Der Alleinflug oder Die Zeit die man Leben nennt
Hinweise:
Die Dokumentation ist unterteilt in vorerst 15 Kapitel, Prolog, Epilog und beginnt im Jahre 1999, ich möchte jedes Jahr, solange es mein Gesundheitszustand erlaubt, ein neues Kapitel schreiben. Einige Leser meiner Dokumentation waren der Meinung, ich müsste aktueller sein, deshalb habe ich mich entschlossen, um zeitnah zu bleiben, ab 2005 jeden Monat am "Alleinflug" weiter zu schreiben. Es fällt mir aber, durch die ständigen Iritis - Attacken, immer schwerer. Mit aktuell über 600 Seiten ist es schon ein stattliches Buch geworden, das auch als PDF - Dokument hier downloadbar ist.
Prolog – einige Vorbemerkungen
1. 1999 – Feierlichkeiten, Überraschungen und das Leben
2. 1999 Diagnosen, Krebs und die Verzweiflung aus dem Jahr 1999 und 2000
3. Operation und die Entscheidung zwischen Leben und Tod aus dem Jahr 2000 und 2001
4. Genesung, Hoffnung und ein Schicksalsschlag aus dem Jahr 2001 und 2002
5. Behörden, Kampf und das Selbstbewusstsein aus dem Jahr 2002 und 2003
6. Gerichtstermine, Katastrophen und ein Wiedersehen aus dem Jahr 2003
7. Feierlichkeiten, Scheidung und ein neues Problem aus dem Jahr 2004
8. Sorgen, Überraschungen, paar geklaute Monate und ein Jubiläum mit Praxistest
aus dem Jahre 2005
9. Erinnerungen, wieder Ärger, neue Glanzpunkte und ein erfüllter Traum aus dem Jahre 2006
10. New Year's Eve in London, neue Planungen und ein Fall für den Chirurgen aus dem Jahre 2007
11. Stress, Feierlichkeiten und dann kommt "DAS " auch noch! aus dem Jahre 2008
12. Hoffnung, Pläne und ein Brief vom Rechtsanwalt aus dem Jahre 2009
13. 2010 – Ein besonderes Jahr, wieder Krebs und einige ungeplante Ereignisse
14. Reha, neue Therapie und 42 Jahre später - aus dem Jahre 2011
15. Das war es ..., noch lange nicht - aus dem Jahre 2012
Epilog – Dank, Selbstwertgefühl und ein Fazit
Prolog – einige Vorbemerkungen
Eine wahre, ehrliche Geschichte, in der ich meine Erfahrungen und Erinnerungen, die mein Leben bestimmten aufgeschrieben habe. Im Mittelpunkt stehen die Jahre nach der Krebsoperation, einen großen Anteil an dieser Zeit hat meine Familie, deshalb nimmt sie einen besonderen Platz in dem Stück Zeitgeschichte ein. Da wo es passt, habe ich einige Episoden mit einfließen lassen. Ich bin mir bewusst, dass es nur eine subjektive Darstellung sein kann, meine Meinung muss deshalb nicht immer stimmen, sollte sich jemand missverstanden fühlen, so bedauere ich das ausdrücklich.
Da ich nicht im luftleeren Raum lebe, eine Vergangenheit habe und am Tagesgeschehen interessiert bin, äußere ich mich auch mehr und mehr dazu.
Ich möchte mit der Dokumentation anderen Menschen helfen, schwierige Lebensabschnitte zu überstehen, Wege gibt es, man muss sie nur erkennen und meistern.
Wenn ich nur einen kleinen Betrag leisten könnte, wäre eines meiner Ziele schon erfüllt.
Was ich nicht will ist Mitleid, wer Mitleid hat schaut immer aus einer Position der Überlegenheit auf den Bemitleidenden hinunter. Ich gehe aus dem ›Alleinflug‹ bestärkt hervor, über ein halbes Jahrhundert hat mich das Leben geprägt, jetzt präge ich das Leben und der Titel ist natürlich nicht zufällig gewählt.
Mein Lebensmotiv
Hoffnung ist eine gute Sache und gute Dinge können nicht sterben
hat mir über viele Probleme hinweggeholfen.
Für mich gab es drei wichtige Gründe mit dem Schreiben anzufangen, obwohl ich noch nie gern geschrieben habe, vielleicht ist es eine Fügung, die sich aus meinen Lebensumständen ergeben hat.
1. Schreiben ist mehr als nur ein Hobby – Schreiben hat mein Leben bereichert, denn kaum eine andere Freizeitbeschäftigung ist so fesselnd, so anregend und vielseitig wie das Schreiben.
2. Schreiben ist der Aufbruch in eine neue faszinierende Welt – mir hat das Schreiben geholfen verborgene Talente und Fähigkeiten zu erkennen. Dadurch entdeckte ich mein zweites, eigentliches ICH. Ich sah alles anders, mich selbst, meine Mitmenschen, die Welt in der ich lebe.
3. Schreiben schafft Anerkennung und Achtung – wer reich ist, wird bestenfalls beneidet. Angesehen, respektiert und geachtet wird, wer geistig reich ist, ob mit oder ohne Geld, bei mir eher ohne.
Geistiger Reichtum offenbart sich am ehesten in der Sprache. In der geschriebenen mehr noch als in der gesprochenen. Sie erreicht tausendmal mehr Menschen und ist nicht flüchtig wie der Augenblick.
Ich habe mich schreibend mit meinem Leben auseinandersetzt, inspirierende Entdeckungen gemacht und viel über mich sich selbst gelernt. Darüber mit welchen Strategien ich es geschafft habe, Herausforderungen zu begegnen. Oder darüber, was nicht nach Wunsch gelaufen ist, was ich (noch) nicht verwirklicht habe.
Manche Fähigkeit, mancher Traum ist so in mir wieder lebendig geworden. Die Erinnerungen aufzuschreiben haben mir geholfen, Klarheit zu schaffen, Abstand zu gewinnen, Probleme neu zu ordnen, Lebensfehler zu sehen und zu analysieren. So konnte ich schöne Momente noch einmal nachempfinden und daraus Kraft schöpfen.
1. Feierlichkeiten, Überraschungen und das Leben (1999)
Ich sitze wieder einmal vor meinem Computer, kann nicht schlafen, was mir übrigens sehr oft so geht. Aber er ist mein treuer Begleiter geworden, dem ich alles mitteilen kann, meine Termine zum Beispiel, er ist mein Helfer, indem er Briefe schreibt und druckt. Er kann faxen, e–mailen und mich mit der Welt verbinden. Er zeigt mir die weite Welt, in Gestalt der Flugsimulation als Pilot für virtuelle Airlines.
Es geht eigentlich nur um paar Jahre meines Lebens, aber es ging um alles, beginnen will ich mit meinem 50. Geburtstag. Ach was haben alle meine Geburtstagsgäste sich gefreut, mit mir zu feiern. Ich wusste gar nicht, dass ich so viele ›Freunde‹ habe, später blieben nur eine Handvoll Menschen übrig. Damals wusste ich nicht, wer von den ca. 40 Gästen (meine Verwandtschaft natürlich ausgenommen) ein wirklich Freund war. Es war eigentlich eine recht angenehme Feier. Ich fühlte mich aber körperlich nicht so richtig wohl, schwach und verlor immer mehr an Gewicht.
Das Verhältnis zwischen meiner Frau und mir wurde trotz unseres Umzuges immer kälter. Wir sind aufgrund der Tätigkeit meiner Frau, näher an ihre Arbeitsstelle gezogen, mir war es eigentlich egal. Ich war selbstständiger Taxifahrer und hatte eigentlich angenommen, dass sich unser Verhältnis vielleicht auch durch den Umzug verbessert. Mitten im Jahr 1999 hat sie mir mitgeteilt, dass sie sich scheiden lässt. Ich wollte es nicht war haben, aber am nächsten Tag lag das Schriftstück von ihrer Rechtsanwältin schon auf dem Tisch. Da meine Frau sich entschieden hatte, half auch kein Reden mehr und ein Tag später waren dann schon die Leute da, die den so genannten getrennten Haushalt einrichteten. Darunter auch solche ›Freunde‹ aus dem Kreise meiner Geburtstagsgäste. Ich kam zufällig dazu, als ich nach den ersten Fahrten noch einmal nach Hause bin und traute meinen Augen nicht, meine Sachen wurden alle in unsere ehemaliges Schlafzimmer geräumt. Ich glaube ihr neuer ›Lover‹ war auch dabei, dreister geht es wohl nicht. Ich blieb ruhig, obwohl ich innerlich kochte. Die Wohnung verließ ich sofort wieder und überlegte kurz, ob ich gleich an einen Baum fahre, oder später, zum Glück habe ich mich besonnen.
Als ich am Abend nach Hause kam, sah ich das Chaos, es lag alles im Zimmer auf einem Haufen, natürlich gab es einen Disput, aber kein lautstarker, als ich fragte, ob sie einen neuen Mann hat, bekam ich zu Antwort: Nein, mit der Frage, ob dadurch die Scheidung für mich leichter wäre!
Sicherlich hat jeder für die Scheidung Ursachen gesetzt, man hätte vielleicht über vieles reden können und müssen, aber so nach und nach gingen wir eigene Wege. Dazu kam noch der Beruf (Beamtin und Taxifahrer), es war schwierig, schon zeitmäßig eine Lösung zu finden.
Meine wirtschaftliche Lage war überaus schlecht, ich hätte eigentlich 24–Stunden fahren müssen, das beste Geschäft war abends und am Wochenende. Dabei musste etwas auf der ›Strecke‹ bleiben. Gemeinsame Kinder hatten wir nicht. Es verlief auch alles relativ ruhig, bis auf ein paar unsachliche Ausrutscher meiner Frau, ihr Jähzorn war mir ja über all die Jahre hinweg vertraut geworden.
Vielleicht war sie sauer, dass ich nicht gleich untergegangen bin, oder dass ich mir keine neue Wohnung gesucht habe, aber ich dachte an die Mühen der Renovierung, die ich fast alleine gemacht habe, anschließend ging es dann noch auf den ›Gummi‹ ; also auf das Taxi. Das war meine Faulheit die sie mir bis zum jüngsten Tag vorgehalten hat, außerdem wollte sie ja die Scheidung. Den irrsinnigen Vorschlag im Schreiben ihrer Rechtsanwältin, ich könnte in den Sommermonaten auf meinen Erholungsgrundstück ziehen und dort vorübergehend wohnen, kam natürlich nicht in Frage, erstens war es nicht mein Grundstück und zweitens habe ich vor vielen Jahren schon einmal einen solchen Fehler gemacht. Ich glaube je ruhiger ich wurde, umso mehr Gemeinheiten ließ sich einfallen. So trat sie des Öfteren, bevor sie zur Arbeit ging, gegen die Tür meines Zimmers, der Wohn –, Schlaf – und Bürokombination, unser ehemaliges Schlafzimmer. Sie wusste ja, dass ich noch schlief, weil ich erst spät in der Nacht oder früh am Morgen nach Hause gekommen bin. In dem Zusammenhang fielen auch solche Äußerungen wie: ›Blödes Schwein‹ und zum Abschluss wurde die Wohnungstür mit aller Wucht ins Schloss geworfen. Manchmal stellte sie auch das Wasser im Bad ab, um mich zu ärgern.
Ich war über die Scheidung sehr traurig und habe sie mehrfach versucht umzustimmen. Als ich aber merkte, dass ich mich zum ›August‹ machte habe ich damit aufgehört. Meine Frau war dann schon im Oktober des Jahres nicht mehr in der Wohnung und ich konnte mich ziemlich frei bewegen. Es war mir ja egal, wo sie war, aber eigentlich war es mir nicht egal. Angeblich schlief sie bei ihrer Schwester auf der Luftmatratze, ganz blöd bin ich nun auch nicht. Einen Schüssel hatte sie aber noch von der Wohnung und deshalb war ein plötzliches Auftauchen immer möglich.
Mein Leben bestimmte fortan nur noch das Taxifahren. Denn ich musste meine Existenz sichern. Als ich alle Ausgaben und Kosten ausgerechnet hatte, glaubte ich nicht daran es zu schaffen. Die Existenzangst begleitete mich jeden Tag von Neuem. Da keimten in mir manchmal sehr seltsame Gedanken!
Ich musste, um eine Summe zu nennen, im Monat ca. 2500 DM aufbringen um nicht unter der Brücke schlafen zu müssen und was am Schlimmsten war, ich hatte im Einvernehmen mit meiner Frau, die gesetzliche Rentenversicherung gekündigt. Mir war schon damals nicht wohl dabei, aber es gibt Fehler die nicht rückgängig zu machen sind. Solche Fehler macht man nur einmal und bekommt irgendwann die Quittung. Ein weiteres Problem musste ich noch mit meiner Krankenversicherung klären, die war nämlich ohne Krankentagegeld, ich änderte die Versicherung, nun bekam ich ab dem 43. Tag Krankentagegeld. Als ob ich schon etwas geahnt habe.
Es ist kein leeres Gerede, wenn behauptet wird, selbstständige Taxifahrer sind teilweise nicht in der Lage sich so zu versichern, um nicht bei Krankheit oder Trennung zum Sozialfall zu werden, noch ahnte ich nicht, was mir widerfahren wird. Nach einigen Monaten merkte ich, dass ich ganz gut zu Recht kam. Ich war mein eigener Herr und bekam nicht die ›freundlichen‹ Worte meiner Frau: » Warst du wieder bei deiner Freundin! «, oder andere Gemeinheiten, zu hören, wenn ich nach Hause kam. Ich fuhr nur noch nachts und an den Wochenenden, 12–15 Stunden oder bis es wieder hell wurde, es war sogar noch ›eine Mark‹ für Bier und Zigaretten übrig, die mir den Feierabend verschönerten. Ich dachte aber trotzdem oft an meine Frau, wir waren immerhin fast 10 Jahre verheiratet und hatten doch die ersten Jahre nach der Wende gut überstanden, wie konnten sogar in den Urlaub fahren. Ich wollte damals für unsere Hochzeit im Jahre 1991 was ganz Besonderes und habe eine Heirat in Dänemark organisiert, aber auch das hat nichts genutzt.
Der Wechsel ins neue Jahrhundert rückte langsam in greifbare Nähe. Es war für mich albtraumhaft, diesen alleine zu verbringen. In den vergangenen Jahren wäre mir nie in den Sinn gekommen, das erleben zu müssen, dass ich selber einmal zu den Einsamen gehört, war für mich vor Jahren unvorstellbar. Weihnachten, das erste ohne Frau verbrachte ich bei meinen Eltern und Geschwistern. So richtig glücklich war ich aber dabei nicht, zumal es meinem Vater, aufgrund seiner Krebserkrankung nicht wirklich gut ging. Nach meinem Geburtstag, der zwischen Weihnachten und Silvester liegt, bin ich wieder nach Berlin gefahren.
Dann kam die Nacht der Nächte, ich bin damals das erste und letzte Mal in meinem Leben über den Jahreswechsel als Taxifahrer unterwegs gewesen. Im Radio die Schlager des Jahrhunderts und auch Zeit zum Nachdenken übers Leben. Zum Jahreswechsel war ich mit mir und dem Lied ›Morning has broken‹ auf der Stadtautobahn allein unterwegs. Zurückblickend war es eigentlich eine schöne Nacht. Die Menschen waren froh ein Taxi zu bekommen, glücklich und zufrieden. Um 6.00 Uhr war für mich Feierabend. Die Frage wo und mit wem feiert meine Frau kam öfters, als mir recht war in den Sinn. Dann gab es doch noch eine Überraschung. Ich hatte mir natürlich eine Flasche Sekt kalt gestellt um das neue Jahr zu begrüßen und die Einnahmen zu zählen. So viel Geld hatte ich manchmal nicht in einer Woche. Ich war stolz auf mich, eine ›Kasse‹ von 670 DM plus Trinkgeld und es überkam mich schon eine Freude, aber leider keiner da mit dem man diese hätte teilen könnte. Es rief auch keiner an von den damaligen Geburtstagsgästen, obwohl ich mich schon manchmal mit jemand unterhalten hätte. Das wird auch später so bleiben, bis auf meine Verwandtschaft und eine einzige Ausnahme, mein noch Schwager mit Familie. Da spricht man eben mit sich selbst, geht auch und man kommt sich nicht einmal blöd vor dabei.
Meine Frau ist dann im Januar 2000 aus der Wohnung ausgezogen, ich war nicht anwesend, wollte das Drama nicht persönlich miterleben, somit weiß ich auch nicht wer geholfen hat, ob es die gleichen Menschen waren, die uns beim Einzug geholfen haben, einer war jedenfalls nicht dabei, mein noch Schwager. Mir kam es recht merkwürdig vor, dass der Auszug so schnell ging, nun war es endgültig und schon ein komisches Gefühl.
Einen Rechtsanwalt musste ich mir inzwischen auch nehmen, denn ohne ihn geht keine Scheidung. Dafür hatte ich überhaupt keine Zeit, kein Geld und es kotzte mich regelrecht an.
Gesundheitlich wollte es mir aber nicht so richtig gut gehen. Ich nahm immer mehr ab und hatte Probleme mit dem Stuhlgang, häufig Durchfall, dem Blut beigemischt war. Ich war mir ganz sicher es kommt von den Hämorriden, wie man später feststellen wird habe ich gar keine. Das Problem mit dem Krankengeld ab dem 43. Tag wurde mir zu heiß, also schloss ich nochmals eine neue Versicherung ab, bei der ich nach 15 Tagen Krankheit Geld bekam. Wieder höhere Kosten, denn die Versicherung ist natürlich teurer.
Ich wollte mir ein kleines Kapital erwirtschaften, denn ich hatte keinerlei Rücklagen, musste noch die Leasingrate für das Auto bezahlen und nun auch die gesamte Miete, es ging gerade so. Ich hatte im Notfall noch meine Eltern im Rücken, die mir und auch meiner Frau schon mehrfach geholfen haben. Bei der Rückzahlung immer großzügig waren, sie wird es wissen, denn ihr Auto wären ohne meine Eltern nicht möglich gewesen.
Blöderweise hatte ich im Februar noch einen Unfall an dem ich Schuld war, vielleicht belastet mich die Scheidung doch, mein Auto war aber nur leicht lädiert, sodass ich weiter fahren konnte, das hätte mir noch gefehlt.
Ich quälte mich noch einige Monate, aber dann beschloss ich im Mai 2000 zum Arzt zu gehen. In dieser Zeit gab es auch noch ein Kuriosum, ich besorgte mir über die Krankenkasse meiner Tante, den Auftrag, sie zur täglichen Bestrahlung in das Auguste Viktoria Krankenhaus zu fahren. Ein guter Auftrag, der auch noch bis in die Krankschreibung von mir ausgeführt wurde, die restlichen Fahrten musste dann ein anderer Taxifahrer übernehmen. In dieser Zeit habe ich über die Strahlentherapie überhaupt nicht nachgedacht, sah nur wie meine Tante litt.
2. Diagnosen, Krebs und die Verzweiflung
Mein Hausarzt, ein guter Bekannter, weil ich bei Eröffnung seiner Praxis, nach der Wende, einer seiner ersten Stammpatienten war und wir im selben Alter sind. In guten Zeiten haben wir auch schon mal ein Bier zusammen getrunken. In seiner Sprechstunde geht es ganz locker zu und wir sind per Du.
Als ich eintrat war er gleich über meine körperliche Verfassung schockiert. Er wusste auch dass sich meine Frau scheiden lassen will. Ihr fiel wohl dort beim Arzt kein besserer Grund ein als, ›Er trinkt, der Taxifahrer trinkt‹ . Was mein Doktor, trotz guter Freundschaft nicht tolerierte. Also, erst einmal Blut abnehmen und am nächsten Tag wiederkommen. Eine Überweisung zum Thoraxröntgen stellte er mir ebenfalls aus. Krank geschrieben hat er mich lt. Krankenschein wegen starker Gewichtsabnahme, innerhalb von 2 Jahren von 90 auf 70 kg. Nun gingen die Rennereien los, da war nichts mit gemütlich krankmachen und ausruhen. Es wäre auch seit 10 Jahren das erste Mal, verdient hätte ich mich eigentlich, aber bei den Selbstständigen ist es eben anders als bei den Beamten!
Den nächsten Tag wieder zum Doktor, der mich mit freundlichem Blick empfing, das konnte erst einmal nichts schlechtes heißen. Also, deine Blutwerte, hauptsächlich deine Leberwerte sind in Ordnung. Also, kein Trinker, sondern schlechte Ausrede für die Trennung. Aber nun kam er mit dem Diabetes heraus, eine neue Überweisung und los ging es. Arzt suchen und Termin holen. Mittlerweile war ich beim Röntgen und der Befund war negativ, darüber war mein Arzt echt froh, denn er dachte ich habe Lungenkrebs und weiter ging es zum Urologen, da war auch alles in Ordnung. Ja der Magen sollte auch noch angesehen werden, aber von innen, also, Termin geholt und hin. Ich hatte zwar schon davon gehört und es wurde unangenehme Geschichten darüber erzählt. Ich bekam vorher eine Faustan als Beruhigungstablette, man muss nur die Ruhe bewahren. Der Schlauch geht schon runter, die Ärztin arbeitete routiniert, es gab keine Feststellungen und schlimm war es auch nicht.
Inzwischen war ich bei meiner Diabetologin und wurde als Patient mit Diabetes Typ II a (tablettenpflichtig) eingestuft. Im Hinterkopf hatte ich sofort, dass man, wenn man sich spritzen muss, keine Personen mehr befördern darf und ich machte mir schon wieder Sorgen um was, das noch gar nicht aktuell war, aber so bin ich nun einmal. Na gut. Wir fingen erst einmal mit kleiner Dosis an, zum Essen dreimal täglich eine Tablette Novo Norm 1mg, Wiedervorstellung in 14 Tagen. Die Ärztin machte mir einen sehr gründlichen Eindruck, was auch die langen Wartezeiten begründete. Sie ist sympathisch und nahbar, für mich sehr wichtig, ich stand ja erst am Anfang der langen Kette von Arztbesuchen.
