir auch einigermaßen und sie staunten nicht schlecht über mein Zimmer. Rolf war auch gleich bereit, mich am Sonnabend abzuholen und nach Hause zu fahren, ich war froh darüber, denn mit meiner schweren Reisetasche wäre ich ungern mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, vielleicht gab es auch Pendelverkehr, wie so oft in diesem Jahr. Notfalls hätte ich mir ein Taxi rufen lassen.
In der Nacht schwitzte ich gewaltig, ein ungutes Gefühl beschlich mich, ich brauchte mich nicht entscheiden, mit über 38 Grad Fieber, war an Entlassung nicht zu denken. Ich bin gar nicht zum Frühstück gegangen, blieb im Bett liegen und wartete auf die Ärztin, die so gegen 10.00 Uhr erschien, mir in den Hals guckte und die Lunge abhörte, Lungenentzündung war es keine. Ich bat um ein Schmerzmittel wegen dem Kopf und Schulter, welches ich auch bekam, es wirkt gleichzeitig fiebersenkend, meinte sie. Mehrmals am Tage wurde die Temperatur überprüft, ich fühlte mich bescheuert, blieb weiter im Bett liegen, war froh, dass ich alleine im Zimmer lag. Informierte Rolf, dass er mich nicht abholen muss. Ich habe doch in den letzten Jahren nie Fieber gehabt, was mag das wohl sein. Ich stellte erste Überlegungen an, es muss sich jemand um meinen Briefkasten und um die Vögel kümmern, zudem erfolgt am Mittwoch das Ablesen der Heizkosten, ich hatte mir nicht einmal die genaue Zeit gemerkt, irgendwann am Nachmittag. Ich rief meine Mutter an und vereinbarte mit ihr, einen Zeitpunkt, wo sie mich in den nächsten Tagen auf dem Handy anrufen kann. Das Fieber ging nicht zurück, im Gegenteil am Abend waren es fast 40 Grand, schon etwas bedenklich. Am Sonntag käme der Doktor, sagte die Schwester und wird die weitere Therapie festlegen. Ich ließ mir wieder den Schmerztrunk, die Schlaftablette und ACC – Akut zum Schleimlösen geben. Nun wurde auch nachts das Fieber gemessen, geschlafen habe ich trotzdem ganz gut. Mir war schon klar, so schnell werde ich wohl nun nicht entlassen.
Am Sonntag erschien der Doktor gegen 9.00 Uhr mit bedenklicher Miene am Bett seines ›Problemfalles‹ , er hörte ebenfalls die Lunge ab, konnte nichts feststellen. Ich bekam nun ein Antibiotikum (Sobeline 300 mg), aber nicht sofort, sondern erst 14.00 Uhr und dafür die doppelte Menge, ich war schon ganz unruhig und lag schwitzend im Bett. Ich sollte nun alle 8 Stunden 300 mg Sobeline einnehmen.
Am Nachmittag kam wieder Besuch, dieses Mal die ganze Familie Neumann, sie waren auch nicht gerade freudig gestimmt über meinen Zustand, mir ging es auch nicht gut, sie fragten ob ich etwas brauchte, ich brauchte nichts und die mitgebrachte Thüringer Bratwurst musste ich ablehnen, aber es war gut gemeint, sie sind eben gute Freunde. Ich brachte mein Problem mit der Wohnung vor, Jessica, die noch Urlaub hat, erklärte sich sofort bereit, ich werde als Unterstützung noch meine Tante aktivieren.
Am nächsten Tag war das Fieber zwar etwas niedriger, aber immer noch da. Der Doktor schickte mich wieder zur HNO – ärztin, ich wurde sofort vorgelassen, sie war über mein Aussehen schockiert und diagnostizierte eine Halsweichteilentzündung. Mein dicker Hals fiel mir am Morgen auch schon im Spiegel auf. Sie erhöhte die Dosis Sobeline auf 3–mal täglich 600 mg. Der Doktor meinte, das bekommen wir wieder hin, dachte aber auch an einen Abszess und tastet den Hals ab.
Montagnachmittag kamen Ilona und Jessica vorbei, ich bereitete eine Liste vor, mit den Punkten die abzuarbeiten waren. Ich war froh, dass ich das Problem auf diese Art und Weise klären konnte. In solchen Situationen komme ich mir dann doch relativ hilflos vor, denn die Familie ist weit weg. Zum Glück habe ich mir in den vergangenen Jahren einen kleinen Kreis von Menschen geschaffen, zu denen ich Vertrauen habe. Dazu gehören diese Neu – Männer und Frauen.
Zwischen 16.00 und 17.30 Uhr erhielt ich die Anrufe von Mutter und Tante, so konnte ich sie immer aktuell informieren. Zum Abendbrot traf ich im Speiszimmer mit den neuen Patientinnen zusammen, die am nächsten Tag operierte werden sollten, als sie meine Stimme hörten, fragten sie vorsichtig ob ich auch an der Schilddrüse operiert worden bin. Ich konnte ihnen darüber berichten, sie wurden immer blasser. Ich meinte sie sollen sich mich nicht als Beispiel nehmen, es geht in der Regel ohne Komplikationen ab und meine Stimme bekomme ich auch zurück. Mit den Damen werde ich noch öfters in Unterhaltung kommen.
Es ging mir tatsächlich von Tag zu Tag besser, am Dienstag sollte ich zum Röntgen gehen, ich war der erste im neuen Krankenhauskomplex, die MTAs hatten noch ihrer Probleme mit der veränderten Technik und waren mehr mit sich als mit mir beschäftigt. Die durchgeführte Röntgenkontrolluntersuchung der Halsweichteile und des Thorax, sowie die sonografische Untersuchung der Halsweichteile am nächsten Tag ergaben keine auffälligen Befunde.
Am Mittwoch bekam ich einen neuen Mitpatienten, der von der Chirurgischen Klinik, wegen Platzproblemen bei mir im Zimmer unterkam, er sollte an der Hand operiert werden. Der Mann war eigentlich ganz o.k., nur sein Besuch, war eine Katastrophe. Zuerst tuschelten er und seine Frau leise vor sich hin, es dauerte eine ganze Weile bis sie mich ins Gespräch einbezogen. Er sollte noch am gleichen Tag operiert werden, seine Frau blieb so lange bei ihm bis er abgefahren wurde. Dann fragte sie mich ob sie die Toilette benutzen kann, kein Problem für mich, nur dauerte es und ich musste zur Sonografie. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass das Zimmer verschlossen wird, wenn ich gehe. Nun beeilte sie sich, fragte aber noch, ob sie mich auf dem Handy anrufen kann um nachzufragen, ob ihr Mann schon wieder im Zimmer ist. Wegen einer Operation an der Hand so einen Aufriss, aber es kommt noch schlimmer.
Gegen 13.00 Uhr rief ich in der Wohnung an, Jessica war dran und musste mir die traurige Mitteilung machen, sechs Vögel sind tot, sicherlich sind sie nachts aufgeschreckt und haben sich zu Tode geflogen, ist zwar traurig lässt sich aber nicht ändern. Sonst ist alles o.k. in der Wohnung, später tauchten sie, Tante, Ilona und Jessica bei mir im Krankenhaus auf, aber in meinem Zimmer war einfach ›zu viel Mensch‹ vorhanden, also gingen wir in den Speiseraum. Ich bedankte mich für die Unterstützung und werde mich nach der Entlassung erkenntlich zeigen, klar lehnte sie es ab, aber wenn so ein junges Mädel ihren Urlaub opfert, da sind nur Worte nicht ausreichend. Ich weiß, so gut geht es ihnen finanziell auch nicht, mehr oder weniger sind sie auch ›Wendeopfer‹ .
Als sich mein Besuch verabschiedet hatte, begab ich mich wieder auf mein Zimmer, immer noch viel zu viel Mensch da, die Frau mindestens 2 Zentner, die Tochter nicht minder gewaltig, ich nahm meinen MP3 – Player und hörte Musik. Zum Abendbrot verabschiedeten sie sich, man konnte wieder gut durchatmen, zum Glück war er keine ›Wärmflasche‹ , im Zimmer konnte sich viel frische Luft breit machen. Begebenheit am Rande, obwohl kurz nach der Operation, wurde er schon angeherrscht, schlürf nicht so, das klingt entsetzlich, wie froh nahm ich das zur Kenntnis. Er hat es bestimmt nicht einfach zu Hause.
Donnerstag sah mein Doktor schon ziemlich zuversichtlich aus, hatten doch die Untersuchungen nichts Negatives ergeben. Die Temperatur war bei 37,5 Grad, das verhieß Gutes, einen Tag hatte ich noch Zeit. Ich fragte Dr. Feller, ob es keinen Ärger mit der Krankenkasse gibt, er meinte nur, darüber müssen sie sich keinen Kopf machen. Da es im Frühstückszimmer voll war, nahmen wir unser Essen mit aufs Zimmer. Noch während des Frühstücks kam Professor Gellert zur Visite vorbei, ich kannte ihn schon von 2000, konnte auch kurz über die Krebsoperation sprechen, klar kannte er mich nicht, aber meine Anerkennung nahm er dankend entgegen. Ich erinnerte mich noch genau, wie er damals mit dem Oberarzt auf der ITS am Bett stand und mich beruhigte, weil mein Herz so schnell schlug.
Nachmittags wollte mein Zimmerkollege zum Kaffee auch ein Stück Kuchen haben, da wurde mein Stück geteilt, o.k. ich konnte damit leben, fand es aber eigenartig. Schlag 15.00 Uhr, ich hatte mein Kaffee noch gar nicht ausgetrunken, erschien die dicke Frau, gemeinsam mit der dicken Tochter und später kommt noch das dicke Kind der Tochter dazu. Ich sah mir im Fernsehen Handball an und hörte nebenbei den niveaulosen Gesprächen zu. Man brachte der dicken Tochter SODOKU bei, die begriff nichts, natürlich war am Fenster alles besetzt. Ich war froh als das Abendbrot herankam, ich nahm ja an, wenn ich zurück komme ist die Luft rein. Ich saß mit den Damen am Tisch, die am Freitag nach Hause gehen konnten, sie freuten sich auch über meine Genesung. Ich nahm mir absichtlich Zeit, ich traute meinen Augen nicht, das dicke Kind holte sich am Buffet etwas zu essen, ziemlich dreist. Als ich zurück aufs Zimmer kam, saßen alle drei immer noch da und die Fernbedienung war in des dicken Kindes – Hand, er sah sich “Die Simsons” an, das brachte mich aus der Ruhe und ich forderte die Fernbedienung. Er meinte, dass er das immer guckt, ich machte ihn darauf aufmerksam, dass das mein Fernseher ist und ich bestimme was geguckt wird. Das muss wohl die ganze Familie beeindruckt haben, kurze Zeit später war das ganze Zimmer voller Luft und sie weg. Hoffentlich sehe ich die nicht noch einmal.
Nun, am Freitag war ich wieder alleine im Zimmer und der Sonnabend stand bevor , nur nicht noch einmal einen Rückschlag. Obwohl, im Nachhinein bin ich froh, dass es so gekommen ist, gar nicht auszumalen was passiert wäre, wenn das Fieber erst zu Hause aufgetreten wäre, was hätte ich gemacht, vermutlich mit Tasche wieder ins MZL gegangen. So gesehen gibt es eben immer zwei Seiten einer Sache.
Beim Abendbrot setzte sich ein noch älterer Herr an meinen Tisch, es entwickelte sich ein Gespräch, über die Krankheiten, er hatte etwas mit der Bauchspeicheldrüse, ob Krebs weiß ich nicht. Jedenfalls, so erzählte er mir, ist er von der Chirurgischen Klinik hier auf die Privatstation gekommen, er hat es dort nicht mehr ausgehalten. So wie er meinte, herrschen dort katastrophale Zustände, ich kenne die Station gut, habe hier im Jahr 2000 drei Wochen zugebracht, klar ist sie nicht zu vergleichen mit der PrivatClasse – Station, er musste aber als Kassenpatient zuzahlen um hier aufgenommen zu werden, eine nicht ganz kleine Summe. Vielleicht hängt es ja auch mit dem Umzug in das neue Haus zusammen. Alles muss man den Leuten auch nicht glauben, denn jeder versucht seine Krankheitsgeschichte mit irgendwelchen Katastrophen zu garnieren. Ich habe das nicht notwendig, meine Garnitur bekam ich gratis dazu.
Am Sonnabend früh zum Fiebermessen habe ich ›Fieberraten‹ mit der Schwester gespielt, d.h. ich sagte ihr, sie solle mir ja kein Fieber ansagen, o.k. ich sollte schätzen welche Temperatur ich habe. 36,8 Grad sagte ich und das stimmte, also stand der Entlassung nichts mehr im Wege, der Doktor hat aber das letzte Wort. Ich zog schon meine zivilen Sachen an, obwohl ein Problem beschäftigte mich noch, am Abend trat aus einem der Löcher, dort wo der Schlauch drin war, ein Sekret aus. Ich lies mir noch einen kleinen Verband ankleben. Die Schwester schien es aber nicht zu sorgen.
Zum Frühstück, saß ich mit zwei ›frischen Strumas‹ am Tisch, die am Freitag operiert wurden, über meine kleinen Tipps zum Schlucken waren sie dankbar. Etwas später erschein die Ärztin und sagte: “Herr Ullmann, essen sie erst auf, ich komme dann zu Visite!” Ich dachte der Doktor kommt, ich setzte mich ans Fenster, die Tasche war gepackt, das Handy gesprächsbereit. Ich sah den Doktor den Berg zum MZL hochlaufen, ist wirklich ein relativ steiler Weg. Die Ärztin ließ sich zum Glück nicht sehen, es dauerte nicht lange und der Doktor stand vor mir und fragte, ob ich wirklich gehen will, ich wollte. Das kleine Problem am Hals stellte auch für ihn kein Problem dar. Jetzt konnte ich Rolf anrufen, kurze Zeit später überreichte er mir den Brief mit den Entlassungspapieren. Ihm stand wieder ein Lächeln ins Gesicht und er sagte zu mir, “Herr Ullmann, wenn irgendetwas ist oder sie mir etwas zeigen wollen, wissen sie ja wo sie mich finden!” Wirklich ein Arzt der für seine Patienten da ist.
Rolf erschien bald mit dem Auto und wir fuhren in die Wohnung, unterwegs habe ich noch etwas eingekauft. In der Wohnung war alles in Ordnung und Rolf hielt sich auch nicht lange auf, denn die Familie war von meiner Tante am Nachmittag zur Weihnachtsfeier eingeladen. Ich bedankte mich noch einmal für die Unterstützung und für Jessica hatte ich einen Umschlag mit 50 Euro mitgegeben. Sie rief mich am Abend an, bedankte sich und versicherte mir noch einmal, sie hätten es gern gemacht, auch ohne Obolus. Das Geld hat sie in die Familienkasse gegeben.
Ich war froh wieder zu Hause zu sein, aber gesund fühlte ich mich nicht, das Glas Rotwein schmeckte auch nicht wirklich. Einige Leute erkundigten sich sofort nach mir, telefonisch oder per Mail, Christine I + II, Micha, Amely und der alte Schwede, andere später, wahrheitsgemäß berichtete ich über die aufgetretenen Probleme. Am Sonntag waren die Kopfschmerzen fast unerträglich, eine Tablette half, das Antibiotikum habe ich am Sonntag ebenfalls abgesetzt. Im Krankenhaus bekam ich schon statt 50 mg 100 mg L – Thyroxin und die Dosis wird eventuell noch erhöht werden müssen.
Ich las mir die Berichte vom Krankenhaus nun etwas genauer durch.
Pathologisch – anatomische Untersuchung und Begutachtung.
Neben viel fachlichen Auslassungen, war für mich wichtig. Kein Anhalt für Malignität oder eine Thyreoiditis. Der Begriff Malignität wird in der Medizin verwendet, um eine Erkrankung oder einen Krankheitsverlauf zu kennzeichnen, der fortschreitend zerstörerisch wirkt und möglicherweise auch zum Tod des Patienten führen kann.
Häufig genutzt wird er in Bezug auf Tumorerkrankungen zur Kennzeichnung eines Tumors, der in der Lage ist, Metastasen zu bilden. Ein solcher Tumor wird umgangssprachlich als Krebs bezeichnet. In Abhängigkeit von der Fähigkeit von Tumoren/Tumorzellen, solche Metastasen zu entwickeln, unterscheidet man niedrig – maligne und hoch – maligne Tumoren. Thyreoiditis ist der Fachbegriff für eine Schilddrüsenentzündung. Er umfasst mehrere Erkrankungen verschiedener Ursache, die schmerzlos und unbemerkt oder aber auch sehr schmerzhaft ablaufen können.
Die Epikrise habe ich schon teilweise erwähnt, nur wer mir die Epilepsie reingeschrieben hat, weiß ich nicht.
Am Montag habe ich alle noch anstehende Termine für dieses Jahr storniert, Augenarzt, Remicade Therapie in der Charité und den Hausarzt. Ich wollte zeitweise sogar meine Geburtstagsfeier absagen, mir fehlte einfach die Kraft.
Die Woche gestaltete sich relativ schwierig, ein Lichtblick gab es aber, die Mutter besuchte mich am Freitag, Evelyn und Schwager hatten in Berlin irgendwelche Vorbereitungen für ein Konzertbesuch zu treffen, sie wollten sich die Weihnachtsbeleuchtung ansehen und die neuen Einkaufsmöglichkeiten ALEXA testen. Da lag es nah, dass sie meine Mutter mitbrachten.
Zum Glück sprang das Auto an und wir konnten erste Besorgungen für den Geburtstag erledigen. Da komme ich sowieso nicht davon, notfalls bringen sie eben alles mit. Das ist doch auch eine gewisse Achtung die mir entgegengebracht wird. Ich fühlte mich die ganze Woche nicht wohl und lag oftmals schon Vormittag auf dem Sofa.
Ein Problem war unbedingt noch zu erledigen, egal wie schlecht es mir geht, meinen drei Frauen, Amely, Christine und Andrea musste, nein wollte ich zu Weihnachten noch ein kleines Präsent schicken. Sie bekommen alle ›Der Weihnachtsabend‹ von Charles Dickens. Ich verbrachte fast den ganzen Sonntagvormittag damit, die Karten zu schreiben und die Bücher einzupacken. Ich bin leider überhaupt kein ›Kartenschreiber‹ und ›Päckchenpacker‹ , aber ich tat es gern. Mutter wird vielleicht denken, da hätte er ja mir auch eine Karte schreiben können, ja ich habe sie natürlich nicht vergessen, ihre Karte und das Paket ist schon lange in Bautzen, nur Kleinigkeiten, aber sie hat es nun wirklich verdient. Immer bereit zu helfen, leider zu weit weg, nun wird die ›Nuss – Oma‹ bald 80 Jahre. Meine Großmutter trug diesen Namen auch schon, nun wird er weitervererbt. Damals waren Nüsse zu Weihnachten, es hieß auch noch nicht an Weihnachten, eine Seltenheit. Wir Kinder freuten uns, wenn diese von der Oma im die ›Gute Stube‹ mit lautem Getöse gerollt wurden. Heute, in der Welt, wo nur noch die ›Kohle‹ regiert, wohl kaum noch vorstellbar.
Wenn ich an den Geburtstag denke wird mir ganz schlecht, ich will ihr den ›Alleinflug‹ als Buch schenken. Weil sie sich immer beschwert, dass sie es im Internet nicht lesen kann und sie soll eine Video – DVD bekommen. Nun hat mich aber die Operation gewaltig zurückgeworfen. Es soll alles aktuell bis zum Jahresende enthalten sein. Die DVD ist noch nicht einmal gedanklich entworfen. Ich hoffe es geht mir bald wieder besser, ich muss es schaffen, das ist mir Mutter einfach wert.
Ich beschloss noch einmal zum Dr. Feller ins MZL zu gehen, ich erinnerte mich an seine Worte, ich stelle nämlich Konten im Hals fest und war mir nicht sicher ob ich noch einmal einrücken muss. Der Doktor sah es nicht problematisch, ich sollte mir noch etwas Zeit geben vielleicht 1 – 2 Monate und dann eventuell noch einmal vorbeikommen. Nach dem Arztbesuch holte ich mir einen Termin in der Onkologie, dort sollte noch die Auswertung vom Blutbild, CT und Röntgen erfolgen. Ab Januar ist meine Onkologin wieder da, sie hat nicht nur ein Kind bekommen, sondern auch geheiratet. Ich habe sie schon einmal kurz auf der PrivatClasse – Station getroffen, wie immer war sie in Eile. Anschließend ging ich zur Weihnachtsfeier zu meiner Berliner Tante, sie freut sich immer wenn ich komme, sie hat es mit ihrer Sehschwäche auch nicht einfach, aber kümmert sich trotzdem noch um die Probleme der anderen Menschen.
So vergeht die Zeit, die Vorbereitungen für den Geburtstag hielten mich auch in Bewegung. Es geht mir noch nicht wirklich gut, noch traue ich mich aber nicht Planungen für 2008 vorzunehmen.
Eigentlich wollte noch in diesem Jahr zur Beratungsstelle für Behinderte, Krebskranke und AIDS – Kranke im Bezirksamt Treptow – Köpenick gehen. Ich hatte es meiner Betreuerin versprochen, aber ich packte es nicht mehr, deshalb habe ich mich zumindest telefonisch gemeldet. Als sie von meiner Struma – Operation hörte, war sie entsetzt, sie kennt es schon bei mir, alles was anderen nicht passiert lade ich mir auf. Ich werde nun Anfang 2008 zum Gespräch gehen, ich freute mich jedenfalls sehr, als sie mir sofort entsprechende Hilfe für Haushalt und Einkauf anbot. Ich hoffe es wird auch so gehen, schön zu wissen, es gibt Menschen, die denken an dich. Es gibt auch paar Probleme die überdenkenswert sind. Die LVA hat mir nämlich den Rentenbescheid zugesandt, ich könnte ja ohne Abzüge mit 60 Jahren in Altersrente gehen, prima oder. Da ich aber von dieser Rente ca. 600 Euro nicht leben kann, bleibt mir das Grundsicherungsamt immer erhalten. Ich muss mir gut überlegen, was ich mache und brauche hier paar Tipps von ihr.
Da mich mein Doktor mit dem ›Amerika‹ so quälte, habe ich mir die altbekannten amerikanischen Weihnachtsfilme angesehen, da gibt es sogar einige die mir gefallen. Es ist allemal besser wie die ›Seelenkotze‹ in der deutschen Filmkunst, Volksmusik und anderen Werken, mit all den Künstlern. Sicherlich gibt es Ausnahmen, aber leider nur sehr wenige. Wichtig für mich ist, da ich die amerikanischen Schauspieler nicht kenne, da brauche ich mich über sie nicht aufregen. Bei den deutschen Künstlern ist es anders, ihre politischen äußerungen und andere Einstellungen, ja es ist so, regen mich auf. Wenn ein Regisseur oder Schauspieler, mal einen Film über das Leben im ›Osten‹ dreht, womöglich noch mit vermeintlichem STASI – Hintergrund sind sie die ›Allergrößten‹ ,sorry aber die rausgepikten Rosinen widerspiegeln nicht das Leben von 16 bis 18 Millionen Menschen in der ehemaligen DDR. Ich meine die Filme sind stümperhaft gemacht und zeugen von keinerlei Realitätstreue. Zu Recht finden die sich nun unter den 100 nervigsten Deutschen wieder. Glückwunsch! So werden zumindest die öffentlich – rechtlichen Fernsehanstalten ihre sinkenden Einschaltquoten auch nicht aufhalten können. Oder man versucht es wieder einmal mit Dopingvorwürfen!
Weihnachten allein zu Hause, ich habe es mir so gewünscht und verlebte geruhsame Feiertage, die Pakete von meinen drei ›Mädels‹ sind ausgepackt, man freut sich über die Aufmerksamkeiten. Nur mit TIME OUT in London gibt es ein Problem, am 24. Dezember kam die Bestellung an, angeblich auf dem Transport beschädigt, die Post klebte den Kompaktbrief wieder zu. Leider fehlte das Buch "LONDON – WALKS Volume 1", das wird wieder eine Herausforderung. In English die Nachlieferung in die Wege zu leiten, TIME OUT hat aber bis zum 3. Januar geschlossen, ich bin gespannt, ob es problemlos gehen wird. Ich vertraue den Londonern.
Am 1. Weihnachtsfeiertag, es ging es mir wieder nicht gut, trotzdem stellte ich mir eine DVD zusammen, mit Liedern aus den Sixties, meine Zeit. Manchmal treffe ich auch Entscheidungen die nicht wirklich durchdacht sind, ich habe bei TIME LIFE ein ABO abgeschlossen, die erste CD war umsonst, dass es 36 Doppel CD's werden, ahnte ich natürlich nicht. Es ist keine schlechte Geschäftsidee, einmal angefangen, möchte man schon die komplette Kollektion haben. Es sind viele bekannte Titel drauf, aber auch ›Schrott‹ . Deshalb habe ich mir eine DVD gebannt, mit den Titeln die mir gefallen, es sind über 600 geworden. Die DVD ist auch nicht in einer Stunde erstellt, aber zu den Radio – oder Fernsehsendungen eine Abwechslung.
Ich hätte es wissen sollen und mir den Weihnachtsbraten sparen können. Mein gekauftes Entenbrustfilet bei PLUS sollte etwas Besonderes werden. Ich dachte mir, es ist wie mit den Reisen, nichts auf die ›lange Bank‹ schieben. Es könnte der letzte Braten sein! Sorry!
Es hat sich nicht gelohnt, gerollt mit Morcheln und Orangen, klingt gut, aber mir hat es nicht geschmeckt, zum nächsten Weihnachten gibt es nur Klöße, Rotkohl, Spiegelei und Soße, neben weniger Arbeit, spart man noch Strom.
Der 2. Feiertag steht bei mir immer im Zeichen der Geburtstagsvorbreitungen, deshalb musste es mir besser gehen. Manchmal ist der Zwang, irgendetwas zu tun, dass beste Mittel. Ich fasste Mut, beschloss nicht zu Hause zu bleiben, sondern ins Kino zu gehen. Es spielte gerade der Film "Elizabeth – Das Goldene Königreich", ich habe den ersten Teil des Films vor nicht allzu langer Zeit im TV gesehen, also fuhr ich ins Sony – Center, mein letzter Kinobesuch liegt schon paar Jahre zurück.
Die Handlung, im ausgehenden 16. Jahrhundert bestimmen Intrigen den Alltag am Hofe von Elizabeth I. überdies droht ein Glaubenskrieg, ausgelöst durch die Kriegserklärung des spanischen Königs Philipp II., der mit Waffengewalt das protestantische England zum Katholizismus bekehren will. Während Elizabeth ihre Truppe gegen Spanien ziehen lässt, deckt ihr treuer Berater Sir Francis Walsingham eine Verschwörung auf, die England noch schwerwiegender bedroht. Der Film geht nicht ganz mit Historie mit, aber eine glänzend spielende Cate Blanchett reißt das raus, für mich haben sich die zwei Stunden gelohnt.
Auf dem Rückweg kaufte ich noch paar Kleinigkeiten ein, die vier Baguettebrote holte ich auch am Bahnhof Schöneweide, da brauchte ich am 27. nicht los. Denn die Batterie im Auto war abgeklemmt. Wieder zu Hause, ging es ans Hackbällchen braten, 1 kg habe ich verarbeitet und die waren wie immer weg.
Am Geburtstag musste ich nur noch die ›Schnittchen‹ fertig machen, um 11.30 Uhr kamen Mutter, Sonja und mein Neffe Daniel, eine Stunde später Evelyn und Roland. Mutter hatte traditionell ihren selbst gemachten Kartoffelsalat mitgebracht und den Rest gab es am kalten Buffet von mir. Meine Tante, Cousine mit Sohn kamen auch, am Abend erschien noch Ex – Schwager Rolf mit Familie. Es war wieder ein schöner Tag, obwohl recht anstrengend für mich. Als der Aufwasch fertig, das Geschirr und die Gläser wieder im Schrank standen war es schon 1.00 Uhr. Ich habe nicht viele Gläser, aber einige Schätze sind dabei, Schnapsgläser aus Rostow am Don, Mitbringsel von unserer Reise (Vater, Mutter, Ex – Frau, ich) im Jahre 1985 und die gibt es nur zum Geburtstag. Nächstes Jahr wenn Gott will wird es wohl noch etwas stressiger werden.
Ich hoffte, dass ich vielleicht zum Jahreswechsel auf die Festmeile mit meinen Kumpels gehen kann, aber das dachte ich nur, denn am nächsten Tag suchte mich der ›NOVO – VIRUS‹ heim. Was wird mich noch alles heimsuchen, eine ›Scheiße‹ im wahrsten Sinne des Wortes. Damit wechselte ich bis zu Neujahr zwischen Toilette – Sofa – Brechschüssel, deshalb werde ich mir über meine Zukunft erst 2008 Gedanken machen. So geht das Jahr mit zwiespältigen Erinnerungen zu Ende, wenn ich das letzte Quartal ausklammern könnte, würde ich es als positiv einstufen.
Beenden möchte ich das Kapitel mit einem Auszug aus einer E–Mail.

Puh.... jetzt hat es mir wohl die Sprache verschlagen... ich wusste ja von deiner kurzen mail, dass es dir nach deiner OP nicht gut gegangen ist....aber DAS was ich da jetzt gelesen habe..... es reicht für 3...... und ich bin entsetzt.... Ich bin so froh und dankbar, dass du diese schlimme Zeit hinter dich gebracht hast und dass du dem Sensenmann entkommen bist. War wohl doch gut, dass dein Hemdchen noch eine Tasche hatte....und dass es kein Irrtum war. Ich finde es einfach toll wie du über diese Zeit schreibst, so schlimm sie war so musste ich doch zwischendurch lachen über deine Worte..... und ich bin unendlich froh, dass du deinen Humor nicht verloren hast..... das du SO über diese Zeit schreiben kannst..... ich muss meinen Hut vor dir ziehen lieber Henry.... du bist ein bewundernswerter Mensch.


So schreiben Menschen, die ich nicht einmal Persönlich kenne, ein besseres Kompliment kann es nicht geben.


So geschrieben von Amely, Danke

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11. Stress, Feierlichkeiten und dann kommt "DAS" auch noch!

Leider konnte ich meinen Plan, Silvester mit paar Kumpels am Brandenburger Tor zu verbringen nicht realisieren, es ging mir einfach nicht gut. Selbst den Flugsimulantenstammtisch musste ich sausen lassen und das bedeutet schon etwas. Dazu kamen noch einige Probleme, mich trieben die Vorbereitungen zu Mutters Geburtstag bald zur Verzweiflung. Ich fand ganz einfach keinen Anfang, aber ich musste es schaffen. Wenn es mir doch endlich besser ginge, die Operation schlauchte noch gewaltig. Ich traute mir nicht einmal Pläne für die Reisen in diesem Jahr zu machen. Zum Glück hatte ich in der zweiten Januarwoche einen Termin beim Hausarzt. Bis dahin tat sich bei mir nicht viel.
Leider konnte ich meine Aktivitäten am Hometrainer nicht bis zum Jahresende und darüber hinaus fortsetzen, so dass es nur 875 Kilometer wurden, immerhin saß ich dazu 47 Stunden auf dem Sattel.
Eines meiner Projekte ist immer noch die Englischen Sprache zu lernen, ich habe noch einmal in meinen Analen, sprich Zeugnissen nachgesehen. In der Schule, immerhin habe ich über sieben Jahre Russisch gelernt, bin ich über eine 4 nicht oft hinausgekommen. Heute nützt mir so gut wie nichts mehr, ich hasste das Lernen der Fremdsprache, überhaupt konnte ich mich mit der Schule nicht wirklich anfreunden. Ich kann nicht gerade sagen, dass es mir heute Spaß macht zu lernen, aber ich genieße den Erfolg und mag er noch so gering sein. Ich lerne aber autodidaktisch, will mir keinen Zwang mehr antun. Volkshochschule mag ich nicht, ich habe im Leben genug Schulen besucht. So konnte ich auch nach mehreren E–Mails zwischen Annabel von Time Out und mir zu meinen im letzten Jahr geklauten Buch ›London Walks‹ kommen, mit einfachen Sätzen geht es schon ganz gut. Zur Vertiefung meiner Sprachkenntnisse habe ich mir für das Jahr 2008 den großen Sprachlernkalender mit Audio – CD und Zertifikat von Digital Publishing zugelegt, d.h. meine Tante hat ihn mir zum Geburtstag geschenkt. Damit soll man, am Jahresende in der Lage sein, die Stufe A1 + A2 des Europäischen Sprachzertifikat zu beherrschen. Da muss ich folgenden Anforderungen entsprechen;
A1 – Einfache Mitteilungen mündlich und schriftlich verstehen – einfache äußerungen zur Person und zum Tätigkeitsbereich.
A2 – Alle wichtigen Informationen mündlich und schriftlich aufnehmen und vermitteln.
Das ist doch einmal eine Herausforderung, ich bin mal gespannt ob das so geht wie in der Einleitung steht.
Weniger ist mehr: In nur zwei Minuten am Tag und zehr Minuten am Wochenende erreichen Sie in kleinen Schritten den optimalen Lernerfolg. Wo man lernt wird nicht vorgeschrieben, d.h. bei mir wird es wohl der Ort sein wo ich aufgrund meiner Grunderkrankung die meiste Zeit verbringe.
Da mache ich mir den Slogan,
“Wenn du eine Aufgabe hast, überlebst du auch den nächsten Morgen, wenn du keine mehr hast, näherst du dich dem Tod”,
zu eigen. Der Computer wird dazu natürlich auch genutzt, Sprachlernprogramme habe ich genug installiert, leider lernt es sich eben nicht von alleine. Nur gegenwärtig habe ich erst einmal andere Sorgen, deshalb hoffte ich auf meinen Doktor. Er las sich den Operationsbericht durch und ich erzählte ihm noch das, was nicht drinstand. Ich behielt die Dosis von 100mg L – Thyroxin bei. Er ließ Blut abnehmen und ich sollte mich in einer Woche wieder vorstellen. Zu diesem Zeitpunkt funktionierte auch meine Stimme noch nicht optimal, ich fühlte mich insgesamt ausgesogen.
Es nützte aber nichts, ich musste anfangen, ich überarbeite den ›Alleinflug‹ für einen Ausdruck mit MS Word, ein nächstes Problem schlich sich in die Geburtstagsvorbereitungen für Mutter ein, mein Drucker streikte. Jeder weiß wie teuer Druckpatronen sind, ich war nie für das auffüllen der Druckpatronen, bei meinem Pixma von Canon versuchte ich mich erstmalig. Es war nicht wirklich erfolgreich, denn der Druckkopf verabschiedete sich, obwohl ich neuen Patronen gekauft habe und mehrere intensive Reinigungen vornahm, es half nichts. Die Magenta Patronen gab keine Farbe von sich, aber in Schwarz – Weiß druckte er. Eigentlich wollte ich die Bilder im "Alleinflug" mitdrucken. Nach mehreren Tagen, hatte ich die PDF – Version mit Bildern fertig und die Druck – Version ebenfalls. 200 Seiten sind es geworden, ganz schön viel, für mich als Nichtschreiber.
Etwas Niveau sollte das Ganze auch haben, deshalb kaufte ich mir bei Pearl eine Thermobindemaschine und entsprechende Mappen, ich denke, die kann ich später auch gut gebrauchen, es wird immer etwas zu binden geben, vielleicht meine Reiseerlebnisse und die Fortsetzungen vom ›Alleinflug‹. Das Binden hob ich mir bis zum Schluss auf.
Der Hausarzt erachtete es als notwendig, dass die Dosis auf 125 mg L – Thyroxin erhöht wird, ich fühlte mich wie kurz vor einer Grippe, hoffentlich nicht, denn in der nächsten Woche war die Infusion, die ich schon um einen Monat verschoben habe. Die Stimme war auch wieder weg, mein Doktor meinte, er will mich jetzt nicht noch mit Antibiotika zupumpen und mit der Stimme, es war nicht sein Gebiet. Er meinte deshalb, “Am besten du gehst zu deiner HNO – Ärztin ins Sana Klinikum!” und schon hatte ich eine Überweisung in der Hand. Geht denn die Rennerei im neuen Jahr weiter, das passt mir gar nicht, aber es war wohl notwendig.
Ich wollte mir gleich auf der Heimfahrt einen Termin holen, manchmal verschlägt es sogar mir den Atem. Am Tresen in der Anmeldung stand Frau Dr. Ronneburger, sie kannte mich noch, ich brachte mein Anliegen vor und bat um einen Termin. Sie sagte, “Die Patienten vom Doktor Feller brauchen keine Termine und auch keine Überweisung”. Ich sollte sofort ins Arztzimmer gehen, sie schaut sich gleich die Problemzone an. Ich wusste schon was kam, als sie meine Zunge mit dem Krepppapier packte, das obligatorische ›Hiiiiii‹, natürlich kam ich über ein klägliches Krächzen nicht hinaus, immer und immer wieder verlangte sie dieses quälende Wort. Ihre Diagnose war, die linke Stimmlippe hängt noch etwas. Sie meinte aber, “Herr Ullmann ich gebe ihnen mein GROSSES PIONIEREHRENWORT, das bekommen wir wieder hin”. Das war doch einen vielversprechende Aussage. Dr. Feller wollte sie Bescheid sagen, wenn ich will kann ich gern wiederkommen. Ich hatte mit dieser Ärztin wieder einmal einen Glücksgriff gemacht.
Der nächste Termin war die Infusion in der Charité, hoffentlich nehmen die mich über überhaupt dran, wegen meines schlechten Allgemeinzustandes. Der Wartebereich war voll, ich habe den Eindruck es wird immer unpersönlicher, ich wurde sofort von einer Lehrschwester abgefangen und kam gar nicht mehr in die Anmeldung. Mein Termin war schon 9.00 Uhr, überhaupt nicht meine Zeit, da ich früh schon eine Weile brauche um mich zurechtzufinden. Meine Kopfgeräusche, ja die sind immer noch da, sie sind besonders schlimm wenn ich, z.B. durch den Wecker oder andere Geräusche abrupt aufwecke. Das langsame Aufwachen macht mir da nicht so viele Probleme, ich glaube auch, dass ich damit leben muss, ich habe keine Hoffnungen mehr, dass mir hier jemand helfen kann.
Ich war überrascht, zum ersten Mal seit langer Zeit, wieder eine Ärztin Frau Dr. Spieß, die sich wirklich um die Patienten kümmert und nicht nur ihre Arbeit macht. Natürlich stand die Operation im Mittelpunkt der gründlichen Untersuchung und des Gesprächs, ich war zufrieden. Sie monierte die Schilddrüsenwerte, aber war auch der Meinung meines Hausarztes, vielleicht regelt es sich noch ein. Der Rest war wie immer, nee eigentlich nicht, Schwester Karola setzte die Nadel richtig an, aber brauchte auch zwei Versuche, danach lief die Infusion gemächlich in die Vene, die Wettrennen sind ja vorbei.
Genauso unpersönlich, wie der Empfang, war die Terminvergabe, da wird einem einfach ein Termin im Wartebereich angesagt, egal ob es passt oder nicht, die Lehrschwester musste deshalb noch paar Mal in die Anmeldung gehen, bis ich zufrieden war. Einige Leute saßen von 9.00 Uhr immer noch da. Ich konnte den leisen Unmut verspüren. Ich war fertig und so wie die ärztin sagte wird sie im März zum nächsten Termin noch einmal da sein, das würde mich freuen.
Zwei Tage später stand ich bei der Diabetologin auf der Matte, auch sie informierte ich über die Operation, der Zuckerwert war auch nicht so toll, aber sie hatte ja schon vorher gesagt, dass die Schilddrüse im Stoffwechselprozess eine große Rolle spielt. Der Langzeitwert wurde genommen und ich konnte wieder gehen.
Nachdem ich auch den Termin bei meiner Onkologin wahrgenommen habe, d.h. sie war nicht da, Doktor vertrat sie, konnte ich mich erst einmal halbwegs zurücklehnen. Es ging ja hauptsächlich um die Auswertung der CT vom letzten Jahr. Eigentlich brauchte ich gar nicht zu ihm, denn ich hatte mir in der Anmeldung schon eine Kopie machen lassen und kannte den Befund deshalb schon.


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Bereich Polikliniken
Praxis für Radiologische Diagnostik Frankfurter Allee 231 A 10365 Berlin
Sehr geehrte Frau Kollegin, 20. November 2007 wir bedanken uns für die freundliche überweisung Ihres Patienten, Henry ULLMANN, geboren am 27.12.1948, zur Computertomographie. CT des Halses nach KM–i.v. in Spiraltechnik, CT des Thorax und Abdomens nach KM–oral und nach KM–i.v. vom 19.11.2007. Indikation, Anamnese, klinischer Befund:
Struma nodosa. OP–Vorbereitung (kalte Knoten). Zustand nach Rektum–NPL von 2000. Verlaufskontrolle des Abdomens zu 10/2006. Erstuntersuchung von Hals und Thorax.
Befund:
CT Hals und Thorax:
Erheblich aufgetriebener linker Schilddrüsenlappen, der im Seitenvergleich deutlich stärker nach caudal eintaucht. Inliegend findet sich eine große, ca. 4,5 x 3,6 cm große hypodense Knotenbildung, die von einem kapselartigen Randsaum umgeben wird und die hyperdensere, möglicherweise auch KM aufnehmende, Binnenstrukturen erkennen lässt. Gute Abgrenzbarkeit von der Umgebung. Kein Hinweis auf Muskel –oder Gefäßinfiltration. Keine suspekt vergrößerten Lymphknoten in der Umgebung. Der rechte Schilddrüsenlappen zeigt eine regelrechte Größe. Hier findet sich eine ca. 2,3 x 2,5 cm große hypodense Knotenbildung im lateralen Bereich, die deutliche inliegende und randständige Kalzifikate aufweist.
Kein Nachweis suspekt vergrößerter mediastinaler oder hilärer Lymphknoten. Regelrechte Gefäßdarstellung. Kein Hinweis auf eine Ergussbildung.
Im hochauflösenden Lungenfenster kein Nachweis intrapulmonaler Rundherde. Keine Infiltrate, keine Belüftungsstörungen.
Ergebnis:
Ausgeprägte Knotenstruma mit Bevorzugung des linken Schilddrüsenlappens. Hier inliegend große hypodense Knotenbildung mit hyperdensen Binnenstrukturen. Rechts nur mäßiger Knoten mit deutlichen Kalzifikaten. Kein Hinweis auf Umgebungsinfiltrationen, keine suspekt vergrößerten Lymphknoten.
Unauffälliges Thorax–CT. Kein Hinweis auf Filialisierung, vergrößerte Lymphknoten, Infiltrate od eine Ergussbildung.
CT Abdomen:
Homogene Darstellung der Leber, kein Nachweis fokaler Läsionen. Unauffällige Darstellung der Milz, beider Nebennieren, beider Nieren, des lobulierten und fettinfiltrierten Pankreas und der Gallenwege. Zustand nach CCE. Kein Nachweis suspekt vergrößerter Lymphknoten paraaortovacal. Aortensklerose. Keine freie Flüssigkeit im Abdomem. Harnblase bei Prallfüllung regelrecht. Inneres Genitale unauffällig, Die zu vermutende Anastomosenregion (Kettelnahtmaterial) stellt sich regelrecht dar. Kein Hinweis auf ein Tumorrezidiv. Keine umgebenden Lymphknoten.
Ergebnis:
Kein Befundwandel im Vergleich zur Voruntersuchung von 10/2006. Kein Hinweis auf Leberfiliae, kein Tumorrezidiv, keine suspekt vergrößerten Lymphknoten, keine freie Flüssigkeit im Abdomen.
Mit freundlichen, kollegialen Grüßen