Für den Doktor war mein Problem eigentlich geklärt und dann sagte ich ihm zögerlich, dass ich manchmal Blut im Stuhl habe, aber nur sehr wenig und auch Durchfall. Ich erzähle ihm nicht dass ich hin und wieder vom Halteplatz von der ersten Stelle leer davon fahren musste, weil das Taxi sonst ›voll‹ gewesen währe. Ich erzählte auch nicht, dass ich schon einmal mir die Hosen zubinden musste um aus dem Auto auszusteigen und ich erzählte ihm auch nicht, dass schon die Putzfrauen aus der Toilette von mir verwiesen wurden.
Da der Urologe keine Hämorriden festgestellt hat, habe ich es ihm gesagt und mir wurde schon langsam etwas mulmig zumute. Ich fragte deshalb meinen Doktor, wie denn das ist bei so einer Untersuchung, der Darmspiegelung. Die Antwort war knapp: »Genauso wie beim Magen, nur von hinten«. Er hat wahrscheinlich auch noch keine Koloskopie machen lassen. Also, wieder Arzt suchen, Termin holen und hingehen. Das Schlimmste waren, die 3 bis 4 Liter, von diesem immer scheußlicher schmeckenden Zeug zu trinken um den Darm zu reinigen.
Ende Juni 2000, an einem Mittwoch war der Termin für die Koloskopie, mit einem unguten Gefühl bin ich hin, irgendetwas muss sein, vom Darmkrebs habe ich schon gehört, nie etwas Gutes. Der Doktor hat bestürzt, gleich wieder aufgehört, es war also gar keine richtige Darmspiegelung. Als ich ihn fragte, was ist, sagte er es gäbe im Darm, schon stark blutende Tumoren. Ich sollte mich bei meinem Arzt melden. Ich hatte aber erst am Freitag einen Termin, so verbissen habe ich das damals gar nicht gesehen. Meine Cousine holte mich ab und nahm mich mit nach Königs Wusterhausen. Ich glaube es war gut so. Den Befund hatte ich bei mir, später am Nachmittag fuhr sie mich in die Wohnung.
Im Briefkasten lag die Mitteilung meiner Krankenkasse, ab Montag sei ich wieder arbeitsfähig, mit dem Doktor hätte man schon gesprochen. Also, alles o.k., es gibt schon manchmal komische Überschneidungen im Leben, ja schon fast pietätlose.
Am Mittwochabend klingelt das Handy bei mir, der Hausarzt, in heller Aufregung, der Arzt hatte ihn informiert, ich sollte am nächsten Tag sofort in seine Sprechstunde kommen. Die Telefonnummer besorgte er sich von meiner Frau, einen Festnetzanschluss hatte ich damals nicht.
Mir war immer noch nicht ganz bewusst was los ist, aber er sagte es mir: »Henry, du hast vermutlich Darmkrebs!« Ich nahm immer an, die Proben werden erst zur Untersuchung eingeschickt und das Ergebnis dauert. Der Doktor hatte, wenn ich es richtig mitbekommen habe, gar keine Biopsie gemacht. »Henry, du musst sofort operiert werden, dein Leben hängt am seiden Faden!«
Das war mir nun gar nicht recht, es gab noch eine Menge klären. Die Statistik sagt zum Darmkrebs auch nichts Gutes aus, von 50.000 Erkrankungen, sterben 30.000. Übers Sterben habe ich mir ja bis jetzt noch gar keine Gedanken gemacht.
Der Doktor hatte sich schon mit dem Krankenhaus Lichtenberg (Oskar – Ziethen – Krankenhaus) in Verbindung gesetzt, aber noch keine Zusage erhalten. Nun das ging mir nun wirklich viel zu schnell. Ich fuhr wieder nach Hause, denn mein Doktor wollte mich anrufen, wenn es so weit ist. Noch schnell bei der Krankenkasse vorbei zu Bestätigung der Kostenübernahme für die Krankenhauseinweisung, um was man sich so alles kümmern muss, aber ohne Unterschriften geht in Deutschland nichts, egal wie krank man ist. Unterwegs rief mich meine Frau an und fragte was los ist. Ich habe es ihr gesagt, sie wünschte mir alles Gute, ich bedankte mich artig, ob es vom Herzen kam, ich weiß es nicht.
Am Freitag musste ich noch einmal zur Sprechstunde um die Befunde zu holen, der Termin für die Einweisung war Montag. Da wurde mir wieder bewusst, wie es ist, wenn man allein ist. Das Testament war schon geschrieben und in einem Computerprogramm mit dem treffenden Namen ›Mein Letzter Wille‹ , war vermerkt, was wichtig ist. Dort standen solche Dinge, wie, welche Zahlungen sind zu entrichten, welche Versicherungen sind vorhanden und gegebenenfalls zu kündigen. Es war nun, bis auf die Patientenverfügung, alles vorbereitet.
Für den Sonnabend war der Familienrat einberufen worden. Das Treffen fand in Königs Wusterhausen bei meiner Cousine statt. An diesen Treffen nahmen meine Eltern, meine Schwester und meine Zwillingstanten teil. Da meine Cousine am nächsten wohnte, ich ihr vertraute, wurde sie bevollmächtigt und die Patientenverfügung angefertigt. Mein Vater und meine beide Tanten waren zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon an Krebs erkrankt. Es war also nicht gerade eine fröhliche Zusammenkunft, dazu kommt noch, dass alle aus meiner Familie nicht gerade unsensibel sind. Mutter und meine Schwester Sonja sind mit zu mir gefahren, es wurde ein kleiner Abschied gefeiert, bei äußerst gedämpfter Stimmung. Am nächsten Tag brachte der Sohn meiner Cousine einen Sessel, denn die Sitzgarnitur hatte meine Frau mitgenommen, so brauchte ich nicht auf dem Stuhl beim Fernsehen sitzen. Mein Wohnzimmer strahlte zu dem Zeitpunkt überhaupt keine Gemütlichkeit aus, der Sessel, der auch als Schlafsessel nutzbar war, brachte etwas Wohnlichkeit hinein. Der anschließende Abschied in Königs Wusterhausen war kurz und traurig. Ein Tag blieb mir noch. Ich habe meinen Kollegen gebeten mich am Montag ins Krankenhaus zu fahren, was er auch gerne, unentgeltlich, getan hat. Dann war die Einsamkeit wieder da, kein Anruf, kein Gesprächspartner, das Leben war mir eigentlich egal, oder lag es an den Beruhigungstabletten.
Wie mir zumute war ist in meinem Abschiedsbrief zu lesen.
Abschiedsbrief vor meiner Operation vom 30.06.2000
Einen Tag vor meiner Einlieferung ins Krankenhaus,
möchte ich noch ein paar Zeilen für die Nachwelt schreiben.
In solch einer Situation kommen ganz einfach solche Eingebungen.
Alle die mich Kennen und Mögen wissen , dass ich eigentlich ein stehst froher, gutmütiger und in der Regel liebenswürdiger Mensch gewesen bin.
Ich habe natürlich auch Fehler und andere Eigenarten gehabt, aber ich denke das Positive hat überwogen.
Mein ganzes Leben war durch erfolgreiche Arbeit geprägt, nur die letzten 10 Jahre nach der Wende, die Selbstständigkeit, hat mich psychisch und physisch an den Abgrund gebracht.
Leider hat es meine zukünftige Ex – Frau auch nicht verstanden mich diesbezüglich aufzubauen, sie wählte ein einfaches Mittel, die Scheidung, vielleicht war ich in meiner Beziehung zu tolerant. Die gesamten Lebensumstände sind mir wahrscheinlich auch zum Verhängnis für meine Gesundheit geworden. Ich habe es auch bis heute nicht verwunden, das diese Frau die Scheidung eingereicht hat. Wie kann ein Mensch nur so scheinheilig sein, so lange wie mein Geld floss, war ich für sie ›Mein Henry‹ der überall in den Himmel gehoben wurde.
Es gab in meinem Leben viele schöne Stunden; – Geburtstagsfeiern – Familienfeiern in Zeuthen – Familienfeiern in Dresden oder Auritz – Gemeinsame Urlaube mit meinen Eltern – und vieles anderes mehr.
Heut bin ich froh, dass ich mich mit meiner Verwandtschaft und besonders mit meinen Eltern nicht überworfen habe. Alle stehen mir in diesen Stunden bei und ich fühle mich nicht alleine gelassen.
Ich habe mich sehr gefreut, dass die Eltern und Schwester Sonja mich in dieser schweren Stunde noch einmal besucht haben, obwohl es bestimmt für alle (Tanten, Cousine) nicht einfach war.
Ich habe heut die kleine Flasche Sekt noch getrunken, natürlich auf das Wohl von Euch allen. Morgen ist es nun soweit. Ich hoffe ihr vergesst mich nicht und denkt an die schönen Stunden.
Ich möchte in Berlin keine Trauerfeier, meine Urne sollte nach Möglichkeit in Bautzen untergebracht werden.
In Erinnerung Henry
3. Operation und die Entscheidung zwischen Leben und Tod
Ein sonniger Tag begann, aber was interessierte mich das schon, es war Montag. Den letzten Abfall entsorgt und dann stand das Taxi auch schon vor der Tür. Ich habe in den 10 Jahren als Taxifahrer schon viele Menschen ins Krankenhaus gefahren, dass ich selbst einmal in diese Situation komme, wäre mir damals im Traum nicht eingefallen. Eine kurze Verabschiedung vom Kumpel und dann ließ ich die Vergangenheit hinter mir.
Ich war innerlich ruhig und meldete mich auf der Station 3.3 der Chirurgischen Klinik im Oskar – Ziethen – Krankenhaus. Mir wurde aber mitgeteilt, dass ich erst zur Anmeldung des Krankenhauses muss, um die Anmeldeformalitäten zu regeln. Als das geklärt war, ging ich zurück auf die Station und bekam mein Bett in einem Dreibettzimmer. In dem ein Bett besetzt war, aber dieser Herr ging am nächsten Tag auf eigenen Wunsch nach Hause. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass es so etwas gibt. Ich blieb dann in diesem Zimmer allein bis zur Operation und hatte genug Zeit über mein Leben nachzudenken.
Das Krankenhaus in Lichtenberg ist noch in der Rekonstruktionsphase und deshalb auch nicht so modern eingerichtet. Es war ein Fernseher im Zimmer vorhanden, aber keine Toilette und kein Tisch zum Essen. Das Essen wurde auf dem Flur eingenommen. Mir war es die erste Woche egal, ich bekam sowie so nichts zu Essen. Ich fühlte mich fremd und einsam in diesem Krankenhaus, was aber, man sollte es nicht glauben, die nächsten Tage und Wochen verging. Es war für mich zeitweise zum zweiten zuhause geworden. Man lernte die Ärzte, Schwester und Mitpatienten kennen. Ich wollte zwar nicht für immer im Krankenhaus bleiben, aber es ließ sich aushalten.
Der erste Morgen war schon entsetzlich für mich, ich hatte wie ein kleines Kind ›das Bett voll‹ gemacht. Die Schwestern nahmen es gelassen überzogen es frisch. Dann bekam ich bis zur Operation, ›Pampers für Erwachsene‹ . Was es alles gibt, dachte ich. Dann gingen die Untersuchungen los, die waren natürlich nicht angenehm, da es sich immer um den Darm handelte. Sie zogen sich die ganze Woche hin, mehrere Darmspiegelungen, mit und ohne Kontrastmittel, mir wurden Sonden eingeführt, es wurde geröntgt und mehrere CTs durchgeführt. Ich habe es über mich ergehen lassen (müssen), andere Chancen hatte ich nicht und ich wurde regelrecht gleichgültig.
Am Freitag wurde mir mitgeteilt, dass ich am Montag operiert werden sollte. Die Diagnose hatte sich bestätigt. Bei mehreren Gesprächen wurde ich durch die Ärzte über die Operation aufgeklärt und vorbereitet, das letzte Gespräch fand am Freitag statt.
Bei den Gesprächen ging es im Prinzip darum, mir die drei Alternativen aufzuzeigen;
•• – die Erste war, es wird ein Stück vom Darm entfernt, dann wird er wieder zusammengenäht
und es ist alles o.k.
•• – die Zweite wie oben, nur es gibt einen künstlichen Darmausgang für einige Zeit oder für immer,
•• – die Dritte war, man kann nichts mehr machen und dafür gab es Anzeichen,
da der Tumor in der Nähe der Leber war.
Nun musste ich entscheiden ob ich die Operation überhaupt will, natürlich entschied ich mich für die Operation. Ein Grund dafür war, dass ich im Krankenhaus nicht das Gefühl hatte als Schwerkranker behandelt zu werden, deshalb habe ich versucht, den Gedanken an den Tod zu verdrängen, aber irgendwo nistet er sich eben doch im Hinterkopf ein.
Bis zu Operation habe ich mehrmals Besuch von meinen Verwandten bekommen, dass heißt von meiner Cousine, ihrem Sohn und von meinen Zwillingstanten, der letzte Besuch war am Sonnabend. Meine Frau habe ich angerufen und sie gebeten mich am Sonntag noch einmal zu besuchen, sie hat mir damals versprochen es zu versuchen, aber dabei blieb es. Ihre nebenberufliche Tätigkeit als Amway Berater schien ihr wohl wichtiger, ich existierte für sie gar nicht mehr.
An diesem Sonntag endeten für mich, die fast 10 Jahre Ehe, es ist mir klar geworden, sie hat sich endgültig entschieden, sie war für mich an diesem ›gestorben‹ . Oh, die Ohren klingen mir heut noch, als sie damals sagte, wir wollen so auseinander gehen, dass wir später noch einen Kaffee zusammen trinken können. Da bin ich gespannt, aber vielleicht erledigt sich das am nächsten Tag von selbst, daran habe ich ja noch gar nicht gedacht, denn beim Gericht war die Scheidung noch nicht eingereicht, dann bekommt sie gar noch die Witwenrente, das darf auf keinen Fall passieren, schon deshalb will ich überleben.
Am Sonntag musste ich noch einmal zum Röntgen, ein Arzt hatte festgestellt, dass noch eine Aufnahme fehlt. Am Abend habe ich meine Sachen in die Reisetasche verstaut und das Telefon abgemeldet. Da dieses, auch wenn man nicht telefoniert Geld kostete. Das Einpacken der Sachen in die Tasche war schon ein komisches Gefühl, so ungefähr wie ›Abfahrt ohne Wiederkehr‹ , denn die persönlichen Sachen werden im Abstellraum der Station deponiert und wenn man zurückkommt, gibt es die sie wieder, sonst bekommen sie die Angehörigen, praktisch oder?
Der nächste Tag begann wie immer, d.h. nichts zu essen, aber es stimmt nicht ganz, denn ich bekam eine Beruhigungstablette. Der Termin für die OP war für 11.00 Uhr festgelegt, das unendliche Warten begann, ich bekam mein ›Büßerhemd‹ und die weißen Kompressionsstrümpfe, ich sah richtig vornehm aus. Mir kam gleich das Sprichwort in den Sinn ›Vornehm geht die Welt zugrunde!‹ . Gegen 9.00 Uhr kam der Oberarzt, den ich bisher noch nicht gesehen hatte. Ein sehr netter, schon älterer Arzt, der mich nochmals über die Operation aufklärte. Seiner Ansicht nach würde ich 2–3 Tage auf der Intensiv Therapie Station (ITS) liegen und dann wieder in diese Abteilung zurückkommen. Er hat mir aufgrund seiner ruhigen Ausstrahlung doch sehr viel Vertrauen gegeben. Denn je näher der Termin kam, umso mehr war es mit meiner Ruhe vorbei. Es ist ja auch gelogen, wenn man sagt es lässt einem kalt, denn wenn es soweit ist dann hängt man doch am Leben.
Die Zeit verging es tat sich nichts, man wird mich doch nicht vergessen haben. Mir kamen Erinnerungen an meine Gallenoperation, da wurden bestimmte Stellen des Körpers schon einen Tag vorher von ›allen Haaren‹ befreit und man bekam noch einen Einlauf, obwohl im Darm hatte ich ja nix mehr. Ich wollte mich schon danach erkundigen, man will ja nichts falsch machen! Verspätet wurde ich in meinem Bett abgefahren, was zwei Krankenschwestern übernahmen. Das Gefühl mit dem Bett gefahren zu werden kann ich kaum beschreiben, es ist mit einem Karussell zu vergleichen. Es ging über Gänge und Fahrstühle, für die Schwestern war es nicht traurig, denn sie machten ihre Scherze, irgendwann kamen wir an. Ich wurde über einen ›Ladentisch‹ gereicht, auf eine nicht so weiche Pritsche umgebettet und es gab wieder was Neues zum Anziehen. Dann ging es in einen fensterlosen Raum und ich musste mich auf eine andere Pritsche setzen. Es waren vielleicht vier Leute um mich herum, aber ich war schon benommen, kann mich heut nicht mehr so richtig erinnern. Es war aber schon wichtig was hier geschah, man versuchte mir einen so genannten Schmerzkatheter ins Rückenmark zu legen, was nicht so richtig gelang. Ich kam mir vor, wie schon bei der Operation, ich blutete wie eine ›Sau‹ . Ich wurde noch einmal umgebettet, es war eine harte Wanne, dann bekam ich die Spritze in die Vene, ich hatte das Gefühl in ein tiefes, sehr tiefes schwarzes Loch rücklinks zu fallen und schwebte davon.
War es nur ein Traum oder hatte mich das Leben wieder. Noch konnte ich meine Umgebung nicht fassen, es war dunkel um mich herum. Aus weiter Entfernung drang eine Stimme an mein Ohr und sagte: »Es ist vorbei!«, aber was ist vorbei. War es das Leben oder die Operation? Es muss wohl die Operation gewesen sein. Noch im Unterbewusstsein bemerkte ich, dass sich jemand an mir zu schaffen machte, man hob mich oder schwebte ich immer noch. Ein Gesicht schaute mich nah an und wollte von mir wissen, wann wir mit der Physiotherapie beginnen wollen. Eine weitere Stimme sagte zu mir: »Den kenne ich doch!«. Dann wurde es wieder ruhig um mich, wahrscheinlich bin ich noch einmal eingeschlafen.
Als ich dann wieder aufwachte befand ich mich auf der Intensiv Therapie Station des OZK. Es war noch hell und die Sonne schien auf mein Bett, langsam kam ich nun zu mir. Es lag noch ein Patient im Raum, aber ich hatte den Fensterplatz. Ich habe mir nicht getraut mich zu bewegen und schaute erst einmal genauer um mich. Es war ein einziges Chaos, überall hingen Schläuche und Kabel( Mund, Nase, Körper, Harnröhre) von mir und es piepste unaufhörlich. Ich fühle ein Pflaster am Bauch, aber keine weiteren Wunden. Kein künstlicher Darmausgang? Nein es war keiner vorhanden, ich konnte es noch gar nicht fassen, die Tränen flossen in ›Strömen‹ . Dann erschien jemand an meinem Bett, es war die männliche Schwester Ralf, die mich fragte: »Wie geht es Ihnen, Herr Ullmann?«, anfänglich konnte ich nicht glauben, dass ich eine Operation hinter mir hatte. Ich war an Krebs operiert worden und lebte. Er versucht, so hatte ich den Eindruck mich durch ständige Fragen wach zu halten. Mehrmals kam die Ärztin und unterhielt sich mit mir, über meinen Job als Taxifahrer, später wurden mir auch schon ein Schlauch entfernt, die Magensonde, die Sauerstoffzufuhr behielt ich noch in der Nase. Während der Operation haben die Ärzte einen Katheter in die Vene gelegt, hier liefen mehrere Infusionen hinein, elektronisch gesteuert.
Anfänglich ging es mir den Umständen entsprechend gut, ich hatte keine Schmerzen. Man hatte mir immer wieder gesagt, wenn ich Schmerzen hätte sollte ich mich gleich bemerkbar machen. Dann fingen die Schmerzen trotz Schmerzkatheter gegen Abend an und waren nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen. In der Nacht bekam ich mehrmals Morphium gespritzt, was aber nichts half, ein Arzt hat den Katheter am, bzw. im Rückenmark untersucht. Ich habe auch kaum schlafen können. Auf der Station ist schlafen sowieso nicht oder kaum möglich. Die Schwestern sind sehr besorgt und haben immer was am Patienten zu reparieren. Am nächsten Morgen wurde geklärt, wieso ich die Schmerzen nicht loswurde. Es stellte sich heraus, dass der Schmerzkatheter wahrscheinlich nicht richtig im Rückenmark saß und ich bekam ab sofort zusätzlich (man nannte es Bonus) eine Dosis Schmerzmittel durch einen der Schläuche. Ich war ja erstaunt, dass ich mich früh schon im Sitzen waschen musste, dazu wurden alle Kabel und Schläuche abgeklemmt und dann ging es los. Zu Essen gab es natürlich nichts. Nun hatte ich schon über eine Woche nichts Richtiges mehr zu Essen bekommen. Trotzdem, auch wenn es vielleicht durch meine Wirbelsäule nicht so richtig mit dem Schmerzkatheter geklappt hat, lasse ich auf das gesamte Team nichts kommen. Die Visite war zufrieden mit mir, da der schnelle Herzschlag zu hören war, beruhigte man mich. Der Oberarzt von meiner Station war auch dabei, was mir gut tat, denn endlich sah ich ein mir bekanntes Gesicht. Da ich sowieso ein sensibler Mensch bin, sind mir wieder paar Tränen über das Gesicht gerollt. Nach der Visite dachte ich, dass es etwas ruhiger wird aber es war eine Fehleinschätzung. Es kam die Therapeutin, alle Kabel und Schläuche wurden wieder abgeklemmt. Ich glaubte es kaum, als ich hörte, dass ich aufstehen und paar Schritte machen sollte. Es hat auch geklappt und Nachmittag das Gleiche noch einmal. Meine Cousine und Tante haben mich besucht, auch sie haben sich gefreut, dass es mir einigermaßen gut ging. Die Nacht verlief wieder unruhig, obwohl sich die Schmerzen im erträglichen Rahmen hielten. Als ich am Mittwoch aufwachte ahnte ich noch nicht, dass es mein letzter Tag auf der ITS werden sollte und es gab ein Problem, nicht so sehr für mich, sondern für die Schwestern. Ich hatte kein Rasierzeug von meiner Station mitgenommen, nur die Zahnbürste, die Schwestern wollten nur gepflegte Patienten auf der Station haben. Ich entwickelte mich doch noch zum Problemfall. Da sie mich nicht so liegen lassen wollte, hat man versucht mich mit einem, wahrscheinlich 50 Jahre alten, elektrischen Apparat, zu rasieren und letztendlich hat es auch einigermaßen geklappt, wer weiß was oder wer damit schon alles rasiert wurde.