Es gab hinsichtlich meiner Grunderkrankung kein Anlass zur Sorge. Der Doktor bestätigte das, als er zu mir sagte: “Man kann davon ausgehen, dass der Krebs geheilt ist, jetzt gehen Sie in die erweiterte Nachsorge, denn ein Stück Darm ist ja noch vorhanden!” Da denke ich immer an die unsäglichen Worte dieser Frau: “Nach Ihren Informationen hat er es überstanden”. Die hat es schon vor Jahren gewusst, was für hellseherische Kräfte manche Menschen haben. Ich werde diesen Satz mein ganzes Leben nicht vergessen, was für eine Arroganz und Menschenverachtung steckt doch da drin. Was müssen das für Menschen sein, die so etwas äußern. Ich bin doch ein richtiger Glückspilz, dass ich die los bin. Konnte ich nach der Diagnose etwas weder Reisen planen?
Der Januar war schon fast vorbei, ich musste mich an die DVDs machen und es ging mir tatsächlich etwas besser, vielleicht war es gar die Infusion in der Charité, ich weiß es nicht genau. Etwas Vorarbeit habe ich schon vor einigen Jahren gemacht und Bilder aus Mutters Fotoalben eingescannt, aber es blieben noch viele übrig, die Zahlen sagen einiges aus. Ich musste 2000 Bilder sichten, 1000 scannte ich ein, die meisten brauchten eine Nachbearbeitung mit Photoshop und passende Musik musste ich auch noch suchen, ein Arbeit die über 100 Stunden Zeit in Anspruch nahm. Ich wusste genau, was im Februar auf mich zu kam, da war an die Flugsimulation kaum zu denken.
Bei der Erarbeitung war ich auch auf mich alleine gestellt, die Zuarbeit war praktisch nicht vorhanden und einfach ist es auch nicht gerade, hängt doch an fast jeden Bild eine mehr oder weniger intensive Erinnerung. Da kommt man schon ins Grübeln und Gefühle kommen in positiver und negativer Hinsicht auf. Da muss dann auch einmal ein Drum Whisky herhalten, als Selentröster.
Die musikalische Untermalung ist bei Mutter kompliziert, es kommt immer darauf an, was die Interpreten für eine Haltung, vor und nach der Wende zur DDR hatten bzw. haben und mit der ›Selenkotze – Volksmusik‹ brauchte ich ihr auch nicht zu kommen. Um ehrlich zu sein mir geht es genau so, deshalb habe ich mehr oder weniger bekannte Lieder aus den ›Sixties‹ ausgesucht.
Letztendlich habe ich es gerade so geschafft, es sind drei DVDs geworden, Spieldauer insgesamt ca. 4 Stunden, ein Stück Zeitgeschichte unserer Familie aus 8 Jahrzehnten. Ich wollte damit auch eine Erinnerung an mich schaffen, vielleicht gucken sich die ›Übriggebliebenen‹ diese DVDs später einmal an, denn ich habe versucht von allen Familienangehörigen Bilder einzuarbeiten.
Im Februar war ich gesundheitlich so weit wieder hergestellt, dass ich am Flugsimulantenstammtisch teilnehmen konnte und die internationale Münzausstellung ›World Money Fair‹ im Hotel Estrel habe ich mir auch gegönnt. Hier konnte ich meine kleine Münzsammlung komplettieren, seit ich im Jahr 2003 aufgehört habe zu rauchen, kann ich das Geld hier sinnvoll investieren.
Ein ständiges, nicht permanentes Problem belastet mich zunehmend, deshalb hatte ich regelrechte Angst, die Arbeiten für Mutters Geburtstag nicht zu schaffen. Mein linkes Auge hat sich seit dem Sommer letzten Jahres immer wieder einmal gemeldet. Ich glaube die Iridiozyklitis, die ich aufgrund meiner Autoimmunerkrankung habe, ist nie richtig ausgeheilt. Da ich noch genug Salbe und Tropfen habe, behandelte ich das Auge immer wieder selbst, aber wohl fühlte ich mich dabei nicht. Ich habe die Befürchtung, dass die Erkrankung chronisch wird und man hört ja immer wieder, dass sie zur Erblindung führen kann, deshalb mein Motto nichts auf die lange Bank schieben und die nächste Reise buchen.
Es soll im Juni eine Woche nach Schottland gehen, wieder mit easyJet bis Glasgow und dann weiter bis Inverness. Das Motto lautet; ›With Train, Ferry and Coaches through Scotland‹.
Bevor die Fahrt nach Bautzen losging, mussten die 200 Seiten des ›Alleinflug‹ noch gebunden werden, es klappte gut, ich hoffe es hält auch, alles noch verpackt und dem Problemfall, meinem Auto gut zureden, dass es ja ordentlich fahren möge. Am Sonntagmorgen fuhr ich los. Ich habe mir angewöhnt um allen Eventualitäten vorzubeugen die Batterie vom Auto abzuklemmen, eine wirkliche Alternative ist es wohl nicht, aber es klappt. Die Blumen für Mutter bringe ich aus Berlin mit, hier in Treptow gibt es da einen Laden, der immer frische Blumen hat und der hat auch am Sonntag auf.
Die Fahrt verlief reibungslos, mein Auto denkt wohl ernsthaft über die Verschrottung nach. Paar Tage blieben noch Zeit bis zum 80. Geburtstag meiner Mutter, mein Schwager hatte die Möglichkeit einen Beamer zu besorgen, so dass ich in der Gaststätte in Grubschütz eine kleine Kostprobe meines Werkes geben kann. Im Winter sind Rund ums Haus keine Arbeiten geplant, ich machte mich trotzdem nützlich und arbeitet ihre Dokumente, die sich mit Haus und Betriebskosten befassen durch, vernichtete einiges, obwohl sie schon Ordnung darin hat. Wenn man bedenkt, dass das immer meines Vaters Aufgabe war, auch hier hat sie sich hineingearbeitet und das ist gar nicht so einfach. Wir planten gemeinsam die Arbeiten für Frühling, Sommer und Herbst, da fällt wieder einige an. Aber jetzt wir erst einmal gefeiert.
Am Geburtstag selbst waren einige Gäste am Vormittag da, viele riefen an, weil meine Schwestern eine Annonce in der ›Sächsischen Zeitung‹ aufgegeben haben, mit Bild, da gab es in mehrerer Hinsicht Kritik, am Text und am ausgewählten Bild. So ist meine Mutter nun mal, immer gerade heraus, aber es legte sich bald. Zum Glück hatte ich damit nichts zu tun, auch nicht mit dem Geburtstagsgeschenk was am Nachmittag, bei strahlenden Sonnenschein, angeliefert wurde. Ein Benzinrasenmäher, mit Eigenantrieb, nicht schlecht und schön grün, aber auch nicht billig. Mal sehen, wenn Mutter damit zum ersten Mal durch den Garten gezogen wird!
Am Nachmittag vervollständigte sich die Familie, Evelyn und Sonja waren eh da, dann kamen meine Neffen aus Bayern mit dazu und später erschien mein Schwager, der an solchen Tagen meistens als Kraftfahrer fungiert. Mit dem Eintreffen von Ronny war mir schon klar, dass ich um den Doppelkopf nicht herumkomme, heute aber nicht, denn am Abend war, in der Gaststätte ›Lusatia‹, ein Kegelturnier geplant. Ich habe natürlich nicht mitgemacht, das geht leider nicht mehr, Mutter hat sich beim letzten Turnier etwas die Schulter verzogen und machte ebenfalls nicht mit, sie musste ja auch die Glückwünsche der anderen Gäste entgegennehmen. Heute war nur die engere Familie geladen, bzw. die die Teilnahmen einrichten konnten, meine Nichte Anke und Freund Ives aus Dresden, mein Neffe Carsten mit Freundin Catrin aus Frankfurt am Main, Ronny und Daniel waren ja schon da.
Nach dem Turnier lud uns Mutter zum Abendbrot ein, jeder konnte Essen und Trinken, was er wollte. Klar gab es zum Kegel auch schon etwas zu trinken, es ist eine Kegelbahn mit Bedienung, nur geraucht werden durfte auch hier nicht. Es wurde vereinbart, dass derjenige der ›Alle Neune‹ kegelt eine Runde ausgeben muss, es erwischte Ives. Als das Turnier schon zu ende war, versuchte Ronny noch einen letzten Wurf und es geschah, das unvermeidliche, er warf alle Kegel um, es hat fast keiner gesehen, aber der Ober und noch einer doch. Mein Neffe hat sich fürchterlich geärgert, unter lautem Protest und mit ›ausgefahrenen Hörnern‹ , gab er seine Runde aus. Da alle seine Reaktion kennen, wird er dann auch noch auf die Schippe genommen. Nach dem Abendessen brachte uns mein Schwager nach Hause, es erfolgte noch eine kleine Auswertung und dann war der erste Teil des Geburtstages gelaufen.
Am nächsten Tag fuhren wir, Mutter und meine Schwestern nach Tschechien, ich wollte tanken, das Benzin kostete gerade wieder um die 1,40 Euro, da lohnt es sich schon. An der Grenze steht tatsächlich keiner mehr, irgendwie komisch. Eingekauft wurde im Travel Free Shop, Kaffee, Schnaps, Zigaretten und was es sonst noch gab. Da sich keiner bereit erklärte das Mittagessen zu bezahlen, lud uns Sonja ein. Ich bin Kraftfahrer, Mutter hat genug Geld ausgegeben und Evelyn wollte nicht.
Nachmittag nahm ich noch eine Aktualisierung der DVD vor, mir fehlten Bilder von zwei Gratulanten, das von Catrin habe ich beim Kegeln gemacht und das von Kerstin der Freundin meines Neffen Falk, ließ ich mir per e–mail von Anke schicken, nun waren sie alle verewigt. Das Einarbeiten machte keine großen Probleme, rendern konnte ich es nicht, da ich keinen DVD – Rohling hatte.
Am Abend, als das Telefon klingelte gab es noch eine Hiobsbotschaft, die Schwägerin meiner Mutter, die Berliner Tante kann vermutlich nicht kommen, da meine Cousine erkrankt ist. Sie war am Telefon vollkommen aufgelöst. Es brachte uns das ganze Konzept durcheinander, denn unterwegs sollte noch die Schwägerin meiner Mutter aus Riesa zusteigen. Das war natürlich für Mutter nicht die beste Situation, aber sie trug es mit Gelassenheit. Am Freitag, kaufte ich den Rohling und wir gingen zum Vater ans Grab. Er ruht hier friedlich und wir waren mit der Planung noch nicht weiter. Zur Entspannung erfolgte am Nachmittag das Doppelkopfspiel, mit Ronny als fünften Mann. Das Spiel verlief ohne Zwischenfälle, kurz vor Ende des Spiels, rief meine Tante an und sagte definitiv ab. Jetzt war es Zeit, den Familienrat einzuberufen, mein Schwager saß jetzt auch in der Runde. Es gab unterschiedliche Meinungen zur Situation, mein Schwager erklärte sich bereit die Tour nach Riesa zu machen um Mutters Schwägerin zu holen und wieder nach Hause zu fahren. Sein nächster Vorschlag Mutters Schwägerin aus Berlin ebenfalls zu holen wurde kontrovers diskutiert. Ich hatte die Idee meinen Ex – Schwager Rolf einzuspannen, aber leider musste er am Sonnabend arbeiten.
Ganz nebenbei, seit 6 Stunden renderte mein PC die neue DVD, damit ich die am Sonnabend in der Gaststätte ›Spreetal‹ in Grubschütz vorführen konnte, in der die erweiterte Geburtstagsfeier stattfinden sollte. Evelyn musste laufend die Teilnehmerzahl minimieren. Uns war allen richtig schlecht zu mute und es musste erst einmal ein Kräuterschnaps her. Nach mehreren Telefonaten, wurde beschlossen, dass mein Schwager, beide holt. Ein großer Dienst für die Familie, wie ich einschätzen muss und auch für die Schwägerinnen.
Am Sonnabend war schönes Wetter, ich musste mich mit dem Beamer vertraut machen, so ein Gerät habe ich noch nie bedient. Diaprojektoren waren mir vertraut, von einfach bis besser, da ich vor Jahren nur Dias gemacht habe, die meisten aber vernichtet, was soll es, an allen Erinnerungen sollte man nicht kleben bleiben. Nach paar kleineren Problemen hatte ich das Gerät im Griff, die Jugend sollte sehen, dass die Alten auch Ahnung haben.
In die Vorbereitung kam wieder ein Anruf, die Tante aus Berlin kommt nicht, sie hat einen Schwächeanfall, noch ein Gast weniger, zum Schluss werden es nur noch die üblichen Verdächtigen sein. Wir haben schon öfters in dieser Gaststätte unsere Familienfeiern gemacht, eigentlich wollte ich nicht mit dem Auto fahren, aber auch hier gab es bis zum Schluss Stress, endlich saßen gegen 12.00 Uhr alle 15 Leute an der Tafel. Evelyn hielt eine kleine Rede und Mutter bedankte sich für das Erscheinen und die Geschenke. Ja ich weiß ja, eigentlich hätte mir die Rede zugestanden, aber ich kann es nicht, dafür habe ich viel zu nahe am Wasser gebaut. Ich hatte schon meine Probleme zur Goldenen Hochzeit meiner Eltern, obwohl ich früher vor hunderten von Leuten gesprochen habe. Das war aber nicht zu solchen Anlässen.
Das Essen war reichlich und zufriedenstellend, trinken konnte jeder was er wollte. Nach dem Mittagessen begab sich die Gästeschar zum kleinen Spaziergang in die Natur. Ronny, mein Schwager und ich bauten das Equipment auf, dann erfolgte die Vorführung eines Teils der ersten DVD. Ich habe sie auch noch nicht in dieser Form gesehen und merkte bald, dass sie mit der ›heißen Nadel‹ gestrickt war, damit das Kaffeetrinken pünktlich beginnen konnte, brachen wir die Vorführung ab. Aber man wollte noch am Abend, bei Mutter zu Hause, weiter gucken. Es hat sie wohl interessiert!
Wie immer gab es den Rest vom Mittagessen und Kaffeetrinken mit, Mutter war etwas sauer, weil man ihr eine Torte aufgeschwatzt hat, die kein Mensch wirklich gern ist, da waren die belegten ›Schnittchen‹ schnell alle. Es war aber nach den konfusen Vorbereitungen ein schöner Nachmittag gewesen, mein Schwager brachte meine Tante wieder nach Riesa und wir brachen nach 17 Uhr auf um uns später bei Mutter wieder zu treffen. Mein Neffe Falk hat uns mit meinem Auto nach Auritz gefahren, da war es gleich wieder an Ort und Stelle und ich brauchte es nicht am nächsten Tag holen.
Nachdem sich alle eingefunden hatten, wurden noch Getränke und paar Würstchen gereicht, dann begann der zweite Teil der Vorführung. Ich glaube schon sagen zu können, es hat alle gefallen. Leider waren von der Hauptperson, meine Mutter fast keine Bilder aus der Kindheit auf den DVDs zu sehen. Ich dachte es gibt keine, jetzt rückte sie auf einmal welche raus. Für mich, wieder Arbeit, ein Update ist fällig.
Der Sonntag verlief ruhig, Sonja fühlte sich nicht gut und meine Neffen und Nichten waren auf der Heimfahrt, Evelyn und Roland gesellten sich am späten Vormittag zum Frühschoppen in Auritz ein. Eine gute Gelegenheit, die ›Reste‹ , zu verspeisen. Nun musste sich Mutter nur noch mit der Torte rumquälen, sie hatte ein Lösung, am nächsten Tag wurde sie an Nachbars Hühner verfüttert, die Hühner freuten sich und legen bestimmt paar Schokoladeneier legen.
Am Dienstag fuhr ich zurück nach Berlin, denn mein Hausarzt wartete schon auf mich, Mutter hat sich noch etwas Positives einfallen lassen. Ihre Kinder bekamen einen Geldbetrag geschenkt, ich hatte es mit ihr abgesprochen, aber meine Schwestern waren erstaunt. Ich finde es gut so, wie sie es macht, sicherlich ist das auch in Vaters Interesse.
Mein Auto hat zumindest auf dieser Fahrt keine Macken gezeigt. Im Briefkasten befand sich kaum Post, die 4 Finken waren munter. Es war wieder ein schöner Aufenthalt in Bautzen, zumal ich alle getroffen habe die noch zur Familie gehören, was selten vorkommt.
Beim Hausarzt war alles soweit in Ordnung, ich machte ihn darauf aufmerksam, dass ich manchmal und gerade heute auch, das Gefühl habe, meine Mandeln sind geschwollen. Es sind zwar keine Schmerzen beim Schlucken, aber es ist so als ob da hinten etwas Fremdes ist. Er schaute mir in den Hals und meinte es ist keine Mandelentzündung, sondern die Drüse ist entzündet, seine Erklärung habe ich mir nicht behalten können. Aber es ist nicht bedrohliches, ich solle etwas Hartes essen, dann geht die Schwellung weg, es stimmt tatsächlich, sie verschwindet nach einigen Stunden tatsächlich wieder. Ich ließ mir noch einmal Blut abnehmen, wegen den Schilddrüsenwerten und wir vereinbarten, dass ich in der nächsten Woche anrufe. Er wird mir dann mitteilen, wie es weiter geht.
Der Februar neigte sich dem Ende zu, einmal mehr ohne Schnee, deshalb schickt die Charité trotzdem ihre Rechnungen, wegen der Medikamentenzuzahlung. Die von der Therapie im Januar, ist rechtes, denn befreit bim ich noch nicht, aber die vom letzten Jahr war auch wieder dabei, ich dachte das ist lange erledigt. Es lag ein Schreiben bei, dass ich die 20 Euro zahlen muss, sagt meine Kasse, das Geld bekomme ich zurück. Ein Name zwecks Rücksprache war auch angegeben, leider bekam ich dorthin keine telefonische Verbindung. Die rechtmäßige Summe von 20 Euro zahle ich ein, die anderen 20 Euro, viel Geld, waren mir zu heikel. Ich rief deshalb in der Servicestelle der Krankenkasse an, dort bekam ich grünes Licht.
Die Grenze an Zuzahlungen war jetzt erreicht, deshalb beschloss ich mich befreien zu lassen. Ich benötige bei meiner Krankenkasse nur alle zwei Jahre die Bestätigung meines Arztes über meine chronischen Krankheiten. Die Apotheke fertigte mir den Computerausdruck über die Zuzahlungen, mit den anderen Unterlagen und dem ausgefüllten Antrag ging ich zur Servicestelle, immer gespannt ob alles klar geht. Vor paar Jahren traten einige Probleme auf, mit dieser Mitarbeiterin auf, aber seit dem gibt es keine Klagen. So war es auch dieses Mal, ich bekam den Befreiungsausweis, die Überbezahlung und auch die 20 Euro sollten mir auf meine Konto überwiesen werden, es klappe auch.
Ich konnte sogar noch ein Problem klären, es gab bei meiner Krankenkasse ein Bonus – Programm für die Vorsorge. Man muss sich die einzelnen Vorsorgeuntersuchungen für das laufende Jahr betätigen lassen und am Jahresende gibt es je Leistung 10 Euro Bonus zurück.
Ich mache die Vorsorgeuntersuchungen sowieso, – Krebsvorsorge
– Check – Up
– Zahnuntersuchung
– Grippeschutzimpfung,
das sind 40 Euro, dann kommen noch die 40 Euro aufgrund der Teilnahme am Diabetes Management Programm dazu, die 80 Euro hole ich mir im nächsten Jahr. Dafür fliege ich mit easyJet nach London und wieder zurück. Es gibt viele Sachen, die man sich wirklich selbst organisieren muss, keine macht einem auf diese Möglichkeiten aufmerksam.
Wie vereinbart rief ich beim Hausarzt an, 7.30 Uhr, vor Sprechstundenbeginn, so hatte es mir seine selbige Hilfe aufgegeben. Es dauerte eine ganze Weile bis er das Gespräch seiner Sprechstundenhilfe entgegen nahm. Ich weiß schon warum, er war bestimmt auf der Toilette eine Zigarette rauchen. Er schafft es nicht, sich das Rauchen abzugewöhnen und ich ziehe ihn natürlich damit auf. Wer kann das schon, seinen Arzt kritisieren.
Die Werte waren noch nicht im grünen Bereich, aber seit Januar haben sie sich verbessert, deshalb meinte er, ich soll die 125 mg L – Thyroxin weiter nehmen, im April wird noch einmal Blut abgenommen und entschieden.
Am 1. März fand unser traditioneller Flugsimulantenstammtisch statt, wie immer mit Hausfrühstück und Fachsimpelei, nicht nur über den Flusi. Danach, auch wie immer, war ich bei meinem Kumpel, es gab wieder einiges zu installieren, zu besprechen, ich schaffte es gerade noch rechtzeitig zu ›Wetten das?‹ um mir Leona Lewis mit ›Bleeding Love‹ anzusehen. Sonst kann man die Sendung auch in den Schredder werfen, vor allem wenn die deutschen Schauspieler, Fußballspieler und was weiß ich noch für Deutsche hofiert werden.
Der nächste Termin beim Augenarzt Dr. Shahnazary ist mir insofern wichtig, weil ich mit dem linken Auge immer noch nicht zufrieden bin. Ich hoffe er hat eine Lösung, obwohl eigentlich die Routineuntersuchung wegen des Diabetes gemacht werden solle. Der Augendruck war im rechten Auge zu hoch, deshalb hat er für den Juni die Profilmessung angeordnet, d.h. Früh Mittag und Abend zum Augendruck messen, sein Hobby vermutlich. Mich beschlich ein komisches Gefühl, er schaute sich zwar die Augen genau an, aber sein Gerede fand ich eigenartig. Er meinte nämlich, irgendwann muss die Pupille raus, was auch immer das ist. Meistens geht es gut, fügte er noch an. Mit anderen Worten er wusste keine Lösung und fand auch in seinem Computer die Krankheit nicht. Deshalb holte er bedächtig, ein sehr dickes Buch und blätterte darin. Er zeigte mir ein Bild eines an Morbus Bechterew erkrankten Menschen, krumm nach vorn gebeugte und sagte, „Seien sie froh, dass sie nicht so aussehen!“ Na schönen Dank auch, dachte ich mir. Dann rief er seine Sprechstundenhilfe hinzu und beauftragte sie den Namen der Krankheit, den komplizieren Namen habe ich mir nicht gemerkt, in den Computer einzugeben. Ich kenne sie unter den Namen Iridocyclitis und diesen Symptomen;
– Augenschmerzen, tief und bohrend
– Lichtscheu
– Rötung des Auges
– Tränenträufeln
– Verschwommenes Sehen
Ich hatte Angst, dass diese Erkrankung chronisch wird, ich war enttäuscht von ihm, auch die Therapie 2004 im Virchow Klinikum war für den Doktor nicht relevant. Er meinte es ist nichts zu machen, nun sitze ich hier zu Hause mit sechst verschiedenen Tropfen und einer Salbe. Ich musste mir etwas einfallen lassen. Ob ich bei dem Arzt bleibe weiß ich echt nicht mehr.
Da ich in Adlershof, auf dem Nachhauseweg, immer an der altbekannten Currywurstbude vorbeikomme, kam der lange Arm raus und zog mich rein. Die schmecken zwar nicht mehr so wie in alten Zeiten, aber durch die Erinnerungen an das Wachregiment, haben sie eben einen besonderen Geschmack. Im dem kleinen angrenzenden Raum, der immer noch so aussieht wie vor 30 Jahren, traf ich meinen Rechtsanwalt, er erkannte mich sofort und wir machten einen kleinen Plausch. Er konnte sich sogar noch an einige Details erinnern und über Mangel an Arbeit beschwerte er sich auch nicht.
Der März war wieder so Monat, mit gehäuften Arztterminen und in Berlin streikte die BVG, für den Termin in der Schilddrüsensprechstunde in Hellersdorf brauchte ich die U – Bahn, deshalb galt es zu überlegte, ob ich mit dem Auto fahre.
Zuvor war ich aber noch auf der Internationale Tourismus Börse (ITB) in den Messehallen, dorthin kam ich mit der S – Bahn, aber die fuhr wegen Bauarbeiten von hier draußen von 8 bis 16 Uhr nicht, es erfolgte Schienenersatzverkehr mit Bussen. Was soll es, du musste ich durch. Auf der ITB habe ich mir die Länder angesehen, die mich interessierten. Kurz vor 16 Uhr verließ ich die Messe, mit gefüllter Tasche und Beutel. Die S – Bahn fuhr inzwischen wieder durch, am Abend hatte ich mit der Sortierung und Sichtung des mitgebrachten Materials zu tun.
Zum Glück streikte die S – Bahn am Montag nicht auch noch und entlang der U – Bahnlinie in Hellersdorf fuhr ab Wuhletal ein Bus. Ich war viel zu zeitig da, man weiß ja nie ob es klappt mit dem Verkehr. Trotz allem, was auf dem Ersatzverkehr für Fahrer zum Einsatz kommen ist schon bedenklich, die fahren wie die ›Klamottenkutscher‹ , nicht als ob Menschen im Bus sind. Wer sich nicht schnell genug festhalten konnte wurde hin und her geschleudert, aber es sagte keiner etwas, die Leute waren wahrscheinlich froh, dass überhaupt was fuhr.
In der Nuklearmedizin war ich wieder bei dem Arzt, auf dessen Laborwerte warte ich heute noch, er macht zwar einen kumpelhaften Eindruck, aber scheint mir etwas oberflächlich zu sein. Bei der Sonografie stellte er keine Abnormitäten fest. Ich erzählte ihm von der Operation, auch das was nicht im Operationsbericht stand. Er sagte mir, dass er immer froh ist wenn die operierten ›Schilddrüsen‹ gesund und munter wiederkommen. Die Einstellung der Werte überließ er dem Hausarzt, war aber nicht so sehr überzeugt, dass ich bei 125 mg bleiben kann. Der nächste Termin, wenn es keine Komplikationen gibt, ist in einem Jahr.
Angenehm war für mich, dass ich meine Ex – Schwägerin Jutta getroffen habe, die hier Sprechstundenhilfe ist. Sie freut sich schon auf den nächsten Arbeitseinsatz in Zeuthen, ich habe die Chance gleich genutzt, sie zum großen Ereignis im Dezember eingeladen, das ist an einem Sonnabend, vielleicht klappt es, dass ihr Mann auch mitkommen kann. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, ein paar von den ›Fünfzigergästen‹ sind doch übriggeblieben und auf die anderen, ich wiederhole es gern, kann ich sehr wohl verzichten.
Etwas musste ich vor Ostern unbedingt noch fertig stellen, Mutter hat mir ihre Bilder mitgegeben, ich wollte die erste DVD noch einmal überarbeiten, es war nicht wirklich ein Problem. Was mir fehle, ein Drucker, der DVDs bedruckt, meiner hat ja seinen Geist aufgegeben. Ein Schnäppchen ist mir beim MediaMarkt schon aufgefallen, aber ich brauchte noch Bedenkzeit. Es gab noch paar Termine und wenn die abgearbeitet sind und er ist noch da, kaufe ich ihn.
Da wartete als erstes, der Termin bei meiner Diabetologin, etwas gespannt war ich auf den HbA1C Wert, 6,6 mmol/l, nicht wirklich gut, aber sie sah darin kein Problem. Es liegt wahrscheinlich an der nicht mehr vorhandenen Schilddrüse, sie spielt eben keine so untergeordnete Rolle im Stoffwechsel. Den noch nicht richtig eingestellten Wert, machte sie auch dafür mitverantwortlich, ich glaube die Entscheidung vom Hausarzt fand sie nicht wirklich gut. Ich war schon gespannt auf den Blutdruck, 110/65 mm HG im sehr niedrigen Bereich. Ich begreife nicht, warum der Wert bei ihr immer so niedrig ist, hat das etwas mit Vertrauen zu tun, aber warum ist er beim Hausarzt dann immer höher. Da ich ihr die Untersuchungsergebnisse vom Augenarzt mitgebracht habe, musste ich ihr natürlich vom letzten Besuch erzählen, ihr war das Problem nicht unbekannt, manches hätte sie auch schon gehört. Sie schlug mir vor, den Arzt zu wechseln, hier im Hause, im Sterndamm, gibt es auch zwei Augenärzte und Diabetiker nehmen die noch auf, ich bin am überlegen. Mir schwebt da noch eine Idee im Kopf herum.
Vor der Diabetologin kann ich nur den Hut ziehen, ich fragte sie, wie lange sie heute noch arbeiten muss, es war Freitag. Sie zeigte nur auf den Stapel Akten und meinte, “Eigentlich bis 11 Uhr, aber vor 14 Uhr werde ich wohl nicht auskommen!” Die Gesundheitspolitik lässt grüßen. Ich hatte auch einen Sonderwunsch, denn sie sollte mir noch den Antrag auf Mehrbedarf beim Grundsicherungsamt ausfüllen.
Am Montag startete die nächste Infusion in er Charité, ich hoffe Frau Dr. Spiess ist noch einmal da. In der zentralen Anmeldung fragte ich nach, wo ich die Zuzahlungsbefreiung ansagen muss, oben in der Rheumatologie, die haben ein anders Computerprogramm, dass war zumindest ein Auskunft. Dort angekommen, stand ich als einziger im Warteraum, war heute geschlossen. In der Anmeldung saßen doch aber drei Mitarbeiterinnen. Schon das Schild, bitte nicht klopfen, ärgerte mich, aber ich wurde gleich reingerufen. Es gab Infusionen heute und die Zuzahlungsbefreiung muss ich jedes Mal ansagen, der Computer beherrscht das nicht, etwas erstaunt war ich schon, aber nun weiß ich es. Dafür wollte die Mitarbeiterin meine Befreiung nicht sehen, sie glaubt mir auch so. Sehe ich wirklich so vertrauenswürdig aus, na klar.
Es dauerte nicht lange und ich wurde aufgerufen, Frau Dr. Spiess war da und noch eine junge Assistenzärztin, die für die Untersuchungen verantwortlich war, wieder relativ gründlich, wie ich empfand. Als sie soweit fertig waren, bat ich um die Fürsprache im Virchow Klinikum, denn sonst bekommt man keinen Termin, Frau Doktor rief gleich an und vereinbarte einen Termin bei Frau Dr. Schmidt aber leider erst im Mai, egal ich war erst einmal froh. Eine überweisung von der Charité ginge zwar auch, aber besser ist eine vom Facharzt. Die überweisung hätte mir jetzt nichts genutzt, weil der Termin erst im II. Quartal ist. Ich hoffe mein Augenarzt stellt sie aus, zur Sicherheit werde ich mir beider nächsten Infusion eine geben lassen, da ist dann ein anderer Arzt dort.
Nun hatte sich tatsächlich noch ein Patient zur Infusion eingefunden. Bei mir nahm das Drama seinen Lauf. Es war nur Schwester Kerstin anwesend und sie verdrehte schon die Augen, als sie mich sah, Blut sollte sie auch noch abnehmen. Die Erinnerungen waren ihr wohl noch frisch genug. Auf die Frage, warum es heute hier so leer, bekam ich nur ein ›psst‹ zu Antwort, deuten konnte ich das nicht wirklich.
Nun ging es los:
erster Versuch – Fehlanzeige,
zweiter Versuch am anderen Arm – Fehlanzeige,
dritter Versuch noch einmal am ersten Arm – Fehlanzeige.
Sie hatte die Nase voll und Schwester Beate, die sonst in der Anmeldung sitzt, verzog sich schnellstmöglich.
Kerstin holte Frau Dr. Spieß, sie bekam auch zwei Versuche und dann war sie der Meinung es ist in Ordnung so, nahm Blut ab und spritzte noch Kalzium in die Vene. Die Infusion wurde angestellt und es tröpfelte, ich holte mir, mit dem Infusionsständer, einen Kaffee und setzte mich in die Palmenecke.
Es hörte auf zu tröpfeln, es half nichts Kerstin musste noch einmal nachsehen, sie bewegte die Kanüle etwas und es tröpfelte wieder, aber nicht wirklich gut. Ich musste meinen Arm in einer bestimmten Stellung halten, bei jeder kleinsten Lageänderung, brach die Infusion zusammen. Kerstin kam hin und wieder gucken, zum Schluss merkte ich schon, dass der Arm wieder ganz dick geworden ist, scheint hier keinen mehr zu schocken.
Um 10 Uhr war mein Termin und gegen 14 Uhr war ich wieder draußen, so lange hat es noch nie gedauert. Schwester Beate, die ich beim Terminholen in der Anmeldung sah, sprach ich an, warum sie abgehauen ist, ja sie musste in die Anmeldung zurück. Es ist ja nicht jedes Mal so schlimm, aber Kerstin versprach, wenn ich das nächste Mal komme ist sie nicht da. Ich beruhigte sie, sie hat ja jetzt Zeit sich 8 Wochen zu erholen. Es ist natürlich alles mehr oder weniger mit einem Augenzwinkern von beiden Seiten zu betrachte.
Vor Ostern wollte ich unbedingt noch meinen Antrag für die Weiterbewilligung der Grundsicherung abgeben, dazu brauchte ich mein Auto, was schon wieder so tat als wollte es nicht anspringen, ich bekomme noch eine Krise mit dem Ding.
Erst musste ich zur Fußpflege bei meiner Schottin, ich konnte ihr von der Buchung der Reise berichten, dort wo ich hinfahre war sie noch gar nicht gewesen, zum Beispiel auf den Orkney – Inseln, sie freut sich natürlich über meine schottische Begeisterung. Wir haben jetzt vereinbart, dass nur noch Englisch gesprochen wird, bei einfachen Sätzen klappt das schon ganz gut.
Weiter ging die Fahrt nach Adlershof zum Amt, drei Bearbeiter waren in der Erstberatungsstelle zu Gange, das hab ich auch noch nicht erlebt. Es ist bei der Weiterbewilligung nicht wirklich viel Papier zu beschreiben, der Antrag, der Mehrbedarf, die Kontoauszüge (die letzten 3 Monate) und der Antrag auf Befreiung von den Rundfunk – und Fernsehgebühren. Ich war schnell wieder raus, mal sehen wie lange es dauert und vor allem wie lange sie mir etwas geben, denn ich könnte am Jahresende in Altersrente wegen Erwerbsunfähigkeit gehen.
Danach schnell noch für meine 87 Jahre alte Tante, Zwiebelschmalz und Activia Joghurt eingekauft, denn ich wollte sie am Mittwoch besuchen. Da ich einmal mit dem Auto unterwegs war, fuhr ich noch nach Schöneweide und kaufte den Drucker(Canon Pixma 4500), das Schnäppchen war noch zu haben von 99 Euro auf 68 Euro gesenkt, wegen Umbauarbeiten. Jetzt muss ich mir aber mehr mühe geben beim Nachfüllen.
Ich fühlte mich eigentlich überhaupt gut, es wird doch nicht ein Infekt kommen, nach der Infusion besonders gefährlich, weil das Immunsystem ziemlich am Boden ist, davor wird man immer wieder gewarnt. Es gab aber noch paar Arbeiten zu erledigen, gerendert war die DVD schon, sie musste nur noch bedruckt werden und auf den neuen Drucker warten noch paar Druckaufträge für meine Schulfreundin, Geburtstagsgedichte, ich mache es gern für sie, eben der ausgesprochene Gutmensch. Da konnte ich für sie und Mutter auch noch eine Osterkarte mitschicken.
Am nächsten Tag quälte ich mich zu meiner Tante, schickte die Umschläge weg und holte mir in einer Apotheke etwas gegen den aufkommenden Infekt. Ich gehe schon gar nicht gern in die Apotheke, weil immer nur das teuerste Medikament hilft. Mir wurde Meditonsin empfohlen, für 8 Euro ist man dabei. Die Nachbarin meiner Tante brachte mir auch noch paar Mittelchen und nun bin ich gespannt ob etwas helfen wird. Bei meiner Tante war neben der Unterhaltung noch eine Tür zu richten, danach fuhr ich nach Hause und nahm ein heißes Bad. Es war noch etwas tschechischen Rum da, davon machte ich mir einen Grog, vielleicht benannt nach dem Spitznamen des englischen Admirals Vernon:»Old Grog« und fing an die Medikamente zu nehmen. Ostern wird wohl gelaufen sein.
Es kam gar nicht so schlimm, mit dem Infekt, vielleicht waren es doch die Medikamente, aber etwas anderes kam mir in die Quere. Immer mal wieder gibt es Probleme mit dem Laptop und das zur Unzeit. Ich hätte zwar damit noch eine Weile leben können, dass sich die Hilfe – Dateien von der Adobe CS3 nicht öffnen ließen, Outlook 2003 hatte doppelte persönliche Ordner angelegt, das war schon problematischer, mein Kommunikationszentrum. Das zeigt mir an;
wenn ich zum Arzt muss,
wer demnächst Geburtstag,
wenn ich meine Blumen gießen muss,
welche Aufgaben es zu lösen gibt,
meine Kontakte und vieles andere mehr.
Ich kann mit solchen Problemen ganz schlecht leben, werde immer wieder daran erinnert, fürchterlich. Ich weiß aber auch was die Neuinstallation, einschließlich des Formatierens der Festplatte für Arbeit macht und oftmals bleib etwas auf der Strecke, ich meine, ich vergesse etwas zu sichern.
Der Karfreitag war der richtige Tag dafür, das Wetter bestärkte mich in meinem Entschluss. Das was zu sichern war, habe ich entweder auf der zweiten Partition der Festplatte oder auf dem zweiten PC kopiert. Schon alleine das zog sich bis zum Nachmittag hin. Die Neuinstallation dauert nicht wirklich lange, aber das Installieren, Raussuchen und Finden der Programme braucht seine Zeit, sodass ich Sonnabend bis 2 Uhr in der Früh zu tun hatte. Da war aber immer noch nicht alles wieder hergerichtet. Der Sonnabend ging dazu ebenfalls fast drauf, es machte aber keine Probleme, denn im Fernsehen gab es eh kein Programm, da waren die auf meinem Computer viel besser.
Meine Website habe ich mit Adobe GoLive erstellt, am Anfang mit 6.0 und später mit 8.1, leider wird Adobe GoLive nicht mehr weiterentwickelt. Ich habe jahrelang damit gute Erfahrungen gemacht, Adobe kaufte Macromedia auf und bringt jetzt den Dreamweaver CS3 raus. Man soll zwar die GoLive Website konvertieren können, aber bei mir klappt das nicht.
Nun muss ich mich von ganz vorn mit Dreamweaver befassen und werde bis zum Jahresende meine Site wohl umgearbeitet haben.
Damit ich weiß, wie die Site angenommen wird, verfolge ich auch die Statistik, der Besucherzähler wird nur noch von den blutigen Einsteigern eingebaut. Mein Provider die Strato AG hostet das für mich, ein guter Zeitpunkt einmal Bilanz zu ziehen. Die Aufzeichnungen wurden erst ab dem Jahr 2005 geführt, meine Site existiert schon seit dem Jahr 2004.
Folgende Zahlen stehen in der Statistik;
im Jahr 2005 31.693 mal
im Jahr 2006 32.260 mal
im Jahr 2007 50.221 mal
wurde die Site angesehen.
Das erfüllt mich mit Stolz, vom blinden Anfänger, zum na sagen wir mal niederen Experten. In diesem Jahr sieht es schon wieder sehr interessant aus, vielleicht liegt es auch am Umbau auf XHTML und der fast konsequenten Anwendung von CSS. Nun bin ich schon wieder abgeschweift.
Der Computer arbeitet wieder. Es sollte zu Ostern auch die Kultur nicht zu kurz kommen. Wegen des Wetters fand selbige im Wohnzimmer statt, aber sie war hochwertig.
Am Sonnabend wurde in 3sat "La Traviata" gezeigt, eine Aufzeichnung aus dem großen Festspielhaus in Salzburg. Eine Oper von Giuseppe Verdi in drei Akten, die Geschichte der schönen, schwindsüchtigen "Kameliendame" rührt seit 150 Jahren die Herzen: Violetta verzichtet auf ihre leidenschaftliche Liebe zu Alfredo, weil dessen Vater durch die Verbindung mit der Pariser Halbweltdame die Ehre der Familie bedroht sieht. Als Alfredo, durch Violettas selbstlose Entsagung gerührt, seine Entscheidung bereut, ist es jedoch zu spät. Zwar ist eine Versöhnung der Liebenden noch möglich, doch weiteres Glück bleibt den beiden versagt. Violetta stirbt in den Armen des Geliebten.
Giuseppe Verdis Oper "La Traviata" feierte bei den Salzburger Festspielen 2005 einen triumphalen Erfolg. Nicht nur das "Traumpaar der Oper", Anna Netrebko und Rolando Villazón, sowie Thomas Hampson wurden mit Standing Ovations bedacht, auch die Regie von Willy Decker wurde enthusiastisch aufgenommen. Am Pult der Wiener Philharmoniker stand Carlo Rizzi.
Anna Netrebko ist seit ihrem triumphalen Auftritt als Ludmila in Michail Glinkas "Ruslan und Ludmila" ein gern gesehener Gast auf den internationalen Opernbühnen. Den endgültigen Durchbruch zur Weltspitze feierte die russische Opernsängerin mit ihrer Interpretation der Donna Anna in Mozarts "Don Giovanni" bei den Salzburger Festspielen 2002. Der Mexikaner Rolando Villazón begann seine Karriere nach seinem Debüt als Des Grieux in Jules Massenets Oper "Manon" 1999. Im März 2005 sang er zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper. Mit dem Alfredo in Verdis Oper "La Traviata" gab Villazón sein Debüt bei den Salzburger Festspielen. Der Publikumsmagnet Thomas Hampson ist ein gefeierter Star auf allen Opernbühnen der Welt. Seit ich "Manon" gesehen habe und dort die Anna Netrebko bin ich ein absoluter Fan von ihr, es war damals fast wie live, auf der großen Leinwand am Bebelplatz hier in Berlin. Ich hoffe, dass sie nach der Geburt ihres Kindes wieder in Erscheinung tritt. Es gibt eben noch etwas anders als die Flugsimulation, Webhosting und Computer.
Nun tat ich es doch, obwohl ich dachte es geht auch so. Ich entschloss mich einen Vertrag bei Kabel Deutschland über eine Telefon – Flat und DSL – Flat, für knapp 30 Euro im Monat. Dadurch büße ich zwar mein Sozialtarif bei der Telekom ein, aber ich habe die Nase voll, mit den langsamen Seitenaufbau. Ich hoffe es richtig gemacht zu haben. Einen WLAN Router lasse ich mir auch gleich installieren, damit ich kabellos vom Laptop und PC ins Internet gehen kann. Ein neues Zeitalter hält nun bald bei mir Einzug, ich bin in meinem Umfeld einer der Allerletzten, obwohl ich einer der Ersten war der 1996 schon mit Modem im Internet war. Da kannten viele das Internet noch gar nicht. Der Onlinefliegerei steht nun auch nichts mehr im Wege. Aber zurzeit war ja noch nichts installiert und wann es soweit ist konnte die Dame von Kabel Deutschland auch nicht sagen, vielleicht 3 Wochen. Da wird die Wartezeit nach 12 Jahren zum Geduldspiel.
Ich habe es mir angewöhnt, immer am Quartalsanfang beim Hausarzt vorbeizugehen, da kann ich mir gleich alle notwendigen Überweisungen ausstellen lassen. Mein Doktor machte die routinemäßigen Untersuchungen, es gab eigentlich nichts zu bemängeln. Ich erzählte ihm aber von meinem Problem mit dem linken Auge, der Iridocyclitis. Dabei hat mein jetziger Augenarzt nicht wirklich gut abgeschnitten, ich verstand eben nicht, warum ich kein Kortison bekam, wo es doch 2004 so gut angeschlagen hat. Er meinte, es gäbe Ärzte, die eine Kortison – Angst haben, weil es große Nebenwirkungen gibt. Den Termin für das Virchow – Klinikum besaß ich schon, brauchte aber dafür eine Überweisung, vorsichtshalber ließ ich mir von ihm eine ausstellen. Ich war mir nicht sicher, ob mir mein Augenarzt eine geben wird. Obwohl mein Hausarzt meinte, er ist verpflichte, wie dann die weitere Behandlung aussieht, muss man abwarten. Da der Schilddrüsenwert noch nicht in Ordnung war, wurde noch einmal Blut abgenommen, am Montag sollte ich vor der Sprechstunde beim Doktor anrufen.
Es gab noch etwas sehr Positives, die Grundsicherung wurde wieder für ein Jahr genehmigt, d.h. für mich zu überlegen, was ich mit der Rente machen werde. Hat es keiner gemerkt?
Ach so, eine neue Bearbeiterin habe ich auch bekommen und sollte die Wiederbeantragung bis Mitte Februar 2009 einreichen, also ziemlich lange vorher. Ich werde mir Rat bei meiner Betreuerin von der Beratungsstelle für Behinderte, Krebskranke und Aidskranke holen. Die gehört zwar auch zum Bezirksamt Treptow – Köpenick, aber sie ist mir eine sehr vertrauenswürdige Mitarbeiterin. Die GEZ – Befreiung musste ich dieses Mal selbst beantragen, es ist eben immer eine Sache der Bearbeiterin. Jetzt konnte ich mich erst einmal zurücklehnen, dachte ich bei mir.
Wie immer fand am ersten Sonnabend im Monat unser Flugsimulantenstammtisch in Tempelhof statt, die meisten Gespräche gingen um den Volksentscheid zum Flughafen Tempelhof. Meine Meinung war klar dazu, schließen, traurig war ich nur, weil unser Lokal "Am Rollfeld" dann so auch nicht mehr existieren kann. Wenn es ernsthaft etwas werden sollte mit dem Entscheid, dann dürfen gewisse Leute nicht als Fürsprecher auftreten. Nach dem Stammtisch habe ich für meinen Kumpel eine Fotomontage angefertigt, dank Photoshop kein Problem.
Am Montag, wie vereinbart rief ich beim Doktor an, ich wollte es kaum glauben, die Schilddrüsenwerte waren OK, also keine Erhöhung der Dosis, es bleibt bei 125 mg L – Thyroxin. Als ich den Doktor fragte, wie er das Wochenende verbracht hat, bekam ich zur Antwort: »Nicht gut, ich habe ein blaues Auge, bin auf den Rechen getreten!« Ich konnte mir die Bemerkung nicht verkneifen und sagte: »Man trinkt bei der Gartenarbeit kein Whisky«. Schade, dass ich heute keinen Termin bei ihm habe.
Es war nichts mit zurücklehnen, es flatterte eine Mieterhöhung ins Haus, na prima, 30 Euro mehr im Monat, nicht gerade wenig. Obwohl ich sagen muss, dass in den letzten Jahren keine Erhöhung erfolgte. Ich musste schon wieder zum Grundsicherungsamt und hatte gar kein gutes Gefühl dabei, ich weiß ja, dass meine Wohnung viel zu groß ist.
Was wird passieren? Wie oft habe ich mir diese Frage in den letzten Jahren stellen müssen, ich weiß es nicht mehr.
Zuerst stelle ich alle geplanten Putzaktivitäten (Frühjahrsputz) ein, das gefiel mir zwar nicht, ich hätte es schon gerne hinter mir gebracht, durch die Fenster konnte ich zwar noch durchsehen, aber sie waren dran.
Ich erinnerte mich in diesem Zusammenhang daran, dass wir, damals noch gemeinsam mit der Ex – Frau, vor 10 Jahren in die Wohnung eingezogen sind. Nach 1½ Jahren entschwand sie auf Nimmerwiedersehen, ich glaube die letzten 8 Jahre, waren nicht die Schlechtesten in meinem Leben, trotz aller Probleme. Bisher konnte ich sie alle lösen. Ich bin gewachsen, nicht äußerlich, sondern innerlich. Das Wohngebiet ist zwar nicht gerade attraktiv, keine Gaststätte, nur eine Einkaufsmöglichkeit, aber die S – Bahn fährt fast vor der Haustür los. Anfänglich konnte ich nur mit Ohropax schlafen, oder lag es an ihr. Heute fehlt mir etwas, wenn keine fährt wegen Schienenersatzverkehr. Davon gab es in den letzten 1 ½ Jahren mehr als genug. Ich hoffe, dass ich hier wohnen bleiben kann, allerdings weiß ich schon, dass mich das Warten auf den Bescheid, wieder nervlich belasten wird. Das ist leider etwas, was ich nicht in den Griff bekomme, aber vielleicht ist es ja gar keine so schlechte Eigenschaft.
Mein Augenproblem ließ mich auch nicht zur Ruhe kommen, denn für Juni war wieder eine Reise nach Schottland geplant. Der schon vorhandene Termin lag mir noch viel zu lange in der Zukunft. Ich beschloss einfach in der Augenklinik des Virchow Klinikum anzurufen, eine Überweisung vom Hausarzt hatte ich ja. Ich glaubte nicht daran, dass es klappen wird, es gab keine Schwierigkeiten, ich schilderte mein Problem und bekam für den übernächsten Tag einen Termin. Ich war froh darüber, gerade der Donnerstag als es sintflutartig regnete in Berlin. Das Klinikum liegt ebenfalls verkehrsgünstig, ca. 40 Minuten mit S – und U – Bahn. 9.00 Uhr, wie immer waren einen Vielzahl von Patienten da, ich hatte schon wieder vergessen, wie die Prozedur der Anmeldung vor sich ging. Erst eine Nummer ziehen, warten bis die aufleuchtet, erst dann zur Anmeldung gehen. Es gab mit der Überweisung vom Hausarzt überhaupt kein Problem, aber ein anderes wird sich gleich ergeben.
Ich musste mich auf einen Gang setzten, dann steckte eine Assistenzärztin den Kopf aus der Tür und sagte sie hätte keine Akte von mir ich soll noch einmal zur Anmeldung gehen. Dort schien sich für mein Problem keiner wirklich zu interessieren, man wollte sich aber kümmern, dabei blieb es auch. Zum Glück hatte ich die Befunde aus dem Jahr 2004 und 2005 mit, wie durch ein Wunder, eben der mitdenkende Patient. Es scheint mit der Übersicht doch erhebliche Probleme geben.
Ich wurde reingebeten, ein fast dunkler Raum, mit einer jungen Assistenzärztin, die gar keinen so schlechten Eindruck machte. Sie hieß auch Schmidt, meine Ärztin war nicht mehr hier meinte sie, vielleicht war die Ärztin auch irgendwo im Ausland tätig, wie Frau Dr. Franz aus der Charité, etwas enttäuscht war ich schon. Sie hätte aber auch Ahnung. Ich erklärte ihr, dass eine Akte da sein muss, da ich schon zweimal hier war, es gab keine. Ich überreichte ihr die Befunde. Ich hatte den Eindruck, dass sie meine Augen sehr gründlich untersuchte, hier war sogar der Augendruck in Ordnung. Danach sollten die Pupillen fotografiert werden, dazu bekam ich Tropfen und nach einer Weile wurden Fotos gemacht, dass war wieder etwas Neues für mich.
Ich merkte schon, das System funktioniert irgendwie nicht wirklich, sie hatte mir gesagt, dass ich wenn ich fertig bin, wieder zu ihr kommen soll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei den laufenden Störungen ein sinnvolles und konzentriertes Arbeiten möglich ist. Der Warteraum hatte sich inzwischen gefüllt und die ersten fingen schon an zu murren, als sie mich hereinrief. Daraufhin musste die Ärztin erklären warum es so ist.
Sie klärte mir nun, dass die Iridoyclitis nicht mehr heilbar ist, aber eine Operation der Linse noch nicht in Frage kommt, da ich noch zu gut sehe. Was soll denn das, fragte ich mich innerlich, also muss ich damit leben. Ich muss schon mit so viel leben, warum damit nicht auch noch. Sie war aber generell nicht abgeneigt mir das DECORTIN zu geben. Der Professor sollte nun entscheiden. Ich musste wieder raus und warten, zu lange dauerte es  nicht und ich wurde wieder reingerufen.
Prof. Pleyer stellte sich vor und die Ärztin erklärte im die Lage. Auch er untersuchte intensiv mit der Spaltlampe meine Augen und kam zu dem Entschluss, kein Kortison zu geben. Die Medikation meines Augenarztes fand er vollkommen korrekt, das erstaunte mich schon etwas. Er erklärte mir, durch das Kortison wird die Linsentrübung vorangetrieben, das hörte ich auch zum ersten Mal. Das war es nun, warum bin ich eigentlich hier? Der Professor fragte mich noch einmal nach meinen Problemen, ich schilderte sie, das waren für ihn aber keine akuten.
Im Endeffekt bekam ich von der Ärztin das Medikament ARLETAC aufgeschrieben, es ist rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen und gegen trocken Augen. Der Professor wollte mir auch noch etwas zukommen lassen, OPTIVE, zweifach wirksam, benetzend und feuchtigkeitsspendende Augen – Pflegetropfen, da er keine dabei hatte, sollte ich draußen warte. Da war ich gespannt ob ich die wirklich bekomme, tatsächlich brachte er sie mir, nach ca. 10 Minuten.
Als ich die Klinik verließ regnete es immer noch in Strömen, ich war irgendwie niedergeschlagen und gar nicht zufrieden, aber ich hatte es jedenfalls versucht. Den Termin Ende Mai lies ich erst einmal stehen, vielleicht brauche ich den doch noch. Ich hatte den Eindruck, dass sich gegenüber meinem letzten Termin sich einiges verändert hat, mit der damaligen Behandlung überhaupt nicht zu vergleichen. Geblieben ist ein mürrisch rumlaufender Oberarzt. Äußerungen der Assistenzärztin über das Arbeitsklima ließen einiges erahnen. Manchmal frage ich mir ernsthaft, warum haben die Menschen so ein Vertrauen zum mir?
Am nächsten Tag sollte der Monteur von Kabel Deutschland kommen und die Installationsarbeiten, einschließlich WLAN Router vornehmen. Ich habe mir vorher, für den PC ein WLAN – Stick gekauft, um auch diesen im kabellosen Funknetzwerk zu betreiben. Schon wieder musste ich mich ärgern, hätte ich den Abschluss bei Conrad gemacht, dann wäre ein Einkaufsgutschein von 100 Euro dabei gewesen.
Der Monteur kam fast ein Stunde zu spät und machte einen gehetzten Eindruck. Die Installation des Routers klappte prima und auch der Telefonanschluss funktionierte bald. Das war aber nur die Pflicht, den Stick am PC bekam er nicht in den Griff, nun war er Zusehens genervt. Ich machte dem Treiben ein Ende und sagte, er soll gehen ich versuche es selbst. Überglücklich nahm er die von mir gereichten 2 Euro entgegen, mehr hat er wirklich nicht verdient. Eigentlich ein Job, den ich hätte vor Jahren anfangen sollen. Nun war es an mir zu überlegen, warum es nicht funktionierte. Ich konnte es mir echt nicht erklären, der PC erkannte mein Netzwerk, brachte aber keine Verbindung zu Stande. Lag es vielleicht an meinem Rechner, also machte ich die gleiche Prozedur mit ihm, wie Ostern mit dem Laptop. Es funktionierte trotzdem nicht, am Abend machte ich mich deshalb auf zu CONRAD um den Stick umzutauschen, wie schon erwähnt, Probleme kann ich nicht gut anstehen lassen. Der Umtausch funktionierte reibungslos, der Verkäufer gab mir einen anderen Stick, der garantiert funktionieren soll. Na, mal sehen, auch der funktionierte nicht, vielleicht lag es an meinem 1.0 USB – Anschluss, kann ja sein. Manchmal funktionierte er plötzlich, lag es am Standort des Routers, 1000 Fragen und keine Antworten. Nun habe ich das Problem gelöst, wenn der Laptop nicht mit dem Netzwerk verbunden ist, kann ich mit dem PC auch ins Internet gehen. Ob das so sein muss, ich weiß es nicht genau, auf alle Fälle kann ich damit leben.
Nun erlebte ich erst einmal, wie schön es ist mit einer DLS im Internet sich zu bewegen, sie wird mir schon in den nächsten Wochen gute Dienste leisten.
Seit mehreren Jahren bin ich nun schon bei verschiedenen Kontakt – Seiten im Internet angemeldet, raus gekommen ist dabei bisher nichts. Manchmal wünsche ich mir schon, nicht nur mit dem Alten Schweden durch die Gegend ziehen. Mit meinen Problemen ist es nicht einfach jemandem zu finden, ich meine eine Frau. Schön öfters habe ich E – Mails bekommen, auch mit einem Bild, die meisten waren mir zu beleibt, anderen habe ich einen Hinweis auf meine Website geschickt. Im ALLEINFLUG steht eigentlich alles, manchmal auch zu viel über mich, ich wusste schon vorher, Antworten kommen sicherlich keine.
Ich denke, verschweigen sollte ich nichts, vielleicht klappt es ja doch einmal, es würde mich schon freuen, obwohl ich die Kontaktsuche nie intensiv betrieben habe. Sicherlich ist es in dem Alter nicht mehr ganz so einfach, aber jemanden zu haben, außer der Familie, dem man Vertrauen schenken kann, fände ich schon nicht schlecht.
Ich bin auch im Netzwerk der Platiner angemeldet, dort tummel sich Menschen über 50 Jahre, die eine oder andere Zuschrift habe ich von dort erhalten. Immer war es eines der zwei Probleme an denen ein weiterer Kontakt scheiterte.
Im April bekam ich eine Mail von einer Frau, der meine dort hinterlegtes Profil zusagte. Ich antwortete ihr und verwies sie auf meine Website. Es kam tatsächlich eine positive Antwort, klar die 200 Seiten sind nicht so schnell durchgelesen. Es ist am Anfang nur möglich sich über das Netzwerk auszutauschen, was wir auch machten. Dann muss irgendetwas schief gegangen sein, die Mails sind stecken geblieben, ich dachte schon daran, das Übliche ist auch hier eingetreten.
Aber nach vielleicht 14 Tagen bekam ich wieder eine Mail, wir vereinbarten uns direkt zu schreiben. So kam nach und nach eine ganz gute Konversation zusammen, beide haben wir auch einen Abschluss bei Kabel Deutschland für DSL und Phon Flat, es stellten sich auch noch andere Gemeinsamkeiten heraus. So ging es einige Wochen per E – Mail hin und her, so dass wir doch schon eine Menge von einander wussten.

Tulpenfest in Potsdam 2008

Zum Tulpenfest in Potsdam im April traf ich mich mit meiner Familie, Mutter, Sonja, Evelyn und Schwager Roland, ich wurde sogar abgeholt. Es ist immer wieder ein Erlebnis, mit über 100 Gästen aus den Niederlanden: Handwerker, Musikanten, Sängern, Tänzern u.v.a. mehr im Holländischen Viertel zu feiern. Schön auch, dass ich mich mit meiner der Familie sehen konnte, insgesamt ein gelungener Sonnabend mit Heineken, Bratwurst und Kibbelinge. Zurück wurde ich auch wieder bis zur Haustür gefahren. Ich meine, das sind die Erlebnisse in den letzten 9 Jahren, die mich gestärkt haben, der Zusammenhalt.
Ende des Monats war eine Fahrt nach Bautzen geplant, es gab wieder paar Arbeiten, Hexenbrennen, Himmelfahrt und nicht zuletzt, Sonjas Geburtstag. Mein Auto zeigte sich von einer ganz positiven Seite, nur ein Reifen lässt etwas Luft, dafür kann aber das Auto nichts, das geht den Autos wie den Menschen, die Luft geht langsam raus. Ich musste schon am Freitag fahren, weil mein Neffe nur am Sonnabend Zeit zum Arbeiten hat. Auf der Fahr am Freitag regnete in Strömen, dabei habe ich mir die Windschutzscheibe versaut, ein Wischerarm hat sie etwas zerkratz.
Auf Grund des Regens wurde sofort der erste Doppelkopf gespielt, ich dabei, natürlich habe ich mich wieder beschwert, dass ich immer nur einzahlen muss, aber zum Essen bin ich nie da. Da hatte ich aber wieder in ein Wespennest gestochen, lautstark wurde das von allen drei Frauen widerlegt. Es ist ja auch nicht wirklich Ernst gemeint, ich freue mich immer diebisch, wenn die sich aufregen und Sonja droht regelmäßig mit der Abgabe der Kasse.
Danach, die Sonne hat es ich wieder überlegt, plante ich mit Mutter die Arbeiten am Sonnabend. Das Schuppendach, war angeblich undicht, so richtige Beweise gab es dafür aber nicht und die Rückwand vom Carport musste noch vollendet werde, das Provisorium gefiel Mutter nicht. Mit Dani zu arbeiten bin ich gewöhnt und es geht schnell von der Hand, also waren wir alsbald fertig, ich hatte nun noch die Aufgabe eine Dachrinne zu basteln, damit auch der letzte Tropfen Wasser aufgefangen wird. Meine Mutter ist sparsam, es wird nichts vergeudet, ich denke etwas habe ich davon auch abbekommen. Am Abend grillten wir, das Hexenbrennen wurde vorverlegt, Mutters Baumverschnitt ging planmäßig in Flammen auf..
Den nächsten Tag habe ich paar Aufnahmen mit meiner Kamera gemacht, dabei die neuen Nahlinsen getestet. Die Bilder können sich sehen lassen, nun ist es aber wirklich Zeit endlich welche auf meiner Seite zu zeigen, nur die Zeit fehlt an allen Ecken und Enden.