Am Nachmittag musste ich mit meiner Therapeutin schon über den gesamten Flur laufen. Es hat mir sicherlich für den Heilungsverlauf gut getan, obwohl es genervt hat. Auf der Station wurde ich mit solcher Therapie in Ruhe gelassen, weil ich von mir aus, viel gelaufen bin. Ich merkte am späten Nachmittag eine gewisse Unruhe auf der Station, man sucht einen Patienten der schon auf die ›normale‹ Station verlegt werden könnte. Für mich eigentlich ein gutes Zeichen, denn man hatte mich ausgewählt. Nun ging es mir bald zu schnell. Der Herr Professor war noch einmal an meinem Bett und sagte mir: »Später hätten sie nicht kommen dürfen, Herr Ullmann, dann wäre es mit Sicherheit vorbei gewesen!« Da fingen die salzigen Tropfen gleich wieder an zu laufen, ehrlich sind die Ärzte hier.
Danach war Eile geboten, ich konnte gerade noch sagen, dass mich meine Tante besuchen kommt und sie möchten ihr mitteilen, wo ich bin, weil sie nicht gut sieht. In meiner Station kam ich auf ein anderes Zimmer, ein Zweibettzimmer, ein Bett war schon belegt und meine gepackte Reisetasche bekam ich auch zurück. Nun lag ich da mit meinen Schläuchen und Tröpfen. Der ältere Herr hat mich herzlich empfangen und wie es so üblich ist wurden die Krankengeschichten ausgetauscht. Irgendwie kommt man zurück in eine fremde, andere Welt und fühlt sich unbeholfen.
Auf der ITS hat eine Schwester zwei Patienten zu betreuen und hier zwei Schwestern 20 Patienten. Zum Glück kam meine Tante zu Besuch und hat mir meine Sachen in den Schrank eingeräumt. Die Nacht verlief besser als ich dachte, ich bekam schon einen kleinen Schluck zu trinken, aber nix zu essen. Schon in der ersten Nacht hatte ich den Eindruck, ich bin wieder umsorgt, die Nachtschwester kam mehrmals zu mir, um sich um mich zu kümmern. Ich hing aber immer noch an meinen Schläuchen, ein permanenter Brechreiz überkam mich. Ich hatte panische Angst davor, nach einer frischen Operation einen Hustenanfall zu bekommen und jetzt war es bald soweit. Mir kam sofort der Gedanke, dass ich ja seit der OP noch keine Tablette gegen den Diabetes eingenommen hatte. Ich klingelte nach der Schwester, es wurde sofort der Zuckerwert gemessen, der aber relativ normal war.
Meine Cousine kam mich am Vormittag besuchen und hat das Telefon wieder aktiviert, denn ich musste mich ja bei meiner Familie zurückmelden. Aber sie merkte bald, dass ich Probleme hatte. Ein Arzt war nicht zu sprechen, alle waren sie im Operationssaal, aber nachmittags hat man mir die Tröpfe vorläufig abgenommen und der Brechreiz war weg. Bis dahin habe ich schreckliche Stunden erlebt. Die Visite am Abend ergab dann zu meiner Freude, dass ich auch nicht wieder angeschlossen werde, gegen den Brechreiz bekam ich ein Medikament. Am nächsten Tag (Freitag) gab es schon eine Suppe zu den Mahlzeiten und der Blasenkatheter wurde ebenfalls entfernt. So langsam kam alles heraus was nicht zu mir gehörte.
In den Vormittagsstunden erschien eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes bei mir, bis dahin hatte ich keine Zeit, mich mit dem Leben nach dem Krebs zu beschäftigen. Eine nette, einfühlsame Frau stand vor meinem Bett. Es ging um solche Fragen wie; Beantragung der Schwerbehinderung nach Krebsoperation, Beantragung einer Reha (ich hatte noch nie eine Kur) und Betreuung durch die Krebshilfe des Bezirksamtes. Es war für mich ein, sehr aufschlussreiches, Mut machendes Gespräch aber dann kam mir wieder die Gedanken der Existenzangst. Ein schwerbehinderter, selbstständiger Taxifahrer wie soll das funktionieren! Allerdings wusste ich auch, dass es erst einmal Krankengeld für noch fast 1 1/2 Jahre gibt und das war mehr als ich beim Taxifahren verdiente. Also, erst einmal ruhig bleiben war die Devise und wer es kann ist fein raus.
Sonnabend kamen meine Tanten und Cousine zu Besuch, aber so richtig gut ging es mir immer noch nicht, sie haben es wohl auch gemerkt und machten deshalb nur einen kurzen Besuch. Sonntag, es ging mir wesentlich besser, ich durfte Duschen und das Pflaster auf der Operationsnarbe wurde entfernt. Nach so kurzer Zeit und Wasser, da habe ich schon andere Erfahrungen gemacht. Na ja es waren eben die neuen Methoden, wahrscheinlich gute, denn ich habe keine Probleme mit meiner Narbe, Fäden mussten auch nicht gezogen werden.
Ich hatte allen Grund zur Freuden, meine Eltern, Schwestern und mein Schwager kamen am Sonntag zu Besuch. Da ich schon viel trainiert hatte, konnte ich sie im Hof empfangen und wir gingen gemeinsam in die Cafeteria. An ihren erstaunten Gesichtern konnte ablesen, dass sie eher dachten einen bettlägerischen, todkranken Menschen vorzufinden. Eine wirklich gelungene Überraschung, dafür war ich meiner Familie sehr dankbar, denn Bautzen liegt ja nicht gerade um die Ecke.
Ja, ich fühlte mich wie schon oben erwähnt ziemlich zuhause im Krankenhaus. Als man mir aber am Montag sagte, dass ich erst in der nächste Woche entlassen werde, konnte ich gar nicht begreife warum. Da aber sowieso niemand auf mich gewartet hat, nahm ich es zu Kenntnis, aber ich wollte unbedingt Vollkost haben und ich war froh, dass keiner nach der Diabetes gefragt hat. Ich hatte einen vorher nicht gekannten Appetit auf reichliches Essen, was sicherlich kein schlechtes Zeichen ist. Es gab eine schlimme Krankheit, die ich überstand und deshalb verdiente ich die Vollkost. Fast 2 Wochen nichts Richtiges zu essen, deshalb mahnte ich bei der Visite am Nachmittag selbige an und bekam sie auch. Als ich zum Abendbrot meine Vollkost betrachtete, habe ich mich, wie Weihnachten gefreut und aß Sachen, die ich unter normalen Umständen nie und nimmer gegessen hätte,(Schmelzkäse, Blutwurst, und vieles andere mehr), es gab sogar noch Nachschlag von den Schwestern und was meine Zimmerkollege nicht wollte, aß ich auch noch, ich freute mich auf jede Mahlzeit.
Ich kann es immer noch nicht richtig begreifen, dass ich die Operation überstanden habe, denn die Statistik beschreibt ein nicht so gutes Bild. Oder war ich einer von den jährlich 30.000 ›Darmkrebsen‹ die es überstanden haben. Das war dann doch fast wie ein Lottogewinn und über einen Gewinn freut man sich. Aber mit wem sollte ich die Freude teilen, wer war da, es gab nur meinen engerer Familienkreis, ja die waren immer für mich da, dass ist ein Markenzeichen der Familie Ullmann. Da es nicht überall so ist, erfüllt mich das mit Stolz.
Die anderen ›Freunde‹ und so genannten Bekannten, wo waren sie? Von den 40 Leuten die meinen Geburtstag ausgelassen gefeiert haben, wird sich später mal keiner rausreden können und da gibt es einige von denen ich es nicht erwartet hätte, vielleicht kommen später noch welche zur Besinnung, vielleicht tue ich auch den Menschen Unrecht, da ich nicht weiß was meine ›zukünftige Ex – Frau‹ alles über mich erzählt hat. Im Schlechtmachen war sie Meister und konnte das auch glaubwürdig rüberbringen.
Mein Nochschwager hat mich als einziger im Krankenhaus besucht, da habe ich in der Cafeteria probiert, ob das Bier noch schmeckt, ja es schmeckte noch, so gut, dass ich mir eine Flasche mitnahm und im stationseigenen Kühlschrank deponierte. In der letzten Woche im Krankenhaus ging ich viel spazieren und machte mir über mein bisheriges und zukünftiges Leben viele Gedanken.
Wenn man alleine ist kommen einem schon die ausgefallensten Ideen und mir kam in den Sinn, Vögel zu halten. Diesen Gedanken hatte ich eigentlich schon vor meiner Krankheit, da von meinem Wohnzimmer ein kleines Zimmer abging, kaum zu nutzen für irgendwelche Zwecke.
Bei der Visite, am Nachmittag wurde mir mitgeteilt, auf der Station war immer früh und nachmittags Visite, dass ich am Mittwoch nächster Woche entlassen werde, aber da ein Lymphknoten ›etwas abbekommen‹ hat, muss ich mich einer Chemotherapie unterziehen, dass auch noch eine Bestrahlung erfolgt, wurde mir vorerst nicht gesagt.
Immer hatte ich in Verbindung mit Krebs von Chemotherapie bzw. Strahlentherapie gehört, aber so richtig habe ich mich damals nicht dafür interessiert, ja es betraf mich ja nicht und nun hatte ich diese Therapien selbst am Hals, so schnell geht es manchmal.
Gleich kamen mir die Menschen im Sinn die ich, mit dem Taxi zu solchen Therapien gefahren habe, also auch mir bleibt es nicht erspart. Ich dachte aber sei froh, dass du lebst und jammere nicht. Also, ein Lymphknoten von 30, sagt der Doktor, dann habe ich ja Glück, oder! Trotzdem war mein Optimismus etwas gedämpft worden, doch keine Zebrafinken?
Man sagte mir auch, dass das Probleme mit dem Stuhlgang immer wieder auftreten können, vor allem Durchfall, was aber normal wäre. Der Tumor war zwar nur knapp 8 cm groß, aber es wurden ca. 25 cm vom Darm entfernt.
Es verlief bis zur Entlassung alles gut. Die Sozialarbeiterin des Krankenhauses hat noch den Antrag auf Schwerbehinderung eingereicht, bei der Reha – Maßnahme, haben wir uns geeinigt, diese nach der Chemotherapie zu beantragen. Am Mittwoch war es dann soweit, ich konnte nachhause gehen, nun hat es doch über drei Wochen gedauert, zuvor musste ich noch bei der Onkologin vorbei und den Arztbrief,
Chirurgische Klinik Berlin, den 25.07.2000
Allgemein–und Visceralchirurgie
Chefarzt: Prof.Dr.med.K.Gellert
Station : 3.3. Ullmann, Henry, geb. am 27.12.1948. Schwalbenweg 37, 12526 Berlin
Stationär vom 03.07. bis 25.07.2000
Diagnose: Adeno–Karzinom des rektosigmoidalen Überganges
Diabetes mellitus (tablettenpflichtig)
Z.n. Nephrolithiasis
Therapie: Anteriore Rektumresektion, Rekonstruktion mittels Descendorektostomie am 10.07.2000
Histologie: Ca. 70 mm mess., nach Ang. im Rektosigmoid lokalisiertes, mäßig diff., tubuläres Adeno – Karzinom mit breiter Infiltration des paracolischen Fettgewebes, Angiosis carcinomatosa. In einem von 32 Lymphknoten des paracolischen Fettgewebes eine Metastasierung. Ein kleines tubuläres Dickdarmadenom mit bis mäßiggradigen Epitheldysplasien. Die Resektionsränder des Darmpräparates tumorfrei.
Im Rahmen der praeoperativen Vorbereitung führten wir am 04.07.2000 eine kontrastmittelverstärkte Abdomen–Computertomographie mit dem Nachweis einer hochgradig malignomsuspekten Wandverdickung des Sigma bzw. Rektosigmoids durch. Hierbei war eine Infiltration der Harnblase nicht auszuschließen. Ferner erfolgte der Nachweis grenzwertig großer Lymphknoten lateral der Aorta cranial der Bifurkation.
Die am 07.07.2000 durchgeführte retrograde Colondarstellung im Doppelkontrast ergab malignomtypische Raumforderung im rektosigmoidalen Übergang, Sigmadivertikulose. Das übrige Colon ohne Hinweis auf einen stenosierenden Prozess.
Am 10.07.2000 erfolgten die anteriore Rektumresektion sowie die Rekonstruktion mittels Descendorektostomie. Der postoperative Verlauf gestaltete sich ohne Komplikationen.
Im Rahmen des histologischen Staging ergab sich die Indikation zu einer adjuvanten Chemotherapie. Herr Ullmann wurde über die Notwendigkeit dieser Therapie sowie die Möglichkeit, diese bei Frau Dr.med. Zippel in der Chirurgischen Poliklinik am Hause durchzuführen, aufgeklärt.
Wir entlassen Herrn Ullmann am 25.07.2000 mit primär verheilten OP–Wunden, termingerecht gezogener Wunddrainage, gut toleriertem oralen Kostaufbau, regelrechter Stuhlgangsfunktion sowie in subjektivem Wohlbefinden in die weitere ambulante Betreuung.
Laborwerte (SI – Einheiten) : bei Entlassung alle Werte im Normbereich
Medikation : Antra 20 1 – 0 – 1
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. med. K. Gellert Chefarzt
Dr.med H. Gran Oberarzt
St.Eggeling Facharzt für Chirurgie
abgeben, erhielt meinen ersten Termin, danach ging es mit dem Krankentransport nachhause, ein ganz eigenartiges, erhebendes Gefühl durchströmte mich. Irgendwie war mir warm ums Herz und man sieht die Welt tatsächlich mit ganz anderen Augen.
Ich glaube, ich sah in dieser Zeit zum ersten Mal das Abendrot an meinem ›Lebenshorizont‹ ganz deutlich vor mir. Seine Farben lassen sich leichter deuten, wenn man die Augen reichzeitig für die Gezeiten des Lebens schult. Zum Glück erstrahlte nun das Morgenrot wieder auf.
In meiner Wohnung angekommen, mein Kühlschrank war gefüllt worden von den guten Geistern, meiner Cousine und ihrem Sohn, die auch noch am selben Tag nach dem Rechten sahen, trotzdem fühlte ich mich in der Wohnung einsam. Von meiner Krankheit, ich konnte es gar nicht glauben, spürte ich kaum etwas, ich hatte Appetit auf alles, auch auf Bier und Zigaretten. Im Krankenhaus rauchte ich natürlich nicht. Ich probierte es erst einmal mit einer Pfeife, na ja! Dann war baden angesagt, denn die sanitären Einrichtungen im Krankenhaus waren zwar in Ordnung, aber es gab für alle männlichen Patienten nur eine Toilette, mit Dusche, man konnte die Dusche benutzen oder die Toilette. Die baulichen Voraussetzungen gaben eben nichts anderes her. Aber wenn alles andere stimmt ist es schon o.k. so. In den rekonstruierten Teilen des Oskar Ziethen Krankenhaus sind Toiletten und Duschen auf den Zimmern. Damals konnte ich auch noch nicht ahnen, dass mir das Baden bald nicht mehr soviel Freuden bereiten würde, ich habe immer gern und ausdauernd gebadet.
Mein erster Termin bei der Onkologin in der Poliklinik des Krankenhauses gab mir wieder Mut, mit zitternden Knien bin ich hingegangen. Der Therapieplan sah vor, dass ich vier Staffeln Chemotherapie bekomme, nach den ersten beiden Staffel sollte ich zur Bestrahlung, wahlweise entweder in die Charité in Berlin Mitte, oder nach Berlin – Buch gehen. Zur Beruhigung sagte sie mir, dass es nicht so eine ›scharfe‹ Chemotherapie wäre, die in der Regel gut vertragen wird. Die Ärztin, ca. 35 Jahre alt machte auf mich einen zuverlässigen, sympathischen Eindruck und stand mit den Ärzten der chirurgischen Station des OZK in Verbindung. Heute bekam ich noch keine Therapie, sie gab mir noch eine Woche Zeit, die ich in Bautzen bei meinen Eltern und Geschwistern verbrachte. Die Freude war mich wieder zu sehen. Aber auch hier gab es zwar im engsten Familienkreis kleine Berührungsängste im Umgang mit einem Krebskranken, aber man merkte doch eine gewisse Zurückhaltung und Unsicherheit, also man wird z.B. nicht direkt gefragt: »Hallo, wie geht es dir?«, sondern schon etwas vorsichtiger. Nach der Krankheit oder Operation fragt man überhaupt nicht.
4. Genesung, Hoffnung und ein Schicksalsschlag
Vor der ersten Chemotherapie hatte ich einen Termin bei meiner Diabetologin, der Zucker war etwas erhöht. Sie war aber der Meinung, dass die Krebsnachsorge Vorrang hat. Sie ist eine sehr umsichtige Ärztin, bei der aber aufgrund ihrer Sorgfalt erhöhte Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen, was ich gern tue.
Es war zwar nicht so wie zur Operation, aber ein komisches Gefühl hatte ich bei der ersten Chemotherapie schon, deshalb bin ich auch nicht mit dem Auto gefahren. Ich wurde auf das Zimmer geführt, in dem zwei Betten waren, musste mich hinlegen, Schwester Jutta bereitete alles vor und dann kam Frau Doktor. Die Kanüle wurde in die Vene gesetzt, es war ein kleiner und ein großer Beutel, den ich bekam. Die Schwester und auch Frau Doktor sahen immer nach dem Rechten. Das Ganze dauerte ca. eine Stunde, dann gab es noch nach Wunsch eine Tasse Kaffee und etwas Keks bzw. Obst und zwischendurch wurden noch Bonbons gereicht. Die Führsorge war nicht schlecht. Trotzdem sitzt man so wie ein ›Karnickel vor der Schlange‹ und wartet was passiert, aber es passierte nichts, die Infusionen liefen durch die Vene in den Blutkreislauf, oder so ähnlich. Ich staunte nicht schlecht, als eine Ärztin aus der zuständigen Apotheke, die den ›Cocktail‹ gemixt hatte, kam und sich nach meinem Befinden erkundigte.
Die Infusion heißt Folinsäure welche in Kombination mit 5–Fluorouracil (5–FU)verabreicht wird. Folinsäure wird in synergistischer Kombination mit dem Zytostatikum 5–Fluoruracil in der Chemotherapie zur Behandlung von Dickdarmkrebs und anderen Tumoren verwendet. Folinsäure bindet an das Enzym Thymidilat–Synthase und führt dadurch zur Erniedrigung der intrazellulären Thymidilat–Konzentration, wodurch die zytostatische Wirkung von 5–FU verstärkt wird. So steht es in der Arzneikunde.
Die Chemotherapie ging immer von Montag bis Freitag und dann waren 3 Wochen Pause. Ich habe in der ersten Woche gleich verschiedene Unternehmungen getestet. Es tat mir nichts weh und sonst ging es mir auch nicht schlecht. Ich hatte so gut wie keine Nebenwirkungen, die Probleme mit dem Darm, auf die man mich im Krankenhaus schon vorbereitet hat waren natürlich da, das heißt Durchfall und leichte Darmschwäche besonders nachts, aber ich dachte mir immer noch besser als ein künstlicher Darmausgang. Die Waschmaschine heißt ja nicht umsonst so, hoffentlich hält das alte Gerät noch lange durch.
Nun wollte ich meinen Plan verwirklichen und eine Zimmervoliere für die, noch nicht vorhandenen, Vögel bauen. Also fuhr ich wieder zu meinen Eltern nach Bautzen, wo ich die Möglichkeiten hatte so etwas zu machen. Ich hätte Bäume ausreißen können. Dann waren die drei Wochen auch schon wieder vorbei und die nächste Staffel begann. Dieses Mal war es anders gewesen, es überfiel mich eine totale Unlust und ich nahm, trotz reichlichen Essen nichts zu. Es waren ca. 63 kg die ich damals noch wog, ich schlief tagsüber sehr viel und nachts war ich munter.
Meine zukünftige EX – Frau konnte ich natürlich so leicht nicht vergessen, oft dachte ich, eigentlich könnte sie dich ja einmal anrufen, um zu fragen wie es mir geht! Obwohl ich ja mit ihr abgeschlossen hatte oder doch noch nicht? Seit dem Anruf vor der Operation habe ich nichts mehr von ihr gehört. Machte es mich wirklich traurig, ich glaube es ist nicht die richtige Empfindung. Dann kam tatsächlich ein Anruf von ihr. Es ging aber nur um den verteuerten Kredit den wir genommen haben.
Mittlerweile erfuhr ich, dass sie mit einem Mann zusammenlebt. Irgendwie ›muss‹ ich das verstehen. Wenn es dieses Mal ehrlich ist, dann sollte sie konsequent sein, trotzdem denke ich oftmals, es ist ein Traum.
CHEMOTHERAPIE UND ALLEIN, WAS GIBT ES EIGENTLICH SCHLIMMERES UND TROTZDEM GEHT ES WEITER
Ein Ende der Behandlung war noch in weiter Ferne und da konnte noch einiges auf mich zukommen. Ich hatte und habe keine Depressionen, trotzdem sinnt man über die Ungerechtigkeit im Leben nach.