Frühling in Bautzen

Am Montag musste ich Notdienst machen, dem Hasen meiner Schwester ging es nicht gut, ich glaube er fraß nicht mehr, die Zähne mussten gekürzt werden. Ich kenne ja meine Schwester, sie leidet mit dem Tier. Mutter fuhr natürlich auch mit, wir waren zwischendurch noch einkaufen, am Nachmittag musste ich mich mit der Dachrinnen weiter beschäftigen. Manchmal ziehen sich solche Arbeiten ewig hin, ich wollte auch nichts Neues kaufen, es lag noch genug Material in Vaters Schuppen (Werkstatt) rum.
Dienstag hat Evelyn ein Dankeschön Abendessen, für die Hasennotdienstler, bereitet. Zu dem auch Sonja und mein Neffe Ronny eingeladen war, ein netter Abend, Evelyn lässt sich zum Essen immer etwas einfallen, obwohl ich eher nicht so für ausgefallene Sachen bin, wie zum Beispiel Käsesuppe, aber die macht sie nicht mehr wenn ich da bin.
Der 30. April ist in Bautzen der Tag des Hexenbrennens unser Haufen war schon abgebrannt, ich ließ mich tatsächlich wieder zum Doppelkopf  breitschlagen, dieses Mal war Ronny mit von der Partie, Ronny ist ein ziemlich guter Spieler, kann sich aber auch lautstark aufregen. Es hielt sich aber in Grenzen. Am Abend trafen wir uns, Mutter, Ronny, Sonja, Evelyn und mein Schwager bei Horsten’s Magda, einer Kneipe in einer Kleingartenanlage, dort sollte ein offizieller Hexenhaufen angezündet werden. Bewacht durch die freiwillige Feuerwehr, dazu konnte man Fischsemmel, Bratwurst, Bier und andere Getränke ordern. Es ist erstaunlich wie Feuer die Menschen anzieht, am Feuer war es sehr warm, aber sonst hielten sich die Temperaturen in Grenzen.
Am nächsten Tag, Sonjas Geburtstag, war Mutters Steuererklärung dran, ohne große Probleme konnte ich diese erstellen. Da Mutter in der nächsten Zeit zur Darmspieglung muss, eine Vorsorgeuntersuchung, konnte ich ihr meine Erfahrungen vermitteln und ihr die Angst nehmen. Sie hat übrigens nichts ergeben, paar Polypen, die gleich mit abgezwackt wurden. Als sie mir später davon erzählte, war ich fast der Meinung, sehr professionell hörte es sich nicht gerade an.
Das passt zwar jetzt nicht so gut zusammen, aber wie waren zum Kaffee bei Sonja eingeladen und blieben bis nach dem Abendbrot. Ich habe noch eine DVD von Mutters Geburtstag gezeigt, den dritten Teil und den neuen 1. Teil mit den Bildern von Mutters Kindheit, die sie bisher nicht rausgerückt hat.
Am Brückentag sind Mutter, Ronny, Sonja und ich nach Tschechien gefahren, tanken und einkaufen im Shop. Wie immer über Sohland und dann aber eine andere Strecke nach Schmilka. Eigentlich eine schöne Fahrt, abseits der Hauptstraßen, zu Mittag hat uns Mutter in ein Bergrestaurant eingeladen. Wir sind dann dort entlang gefahren, wo im letzten Jahr mein Auto anfing zu brennen. Es herrschte schweigen im Auto, aber es ging alles Gut, mein Auto hat es wohl nicht weiter beeindruckt. Danach fuhren wir über Bad Schandau durch das Kirnitzschtal um am Lichtenhainer Wasserfall Kaffee zu trinken. Ich wollte vor allem Ronny zeigen, wie man das Kirnitzschtal findet, ich wusste nämlich dass sie vor einiger Zeit in Bad Schandau rumgeirrt sind.
Das Kaffeetrinken am Wasserfall konnte wir vergessen, kein Parkplatz zu bekommen und im Kirnitzschtal waren entsetzlich viele Menschen unterwegs, Brückentag eben. Also fuhren wir weiter bis nach Hinterhermsdorf, dort wo auch eine Schleuse ist. Wir bekamen auch einen Parkplatz, im Buchenpark und Kaffee gab es auch. Keiner konnte sich nun daran erinnern, ob wir schon einmal an der Schleuse waren. Den Fußweg von über 30 Minuten wolle auch keiner gehen, es ist geplant, vielleicht den Weg in ferner Zukunft zurückzulegen. Nach Bautzen fuhren wir wieder über Tschechien und Sohland, das Wetter spielte auch mit und mein Auto ebenfalls. Da denke ich immer daran, was mache ich am Jahresende damit. Zumal ich dieses Jahr eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen habe die fast 150 Euro billiger ist, wie bei der Allianz.
Sonnabend sollte ich mit Hilfe der Kettensäge und Ronny einige Stämme zersägen, die Kettensäge ist eigentlich nicht mein Lieblingsarbeitsgerät, meins ist die Kreissäge. Ich bin aber froh, dass es sie gibt, denn die Stämme mit der Hand sägen, früher ja, aber heute könnte ich es gar nicht mehr. Vielleicht habe ich auch deshalb Ehrfurcht vor dem Gerät. Ronny war mir eine wirkliche Hilfe, das kann man so sagen. Gehackt wird das Holz immer noch von meiner Mutter selbst, mit 80 Jahren, alle Achtung. Paar kleiner Arbeiten standen auch noch an, ich habe mich sogar versucht am Ausgleichen von Stolperstellen mit Beton, auch das geht. Ich glaube die Grundlage für meine handwerklichen Fähigkeiten liegt im gelernten Beruf, Elektromonteur wie mein Vater. Eigentlich Betriebselektriker im damalige Reifenwerk in Heidenau.
Dann war es endlich soweit, es ging zum Abendbrot nach Rabitz in Goldene Höhe, ein Teil vom eingespielten Doppelkopfgeld gab unser Kasseninhaber frei. Nun habe ich vorerst keinen Grund mehr zu meckern, aber es wird nicht lange dauern, da mache ich mich wieder bemerkbar. Der letzte Aufenthaltstag in Bauten, Sonntag, über eine Woche von zu Hause weg, was machen die Vögel, was gibt es im Briefkasten, ist vielleicht der Bescheid vom Grundsicherungsamt  schon da, solche Fragen beschäftigen mich. Es wurde noch einmal Doppelkopf gespielt, aber ohne mich, ich fotografierte Blumen und Pflanzen. Die Rückfahrt am Montag, verlief ohne Probleme, wieder ein harmonischer Aufenthalt. Zu Hause war alles in Ordnung, Vögel gesund, aber noch kein Bescheid vom Grundsicherungsamt da.

Karneval der Kulturen Berlin 2008

Viel Zeit zum Nachdenken blieb mir nicht, denn es standen wieder mehrere Arzttermine an, aber zuvor kam noch Pfingsten. Ich wollte endlich einmal zum Karneval der Kulturen in Berlin – Kreuzberg gehen. Mein Kumpel hatte dieselbe Idee, also trafen wir uns Pfingstsonntag am U – Bahnhof Hallisches Tor. Ich merkte schon im Büchnerpark es wird voll und heiß, ich suchte einen Bierstand auf, die Lübser Bier verkauften. Er hatte sich sein Bier im Rucksack mitgebracht und zierte sich, sich an einen Tisch zu setzen. OK, setzten wir uns eben auf eine Mauer. Klar ist das Bier nicht gerade billig, aber was soll es. Danach folgten wir den Massen zum Umzug, ich erschrak schon, als ich die Menschen am Straßenrand stehen sah, kein durch kommen. Der lange Schwede hatte es gut und sah mit über zwei Metern etwas, ich konnte es nur erahnen. Aber es klärte sich bald auf, an einer anderen Stelle wechselten wir die Straßenseite und standen ganz vorn. Man kann es sich ansehen, aber jedes Jahr nicht. Nach ca. 3 Stunden zogen wir davon, die Kamera voller Bilder. Irgendwo haben wir noch etwas gegessen, Rosmarinkartoffeln, es wurde immer voller und dunkelte auch schon. Es erfreut mich immer wieder wie sich die Berliner Verkehrsbetriebe auf solche Veranstaltungen einstellen, der U – Bahnsteig übervoll, keine zusätzliche oder länge Züge, Hauptstadt eben.
Als nächster Termin stand die Infusion in der Charité an, wichtig weil ich wieder einen neuen Arzt bekommen sollte. Es waren nur einige Patienten da, die übliche Prozedur, den Weg durch die Strahlenklinik, zur Anmeldung und weiter zu Rheumatologie. Jetzt scheint es auch mit der Zuzahlungsbefreiung zu klappen, ich sage es vorsichtshalber immer an. Danach die Bögen über meine allgemeine Befindlichkeit ausfüllen. Dabei sollte ich mir wohl demnächst mehr Mühe geben, seitdem der Arzt diese Werte gleich in den Rechner eingibt ist er in der Lage zu vergleichen.
Es dauerte nicht lange und ich wurde aufgerufen, ein junger Arzt begrüßte mich freundlich. Er unterhielt sich mit mir, auch über den Termin im Virchow Klinikum, sah die Blutwerte, und übersah nicht die leicht erhöhten Leberwerte. Da hat er einen Aufhänger gefunden, ob ich Pilze gegessen habe oder gab es eine Familienfeier. Ich sagte ihm, dass ich schon hin und wieder ein Glas Rotwein trinke, nun wollte er wissen, wie viele Gläser am Tag, in der Woche, eine Flasche in der Woche gab ich wahrheitsgemäß an. Das gefiel ihm nicht wirklich, aber ich nahm ihm gleich den Wind aus den Segeln, ich habe 2002 aufgehört zu Rauchen, habe die Krebsoperation überstanden, etwas muss ich mir schon noch gönnen. Damit war die Sache geklärt, manchmal frage ich mich, ob Ärzte niemals Alkohol trinken.
Die Untersuchung führte er sehr gewissenhaft durch, den habe ich jetzt für ein halbes Jahr, das Durcheinander hat sich wohl gegeben. Prima für mich. Bei der Auswertung meines Bogen kam er zu dem Schluss, ob es nicht notwendig ist, den Zeitraum der Infusion zu verkürzen, vielleicht sogar monatlich. So richtig gefallen würde es mir nicht. Er will nun bei der nächsten Infusion entscheiden, ich werde bei der Ausfüllung des Zustandsbogen aufpassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das teure Medikament keine Nebenwirkungen hat. Bevor er sein OK zur Infusion gab und mich zu den Schwestern schickte fragte er, ob ich im September bereit wäre, mich den Studenten zur Verfügung zu stellen. Klar mache ich das, 40 Euro gibt es auch noch. Der Doktor hat zwei Namen, einen auf dem Kittel und einen andern auf seiner Ansteckkarte, wer ist nun wer, es wird sich bestimmt beim nächsten Besuch klären.
Das übliche Martyrium, das Setzten der Infusion, heut war Schwester Carola da, bei der klappte esin der Regel. Kerstin lächelte mich schon von weitem an und war froh, dass sie nicht ran musste. Es klappte wieder nicht auf Anhieb, der zweite Arm wurde genommen und nun funktioniere es. Ich fragte, ob ich mir einen Kaffee holen kann, Carola sagte, „Sie kennen sich doch aus, Herr Ullmann, Sie gehören doch fast zum Inventar!“ Ich frage lieber und bekomme es auch irgendwie gedankt und wenn es Aufmerksamkeit ist. Die Infusion verlief problemlos, in relativ kurzer Zeit war ich fertig. Es war heute auch keine anderer zur Infusion anwesend, ich saß in der Palmenecke allein, es wunderte mich schon etwas. Insgesamt machte die Atmosphäre auf mich einen gespannten Eindruck, auch in der Anmeldung. In 8 Wochen habe ich den nächsten Termin.
Das Wetter war schön, ich beschloss bis zum Bahnhof Friedrichstraße zu Fuß zu laufen, da konnte ich noch im VISIT BRITAIN vorbeigehen und mir den aktuellen London Planner holen.
Schon am Wochenende sollte der erste Arbeitseinsatz in Zeuthen stattfinden, es gelang mir die beiden Ex – Schwäger mit den Ehefrauen unter einen Hut zu bekommen. Wir konnten entspannt arbeiten, den so sehr viel war nicht zu machen. Ich holte noch meine Cousine aus Königs Wusterhausen ab, da ihr Auto einen Tag vorher einen Defekt bekam. Ich kenne mich damit ja bestens aus.
Überschattet wurde der Arbeitseinsatz, durch einen Leitersturz meines Ex – Schwagers Frank, große Aufregung, aber bis auf paar schmerzhafte Prellungen war nichts passiert, es hätte schlimmer kommen können. Wir sind alle nicht mehr die Jüngsten, daran muss man immer denken. Jessica die sonst immer mit dabei ist, musste am Sonnabend arbeiten, sie hat zum Glück einen festen Job in einer Bank bekommen. Da geht die Arbeit natürlich vor, ich freue mich für sie, dass es mit einer Arbeitsstelle, nach so vielen Jahren geklappt hat.
Wie immer wurde zum Abschluss gegrillt, der leicht lädierte Frank hat es übernommen. Der nächste Einsatz ist im August oder September geplant.
Bloß gut, dass ich mich nicht verletzt habe, denn am Sonntag war das erste Date geplant. Irgendwie schon eigenartig, mit fast 60 Jahren. Wir trafen uns auf halbem Wege, dem Schlossplatz in Köpenick. Wir kannten uns schon von den Bildern im Internet, also erkannten wir uns auch problemlos, telefoniert haben wir inzwischen auch schon mehrfach. Eine nette Frau stand mir gegenüber, paar Jahre jünger wie ich. Ich denke es war eine gute Idee mit dem Treffen, ich fand sie sympathisch, schon am Telefon. Ich hatte fast den Eindruck, wir kennen uns schon seit Ewigkeiten. Sie machte auf mich, das kommt noch dazu, einen sehr vertrauenserweckenden Eindruck.
Nun sollte es auch ein sinnvoller Nachmittag sein, Ich habe mir überlegt, dass wir die Runde vom Hauptbahnhof, über den Spreebogen bis zum Alex zu laufen. Dabei hatten wir genug Zeit uns zu unterhalten, ich bot ihr meinen Arm an, sie harkte sich bei ein, wir mussten uns erst daran gewöhnen und das wird wohl nicht das Einzigste sein. Ich bin das letzte Mal im vergangenen Jahrtausend mit einer Frau so gelaufen. Unterwegs tranken wir noch einen Milchkaffee. Ich glaube, dass es auch für meine Bekannte ein schöner Nachmittag war. Sollte die Zeit, wo ich mit dem Langen Schweden um die Häuser gezogen bin, vorbei sein?
Ich denke, dass sich hier eine freundschaftliche Beziehung entwickeln kann. Die Voraussetzungen sind vorhanden.
Man muss sich ja nicht gleich gegenseitig die Bude einrennen. Am nächsten Sonntag trafen wir uns wieder und sind zur Pfaueninsel gefahren, leider wurden wir von der Insel enttäuscht, gegenüber dem letzten Jahr, hat sich hier nichts zum Positiven gewandelt. Egal der Nachmittag wurde mit einem Essen im Biergarten vor der Fähre beendet, dann fuhren wir mit der S – Bahn nach Hause. Bei mir war wieder einmal Schienenersatzverkehr, wann hört das endlich auf, es ist belastend.
Dann war er endlich da, der neue Bescheid vom Grundsicherungsamt, die Mieterhöhung wird bezahlt, wieder stürzten ganze Steinbrüche zu Boden. Jetzt konnte ich meine Wohnung gründlich säubern, einschließlich Gardinen waschen und Fenster putzen. Einige kleine Verschönerungsarbeiten habe ich gleich miterledigt.
Nun musste ich endlich anfangen mich auf die Schottlandreise vorzubereiten, auch das hat mir bis zum Eintreffen des Bescheides nicht wirklich Freude gemacht. Ich bleibe eine ganze Woche in Schottland, mit Station in Inverness und Glasgow. Bewegen werde ich mich mit Zug, Bus und Fähre. Alle notwendigen Informationen habe ich im Internet zusammengetragen, dank DSL eine wirklich schöne Angelegenheit, kein Zeitdruck wegen den Kosten. Nun ist ein fünfseitiger Plan herausgekommen und ein selbst erstelltes Reisehandbuch, das ungefähr 100 Seiten mit Beschreibungen und Bildern hat. Ganz schöner Aufwand, aber es soll eine durchorganisierte Reise werden.
Eine äußerst peinliche Begebenheit erlebte ich beim Fußpflegetermin, ich hatte doch tatsächlich vergessen mir eine neue Verordnung bei der Diabetologin ausstellen zu lassen. Aber die Schottin (Fußpflegerin) sah es nicht verbissen, behandelt hat sie mich natürlich nicht, aber einen neuen Termin bekam ich eine Woche später. Bis dahin werde ich wohl die Verordnung haben.
Es ging aber noch weiter mit den Missgeschicken, da meine Familie am Wochenende zu Besuch kommt, wollte ich im Kaufland einen Kasten Bier kaufen. An der Kasse nahm ich eine Flasche raus, zog ihn etwas vor und in der Ladenpassage rutschte er vom Einkaufswagen, vier Flaschen kaputt. Eine Bierlache und viele Glasscherben umgaben mich. Ich überlegte, einfach weiterfahren, eine Verkäuferin hatte das Drama aber schon beobachtet. Ich lief zurück zum Tresen, den Wagen ließ ich stehen. Eine Reinigungskraft war nicht greifbar und die junge Frau, wollte oder konnte mir nicht helfen. Hilfsbereit gab sie mir einen Handfeger, eine Schaufel, ein Stück Küchenrolle und eine Beutel für die Scherben, ein Service im Kaufland. Als ich zurückkam, mein Wagen war ja außer Sichtweite gewesen, stand schon eine Frau als Wache da und aus den umliegenden Geschäften eilte auch Hilfe heran. Darüber freute ich mich natürlich, es gibt eben auch nette Leute.
Es ging noch weiter, ganz vorsichtig fuhr ich nach Hause, nicht das noch etwas passiert, Unfall oder was weiß ich. Als ich im Zeitungsladen bei PLUS die Computerbild kaufen wollte, las ich dass er zu gemacht hat, zu wenig Kundschaft. Extra habe ich die Zeitschrift nicht im Kaufland gekauft. An diesem Tag habe ich mich nicht mehr aus der Wohnung bewegt und nur noch Arbeiten gemacht, wo nicht viel passieren kann.
Die Verordnung konnte ich telefonisch in der Diabetesstation ordern, am nächsten Tag holte ich sie ab und fuhr gleich noch zur Krankenkasse, denn dort bekomme ich den Stempel. Die letzten Male bekam ich die Verordnung abgestempelt gleich wieder mit zurück, zum Glück war es auch dieses Mal so. Das Problem war auch geklärt.
Meine Familie war schon vor zwei Jahren zur ILA (Internationale Luft – und Raumfahrtausstellung) in Berlin, am Sonntag trafen wir uns in meiner Wohnung und konnten die Flugshow vom Balkon betrachten. Vorher habe ich noch meine Bekannte von der Fähre in Grünau abgeholt, zufällig bogen die Bautzener zur gleichen Zeit in den Schwalbenweg ein. Die Gemütlichkeit hielt wieder einmal Einzug in meiner Wohnung, bei Sekt, Bratwurst, Kartoffelsalat, und Bier verbrachten wie gemeinsam einen schönen Tag.
Einen Termin den ich unbedingt noch wahrnehmen will, ist der Besuch bei meiner Betreuerin von der Krebshilfe, schon sehr lange war ich nicht mehr dort. Ich rief an, sie freute sich natürlich, ich kann schon einschätzen ob es wirkliche Freude ist. Sie meinte sofort, „Gibt es Ärger, Herr Ullmann?“, das konnte ich zum Glück entkräften. Ich wollte neben einer allgemeinen Unterhaltung, mein Problem mit der Rente ansprechen, in der Hoffnung, dass sie mir einen Tipp geben kann wie ich mich verhalten soll. Fast zwei Sunden war ich zur Beratung bei ihr. Wir unterhielten uns über meinen gesundheitlichen Zustand, über meine Reisen und natürlich über die Rente. Zur letzteren Problematik wollen wir uns im September erneut treffen. Die Tendenz ist die Rente zu beantragen, obwohl ich dabei wahrscheinlich schlechter weg komme. Die Wohnungsproblematik wird sich wieder zum Albtraum entwickeln, ich sehen es schon kommen. Oder bin ich zu pessimistisch. Egal noch ist Zeit.
Ich traf mich am Wochenende noch einmal mit meiner Bekannten und wir besuchten das Deutsch – Russische – Festival, es war heiß, überhaupt kein Wetter zum Rumlaufen. Gegessen haben wir, eine vegetarische Nudelpfanne mit einem Klecks Grünkohl, sogar in einer umweltfreundlichen Schale, die man zum Schluss mit verspeisen konnte. Danach beschlossen wir, uns auf die Tribüne zu setzen, wo sonst nur die Schönen und Reichen, beim Pferderennen sitzen. OK mit den Schönen können wir es vielleicht noch mithalten, aber mit den Reichen nicht. Direkt vor der Tribüne befand sich die Hautbühne für das Unterhaltungsprogramm. Danach erfolgten 4 Stunden geballte, hauptsächlich russische Folklore. Wo bekommt man das schon umsonst und aus so einer Sicht geboten. Als 18.00 Uhr sich eine, angeblich die Beste Boy Group Rock spielte, zogen wir uns zurück. Zuvor ließen wir den Tag bei Bier und Sektbowle ausklingen. Danach fuhren wir nach Hause um den Staub abzuspülen, heut war zur Abwechslung mal bei der Straßenbahn Ersatzverkehr. Warum ich auf der überdachten Tribüne einen Sonnenbrand bekommen habe, bleibt wohl mein Geheimnis. Trotzdem ein schöner Tag und wir sind uns sicherlich wieder ein Stück näher gekommen. Deshalb, habe ich auch kein Problem damit, dass meine Bekannte die Wohnung betreut, es bestand von Anfang an, ein Vertrauensverhältnis, ich fahre bzw. fliege doch etwas ruhiger weg. Innerhalb eines Monats eigentlich eine enorme Entwicklung, Planungen für eventuelle gemeinsamer Reisen bestehen auch schon gedanklich.
Nun habe ich es tatsächlich geschafft alle Punkte auf meiner Schottlandliste abzuarbeiten. Nur aufs Wetter habe ich keinen Einfluss, vor einer Woche sollte es noch herrlicher Sonnenschein sein, jetzt wohl eher kühl und nass, eben so wie man sich es vorstellt. Egal in 24 Stunden, müsste ich schon im Zug nach Inverness sitzen, aber viel besser ist, dass ich den überheblichen Kommentaren von Kerner und Co., über die allergrößte, deutsche Fußballmannschaft, für eine Woche entfliehen kann. Ich hoffe wenn ich zurück komme sind sie schon ausgeschieden und der Größenwahn ist zu Ende.

With Train, Bus and Ferry through Scotland

Da war wohl wieder einmal der Wunsch der Vater des Gedankens, ich bin zwar zurück, aber die Deutschen spielen immer noch, egal. Ich habe eine Reise hinter mir, von der ich noch lange zehren werde. Ich bin schon dabei die Erinnerungen in den PC zu bringen, wenn es soweit ist, sind diese hier zu lesen. Ein neuer Plan war schon vor der Reise gereift, ich fliege zum Brüsseler Flower Carpet 2008 im August. Fliegen deshalb, weil es billiger ist als die Mehdornschen Versprechungen bei der Bahn. Die Lockvogelangebote von 39 Euro nach Brüssel gibt schon am ersten Tag nicht mehr.
Klar das Zurückkommen ist angenehmer, die Wohnung ist unter Kontrolle, da fährt meine Bekannte sogar mit dem Fahrrad hierher. Man so lange kennen wir uns noch gar nicht, aber wie schon beschrieben, mein Vertrauen ist ziemlich hoch. Meine Menschenkenntnis ist in den letzten Jahren enorm gewachsen.
Das Leben nahm gleich nach meiner Rückkehr seinen gewohnten Lauf, Behördenkram und Arzttermine, aber auch paar persönliche Erlebnisse schlichen sich dazu. Der Tisch lag voller Prospekte von der Schottlandreise, ich musste aufpassen, dass die Post von der Krankenkasse nicht unterging, sie wollten wieder einmal den jährlichen Einkommensnachweis haben und die Erhöhung des Beitrages für die Pflegeversicherung war auch dabei. Nun muss ich schon wieder zum Grundsicherungsamt, es ist immer etwas zu klären.
Eine große Überraschung erlebte ich mit meinem ›Sorgenkind‹ , es sprang wieder einmal nicht an, die Batterie war runter. Ich bekomme noch eine Krise und wie sie alle hilfsbereit reagierten, vielleicht sollte ich meine Hilfsbereitschaft auch etwas drosseln. Ich wusste aber, dass mein Neffe Daniel, eine Übernachtung bei mir eingeplant hat. Er trägt mir bestimmt die Batterie in die Wohnung, damit ich sie laden kann. Er wollte schon auf der Tour nach Kiel bei mir übernachten, aber da war ich in Schottland, ich freute mich echt darauf. Daniel ist jemand, der mit beiden Beinen im Leben steht, mit ihm habe ich auch schon mehrmals bei Mutter zusammen gearbeitet. Jetzt muss er seine Brötchen in Bayern verdienen, wie es eben so ist mit den Jobs. Er war mit einem Trike unterwegs, ein ›Teil‹ wie man es sich in der Jugend gewünscht hätte, ich war ja auch ein begeisterter Motorradfahrer.
Gerade an dem Tag als er kam, war das Fußballspiel Deutschland – Portugal, er Fan der Deutschen Mannschaft, meine Meinung zu Deutschland, einschließlich Fußballmannschaft ist ja bekannt. Wie haben es uns gemütlich gemacht, paar Bier wurden auch getrunken, aber in die Haare bekamen wir uns natürlich nicht. Am nächsten Tag habe wir noch einen Plan gemacht über den nächsten Arbeitseinsatz bei Mutter und die Batterie eingebaut. Es sprang auch an, ich weiß es ja, nur den stillen Verbraucher zu finden, nicht noch einmal werde ich das Auto deshalb in eine Werkstatt geben, ich bin doch nicht blöd. Vielleicht mache ich mich selbst einmal auf die Suche. Ich bin sofort eine Runde gefahren, wir wollten paar Bilder vom Trike, Daniel und mir machen. Es gab im Rahmen seines Besuches noch eine Überraschung für mich, er brachte zwei Lederjacken von Armani mit, ich sollte ein anprobieren, eine passte auch, man so etwas Feines hab ich ja noch nie besessen. Ja meinte er,„ Wenn sie passt, kannst du sie behalten!“, klar behielt ich sie. Eine etwas leichtere Jacke aus Wildleder. Ich überlege schon lange, ob ich mir nicht noch eine dünnere Jacke zulegen sollte, damit war das geklärt. Es war zwar ein kurzer, aber netter Besuch, einer der wenigen die eine Einladung von mir annehmen.

Ein geiles Teil

Am Sonnabend war der erste Besuch bei meiner Bekannten geplant, ich fuhr mit dem Auto, weil ich noch paar Blumen kaufen wollte und zwei Souvenirs aus Schottland hatte ich auch dabei. Ihr Hobby, Fingerhüte sammeln, fand ich am Anfang etwas ungewöhnlich, habe noch nie Ausschau danach gehalten. Es gibt tatsächlich welche in den Souvenirläden, also kaufte ich einen auf den Orkneys und einen auf der Isle of Skye.
Es gab viel zu erzählen und ich installierte ihr ein Antivirenprogramm. Es wurde ein Entschluss gefasst, wir wollen im September gemeinsam nach London fliegen. Sie ist genau so ein Fan von England und Schottland, wie ich. Ich glaube aber, sie hat schon mehr von den Ländern gesehen, als ich. Scheinbar ist ihr Englisch auch viel besser als meins. Ich bin gespannt was der lange Schwede dazu sagen wird.
Es war ein schöner Tag gewesen und es wurde noch besser, am nächsten Tag brachte sie mir den Rest vom Mittagessen vorbei. Einen Schlüssel hat sie ja, deshalb stand sie auch schon vor der Wohnungstür, wenn ich nicht da gewesen wäre, hätte sie das Essen in den Kühlschrank gestellt. Was gibt es doch für nette Menschen.
Ich hatte mir vorgenommen, dass wir die Buchungen für London gemeinsam machen wollen, nach meinem Zahlendreher bei der Buchung der Schottlandreise und die 25 Euro zusätzlich Gebühr, denke ich vier Auge sehen mehr als zwei. Gesagt getan, Flug, easyBus, Hotel, alles an einem Tag gebucht und kein Zahlendreher dabei.
Klar ist es der Billigflieger, aber ich sehe dabei kein Problem, das gebetsmühlenartige Geseire der ›Stiftungsmenschen‹ über versteckte Kosten und schlechten Service kann ich schon nicht mehr hören.
Das Auto muss immer mal wieder bewegt werden, obwohl bei den Benzinpreisen mehr als Luxus, trotzdem beschloss ich zum Labor im Sterndamm zu fahren und wollte auf dem Rückweg noch beim Grundsicherungsamt vorbei, um die Beitragserhöhung abzugeben. Zum Glück steckte der neue Beitragsbescheid von der Krankenkasse schon im Briefkasten, so dass ich das auch mit klären konnte, 2 Cent muss ich weniger bezahlen, aber die Pflegeversicherung erhöht sich um zwei Euro. Hier muss ich mir keine Sorgen über die Bezahlung machen, das muss das Amt übernehmen.
Im Labor wurde mir das Blut abgezapft, Vene wurde sofort gefunden und die Angabe der Unterlagen stelle auch kein Problem dar. Ein junger Mitarbeiter war scheinbar mit einer Beantragung beschäftigt, sagte aber, „Herein“ und fragte mich was ich will, ich brachte mein Anliegen vor. Er musste aber vom neuen Beitragsbescheid eine Kopie machen. Ich sollte draußen Platz nehmen. Es dauerte wirklich nur eine Minute, er kam mit der Dame heraus, machte die eine Kopie, nahm mir die Unterlagen ab. Danach ging er mit der Dame wieder ins Zimmer, so eine prompte Abfertigung habe ich in den gesamten Jahren noch nie erlebt.
Nun stand in der Woche noch der Besuch beim Augenarzt an, Tagesprofil vom Augeninnendruck, drei Termine am Tag und den nächsten Tag zur Auswertung. Der erste Termin war 8.30 Uhr, also eine noch christliche Zeit, mir der S – Bahn bis Adlershof und dann ein kleiner Fußmarsch, ca. 30 Minuten von Tür zu Tür.
Zuerst stellte ich fest, eine neue Schwester, eine Türkin. Nicole war also nicht mehr da, der Doktor ist ja auch Türke! Meine überweisung hatte ich schon für das Virchow aufgebraucht. Ich wurde auch nach keiner überweisung gefragt, ich wollte mir heute auch noch einen Zahnarzttermin holen. Schwester Leila lief mir über den Weg, später kam auch der Zahnarzt im wahrsten Sinne des Wortes angeschlichen. Ich bat die Schwester um einen Termin, sie fragte mich, ob ich heute noch einmal zum Augenarzt muss, was ich bejahte. Zu meinem Erstaune bekam ich um 11.45 Uhr einen Termin, ob das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, man weiß es nicht genau.
Der Augendruck wurde gemessen und um 11.30 Uhr sollte ich wieder da sein, ich fuhr zurück nach Hause, ich musste doch mein Zahnersatz einsetzte, sonst hätte ich den Zahnarzt bestimmt erzürnt. Die Zeit verging schnell, ich hab bissel Englisch gelernt und dann mein Bonusheft und das Bonusheft der Krankenkasse rausgesucht. Dort bekomme ich am Jahresende 10 Euro zurück, mal sehen ob es stimmt.
Beim Augenarzt die Überraschung, Gesichtsfeldbestimmung, etwas entsetzliches, ich hasse das, die Schwester hätte es mir am Morgen sagen können, denn ich hatte keine Lesebrille mit. Ich sah alles verschwommen und drückte munter darauf los, nicht immer wenn die Punkte grün aufleuchteten. Dann hörte ich Leila sprechen, „Ist der Herr Ullmann schon da?“, ich war abgelenkt und nervös. Leila stand im Türrahmen, ich fragte, ob ich dem Zahnarzt den Feierabend versaue. Der Augeninnendruck wurde noch gemessen und dann ging ich zum Zahnarzt. Ich musste erst einmal meine Unterlagen raussuchen, es hat vielleicht insgesamt 5 Minuten gedauert und ich war wieder draußen. Der Doktor hat nur etwas Zahnstein entfernt, sonst war alles in Ordnung. Ich fragte ihn ob ich in diesem Jahr noch einmal kommen muss, er sagte, „Wenn Sie Lust haben Herr Ullmann, können Sie am Jahresende noch einmal vorbeikommen!“, Mal sehen ob ich Lust habe.
Der letzte Termin war 17.45 Uhr, vorsichtshalber habe ich meine Lesebrille mitgenommen, aber das linke Auge brauchte keine Gesichtsfeldbestimmung machen, die Schwester hat nur den Augeninnendruck gemessen. Als ich fertig war, fragte ich sie, ob der Termin für morgen im Buch steht, der stand im Buch. Sie fragte mich, was ich morgen hier will, na zu Auswertung kommen, war meine Antwort. Die findet doch jetzt gleich statt, damit war ich zufrieden. Der Doktor überprüfte noch einmal die Augen, der Augeninnendruck war in Ordnung, er lag bei 16 mm Hg, der Normbereich liegt zwischen 10 mm Hg und 21 mm Hg, Schwankungen im Tagesverlauf um bis zu 5 mm Hg sind normal. Ältere Menschen haben einen durchschnittlich höheren Augendruck als jüngere. Damit war er zufrieden. Nun fing er in dem dunklen Raum wieder mit der Linse an, „Die muss raus!“ meinte er. Natürlich habe ich ihm nicht gesagt, dass ich zwischendurch im Virchow Klinikum war und der Professor dort eine ganz andere Meinung hat. Ich weiß gar nicht, ob er in meinen Krankenunterlagen, bei der Dunkelheit etwas erkennen konnte. Ich soll im Herbst wieder kommen, dann will er die Überweisung machen. Vielleicht bekommt er ja Provision wenn er die Patienten in die Klinik schickt. Wenn ich keine extremen Beschwerden habe, lasse ich nichts machen und wenn gehe ich ins Virchow Klinikum. Vielleicht war es doch der letzte Besuch bei ihm.
Alles in Allem hat sich der Tag gelohnt, Zahnarzt abgeharkt, Augeninnendruck im Normbereich und ein Termin am Freitag eingespart.
Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich am Freitag trotzdem mit einem Arzt konfrontiert werde. Gegen 13.00 Uhr klingelte das Telefon, „Herr Ullmann, hier ist ....“. Ich musste überlegen, die Stimme war mir nicht fremd. Es war meine Diabetologin, sie hat sich gerade meine Blutwerte angesehen und festgestellt, dass meine Schilddrüsenwert TSH viel zu hoch ist. Der Normbereich liegt zwischen 0,270 bis 4.000 mU/l und meiner war über 10,000 mU/l, ich muss sofort die Dosis erhöhen von 125 mg L – Thyroxin auf 200 mg, wie kommt denn das zustande. Der letzte Laborwert im Mai war bei 1.370 mU/l. Sie hatte auch keine Erklärung, da reise ich in der Welt herum und bin ›todsterbenskrank‹ . Ich sagte ihr, dass ich in der kommen Woche beim Hausarzt bin und das Problem besprechen werde. Ich bedankte mich für die Information, sie klang im Telefon richtig besorgt, ist eh eine Ärztin die ich sehr schätze. Ich habe gleich noch den Rest L – Thyroxin aufgefüllt, ob es heute noch etwas nützt, egal.
Hoffentlich tut sich da nicht wieder etwas auf, auch wenn ich nachdenke, gesundheitlich Probleme konnte ich nicht erkennen, Durchfall, aber das ist bei mir nicht ungewöhnlich.
Nun ist doch noch ein Wunsch von mir in Erfüllung gegangen, Deutschland ist kein Europameister geworden, nach dem schlechten Spiel verdient, wie ich meine. Trotzdem die ›Wade der Nation‹ mitgespielt hat, endlich sind die Fahnen wieder von den Straßen weg, vielleicht wachen die Deutschen nun auf. Warum uns Deutsche im Ausland keiner leiden kann, wurde schon beim Empfang der Mannschaft deutlich, unsere ›Großmannssucht‹ macht vor keinem Land halt. Da schämt man sich manchmal Deutscher zu sein. Ich musste es so nehmen wie es ist, die nichtvorhandene Schilddrüse macht Probleme, mal sehen was der Doktor sagt.
Am Sonnabend traf ich mich aber erst einmal mit meiner Bekannten, einen besseren Platz wie die Weltzeituhr am Alex gibt es wohl kaum. Wer hat sich nicht schon an diesem historischen Platz getroffen und das gute daran, die Uhr ist nicht einmal asbestverseucht, deshalb fand man auch keinen Grund sie abzureißen, wie andere Bauwerke. Da meine Bekannte die ALEXA nicht kannte gingen wir zuerst dahin, es war sowieso Shoppingwetter, Regen oder nicht weit entfernt davon. Am späten Vormittag war vorerst wenig Betrieb, ein guter Zeitpunkt um sie näher kennenzulernen, ich meine die Alexa. Bei ESPRIT gab es leicht gestreifte Hemden, nun hatte ich endlich mal eine Frau an meiner Seite, die mir sagen kann, ›Passt oder Passt nicht‹ bzw. ›Sieht gut aus oder bescheuert‹ .Es entspricht natürlich nicht der Wahrheit, nur deshalb treffen wir uns nicht. Mit dem Hemd bei ESPRIT, trotz weiblicher Begleitung, tat sich nichts, gefallen hat es mir schon, aber meine ungeheuere Entschlussfreundlichkeit brachte mich nicht zum Kauf. Ich ließ mir das Teil zumindest zurückhängen. Ich denke schon, dass ihr die ALEXA auch gefallen hat, es dauerte jedenfalls eine ganze Weile bis wir durch waren.
Danach wollten wir auf die Fan – Meile, sind wir auch, aber weder habe ich meinen Kumpel Ekki, den Bierstandpächter von der WM, getroffen, noch war wirklich Stimmung hier, zumal es auch immer wieder regnete. Oder lag es daran, dass kein wohlschmeckendes Bier gab, unverständlich auf der Meile, dänisches Bier, nee, wo sind da die Berliner nur. Trotzdem war es ein schöner Tag, bis jetzt läuft alles sehr unkompliziert ab, ich meine mit meiner Bekannten.
Montag beim Hausarzt, als ich ihm den Laborbefund reichte und erzählte, dass ich jetzt 200 mg L – Thyroxin einnehme, war er schon etwas angefressen. Als ich noch sagte, „Wenn ich Dich brauche bist Du nicht da“, bekam ich zur Antwort, „Es gäbe ja den Kassenärztlichen Bereitschafstdienst“ wusste ich, wie weit ich gehen kann. Er war aber mit seinen Ausführungen noch nicht zu Ende, er hätte mehrere solche Patienten, die ihm das vorwerfen. Er will nun auch für seinen Urlaub Zustimmungszettel auslegen, dann sollen die Patienten entscheiden, wann er gehen darf, das sagte mein Doktor, mit etwas Augenzwinkern zwar, aber irgendwie passte es ihm nicht.
Er erklärte mir auch, warum der Wert so hoch ist, begriffen habe ich es nicht, jedenfalls meinte er, dass wir die Dosis wieder auf 125 mg L – Thyroxin absenken. Blut zur Bestimmung der drei Schilddrüsenwerte nahm er mir auch ab. Das war es zum Thema, ich sollte anrufen, um den Befund zu erfahren. Daraus lässt sich auch schließen, dass er die Werte nicht kontrolliert, bzw. vorgelegt bekommt, da geht es in der diabetologischen Praxis im Sterndamm anders zu.
Ehrlich gesagt, so richtig zufrieden war ich mit dem Arztbesuch nicht, eigentlich zu ersten Mal.
Bevor ich zur Tante ging und Gänseschmalz im Tausch gegen Kaffee vorbeibrachte, ok ich würde auch so hin gehen, ohne Tauschgeschäft. Kaufte ich bei ESPRIT das Hemd, nun hatte ich mich nach 4 Tagen doch entschieden, wenn es nicht mehr da gewesen wäre, hätte ich das Geld gespart. Die 30 Grad gab es gratis dazu.
Mit meiner Tante verstehe mich ja ganz gut, nur die Anrufe, nerven manchmal, besonders ihr Aktivitäten wenn ich nicht da bin. Muss ich mich als fast 60 jähriger Mensch noch abmelden, wenn es einmal später wird, nein muss ich nicht. Das fange ich gar nicht erst an, ich weiß ja, sie meint es gut.
Die Zeit zwischen den Wochenenden ist gegenwärtig geprägt, von intensiver Schreibarbeit, die Schottlandreise muss aufgearbeitet werden, gar nicht so einfach, ich werde immer wieder im Gedanken in das Land geworfen. Wobei ich glaube, ich schreibe zu viel denn es gibt auf dem Laptop schon Tasten ohne Buchstaben, abgearbeitet.
Am Wochenende fand unser Flugsimulantenstammtisch statt, dieses Mal waren nicht so viele anwesend, der harte Kern ist natürlich immer da, zu dem ich auch zähle. Anschließend sind wir zu viert zur Einweihung der Amerikanischen Botschaft am Brandenburger Tor gefahren. Mich hat es nicht wirklich interessiert, aber man muss auch manchmal über seinen Schatten springen. Das Volksfest gab nicht viel Amerikanisches her, deutsches Bier, Bratwurst, paar Informationsstände, in die Botschaft ist man eh nicht reingekommen.
Sonntag traf ich mich mit meiner Bekannten zum 9. Köpenicker Altstadtfest, unter dem Titel Jazz in Town, die gesamte Köpenicker Altstadt im Zeichen des Jazz. Auf 4 Bühnen bot die Berliner Szene nonstop Jazz, Blues, Boogie und Dixieland rund ums Rathaus. Außerdem gab es Kunst und Kunstwerk, Trödel und Antiquitäten, eine kulinarische Schlemmermeile mit internationalen Angeboten und jede Menge Glasbiergeschäfte. Einiges stimme, wie im Prospekt angegeben. Aus der Kritik hat das Bezirksamt allerdings nicht gelernt, mehr einheimisches zu zeigen. Die Ausländer mit ihren Gürtel – und Taschenständen waren immer noch da.
Mich hat es gefreut, ich konnte endlich eine Tasche für die Kamera kaufen, so dass ich nicht immer mit dem Rucksack laufen muss. Genau so wie ich sie mir vorgestellt habe, die wird im Trolley als Kulturtasche mit den Körperpflegeprodukten genutzt und außerhalb als Fototaschen, mir viel Staumöglichkeiten.
Besonders hat mir die Uferpromenade am Luisenhain gefallen, sehr schön hergerichtet, schon ein Kleinod in Köpenick. Da wir beide im selben Stadtbezirk leben freut man sich über solche Anlagen.
Nach einem entspannten Spaziergang über die Schlossinsel, welch eine Schande, ich bin hier das erste Mal spazieren gegangen. Vieles sah sehr gepflegt aus, aber nicht alles, an diesem Tag war es ziemlich schwül, deshalb beschlossen wir den Tag bei einem kühlen Kirschbier ausklingen zu lassen.
Der nächste Event wurde dabei vorgeplant, der gemeinsame Besuch des Cöpenicker Whisky Herbst 2008 am 06. September in der Freiheit Nr. 15.
Am Montag rief ich den Doktor an, ja der TS4 Wert war zu hoch, allerdings gemessen bei Einnahme von 200 mg L – Thyroxin, es ließ darauf schließen, dass es tatsächlich zu viel war, nun sollte ich vor dem nächsten Termin, noch einmal zum Blut abnehmen kommen. Er meinte noch es könnte vermehrt zu Schweißausbrüchen und Herzrasen kommen, hatte er schon wieder vergessen, dass ich jetzt weiniger einnehme. Jetzt, wo er es gesagt hat, bekam ich tatsächlich Schweißausbrüche, man muss nur daran glauben oder war es die Witterung. Insgesamt bin ich verunsichert.
Meiner Fußpflegerin musste ich natürlich alles erzählen, was ich in Schottland erlebt habe. Sie freut sich ungemein, einen Menschen vor sich zu haben, der Schottland ins Herz geschlossen hat. Sie will, mit ihrem Mann im September nach Schottland fliegen. Das was ich alles gesehen habe, hat sie bei weitem nicht erlebt. Sie wollen eventuell auch auf die Orkneys fahren, da ist mein Rat gefragt, kurios, eine Schottin fragt mich, wie das am Besten zu organisieren ist. Beim nächsten Termin werde ich ihr paar Internetadressen aufschreiben, vielleicht, wenn sie schon fertig sind auch meine Reiseerlebnisse.
Alle 8 Wochen muss ich zur Infusion in die Charité, mal sehen was der Arzt zu dem Schilddrüsenwerten sagt. Die Charité zählt zu den größten Universitätskliniken in Europa. Hier forschen, heilen und lehren Ärzte und Wissenschaftler auf Spitzenniveau, so steht es geschrieben. Der Campus verteilt sich auf vier Standorte, Campus Benjamin Franklin (CBF), Campus Berlin Buch (CBB), Charité Campus Mitte (CCM) und Charité Campus Virchow (CCV) zu denen über 100 Kliniken und Institute gebündelt in 17 Charité Centren, gehören.
Weil ich gerade vom Schweißausbruch geschrieben habe, heute Morgen gab es gleich einen bei mir, als ich die Überweisung einstecken wollte, bemerkte ich, dass die für die Rheumatologie fehlte, dafür hatte ich eine für den Augenarzt, wenn man nicht alles kontrolliert. Da geht der Tag gleich richtig los, ich fuhr eine Bahn eher, obwohl ich mir sicher war, dass es keine Probleme geben wird. Probleme bekam ich nur mit dem Darm, so ist er nun einmal, auf solche Sachen, reagiert er auch gleich sauer. Wir immer lief ich das Stück vom Hauptbahnhof über die Invalidenstraße, durch die Strahlenklinik. Die Erinnerungen sind immer präsent, das ist auch gut so, damit ich weiß, was ich geschafft habe. Es ist auf den Tag genau 8 Jahre her, dass mein zweites Leben begann, natürlich auch geprägt von Höhen und Tiefen in jeder Hinsicht. Aber für einen 8 jährigen habe ich doch schon eine Menge erlebt.
In der zentralen Anmeldung gab es wegen der Überweisung keine Probleme, ich sollte das auf der Rheumatologie klären. Heute saßen wieder viele Leute hier und warteten, die Überweisung kann ich nachreichen, sagte mir Beate von der Anmeldung. Danach musste ich die Befindlichkeitsbögen ausfüllen, heute gewissenhaft, ich war noch gar nicht fertig, da wurde ich schon zum Doktor gerufen. Es war der gewissenhafte vom letzten Mal. Ich gab ihm die Befunde und erklärte die Lage, er war der Meinung, dass ich vermutlich bei 150 mg enden werde. Eine wirklich schlüssige Erklärung hatte er auch nicht auf Lager, nun bleibt meine letzte vertrauensvolle Hoffnung meine Diabetologin. Dann erfolgte die Untersuchung, in deren Ergebnis er die Infusion genehmigte.
Schwester Kerstin hatte mich schon im Warteraum freudestrahlend erblickt und meinte, „Carola ist heute da!“ Es klappte mit der Nadel fast problemlos, Blut wurde auch noch abgenommen, danach holte ich mir den Kaffee und paar Kekse. Als ich auf dem Rückweg Kerstin mit meinem Infusionsgestell begegnete, sagte sie, „Hätten Sie doch etwas gesagt Herr Ullmann, ich hätte Ihnen doch den Kaffee gebracht!“ Ich bedankte mich trotzdem, meinte aber, „Sie haben doch bestimmt anderes zu tun!“ Ich fand es aber sehr nett von ihr.
Während der Infusion, lernte ich für das Sprachzertifikat, so dass die Zeit schnell verging. Kerstin entfernte die Nadel und brabbelte etwas vor sich hin, das wir fluchen klang. Kerstin muss man erst kennen lernen, sonst denkt man sie ist unfreundlich und barsch. Danach schätzt man sie, auch ihr verschmitztes Lächeln. Ich sagte ihr, „In 8 Wochen bin ich wieder da!“ sie meinte, „Ich auch!“ Ich verabschiede mich artig und nahm meine Krankenakte mit in die Anmeldung, selbige hat schon eine gewaltige Stärke angenommen.
Im Warteraum saßen immer noch Leute, die schon 10.00 Uhr dort saßen, jetzt war es zwölf. Auch vor der Anmeldung standen entnervt noch welche, ich war heute der Einzige zur Infusion, die Palmenecke verweist.
Beate nahm mir die Akte ab, ich sollte mich noch einmal kurz hinsetzten, Kerstin bog um die Ecke und sah mich noch hier sitzen, worauf sie zu mir sagte, „Nanu Herr Ullmann, sind die 8 Wochen schon wieder um!“ Sie wollte mir den Termin vergeben, aber da meine Akte schon in der Anmeldung war ging es nicht, wieder so eine Geste, die mich in meinem Auftreten bestärkt. In der Anmeldung bekam ich den Termin, wegen der Überweisung fragte ich noch einmal nach, es reicht zu wenn ich diese in 8 Wochen mitbringe.
Eines Abends bekam ich einen Anruf von meiner Schulfreundin, sie geniest nun ihr vorzeitiges Rentnerdasein, ich hoffe sie kommt damit klar. Das war aber nicht der Grund ihres Anrufes, es stand wieder ein Klassentreffen an, aber nicht von der Schule auf dem Sonnenstein, sondern von der Schillerschule in Pirna. Ihr Problem war, ob ich eine Einladung bekommen habe und ob ich komme, zum besseren Verständnis muss ich etwas weiter ausholen.
Nach Beendigung der 8. Klassen in der Polytechnischen Oberschule in Pirna Sonnenstein wurden alle Schüler, die bis zur 10. Klassen weitergehend wollten (mussten) auf zwei Klassen aufgeteilt, weil hier keine Möglichkeit war weiter zu unterrichten. Die Schule, Schiller Oberschule, befand sich direkt in Pirna. Dort verteilte man uns wahllos auf die zwei 9. Klassen, d.h. vor allem Freundschaften wurden einfach ignoriert. Schon das hat uns damals nicht wirklich erfreut, aber wie so oft, wir waren machtlos. Die Kinder vom Sonnenstein waren in den alteingesessen Klassen in der Minderheit und da wir nur zwei Jahre dort gemeinsam unterrichtet wurden, hat sich einfach nicht so eine Bindung entwickelt, wie in der Schule auf dem Sonnenstein. Bei mir kommt noch dazu, dass ich noch nie zu einem Klassentreffen eingeladen war, warum auch immer. Mein echten Kumpel Sepp war auch noch nie da, vielleicht hätte ich da zugesagt, aber leider haben wir uns schon frühzeitig aus den Augen verloren. Ich hatte auch zum Zeitpunkt des Anrufes noch keine Einladung bekommen, denn meine Adresse hat meine Schulfreundin beim letzten Klassentreffen hinterlassen. Ich war mir nicht sicher, ob ich teilnehmen will. Der Zeitpunkt, im Oktober schien mir auch nicht wirklich gut gewählt und das Treffen sollte in der „Alten Säge“ im Dorf Wehlen, stattfinden, dort wo 2004 unser Klassentreffen war. Meine Schulfreundin räumte mir auch ein, bei ihr zu übernachte, damit wäre der Transport für sie auch geklärt, denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man dort kaum hin.
Ich bekam tatsächlich eine Einladung, ziemlich unpersönlich wie ich fand, also beschloss ich abzusagen, zumal im Oktober wieder ganzen Krebsnachsorgesorgetermine anstanden.
Meiner Schulfreundin hat das nicht gerade zu Freundessprüngen animiert, ich habe einfach keine Lust mich nach so vielen Jahren mit den unbekannten Gesichtern auseinanderzusetzen, zumal 2009 unser Klassentreffen wieder stattfindet.
Meine Bekannte hat mich eingeladen in das Stadttheater Cöpenick – dem Theater aus Tradition seit 1889. Im Sommertheater am Müggelsee wurde „Das Wirtshaus im Spessart“ gezeigt. Ich ließ mich überraschen, es war tatsächlich, wie im Programm angekündigt, Sommertheaterspaß garantiert. Eine komische und abenteuerliche Geschichte an den Gestaden der Berliner Müggelspree auf der Terrasse der Berliner Bürgerbräu Brauerei, lädt zur Sommerzeit das Publikum ein, sich an die berühmte Verfilmung mit Liselotte Pulver Anfang der 60er Jahre genauso wie an originale Märchen von Wilhelm Hauff zu erinnern! Und das „Stadttheater Cöpenick“ hat mit einer eigenen Fassung noch paar zusätzliche Überraschungen parat.
Der Goldschmied Felix und sein Freund der Schornsteinfeger, gruseln sich furchtbar. Unheimlich heulen die Winde und irgendwo schleichen Räuber herum. Endlich ein Lichtblick – ein Wirtshaus. Dort sehen ein gespenstischer Wirt und seine alte Mutter auf jeden Kreuzer und verkaufen Katzte als Rehragout. Nun treffen die nächsten Reisenden ein. Und zuletzt gar eine Gräfin mit Anstandsdame und Zofe. Als es Mitternacht schlägt, taucht die Räuberbande auf, nimmt die Gräfin gefangen und fordert für ihre Freilassung ein hohes Lösegeld. Was tun? Doch Goldschmied Felix hat die rettende Idee….
Unglaublich wie 18 Künstler in kaum vorhandener Kulisse für Unterhaltung sorgen können. Im Theater waren vielleicht 30 Zuschauer die alle sichtlich Spaß hatten, gesessen wurde auf Bänken und an Tischen wie im Bierzelt. Zu trinken und zu essen gab es auch, aber nur vor der Vorstellung und in der Pause. Der Tresen wurde mit einbezogen als Kulisse, denn dort hat der Wirt das Rehragout zubereitet. Es war einfach ein Erlebnis gewesen, dabei lernte ich auch einen Teil von ihrer Familie kennen. Die Einladung wurde von meiner Bekannten noch auf ein Essen beim Italiener in Kaulsdorf erweitert, man geht es mir gut.
Ein Ereignis der besonderen Art stand am Wochenanfang an, über meinen Kumpel vom Schwedenklub bekam ich eine Einladung zu den Dreharbeiten des schwedischen Film „Take my hand – hold my foot“.
Wir sollten am Montag um 7.00 Uhr im Schwimmstadion des Olympiastadion sein. Das war eine sehr unchristliche Zeit, um 6.00 Uhr wollten wir uns am U – Bahnhof Mendelssohn – Bartholdy – Park treffen, das hieß für mich 5.00 Uhr mit der S – Bahn losfahren. Ich weiß gar nicht, wenn ich das letzte Mal so zeitig aufgestanden bin. Was uns erwartete, wussten wir beide nicht, nur dass wir ein Überraschungsgeschenk bekommen sollten.
Vorpünktlich waren wir am Olympiastadion, konnte sogar noch auf einer Bank vor dem Station quatschen, es gibt immer viel zu erzählen zwischen uns. Als wir am Set erscheinen, wusste keiner, mit uns etwas anzufangen. Auf der Liste der Komparsen standen wir nicht drauf. Egal wir durften rein, zum Glück haben wir gleich am Eingang noch eine belegtes Brötchen gegessen, für mich die letzte Mahlzeit am Set. Es ging ziemlich locker zu, der Regisseur kam und erklärte, auf Englisch, was zu machen ist.
Hanna der Komparsencoach sagte mir, sie habe uns mit als Zuschauer eingeteilt. Am Anfang war es noch harmlos, es ging um den Einlass zum Schwimmstadion, immer wieder zum Kartenabreißer gehen. Ich fragte Hanna, wie man Komparse werden kann, sie wollte mir etwas zuschicken.
Im Stadion selbst wurde es sehr stressig, immer wieder die Plätze wechseln, von Oben nach Unter, von Rechts nach Links, Sachen tauschen, das zog sich bis 15.00 Uhr hin. Zu essen gab es so gut wie nichts und wenn dann nur auf die Schelle, etwas mit Chili und noch etwas drin, nichts für mich.
Vielleicht bekommen wir ja auch Gage, aber unser Geschenk bekamen wir vom Regisseur, drei DVD’s mit einem Schwedischen Film. Ich noch zusätzlich einen tierischen Sonnenbrand im Gesicht, es schien fast die ganze Zeit die Sonne und das Wasser tat sein übliches. Zum Glück hatte ich die Mütze mit und setzte sie später auf. Nachdem wir die Zuschauerränge im Schwimmstadion verlassen hatten, waren die Sitzbänke sauber, der Dreck an unseren Hosen.
Hanna hat mir tatsächlich einen Vertrag zugeschickt, mal sehen was daraus wird, abgeschickt ist er schon. Ich muss ja langsam an mein Rentnerdasein danken. Mit meinem Kumpel haben wir zum Ausklang des Tages in Schöneberg am Nollendorfplatz zwei Bier getrunken. Ob sich der Tag gelohnt hat, wollte sich uns nicht wirklich in den Kopf.
Danach ging es auf getrennten Wegen nach Hause, ich kaufte unterwegs noch Essen und Trinken, das Mahl zum Abendbrot fiel etwas üppiger aus, ein, zwei, drei Gläser Wein leistete ich mir auch noch.
Ich war gespannt was meine Diabetologin zum Problem Schilddrüse sagen wird, denn sie hatte es ja ausgelöst. Ehrlich gesagt, so richtig konnte mir bisher kein Arzt das Problem verständlich erklären. Die Zusammenhänge zwischen den drei Werten, der nichtvorhanden Schilddrüse und dem Medikament, ich verstehe es einfach nicht. Zumindest war der Zuckerwert in Ordnung und meine Diabetologin beruhigte mich auch hinsichtlich der Werte. Ich weiß schon was ich eventuell machen lasse, ein Szintigramm, aber nicht jetzt.
Für das folgende Wochenende hat meine Bekannte zwei Karten gewonnen. Das Open Air Konzert in der Wuhlheide, organisiert vom Berliner Rundfunk hatte einige Highlights zu bieten;
Bony Tyler,
Shaky Stevens,
Middle of the Road,
Goombay Dance Band und
die Münchener Freiheit.
Wir freuten uns beide darauf, ich muss sehr weit in die Vergangenheit zurückblicken um zu erkennen, wenn ich das letzte Mal auf einem solchen Konzert war, die Erinnerungen sind sehr blass.
Da ich mit dem Auto fahren wollte, ja mein Auto lebt noch und springt sogar an, wollten wir rechtzeitig da sein um einen passablen Parkplatz zu bekommen. Einlass war 15.00 Uhr und Beginn 18.00 Uhr. Ich holte sie, um die Mittagszeit, an der Fähre ab, das ist eine günstige Möglichkeit, von mir bis zum Fähranleger in Grünau sind es 10 Minuten mit dem Auto. Danach fuhren wir in meine Wohnung, ich wollte Reibekuchen machen, den Teig gab es bei PLUS um 30% billiger. Ob das so heißt, weiß ich nicht so genau, ich hatte jedenfalls darauf Appetit, hoffentlich muss ich nun bei Muttern nicht immer »Klitscher« essen, wie das Essen in meiner Heimat Bautzen heißt.
Ehrlich gesagt, so schlecht hat es gar nicht geschmeckt, meinte auch meine Bekannte, dazu gab es Apfel – Brombeer – Mus, meine Spezialmischung, dem Einen schmeckt es, dem Anderen nicht, hergestellt im letzten Jahr. Manche essen auch nicht gern meine Bratkartoffel mit Brombeeren, nicht wahr Mutter und Sonja!
Um 14.00 Uhr fuhren wir los, bekamen einen sehr guten Parkplatz, fast am Eingang zur Wuhlheide, in der Parkstraße. Wir waren nicht die Einzigen, die schon zum Konzert wollten. Vom Eingang ist es noch einige Minuten bis zur Bühne. Ich hatte den Schirm und auch meine ESPRIT Jacke mit, denn das Wetter verhielt sich eigenartig, es könnte regnen oder nicht.
Hier in der Waldbühne war ich zwar schon einmal, aber es ist sehr lange her und nicht zum Konzert. Nachdem wir die Sicherheitskontrolle hinter uns hatten, suchten wir uns einen Platz, die Auswahl war ja noch groß. Im mittleren Bereich erschien es uns am Besten. Man konnte die Bereiche nicht von allen Wegen erreichen, aber wir fanden natürlich den rechten Weg. Die Kindl – Bühne in der Wuhlheide fasst ca. 17.000 Zuschauer, wir glaubten beide nicht daran, dass die voll wird. Animation bis zum Abwinken, zum Ende hat es einem regelrecht angekotzt. Wir konnten nicht wirklich begreifen, warum das so aufdringlich gemacht wurde, waren nicht alle Künstler da oder fehlten welche.
Pünktlich zum Beginn kam der erste kräftige Regenschauer und wir staunten, die gesamte Kindl – Bühne war gefüllt, vielleicht sogar überfüllet, denn viele Menschen standen auf den Gängen und Wegen. So wechselte sich das Programm ab mit Künstlern, Regenschauern, Animateuren und kleinen Spielchen ab. Bei den Animationsversuchen wurde im Verlaufe der Veranstaltung sogar gepfiffen. Zum Schluss trat Bony Tyler, mit ihren bekannten und auch weniger bekannten Hits, auf. Da hatte der Himmel kein erbarmen mehr, immer mehr Leute verließen die Kindelbühne, damit wir nicht die letzten waren, gingen wir auch. Bony hat es nicht interessiert, sie sang unvermittelt weiter, 23.00 Uhr war die Veranstaltung zu Ende. Doch es war ein Erlebnis, für das Wetter kann ja keiner etwas und mit dem Auto waren wir schnell zu Hause. Da taucht gleich Problem wieder auf, was mache ich am Jahresende mit dem Auto, eine schwere Entscheidung.
Seit meiner Rückkehr aus Schottland bin ich damit beschäftigt die Erinnerungen in den PC zu bringen, es geht ganz gut vorwärts und ich erlebe die Reise noch einmal, vielleicht noch intensiver, da ich mich mit dem gesehenen und erlebten in aller Ruhe beschäftigen kann. Irgendwann will ich die Bilder ja auch einmal auf die Homepage stellen und ein Fotobuch soll ebenfalls entstehen, dafür habe ich einen Gutscheincode, der bis Oktober Gültigkeit hat.
Um es deutlich zu sagen, ich habe Arbeit, ok damit verdiene ich zwar nichts, vielleicht mal eine Anerkennung, aber die Arbeit erspart mir das Nachdenken über viele Probleme. Wenn ich die »ALLES IST GUT« Kanzlerin reden höre, vergeht es mir sowieso, wie sie über die Problem im Lande informiert ist, hat sich doch vor kurzem ganz deutlich gezeigt. Ihr Interview in einer großen deutschen Zeitung zu den steigenden Strompreisen, als sie sagte, das die Hartz IV Empfänger den Strom bezahlt bekommen.
Es dauerte ja eine ganze Weile bis diese Aussage von einem ihrer Sprecher revidiert wurde. Da zeigt sich die Volksnähe doch ganz deutlich, keine Ahnung vom wirklichen Leben und von den Hartz IV – Leuten schon gar nicht, es ist eben alles gut in Deutschland.
Damit Anfang August die aktuelle Schilddrüsenwerte zur Verfügung stehen und ich die Überweisung für die Rheumatologie Charité noch brauchte, bin ich zum Doktor nach Hellersdorf gefahren. Erst habe ich mir die Überweisung ausstellen lassen, aber wer den Fehler gemacht hat lies ich offen. Wegen der Blutabnahme hob die Schwester gleich die Hände, das Blut wäre gerade abgeholt worden. Ich weiß, dass sie das nicht gerne machen, aber ich setzte mich durch. Der Doktor saß im Zimmer und hatte die Tür auf, sah mich und grinste. Vor dem Labor trafen wir uns dann kurz, ich wartet auf die Schwester und er ging auf die Privattoilette eine Rauchen. Meine Kritik musste er sich schon anhören, denn direkt an der Toilettentür war ein Plakat angebracht, der zum Aufhören mit dem Rauchen aufrief. Vielleicht braucht es das auch!
Am letzten Juli Wochenende wurde alle Aktivitäten abgesagt, d.h. alle im Freien und ich konnte die Schottlanderlebnisse auf meine Homepage stellen. Wieder etwas geschafft, jetzt konnte ich so langsam an die Neugestaltung der Website gehen, dazu will ich Adobe Dreamweaver CS3 verwenden. Ein anspruchsvolles Programm, aber wenn man es verinnerlicht hat, besser wie Adobes GoLive CS2. Mein Ziel ist das Jahresende, ich meine 2008, mein personifiziertes Geschenk zum 60. Geburtstag.
Trotz der Wärme musste ich am Wochenanfang wieder einmal zum Grundsicherungsamt, es gab zwei Probleme, zum einen, ich brauchte den Stempel auf dem Antrag vom Versorgungsamt, für die Übersendung eines Beiblattes zum Schwerbehindertenausweis mit unentgeltlicher Wertmarke für die Freifahrt, so heißt das Ungetüm. Zum anderen habe ich noch keinen neuen Bescheid bekommen, indem die Erhöhung der Krankenversicherung ausgewiesen ist. Da ich schon einmal kurz vor dem Rausschmiss aus der Krankenkasse stand, wollte ich noch einmal nachfragen.
Ich habe letztendlich eine reichliche Stunde zugebracht, die Tür zur Erstberatungsstelle stand offen, zwei Frauen saßen schon da, 9.00 Uhr eine Stunde war schon offen. Eine Stimme aus dem Raum, deutete einer wartenden Frau an, dass es noch dauert. Ich hörte deutlich, dass sich unterhalten wurde und zwar über das Wochenende, es erfolgte die Auswertung. Als sie fertigt waren, verließ eine Dame den Raum und sagt; „Du hier draußen sitzen welche!“ ,einer von den WELCHEN war ich. Mittlerweile waren es schon paar mehr Leute geworden. Die Frau die vor mir an der Reihe war, schien größere Probleme zu haben. Es dauerte ewig und die Tür wurde zwischenzeitlich zugemacht. Als sie wieder auf ging, waren die beiden immer noch nicht fertig. Ich hörte wie sie Hilfe anforderte. Von der Aushilfe, so betitelte sich der junge Mann selbst, wurden erst einmal die drangenommen, die nur etwas abzugeben hatten. Da ich mehr wollte und er nicht an den PC kam musste ich weiter warten. Dann kam er wieder zu mir und fragte nach meinem Namen, ich war nicht im Computer. Ich sagte ihm; „Nehmen Sie doch den Antrag mit, da steht doch mein Name drauf!“ nun fand er mich auch und ich bekam ihn mit der entsprechenden Bestätigung. Da er den Antrag noch kopieren musste, konnte ich mein zweites Problem vorbringen, ihm habe ich nämlich die Schreiben von der Krankenkasse vor einem Monat abgegeben. Er meinte, dass es so lange dauern kann, er nahm die Schreiben aber entgegen und wollte sie noch einmal weiterreichen und die neuen Beitragssätze rot anstreichen. Warum muss man eigentlich immer für die Behörden mitdenken, so bleibt das Leben zumindest spannend.
Wenn es über 30 Grad warm ist, verläuft das tägliche Leben auch bei mir „Schaumgebremst“ ab, aber trotzdem gibt es immer etwas zu machen. Da müssen die Computerbildzeitungen vom letzten Jahr archiviert werden, d.h. es wird nur das aufgehoben, was mir nützlich erscheint, da bleibt höchstens ¼ vom Heft übrig. Das Archiv hat mir und schon vielen anderen geholfen.
Die Auswirkungen der Hitze auf den Körper sind nicht so gewaltig, trotzdem habe ich den Eindruck, dass mein Auge die heißen Temperaturen nicht wirklich mag, es macht sich schon wieder das Gefühl einer Iridocyclitis breit. Ein weiteres Problem, was im Zusammenhang mit der Schilddrüsenoperation bemerkbar macht, ich habe das Gefühl, als ob ich eine Schlinge um den Hals trage, so als ob der „Galgen“ wartet. Das muss ich dem Doktor beim nächsten Besuch unbedingt sagen, ich kann in dieser Richtung überhaupt nichts brauchen. Ich stecke nämlich mitten in den Vorbereitungen zur Brüsselreise, zuvor wollte ich noch einmal nach Bautzen, zur Mutter und zum Geburtstag meiner Schwester, fahren.
Der Termin beim Doktor sollte Klarheit über die Schilddrüsenwerte bringen, sie waren vollkommen in Ordnung ohne Erhöhung der Dosierung. Ich war froh darüber, er auch und vor Schreck vergaß ich ihm die Missempfindungen am Hals zu schildern, ich war sowie so im Stress, denn es sollte heute noch nach Bautzen gehen. Ich ließ mir noch einen neuen Termin geben, danach fuhr ich nach Hause, nach 30 Minuten befand ich mich schon auf der Autobahn. Dazu benutzte ich zum ersten Mal die Auffahrt in Schönefeld, gleich neben meiner Wohnung.
Nachdem mein Auto mir zwei Zündaussetzer bescherte, lief es bis nach Bautzen ohne Probleme. Jetzt sind es noch fast 10 Kilometer weniger geworden, zum Kaffee war ich bei Mutter und man höre und staune, Doppelkopfspiel war nicht eingeplant, denn Evelyn musste sich noch kopfmäßig verschönern lassen. Da Mittwoch in der Gartenkneipe immer Schnitzeltag ist, wollten wir uns mit Schwager Roland, Evelyn und Sonja bei „Horstel’s Magda“ treffen.
Eigentlich war am Wochenende ein Arbeitseinsatz geplant, den hatte ich vor längerer Zeit mit meinem Neffen Daniel schon geplant, leider konnte er nicht kommen. Für mich blieben deshalb nur paar kleinere Arbeiten zu machen. Ich darf keine Bäume rausmachen und nicht auf hohe Leitern steigen. Mit der Kettensäge darf ich arbeiten, aber wenn kein Holz da ist, macht es auch keinen Spaß.
Das Schnitzel in der Gartenkneipe schmeckt nicht schlecht und ist für seine Größe billig, Kartoffeln waren out, deshalb nahm ich nur Brot dazu, schade dass das Bier nicht schmeckt. Mutter und ich sind den Weg von Auritz hin und zurück gelaufen, 20 Minuten länger ist er nicht.
Am nächsten Tag war einkaufen angesagt, Wäsche wegbringen, Lotto spielen und am Nachmittag fand dann der Doppelkopf statt. Das Wetter war schön, deshalb konnten wir unter Vaters Nussbaum spielen. Wer verloren hat, war auch klar, Mutter und ich. Ich konnte meine Lästerei natürlich nicht lassen, wegen dem Essengehen vom eingespielten Geld, schon brannte mir der Sturm der Entrüstung entgegen.
Danach saßen wir noch gemütlich beim Abendbrot zusammen, jeder konnte von seinen Urlauberlebnissen berichten. Mutter und Sonja geben von ihrer gemeinsamen mitgebrachten Flasche Obstler aus Südtirol ein oder zwei Gläser aus.
Am Freitag konnten wir, Mutter und ich, eine Trauerfeierlichkeit auf dem Bautzener Friedhof, mit dem Besuch an Vaters Grab verbinden. Ich war aber nicht mit zur Trauerfeier, sondern bin in so einen Billigladen einkaufen gefahren, insbesondere wegen dem Papier für meinen Drucker, es hat zwar die gleichen Parameter wie mein jetziges, aber mir erscheint es dicker und von besserer Qualität. Vor einiger Zeit habe ich mir schon 500 Blatt gekauft und für 3.99 Euro finde ich es OK.
Danach wurde Sonja eingeladen und wir fuhren nach Tschechien, es lohnt sich fast nicht mehr, das Benzin hat nur noch einen Unterschied von 3 bis 5 Cent. Im Shop wird es auch nicht billiger. Zufällig brachten sie im Fernsehen am Abend eine Reportage, dass die Tschechen bei uns einkaufen, weil es billige ist, weil die Krone so günstig gegenüber dem Euro steht. Was billig ist, eine Kugel Eis, davon gab es dann auch für jeden zwei, die Sonja bezahlte. Ich bin der Kraftfahrer und deshalb brauche ich bei den Ausflügen nichts bezahlen.
So verging der Freitag ebenfalls recht entspannt, es war sogar ein schöner Abend, sodass Mutter und ich noch bis spät auf der Terrasse sitzen konnten.
Evelyn hatte am Sonntag Geburtstag und wir verabredeten uns zum Sektfrühstück bei ihr in der Wohnung, ihre Kinder waren ebenfalls anwesend, lange blieben wir nicht, denn auf dem Bautzener Flugplatz in Litten waren Flugtage.

Flugplatzfest in Litten

Zum Abendbrot waren wir alle in der "Goldenen Höhe" in Rabitz eingeladen, eine schöne Gaststätte, vor allem wegen dem guten Bier. Das "Reutnitzer" bekommt man sonst sehr selten ausgeschenkt. So vergingen die Tage in Bautzen schneller als mir lieb war, Mutter zeigte sich noch, wie jedes Jahr spendabel und gab uns Kinder jeden einen nicht geringen Betrag als Urlaubsgeld.
Ich musste schließlich am Dienstag wieder zurück nach Berlin, denn am Donnerstag flog ich schon wieder nach Brüssel. Die Fahrt nach Berlin verlief reibungslos, mein Auto machte mir die Freude, es bettelt sozusagen um Gnade. Alles war schön, bis ich den Briefkasten öffnete, der Brief war da und ich ahnte es schon. Wenn schon draufsteht, Team Versicherungsrecht, es war die Mahnung, dass ich meine Krankenversicherung nicht in voller Höhe bezahlt habe, klar das Grundsicherungsamt hat mir ja auch kein neuen Bescheid geschickt.