Vor der zweiten Staffel war ich bei der Krebsführsorge im Bezirksamt und wieder muss ich sagen, zu der für mich zuständigen Sozialarbeiterin, habe ich sofort einen ›heißen Draht‹ herstellen können. Mir fällt es eigentlich schwer mich sofort zu öffnen und zu erzählen, aber wie so oft in meinem Leben nach dem Krebs, ging es sofort und einfacher. Die Sozialarbeiterin wird auch in der kommenden Zeit meine Ansprechpartnerin bleiben, die alles von mir erfährt, zu der ich Vertrauen habe, die mir zuhört und auch wenn sie nicht auf alle Probleme Einfluss hat oder sie lösen kann, bin ich ihr sehr dankbar.
Meiner Meinung nach ist eine solche Stelle im Bezirksamt sehr wichtig für uns, sie hilft oft mehr als das Gespräch mit den Angehörigen oder in Selbsthilfegruppen. Davon habe ich bisher nichts gehalten, deshalb ist die Einschätzung auch subjektiv.
MEIN TRAUM IST EINE HOMEPAGE FüR BETROFFENE MENSCHEN IM INTERNET
Dazu ist die finanzielle Voraussetzung nötig und ich muss mir die Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen. Bereits jetzt habe ich viele E – Mail Kontakte, die mich in diesem Gedanken bestätigen. Ich möchte vielen Menschen helfen. Den Anfang mache ich, indem ich meine Erfahrungen aufschreibe, egal ob ich sie später nutze.
Die zweite Staffel begann, Frau Doktor und Schwester Jutta waren wie immer besorgt um ihre Patienten. Ich habe sie wieder ganz gut überstanden, aber nicht si wie die erste, eine lähmende Unlust und Müdigkeit machte sich breit. Zum Abschluss wurde mir dann eröffnet, dass ich im Oktober zur Bestrahlung in die Charité muss. Die Ärztin hatte schon alles eingeleitet und einen Termin für mich besorgt. Beim Blutbild wurde eine Entzündung diagnostiziert und ein hochgradiger Eisenmangel, aber die Sonografie des Bauchraumes war in Ordnung.
Meine Voliere war noch nicht fertig, es gab noch kleinere Arbeiten und so fuhr ich nach Bautzen, aber auch hier hatte ich keine Lust, wirklich etwas Sinnvolles zu machen. Meinem Vater ging es auch nicht gut, sein Krebs ›nagte‹ auch immer mehr an ihm, es war schon traurig. Mein Vater, immer ein lebenslustiger, lebensbejahender Mensch wird immer schwächlicher. Er ließ es sich aber nicht nehmen die Walnussernte zu leiten und die Trocknung organisieren. Er hat diesen Baum vor vielen Jahren gepflanzt und nun trug er Nüsse, leider wird es seine letzte Nussernte sein. Das alles baute mich auch nicht auf, selbst das Hobby der Familie Ullmann, Pilze suchen, konnte mich nicht begeistern.
Ich fuhr bald wieder nach Berlin zurück, musste noch den Termin bei meinem Hausarzt wahrnehmen und bei der Diabetologin. Mein Hausarzt sah mich nach der Krebsoperation das erste Mal und war natürlich über meinen Zustand nicht gerade begeistert. Ich informierte ihn wie es weiter geht.
Ehrlich sagte er zu mir; » Henry, ich hätte nicht geglaubt, dich noch einmal wieder zusehen!« Er und nur er darf das zu mir sagen.
Der Zuckerwert war nicht so gut und die Medikation wurde erhöht, aber um es deutlich zu sagen, der Zucker war für mich in dieser Zeit nicht so maßgeblich. Näher stand, an Krebs zu sterben, als an Zucker. Ich habe mich dann so langsam auf die Bestrahlung in der Charité vorbereitet, wieder was neues Unbekanntes stand vor mir. Angst hatte ich eigentlich nicht, oder doch?
Ich kannte die Strahlenklinik aus meiner Tätigkeit als Taxifahrer, wusste was dort für Menschen hingefahren und kannte ihre ängstlichen Gesichtsausdrücke.
Am ersten Tag ging es ja um noch nichts. Das System in der Strahlenklinik ist schon gewöhnungsbedürftig, dazu aber später mehr. Die Ärztin, hat mich über die Nebenwirkungen der Bestrahlung informiert und ich musste mehrere Einwilligungserklärungen unterschreiben. Im Einzelnen ging es darum, weil der Lymphknoten so blöd lag, den habe ich mir aber nun wirklich nicht ausgesucht, dass der Harnleiter bzw. die Harnblase in Mitleidenschaft geraten könnten. Aber so schlimm wäre es nicht, durch einen OP könne man das wieder in Ordnung bringen. Doch dann kam der erste Schock, über die gesamte Zeit der Bestrahlung sollte ich eine permanente Chemotherapie bekommen, durch den Einsatz einer Pumpe. Vor lauter Aufregung und Nervosität habe ich vergessen näher Einzelheiten zu erfragen. Es ist schon eigenartig, ich war wie gelähmt obwohl noch gar nichts passiert ist. Ein Termin für die Simulation wurde vereinbart, Simulation was mag das sein. Ich musste alles erst einmal verdauen. Wieder war ich mit meinen Problemen allein zu Hause, es gab auch keinen ›Telefonjoker‹ , ein kleiner Scherz am Rande.
Der Termin für die Simulation war der 19.10.2000, das erste was passierte, es wurde ein Foto von mir gemacht, warum konnte ich bis heute nicht ergründen, dann wurde ›simuliert‹ .
Es war eigentlich nichts anderes als eine Probebestrahlung mit Anzeichnung der Bestrahlungspunkte.
Das Foto habe ich im Jahre 2005 aus
meiner Akte mitgenommen,
eigentlich wolle ich es wieder abgeben,
aber dazu bin ich nicht mehr gekommen,
weil ich vorerst nicht mehr zur Kontrolle kommen muss.
Ich glaube da ist sogar ein leiser Hauch eines Lächelns,
obwohl mir danach bestimmt nicht zu mute war.
Es ist Geschichte,
aber vergessen kann ich es nicht.
Der erste Termin für die Bestrahlung wurde festgelegt und ich musste 08.00 Uhr in der Tagesklinik erscheinen. Es wurde also ernst, los ging es am 26.Oktober 2000 und dauerte bis 06.Dezember 2000. Meine ›Strahlenkanone‹ hieß Clinac 3, was der Name auch immer bedeuten mag, mir war es egal. Zuvor musste ich die Kostenübernahme mit der Krankenkasse klären, was natürlich ohne Beanstandung genehmigt wurde. Man hat mir auch die Fahrt mit dem Taxi genehmigt, aber die Ärztin in der Charité hielt dies erst einmal nicht für notwendig. Diese Entscheidung fand ich sehr eigenartig. Also musste ich von Montag bis Freitag mit der S– und U–Bahn in die Charité fahren, ich war ja nicht alleine, meine Umhängetasche mit der Infusionspumpe begleitete mich, zum Glück konnte ich das kaschieren. Es war Herbst und die Jacke verdecktes sie ganz gut, denn ›Gaffer‹ brauchte ich in der Situation wirklich nicht.
Am 26.10.00 war es dann soweit, pünktlich wie wir Taxifahrer sind, stand ich 08.00 Uhr in der Tagesklinik. Aber es ging erst später los. Ausnahmslos alle Schwestern der Strahlenklinik waren sehr aufmerksam und man fühlte sich geborgen, obwohl es mehr oder weniger eine Massenabfertigung ist. Zur üblichen Prozedur gehörte die Blutabnahme, danach sollte der Katheter für die Chemotherapie gelegt werden. Ich kenne es schon und vermutlich wird mich das Problem bis an mein Lebensende, in unterschiedlichster Weise verfolgen, ›wenn etwas nicht klappt, dann bei mir‹ .
Meine Anfangsärztin habe ich an diesem Tag das letzte Mal gesehen, in der Charité gibt es Gruppen, ich gehörte Gruppe 3 an, dieser Gruppe waren 3 bis 4 Ärzte zugeordnet.
Der Katheter, dieser kleine Schlauch wollte einfach nicht in meine Vene, trotz intensiver Bemühung der Ärztin und Schwester Petra. Am Behandlungsraum stand paradoxerweise ›Notfallkoffer‹ dran. Es gab eine Pause, ich musste mein Mittagessen einnehmen, geschmeckt hat es mir überhaupt nicht, denn es war immer noch kein Katheder gelegt, der Termin für die erste Bestrahlung rückte auch immer näher. Ohne Chemotherapie wollte man mich auch nicht gehen lassen, ich bekam den Infusionsschlauch in die Vene auf dem Handrücken. Die Pumpe wurde mir umgehangen, ich war nicht gerade begeistert, weil es eine von der Logistik äußerst umständliche Angelegenheit war. Ich fühlte mich ziemlich hilflos, wie sollte ich mit dem langen Schlauch fertig werden?
Dann kam ich das erste Mal zum Clinac 3, der sich im Keller, neben der Strahlenklinik, befand. Ein seltsames, beklemmendes Gefühl beschlich mich, klar war die Angst auch mit dabei. Im Warteraum keine Menschen (was nie mehr vorkam), Behandlungskarte abgeben und warten. Dann wurde ich von einer leisen, undeutlichen Stimme gerufen, ich sollte in eine freie Kabine gehen. Ich rein in die Kabine und, was ich ja von der Simulation schon wusste, Unterwäsche und Socken anlassen. Dann wieder warten bis die MTA kam. Denn das waren dort keine Schwestern, ich wusste gar nicht wie ich die MTA anreden sollte. Nun schlich ich in Socken über die Auslegeware zum Clinac, es war recht unfreundlich dunkel, kalt war es nicht aber mir lief ein kalter Schauer über den Rücken und dann diese Liege, die ich ja schon kannte. Ich sollte mich auf den Bauch legen und da kam mein Problem, was später als Morbus Bechterew diagnostiziert wird, zum Vorschein. Ich konnte nicht wie verlangt meine Arme nach vorn legen, bis zur letzten Bestrahlung hatte ich dadurch ständig Probleme mit den MTAs. Die Bestrahlung dauerte immer nur kurze Zeit, wichtig war, dass man richtig lag, damit nur der Knoten bestahlt wird. Ich hielt immer die Luft an, merken tut man nichts, mein Gefühl bestand hauptsächlich aus Angst. Nachdem ich den Infusionsschlauch durch den Ärmel meiner Jacke gefädelt, die Pumpe umgehangen hatte, fuhr ich nach Hause. Die Nacht habe ich fast nicht geschlafen, der Schlauch und die Pumpe waren immer im Wege. Es war ja auch ein Provisorium.
Der Katheter war immer noch nicht gelegt, die gleiche Ärztin, eine junge, hübsche Frau, ich hätte ihr gern den Erfolg gegönnt, versuchte sich am nächsten Tag (Freitag) nach der Bestrahlung nochmals, wieder war Schwester Petra im ›Notfallkoffer‹ an meiner Seite. Es klappte wieder nicht, der kleine Schlauch wollte nicht in die Vene, angeblich war mein Blut zu dick, ich sollte viel trinken, mir war gar nicht klar was nun passieren sollte und dann kam die Rettung in Form eines Assistenzarztes, sein Name war Doktor Moser. Er schaffte es, nun musste ich noch zum Röntgen, zum Glück lag der Schlauch richtig. Ich war froh, denn 16.00 am Freitag, in den Gängen der Strahlenklinik kaum noch Begängnis. Es zog Stille ein, war ich der letzte Patient?
Das Wochenende kam in Sicht und ich konnte mich mit meiner Umhängetasche (Pumpe) anfreunden. Es war schon nicht ganz bequem und dazu kamen noch die immer größer werdenden Probleme mit der Bewegung der Arme. Ich konnte nachts sowieso nicht gut schlafen und jetzt nur noch auf dem Rücken und immer aufpassen, dass der Schlauch nicht ausreißt. Die Badewanne war für die nächsten Wochen auch passee. Ich habe in meinem Leben immer gerne und ausgiebig gebadet. Damals wusste ich noch nicht, dass es nicht mehr lange dauern wird und das Baden in der Wanne wird zum großen Problem für mich.
Was gibt es über die Bestrahlung noch zu sagen.
Jeden zweiten Tag auf die Tagesstation zum Wechseln der Pumpe, Menschen um mich und ich habe auch gesehen es gibt viele denen geht es wesentlich schlechter als mir. Doch ein gewisser Trost für mich und die Frage; habe ich es überstanden, kann man das nach dieser Zeit überhaupt schon sagen?
Immer am Mittwoch war ein Arzt am Clinac vorhanden und man konnte seine Probleme schildern. Bei mir ging bis jetzt alles einigermaßen gut. Eine Ärztin sagte mir ich hätte so große Augen, die Antwort – Rotkäppchen lässt Grüßen –, lag mir schon auf der Zunge, ich habe es dann doch gelassen. Warum fragte sie mich, weil die Vermutung nahe lag, dass ich etwas mit der Schilddrüse habe. Neuer Schock, oder was, erst einmal verdrängen und die Bestrahlung hinter mich bringen. Ja und dann war da noch ein Problem zu lösen, ich musste mein Taxi kaufen oder abgeben, denn der Leasingvertrag lief im November aus. Ich hoffte immer noch wieder einmal in meinen Job zurück zukehren, deshalb kaufte ich das Taxi. Mein Verkäufer war über mein Schicksal entsetzt, ich habe dann mit umgehängter Infusionspumpe, nicht mit der Pumpe, sondern mit Geld, das Auto gekauft. Es war natürlich eine zusätzliche Belastung, wobei man mir im Opel – Autohaus sehr entgegen kam. Da ich nicht genug Geld dafür hatte, musste ich mir deshalb von meiner Tante in Bautzen etwas leihen. Es war für sie kein Problem, meine Eltern hätten es mir sicherlich auch gegeben, aber ich wollte es so.
ICH WAR KRANK UND EINE ARME SAU
wer kann das schon von sich behaupten.
Wieder ein Freitag und die Charité suchte einen Patienten, der den Studenten vorgeführt werden kann. Es war keiner mehr da, war ich denn Freitag immer der letzte ›Kunde‹ , also fiel die Wahl auf mich, warum auch nicht ich hatte damit keine Probleme. Montag sollte ich im Hörsaal des Virchow Klinikums auftreten. Der Professor fuhr mich selbst hin, ich konnte auf alle Fragen antworten und hatte aufmerksame Zuhörer.
Jetzt wurde es aber langsam Zeit mit dem Ende der Bestrahlung, den ich bekam mehr und mehr Probleme mit dem Stuhlgang, es wurde wund am Darmausgang und am Auge entwickelte sich auch was. Trotzdem habe ich diese Phase eigentlich ganz gut überstanden, mit wenigen Nebenwirkungen. Keiner braucht sich davor zu ängstigen, aber sicherlich ist es bei anderen Menschen und Krebsen verschieden. Ich habe auch hier viel Leid gesehen und meinen ehemaligen Chef getroffen, einen feinen Menschen, dem ich von den Scheidungsabsichten gar nichts erzählt habe.
Es war Nicolaus, der 6 Dezember, diesen Tag werde ich wohl im Leben niemals vergessen, für mich ein beglückendes Gefühl, ein letztes Mal zum ungeliebte ›CLINAC 3‹ , dann wurde der Katheter entfernt und die Pumpe abgenommen, zurückblieb die Armsteife. Der nächste Termin war in drei Monaten. Ich fühlte mich frei und schwebte fast nach Hause.
Der Diabetes, er wurde im Bestrahlungszeitraum bald zum Problem, denn die Werte hatten sich ziemlich verschlechtert, die Tablettendosis wurde erhöht und ich stand kurz vor der Insulin–Spritze, zum Glück blieb die Diabetologin gelassen. Ich bekam ein Messgerät und sollte die Werte regelmäßig prüfen.
Vor Weihnachten musste ich unbedingt noch einen Plan umsetzten, in meinem Wohnzimmer gab es keine Gelegenheit mich einmal hinzulegen, ich hatte nur einen Sessel von meiner Cousine geborgt bekommen. Ich wollte mir wenigsten etwas Gemütlichkeit gönnen, verdient hatte ich mir die allemal. Bei DOMÄNE kaufte ich mir eine Polsterecke für 800 DM. Aber das alte Sprichwort ›Kaufst du billig, kaufst du zweimal‹ hat sich wieder einmal bewahrheitet. Weinachten und Silvester wollte ich in Bautzen bei meinen Eltern verbringen, deshalb wurde die Weihnachtsdekoration nicht aufgebaut.
Zuvor musste ich noch bei meiner Onkologin vorbeischauen, ein Lebenszeichen von mir geben und den Termin für die letzten zwei Staffeln Chemotherapie festmachen. Darüber hinaus musste ich die Krankenkarte abstempeln lassen, damit ich mein Krankengeld bekomme. Es waren immerhin über 2000 DM im Monat, von soviel Geld habe ich als Taxifahrer immer geträumt, aber die Quelle versiegt nach 78 Wochen. Noch war Zeit, ich dachte darüber vorsichtshalber nicht weiter nach. Im Januar ging es mit der Chemotherapie weiter.
Mir war es richtig peinlich, ich bekam Post von der Beratungsstelle für Krebskranke, meine Betreuerin hat sich Sorgen gemacht, da ich mich schon lange nicht mehr gemeldet habe, aber über die Zeit der Bestrahlung fehlte mir die Kraft dazu. Ich habe dann in nachfolgende Zeit immer sehr regen Kontakt zu ihr gehalten, was mir auch über viele Probleme hinweggeholfen hat.
Weihnachten in Bautzen, es war kalt und meinem Vater ging es schlecht, er konnte nicht einmal die traditionellen Besuche bei meinen Schwestern mitmachen. Vom Festtagsessen bei Sonja wollte er nur eine Suppe mitgebracht haben, sodass Weihnachten und auch Sylvester nicht wirklich aufbauend für mich waren. Meine Geburtstagsfeier haben wir in Auritz in der Gaststätte ›Zur Erholung‹ gefeiert, d.h. Abendbrot gegessen, ich habe so getan, als ob ich das Geld ausgegeben habe. Aber mein Vater hat mir vorher das Geld gegeben, es waren knapp 200 DM. Meine Tante habe ich am Tag noch in das Bautzener Krankenhaus gefahren, sie stand kurz vor dem Herzinfarkt, also war ein Gast weniger. Leider war es das letzte gemeinsame Weihnachten und Sylvester mit Vater, er hat den Krebs nicht überstanden, schade eigentlich.
Das Schilddrüsensonogramm bestätigte die Knoten, links 39 mm, rechts 20 mm, aber keine Zysten. Zur weiteren Abklärung wurde noch ein Szintigramm und eine Feinnadelbiopsie vorgenommen, besonders die Biopsie mit der Nadel, ist nicht gerade angenehm, aber es gibt schlimmeres. Ich hatte nun noch etwas, zwei kalte Knoten. Muss ich denn alles mitnehmen was es umsonst gibt? Die Behandlung erfolgt vorerst mit dem Schilddrüsenhormon L–Thyroxin 50 mg, eine Operation könnte aber in einiger Zeit notwendig sein, so der Professor der in der Medizinisch Diagnostischen Praxis in der Gudrunstraße. Jetzt war ich noch mit der Chemotherapie beschäftigt und war froh, dass nicht schon wieder eine Operation anstand. Während der letzten Staffel im Februar, kam Frau Kraus, die nette Sozialarbeiterin vom OZK zu mir und füllte den Antrag für die Anschlussheilbehandlung aus. Das Anschreiben trug die Überschrift EILTHEILVERFAHREN FÜR HENRY ULLMANN, ich wollte gern in das Reha – Zentrum in Lübben. Es lag zwischen Berlin und Bautzen und ich kannte es schon. Zwischen zwei Staffeln der Chemotherapie habe ich meine beiden Tanten dorthin zur Reha gefahren. Das Reha – Zentrum war neu und sehr modern. Frau Doktor hat den Antrag gleich unterschrieben. Es dauerte natürlich ein paar Wochen bis von der LVA die Zustimmung kam. Noch hatte ich keine Erfahrungen mit der LVA, aber die sollte ich noch zur Genüge bekommen und die waren nicht immer die Besten.

Nun hatte ich es fast geschafft,
8 Monate
Chemotherapie und Strahlentherapie
lagen hinter mir,
geschwächt, aber glücklich und
nun bereitete ich mich auf die Anschlussheilbehandlung vor.
Am 13 März kam von der LVA die Bestätigung über die Bewilligung einer stationären onkologischen Nachsorgeleistung als Leistung zur Rehabilitation, so stand es geschrieben. Die Heilbehandlung dauert voraussichtlich 3 Wochen und wird in folgender Rehabilitationseinrichtung durchgeführt:
Median Klinik Kalbe Abt. Onkologie. Das war entschieden weiter wie Lübben, ich freute mich trotzdem.
Am 09.04.2001 bekam ich das Schreiben von der Rehabilitationsklinik für Orthopädie und Onkologie. Der Aufnahmetermin ist der 2. Mai und die Heilmaßnahme dauert voraussichtlich bis 23. Mai. Ich hoffte natürlich, dass ich länger bleiben kann. Ich fuhr an einen schönen Tag mit dem Auto nach Kalbe und dachte daran, dass ich im Leben noch nie eine Kur hatte, erst der Krebs hat mir dazu verholfen. Einmal hätte ich schon fast eine bekommen, aber dann kam die Wende, neben andern Sachen gab es auch keine Kuren mehr. Da kann ich doch Stolz sein, solange ausgehalten zu haben.
Hier in Kalbe war es fast wie im Hotel, es gab nur Einzelzimmer, für mich war alles ungewohnt und neu. Nach Erledigung der Anmeldeformalitäten, musste ich sofort zum Mittagessen, es war nämlich gleich Küchenschluss. Die Fahrt dauerte länger als ich dachte. Nach dem Essen, räumte ich mein Auto aus, dazu konnte ich bis an den Eingang fahren, danach stellte ich es auf den etwas entfernteren Parkplatz ab.