Sehr geehrter Herr Ullmann,
Ihr Beitragskonto weist einen Saldo aus. Wir bitten Sie, den zu wenig gezahlten Beitrag umgehend nachzuzahlen.
Abrechnungszeitraum bis 31.07.08
Differenzbetrag 4,12 Euro
Ab 012.07.08 beträgt der monatliche Beitrag 154,30 Euro.
Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift

Da stand ich wieder da, super nun musste ich am Mittwoch zum dritten Mal in der gleichen Angelegenheit ins Grundsicherungsamt. Als ich dort ankam, war die Erstberatungsstelle geschlossen bzw. sie befand sich in einem anderen Zimmer im anderen Stockwerk. Ich musste warten, dann erschien der selbige Mitarbeiter, dem ich die Unterlagen schon zweimal übergab. Er wollte sie wieder nur entgegennehmen, was ich verneinte, etwas später saß im Zimmer. Er erinnerte sich, nach meinen Schilderungen, sofort an mich, schaute nach wer meine Sachbearbeiterin ist und wollte es klären.
Ich ließ mich darauf nicht ein und bat ihn es gleich zu tun, was er ohne murren auch tat, ich musste draußen wieder Platz nehmen.
Kurze Zeit später kam er wieder und sagte, die Unterlagen lägen schon auf dem Schreibtisch bei der Bearbeiterin, sie hätte Urlaub gehabt, auf meine Frage, ob die Mitarbeiter hier zwei Monate Urlaub bekommen, denn so lange liegt die Beitragserhöhung schon hier, bekam ich keine Antwort. Er riet mir noch meine Krankenkasse zu informieren, dass das Problem bearbeitet wird. Was ich nicht tat, aber kurze Zeit später erhielt ich den neuen Bescheid vom Grundsicherungsamt. Bearbeitungszeit zwei Monate.
Jetzt galt es sich zu sputen, denn am Donnerstag geht mein Flieger nach Brüssel, zum Glück erst am frühen Nachmittag. Ich fliege wieder mit easyJet, um Herrn Mehdorn seinen Wucherpreisen zu entgegen, denn den Lockmittelpreis, der in der Werbung angepriesen wird bekommt man schon am ersten möglichen Buchungstag nicht mehr.
Die Reise steht im Zeichen des Blumen Teppichs auf dem historischen Marktplatz in Brüssel der alle zwei Jahre gestaltet wird. Vor zwei Jahren war ich eine Woche zuvor dort und hatte es mir fest vorgenommen wieder hinzufahren. Wenn die Gesundheit mitspielt habe ich bisher alle meine Vorhaben durchgeführt.
Die Reiserinnerungen stehen unter dem Titel „Au tapis de fleurs à Bruxelles“ zur Verfügung stehen.

Impressionen vom Blumen Teppich in Bruessel

Mit viele Eindrücken kam ich am Montag wieder in Deutschland an, sicherlich noch nicht meine letzte Reise nach Brüssel, auch die Stadt hat etwas Besonderes und mit meinem Englisch und den wenigen Brocken Französisch kam ich gut zurecht. Leider ist wieder eine Postkarte mit dem Motiv vom Blumenteppich nicht angekommen, dieses Mal hat es meine Bekannte erwischt, wer nicht selbst hinfährt klaut sich eben die Karte.
Viel Zeit zum ausruhen blieb nicht, am nächsten Tag hatte ich schon wieder einen Termin bei der Fußpflege, leider war meine Schottin nicht mehr da, aber die neue Podologin machte es auch sehr gewissenhaft, sie merkte wohl, dass ich etwas traurig war, na ja das Leben geht weiter.
Neben meinen Arztterminen, Diabetologie und Neurologie hatte mich nun der Ehrgeiz gepackt meine Webseite mit Dreamweaver aus der CS3 von Adobe vorfristig umzugestalten. Manche Tage bis zum frühen Morgen habe ich damit zugebracht und darüber mein noch im vergangenen Jahre so erfolgreiches Training am Ergometer vollkommen in den Hintergrund gedrängt. Aber es muss wieder werden, wahrscheinlich ab nächstem Jahr, denn zum Jahresende stehen die Termine der Krebsnachsorge an und die Vorbereitungen zum 60. Geburtstag.
Langfristig habe ich den nächsten Garteneinsatz für den Arbeitsbereich Zeuthen geplant. Es waren alle üblichen Verdächtigen dann auch am letzten Sonnabend im August anwesend, außer Ex – Schwager Frank und Ex – Schwägerin Jutta, die meine e – mail wieder einmal nicht gelesen haben, erst durch den Hinweis auf meiner Karte aus Brüssel davon in Kenntnis gesetzt wurden, an dem Tag hatten sie schon eine Geburtstagsfeier, dafür habe ich meine Bekannte mitgebracht, meine Tante, die davon nichts wusste verschlug es glattweg die Sprache. Auch nicht schlecht sie einmal sprachlos zu sehen. Rolf und Ilona ahnten wohl etwas, weil ich in der Mail eine Bratwurst mehr bestellt habe für mich.
Die Arbeit hielt sich in Grenzen, Hecke schneiden und etwas Unkraut vernichten, deshalb konnte Rolf bald den Grill anheizen. Ich habe mich mehrmals lauthals beschwert, dass es kein zweites Frühstück gab, Ilona hatte nicht mitgebracht, weil die Tante es nicht wollte, da werde ich wohl zum nächsten Einsatz paar Bouletten braten. Für Jessi, die paar Tage vorher Geburtstag hatte habe ich noch einen Blumenstrauß gekauft, sie ist ja schon eine junge Frau, die sich wie alle Frauen über Blumen freuen, nehme ich jedenfalls an. Meine Bekannte und ich haben uns reichlich mit Vogelmiere eingedeckt meine Vögel habe sich dafür mit fröhlichen Piepen bedankt.
Am 1. September, ein Montag stand in meinem Kalender der Termin beim Hausarzt, ich wunderte mich schon, Montag nahm ich doch sonst nie einen Termin. Als ich dort um 11 Uhr ankam, war die Praxis geschlossen, er hatte nur bis 10 Uhr Sprechstunde. Da muss ich mich wohl im Monat geirrt haben, geht das mit der Alzheimer schon vor dem 60zigten los. Ich brauchte aber auch noch eine Überweisung für die Onkologie, das mit der Überweisung und den Termin konnte ich telefonisch klären, die Schwester bestätigte mir noch einmal, dass es der 1. Oktober ist.
Ich wollte es gar nicht glauben, die zwei Monate bis zur Infusion in der Charité waren auch wieder um, Dr. Dziurla ist das letzte Mal da, dann ist auch sein halbes Jahr in der Rheumaklinik um. Ich konnte ihn die normalen Schilddrüsenwerte zeigen und er freute sich ebenfalls darüber. In der Unterhaltung erfuhr ich, dass er jetzt für ein Jahr auf die Rheumastation der Charité geht, aber wie es dann weitergeht wusste er auch nicht, denn es gibt immer nur befristete Verträge für ein Jahr. Ich habe mich gut mit ihm verstanden, obwohl er mir am Anfang mit der Weingeschichte bald ein bisschen pingelig vorkam.
Er hatte mich vor längerer Zeit gefragt, ob ich bereit wäre an einem Trainingskurs für fortgeschrittene Praxismitarbeiter in der Rheumatologie teilnehmen würde, als Patient natürlich. Dabei geht es um die Demonstration zur Erhebung des BASMI/BASDAI Wertes. Er sagte mir den Termin und den Ort und er war froh, dass ich zugestimmt habe.
Ich sah die Schwierigkeiten förmlich auftauchen, als ich feststellte, dass Kerstin nur alleine da war. Ich glaube sie schwitzte schon als sie mich sah, denn ihren Kittel hatte sie schon abgelegt. Ich will es mal so sagen, sie stand mir ziemlich offen gegenüber, nur in der dünnen Bluse. Es geschah das, was immer geschiet wenn ich die Infusion bekomme, sie traf die Vene nicht und gab schon nach dem 1. Versuch auf. „Wissen Sie was Herr Ullmann, ich hole gleich den Doktor“, bei ihm dauerte es zwar ziemlich lange, aber es klappte schließlich. Sie war wohl froh darüber sich mit mir nicht weiter abgeben zu müssen, ich holte mir den Kaffee und setzte mich in die Palmenecke. Wieder war ich der Einzigste zur Infusion, komisch, sonst waren immer mehr Patienten da.
Nachdem ich mir einen neuen Termin geholt hatte verließ ich die Rheumaklinik und ging noch im Englischen Reisezentrum vorbei um für meine Bekannte eine Oysterkarte zu kaufen, denn lange war nicht mehr Zeit bis zur nächsten Reise.
Am 1. Septemberwochenende fand der Köpenicker Whiskyherbst in der Freiheit statt, den ich gemeinsam mit meiner Bekannten besuchte. Schön so viel Whisky auf einen Haufen zu sehen, hier konnte man schon einmal auf den Geschmack kommen und sein Englisch auffrischen, denn es gab viele Schotten die ihren Whisky anpriesen. Die Veranstaltung, die jährlich stattfindet, wird wohl zum festen Termin in meiner Planung werden.
Es blieben nach dem Wochenende noch drei Tage bis zur Englandreise, die Vorbereitungen waren abgeschlossen, nur mit dem Trolley gab es einige Probleme, was wird für Wetter und welche Sachen nehme ich mit.
Irgendwo las ich in den letzten Tagen ein Artikel in der Zeitung, bei dem es um eine Auslandsbescheinigung für Menschen mit Behinderung ging. Diese Bescheinigung soll Versorgungsamt ausgegeben werden. Davon hatte ich noch nie etwas gehört, aber vielleicht bringt es ja etwas. Ich beschloss noch einen Tag vor der Reise dort vorzusprechen, es stand zwar, dass man dieses Dokument auch auf telefonische oder schriftliche Anfrage zugesandt bekommen kann. Ich mag es aber lieber persönlich mit den Menschen zu sprechen. Das Kundencenter des Versorgungsamtes befindet sich in der Albrecht–Achilles–Straße in unmittelbarer Nähe vom U – Bahnhof Adenauerplatz, welches mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, S – Bahn und U – Bahn ganz gut zu erreichen ist. Auf dem Weg dorthin hatte ich in einem Zug der U – Bahn noch ein erwähnenswertes Erlebnis. Ein Mann, vielleicht Mitte 50 schleppte sich mit Krücken und fisteliger Stimme durch den Wagen und bettelte um Geld. Ich gebe grundsätzlich kein Geld, weil ich darin kein Sinn sehe, denn jeder kann vom Staat soviel Geld bekommen dass er leben kann und auch eine Wohnung kann man bekommen, wenn man will.
Im Versorgungsamt herrschte reger Betrieb, ich zog einen Nummer auf der stand: »Wir bitten um Geduld bis Ihre Nummer 067 in der Anzeige erscheint Danke ! Es warten zurzeit 16 Personen«. Es ging aber ziemlich schnell, es dauerte eine Zeit und der Mann aus der U – Bahn erschien, er sprach nicht etwas mit der gleichen Stimme und seine Krücken brauchte er auch nicht mehr, ein wundersame Heilung ist vor sich gegangen.
Mit lauter, kräftiger Stimme brüllte er über den Flur und beschwerte sich über die vielen wartenden Menschen und die faulen Mitarbeiter. Er erkannte mich natürlich nicht, mich ärgern solche Menschen, vor allem wenn sie rumbrüllen, ich beruhigte ihn etwas.
Bald war ich an der Reihe, eine nette Mitarbeiterin saß mir gegenüber und fragte mich gleich, was da draußen los ist, ich erzählte ihr die Geschichte. Sie sagte es ist hier wie beim Roulette, man weiß nie an wem man gerät. Ich brachte mein Anliegen vor, sie fragte mich warum ich die Bescheinigung brauche, na fürs Ausland, vielleicht hilft es einmal. Sie wäre nun seit 17 Jahren hier und ich bin der erste der danach fragt, sie kann das Schreiben nicht ausstellen, nur mein Sachbearbeiter, na ja dann soll sie es weiterleiten. Dann habe ich sie bei der nächsten Reise, aber sie machte immer noch etwas am PC. Ich dachte sie sucht einen Hinweis über die Bescheinigung und fragte nach, plötzlich sprang der Drucker an und die Bescheinigung wurde ausgedruckt, ein angenehme Überraschung. Es ist schon so, die Erfahrung habe ich gemacht, wenn man den Leuten aufgeschlossen, freundlich und höflich gegenübertritt lässt sich vieles regeln. Ich bedankte mich und sie sagte noch, ich soll die Daumen drücken, dass sie nicht an den Brüller gerät, der hatte sich aber schon beruhigt und ich verabschiedete mich auch von ihm freundlich. Das war die letzte Amtshandlung vor dem Flug.
Meine Bekannte holte ich am Mittwochabend von der Fähre ab, neben ihrem Trolley hatte sie noch eine Erkältung im Schlepptau. Die Reise stand unter dem Motto; "The Thames Festival and the European Capital of Culture 2008 Liverpool", klar war es wieder ein anspruchsvolles Programm, bisher musste ich ja auf keinen Rücksicht nehmen.

Festival on the Thames and trip to Liverpool

Es war wieder eine Reise mit sehr vielen Eindrücken und mein geplantes Programm wurde fast abgearbeitet. Meine Reiseerinnerungen sind hierzu lesen.
Ich fuhr meine Bekannte nach Hause, die Fähre wollte ich ihr nicht zumuten, mein Auto sprang anstandslos an. In der Wohnung war alles in Ordnung, meine Vögel hatten mich nicht vermisst. Ein A4 Umschlag befand sich im Briefkasten, ohne Briefmarke mit dem Aufdruck »MietBingo«, ich dachte sofort an Werbung, obwohl ich ein Schild am Briefkasten hatte. Zum Glück erspähte ich noch die kleine Webadresse meiner Wohnungsbaugesellschaft, um ein Haar wäre er im Altpapier gelandet. Als ich ihn öffnete, stellte ich fest, dass er die Betriebs – und Heizkostenabrechnung enthielt. Das war ja noch einmal gut gegangen, sind die bescheuert solche Kuverts zu verwenden. Das sieht so aus als ob ich schon wieder zum Grundsicherungsamt muss.
Ein großer Augenblick stand bevor, es ist wie ein Stapellauf, meine neue Website ist komplett umgearbeitet und mit VALIDOME einem nicht – kommerzielles Validierungstool mit der Zielsetzung, sowohl ambitionierten Webmastern, wie auch professionellen Entwicklern eine W3C – konforme überprüfung der XHTML Dokumente zu ermöglichen. Damit habe ich eine hochperformante, webbasierte Lösung die mit den Richtlinien des W3C konform geht geschaffen, gleichzeitig wurde der CSS Code zum W3C Standard validiert.
Was heißt das im Einzelnen, ich musste ca. 60 XHTML – Dateien kompatibel machen, eine Arbeit die einige Zeit in Anspruch nimmt. Neben einem neuen Webauftritt habe ich so ganz nebenbei Dreamweaver kennen und schätzen gelernt, mit der Learning – by – Doing – Methode, nicht ganz einfach, aber billig. Zum Schluss galt es nur noch die Daten auf den Server zu übertragen, jetzt mit DSL auch kein Problem mehr. Zugegeben, einige Probleme musste ich nach ausbessern, manche Links auf die Seiten funktionieren nicht.
Am Sonnabend kam mein großer Auftritt in der Charité, der noch einige Erinnerungen in mir auslösen und die Charité vor dem Ertrinken retten wird. Zum Glück war an dem Wochenende, wie sonst üblich kein S – Bahnpendelverkehr oder Schienenersatzverkehr, ich hatte gute Chancen pünktlich anzukommen. Mein Doktor hatte mir vorsichtshalber seine Handynummer gegeben, falls ich das Trainingszentrum für ärztliche Fertigkeiten nicht finde, das sollte sich im Virchowweg 23 befinden. Auf dem Lageplan müsste es an der Invalidenstraße liegen, nun bin ich ja kein Neuling in der Charité und mit der Orientierung habe ich in dem Komplex eigentlich keine Probleme.
Mit der S – Bahn ist es eine knappe Stunde, von Haus zu Haus, davon vielleicht 10 Minuten Fußweg. Da am Sonnabend der Durchgang zum Gelände, über die Strahlenklinik geschlossen ist, nahm ich den über das Alexanderufer, der erst in den letzten Monaten fertig gestellt worden ist.
Den Virchowweg war leicht zu finden, eine Vorstellung wo das TfÄF liegt hatte ich auch, dass es direkt dort ist, wo ich vor acht Jahren, täglich zwei Monate lang zur Bestrahlung musste, überraschte mich doch einigermaßen. Die Erinnerungen sind sofort wieder da, obwohl heute keine Patienten da waren, beschlich mich ein eigenartiges Gefühl.
Ich dachte an die Simulation, meine erste Begegnung mit dem CLINAC und an die Probleme, die jedes Mal beim Positionieren hatte. Durch meine Bewegungseinschränkungen habe ich die MTAs erheblich genervt. Ich dachte daran, dass der Cliniac 3 manches Mal kaputt war und man noch einmal kommen musste oder es quälend lange Wartezeiten gab.
Mir kam auch in Erinnerung, dass ich schon einmal einen Auftritt während dieser Zeit vor Studenten hatte, heute bin ich in Sachen Morbus Bechterew unterwegs. Die Veranstaltung fand im dritten Stock statt. Obwohl ich, wie immer, viel zu zeitig da war, das muss wohl am Taxi Gen liegen, erwartete mich Doktor Dziurla schon sehnsüchtig. Ich ließ mir von ihm meine Aktivitäten noch einmal erläutern und unterhielt mich noch einige Zeit mit ihm über seine Zukunft an der Charité, die eigentlich keine ist. Stolz zeigte er mir Bilder von seiner Tochter, ich habe den Eindruck, er ordnet alles seiner Familie unter. Ob das in der heutigen Zeit so möglich ist, ich möchte es fast bezweifeln. Es gab Kaffee und nach und nach erschienen noch 4 weitere Patienten.
Im Grunde genommen ging es darum, wie schon ober erwähnt, im praktischen Training den BASDAI und den BASMI zu bestimmen und dazu wurde ich als lebendes Objekt gebraucht. Für mich ist es etwas bekanntes, das was die Doktoren vor jeder Infusion in der Charité bei mir ermitteln. Ein kurze Erklärung bringt es vielleicht etwas näher, denn ich weiß, dass es auch einige Menschen gibt die meine Dokumentation lesen und an Morbus Bechterew (auch Spondylitis Ankylosans) leiden.
BASDAI – Als Maß für die Krankheitsaktivität bei der Spondylitis ankylosans wurde 1994 der Bath Ankylosing Spondylitis Disease Activity Index (BASDAI) eingeführt, der die Müdigkeit, die Schmerzen und die Morgensteifigkeit zu einem Messwert zusammenfasst. Der Patient wird gebeten, in einem Fragebogen anzugeben, wie ausgeprägt in der vergangenen Woche nach seiner Einschätzung die krankheitsbedingte Müdigkeit, die Nacken-, Rücken- und Hüftgelenkschmerzen, die Schmerzen oder Schwellungen in anderen Gelenken, die Berührungs- und Druckempfindlichkeit von Sehnenansatzstellen und die Morgensteifigkeit waren. Der Fragebogen enthält entweder für jede Frage eine Skala, die von 0 (keine Beschwerden) bis 10 (unerträgliche Beschwerden) reicht, auf der die zutreffende Stelle angekreuzt werden soll, oder die Zahlenreihe von 0 bis 10, von der eine Zahl angekreuzt werden soll. Der BASDAI, der sich durch eine Mittelwertbildung ergibt, hat einen Wert zwischen 0 (günstigster Wert) und 10 (schlimmster Wert).
Ein Anwendungsbeispiel ist die Entscheidung über eine Therapie mit Anti-TNF-Blockern: Zu den Bedingungen, unter denen die ASAS diese Therapie trotz der damit verbundenen Kosten und Risiken empfiehlt, gehört ein BASDAI von mindestens 4. Auch bei der Beurteilung der Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen spielt der BASDAI eine zentrale Rolle. Ich habe hier den den Fragebogen für den BASDAI, vom der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e.V. als PDF – Datei als Anschaumgsmaterial bereitgestellt.
BASMI – Die Einschränkung der Wirbelsäulenbeweglichkeit stellt eine besonders frühe, besonders verbreitete und für die Spondylitis ankylosans besonders charakteristische Krankheitsfolge dar. Als Maß für die Wirbelsäulenbeweglichkeit bei der Spondylitis ankylosans führten die englischen Forscher 1994 den Bath Ankylosing Spondylitis Metrology Index (BASMI) ein, indem sie die Ergebnisse von fünf besonders aussagekräftigen Beweglichkeits-Messungen zu einer Zahl zusammenfassten. Da viele Rheumatologen die Ergebnisse der Beweglichkeitsmessungen lieber einzeln dokumentieren, hat der BASMI nicht die Verbreitung gefunden wie der BASDAI und der BASFI. Bei der Beurteilung der Reaktion der Wirbelsäulenbeweglichkeit auf Therapiemaßnahmen (um ein Anwendungsbeispiel zu nennen) kann es jedoch durchaus sinnvoll sein, die Messungen zu einer Zahl zusammenzufassen. Bei der Einführung des BASMI im Jahre 1994 haben die Spondylitis-ankylosans-Forscher in Bath zunächst jedem Messergebnis mit Hilfe einer Tabelle eine 0, 1 oder 2 zugeordnet und aus den fünf Zahlen die Summe gebildet. Ein Jahr später wurde die Tabelle durch eine neue Tabelle ersetzt, bei der jedem Messergebnis eine Zahl aus 0 (keine Einschränkung) bis 10 (sehr starke Einschränkung) zugeordnet wurde und daraus der Mittelwert gebildet wurde. Ein Protokoll-Formular für den 10-stufigen BASMI, in dem die benötigten Messungen genauer beschrieben sind, ist als PDF – Datei verfügbar.
Vollständigkeitshalber möchte ich noch den BASFI erwähnen, der zwar hier keine zentrale Rolle spielte, aber auch immer mit zur Beurteilung der Krankheitsaktivität herangezogen wird, hier ist das Formular dazu. Weil ich gerade die Formulare von der DVMB erwähnt habe, die sind zwar jedermann zugänglich, aber ein Newsletter bekommt man nur wenn man zahlendes Mitglied in dem Selbsthilfenetzwerk, das finde ich schon wieder eigenartig.
Ich glaube, oft hat mein Doktor vor Publikum noch nicht gesprochen, auch auf Grund seiner leisen Aussprache konnte er in den drei Durchgängen keinen wirklich roten Faden entwickeln. Ich hatte nur zu machen was gefordert wurde, beim BASMI brauchte ich nur Fragen beantworten, der BASDAI war mir körperlicher Anstrengung verbunden, dabei musste ich meinen Oberkörper entblößen. Die Blicke und Fragen hinsichtlich meines Lipom (Fettgeschwulst) auf dem Rücken kenne ich schon zur Genüge, deshalb will ich mir den Huckel noch in diesem Jahr wegmachen lassen. Das geht aber nur stationär, weil er schon zu groß ist. Ich hoffe es gibt nicht wieder Komplikationen.
Nach jeweils einer Stunde war Pause und die nächsten Mitarbeiter, früher hätte man Schwester gesagt, kamen an die Reihe. In den Pausen konnte ich mich auch am aufgebauten Buffet bedienen, 13.00 Uhr war Mittagspause und danach hielt Professor Burmester noch einen Vortrag zum Thema "Komplikationen und Nebenwirkungen bei der rheumatischer Erkrankungen – von der Allergie zur Infektion", ist doch klar, dass ich mir den anhöre, blöder wird man dadurch nicht, mein Doktor musste zur Familie, wie er sagte. Er bedankte sich bei mir für meine Mitarbeit und beide bedauerten wir die Zeit der Betreuung, mal sehen wer als nächstes kommt, das gefällt mir nicht an der Charité. Ich sagte ihm noch zum Abschluss, wenn er wieder einmal jemanden braucht, ich stehe gern zur Verfügung, muss ich eigentlich dem Grundsicherungsamt die Einnahme melden?
Während der Mittagspause, wo es reichlich zu essen gab, kam ich etwas näher mit dem Sponsor der Veranstaltung ins Gespräch, es war die Firma "Wyeth BioPharma", die an der Entwicklung von Medikamenten in der Rheumatologie maßgeblich beteiligt ist. Sie haben alles übernommen, von der Unterbringung der Mitarbeiter bis zum Essen und auch meine 40 Euro, die ich als Aufwandsentschädigung bekommen habe. Ich habe mich mit dem Mitarbeiter der Firma über die Situation der Ärzte unterhalte, er kannte übrigens auch die mir überaus sympathische Frau Doktor Franz, er war auch der Meinung, dass die befristeten Arbeitsverträge für die Ärzte keine gut Lösung sind, aber er hielt die Rheumatologie der Charité für sehr kompetent in Sachen Rheuma, da kann ich zustimmen.
Ich habe nicht zuletzt durch meine Krebsoperation eine ganz andere Lebensauffassung bekommen, früher hätte ich mich eher im Hintergrund gehalten, heute gehe ich zum Professor an den Mittagstisch und unterhalte mich mit ihm. Einige alte Bekannte aus der damaligen "Neuen Therapie" traf ich ebenfalls, auch ein Ärztin, die damals eher einen nicht so nahbaren Eindruck machte, heut war das ganz anders.
Der Vortrag vom Professor Burmester war auch für mich interessant, an dem Frage Antwortspiel habe ich mich nicht beteiligt, als die Lernerfolgskontrolle anstand bin ich gegangen. Insgesamt war es eine sehr informative Veranstaltung für mich, ich habe mich auch gefreut, dass sich die Mehrzahl der Mitarbeiterinnen bei mir für die Aktivitäten bedankt hat, wissen sie doch, es ist anstrengend, was ich auch am nächsten Tag am Muskelkater bemerkte. Deshalb brauchte ich auch das Wochenende zur Regeneration.
Die nächste Woche war reich an Ereignissen, am Dienstag musste ich zur Fußpflege, es regnete es wie aus „Kannen“. Zuvor wollte ich noch zum Grundsicherungsamt um meine Betriebskostenabrechnung abzugeben, das Wetter hatte kein erbarmen. Meinen Regenschirm konnte ich im Auto nicht lokalisieren, steige ich aus oder nicht, ich tat es und eilte zum Grundsicherungsamt. Die junge Frau, die heute die Erstberatung macht, traf ich schon vor der Tür, beim Rauchen. Ihr drückte ich die Kopie in die Hand und lief schnell wieder zum Auto. Mal sehen, wie lange es dauern wird, bis sich etwas tut.
Mein Auto, die wundersame Kiste, es verhielt sich mir gegenüber in der letzten Zeit sehr vertrauenerweckend, der TÜV rückte auch immer näher. Es fällt mir auch wirklich schwer ihn den Todesstoß zu versetzen, ein neues gibt es nicht mehr, das ist klar, für mich ginge einer Ära zu Ende.
Ich gebe meinen Auto noch eine Chance, es ist entschieden, so lange meine Mutter in Bautzen noch lebt behalte ich es. Deshalb bekommt es jetzt neuen Reifen, 10 Jahre sind genug. In der neuen Werkstatt Stopp and Go in Adlershof ließ ich mir ein Angebot machen, einschließlich Entsorgung der Sommer und Winterreifen. 300 Euro, noch hatte ich mich nicht entschieden, bis zum Wochenende gewährte ich mir noch Bedenkzeit.
Meine Fußpflegerin, arbeitet sehr gewissenhaft, aber ich finde nicht wirklich Draht zu ihr, ich will aber auch das Angebot von Frau Huck, der anfänglichen Podologin, die sich selbständig gemacht hat, wollte ich auch nicht gehen. Sie rief mich vor einiger Zeit an und unterbreitet mir das Angebot. Leider bin ich hier auf den Bus angewiesen und das wollte ich nicht. Es ist ja nur eine halbe Stunde die ich bei ihr bin, ich werde es überstehen.
Mit meiner Betreuerin von der Behindertenhilfe vereinbarte ich einen Termin für Freitag in der Außenstelle, es sollte um die Rentenproblematik gehen, zwei Stunden Unterhaltung reichten nicht aus, die Musikschüler verdrängten uns aus dem Raum. Wir haben uns zuerst über meine Reisen unterhalten, ich habe mich mit ihr geeinigt, dass ich erst im nächsten Jahr, wenn überhaupt, die Rente beantrage. Zuvor will ich mir die Rente berechnen lassen und wissen, ob der Vorsorgeausgleich dabei ist. Von meiner "Strafrente" kann ich nicht leben, bin also immer auf den Staat angewiesen. Jetzt läuft es ja, bis auf wenige Ausnahmen ganz gut, aber ich habe Angst, dass alles wieder von vorn beginnt, besonders wegen der Miete.
In dem Bürgerhaus befindet sich auch eine Bibliothek, solche wie ich brauchen dort nichts bezahlen, leider hatte ich meine ›Armenbescheid‹ nicht mit, aber ich konnte mir schon einmal den Bücherbestand ansehen. Wenn ich in der Vergangenheit krame, müssten es so 25 Jahre her sein, dass ich in einer Bibliothek war, ich werde mich demnächst anmelden.
Bevor ich zu meiner Betreuerin gefahren bin holte ich die alten Reifen nebst Felgen aus dem Keller geholt. Die Sommerreifen habe ich in den letzten Jahren nicht mehr benutzt, bin immer mit Winterreifen gefahren. Bei der optischen Prüfung sahen die gar nicht so schlecht aus, aber es gibt so eine EU Bestimmung, dass die Reifen ab 1998 einen bestimmten Buchstaben haben müssen und meine sind von 1997, ich habe mich entschieden, das Auto bekommt neue Füße. Ich fuhr zu Stopp + Go, geriet auch wieder an den Servicemann vom Dienstag, es gab tatsächlich keine verstecken Kosten mehr, 4 Reifen wurden sogar umsonst entsorgt. Eine Stunde sollte es dauern, bei der Hinfahrt zur Werkstatt, sah ich die Bäckerei „Heberer“ auf dem Gelände, sogar mit „Drive In“, dorthin lief ich zurück und kaufte mir einen Kaffee und ein belegtes Körnerbrötchen, machte mir paar Notizen für meine Dokumentation.
Dabei ließ ich die Woche noch einmal revuepassieren, etwas beunruhigte mich, meine Bekannte hatte sich nach London nur einem gemeldet und da war sie krank geschrieben. Ich wusste aber auch, dass sie ihrer Tochter zu besuch hat oder hatte. Da wird wohl nichts passiert sein! Man macht sich schon Sorgen, denn so ein »kalter Hund« bin ich nun auch nicht.
Plötzlich kam sie Bäckersfrau auf mich zu und fragte „Sind Sie Herr Ullmann? Die Werkstatt hat angerufen, Sie möchten hinter kommen!“ Ich bedankte mich und dachte das ging aber schnell, da ich mein Auto draußen nicht ausmachen konnte, sah mir mehr nach einem Problem aus. In der Werkstatt, mein Auto auf der Hebebühne, der Monteur umringt von 8 Felgen und 12 Reifen, es ging um die Reifengröße. Wir hatten extra am Dienstag nachgesehen, was für eine Dimension das Ersatzrad hat. Die hier liegenden neuen Reifen waren 185er, die auf der Felge waren 195er, ob ich die überhaupt fahren darf, ob das in der Zulassung steht, waren die Fragen des Monteurs. Da war ich nun wirklich unschuldig, der Servicemann wurde leicht verlegen und meinte er holt neue Reifen. Währenddessen hatte ich etwas Zeit mir mein Auto von unten zu betrachten, konnte auch paar Worte mit dem Monteur wechseln. Der war soweit zufrieden, nur die Bremsscheiben wären verrostet, das könnte beim TÜV Probleme geben. Ich nahm es zur Kenntnis, vielleicht lasse ich das noch machen, später, ich hatte ja jetzt auch einen Kundenchip, wo es immer 3 % gibt, oder so ähnlich. Danach setzte ich mich in den Verkaufsraum, viel Betreib war hier nicht gerade am Freitagnachmittag, gegenüber AUTO UNGER ein schon gewaltiger Unterschied. Eigentlich müssten doch die größeren Füße fürs Auto teurer sein? Waren sie nicht, es blieb bei der Summe, nicht ganz unzufrieden verließ ich die Werkstatt.
Die kommende Woche hat es wieder in sich, deshalb bin ich am Wochenende auch nirgends hingegangen, bei Kerzenschein und Rotwein habe ich es mir in meiner Wohnung gemütlich gemacht. Ich mag auch das, obwohl ich manches Mal lieber nicht in der Wohnung wäre, die Obermieter mit ihren nicht erzogenen Kinder nerven mich zunehmend, was soll ich machen, an die Heizung klopfen, ich mache etwas anderes. Zu nachtschlafender Zeit höre ich laute Musik, heut war es die DVD von Shania Twain LIVE IN CHIGAGO, die mir meine nette Mailfreundin aus Österreich vor Jahren, zu Weihnachten oder war es zum Geburtstag, geschenkt hat. Das kann ich schon einmal verwechseln, denn es liegen nur drei Tage dazwischen. Ich mag die DVD sehr, insbesondere den Titel "I'm Gonna Getcha Good!" wo Shania die drei Geschwister (Shannon, Ashley und Mandy) auf die Bühne holt. Schade das man von ihr nichts mehr hört, deshalb freue ich mich das DIDO wieder aufgetaucht ist und ganz besonders freut es mich, dass sich Anastacia mit dem neuen Album "Heavy Rotation" zurück gemeldet hat. Wenn man Anastacia heute sieht, entdeckt man nicht mehr allzu viele Gemeinsamkeiten zu der Frau, die im Jahre 2005 ihre letzte Tour absolviert hat. Auffällig kürzer sind ihre Haare, und was noch viel mehr verwundert, die getönte Sonnenbrille , frühere ihr Markenzeichen, hat sie inzwischen abgelegt. Anastacia hat sich die Augen laser lassen und braucht sie deshalb nicht mehr. "Ich finde es großartig, dass mich viele Menschen gar nicht wiedererkennen", sagte die Sängerin in einem Interview. "Oftmals werden die Menschen gar nicht wissen wer da auf die Bühne kommt, bis ich meinen Mund aufmache und das erste Lied präsentiere!" Denn auch wenn bei ihr vieles neu ist: Anastacia ist und bleibt eine Pop - Queen mit einer Ausnahmestimmte. Ihr neues Album "Heavy Rotation" zeigt ihre einfühlsame Seite: "Endlich ist es mir gelungen, meine Sinnlichkeit als Frau als Frau zu präsentieren" so die 40 - Jährige. Anastcia Lyn Newkirk, wie die Sängerin mit vollem Namen heißt, betonte in letzter Zeit immer wieder, dass sie einfach nur glücklich sei. Dies hört man auch deutlich an der Musik, wie sie meinte: "Bei manchen Menschen stellt sich das Gefühl mit dem Alter ein, während es bei anderen davon abhängt, was sie im Laufe der Jahre erlebt haben." Das kann ich voll und ganz bestätigen, auch zu Anastacia war das Schicksal bekanntermaßen nicht immer gut, denn bei ihr wurde im Jahre 2003 Krebs festgestellt. Wenn sie heute sagt, "Ich habe inzwischen gelernt, dass ich mein Leben gar nicht kontrollieren muss, im Gegenteil: Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, einfach mal alles Laufen zu lassen und zu erkennen, dass man gar kein Perfektionist sein muss." Wie recht sie damit hat.
Montag musste ich zuerst die Felgen entsorgen, die die Werkstatt mir in den Kofferraum gelegt hat, sicherlich in guter Absicht. Ich habe sie bei der BSR kostenlos entsorgt und danach kaufte ich mir bei ALDI die externe Festplatte, 500 GB für 80 Euro, Kapazitäten von denen man vor Jahren noch geträumt hat oder sie waren nicht erschwinglich. Aber im erstbesten Laden bekam ich sie nicht, zwei ALDIS weiter doch, fast wie in alten Zeiten, wo man schon um vier Uhr anstehen musste um an solche Sachen zu kommen.
Seit langer Zeit hatte ich, in dieser Woche die Möglichkeit, meine Onkologin wiederzusehen. Irgendwie freute ich mich auf den Termin, ich bin eben so, wer freut sich schon auf einen Arzttermin und dann noch in der Onkologie. Es sind acht Jahre her, dass mir hier wieder Leben eingehaucht wurde, also nicht hier in der Poliklinik, sondern im Altbau.
Frau Doktor kam persönlich zu Anmeldung um mich aufzurufen, dann hatte sie schon wieder jemand mit Fragen gelöchert. Die Doktorin kam bald in das Sprechzimmer und begrüßte mich freundlich, sie sagte; “Ich bin heute Schwester und Ärztin!”, jetzt muss sie mir Blut abnehmen. Ich hatte Zeit mich mit ihr zu unterhalten, fragte sie nach dem Kind, ihm geht es gut. Acht Jahre sind es her, meinte sie und beglückwünschte mich zu meiner Gesundheit.
Es gibt wieder Termine, Darmspiegelung und Ultraschall, mein Problem mit dem Lipom schilderte ich ihr auch, eine Chance für mich. Sie wollte es noch einmal sehen, deshalb wurde die Ultraschalluntersuchung auf das Lipom ausgedehnt und dann gibt es eine Entscheidung. Die Grippeschutzimpfung bot sie mir auch noch an, aber da ich mein Impfpass nicht mit hatte und auch mein Bonusheft von Krankenkasse, entschieden wir uns, das macht der Hausarzt, ok meinte sie, da verdient er ca. 9 Euro.
Als sie mir die Überweisungen ausschrieb, es war der letzte Tag im September, fragte ich, ob die noch für das alte Quartal sind. Nein, sie schreibt sie mir schon für das IV. Quartal aus. Ich soll die Überweisungen aber nicht Schwester Sonja in der Anmeldung zeigen, damit sie kein Grund zum meckern hat.
Ich finde mich hier wirklich gut aufgehoben, wir sprachen auch über die Schilddrüsenoperation. Sie wusste sogar, dass wir uns im letzten Jahr in der Privatstation getroffen haben. Die gibt es heute nicht mehr, ich erzählte ihr, dass ich immer noch Probleme mit der Schilddrüse habe. Sie fragte mich ob ich die Nummer von Doktor Feller habe, für alle Fälle ließ ich mir die geben. Ich kann nur immer wieder sagen, gibt dich so wie du bist, dann hast du auch keine Probleme als Patient in der gesetzlichen Kassenkasse, ich hatte noch nie welche.
Nachdem ich mir die Termine für die Darmspiegelung und den Ultraschall im Neubau des SANA – Klinikums geholt hatte, ging ich noch einmal in die Anmeldung in der Onkologie. Der Termin für die Auswertung ist Mitte November. Bei der Darmspiegelung gibt es eine Neuerung, man muss abgeholt werden oder mit dem Taxi nach Hause fahren. Ein Taxi wollte ich nicht nehmen und meiner über 85jährigen Tante, wollte ich das auch nicht zumuten. Da muss die Familie meines Ex – Schwagers helfen, einer wird schon Zeit haben. Ich brauche nur jemanden der sich dort zeigt, nach Hause fahre ich natürlich selbständig, das habe ich bisher immer gemacht.
Es ging gleich weiter, am nächsten Tag hatte ich einen wirklichen Termin beim Hausarzt, die Überweisungen für das IV. Quartal waren fällig und ich holte mir die Grippeschutzimpfung. Im Bonusheft der Krankenkasse ließ ich mir das bestätigen, jetzt gibt es schon 20 Euro zurück, 10 Euro kommen noch bei der Darmspiegelung dazu. Ganz sicher bin ich mir nicht, ob ich die auch bekommen werde, dann sind es nämlich mit den 40 Euro, aufgrund der Teilnahme am Diabetes – Managementprogramm, 70 Euro. Das ist schon ein Hin – und Rückflug nach England oder Schottland.
Der Doktor machte seine üblichen Untersuchungen, es ist eigentlich nicht so, als ob ich zum Arzt gehe, sondern eher zum Kumpel komme. Zuerst erzählte ich ihm vom Missgeschick vom 1. September, er lachte sich halb tot und meinte »Alzheimer lässt grüßen«. Danach berichtete ich ihm, von meinem Vorstoß wegen des Lipoms bei meiner Onkologin. Er meinte; „So ist es mir am liebsten, wenn sich die Patienten selbst darum kümmern und eine Lösung in Sicht ist!“
Mit der Schilddrüse ist er wohl auch vorsichtiger geworden, er wollte mir noch Blut abnehmen lassen und am Montag sollte ich anrufen, „Dazu muss ich aber Deine zwei Tiger da draußen überwinden!“ seine Antwort; „Da lass Dir etwas einfallen“. Die Schwester hatte heute auch gar nichts an dem späten Termin zur Blutabnahme zu kritisieren, obwohl es geht sowieso meinst im scherzhaften Ton zu. Vorsichtshalber prüfte ich die Überweisungen noch einmal nach, sie waren wohl vollständig.
Am Nachmittag bekam ich einen Anruf meiner Bearbeiterin vom Grundsicherungsamt, da fangen die Gehirnwindungen sofort an zu arbeiten. Es eine Bearbeiterin, die ich schon aus der Zeit kenne, wo das Grundsicherungsamt noch zum Wohnungsamt gehörte.
„Ja, Herr Ullmann, nun sind Sie wieder bei mir gelandet, ich habe Ihre Betriebskostenabrechnung auf dem Tisch!“ Für den Monat Oktober wurde mir die Gutschrift auch noch nicht abgezogen und die Rückzahlung ist auch noch nicht auf meinem Konto. Ihr Problem war nun, wann ich die Rückzahlung bekomme, sie wollte mich nicht in eine missliche Lage bringen. Das war damals schon eine Mitarbeiterin, mir der ich ganz vernünftig reden konnte, es waren nicht alle so.
Ihr wäre es am liebsten, wenn ich das Geld an das Grundsicherungsamt überweise sobald es es auf mein Konto eingegangen ist, damit hatte ich grundsätzlich kein Problem. Ich fragte sie, wie es ihr am liebsten ist, wenn ich auf den Vorschlag eingehe, da braucht sie keinen neuen Bescheid schicken. Das mache ich natürlich, wer weiß für was das einmal gut ist.
Am Abend des gleichen Tages bekam ich eine Mail von meiner Bekannten, nach 14 Tagen hatte sie nun herausgefunden, dass sie sich ihren Partner anders vorstellt, ich mir meine Partnerin übrigens auch. Zum Glück ist nichts schlimmes passiert, es gab ja eigentlich nur die zwei Möglichkeiten. Wenn keine Gemeinsamkeiten vorhanden sind, ist es schwer und verbiegen kann ich mich nicht mehr. Das habe ich im Leben schon so oft gemacht und bekommen ist es mir nie. Ob eine weitere freundschaftliche Beziehung bleiben wird, ich werde sehen.
Ein wirkliches Problem ist die Feststellung für mich nicht, denn meine Unternehmungen mache ich nach wie vor, auch alleine.
Am Sonnabend traf sich der harte Kern beim Flugsimulantenstammtisch in Tempelhof, mein Kumpel regt sich zwar immer über den Ausdruck auf, er meint es muss Flugsimulatenstammtisch heißen, ich glaube es eher nicht. So viele Enthusiasten wie sonst waren heute nicht da. An einem Nebentisch hatten, sich einige Tempelhof – Befürworter eingefunden, die versuchten nun noch wieder irgendwelche Unterschriften zu bekommen. Ich habe nichts unterschrieben, für mich ist die Geschichte beendet und schon zum nächsten Stammtisch gibt es keinen Flugbetrieb mehr auf den Flughafen Tempelhof, es soll wohl eine Schweigeminute eingelegt werden.
Anschließend bin ich, wie fast immer, zu meinem Kumpel mitgefahren um noch paar Flugplätze und Flieger in den Flugsimulator von Microsoft zu installieren. Ohne überheblich zu sein, ich habe mir hier in den letzten 10 Jahren ein ziemliches Expertenwissen angeeignet. Gar nicht so sehr beim Fliegen, sondern in der Installation von ADD – ON's.
Danach wollte ich unbedingt endlich einmal auf Panoramapunkt am Potsdamer Platz gehen, heute kostet es keinen Eintritt, sonst sind es immerhin 3.50 Euro, denn der Potsdamer Platz wird 10 Jahre. Es standen gar nicht so viele Menschen an, vielleicht haben wir 20 Minuten gewartet.
Die Aussichtsplattform Panoramapunkt ist auf der 24. und 25. Etage des Kollhoff – Towers. Der Berliner Architekt Hans Kollhoff zählte zu dem internationalen Architektenteam unter der Leitung des Masterplaners Renzo Piano, das die 19 Gebäude auf dem Quartier Potsdamer Platz geplant hat.
Der Kollhoff – Tower ist mit 103 Metern das höchste Gebäude im Quartier Potsdamer Platz. Wie die anderen Gebäude hat das Kollhoff – Hochhaus ein keramisches Fassadenmaterial. Dennoch hebt es sich mit seinen dunklen Torfbrand – Ziegelsteinen stilistisch deutlich ab und bietet einen Kontrast zu den geometrisch geprägten Glasfassaden der benachbarten Hochhäuser von Renzo Piano und Helmut Jahn. Zusammen bilden die drei Hochhäuser ein markantes Architektursymbol am Potsdamer Platz.
Mit dem schnellsten Fahrstuhl Europas fährt man in nur 20 Sekunden auf die Aussichtsplattform Panoramapunkt am Potsdamer Platz 1. Wir sind aber mit dem zweiten Fahrstuhl gefahren, der wesentlich langsamer ist. Aus 100 Metern Höhe blickt man hinunter auf den Osten und Westen von Berlin:
Brandenburger Tor, Reichstag, Bundeskanzleramt, Schloss Bellevue, Dom, Gendarmenmarkt, Holocaust-Mahnmal und Gedächtniskirche. An klaren Tagen reicht der Blick bis zum Teufelsberg, den Plattenbauten in Marzahn und den Windrädern an der Grenze zu Brandenburg.
Von keinem anderen Standpunkt in Berlin hat man einen derart faszinierenden Überblick über die gesamte Stadt und gleichzeitig einen Blick auf die deutsche Geschichte. Der Panoramapunkt im Kollhoff – Tower liegt direkt am ehemaligen Mauer – Verlauf am Potsdamer Platz. Heute markiert hier eine zweireihige Pflastersteinreihe die frühere Grenze. Heute ist der Potsdamer Platz ein Ort im Herzen der Stadt, die bereits abgeschlossenen Städtebauprojekte von Daimler, Sony und Beisheim stehen umrahmt von den Neubauten der Landesvertretungen, dem Bundesrat und dem fast fertig gestellten Leipziger Platz. Man denkt wirklich, Berlin ist eine Großstadt, ich habe ca. 100 Fotos gemacht und die Sonne schien sogar. Klar haben wir alle zwei Etagen abgelaufen und ich denke es hat eine Stunde gedauert. Auch hier oben war es nicht wirklich voll und ich der eher etwas Höhenangst hat, fühlte mich sicher. Die Stahlgitter ließen genug Platz zum Fotografieren. Hinunter sind wir mit dem schellen Fahrstuhl gefahren. Dieses Erlebnis sollte man jedem Berlinbesucher empfehlen, das Gefühl ist noch ausgeprägter wie auf dem Fernsehturm, man steht im Freien und befindet sich mitten im Stadtzentrum, ich war auch zum ersten Mal hier oben.