Mein Zimmer gefiel mir gut, Toilette, Dusche, Bett, Schreibtisch und Fernseher. Ich habe aber kein Anschlusskabel gekauft, brauchte ich auch nicht, es gab auf der Etage einen Fernsehraum, den ich hin und wieder nutzte. Ich hatte mir von zu Hause den Radiowecker mitgebracht, das reichte mir. Ich hatte mir vorgenommen mein Problem mit der Schulter und der Wirbelsäule zur Sprache zu bringen. Ein anderes Problem machte mir ebenfalls zu schaffen, obwohl ich nach meinen Meinung in der Vergangenheit immer ausreichend gegessen haben, nahm ich nicht zu. Ich war bei 62 Kg stehen geblieben und wollte mir unbedingt was ›anfuttern‹ .
Der Stationsarzt und auch die Chefärztin der onkologischen Klinik machten auf mich einen gewissenhaften und kompetenten Eindruck. Am ersten Tag wurde festgelegt, was ich alles machen musste. Als ich dann meine Behandlungskarte bekam, wusste ich gleich gar nicht wie ich die vielen Maßnahmen alle koordinieren sollte. Die nächsten Tage hat sich aber alles eingeschliffen. Die Therapiemaßnahmen gingen Wochentags von 07:00 bis 15:00 Uhr, Sonnabend bis Mittag und Sonntag war frei. Visite war zwei Mal in der Woche.
Der erste Abend brachte mir gleich ein traumatisches Erlebnis, ich wollte in die Schwimmhalle gehen, ja eigentlich nichts besonderes, schwimmen konnte ich ja, aber was ich bis dahin nicht so wahrgenommen habe. Ich konnte meinen Kopf nicht mehr aus dem Wasser heben. Ich war dem Ersaufen nahe, bekam panische Angst, zum Glück war das ›Ufer‹ nicht weit. Ich habe dann ca. 1 Stunde ›Standschwimmen‹ gemacht, dass heißt in der Ecke gestanden und mit den Beinen gestrampelt. Ich musste aber aus dem Wasser wieder hinaus, es hat dann ja irgendwie auch geklappt. Vom Wasser hatte ich die Nase gestrichen voll und wollte ihm nicht mehr zu nahe kommen. Bald darauf musste zum Chefarzt der Orthopädie. Ich wollte es ja so und er sagte mir gleich auf den Kopf zu ›Morbus Bechterew« , ja gehört habe ich den Namen schon einmal, und dann wusste ich, das waren die Menschen die mit krummen Rücken und gesenkten Hauptes durch die Gegend gehen. Und nun ich auch? Er nahm seine Messungen vor, kein Zweifel. Die Frage über die Möglichkeit der weiteren Berufsausübung hat er nicht beantwortet. Ich bekam schon wieder ein ungutes Gefühl.
Bei einer Visite, mit der Oberärztin, wurde es mir klar gesagt. Berufsausübung, also Taxifahrer ist nicht mehr, ich sollte mich mit dem Gedanken vertraut machen, Erwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen. Der Termin bei der Sozialarbeiterin wurde auch gleich festgelegt.
Damit habe ich mich erst einmal zurechtfinden müssen. Ja es war aus! Was nun?
Ich wurde von der Gymnastik befreit, die bekam mir eh nicht, ich war ganz einfach zu schwach und wacklig, aber es kam schlimmer als ich dachte, meine Gymnastik ins Wasser verlegt, mich beschlich schon wieder die panische Angst. Noch schlimmer es war Gruppengymnastik, ich konnte die Übungen nicht mitmachen, ich für mich nur am Rand wohl und sicher. Ich bekam daraufhin eine eigene Therapeutin, trotzdem war es immer eine Tortur. Am Schlimmsten fand ich die Arbeit mit der ›Nudel‹ dieser widerspenstigen Schaumstoffrolle.
Ansonsten waren Ergotherapie, Massage und Fango angesagt, Elektrolytbäder für Hände und Füße und Entspannungstherapie, die ich noch nie geliebt habe. Wir sollten versuchen ganz ruhig zu werden unter dem Motto ›mein rechter Arm wird schwer. usw.‹ , manche sind eingeschlafen, ich empfand nichts dabei, ich tat so als ob ich entspanne.
Manchmal bin ich spazieren gegangen oder mit dem Auto nach Gardelegen gefahren, habe Märkte und Spargelfeste besucht, es war eine schöne Zeit, aber an Gewicht nahm ich so gut wie nichts zu, obwohl ich immer der letzte im Speisesaal war und reichlich aß. Während der Heilbehandlung war ich sehr diszipliniert, habe kein Bier getrunken und nicht geraucht. Eine Ausnahme, am letzten Abend trank ich eine kleine Flasche Sekt.
Die gesamte Heilbehandlung hat mir sehr wohl getan und sicherlich den Grundstein für meine Rehabilitation gelegt. Insgesamt kann ich die Klinik, in Kalbe nur positiv hervorheben, einschließlich Personal. Ich hätte es noch länger ausgehalten, obwohl ich doch vier Wochen bleiben konnte. In einem Vortrag wurden insbesondere die onkologischen Patienten dazu angehalten, im nächsten Jahr wieder eine Nachkur zu beantragen.
Gern wäre ich noch einmal in diese Klinik gefahren, aber für erwerbsunfähige, kranke Menschen wird kein Geld mehr ausgegeben, mein Antrag wurde, trotz Widerspruch, abgelehnt. Wut die da aufkommt ist noch gelinde ausgedrückt, man wünscht ganz einfach diesen ›Entscheidern‹ solche Situationen an den Hals, sorry, es mag hart klingen, aber vielleicht hilft es ihnen das Leben mit normalen Augen zu sehen.
Ich hätte noch länger bleiben können, aber mein Vater hatte am 31.Mai Geburtstag, er wurde 75 Jahre alt, es war auch sein letzter Geburtstag, er ist im September an Krebs verstorben. Ich war froh, dass ich zu seinem Geburtstag gefahren bin, fast alle aus der Familie waren da. Die Stimmung war natürlich nicht wie sonst, wir wussten ja, wie es Vater geht. Er hielt tapfer durch, alte Bilder wurden angeschaut. Sein Zustand war sogar besser, als in den vergangenen Monaten. Schlimm für mich, war der Abschied in dieser Zeit von ihm, er selbst sah es wohl auch so, hoffentlich gibt es ein Wiedersehen, uns standen wohl immer die Tränen in den Augen. Sicherlich war die Zeit für Mutter auch nicht gerade einfach. Da ich gleich von Kalbe fuhr, waren es über 400 Kilometer. Natürlich musste ich meine Familie über die Kur berichten und die neue Situation schildern.
5. Behörden, Kampf und das Selbstbewusstsein
Es war erst Mai und mein Krankengeld bekomme ich noch bis 04.12.2001, deshalb stand das Gesundwerden an erster Stelle. Denn auch nach der Reha fühlte ich mich noch sehr schwach und krank, obwohl der Grundstein gelegt war.
Bei meiner Onkologin begannen die Krebs – Nachsorgeuntersuchungen, Ultraschall, Computertomografie und Darmspieglung, es gab keine Anzeichen von Metastasen, im Darm bildeten sich immer wieder Polypen, die wurden gleich problemlos mit entfernt und in die Pathologie zur Untersuchung geschickt.
Was in dieser Zeit verstärkt auftrat war chronischer Eisenmangel. Die Ärzte waren sich nicht sicher, wo das herkommen könnte, Nachwirkungen der Chemotherapie / Bestrahlung oder vom Morbus Bechterew. Das Problem war, dass ich die Tabletten und Tropfen nicht vertragen habe und sofort heftigen Durchfall bekam, ich musste deshalb in regelmäßigen Abständen Infusionen bekommen.
In die Strahlenklinik musste ich erst vierteljährlich, dann halbjährlich und später jährlich, auch hier war immer alles in Ordnung. Natürlich ging ich in die Strahlenklinik mit erhobenem Haupt, soweit mir es mit Morbus Bechterew möglich war, am ›verhassten Clinac‹ ließ ich links liegen. Ich habe oftmals die Schwestern der Tagesstation besucht und wiederum festgestellt, es gibt Menschen denen geht es viel schlechter als mir.
Überhaupt nahm meine Kontaktfreudigkeit ständig zu, eine Eigenschaft die bei mir in der Vergangenheit nicht besonders ausgeprägt war. Ich werde diese Kontaktfreudigkeit noch brauchen wie sich herausstellen wird. Ab und zu schaute ich bei meinen Kumpels am Taxihalteplatz vorbei um die Neuigkeiten zu erfahren, denn so richtig wollte ich es nicht glauben mit der Erwerbsunfähigkeit, aber ich hatte es Schwarz auf Weis. Deshalb machte ich mich irgendwann im Juni auf zum Rentenberater der LVA und stellte den Antrag. Mein Problem war, dass ich in den letzten 5 Jahren keine durchgehenden Beiträge eingezahlt habe, eine Voraussetzung für die Erwerbsunfähigkeitsrente, wie ich mir angelesen habe. Ich hatte ungefähr eine Lücke von einem Jahr, wo keine Beiträge eingezahlt wurden. Der Rentenberater gab mir eine völlig desolate Auskunft, ich könne diese Beiträge nachzahlen und dann die Rente, wenn sie nicht genehmigt wird neu beantragen. Der hatte vielleicht eine Übersicht! Vollkommen unbefriedigt ging ich nach Hause, jetzt hieß es warten und nun hieß es warten. Da ich an Gott nicht glaube, brauchte ich auch nicht beten und die Kirchensteuer habe ich bis jetzt auch nicht an das Finanzamt nachgezahlt. Die Eltern haben mich zwar taufen lassen, da war man wohl automatisch in der Kirche, aber ausgetreten bin ich nie. Das ist aber schon wieder eine andere Geschichte.
Noch ein anderes Problem mit der LVA kündigte sich an, ich sollte für die Reha 476 DM bezahlen, da es sich um keine Anschlussheilbehandlung handelt. Ich war geschockt, denn über den Zeitraum der REHA gibt es auch kein Krankengeld und die Kosten wie Miete usw. liefen ja weiter. Trotz Widerspruch hatte ich keine Chance, die Widerspruchskommission der LVA sah keine soziale Härte. Was wissen denn diese Leute über soziale Härte, nur weil ich erst alle Therapien hinter mir haben wollte, kneift es mich in den ›Arsch‹ , selbst die Ärzte sahen das so. Manchmal wünsche ich solchen ›Entscheidern‹ , dass sie auch einmal in solche Situationen geraten, es mag hart klingen, aber vielleicht hilft es ihnen.
Meine Diabetologin war zufrieden mit den Werten, spritzen brauchte ich vorerst nicht, die Medikation wurde noch gesenkt. Wegen meiner diabetischen Neuropathie habe ich von ihr eine Überweisung zur Neurologin bekommen. Beim ersten Termin machte die Neurologin ein EMG, um sich von meiner Krankheit ein Bild zu machen. Die Elektro–Myographie (EMG) ist ein technisches Untersuchungsverfahren, bei dem die natürliche, elektrische Aktivität eines Muskels gemessen wird. Sie gibt Hinweise darauf, ob der Muskel selbst erkrankt ist oder der Nerv, der diesen Muskel mit Information versorgt, nicht ausreichend funktioniert. Bei mir kamen beide Möglichkeiten zur Anwendung um die elektrischen Aktivitäten eines Muskels zu erfassen.
•Nadel–EMG
Der Arzt desinfiziert die Haut und sticht eine hauchdünne Nadel–Elektrode direkt in den Muskel des Patienten. über Verstärker lässt sich die Aktivität einzelner Muskelfasern im Inneren eines Muskels ableiten. Ein Computer speichert die gemessenen Spannungsschwankungen und stellt sie dar. über einen Lautsprecher sind diese Schwankungen auch als Rauschen und Knattern hörbar. Erfahrene Ärzte können schon anhand der Geräusche eine Aussage über die Art einer Schädigung treffen.
•Oberflächen–EMG
Aufklebbare Oberflächenelektroden werden eingesetzt, wenn der Muskel direkt unter der Oberfläche liegt, beispielsweise bei der Zunge. Zur genauen Untersuchung des Muskels sind diese Elektroden aber weniger geeignet, weil sie die Aktivität vieler Muskelfasern gleichzeitig erfassen. Die Analyse einzelner Muskelfasern ist so nicht möglich.
Solche Elektroden werden auch in der Sportphysiologie verwendet. So lässt sich beispielsweise der Zeitpunkt bis zum Beginn einer Muskelkontraktion bestimmen.
Mit Hilfe einer EMG lassen sich die Art und Schwere verschiedener Muskel– und Nervenerkrankungen bestimmen.
Das Nadel–EMG ist keine angenehme Untersuchung, aber es gibt schlimmeres. Beim EMG geht es hauptsächlich darum, die Frage zu beantworten, handelt es sich eine Erkrankung des Muskels oder zuständigen Nervs?
Ich lag entspannt auf der Liege und die Ärztin stach eine dünne Nadel–Elektrode
direkt in den Muskel. Danach musste ich verschieden Aktivitäten mit dem
Muskel machen, anspannen und locker lassen. Die Neurologin, auch
eine Ärztin zu der ich Vertrauen habe, die auch vieles abfragt. Als Medikation
verordnete sie mir Gabamazepin und später Garbapentin, es ergibt allenfalls
eine Linderung der Probleme, damit muss ich mich vermutlich abfinden. Die Missempfindungen
und Schmerzen in den Füßen sind oftmals unerträglich. Manchmal
ist mir so als ob ›der Fuß aus dem Fuß‹ will.
Das Gefühl ist kaum zu beschreiben und für nicht betroffene Menschen
wohl schwer nachzuempfinden, das Tragen von festem Schuhwerk ist Pflicht, jeder
Fehltritt wird durch Schmerzen bestraft. Natürlich ist die Lebensqualität
deutlich eingeschränkt. Die Neurologin meinte, die richtige Zuckereinstellung
ist das Wichtigste und ein guter Eisenspiegel ist ebenfalls notwendig.
Da war ja noch das Problem mit dem Morbus Bechterew, deshalb holte ich mir beim Hausarzt eine Überweisung zur Behandlung. Zuvor war ich schon einmal bei einem Rheumatologen, der mit dieser Krankheit überhaupt nichts anfangen konnte oder wollte. Mein Hausarzt empfahl mir einen Facharzt für Innere Medizin. Er war ›begeistert‹ von Morbus Bechterew, wieder wurde ich vermessen, ich hatte aber zum Glück meine Röntgenbilder aus der REHA – Klinik mitgenommen, was gar nicht so einfach war. Ich brauchte nicht noch einmal geröntgt werden, nach dem Betrachten der Bilder, hat er nur gesagt ich wäre was für die Studenten, schon wieder Studenten dachte ich mir. Ansonsten blieb ich vorerst ohne Medikation. Das Rektum Karzinom ist noch ziemlich ›frisch‹ und deshalb war er vorsichtig. Es schickte mich erst einmal zum Knochenszintigramm und dann bin ich alle 4 Wochen bei ihm vorstellig geworden. Eine Entscheidung irgendwelcher Art fällte er nicht.
Ich war immer in Bewegung und im August wurde meine Schwester 50 Jahre alt, o.k. Evelyn viele haben es schon hinter sich. Als ich gerade losfahren wollte, lag eine Benachrichtigung, über ein Einschreiben im Briefkasten. Ich dachte mir schon woher und suchte im Wohngebiet die Postfrau, ich hätte sonst keine ruhige Minute gehabt. Na, was war es, ich hatte recht, die Ablehnung der Erwerbsunfähigkeitsrente, mit der Begründung, dass in den letzten 5 Jahre keine durchgängig Beitragszahlung erfolgt, eine rückwirkende Zahlung nicht möglich ist, es wurde aber betätigt, dass ich dauerhaft erwerbsunfähig bin, nun hatte ich es schwarz auf weiß. Die Frage war natürlich, wie geht es weiter, ich kann doch kein Taxi mehr fahren, selbst wenn ich wollte.
Was soll es, ich fuhr zur Geburtstagsfeier. Mein Vater, schon schwer von seiner Krebskrankheit gezeichnet, konnte mir auch keinen Rat geben, ich merkte nur, dass er über die Situation sehr traurig war. Ich habe versucht, immer wenn ich da war, zumindest die Fahrten zur Chemotherapie mit Vater zu machen. Ich sah doch wie er sich mit dem Auto quälte, obwohl er ein leidenschaftlicher Autofahrer war. Es wurde im Familienrat beschlossen, dass ich Widerspruch einlege.
In Berlin wieder angekommen kaufte ich mir die schon lange geplanten Zebrafinken, sie fühlen sich augenscheinlich wohl in ihrem neuen Käfig, der mit 2,20 m x 0,80 m x 0,50 m Platz genug, für zwei so kleine Vögel hatte. Ich habe viel Zeit bei der Beobachtung zugebracht. Meinen letzten Vogel bekam ich vor über 40 Jahren, es war ein Kanarienvogel.
Ich hatte aber noch andere, wichtigere Dinge zu tun, nämlich den Widerspruch an die LVA zu schreiben und mir Gedanken zu machen, wie es denn nun weitergehen sollte. Ich musste mich damit beschäftigen, Sozialhilfe zu beantragen oder Wohngeld, muss ich meine Wohnung verlassen, muss ich mein Auto verkaufen und vieles mehr ging mir durch den Kopf. Ich packte es an, den Widerspruch gemacht, dabei hat mir meine Cousine geholfen. Heute habe ich in solchen Dingen Erfahrung und kann sogar anderen Menschen helfen, auch dafür ist eine überstandene Krebserkrankung gut. Der Widerspruch wurde natürlich ablehnt, ich erwartete auch nichts anderes, aber ein Versuch war es wert. Der letzte Weg wäre das Sozialgericht gewesen, dazu fehlten mir damals die Kraft und die Erfahrung. Noch ahnte ich nicht, mit welchen ›Schriftkram‹ mein Leben noch konfrontierte wird.
Im September starb mein Vater nach langem Krebsleiden, eine Vertrauensperson war nicht mehr, was ich sehr bedauerte. Ich verspürte aber in der darauf folgenden Zeit, dass meine Mutter mich auch gut verstand , ich brauchte Menschen mit denen ich mich austauschen konnte, denn eine schwere Zeit stand mir noch bevor. Zur Besetzung meines Vaters waren natürlich viele Menschen da, die Trauerhalle in Bautzen war voll gewesen. Die Rede, ging an Vaters Leben vorbei, schade eigentlich, er hätte eine anspruchsvollere Rede verdient, aber zurück wäre er auch nicht gekommen. Es war ein kalter, regnerischer Tag gewesen, anschließend wurden die engsten Angehörigen und Freunde noch zum Essen eingeladen. Ich habe mir schon paar Gedanken gemacht, wie es Mutter verkraften wird, allein auf dem Grundstück. Dazu kommt, sie sind erst vor 3 ½ Jahren nach Auritz gezogen, nachdem das ehemalige Bungalow zum Wohnhaus umgebaut wurde. Den ganzen Papierkram hat Vater erledigt, wird Mutter das auch packen! Ich werde sie jedenfalls unterstützen wo ich kann und meine Schwestern wohnen in unmittelbarer Umgebung. Die gute Tradition, der Anruf zweimal in der Woche, hat sich jedenfalls bestens entwickelt und bewährt.
Im November wurde ich zum ersten Mal beim Sozialamt vorstellig, vorher habe ich die Taxikonzession mit Wehmut gekündigt und das Gewerbe abgemeldet. Das war endgültig, ein Lebensabschnitt ging zu Ende, ich war auf Dauer erwerbsunfähig und das alles auch noch zu einer äußerst depressiven Zeit im November und Dezember.
Den ausgefüllten Antrag auf Sozialhilfe und alle erforderlichen Unterlagen
hatte ich dabei, nach ca. 4 Stunden war ich wieder draußen. Nichts
geklärt und stinke sauer, man hatte mich zum falschen Sozialamt geschickt,
das im Rathaus Köpenick war nicht zuständig für mich. Obwohl
ich mir den Termin persönlich geholt habe. Die Dame am Tresen, hat
sogar noch meine Adresse verlangt. Mir blieb nicht weiter übrig, ich musste
mir einen neuen Termin holen im Sozialamt in Adlershof.
Das Sozialamt in Adlershof befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Wachregiment, genau dort wo ich drei Jahre gedient habe, welch ein Schicksal, ich konnte es kaum fassen. Ich glaube es war sogar das Gebäude in dem ich untergebracht war. Zuerst musste ich mir einen neuen Termin holen, da wird geprüft, ob überhaupt eine Bedürftigkeit besteht. Ich war zwar angezogen, kam mir aber ›nackt‹ vor. Ich musste schon geduldig reden, dass ich überhaupt einen Termin bei einer Sachbearbeiterin bekam, der war für Mitte Dezember festgesetzt, da war das Krankengeld schon ausgelaufen. Dann war es soweit und ich wurde vorstellig, musste allerdings über eine Stunde warten, als ich die Menschen sah und die Kinder schreien hört, da wurde mir bewusst, dass ich im ›Kapitalismus‹ angekommen bin. An den Tischen wurden irgendwelche Unterlagen oder Anträge ausgefüllt. Ich wartete teilnahmslos und war angenehm überrascht als ich auf eine Mitarbeiterin traf, die recht freundlich zu mir war. Ich bekam auch einen Antrag und saß plötzlich auch unter den ›Ausfüllern‹ . Nach einer gewissen Zeit wurde ich wieder aufgerufen, es dunkelte schon, mein Termin war 13.00 Uhr gewesen. Geld sah ich nicht und erfuhr, dass ich zu viel Geld auf dem Konto habe, eine Lebensversicherung und noch ein Auto.
Ja das war die Weihnachtsüberraschung für mich. Ich hatte zu viel Geld, das war mir doch in den letzten Jahren ›überhaupt‹ nicht aufgefallen. Es gibt für den Sozialhilfeempfänger eine bestimmte Summe die nicht überschritten werden darf, ich glaube sie bei 2.500 DM. Wir, also die Sozialhilfeempfänger unterteilen sich in ›normale‹ und ›erwerbsunfähige mit Merkzeichen G auf dem Schwerbehindertenausweis‹
Was war ich nun eigentlich, ich hatte mich zwar mit verschiedenen
Kommentaren zum Sozialhilfegesetz beschäftigt, konnte mich aber nicht
eindeutig zuordnen. Noch war ich auch nicht geschieden und ich erhielt
die Auflage, die Klage auf Trennungsunterhalt, mit dem Rechtsanwalt abzusprechen.
Ich bekam einen neuen Termin für Februar und habe mich damit abgefunden,
vielleicht war es falsch gewesen.
Ich beantragte erst einmal Wohngeld, damit ich wenigsten etwas bekam, die Bearbeitung ging erfreulicherweise recht schnell, dank der netten Mitarbeiterin der Wohngeldstelle. Ich bekam für Dezember und Januar Wohngeld. Das Weihnachtsfest, den Geburtstag und den Jahreswechsel verbrachte ich in Bautzen, bei meiner nun verwitweten Mutter. Es war klar, die Stimmung tendierte gegen Null, kein Wunder, die Ereignisse lagen noch sehr nah. Natürlich haben wir, Mutter und ich die obligatorischen Besuche bei meinen Schwestern gemacht, die Abwechslung bekam mir und Mutter gut. Die Entscheidung war schon richtig, obwohl es insgesamt ein ›Scheiß‹ Jahresende war.
Aber meine Probleme waren dadurch nicht gelöst, sondern nur verschoben. Das mit dem Geld klärte sich von selbst, schneller als man denkt. Zum nächsten Termin hatte ich die notwenige ›Armut‹ und bekam für die Monate Februar und März Sozialhilfe. Ich musste der Mitarbeiterin aber etwas auf die ›Sprünge‹ helfen. Ich verwies auf meine Erwerbsunfähigkeit, mein Glück, ich hatte es ›schwarz auf weiß‹ , obwohl diese Bestätigung durch die LVA dem Sozialamt bekannt war. Dieser Fakt wird mein gesamtes, weiteres Leben prägen,
IM KAMPF GEGEN DIE BEHÖRDEN, MUSS MAN SICH SELBST DURCHSETZEN
Es wird dich nie jemand auf irgendetwas hinweisen, wichtig ist man muss sich auskennen, sonst hat man den Kampf schon im Ansatz verloren, o.k. ich stand aber erst am Anfang dieser Erkenntnis.
Ich habe bis heute nicht begriffen, ob Erwerbsunfähigkeit ausreicht um in den erhöhten Selbstbehalt zukommen, oder ob das Merkzeichen G auf dem Schwerbehindertenausweis vorhanden sein muss. Da ich jetzt Sozialhilfe bekam, habe ich auf eine Aufklärung durch die Sachbearbeiterin verzichtet, vielleicht hätte ich ›schlafende Hunde‹ geweckt. Der nächste Termin war im April und ich hatte wieder paar Auflagen bekommen. Bis dahin musste ich den Wert meines Autos und den Rückkaufswert der Lebensversicherung ermitteln bzw. ermitteln lassen.
Für zwei Monate war also das Überleben gesichert, nebenbei war ich ja auch noch ›etwas krank‹ und musste mich um meine Gesundheit kümmern, sonst brauche ich auch bald keine Sozialhilfe mehr.
Wo anfangen, als Erstes suchte ich meine Fürsorgerin von der Krebshilfe auf, denn wir wollten das Merkzeichen G beantragen, was wir auch taten. Dann zum Hausarzt, zur Onkologin, zur Diabetologin, zur Neurologin und in die Strahlenklinik. Von Langeweile keine Rede. Die zwei Monate vergingen schnell und die Ablehnung des Merkzeichen G erreichte mich auch. Der Grund dafür ist, ich bin nicht krank genug, der Morbus Bechterew reicht nicht aus, vielleicht hat mein Arzt nicht die richtige Begründung geschrieben, kann ja sein, deshalb gab ich natürlich nicht auf.
Ein neuer Arzt für die Diagnose Morbus Bechterew musste gefunden werden. Meine Betreuerin besorgte mir einen Termin beim Amtsarzt in Adlershof, es erfolgte ein sehr vertrauliches Gespräch, er schlug mir vor, mich mit dem Morbus Bechterew direkt an die Charité zu wenden.
Einige Tage später suchte ich die Poliklinik der Charité auf. Es dauerte eine ganze Weile, bevor ich mich durch gesucht hatte. Dann stand in der Anmeldung um mir einen Termin zu holen, es herrschte Hektik und ich merkte schon an den Patienten vor mir, wie lange die Termine ›ausgebucht‹ waren, mein Anliegen war schnell erläutert. Als der Name ›Morbus Bechterew‹ fiel, trat eine junge Frau interessiert an mich heran und sagte, dass sie Patienten mit Morbus Bechterew sucht. Ich hatte eine gesuchte Krankheit, da konnte ich doch richtig Stolz sein, wo werden schon Krankheiten gesucht. Die Frau nahm mich gleich mit auf die Tagesstation der Rheumaklinik. Dort wurde ich einer Assistenzärztin, die Studien an Morbus Bechterew Patienten durchführt, vorgestellt. Was war denn da passiert, ›Henry im Glück‹ ,ich glaubte es nicht. Ein kurzes Gespräch in ihrem Zimmer erfolgte und die Vereinbarung eines Termins, da ich auch keine Überweisung hatte. Die Ärztin, eine junge Frau, war mir von Anfang an kompetent und sympathisch, ich vertraute ihr sofort. Es war eigenartig, neben dem Schreibtisch stand ihr Fahrrad. Ich holte mir die Überweisung bei meinem bisherigen Arzt, auf dieser stand ›Morbus Bechterew Problemfall‹ ich nahm an, dass ich jetzt in guten Händen bin.
Der Termin im Sozialamt rückte bedrohlich näher. Ich hatte zudem noch die Aufforderung bekommen, beim Amtsarzt vorstellig zu werden, um den Mehrbedarf bestätigen zu lassen. Der Besuch bei der Ärztin stelle kein Problem dar. Ich musste mich nur für einen Mehrbedarf entscheiden, entweder Diabetes oder Krebskrankheit, da es bei dem Diabetes etwas mehr Geld gibt haben wir uns dafür entschieden.
Die Wertermittlung des PKW ließ ich in dem Autohaus machen lassen, wo das Taxi gekauft wurde. Mein ehemaliger Autoverkäufer, den ich vorher in das Problem eingeweiht habe, ›machte‹ ein Auto von 1.800 DM draus, vielleicht war es noch paar Mark mehr wert. Ich war froh, er hat immer Anteil an meiner Situation genommen. Er sah mich damals mit der Chemo – Pumpe und ich glaube, ein bissel war er glücklich mir einen Dienst zu erweisen, es wird ja alles auf den ›Selbstbehalt‹ angerechnet. Mit 1.800 Euro lag ich unter dem Selbstbehalt. Der neue Termin bei der Sachbearbeiterin die jetzt für mich verantwortlich war, wurde ich im Unklaren gelassen, ob ich weiter Sozialhilfe bekomme. Ich sollte mich in den nächsten Tagen telefonisch melden. Das war ja wieder eine Aussicht. Das Problem war der Rückkaufswert meiner Lebensversicherung, die schon seit Jahren beitragsfrei gestellt war, zum Glück. Ein paar Tage später rief ich im Sozialamt an und bekam mitgeteilt, dass die Zahlung der Sozialhilfe eingestellt wird und ich erst von der Lebensversicherung meinen Unterhalt bestreiten muss.
Wieder so eine ›Scheiß – Situation‹ . Was sollte ich nur machen?
Die Lebensversicherung gekündigt und wieder Wohngeld beantragt, die nette Mitarbeiterin der Wohngeldstelle begriff auch die Welt nicht mehr, ich sowieso nicht. Ich bekam eine detaillierte Aufstellung vom Sozialamt zugesandt, nun ja wie lange ich noch leben kann, unverständlich bis zum jüngsten Tag. Im Juli soll ich mich wieder melden, da war rechnerisch kein Geld mehr da. Die wissen schon wenn du wieder arm bist!
Es kam eine Mahnung von der Krankenkasse, denn ich musste die Beiträge nun wieder selbst bezahlen, da hatte ich wohl etwas übersehen. Ich meine die Mitarbeiter des Sozialamtes können auch nichts dafür, aber ich bin dorthin gegangen, weil ich krank bin und nicht arbeiten kann. Oft habe ich mir vorgestellt, welche Probleme alte Menschen bekommen, wenn es um das Sozialamt geht. Ich lebte also wieder von meinem eigenen Geld und nicht auf Kosten des Staates.
Ich habe mich auch nur ganz kurz als ›Staatlich Bettler‹ gefühlt, es aber schnell wieder vergessen, denn das Geld steht mir zu. So will es der Staat und die Erfahrungen haben mir gezeigt, wenn man ganz arm ist bekommt man soviel Geld um leben zu können, aber ohne Kampf geht natürlich nichts.
Die Untersuchungen in der Charité (Rheumaklinik) waren die schon bekannten für mich, vermessen, Blut abnehmen, röntgen und die Krankengeschichte erzählen.
Mir wurde vorgeschlagen 3 Wochen in die Tagesklinik zu kommen, was ich auch gern tat. Nach anfänglichen größeren Problemen mit der Krankenkasse, wegen der Kostenübernahme, konnte ich dann die Therapie aufnehmen. Die Ärztin in der Charité, die Studienärztin, schade, dass mir der Name nicht mehr einfällt, hat großen Anteil an der Aufnahme in Tagesklinik, ohne ihre persönliche Intervention wäre ich wahrscheinlich nie in der Tagesklinik gelandet. Der Aufenthalt war von Montag bis Freitag jeweils von 8.30 bis 16.00 Uhr, den langen Fahrweg von Bohnsdorf nahm ich gern in Kauf, es ging ja nicht zur Bestrahlung. Die Therapiemaßnahmen( Wassergymnastik, Ultraschall, Unterwassermassage, Wärmebehandlung u.a.) empfand sehr angenehm, denn so konzentriert und intensiv bekommt man die Behandlungen sonst nicht geboten. Ich war sehr froh über diesen Aufenthalt, habe die Ärztin noch oftmals gesehen und dann nach der Entlassung, war ich mit mir und dem ›Morbus Bechterew‹ wieder alleine.
Es gab noch eine lustige Begebenheit während im Rahmen der Therapie, Wassergymnastik, seit der REHA meine ›Lieblingsgymnastik‹ stand im Plan. Dazu ging ich mit 5 – 6 Leuten in das Schwimmbad, dann begannen die mir schon bekannten Übungen. Besonders gern wird durch die Therapeuten mit der ›Nudel und dem Schwimmbrett‹ gearbeitet. Ich war zu diesem Zeitpunkt in meinen gesamten Bewegungsabläufen noch ziemlich unsicher. Also an mir lag es nicht, der jungen Therapeutin habe ich das auch gesagt, sie stand draußen am Beckenrand. Dann rutschte mir das Brett weg und ich griff panikartig nach ihrem Fuß. Ich hatte sie ja gewarnt, nun lag sie in voller Kleidung neben mir im Wasser und hielt mich fest. Ihr war zuerst gar nicht nach lachen zu mute. So werde ich wohl meinen ›Wasseralbtraum‹ nie los.
Der Aufenthalt brachte mir noch etwas, zum Aufenthalt gehörte ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Deutschen Rheumaliga und der schilderte ich das Problem mit dem Merkzeichen G. Diese Frau, ebenfalls sehr einfühlsam und nett, war sofort bereit mir zu helfen und wir stellten den Antrag, nach Rücksprache mit der Stationsärztin, noch einmal. Der Arztbrief wurde gleich mitgeschickt.
Bescheinigung Einschränkung der Gehfähigkeit vom 05.06.2002
UNIVERSITÄTSKLINIKUM
• MEDIZINISCHE FAKULTÄT DER HUMBOLDT–UNIVERSITÄT ZU BERLIN ....
CHARITÉ –D–10098 BERLIN CAMPUS CHARITÉ MITTE
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie
Klinikdirektor: Prof. Dr. Burmester.
Tagesstation. Leiter: PD Dr. D.
Bescheinigung:
Herr Henry Ullmann, geb. am 27. 12.1948, wird wegen einer chronisch–entzündlichen Erkrankungen regelmäßig in unserer Ambulanz betreut. Zusätzlich leidet Herr Ullmann an einem Rectumcarzinom und einer ausgeprägten Polyneuropathie aufgrund eines Diabetes mellitus. Im Rahmen der Polyneuropathie und durch die periphere Gelenkbeteiligung beim Morbus Bechterew, kommt es zu einer deutlichen Einschränkung der Gehstrecke. So ist es ihm nicht möglich mehr als 200m kontinuierlich am Stück zu bewältigen. Erholungspausen müssen regelmäßig in kürzeren Abständen eingelegt werden. Aus diesem Grund benötigt er für das zurücklegen von zwei Kilometer weit mehr als 1 Stunde.
Hiermit bestätigen wir Herrn Ullmann das er im Rahmen seiner entzündlich–rheumatischen Erkrankung und durch die Polyneuropathie stark in seiner Gehfähigkeit eingeschränkt ist.
Dr. Loddenkämpfer Stationsärztin
Es dauerte nicht lange und ich bekam das Merkzeichen G und der Grad der Behinderung wurde sogar auf 90° erhöht. Ein Erfolgserlebnis für mich, es bestätigte mir wieder, kämpf und gehe auf die Menschen zu, sie helfen dir. Eine Eigenschaft die früher eher ›unterentwickelt‹ war.
Weiterhin erhielt ich noch einen so genannten Greifer, mit dem man kleine Sachen vom Boden aufheben kann, weil ich mich nur großer Mühe bücken kann und mein Bad wurde umgebaut, damit ich besser aus der Badewanne aussteigen kann. Der Umbau, o.k. es war nur ein Haltegriff, hilft mir vielleicht später einmal.
Ja, was hatte ich jetzt noch für Probleme zu lösen, eine Vielzahl sind übrig.
Ich wollte noch eine Nachsorgekur beantragen, hatten sie doch in der Reha – Klinik gesagt, steht mir zu. Meine Ärztin stelle den Antrag und ich ahnte es schon, sie wurde natürlich durch die LVA abgelehnt. Der Widerspruch, jetzt kenne ich mich langsam aus, wurde wieder negativ beschieden, von den ›Entscheidern‹ ,liegt es nun an der dauerhaften Erwerbsunfähigkeit oder an der Sozialhilfe, nach Einschätzung der LVA lag keine Notwendigkeit vor. Bin ich eben zu meiner Mutter gefahren, war auch bald wie eine Kur.
Der Monat war um und der Termin bei meiner Onkologin rückte heran. Sie wollte, dass ich mich einer Darmspieglung unterziehe. Dies fand wie immer im Krankenhaus Lichtenberg (OZK)statt, früher hätte ich ›das große Flattern‹ bekommen, heute gehe ich die Sache gelassen an. Mein einzigstes Problem ist den Darm sauber zu bekommen, dazu muss ich dieses furchtbar, schmeckendes ›Gesöff‹ trinken. Man kann es mischen mit Saft, aber der Geschmack ändert sich nicht. Bei mir endet es regelmäßig mit Brechreiz und Schüttelfrost, den Darm bekomme ich auch nie richtig sauber. Die Wartezeit ist oftmals ziemlich lange und ich habe Zeit die Leute zu beobachten die auf ihre Untersuchung warten, man sieht ihnen die Angst und Unsicherheit an. Aber jeder hat diese ersten Erfahrungen gemacht, auch ich habe das hinter mir. Man kann sich ja eine Spritze geben lassen, eine Kombination aus Schmerzmittel und Narkose, ich nehme diese sehr gern. Es ging los, ich bekomme immer nur den Anfang mit und dann entschwinde ich langsam. Gewöhnlich komme ich im Aufwachraum zu mir. Heute war es anders, es wurde ein großer Polyp festgestellt. Ich war ja gar nicht mehr richtig ansprechbar, hörte aber wie der Doktor zu mir sagte, wenn er den Polyp gleich mit entfernt, muss ich im Krankenhaus bleiben. Jetzt ist mir auch klar warum man jedes Mal vor einer Darmspieglung ins Krankenhaus aufgenommen wird, obwohl es ja eine ambulante Behandlung ist. Sicherlich stimmte ich zu, sonst hätte ich ja noch einmal kommen müssen und dann dieses ›Gesöff‹ nee. Ich hörte noch im Unterbewusstsein wie man sich um ein Bett in der Notaufnahme kümmerte. Von der Entfernung habe ich nicht gemerkt, die Einlieferung erfolgt hauptsächlich zur Beobachtung, falls einen Darmdurchbruch auftritt. Als ich erwachte lag ich in einem Dreibettzimmer, mit Dusche, Toilette und Tisch. Ich kann mich erinnern, dass dieses Gebäude damals renoviert wurde. Es war eine moderne Station geworden. Eine Ärztin erschien am Bett und sagte ich müsse hier bleiben und wenn alles in Ordnung ist, kann ich Morgen wieder gehen. Keiner wusste wo ich bin, ein Handy hatte ich auch nicht dabei. Auf Grund meines Hungers wollte ich in die Cafeteria des Krankenhauses gehen, eine Schwester hielt mich aber zurück und sagte ich hätte eine Operation gehabt und kann nun nicht einfach spazieren gehen. Essen gibt es zum Abendbrot, folgsam wie ich bin habe ich mich wieder ins Bett gelegt, draußen war es über 30°, aber herzlos war die Schwester nicht, sie gab mir ein Telefon und ich konnte meine Tante verständigen. Ich hatte ja auch kein Schlafzeug, kein Waschzeug usw. mit und musste in meinem ›Engelshemd‹ schlafen. Aber ein Tag wird zu überstehen sein und tatsächlich konnte ich den nächsten Tag wieder nach Hause gehen. Seit dieser Zeit nehme ich zu jeder Darmspieglung meinen ›Notfallkoffer‹ mit. Die pathologische Untersuchung des Polypen ergab keine Bösartigkeit und meine Onkologin war damit sehr zufrieden. Als ich wieder zu Hause war fasste ich einen ›folgenschweren Entschluss‹ .
Ich höre auf zu rauchen.
Warum eigentlich, die Kosten ja auch, die Gesundheit ja auch, aber es war die Selbstbestätigung, das was ich will schaffe ich auch. Ich habe in meinem Leben schon mehrmals über Jahre nicht geraucht, dann aber wieder angefangen. Meine blöde Ausrede war, ich bin alleine, habe keine Abwechslung also rauche ich. Das war wirklich eine unsinnige Ausrede, ich muss auch sagen, ich habe sogar während der Bestrahlung und Chemotherapie geraucht, weil es mir geschmeckt hat. Ich habe verstärkt bemerkt, dass egal, wenn ich am Tag angefangen habe zu rauchen, abends die Schachtel immer leer war. Das ist bei mir so eine Phase wo ich keine Zigaretten mehr brauche, weil ich nicht aus Genuss rauche, sondern aus Langeweile und dafür ist mir das Geld zu schade. Also aufgehört und sofort, ich wusste genau, dass es ging. Manchmal wenn ich in Stimmung bin rauche ich eine Tabakspfeife und dann wirklich aus Genuss.
Ich wurde auch gleich auf die Probe gestellt, zwei wirklich starke Raucher waren zu Besuch bei meiner Cousine in Königs Wusterhausen, zwei Freunde aus Moskau, wirklich nette Menschen mit denen wir, meine zukünftige Ex – Frau und ich, damals vor 15 oder 16 Jahren einige schöne Tage in Zeuthen verbracht haben. Sie waren natürlich über meine Situation informiert und sehr bestürzt, kannten aber Bilder kurz nach meiner Operation und waren sehr erfreut über meinen jetzigen Zustand. An die gemeinsame Zeit erinnere ich gern, eben richtige Freunde, spontan fällt mir ein, wie wir über 100 Pelmenis, eine russische Spezialität gekocht haben. Klar gab es auch russischen Wodka.
Ja das Sozialamt, da waren ja noch Probleme zu klären. Erst einmal hatte ich Schwierigkeiten meine Sachbearbeiterin zu finden, entweder war sie krank oder nicht da. Mir wurde dann mitgeteilt, dass ich eine neue Bearbeiterin bekomme. Na schön dachte ich mir, muss wahrscheinlich so sein. Einen Termin bekam ich Ende Juli, ich legte meine Kontoauszüge und den Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen G vor, auch darauf gibt es nämlich Mehrbedarf. Das Ergebnis war, ich bekam ab August wieder Sozialhilfe und der nächste Termin wurde für Ende Januar festgelegt. Drei Probleme standen aber noch ungelöst im Raum, das Auto, die Wohnung und der Trennungsunterhalt, es ging also wieder los und es dauerte auch nicht lange und ich bekam Post vom Sozialamt.
Nach und nach kamen drei Briefe mit Terminstellungen und der Androhung bei Nichtmitwirkung zur Klärung der Anspruchsvoraussetzungen werden die laufenden Leistungen teilweise entzogen. Da saß mir der Schock schon wieder in den Gliedern. Ich bin zu meiner Betreuerin der Krebshilfe gegangen, habe mit ihr gesprochen, einen Wohnberechtigungsschein beantragt, von meinem Hausarzt eine Bestätigungen geholt, dass ich aufgrund meiner Krankheiten das Auto brauche und nicht in der Lage bin einen Umzug zu bewältigen.
Das dritte Problem, die Abtretung bzw. die Einforderung des Trennungsunterhaltes war eine Arbeit für meinen Rechtsanwalt. Den Forderungen des Sozialamtes, zum jeweiligen Termin, bin ich mit entsprechenden Unterlagen nachgekommen. Ich war sehr erstaunt, als ich Mitte Dezember eine Antwort auf das Wohnungsproblem erhielt. Mir wurde bestätigt, dass die Sozialhilfe weiter gezahlt wird, ein Umzug ist nicht zumutbar. Da fielen mir aber ganze ›Steinhaufen‹ vom Herzen. Auf die anderen Probleme erhielt ich keine Antwort, habe auch nicht nachgefragt.