Kollhoff Tower

Den Tag ließen mein Kumpel und ich beim Bier im "Cafe Lebensart" in der Ebertstraße Ecke Lennéstraße ausklingen. Es ist schon ein geiles Gefühl hier mitten in Berlin beim Bier zu sitzen.
Am Montag rief ich meinen Doktor an, er war gerade nicht zu sprechen, nicht etwa weil er einen Patienten behandelt, er war auf der Toilette sagte die Schwester. Ich weiß schon was er dort macht, er raucht einer Zigarette, die Schwester wollte das nicht bestätigen. Ich sollte am Telefon warten, nach einiger Zeit meldete er sich, da ich meine Schilddrüsenwerte noch nicht kannte, habe ich mich gaaaanz ruhig verhalten. Als ich sie erfuhr, die waren nämlich in Ordnung, konnte ich loslegen. Meine übliche Rede mit der Vorbildfunktion und dem Plakat vor seiner persönlichen Toilette. So hat sich wahrscheinlich der damalig ausgerissenen Schilddrüsenwert wieder eingeregelt. Meiner Fahrt nach Bautzen zur Mutter stand nichts mehr im Wege.Für Dienstag hatte ich mich angemeldet.
Immer vor einer solchen Reise stellte sich mir die bange Frage;
Was wird das Auto machen?
Nach anfänglichen dreimaligen Fahrtverweigerungen machte es keine weiteren Probleme, trotzdem fährt die Angst immer mit, besonders wenn ich einen LKM überhole. In Auritz bei Mutter erwartete mich ein strammes Arbeitsprogramm, mein Laptop hätte ich gar nicht erst mitnehmen brauchen. Traditionell brachte ich Blumen mit, dieses Mal paar schöne Gerberas, sie als Blumenfan, freut sich natürlich und mir tut es nicht weh, ich weiß schon was ich an ihr habe.
Nachdem Mittagessen musste als erstes ein neues Schloss gekauft werden, da sie sich gelegentlich aus ihrem Haus aussperrt, wollte ich nun nach mehreren Anläufen und schlechter Beratung ein Schloss besorgen, welches sich auch bei steckenden Schlüssel von außen öffnen lässt Ich wollte meiner 80jährigen Mutter nicht noch länger zumuten durch ein zufällig geöffnetes Fenster zu klettern. Es klappte auf Anhieb, bei einem Bautzener alteingesessenen Werkzeugladen bekamen wir ein passendes Schloss. Der Einbau war für mich kein Problem, Mutter freute sich über die erste gelöste Aufgabe. So kann es weiter gehen.
Am nächsten Tag war Doppelkopf angesagt, aber zuvor habe ich mich mit Ästen und Stämmen beschäftigt, die mein Neffe Daniel zurecht gesägt hat. Meine Aufgabe war, das Holz auf Ofengröße zu bringen. Das ging zum Teil mit der Kreissäge, aber auch die Kettensäge musste ich benutzen. Solche Arbeiten machen mir regelrecht Spaß, im nächsten Leben werde ich Waldarbeiter oder Tischler. Es ist ja nicht so, dass ich gedankenlos die Stämme zersägen kann, da müssen noch Baumscheiben geschnitten werden und etwas für meine Voliere ist auch immer noch zurecht zu sägen. Später kam meine Schwester Sonja dazu, wir sind beim Sägen der großen Stämme ein eingespieltes Team, denn das geht mit der Kettensäge nicht alleine, vor dem Gerät habe ich sowieso Ehrfurcht.
Beim Doppelkopf habe ich darauf bestanden, dass doppelt ausgezahlt wird, damit das Spiel nicht so lange dauert, denn am Donnerstag stand eine unangenehme Aufgabe an, die Hecke sollte auf »Menschenhöhe« gekürzt werden. Mein Schwager hat für den Freitag einen Hänger, für den Abtransport des Heckenschnitts und des Baumschnitts, besorgt. Natürlich habe ich mich wieder beschwert, dass ich immer nur einzahle und niemals gehen wir vom Doppelkopfgeld essen. Heute hat keiner gemault, es wurde entschieden, daß wir am Freitag Abendessen gehen. Ich war ja richtig erstaunt.
Donnerstagvormittag musste ich mit Mutter die üblichen Einkäufe und Besorgungen machen. (Lotto spielen, Wäsche holen, Bier, Selterswasser, Blumen und noch andere wichtige Sachen kaufen). Gegen Mittag besah ich mir die Hecke von der Nähe an und stellte fest es wird eine Plage. Mit Sonja hatte ich am Vorabend schon die Orientierungsleine gezogen, ob es ein gerader Schnitt wird, ich weiß es nicht. Mir klang aber ständig in den Ohren: »Die Leute hätten die Hecke gelobt, wenn der Daniel sie geschnitten hat!« Ich bin nun kein Neuling im Heckeschneiden, vor Jahren habe ich mich in Zeuthen auf dem Wochenendgrundstück ständig damit abgequält, aber das ist schon weit über 20 Jahre her. Wenn ich nachdenke zum erholen bin ich dort nie gekommen, meine Anzugsordnung war immer die Arbeitshose. Trotzdem es war eine schöne Zeit, der Kapitalismus lag noch in weiter Ferne und ich war noch gesund.
Meine Absicht war es, die Hecke mit der Kettensäge zu schneiden, denn die dicken Äste konnte die Heckenschere nicht abschneiden. Es ging vollkommen schief, nachdem die Kette zum zweiten Mal abgesprungen ist und ich sie auch nicht wirklich mehr ordnungsgemäß aufziehen konnte ließ ich es sein. Was war die Ursache, die federnden Äste gingen nicht zu sägen, eine Erfahrung die für alle Säger wichtig ist. Außerdem habe ich vor abspringenden Ketten eine Heidenangst. Was nun? Die Hecke musste runter, bissel Stolz habe ich auch.
Es gab erst einmal Mittag, Wunschessen Milchreis, ich esse ihn gerne, bringe es aber nicht fertig den Reis ohne anbrennen zu kochen. Bei Mutter geht das, es ist vielleicht nicht gerade ein Essen vor einer solchen Arbeit, aber wenn es schmeckt? Und Mutter hat für meine Wünsche immer ein offenes Ohr, obwohl sie manchmal über meine Essgewohnheiten verwundert ist. Ich esse nämlich in der Woche zu Mittag nur noch Filinchen oder Knäckebrot, Yoghurt und Obst. Schade um die Zeit oder den Strom. Dazu gibt es allerdings im Verwandtenkreis unterschiedliche Auffassungen.
Gestärkt machte ich mich nun an die Hecke, Mutter natürlich immer in meiner Nähe um ebenfalls ihren Beitrag zu leisten, der das muss ich eindeutig eingestehen nicht unerheblich ist. Von dem ersten Teil der Hecke mussten ca. 50 cm, auf einer Länge von 30 Metern abgeschnitten werden. Ich fing hinten an und stellte mir vor wie es ist wenn ich am Tor angekommen bin, zuerst kappte ich die langen Zweige mit der Astschere, eine Sauarbeit, danach nahm ich mir die Hecke vor, ich musste mehrmals ansetzen, immer die Schnur im Blickfeld. Ab und an mahnte mich Mutter, es wird schief. Da ich von innen geschnitten habe, sah ich nichts und wollte auch nichts sehen. Später stieß Sonja dazu, aber da oben auf der Leiter konnte mir keiner helfen. Kurz vor dem Ende der Aktion bin ich doch fast noch von der Leiter gestürzt. Den erste Teil der Hecke, es dauerte doch länger als ich dachte, hatte ich in 5 Stunden geschafft. Zum Schluss fing es auch noch an zu nieseln, entgegen aller Traditionen, konnte ich schon vor 18.00 Uhr ein Bier trinken, denn eigentlich gibt es bei uns kein Alkohol vor dieser Zeit. Vater hat es so beschlossen und das wird in der Regel eingehalten. Wir gehen ja noch gehen ja noch ans Grab, da kann ich es ihm beichten.
Mir zog es schon kurz vor dem Abendbrot auf dem Sessel die Augen zu, aber es war geschafft und keiner traute sich auch nur ein Wort über die Schnittfläche zu sagen weder heut, noch morgen, noch übermorgen, im Gegenteil es gab sogar  Lob. Ich glaube schon, einige waren froh, dass ihnen diese Arbeit nicht zu teil wurde.  
Am nächsten Tag musste ich noch den anderen Teil, den kurzen der Hecke schneiden. Vorher habe ich mit Mutter wieder die Einkaufsfahrt gemacht, bei Praktiker gab es billige Pflanzen, Stiefmütterchen für Vaters Grab und für jeden eine Orchidee, ich habe die geschenkt bekommen. Wie es so ist, quälte mich wieder einmal mein Darm und die Toiletten sind auch nicht gerade einladend. Ich hab es aber geschafft, manchmal weiß ich wirklich nicht wie. Das Problem, was mich eben nach der Krebsoperation immer begleitet im In – und Ausland, aber damit lebe ich seit über 8 Jahren. Vielleicht wird es ja noch ein Jahrzehnt oder gar mehr!
Im späten Vormittag begann ich widerwillig mit dem Schnitt des zweiten Teils der Hecke, mein Schwager brachte den ausgeliehenen Hänger vorbei und war sichtlich erstaunt, als er die geschorene Hecke sah. Ich glaube schon, es war ein aufrechtes Lob, was ich da zu hören bekam. Heute habe ich mir zum Mittag Schollenfilet gewünscht und natürlich auch bekommen. Das Wetter war auch sonnig und wärmer als an so manchen Sommertag. Als Sonja aufkreuzte, sie hat wohl paar Überstunden abgebummelt konnten wir mit vereinten Kräften den Hänger beladen, später kam Evelyn noch dazu, obwohl es ihr gesundheitlich gar nicht so gut ging, packte sie mit an.
Der Hänger war ziemlich groß und ich dachte schon, wir bekommen alles mit einer Fuhre weg. Da hatte wohl paar Haufen auf Mutters Grundstück nicht mitgezählt. Ich sah es ein, eine zweite Fuhre musste noch sein, trotzdem ich den Baumschnitt, Heckenschnitt und das Laub kräftig zusammengetreten habe. Als mein Schwager kam, war der erste Hänger beladen und er konnte sofort abfahren. Nach paar kleineren Problemen gelang es ihm auch. Evelyn musste zum Ausladen mitfahren, ich brauchte wieder eine Toilette in der Nähe.
Der Hänger war für 24 Stunden 30 Euro) gemietet worden, nur die Müllhalde hatte nur bis 16.30 Uhr geöffnet, eine zweite Fuhre konnten wir heute nicht mehr machen, das war schon einmal klar. Als mein Schwager zurückkam und wir den Hänger wieder beladen wollten, meinet er zu mir; „Frag erst einmal die Mutter, ob wir noch eine Tour machen wollen, denn die Fuhre hat 30 Euro gekostet!“ Klar wollte sie, Mutter war ja froh, dass das Zeug weg ist. Das Los der Grundstücksbesitzer, wenn sie nicht mit der Umweltschutzbehörde in Konflikt kommen wollen, denn verbrannt darf nichts mehr werden.
Mein Schwager meinte immer wieder, das passt nicht alles drauf, ich war aber jetzt berechtigter Optimist, nachdem ich mehrmals auf den Hänger gestiegen bin, wurden die Mitstreiter ruhiger. Es passte und den Rest wollten wir am Sonnabend verbrennen. Der Hänger wollten mein Schwager und ich am Sonnabend früh 8.30 Uhr zur Halde fahren. Da war an ein gemütliches Frühstück nicht zu denken. Auch dieser Tag hat mir doch leicht zugesetzt, ich wundere mich immer wieder über Mutter, wie sie zupackt, alle Achtung.
Der Tag war aber noch nicht zu Ende, es sollte zum Abendbrot in die Käseschenke nach Wurbis bei Oppach gehen, Sonja zwackte vom Doppelkopfgeld tatsächlich etwas ab. Zum Glück brachte ich nicht fahren, das macht immer mein Schwager und fünf Leute gehen gerade ins Auto. Eine kleine Gaststätte mit einem nicht gerade gut gelaunten Wirt, eigentlich sollte es ein Testessen werden, denn mein Schwager überlegte, ob er dort seinen 60. Geburtstag feiern soll. Das hat sich wohl mit dem Besuch erledigt. Das Essen war nicht schlecht, ich habe Strammen Max gegessen, aber so ein große Portion mit soooo vielen gedünsteten Zwiebeln, auch die anderen kalten Platten waren groß portionieret, so dass noch eingepackt wurde. Das Landskronen Bier schmeckte gut, aber wir dehnten das Essen nicht übergebührlich aus.
Jetzt muss ich mit dem Essengehen erste einmal wieder ruhig verhalten, in der nächsten Zeit, komme sowieso nicht nach Bautzen.
Ich merkte schon als ich am Sonnabend aufgestanden bin, irgendetwas stimmt mit mir nicht, mir war wie Grippe, aber es half nichts, ich musste mit meinem Schwager der Hänger abladen. Danach fuhr ich mit Mutter zum Friedhof, sie pflanzte die Stiefmütterchen, ich brauchte nur eine Kanne Wasser holen. Nun sind es auch schon über 7 Jahre, dass Vater tot ist, die Zeit vergeht,  zum Glück hat sich Mutter mit dem jetzigen Leben angefreundet, nach außen zeigt sie jedenfalls keine depressiven Momente an. Ihr bleib vermutlich bei der vielen Arbeit im Garten gar keine Zeit.
Eigentlich wollte ich am Sonnabend noch paar Holzarbeiten für mich machen, aber ich hatte keine Lust. Für Sonjas Himbeeren habe ich eine Rankhilfe gebaut, Mutter und Sonja sind noch kurz in die Pilze gefahren, aber leider haben sie keine gefunden, dafür wurde ihr von einem entgegenkommenden PKW der Spiegel abgefahren. Ich hasse diese engen Straßen im Oberland, aber wie sie meint wäre sie ordentlich gefahren. Bei dem anderen PKW war noch mehr kaputt und es gab wohl auch noch andere Ungereimtheiten, die Polizei war wohl auch da.
Ich habe in der Zwischenzeit aus einer alten Weinkiste, einen kleinen Vogelkäfig gebaut, denn in Cunewalde lud der örtliche Verein der Vogelliebhaber und Züchter zu seiner jährlichen Ausstellung ein. Wenn vorhanden wollte ich mir einen Kanarienvogel kaufen, ich denke dort sind sie billiger wie im Laden. In meiner Voliere ist ja noch genügend Platz, er wird sich wohl mit den Zebrafinken vertragen.
Im späten Nachmittag haben wir dann den Rest verbrannt und sofort stellte sich so ein Meckerkopf ein, jetzt kann man nämlich durch bzw. über die Hecke in den Garten gucken und er sah das Feuer. „Das kann man auch kompostieren, Ihr wünscht euch wohl auch die DDR zurück!“ waren seine Worte, so ein Mensch mit Fahrrad und Helm, ein „Arschloch“ eben.
Sonntag fuhren ich (wir), bei sehr schonen Wetter nach Tschechien tanken. Es ist immer noch fast 10 Cent billiger wie in Deutschland. Kaffee und Whisky wurde im Shop gekauft, ich wollte eigentlich paar herbstliche Bilder machen, aber es ergab sich nicht. Nachdem wir das gesamte Cunewalde durchfuhren fanden wir am Ortseingang das Vereinsheim, viele Vögel, meist Papageien, die ich nicht wirklich mag, aber auch paar Finken und Kanarienvögel, aber keine zum Verkauf. In der Gaststätte gab Mutter paar Wiener und Sonja Lose aus. Die Gewinne hielten sich in bescheidenen Grenzen. Mutter konnte es nicht lassen und spendierte auch noch welche.
Am Ende der Ausstellung gab es Vögel zu kaufen, 10 bis 15 Euro kosteten die Kanarien, im Laden 40 Euro. Ich suchte mir einen gelben aus, es gab aber auch noch andere Farbschläge. Zuerst musste er in einer Transportschachtel vorlieb nehmen, Kanarienfutter kaufte ich gleich mit, die Zusammensetzung ist etwas anders wie bei den Finken.
Bei Mutter wurde er in den kleinen Käfig umgesiedelt, da es so schön und warm war, durfte er unter ständiger Beobachtung auf der Terrasse stehen. Denn Nachbars Katze schleicht öfters einmal über den Garten.
So nach und nach lud ich schon die Nüsse, Äpfel und diverse, von Mutter bereitgestellte Sachen ins Auto. Einige Äste waren auch dabei, die ich eigentlich hier zusägen wollte, aber am Sonntag war das nicht mehr möglich. So verging der restliche Sonntagnachmittag, am Abend wurde der Vogel in die Wohnstube gestellt und mit einem Tuch zugedeckt. Er fühlte sich scheinbar trotzdem ganz wohl in seiner neuen Umgebung, aber sagten tat er nix.
Nach dem Abendbrot ging das Rätselraten los, denn ich habe vor vielen Jahren, vielleicht 1954 zu Weihnachten einen Kanarienvogel geschenkt bekommen. Der einige Jahre bei uns verbrachte, sogar den Umzug nach Pirna überlebte, aber es fehlen die konkreten Erinnerungen.
Ich weiß nur, dass er zum Schluss öfters einmal von der Sitzstange fiel und erstarrte, mit dem Geruch von irgendwelchen Tropfen, ich glaube es waren Hingfong Tropfen, die eigentlich zur damaligen Zeit bei Magenverstimmungen eingenommen wurden. Bei „Hansi“ so hieß das Tier, wirkten sie wie ein Zaubertrank, er brauchte nur daran riechen schon wurde er wieder zum Leben erweckt, wenn es doch bei uns Menschen auch so einfach wäre. Das funktionierte einige Male bis er verschied. Das war die Geschichte von „Hansi“.
Am Montag fuhr ich ohne automäßigen Probleme zurück nach Berlin, Hansi im Käfig auf den Beifahrersitz, der jetzt hin und wieder einen kläglichen Laut von sich gab. Ich war gespannt, was in der Voliere abgeht. Es gab keine Probleme, er wurde gar nicht wirklich beachtet von meinen Zebras. Ich glaube ein paar Tage später fing er schon leise an zu trällern und mischt die Alteingesessen auf, zum Beispiel wenn es um den Futterplatz geht. Trotzdem herrscht eine friedliche Atmosphäre, die Finken streiten sich mehr untereinander. Er ist auch viel agiler, frisst auch solche Sachen bei denen die Finken erst 100mal überlegen. Wie alle anderen Vögel ist die Lieblingsspeise Vogelmiere, Mutter hat mir davon noch etwas im Garten gesucht. Apfelstücke, Walnüsse, auch knabbert er an den Zweigen mit Hagebutten. Der neue Vogel war auch Anlass meine Voliere neu einzurichten bzw. zu gestalten. Jetzt ist jedenfalls mehr Leben im Käfig. Ich hätte ja noch mehr Platz, aber da ich in diesem Jahr vermutlich noch einmal ins Krankenhaus muss, werde ich mich zurückhalten, vielleicht!!  Aber so ein Besatz wie im letzten Jahr mit 12 Vögeln kommt nicht mehr in Frage.

Hans der neue Mitbewohner

Da kein „Unheil“ im Briefkasten lag, konnte ich ganz entspannt mein Auto ausräumen, einkaufen gehen und anschließend ein Entspannungsbad nehmen. Ich hatte es mir verdient.
Die Gutschrift von der Wohnungsbaugesellschaft war auch eingegangen, vereinbarungsgemäß habe ich das Geld an das Grundsicherungsamt überwiesen und danach das Schreiben im Amt abgegeben. Auf dem Rückweg hielt ich Ausschau nach Zweigen mit Hagebutten, nach einigem Suchen fand ich auf einem noch nicht bebauten Gelände in Adlerhof einem einsamen Strauch, ziemlich stachlig die Zweige, aber meinen Vögeln machte das nichts aus. An einen der nächsten Tage holte ich aus dem Wald bei Schwöckwitz noch paar Zweige mit Laub zur Ausgestaltung meiner Voliere. Mit meiner Arbeit bin ich sehr zufrieden, den Vögeln gefällt es vermutlich auch, Hansi singt jedenfalls immer lauter.
Es gab tatsächlich eine Woche, in der keinerlei Termine anstanden, was sehr selten bei mir vorkommt, die Diabetologin bei der ich in der vergangenen Woche einen Termin hatte, bestellt mich wegen guter Führung erst im Januar wieder.
Wenn man denkt, endlich einmal nichts zu tun, kommt es meistens dick, der einmal soweit, der Laptop wollte nicht mehr so, wie ich es will. Es gibt manchmal Probleme die sind mit einer Systemwiederherstellung nicht zu reparieren, aber jetzt mit der externen Festplatte ist es nicht so schlimm. Alles gesichert und dann die Festplatte formatiert und neu partitioniert, nur die Zeit spielt noch ein Rolle. Mit der gesamten Einrichtung der Programme dauert es doch 24 Stunden und man sollte dabei kein Wein trinken, denn sonst kann es passieren, das man das falsche Betriebssystem aufspielt! Ich habe mich gewundert, warum ich das W - LAN nicht hinbekommen habe, bis es mir einfiel, dass dazu gar keine Treiber auf der CD vorhanden sind, aber nach durchgegrübelt Nacht kommt man hinter alles.
Es gibt aber auch Tage, die überraschen mich gehörig, da bekomme ich eine Anfrage über mein Kontaktformular auf der Website,

Betreff:  Erlaubnis zur Nutzung Ihrer Bilder
Nachricht: Guten Tag Herr Ullmann,
wie oben schon geschrieben, bitte ich Sie um ihre freundliche Genehmigung zur kostenlosen Verwendung des Bautzenpanorama-Bildes Ihrer Webseite. Ich würde dieses gern auf der offiziellen Kreisverbandsseite der LINKEN nutzen.
Mit freundlichen Grüßen

Natürlich stimme ich da zu, da es auf der Website aber zwei einzelne Bilder sind habe ich schnell noch mit Photoshop ein richtiges Panoramabild „gebastelt“, das zeigt mir doch, meine Arbeit mit der Website ist nicht ganz umsonst. Die Aktualisierung kostet mich täglich eine Stunde und mehr, aber es ist schon so etwas wie ein professionelles Hobby geworden. Ideen habe ich noch genug für die Seite, aber keine Zeit.
Für die älter Generation, also meine habe ich noch etwas interessantes gefunden gelesen; die Internetnutzung hält das Hirn beim Älterwerden fit, da bin ich auf dem richtigen Weg, vor allem die häufige Verwendung von Suchmaschinen zeigt bei Nutzern der mittleren und oberen Altersklasse Wirkung. Dabei werden Regionen im Gehirn angeregt, die wesentlich für die Entscheidungsfindung und das Treffen komplexer Schlussfolgerungen verantwortlich sind.  Bei einer Studie wurden die Hirnströme von zwei Gruppen von Testpersonen untersucht: Regelmäßige Internetnutzer und Menschen, die für gewöhnlich nicht am Computer arbeiten. Hier zeigte sich beispielsweise, dass sowohl das Lesen von Büchern und die Nutzung von Suchmaschinen bei allen Probanden Bereiche im Gehirn stimuliert, die für Sprache, Lesen, die Verwertung visueller Eindrücke und das Gedächtnis zuständig sind. Da hat ja meine in diesem Jahr erworbene DSL doch einen praktischen Nutzen.
Am Sonntag verabredete ich mich mit meinem Kumpel, erst etwas Arbeit am PC bei ihm und mit Einbruch der Dunkelheit sind wir zum „Festival of Light“ gegangen. Im Gegensatz zum letzten Jahr herrschte schönes Wetter, es war sogar richtig warm. Unsere Strecke vom Potsdamer Platz – Brandenburger Tor – Unter den Linden – Berliner Dom – Fernsehturm – Alexanderplatz führt uns eigentlich an fast allen würdigen Punkten vorbei. Heute herrschte eine regelrechte Völkerwanderung vor, für einen Sonntagabend fand ich das ziemlich ungewöhnlich. Die Macher lassen sich auch immer etwas Neues einfallen, natürlich habe ich viele Fotos gemacht, nun wird mir langsam unheimlich, von der Bilderflut auf der Festplatte. Es muss etwas damit passieren, hoffentlich gibt es einen langen und kalten Winter!