Noch war das Jahr nicht zu Ende und mein gesunder Pessimismus sagte mir, es könnte ja noch was vom Sozialamt kommen. Es kam auch wieder ein Schreiben vom Sozialamt, in dem ich aufgefordert wurde, die Grundsicherung zu beantragen, da diese Institution für mich jetzt zuständig wäre.
Das Grundsicherungsamt gab es tatsächlich, es hatte sich wahrscheinlich gerade ein paar Tage vorher gegründet und war mit im Wohnungsamt untergekommen. Da diese Aufforderung auch mit einem Termin verbunden war, bin ich gleich vorstellig geworden. Habe wieder einen Antrag ausgefüllt und warte, was nun passiert. Das Grundsicherungsamt ist für Rentner mit geringer Rente und für dauerhaft Erwerbsunfähige ohne Rente zu ständig. Die Anforderungen an den Antragsteller sind ähnlich wie bei der Sozialhilfe. Klingt besser, wenn man eine Grundsicherung bekommt, ich weiß es nicht. Die Bearbeitung nimmt natürlich entsprechende Zeit in Anspruch. Die Nachfrage bei meiner Sachbearbeiterin ergab, bis zur Klärung bin ich weiter dem Sozialamt angegliedert. Der Termin Ende Januar fiel aus, da ich eine neue Bearbeiterin bekommen habe, nun muss ich erst im April erscheinen und bis dahin habe ich bestimmt eine neue Bearbeiterin! Es gibt sicherlich Ursachen dafür, es wird ja auch viel Missbrauch mit Sozialhilfe getrieben und da stecken auch manchmal Mitarbeiter des Sozialamtes mit drin, bei häufigem Wechsel sind die Möglichkeiten stark eingeschränkt. Vielleicht ist das ja der Grund, ohne hier jemanden etwas zu unterstellen. Für mich ist es nicht so angenehm, immer muss man sich neu erklären.
Ich habe im Jahr 2002 viel erreicht
und gesundheitlich geht es mir auch den Umständen entsprechend.
Die Erwartungen
nach einer solchen Erkrankung sind ja nicht mehr so hoch
und man ist froh über jeden neu erlebten Tag.
6. Gerichtstermine, Katastrophen und ein Wiedersehen (2003)
Weihnachten und den Geburtstag 2002 verbrachte ich in Bautzen. Nicht die ganze Zeit, einen Tag bin ich auch bei meiner Cousine in Königs Wusterhausen gewesen. Es ist natürlich seit dem Tod meines Vaters einiges an Gemütlichkeit auf der Strecke geblieben. Jeder hat nun seine Probleme mit sich zu tragen, meine Mutter den Tod ihres Mannes, immerhin waren sie über 50 Jahre verheiratet, ich meine Krankheit und zu allem Überfluss starb am 27. Dezember noch meine Berliner Zwillingstante, an den Folgen ihrer Krebserkrankung. Auch sie stand mir sehr nahe und hat mir trotz ihrer eigenen Probleme in den letzten Jahren, immer Mut zugesprochen.
Schade, aber es ist ein ungeschriebenes Gesetz, die Zusammenkünfte werden immer trauriger, je älter man selbst wird. So ist aber nun das Leben.
Zurück zu Weihnachten, wenn ich einmal keine Probleme mehr habe werde ich paar schöne Geschichten über meine Kindheit unter dem Motto, kein Geld und trotzdem zufrieden und glücklich, schreiben. Kennt man so etwas in der heutigen Gesellschaft noch, wo nur noch finanzielle Werte zählen. Darüber lohnt es sich bestimmt nachzudenken !
Weihnachten in Bautzen ist sehr abwechslungsreich, es gibt eine Regel, jeder wird besucht. Da sind wir zum Heiligenabend bei meiner jüngeren Schwester Sonja, aber auch manches Mal bei der älteren Schwester Evelyn. Dann sind wir zum 1. Feiertag mal da, mal dort und am 2. Weihnachtsfeiertag sind wir, Mutter und ich ›zu Hause‹ in Auritz, aber was mir immer wieder aufgefallen ist, es ist ein harmonisches Fest.
Ich habe diese Besinnlichkeit in den letzten Jahren, besonders seit der Ehe mit der zukünftigen Ex – Frau immer wieder vermisst, ja warum kann ich eigentlich gar nicht so richtig sagen. Ich glaube sie hatte einfach keinen Zugang, zum Vorweihnachtlichen, es kam diese Stimmung, die ich kenne nicht auf. Vielleicht lag es auch daran, dass sie aus Thüringen und ich aus Sachsen kamen. Ich habe diese Weihnachtszeit immer gemocht, war auch mehrmals, in der Vorweihnachtszeit, im Erzgebirge in Urlaub. Ich war ja nicht ungeschickt und habe früher selbst Schwibbogen und Laternen aus Sperrholz gesägt. Einiges wird jedes Weihnachten wieder hervorgeholt. Die Lichter, der Geruch, das war für mich Weihnachten. Ich glaube zu Weihnachten gehört Charakter und ob sie den hatte, ich weiß es nicht.
Es trug sich irgendwann im Dezember des Jahres 1980 zu, ich war mit meiner damaligen Frau, meiner Tochter und einer befreundeten Familie in Urlaub. Der Urlaubsort Oberwiesenthal, damals noch mit viel Schnee. Highlights die Fichtelbergbahn, der Grog auf dem Fichtelberg, die Bratwurstbude am Eingang der Bahn und natürlich das Skifahren. Da wir in der Vorweihnachtszeit dort waren, drehte sich vieles um Räuchermänner und Nussknacker. Es war sehr schwierig solche Artikel im Laden zu kaufen. Da wir in der Region waren musste doch etwas gehen. Mein Kumpel und ich fuhren in ein kleines erzgebirgische Dorf, den Namen weiß ich nicht mehr. Wir suchten einen Drechsler, die gab es dort zur Genüge, aber sie durften ihre ›Kunstwerke‹ nicht privat verkaufen. Wir fanden einen Herrn Mandel, der Name war uns schon sympathisch. Er zeigte uns seine Werkstatt, alte Maschinen und kalt. Wir wollten nicht ohne Nussknacker zurück fahren. Er schilderte seine Lage und meinte aber in drei Tagen sollten wir doch noch einmal vorbei kommen. Wir fuhren noch einmal hin und er hatte zwei Nussknacker standen bereit, ca. 40 cm hoch und lackiert, schöne Exemplare. Er lud uns in seine Wohnung ein, der Preis je Knacker war 40 Mark. Als ich in die Wohnung kam, stockte mir der Atem. Eine Familie, in einem Raum mit Kachelofen in äußerst ärmlicher Situation. Ich sah nur viele Kinder, mir zeriss es bald das Herz, so etwas habe ich bisher nicht gesehen. Der Mann stellt Exporte her, die ins westliche Ausland gehen sind und lebt in solchen ärmlichen Verhältnissen. Wir gaben ihm jeder 60 Mark und verabschiedeten uns dankend. Diese Bild hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt.
So verschieden meine beiden Schwestern auch sind, so unterschiedlich ist auch das Essen zu Weihnachten, aber nicht im negativen Sinne. Bei meiner jüngeren Schwester, mit ihren Kindern , dem Eisenbahner in München, dem Seemann auf der Gorch Fock und dem Hotelmanager in Frankfurt/Main, gab es am Heiligenabend, Kartoffelsalat mit Zutaten oder am 1. Feiertag Kaninchen und Ente, bei meiner älteren Schwester bzw. Schwager wurde mittags Lende serviert, weil sie Hasenliebhaber. Auch hier sind die Kinder mit dabei, meine Nichte die Europasekretärin und mein Neffe, der Operator bei der Bahn. Meine Tante aus Bautzen spart auch keine Festlichkeit aus, wird immer eingeladen, auch sie hat mich nicht unwesentlich zur Aufrechterhaltung meiner Lebensbedingungen unterstützt.
Den 2. Feiertag habe ich mit Mutter, in besinnlicher Atmosphäre verbracht, wir konnten uns auch schon wieder über vergangene Weihnachten unterhalten.
Nein, Doppelkopf wird zu Weihnachten eigentlich nicht gespielt, obwohl meinen spielbesessenen Schwestern, das schon zuzutrauen wäre, ich bin für meinen verstorbenen Vater nachgerückt. Es wird auch um Geld gespielt, das aber beim gemeinsamen Essen wieder ausgegeben wird. Nach meinem Geburtstag bin ich nach Berlin zurück gefahren, denn ich war jetzt wieder gut in der Lage Silvester mit mir alleine zu feiern! Klingt gut.
Zum Geburtstag, haben sich meine Schwestern ein sehr schönes Geschenk einfallen lassen. Ich wurde und alle die z.Zt. in Bautzen anwesend waren zum Abendbrot eingeladen und die Rechnung ging auf ihre Kosten.
Das sind solche Kleinigkeiten, die mir eindeutig sagen, die Familie steht hinter mir, ich gehöre dazu, das richtet auf, das braucht man in solchen schwierigen Situationen. Also wieder ›Henry im Glück‹ .
Zu Hause angekommen habe ich feststellen müssen, dass ein Zebrafink tot im Käfig lag. Ich nehme an, er ist in der Nacht von einem Knallkörper oder Sylvesterrakete aufgeschreckt worden und hat sich zu Tode geflogen.
Ich erwartete eigentlich noch einen Brief von meiner zukünftigen Ex – Schwägerin, sie und ihre Familie haben gemeinsam mit mir geheult, als sie von der Scheidung erfuhren und das waren auch solche ›Lobesliedsänger‹ , es sind übrigens nicht die einzigen Menschen von denen ich schwer enttäuscht bin. Soviel zur Kategorie Mensch und zu meinen ›Freunden‹ !
Nein, eine Feier hatte ich nicht vor zu Silvester, ich wollte vielleicht bei einem Glas Sekt und einer guten Pfeife ›nachdenken‹ und mir fiel eine Menge ein.
Es gab Fragen die ich mir stellte,
› – wird es das Jahr der Scheidung
› – wird die Gesundheit halten
› – wird das Sozialamt bzw. das Grundsicherungsamt weiter meine soziale Sicherung zahlen
› – die wichtigste Frage, werde ich in der Wohnung bleiben können
› – werde ich weiter an meiner Dokumentation schreiben können
› – werden sich Träume erfüllen ›......«
einige Antworten wird es wohl in 2003 geben.
Ich war zum Jahreswechsel nicht gerade unglücklich, im nächsten Jahr wollte ich Weihnachten in meiner Wohnung bleiben und zum 55. Geburtstag meine Familie bzw. Verwandtschaft einladen. Die Idee meine Mutter Weihnachten bei mir zu haben kam mir erst viel später, ob sie sich trotz ihrer Gartenarbeit frei machen konnte. Noch ist meine Mutter der Meinung, im Winter gibt es im Garten auch viel zu tun und deshalb kann sie nicht zu mir kommen. Dazu kommt noch der permanente Protest meiner Schwestern. Mal sehen!
Dann war es auch schon soweit, dass neue Jahr (2003) klopfte an. Ich habe die Silvesterraketen gesehen und freute mich kein Geld dafür ausgegeben zu haben, trotzdem, es sah schön aus. In meinem Haus war ich wohl der Einzige, der da war. Ich dachte an den Jahrtausendwechsel und meinen schönen Umsatz. Das wird es nicht, niemals wieder geben, eigentlich doch schade, mit 55 Jahren, aber es ist nicht zu ändern.
Im August, drei Jahre nach meiner Krebsoperation habe ich das Taxischild endgültig aus dem Kofferraum geholt und im Arbeitszimmer platziert. Es wird einen Ehrenplatz bekommen, obwohl zurückblickend, viel hat mir das Taxifahren nicht eingebracht, neben paar schönen Stunden, mehr Probleme, nämlich eine ruinierte Gesundheit und einen gescheitete Ehe. Über meine Zeit als Taxifahrer kann ich natürlich auch einige spannende Geschichten erzählen, aber nicht jetzt.
Schon seit einiger Zeit trug ich mich mit dem Gedanken, eine eigene Homepage zu entwickeln und ins Netz zu stellen. Ich suchte eine Möglichkeit an die Öffentlichkeit zu gehen, bloß wie. Ich brauchte erst einmal einen Provider, den ich mir leisten kann, eventuell brauche ich jemanden der mir meine Website erstellt, das kostet natürlich auch wieder Geld. Ich wollte mich auch nicht zu abhängig machen und letztlich war es einfach unerschwinglich. Deshalb beschloss ich meine Homepage selbst zu entwickeln und zu hosten. Ich brauchte aber für den Anfang paar Bücher, keine Ahnung von HTML, XHTML, JAVA, CSS und CO, na das kann ja was werden!
Von meiner Cousine aus Königs Wusterhausen habe ich mir fürs Erste paar Bücher geliehen, die ich mir selbst gar nicht leisten konnte, dann ging es los. Die Planung für die Homepage war im Kopf schon lange fertig, als Provider wählte ich STRATO aus, die Firma erschien mir am günstigsten. Bevor ich zum 75. Geburtstag von Mutter gefahren bin, stand meine Website im Netz. Es war nicht einfach, aber mit Fleiß und Konzentration erlernbar. Wichtig ist ein durchdachtes Konzept, ob es gut oder schlecht ist beurteilen sowieso andere, eine Menge Ausdauer und eine ständige Pflege ist ebenfalls notwendig. Ich war jedenfalls sehr stolz auf mich, das geschafft zu haben. Damit hat sich schon einmal mein Wunsch erfüllt, anderen Menschen meine Erfahrungen mitzuteilen und ihnen damit vielleicht auch zu helfen, ähnliche Situationen zu meistern. Erschwinglich ist es schon, ich muss mich nur mit der Internetnutzung einschränken, aber wenn ich daran denke, was eine Schachtel Zigaretten kostet, ist es die billigere und gesündere Alternative. Früher hätte ich so bestimmt nicht gedacht, um ehrlich zu sein!
Die Feier zum 75. Geburtstag meiner Mutter war sehr schön, ich hatte auch den Eindruck, trotz, dass sie nun alleine ist, kommt sie ganz gut klar. Im Winter, wenn keine Gartenarbeit anliegt ist es ihr zwar immer ›langweilig‹ , aber im Frühjahr, Sommer und Herbst ist sie gut drauf. So ist das eben, die einen haben den Computer und die anderen den Garten.
Jetzt habe ich meine Website und nun will ich Englisch lernen, warum ist ganz einfach erklärt. Durch das Internet und die Flugsimulation machte es sich notwendig, es ist mir ganz einfach ›lästig« , dass ich keine englischen Texte verstehe. Ich will später mal ›online‹ fliegen und bei meiner virtuellen Fluggesellschaft ›Colourair‹ bin ich für die Umsetzung des Flugplanes im MS Flugsimulator verantwortlich. Das geht nur mit Kenntnissen der englischen Sprache. Ich habe mir einen Englischlehrgang für Anfänger, von Vera F. Birkenbihl, die ja die Methode des gehirngerechten Lernens propagiert, besorgt. Sie war mir schon als Motivationstrainerin in einem anderen Zusammenhang bekannt. Zur Feier bei meiner Mutter tat ich meine Absichten kund, ich erntete nicht nur ungläubiges Stauen! Ehrlich gesagt, ich, der in der Schule der Russische Sprache gerade so gerecht wurde und über eine 4 nie hinausgekommen ist, will mich an Englisch wagen! Ein großer Brocken war das schon.
Gesundheitlich hatte ich mich eigentlich
ganz gut im Griff, regelmäßig suchte ich natürlich meine Ärzte
auf, einen Arzt der mit Morbus Bechterew vertraut war, fand ich bisher
nicht. Manchmal konnte ich kaum noch laufen und bewegen gleich gar nicht.
Der Darm fand sich mit seiner neuen Länge, fehlten ihm doch ca. 25
cm nicht wirklich ab. So gab es immer wieder Probleme, die nur mit eine
funktionsfähige Waschmaschine zu lösen waren. Meine funktionierte
gerade noch so, sie hat bestimmt über 20 Jahre auf dem Buckel.
Im Rahmen meines Hobbys, Flugsimulation am PC, bin ich beim Berliner Simulantenstammtisch gelandet, dort treffen sich Gleichgesinnte, man kann beim einem guten Frühstück fachsimpeln, seine Probleme zur Sprache bringen und bekommt in den meisten Fällen auch Hilfe. Das Treffen hat für mich schon einen festen Platz in der monatlichen Terminplanung. In der Gaststätte "Am Rollfeld" direkt am Flughafen Tempelhof sitzen in der Regel 10 bis 15 ›Simulanten‹ zusammen. Dort lernte ich den Chef der ›Colourair‹ kennen. Im Gespräch habe ich mich angeboten unseren Flugplan, einschließlich Flugzeuge in den Flugsimulator einzubinden. Hat viel Arbeit, aber auch Spaß gemacht. Leider kann ich aus gesundheitlichen, aber auch aus finanziellen Gründen nicht an den Pilotenreisen der Colourair teilnehmen, die ja oftmals nach Norwegen zum Hauptsitz unserer Airline gehen. Da ich ja schon einmal in Norwegen Urlaub gemacht habe, kann ich mir jetzt die schöne Landschaft am Simulator erfliegen. Einige werden vielleicht sagen, ist doch Unsinn was der erzählt. Ihr braucht ja nicht zu fliegen, schaut doch einfach mal bei der Colourair vorbei und überzeugt euch vom Realismus. Auf alle Fälle ist es sinnvoller als ›Moorhühner‹ zu jagen.
Der April war ein Monat mit vielen Höhen und Tiefen und er ging schon gut los, nämlich mit dem ersten Scheidungstermin am 1. April. Eigentlich wollte ja meine zukünftige Ex – Frau nach der Scheidung mit mir noch einen Kaffee trinken gehen, aber dazu kam es nicht, zwischen uns gab es nicht einmal eine Begrüßung, sie saß mit ›zur Faust geballten Gesicht‹ da und geschieden wurden wir auch nicht. Ich war, wie es meine Art als ehemaliger Taxifahrer ist überpünktlich da. Mein Rechtsanwalt kam dann auch, es gab noch ein kurzes Gespräch zwischen uns und dann stand ich schon vor dem Richter. Er machte einen unnahbaren Eindruck, aber vielleicht müssen die so sein, ich weiß es nicht. Es sah schon wieder so aus, als ich um alles kämpfen muss. Es gab auch schon ein erstes Problem mit der Prozesskostenhilfe, ich habe meine Lebensversicherung nicht angegeben, weil es gerade die Zeit war, wo ich sie auflösen musste und da habe ich sie nicht angegeben. Mein Rechtsanwalt hätte mich hier auch besser beraten können.
Dem ersten Termin gingen unzählige Schreiben zwischen den Rechtsanwälten hin und her. Neben der Scheidung, ging es auch um den geforderten Trennungsunterhalt vom Sozialamt.
Was mir komisch vorkam, war, dass die ganze Sache erst im Jahre 2002 so richtig in Fahrt kam. Hat sie etwa gewartet, was aus mir wird? Die Frage kann ich zumindest mal in den Raum stellen. In den Schreiben wurde ich mit Gemeinheiten und Lügen überschüttet, manches machte mich fassungslos.
Einige Kostproben in Bezug auf den Trennungsunterhalt;
• Der Kläger erhält eine Berufsunfähigkeitsrente – Falsch
• Der Kläger erhält Pflegegeld aus der Pflegeversicherung bei einem Behinderungsgrad von 80 Prozent – Falsch
• Der Kläger hat 1990 eine Erwerbsunfähigkeitsrente abgeschlossen – Falsch
• Der Kläger ist nicht unterhaltsbedürftig und
hat seine Einkommensverhältnisse nicht wahrheitsgemäß vorgetragen – Falsch
• Von der Beklagten hat sich die Lebensversicherung des Klägers
im Dezember 2001 einen Betrag von 5.524,99 DM vom Konto geholt – Keine Ahnung was gemeint ist.
• Der Kläger überließ es der Beklagten für den Lebensunterhalt zu sorgen – Falsch
• Er verschweigt, dass er Eigentümer eine Grundstücks in Bautzen ist – schön wäre es
• Der Kläger hat sich schon vorher ein schönes Leben auf Kosten der Beklagten gemacht und
jetzt versucht er es wieder – sie hat wohl alles vergessen.
• Wenn der Kläger heut (31.03.2003) behauptet, er sei krank, so stimmt dies auch nicht.
Nach Kenntnis der Beklagten ist seine Krankheit ausgeheilt.
Diese Behauptung war für mich die beleidigenste Äußerung, die ich je von einem Menschen gehört habe. Da war ich schon irgendwie schockiert gewesen, kann man so etwas überhaupt zu einem Krebskranken sagen, welche Menschenverachtung liegt in diesen Worten. Ich bin schwer enttäuscht von diesem Menschen für den ich mal etwas empfunden habe.
Man sollte sich immer klar darüber sein, dass aus einer Scheidung auch eine Katastrophe werden kann. Es muss schon für diese Frau ein Schock sein, wie sich alles entwickelt hat. Was will ich damit sagen, zum Beispiel durch Krankheit und Erwerbsunfähigkeit kann sich manche Situation auch schnell ändern. Es steht Trennungsunterhalt an oder auch der Vorsorgeausgleich und wer gibt schon freiwillig etwas ab. Mit diesen Konsequenzen muss der Scheidungswillige immer rechnen. Wer ehrlich ist wird das auch akzeptieren, diese Frau natürlich nicht. Ich habe das so auch nicht gewollt und dafür muss ich mir nun diese Beleidigungen gefallen lassen.
Die Katastrophen gingen aber nahtlos weiter, bei einer routinemäßigen Röntgenkontrolle der Lunge und der umliegenden Organe, wurde etwas festgestellt, was sich nach nochmaliger Kontrolle als Zyste in der oberen Lungenspitze darstellte. Mir wurde gleich ganz anders zumute. Nun hatte ich mich einigermaßen stabilisiert und nun das. Es stelle sich später als ein vermutliches intrathorakales Struma der Schilddrüse (was das auch immer sein mag) heraus. Es muss beobachtet werden, meine Onkologin war verwundert, wieso das erst jetzt festgestellt wurde, obwohl ich jährlich einmal zur Röntgenkontrolle gehe. Na ja, kann ich dazu nur sagen.