Festival of Light 2008 in Berlin

Den Abend ließen wir in der Bierbar „Alkopole“ im Bahnhof Alexanderplatz ausklingen. Die nette Bedienung kannten wir schon vom letzten Mal. Ich war gegen 23.00 Uhr wieder zu Hause.
Nun ist auch die ziemlich stressfreie Zeit zu Ende, nein es geht noch nicht auf Weihnachten zu, aber die Jahresabschlussuntersuchungen beginnen. Die Woche begann mit der Fußpflege, langsam bekomme ich auch einen besseren Draht zu ihr. Feststellen muss ich auf alle Fälle, sie ist gewissenhafter als alle vorherigen Podologen und es ist bequem für mich, ohne Auto gut zu erreichen. Frau Wagner die Chefin schaute auch einmal kurz herein und begrüßte mich freundlich, sogar mit Namen, ich glaube im nächsten Jahr werde ich wieder regelmäßig zur Physiotherapie gehen.
Heut bin ich mit dem Auto gefahren, ich musste ein Doppelzimmer für meine Neffen Ronny und Daniel bestellen, die ersten Schlafgäste zur großen Feier am 27. Dezember. Der andere Sohn von meiner Schwester Sonja geht ab November nach San Francisco um sich im Hotelgewerbe zu qualifizierende, sonst wäre er auch gekommen. Hier in der Pension kostet das Doppelzimmer 36 Euro für beide, allerdings sind die Zimmer spartanisch eingerichtet und Frühstück gibt es auch nicht, das bekommen sie bei mir.
Am nächsten Tag musste ich zum Ultraschall in das Sana Klinikum, die Untersuchung wird im Neubau durchgeführt, es sieht nach einem Jahr immer noch alles neu aus und man fühlt sich wohl. Kein Mensch hat nach meinen mitgebrachten Handtüchern gefragt und ob ich nüchtern bin oder nicht, interessierte die Ärztin auch nicht. Es war gut, dass ich gefrühstückt und nicht bis 11.00 Uhr hungernd zugebracht habe. Lange brauchte ich nicht zu warten, ein Pfleger holte mich und einige Zeit später lag ich auf der Untersuchungsliege. Die Fragestellung der Ärztin irritierte mich etwas; „Bei Ihnen geht es um den Rücken?“ Obwohl alles ordnungsgemäß auf der Überweisung stand, also musste ich noch einige Erklärungen abgeben. Die Untersuchung fand in einer freundlichen Atmosphäre statt, anders bin ich das vom SANA Klinikum nicht gewöhnt. Es gibt keine Feststellungen, die Anlass zur Sorge bereiten, meinte die Ärztin. Im einzelnen liest sich das dann so;

Sana Gesundheitszentrum  Berlin Bereich Polikliniken
Praxis für Radiologische Diagnostik Frankfurter Allee 231 A 110365 Berlin
Computertomographie
Kernspintomographie
Mammakomplexdiagnostik
Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
vielen Dank für die freundliche Überweisung Ihrer Patientin / Ihres Patienten :
Ullmann, Henry , geboren am: 27.12.1948
wohnhaft in 12526 Berlin,    Schwalbenweg 37
Berlin, den 29.10.2008
Klinische Daten:
Z.n.Rektumresektion wegen Npl.
Fragestellung:
Vd Lipom am Nacken
Sonographie des Abdomens vom 29.10.2008 um 11:11
Befund
Homogene, normal große Leber ohne fokale Läsionen. Die intra- und extrahepatischen Gallenwege sind nicht erweitert. Z. n. CCE.
Unauffällige Darstellung des Pankreas. Milz normal groß, mit unauffälligem Parenchym.
Beide Nieren orthotop, normal groß, nicht gestaut. Harnblase mäßig gefüllt.
Keine pathologischen Darmkokarden, regelrechte Darmmotilität.
Kein Nachweis suspekt vergrößerter Lymphknoten entlang den großen Gefäßen und im Lig.hepatoduodenale. Keine freie Flüssigkeit intraabdominell und im kleinen Becken.
Ergebnis:
Kein Anhalt für Filiae oder eine patholog. Darmkokarde bzw. sonograf. Hinweiszeichen auf
einen IIeus.
Die Sonografie des Nackenlipoms stellt dieses mit 70 x 5o x 15 mm Größe dar, nach medial
etwas unscharf begrenzt, sonst glatt konturiert.
Die Raumforderung erstreckt sich in einer Gewebstiefe von 4 bis 16 mm.
Mit freundlichen Grüßen

Das Schreiben konnte ich nach ebenfalls kurzer Wartezeit gleich mitnehmen. Hinsichtlich des Lipoms hatte die Ärztin auch eine Meinung, es scheint zwar gutartig zu sein, aber es könnte auch entarten. Ich kenne mich ja, alles was bei anderen nicht eintritt, ich kann damit rechnen. Mal sehen, was meine Onkologin sagen wird, aber ich denke alles was nicht reingehört und keine Miete bezahlt muss raus. Der Tag war geschafft. Nachmittags klingelt es an der Tür, ich hatte wohl etwas geschlafen, Werbung dachte ich und schaute erst einmal aus dem Fenster. Unten stand das Postauto, ich hatte nicht bestellt, aber vielleicht soll ich für die Nachbarschaft etwas abnehmen, was ich immer mache, denn meine Pakete werden auch angenommen.
Ich begrüßte den Boten mit den Worten, „ich habe nichts bestellt!“, “doch“ meinte er.
Tatsächlich war es ein Paket für mich, im Oktober bekomme ich schon das Weihnachtspaket bzw. Geburtstagspaket von meiner Schulfreundin. Sie ist nämlich über im Dezember/Januar in Spanien bei ihrem Bruder. Da muss ich mir nun auch schnell etwas einfallen lassen, aber etwas Zeit habe ich schon noch.
Am nächsten Tag musste ich zur Infusion in die Charité, in der Nacht hörte ich schon den Starkregen auf das Fensterbrett prasseln. Ich muss ja nicht so oft raus, aber heut hatte ich doch irgendwie den Eindruck, alle sind gegen mich. Ich hörte die Ansage aus den Lautsprechern des S – Bahnhofs, dass irgendetwas auf der Strecke sein muss, konnte aber keine Details mitbekommen.
Es ging alles gut, 8.10 Uhr aus dem Haus und 9.15 Uhr war ich schon in der Charité, aber nur weil ich den 147er Bus am Hauptbahnhof bekam, sonst laufe ich die Strecke, aber heut bei dem Regen wollte ich das nicht.
Ich wurde wie immer von Schwester Beate freundlich begrüßt und bekam die Bögen für die Bestimmung des BASDAI und den BASMI ausgehändigt, ich weiß ja jetzt, um was es dabei geht.
Ich wusste, dass mich ein neuer Arzt erwartet, als er mich holte, erkannten wir uns, einen den ich schon sporadisch ab und zu bei der Therapie zu Gesicht bekommen habe. Er macht einen lockeren Eindruck, so grünlich wie sein Vorgänger untersuchte er mich nicht. Den Befund vom Ultraschall nahm er zur Kenntnis und heftete ihn in meine recht stattliche Krankenakte ab. Danach meldete ich mich bei Carola, Kerstin lugte auch um die Ecke und war froh, dass sie die Infusion nicht anlegen muss. Bei Carola klappte es auf Anhieb, ich holte mir noch einen Kaffee und nach ca. einer Stunde war ich fertig.
Der nächste Termin wäre gerade zwischen Weihnachten und Neujahr, deshalb verschob ich den auf die erste Januarwoche.
Heute quälte mich mein Darm gehörig, ich musste sogar von der Bushaltestelle noch einmal in die Poliklinik zurückgehen, sonst wäre wohl etwas „Schlimmes“ passiert.
Der Tag heut lud nicht gerade zum Shoppen ein, denn es regnete immer noch, deshalb fuhr ich gleich wieder nach Hause. Die Bestellung der Keilrahmenbilder verschob ich.
Am Wochenende fand unsere Flugsimulantenstammtisch statt, ein Thema war die endgültige Schließung des Flughafens Tempelhof, aber es schien nicht alle zu interessieren. Anschließend bin ich wie immer mit zu meinem Kumpel gefahren, bei der Installation eines Fliegers bzw. der Cockpits habe selbst ich versagt. Danach sind wir zur Winterwelt am Potsdamer Platz gefahren, diesen Event präsentiert jedes Jahr das Salzburger Land aus Österreich. Der Besuch endete mit einigen Bieren in der gemütlichen Schmankerl Hütte.
Das nächste Ereignis warf schon seine Schatten voraus, die Darmspieglung, eigentlich kein Problem für mich, nur das Trinken der Lösung und die damit verbundene Darmsäuberung. Ich bekomme meinen Darm einfach nicht sauber genug und bin deshalb immer etwas verunsichert.
Schon am Montagvormittag wurde mir beim Anrühren des Gebräus schlecht, da hatte ich noch keinen Schluck getrunken, der Geruch und der feine Staub in der Luft, brachten mich dem Kotzen sehr nahe. Mittag gab es noch eine Hühnerbrühe und ab 14.00 Uhr begann ich die eingerührten 3 Liter zu trinken. Dazu nahm ich immer noch eine Glas Apfelsaft und abends, nachdem ich 5 – 6 Liter getrunken hatte, gönnte ich mir ein Glas Wein. Das Schlimmste hatte ich nun hinter mir, weil ich die ganze Zeit die kalte Brühe getrunken habe, fröstelte es mich, ich kenne das schon, also nahm ich noch ein heißes Bad. Natürlich wurde ich auch in der Nacht mehrmals hochgeschreckt, weil ich auf Toilette musste. Nicht immer ging das gut, ich war jedenfalls froh, als die Nacht um war.
Um 11.00 Uhr hatte ich meinen Termin im Sana Klinikum in Lichtenberg. Da man morgens nichts mehr essen darf, bin ich rechtzeitig losgefahren, zuerst musste ich mich in der Zentralen Patientenaufnahme melden, da hat sich nichts geändert, nur dass die Endoskopie jetzt im Neubau des Klinikums ist. Die Schwester in der Anmeldung war sehr freundlich zu mir, ich gab alle Unterlagen ab. Den Abholer wollte sie auch gleich wissen, das hatte ich mit meinem Ex – Schwager Rolf schon abgeklärt, danach bekam ich noch einen Liter zu trinken. Ich brauchte nicht lange zu warten, außer mir war auch keiner da. Zwischendurch werden aber die Patienten aus den einzelnen Stationen untersucht.
Ich hatte eigentlich kein ungutes Gefühl, als ich im Engelhemd auf der Untersuchungspritsche lag und schon Sauerstoff bekam. Die Schwester legte mir den Port für die Spritze und meinte es dauert noch etwas der Doktor macht noch eine Untersuchung, damit ich nicht friere, deckte sie mich zu, dann wurde es still. Ich hatte genug Zeit nachzudenken, der Sauerstoff erinnerte mich deutlich an das letzte Jahr, als ich die Schilddrüsenoperation hatte. Es dauerte fast 30 Minuten, bis der Doktor kam, er entschuldigte sich und suchte nun die Schwester. Danach bekam ich die Spritze, er sagte ich solle mir einen schönen Traum suchen, worauf ich antwortete, ich will ja etwas sehen. Aber eine wohlige Wärmen umfing mich schon, leicht benommen bekam ich die ersten Bewegungen im Darm mit. Später als ich etwas zu mir kam, sah ich mindestens 4 Leute neben der Liege stehen und die Schwester versuchte durch drücken und quetschen den Schlauch irgendwo hinzubekommen. Der Doktor gab mir noch einmal 4mg Dormicum in die Blutbahn. Als ich rausgefahren wurde, hörte ich noch jemands sagen; „Eine Unordnung ist das bei Ihnen im Bauch!“
Gegen 14.00 Uhr wurde ich von der Schwester gesagt, dass ich aufstehen kann, aber langsam. Ich war schon eine Weile wach und lies unter großer Vorsicht meine „Winde“ ab, denn bei der Untersuchung wird gehörig viel Luft in den Darm gepumpt. Ich bat die Schwester meinen Ex - Schwager anzurufen, der natürlich um die Zeit noch auf der Arbeit war, dass ich so zeitig schon fertig bin, hatte ich nicht angenommen.
Als ich angezogen war, kam der Doktor und brachte mir den Arztbrief, was da drin stand war nicht so prickelnd.
Normaler digitaler Tastbefund. Der Darm war wieder nicht sauber, ich dachte es mir schon, deshalb war die Beurteilung in den proximalen Abschnitten nur mit erheblichen Einschränkungen beurteilbar. Eingesehen wurde bis zum Coecum, erschwerte Passage durch ein schlingenreiches und fixierte Sigma. Das war also die Unordnung!
Anastomose ausreichend weit, ohne Hinweis für Lokalrezidiv. Oberhalb der Anastomose großes mindestens 4 cm durchmessendes Ulcus.
Ansonsten unauffällige Schleimhautverhältnisse.
Diagnose: Reizlose Anastomose bei 9 cm ab ano bei Z.n. anteriorer Rektumresektion
Anastomosenulcus, fibrinbelegt, oberhalb der Anastomose
Procedere: Es erfolgte eine postinterventionelle Nachsorge. Über die Problematik der Fahruntüchtigkeit wurde aufgeklärt. Der Patient verließ die Abteilung voll orientiert und subjektiv beschwerdefrei. Bitte Behandlung mit Salofalk Klysmen. Endoskopische Kontrolle in 8 Wochen. Bitte US – Abdomen.
 Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich schon einmal über Anastomose gelesen habe, es gab zwar eine Diagnose, die nicht voll in Ordnung war, aber scheinbar auch nicht so sorgenvoll.
Mein Ex – Schwager holte mich gegen14.30 Uhr ab und er brachte mich in die Wohnung, bekam dafür eine Einkaufstüte Walnüsse.
Zum Abendbrot gab es bei mir Bratkartoffeln, denn ich hatte über 24 Stunden nichts gegessen. Später las ich mir den Befund noch einmal durch und machte mir schon einige Gedanken, denn der oder das Ulcus befindet sich in unmittelbarer Nähe der Nahtstelle. (Anastomose)
Ich werde mich am Montag mit meiner Onkologin beraten. So ist das, wenn man mit keinem schlechten Gefühl zu solch einer Untersuchung geht.
Am nächsten Tag hatte ich schon Schmerzen im gesamten Bauchraum und keine wirkliche Lust zu etwas Produktiven. Ich bastelte lustlos an meinem Puzzle weiter, das ich während der Darmreinigung am Montag angefangen habe. Die „WERSTMINSTER BRIDGE “ mit 636 - Teilen soll einmal eine Wand zieren. Es zeigt die Londoner Westminster Bridge mit dem House of Parliament und Big Ben im Hintergrund zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Im Vorfergrund ist einer der ersten Londoner Doppeldecker – Busse. Ein Original von H.P. Gibsons & Sons Ltd. England.
Nun hieß es warten bis zum Montag, zum Termin bei meiner Onkologin, d.h. natürlich nicht nichts zu machen.
Ich war immer noch hin und her gerissen, zwischen Kauf oder Aufrüstung meines PCs. Mein Kumpel hatte sich nach langem zaudern einen neun TFT Bildschirm gekauft, 26 Zoll, den musste ich mir unbedingt ansehen, obwohl ich mir nur wegen der Flugsimulation so ein Gerät nicht kaufen werde. Er funktionierte nicht richtig, also helfen konnte ich auch nicht wirklich. Er hatte noch eine Grafikkarte, viel besser als meine, die er mir probehalber mitgab. Ich glaubte ja nicht, das sie funktioniert. Es klappte doch, „welch Wunder“, nun habe ich den Entschluss gefasst, dem alten PC noch etwas Gutes zu tun. Bevor ich beim Kumpel eintraf, hatte ich aber schon eine Berlinreise hinter mir, zur Schlossstraße, dort wollte ich mir bei „Woolworth“ eine Trainingshose kaufen, denn es stand ja noch ein eventueller Krankenhausaufenthalt bevor. Die Hose vom vergangenen Jahr für 4 Euro kann ich nur noch als Arbeitshose anziehen. Leider hatte „Woolworth“ wegen Umbauarbeiten geschlossen. Bei „Hugendubel“ hatte ich mit der Suche nach Lernkalender für Englisch auch keinen Erfolg. Danach fuhr ich weiter zur Schönhauser Allee, natürlich mit Zwischenstopp bei „Konnopke“, dem wohl bekanntesten Currywurststand in Berlin. Den kenne ich nun auch schon seit 35 Jahren, früher brauchte ich, von meiner damaligen Wohnung in der Dimitroffstraße nur 15 Minuten mit der Tram zu fahren, deshalb fand ich mich dort öfters ein. Ich kann mich noch ganz gut daran erinnern, dass es dort auch Weihnachtsbäume gab, damals als man aus zwei Bäumen einen machen musste.
Die Wurst war aber nicht der Hauptgrund, ich wollte mir in der Dunkerstraße zwei Bilder auf Keilrahmen ziehen lassen, die Rapsfelder, die schon seit fast zwei Jahren auf der Festplatte schlummern.
Am Sonntag fuhr ich zur ComBär (Computerbörse) nach Marienfelde, die jetzt auf der Trabrennbahn stattfindet, ich wollte mir für meinen PC zwei neue Module Arbeitsspeicher je 512 MB kaufen und eine PCI Karte mit einem USB 2.0 Anschluss kaufen. Für meinen Kumpel besorgte ich ein DVI – Kabel, es muss ja nicht jeder hingehen, bei 6 Euro Eintritt. Ich bekam alles und konnte sogar meine zwei alten Module in Zahlung geben. Die ComBär wird auch immer mieser, anders kann man es nicht sagen.
Beim Kauf des Arbeitsspeichers stellte ich plötzlich fest, mir fehlt etwas, die Fernbrille, die ich immer absetzte, damit ich etwas lesen kann. Ich durchsuchte alle Taschen und Beutel, fragte an den Ständen nach, wo ich etwas gekauft habe, sie war weg. Ich plante ja schon seit geraumer Zeit mir eine Neue machen zu lassen, denn meine hat mindestens 15 Jahre auf den Buckel. Ich war verärgert über meine Dämlichkeit, konnte mich auch gar nicht genau erinnern, ob ich die Brille überhaupt mithatte, denn draußen habe ich die Sonnenbrille aufgehabt. Meine letzte Hoffnung war, vielleicht liegt sie ja doch zu Hause!!
Lag sie natürlich nicht. Auch wenn es sicherlich Schlimmeres gibt, so sollte die Brille nicht enden.
Das Drama ging aber noch weiter, erst erkannte der PC den neuen Arbeitsspeicher nicht, alten hätte ich gar nicht mehr da, aber er entschied sich wohl dann doch ihn zu akzeptieren. Die USB – Karte erkannte er zwar, aber die Anschlüsse funktionierten nicht. Mein Resümee, ein ausgesprochener Scheißtag. Ich wollte mich auch nicht weiter aufregen, denn in der kommenden Woche stand wieder einmal ein sehr stressiges Programm vor mir. Als ich Mutter anrief und ihr meine Erlebnisse schilderte, hatte sie auch noch eines beizusteuern, im Schuppen regnete es rein, na prima und dass kurz vor dem Winter, ob ich da helfen kann, weiß ich noch nicht wirklich. Eigentlich ist der für die Ausbesserung zuständig, der die Arbeit verrichtet hat und das war mein Neffe Daniel.
Am Montag musste ich zur Auswertung, die Onkologin war mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden, besonders die Darmspiegelung und die festgestellte Entzündung machte ich ebenfalls Sorgen. Den Medikationsvorschlag der untersuchenden Ärzte stimmte sie zu und schlug in einem großen Buch nach, ich bekam Salofalk (Mesalazine) 4g / 60 ml Klysmen Suspension verschreiben. Mehr sagte sie nicht dazu, ich hatte auch keine Fragen weiter, noch nicht ahnend was mich erwarten wird.
Zum Thema Nackenlipom war sie auch der Meinung, das muss stationär gemacht werden, der dort tätige Chirurg hatte Urlaub, er sollte es sich noch einmal ansehen und mich dann zur prästationären Sprechstunde im Sana – Klinikum überweisen.
Vielleicht merkte sie auch, dass ich mit dem nochmaligen Termin nicht wirklich glücklich war, denn plötzlich meinte sie; „Ach Herr Ullmann, eigentlich braucht er Sie nicht noch einmal ansehen, ich schreibe Ihnen die Überweisung gleich aus!“ Das fand ich sehr angenehm und natürlich bedankte ich mich dafür, sie hätte es nicht machen brauchen, aber meine freundliche Art hat eben auch viel Positives für mich.
Mitte Januar war der nächste Termin bei ihr.
Da das medizinische Zentrum in der Poliklinik ist, holte ich mir sofort einen Termin, den bekam ich für Ende November, bei dem wird dann der Operationszeitpunkt festgelegt. Anschließend fuhr ich noch zu meinem Kumpel, um ihm das Kabel zu übergeben, aber wir trafen uns in den Potsdamer Platz – Arcaden, ich hatte keine Lust erst in seine Wohnung zu gehen.
Am Nachmittag habe ich noch etwas am PC gebastelt, aber die Karte nicht hinbekommen, in dem Zusammenhang habe ich Windows XP noch einmal neu aufgespielt, einschließlich Formatierung der Festplatte, manchmal hilft es ja, half aber nichts.
Der Termin bei der Neurologin war nicht so aufregend, es bleibt alles so, wie es ist, einen neuen Termin für das nächste Jahr konnte ich nicht bekommen, weil kein neues Bestellbuch da war, was es so alles gibt.
Mein Puzzle habe ich inzwischen auch fertig gebastelt und noch beinige andere Arbeiten in der Wohnung gemacht, Verschönerungsarbeiten in der Wohnung, man will sich ja wohl fühlen.
Das waren noch nicht alle Arzttermine für diese Woche, am Mittwoch war der Besuch beim Hausarzt geplant und anschließend wollte ich die Bilder abholen und bei meiner alten Tante vorbeischauen.
Meinem Hausarzt gab ich die Befunde, er sagte freimütig, „Ich bin froh, dass Du in den Händen der Spezialisten bist!“ Danach gab es die üblichen Untersuchungen und die Witzelein über unser Dasein.
Um mir den Stress im Dezember fernzuhalten, habe ich mir den nächsten Termin im Januar geben lassen, hauptsächlich auch um an die Überweisungen zu kommen.
Danach holte ich die Bilder ab, gönnte mir noch eine „Curry“ bei Konnopke und was passiert, es scheißt  eine Taube direkt auf die Schrippe, meine Jacke bekam auch noch einen Streifschiss ab, ich fasse es nicht, wieder mal trifft es mich, ich war doch schon mit der Brille genug bestraft. Ich holte mir eine neue Schrippe und weiter fuhr ich mit der U – Bahn zum Alex. Hier habe ich für die Tante noch Gänseschmalz gekauft und weiter ging es mit der Bahn bis zum Frankfurter Tor. Meine Tante freut sich immer, wenn ich zum gemeinsamen Kaffeetrinken eintreffe, nebenbei erledige ich einige kleinere Arbeiten.
 Die Überraschungen waren für den Tag noch nicht vorbei, als ich in meine Apotheke kam und die bestellten Medikamente abholen wollte, legte mir die Apothekerin drei große Kartons auf den Tresen. Ich sagte sofort, „Das habe ich nicht bestellt!“, aber es klärte sich auf, es war die Salofalk Suspension, damit hatte ich nicht gerechnet, ich dachte es sind Tabletten. Waren es aber nicht sondern 21 Einläufe für den Darm, das hat mir gerade noch gefehlt, wo doch mein Darm auf alles Unbekannte nicht gerade freundlich reagiert. Ich bekam einen großen undurchsichtigen Beutel und lief vollbepackt nach Hause, eigentlich wollte ich ja noch zu Fielmann, aber das verging mir gründlich.
Zuerst habe ich mich im Internet schlaugemacht, lass auch die Anwendungshinweise, Nebenwirkungen, ein Vielzahl, aber wenn es hilft.
Ich weiß schon, was auf mich zukommt, erstens kann ich aufgrund meiner Bewegungseinschränkung ganz schlecht zu der bewussten Stelle kommen und zweites wird die Lösung überhaupt drinbleiben. Fragen, die sich in den nächsten ca. 40 Tagen klären werden.
Wie schon befürchtet die Stelle war für mich ganz schwer zu erreichen, danach sollte man mindestes 30 Minuten auf der linken Seite liegen bleiben, damit die Suspension in die leichte S – Kurve des Sigma fließen kann. Die Hilfsmittel, die ich für den Einlauf verwende, sind verlängerte Hebel, die ich weiter nicht beschreiben will, so spannend ist es für die Außenwelt nicht, man muss sich eben zu helfen wissen. Immer klappt es auch nicht die Suspension drin zu behalten. Ich bin froh, dass ich das niemand zumuten muss, Windeln sind noch einige da, ich werde mir wohl vom Hausarzt neue verschreiben lassen.
Die Irritation des Darms hat natürlich Auswirkungen auf meine gesamte Befindlichkeit, ich bin am liebsten zu Hause, eine Toilette immer in meiner Nähe. Nicht jeder hat dafür Verständnis, ich will auch nicht immer Erklärungen abgeben müssen.
Ein Event stand aber noch bevor, an dem ich unbedingt teilnehmen wollte, das Pilotentreffen der COLOURAIR in Berlin. Die erste Begegnung fand am Samstag 15.00 Uhr in der Aqua Lounge des Radisson SAS Hotels, gegen über vom Dom. Piloten aus Deutschland, Österreich und Norwegen waren dabei, nach einem Quiz und einem gemütlichen Spaziergang, wenn man bei dem Wetter von gemütlich sprechen kann, ließen wir den ersten Teil in der Schmankerl Hütte am Potsdamer Platz ausklingen. Hier gab es beim Bier und Abendbrot die  ersten Fachsimpeleinen. Ich bin danach aus den oben genannten Gründen anschließend nach Hause gefahren, der Abend ging aber in einer Gaststätte am Sony – Center weiter.
Am nächsten Tag trafen wir uns beim EVS – Flighttraining in Großbeeren, dort fand die eigentliche Konferenz statt. Das Highlight war der echte Boeingsimulator. Nun werden wir an die Umsetzung der neuen Pläne gehen. Vielleicht findet das nächste Treffen in Wien statt.
Manche Sachen lösen sich von selbst, aber der Reihe nach, am Montag war mein Termin bei der HNO – Ärztin, eine lange Schlange stand schon vor mir, als ich vor 15.00 Uhr aufkreuzte. Na das kann ja heiter werden, dachte ich so bei mir, denn ich stand außerhalb der Praxis, im Hausflur. Einige drängelten sich an mir vorbei, warum auch immer.
Plötzlich hörte ich mein Namen rufen, es hat System, die bestellen Patienten haben Vorrang, da ist es auch nicht so schlimm, dass das Wartezimmer bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Nach ca. 10 Minuten war ich dran, merkte schon vorher, dass Frau Doktor Bremer nicht da war. Da ich keine großen Probleme hatte, war es mir egal, die etwas ältere Ärztin begrüßte mich freundlich. Sie hatte meine Krankenakte gelesen und wusste, um was es geht. Die Untersuchungen waren darauf abgestimmt, sie sagte sofort, die Geräusche kommen ganz klar vom Morbus Bechterew. Zu machen ist da nichts mehr, ok nun hat mich doch definitiv eine Ärztin darüber aufgeklärt. Wir unterhielten uns noch über die anderen mich, gesundheitlich, belastenden Probleme. In drei Monaten soll ich schon wieder kommen, mit Hörtest. Die Vertretung war mir sehr angenehm, besonders auch wegen ihren Interesse an der Morbus Bechterew Therapie in der Charité.
Mein Kumpel hatte sich angesagt, ich sollte ihm eine DVD – Brennen, die unbedingt zum Flugsimulationszentrum in Großbeeren mitnehmen wollte, ich war wieder einmal seine letzte Rettung. Einige Äpfel waren noch im Kühlschrank, da ich wusste, dass er ein „Kuchenzahn“ ist, beschloss ich noch einen Apfelkuchen zu backen, kein Problem für mich. Leider sind sie Marzipanplätzchen nichts geworden, neben dem Staubsaugergeräusch muss ich wohl den Kurzzeitwecker nicht gehört haben. Ich konnte sie zwar noch essen, aber anbieten konnte ich sie nicht. Der Kuchen muss wohl gut gewesen sein, denn mein Kumpel hat fast einen Halben aufgegessen.
Da geschah noch etwas, meine Obermieter zogen aus, ich weiß es nicht warum, aber ich glaube ein menschliches Schicksal liegt dem Auszug zugrunde. Da tat es mir schon wieder leid um die Frau, ich habe sie nur alleine gesehen beim Ausräumen der Wohnung. Ihren Lebenspartner, den ich schon öfters mit Alkohol in der Öffentlichkeit gesehen habe, ist wohl dem selbigen verfallen.
Nun will ich nur hoffen, dass es über mir mit den nächsten Mieter ruhiger wird, entgegen allen Erfahrungen haben die schon eine Woche danach die Wohnung bezogen. Was das für Leute sind, weiß ich noch nicht.
Die letzten Wochen habe ich immer wieder in meiner Wohnung Verschönerungsarbeiten durchgeführt, jetzt bin ich fast fertig, habe auch „Schnauze voll“, dafür sieht es jetzt überall, meinen Vorstellungen entsprechend aus, nun ist nur noch das Weihnachtszeug aufzubauen, denn am Wochenende haben sich Mutter und Sonja angesagt.
Alle Sendungen, aus Liverpool, London, Budapest, Wendenschloss und dem Niederlande sind eingetroffen. Während die einen, wie „Peitschen Peer“ und „Meister Röckle“, Rettungspakete jeglicher schnüren, schnüre ich ganz ohne Krise meine Weihnachtspäckchen. Man weiß ja nie, denn am Freitag muss ich zur Operationsvorbereitungstermin in das Sana Klinikum.
Am Mittwoch begab ich mich zu meiner Krankenkasse in der Wallstraße, um mir die Kostenübernahme für den Krankenhausaufenthalt einzuholen. Mein Patientenheft, in dem die Vorsorgeuntersuchungen eingetragen nahm ich bei der Gelegenheit ebenfalls mit. Ich finde die Kostenübernahme etwas sehr umständlich, den der Überweisungsschein meiner Ärztin muss erst an die Stelle gefaxt werden, die diese genehmigt, das dauert bis zu 30 Minuten, deshalb habe ich zwischenzeitlich einen kleinen Spaziergang unternommen. Am alten Hafen an der Spree gibt es immer etwas zu sehen, das Wetter lud zwar dazu nicht gerade ein. Mit dem Bonusheft gab es keine Probleme, ich habe ein neues Blatt für 2009 bekommen, es gibt 30 Euro,
für die Grippeschutzimpfung,
für die Darmspieglung und
für den Zahnarztbesuch.
Die Kosten für den Krankenhausaufenthalt wurden natürlich ebenfalls übernommen, ich denke das ist normal, ich hoffe es wird auch in den nächsten Jahren so bleiben.
Danach fuhr ich mit dem Bus zum Bahnhof Friedrichstraße um mir im "Visit Britain" die neusten London – Planner zu holen. Ich bekam sie für die Monate November bis Januar und die traurige Mitteilung war, das Reisezentrum macht zu am Montag, Glück gehabt, schade eigentlich, nun gibt es keine mehr. Fahrkarten kann man dann nur noch online buchen, der Grund der Schließung ist die zu teuere Miete. Ich hoffe aber, dass es vielleicht in der nächsten Zeit wieder ein Reisezentrum geben wird.
Im Sana – Klinikum nahm ich am Freitag den Termin in der Chirurgischen Einweisungssprechstunde wahr. Im Medizinischen Einweisungszentrum hat sich einiges verändert, das Wichtigste ist man bekommt den Behandlungsvertrag ausgehändigt und braucht  zur Aufnahme  nicht noch einmal in die Zentrale Patientenaufnahme. Nachdem ich alle Unterlagen ausgefüllt hatte, kam schon der Chirurg und es ging los, er besah sich noch einmal das Lipom.
Er meinte, es ist sicherlich ›nur‹ ein Lipom, aber vor einiger Zeit hätte man bei einer solchen Operation, Metastasen festgestellt, deshalb wollte er, dass noch einen MRT gemacht werden sollte, die Kernspin - Tomographie, auch Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT genannt, ist eine diagnostische Technik zur Darstellung der inneren Organe und Gewebe mit Gewebe mit Hilfe von Magnetfeldern und Radiowellen. Als er mein Gesicht sah, sagte er: »Es ist besser so, um alle Eventualitäten auszuschließen, das wäre auch im Hinblick auf meine Vorgeschichten notwendig!«. Deshalb fand ich mich damit ab, obwohl ich diese enge Röhre hasse, wie die Pest.
Den Termin für die Aufnahme in die Chirurgische Klinik, Station 6A habe ich auch bekommen, am 3. Dezember 9.00 Uhr soll ich erscheinen, die Operation wird am Donnerstag sein und am Sonnabend kann ich vermutlich wieder nach Hause. Ich genieße die Aussage immer mit etwas Vorsicht. Der Nikolaustag hat für mich immer einen besonderen Anstrich, das Ende der Bestrahlung und meine erste Londonreise, historischer Ereignisse.
Danach kam noch eine andere Ärztin, die die üblichen Untersuchungen machte, einschließlich Blutabnahme. Die MRT erfolgt nach der Aufnahme auf der Station. Die Chirurgische Klinik befindet sich im Neubau, die Zimmer habe ich mir vor einem Jahr schon angesehen, damals machte das alles einen sehr guten Eindruck auf mich.
Als der Arzt, der einen sehr lockeren Eindruck machte, von einer Vollnarkose erzählte, wollte ich ihm von den Probleme bei der Letzten im Zusammenhang mit der Schilddrüsenoperation erzählen. Das kann ich dem Anästhesisten schildern, zu dem ich anschließend noch muss.
Im Warteraum befanden sich nun schon eine ganze Reihe von Leuten, die meisten aber mit Anhang, deshalb war es so voll. Ich wartete geduldig, ich hatte gelesen, dass der Termin bis zu zwei Stunden dauern kann. Uhr war keine da und bei meiner hatte die Batterie den Geist aufgegeben.
Nach einiger Zeit rief mich der Anästhesist, er ging mit mir noch einmal den Aufklärungsbogen durch und als ich ihm von Intubationsproblemen erzählte, meinte er gleich, man sieht es mir an, dass ich Morbus Bechterew habe. Er fragte, ob ich einen Anästhesiepass habe, hatte ich natürlich nicht. Sein Gesicht nahm bedenkliche Züge an, denn die Prozedur ist die Gleiche, der Beatmungsschlauch muss auch bei der Operation in die Luftröhre. Er begutachtete noch einmal genau meine Beweglichkeit und meinte, ich bekomme natürlich einen erfahrenen Arzt gestellt. Er klärte mich über eine noch andere Möglichkeit auf, dort wird einen Schlauch wie bei einer Magenspiegelung eingeführt und durch den Schlauch erfolgt dann die Intubation. Ich hatte mir das alles etwas unkomplizierter vorgestellt. Wenn es gar nicht geht, denn gibt es eine örtliche Betäubung und ich werde in einen Halbschlaf versetzt.
Ich lasse mich überraschen, Angst habe ich keine, ich vertraue den Ärzten. Insgesamt war ich mit dem Termin im Sana Klinikum sehr zufrieden, freundliche Schwestern und Ärzte, nach 3 Stunden stand ich, mit meiner Informationsmappe vom Sana – Klinikum, wieder auf der Straße.
Am Sonnabend habe ich mir nun endlich, nach Überprüfung meiner finanziellen Lage, eine neue Brille machen lassen, inspiriert von einem Angebot von Apollo - Optik, was ich im Briefkasten hatte. Eine Gleitsichtbrille für 99 Euro, statt über 300 Euro, sicherlich ein ›Lockvogelangebot‹ waren meine Gedanken. In der vergangenen Zeit habe ich mich des Öfteren bei Fielmann umgesehen. Service gleich Null, man wir als Kunde gar nicht beachtet, als ich mir nun endlich ein Gestell ausgewählt hatte, sagte mir die Bedienung, das wären aber Damengestelle. Sie verwies mich an einen anderen Aufsteller, aber Hilfe bekam ich keine, das reichte mir mit dem ›wunderbaren Fielm