Daraufhin erfolgte die zu Frau Doktor Sydow, Ärztin für Nuklearmedizin, eine anerkannte Spezialistin, in einer Praxis in Hellersdorf. Ich war wieder einmal zufrieden mit meinem Hausarzt, ein guter Griff. Noch einmal sei hier an dieser Stelle gesagt, dass das Verhältnis zu meinem Hausarzt, besser nicht sein könnte. Ich würde es schon als freundschaftlich bezeichnen, das gute Verhältnis zu ihm, wirkte sich auch insgesamt auf die Einstellung zu den anderen Ärzten aus. Auf meine Gesundheit sowieso.
Die ›kalten Knoten‹ in der Schilddrüse werden erst einmal unter Beobachtung bleiben, eine Operation ist gegenwärtig nicht geplant, obwohl sie eine Größe von 30–40 mm haben, aber wenn sie weiter wachsen, komme ich nicht daran vorbei. Insgesamt hat mich das aber etwas beruhigt.
Ja, dann kam Ostern heran, nein geschneit hat es nicht aber kalt war es trotzdem. Ich war wieder mal in meiner Geburtsstadt Bautzen und habe paar schöne Tage verbracht. Am Ostersonntag haben wir, Mutter und meine Schwester Sonja einen Ausflug nach Oberwiesenthal unternommen. Das Wetter war wunderschön, obwohl auf dem Fichtelberg noch Schnee lag. Es war ein gelungener ›Osterspaziergang‹ , zurück fuhren wir über Tschechien, auch um das Auto voll zutanken. Durchfahren haben wir viele bekannte Orte, früher sind wir oft nach der damaligen CSSR gefahren. Man konnte zwar wenig Geld umtauschen, aber es gab immer paar interessante ›Mitbringsel‹ zu ergattern.
Da war noch etwas im April, ein Termin beim Sozialamt, es gab auch etwas zu klären. Ich hatte wieder eine neue Sachbearbeiterin oder sagt man vielleicht besser Fallmanagerin. Es hört sich sehr ›schön‹ an, wenn ich ein Klient bin. Da wird, meiner Meinung nach, das Verhältnis Sozialamt – Antragsteller richtig deutlich, kein weiterer Kommentar, das Sozialamt ist immerhin mein ›Brotgeber‹ . Es gab eine positive Überraschung, die neue Sachbearbeiterin war mir ersten sehr sympathisch, aber deshalb habe ich bestimmt nicht das Sommer– und Winterbekleidungsgeld bekommen. Die Menschen die Sozialhilfe bekommen, wissen wie viel das ist, aber ich wusste davon gar nichts und nur durch die Nachfrage meiner neuen Sachbearbeiterin bin ich in den Genuss gekommen. Doch kein Klient, sondern Mensch!
Mich bedrängte noch ein anderes Problem, meine Waschmaschine gab bald ihren Geist auf, ich ahnte es förmlich, die alten Sachen, wie Waschmaschine, Möbel, Kühlschrank und Fernseher wurden mir ja, bei der Scheidung gelassen. Warum sie ausgerechnet meinen Ehering mitgenommen hat, ich weiß es nicht, vielleicht als Erinnerung an die doch nicht etwa als Erinnerung an die ›Faule Sau‹ , ich glaube sie hat ihn zu Geld gemacht.
Die Waschmaschine war für mich sehr wichtig, den Antrag bereitete ich schon vor und gab ihn ab. Für die Sachbearbeiterin stellte das kein Problem dar. Das war im April und sie gab ›den Geist‹ auf und ich konnte nur noch mir der Hand waschen, was mir aufgrund des Morbus Bechterew sehr schwer fiel.
Die Darmkrebsoperation hat bei mir eine Darmschwäche zurückgelassen, nein beschweren will ich mich nicht, es gibt ja auch andere Fälle, mit einem künstlichen Darmausgang. Dadurch gibt öfters Wäsche und ohne Waschmaschine ist es eine Katastrophe. Ja, man bekommt schon eine Waschmaschine, hängt davon ab wie ausgelastet die Sachbearbeiterin ist, die zur Kontrolle in die Wohnung kommt. Bei mir hat es, trotz Nachfrage, 3 Monate gedauert, also man muss schon hellseherische Begabung haben um rechtzeitig einen Antrag zu stellen. Die Kontrolleurin von Sozialamt befand eine Reparatur nicht für angebracht.
Gut baten ist jeder Sozialhilfeempfänger auch, wenn er auf seinen Mehrbedarf selbst achtet und entsprechende Unterlagen rechtzeitig beibringt, es geht zwar nichts verloren aber man wird auch nicht erinnert, gut es geht ja auch um mein Geld. Zum nächsten Termin im August konnte ich alles klären, es war noch dieselbe Sachbearbeiterin. Ich bekam das Geld für die Waschmaschine komplett zurück. Prima, wirklich ein Grund zur Freude.
Zwischenzeitlich besuchte ich die Sozialarbeiterin der Krebsfürsorge, die immer ein freundliches Wort, einen guten Tipp für mich hat, also wie schon mehrfach beschrieben ist diese Frau sehr wichtig für mich. Ich vertraue ihr und konnte auch offen über die Scheidung mit ihr sprechen. Ein regelrechter Glücksfall für uns Krebskranke. Ich war schon immer sehr feinfühlig und achte auf jedes Wort, deshalb bemerke ich sofort, ob jemand nur so tut als ob er zuhört, oder es wirklich tut. Bei ihr war ich mir sehr sicher, dass sie zuhört.
Dieses Jahr gab es ja nun wirklich einen besonders schönen, langen und warmen Sommer. Lag es daran oder am besseren Gesundheitszustand.
Jedenfalls kamen mir die Erinnerungen an meinen Bungalow in Zeuthen, 1978 gebaut auf dem Grundstück meiner Tanten. Besorgt durch Vater, er hat nur sehr selten seine Beziehungen angewandt, für mich persönlich war es jetzt zweite Mal. Das erste Mal in den siebziger Jahren, da besorgte er für mich und meine damalige Frau eine Wohnung in Berlin. Diese befand sich in der damaligen Dimitroff Straße, Ecke Artur Becker Straße, direkt am Friedrichshain unweit vom SEZ (Sport– und Erholungszentrum). Sie hatte zwar Ofenheizung, aber eine Besonderheit, die Kohlen konnten mit dem Fahrstuhl geholt werden. Da gab es noch etwas besonderes, es war das einzige Wohnhaus in Berlin mit einem 5 Meter hohen DDR – Emblem, das zu besonderen Anlässen beleuchtet werden konnte. Da gab es in der DDR sehr viele. Die Wohnung war so groß, dass meine Tochter ihre ersten Lebensjahre hier verbringen konnte.
Ich erinnere mich noch, der Bungalow musste in Görlitz am Bahnhof abgeholt werden. Den LKW zu bekommen war auch nicht so einfach, aber ich erhielt einen, sogar mit Kraftfahrer. Die einzelnen Teile waren ziemlich schwer, als alles abgeladen war sank ich entkräftet ›da hernieder‹ aber am nächsten Tag sollte er schon aufgebaut werden. Ich hatte wenig Zeit mich zu regenerieren. Zu dieser Zeit war es nicht sehr schwer, paar treue Kumpels zu finden, die halfen, ob das heute noch so ist wage ich zu bezweifeln. Ich wählte meinen damaligen Chef und seinen Stellvertreter zum ›Aufbauhelfer‹ und innerhalb von zwei Tagen stand er fest auf der Erde.
Meine Welt, handwerkliche Fähigkeiten zu beweisen, ich habe fast alles selbst gemacht, was auch allgemein anerkannt wurde, leider bin ich nun, gesundheitlich und finanziell, nicht mehr in der Lage, dieses Wochenhaus weiter zu unterhalten.
Später leistete ich mir noch ein Motorboot und baute einen Bootsschuppen, das ich aber gleich nach der Wende verkaufte.
Das war damals für die zukünftige Ex –Frau alles selbstverständlich, über die Mitnutzung dieser Werte hat sie bisher in der Gerichtsverhandlung nichts gesagt, aber vielleicht kommt das ja noch! Sie saß eben gern in fremden Nestern und schmückte sich mit selbigen Federn.
Aber darum geht jetzt im Jahrhundertsommer nicht, es geht um meine Gartennachbarn, ja leider wurden sie auch ein Schicksal der Wende! Sie konnten das Grundstück, das nun einem ›Wessi‹ gehörte nicht kaufen, weil es zu teuer war.
Die Nachbarn, nebst Tochter waren immer gute Freunde, selbst in den schwierigen Phasen meines Lebens. Bei ihnen war ich im Spätsommer zu Besuch. Eines neues Heim, sie sind zufrieden, es hat mir gut getan. Gern denke ich an die gemütlichen Feiern mit ihnen zurück. Es gibt nicht mehr viele Menschen, die mir was bedeuten, aber sie gehören unbedingt dazu.

Manchmal gibt es auch heute noch ein kleines Grillfest in Zeuthen. Ich habe kein Wochenendhaus mehr, könnte es mir auch nicht leisten, aber wenn ich will kann ich das Grundstück mitnutzen.
Bin auch schon wieder in der Lage kleinere Arbeiten im Garten zu machen. Bei Großeinsätzen steht Schwager Rolf mit Familie zur Seite
und freut sich wenn er anschließend den Grill anwerfen kann.
Das Problem mit dem Morbus Bechterew schwebte immer noch ohne Klärung über mir. Nach dem jährlichen Besuch der Strahlenklinik in der Charité habe ich mir in der Poliklinik einen Termin für die Rheumatologie geholt. Ich glaube es war eine Wartezeit von über einen Monat, aber es blieb mir ja nichts weiter übrig.
Zum Termin in der Rheumatologie habe ich fast zwei Stunden warten müssen und dann Morbus Bechterew, ich dachte schon die Ärztin ist damit überfordert, aber nein, es machte zwar auf mich den Eindruck, weil sie mich zur ›Neuen Therapien‹ überwiesen hat. Neue Therapien kann ja vieles sein. Eine Woche später war ich dort und traf die Ärztin wieder, die mich vor einem Jahr auf die Tagesklinik eingewiesen hat. Es ging hier bei der ›Neuen Therapien‹ um die Teilnahme an einer Studie für Morbus Bechterew Patienten. Diese Behandlung dauerte über zwei Monate und es handelte sich dabei um eine Doppelblindstudie. Dazu muss ich feststellen, dass die Medikamente helfen die Schmerzen zu lindern, was aber für mich besonders wichtig ist, ich hatte wieder kompetente Ansprechpartner. Es ist wirklich sehr schwierig Ärzte zu finden die sich mit Morbus Bechterew auskennen. Somit ist wieder ein Problem gelöst, jetzt nehme ich die Medikamente weiter und gehe zur Physiotherapie.
Im Verlauf des Jahres hatte ich mir von meiner Diabetologin ein Rezept über eine diabetische Fußpflege ausstellen lassen, da ich aufgrund der Polyneuropathie und des Morbus Bechterew nicht gut in der Lage war, meine Zehennägel selbst zu schneiden, ich hatte auch davon gehört, dass man das Geld von der Krankenkasse zurückbekommt. Also frohen Mutes eine Fußpflegerin gesucht, nun ist es aber nicht so, dass wenn am Schild "Medizinische Fußpflege" steht, auch welche für die Kasse gemacht wird. Da hatte ich mir gleich den Unmut einer solchen Fußpflegerin zugezogen. Ich musste ihr auch deutlich sagen, dass es nicht meine Schuld ist wenn sie nicht für die Kasse arbeiten kann. Ich habe aber dann eine nette Frau gefunden, die mir einen Kostenvoranschlag für die Kasse gemacht hat. Also ging ich mit diesem Schreiben zu Krankenkasse und, na klar die Übernahme wurde abgelehnt, was habe ich auch anderes erwarten können. Nun hatte ich aber schon Erfahrungen und wusste dass oftmals der erste Antrag aus Prinzip abgelehnt wird. Hier hat mir auch wieder mein Hausarzt geholfen. Also Doktor auf dich lasse ich nichts kommen und ich glaube nach der Gesundheitsreform wirst du noch wichtiger für mich.
Ich legte Widerspruch ein, fügte das Attest vom Hausarzt dazu und es klappte. Geht doch, gleich kamen mir auch wieder die Gedanken an andere Menschen, die nicht mehr in der Lage sind gegen diese Übermacht anzukämpfen. Diese sind doch hoffnungslos verloren in diesem System. Also 6 x Fußpflege ist genehmigt, vielleicht geht der Kampf dann wieder von vorne los!
Der zweite Scheidungstermin stand im Juli an, es ging um den Vorsorgeausgleich, wie erwartet wieder keine Scheidung, es gab danach ein Pamphlet meiner Frau von ca. 80 Seiten wo jede Ausgabe, die sie für mich getätigt hat aufgelistet war, bewiesen durch entsprechende Kontoauszüge, der Tenor war der gleiche wie oben schon einmal wähnt. Leider habe ich für meine Ausgaben keine Nachweis, da ich immer alles aus dem ›Taxiportemonaise‹ bezahlt habe und wer lässt sich schon in einer intakten Ehe für jede Ausgabe eine Quittung von seinem Partner unterschreiben, das gleicht ja dann schon einem Panoptikum. Aber man sollte es zukünftig gut überdenken!!
Im Oktober hatte ich einen Termin beim Sozialamt, vorher waren meine Mutter und meine Schwester noch mal zu Besuch in Berlin, ja sie sehen immer mal nach mir und helfen, bei Tätigkeiten die mir nicht so gut von der Hand gehen. Nicht weil ich diese nicht kann, sondern manchmal spielt der Morbus Bechterew eine Rolle und meine Blockade im rechten Arm. Deshalb habe ich auch meine Küchenschränke höher gehängt, damit ich mich anstrengen muss um Geschirr aus dem Schrank zu nehmen. Was ich nicht möchte ist bemitleidet zu werden und deshalb versuche ich mich, so gut wie es eben geht, selbst zu versorgen. Besucher habe ich ja sonst kaum im Hause, Kumpel Micha und der Sohn meiner Cousine. Mehr nicht, da lohnt sich nicht mal das Kuchenbacken. Trotz meiner zentralen Wohnlage finden nicht viele Menschen zu mir! Die Familie natürlich ausgenommen. Als Kranker wird man in dieser Beziehung sehr feinfühlig. So, nun wäre das auch einmal gesagt, aber es muss ja nicht so bleiben.
Beim Termin im Sozialamt ging es um die Mieterhöhung von 25 Euro, natürlich war wieder eine neue Bearbeiterin für meine Betreuung verantwortlich. Ich zähle sie schon nicht mehr. Aber was schlimm war, mir wurde wieder angedroht, dass die Miete nur noch bis Ende Januar bezahlt wird. Ein diesbezügliches Schreiben wurde mir auch gleich ausgehändigt. Ein neuer Schock, doch so leicht schockt man mich nicht mehr. Dazu habe ich zu viel erlebt. Die Frage, ob ich nun bei jeder Mieterhöhung oder von Monat zu Monat mit einer Obdachlosigkeit bzw. Umzug rechnen muss, war ihnen gar nicht genehm. Es wurde damit entgegnet, dass die Bearbeiterin mich erst übernommen hat, was auch von der Mitzimmerbenutzerin bestätigt wurde. Das Schreiben wurde mir nun nicht ausgehändigt und ein neuer Termin vereinbart. Wenn es noch Probleme gäbe, würde man sich bei mir melden. Mein Auftreten bei Behörden ist auch nicht vergleichbar mit dem vor einigen Jahren. Selbstsicherheit in meiner Situation, ist das Wichtigste, damit sind auch viele Probleme zu lösen und mich bringt so was nicht mehr um, so hat eben jede noch so schlimme Krankheit, noch so ›bescheidene‹ Situation was Gutes. Genug Sozialamt, die Leute die dort arbeiten, sind natürlich nicht zu beneiden, da bin ich sicherlich einer der angenehmeren Kunden.
Der Termin für die CT und die Darmspieglung
rückte wieder heran, ein Untersuchungskomplex der jährlich wiederkehrt,
d.h. ab Oktober bestimmt er mein Leben. Dieses Mal hatte ich, aus unerfindlichen
Gründen ein nicht wirklich gutes Gefühl und dann kam auch schon
die erste Panne, 2 Liter Kontrastmittel zu Hause getrunken und dann war
das CT – Gerät kaputt. Da kommt Freude auf, zumal das Kontrastmittel
zwar nicht so übel schmeckt wie das für den Darm aber belastend
ist es doch. Neuer Termin, der Oberarzt hatte sein Not den Zugang in die
Vene, über den das Kontrastmittel später einläuft, nach
einigen Versuchen klappte es doch noch. Ich kann bei der CT meine Arme
nicht wie gefordert über den Kopf nach oben legen, auch eine Auswirkung
des Morbus Bechterew. Es bringt immer paar Probleme mit sich, weil der
Infusionsschlauch mit durch die ›Röhre‹ laufen
muss, aber man gewöhnt sich langsam an mich. Die Onkologin sprach
bei der Auswertung von einer ›Spitzenmäßigen
CT‹ . Mir wurde es schon wieder ganz feucht unter den Augen,
sie sagte noch zu mir, wenn es, nur bei allen Patienten so wäre. Der
Satz meiner zukünftigen Ex – Frau ›Soviel
wie mir bekannt, hat er es überstanden!‹ stimmt vielleicht
doch, oder?
Jetzt erfolgte nur noch die letzte Untersuchung in diesem Jahr, die von allen geliebte Darmspiegelung, manche Menschen fallen schon um, wenn sie nur das Wort hören, ich natürlich nicht, ich habe sie, ich meine die Spiegelungen, nicht gezählt. Jedenfalls ist es wirklich kein Problem, zum Problem wird sie erst wenn es zu spät ist. Das Schlimmste für mich ist das Trinken des Darmreinigungsmittels (Klean–Prep), es schmeckt furchtbar und mir kommt das Erbrechen. Zur Abschreckung lag dieses ›Zeug‹ schon einen Monat im Kühlschrank. Es dauert jetzt mit dem Termin etwas länger, da einige Menschen ihre Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen.
Donnerstag ist kein guter Tag für eine Darmspieglung dachte ich mir noch so, die ganze Woche ist versaut, aber ich wollte Gewissheit. Ich habe schon ab Montag weniger gegessen, weil ich immer Probleme mit der ›Darmsauberkeit‹ hatte. Mittwoch, Punkt 14.00 Uhr ging es los, am Dienstag rührte ich dieses ›Gesöff‹ schon an, 3 x 1 Liter und war verwundert, dass nun gar kein Geschmack mehr zugesetzt wurde, es schmeckte ekelhaft salzig. Der erste Liter ging ja noch, aber dann kamen das Erbrechen und der Schüttelfrost. Ja man soll diesen Cocktail kalt trinken, da wird es schon frostig und drei Liter in drei Stunden sind nicht so einfach runterzubekommen. Der Hauptaufenthaltsort ist natürlich die Toilette, um es mal vornehm auszudrücken. Ich hatte mir, aber bitte nicht weitersagen, für den Abend noch zwei Flaschen Bier bereitgestellt, denn man soll noch 3–4 Liter trinken, was stand so konkret nicht dabei, nur keine Milch. Die Nacht war unangenehm, ich hatte große Wäsche vor mir, aber mit der neuen Waschmaschine kein Problem. Der nächste Tag, auch noch Schienenersatzverkehr, der ›Notfallbeutel‹ war gepackt und meine Reisetasche für Probleme auch, ja so ist das, wenn man alleine ist, da hat man an vieles zu denken. Den CD–Player habe ich mitgenommen, um mir die Wartezeit zu verkürzen und meine Englischkenntnis weiter voran zu bringen.
Ich nutzte übrigens jede Möglichkeit meine Ziele zu verwirklichen, täglich eine Stunde Vokabeln, eine Stunde BBC World, noch andere Lernprogramme und es gibt Erfolge. Ich bin überzeugt ich schaffe es, so wie ich in den letzten Jahren vieles geschafft habe.
Aber weiter mit der Untersuchung, angekommen musste ich gleich noch einen Liter trinken, es waren wenig ›Därme‹ da, sondern mehr ›Mägen‹ , meine Chancen, nicht lange warten zu müssen stiegen gewaltig. Der kleine Wartebereich ist immer sehr voll, aber nicht von Patienten, sondern von Begleitpersonen, manche bringen 2–3 Leute mit, warum auch nicht. Nach einer halben Stunde war ich dran, etwas besorgt schon, das obligatorische ›Engelshemd‹ übergezogen, noch einmal auf die Toilette und schon ging es los. Die Spritze, eine Mischung aus Narkose und Schmerzmittel ließ mich leicht wegtreten und ich bekam noch extra Sauerstoff. Die Untersuchung tut nicht weh, aber die Schwestern mussten den Darm ziemlich hin und her bewegen, das geht nur durch entsprechenden Druck auf den Bauch, war etwas unangenehm, aber auszuhalten. Ich konnte alles am Monitor mehr oder weniger ›vernebelt‹ verfolgen. Die Überraschung war, es wurde nicht einmal ein Polyp gefunden, ganze Steinbrüche fielen von mir. Keine Einlieferung, so ist das eben wenn man darauf vorbereitet ist. Danach, noch etwas ausgeruht im Aufwachraum und dann gleich noch mit dem Befund zur Onkologin. Da kann ich schon ohne Termin auftauchen, auch sie war zufrieden. Nun habe ich wieder ein Jahr Ruhe.
Stimmt es doch, was diese Frau sagte:.......!, was hat die schon für eine Ahnung, aber dieser Satz, diese Arroganz wird mich zeitlebens verfolgen. Die paar ›Nachwehen‹ waren am Abend bei einem Glas ›Dornfelder‹ gut zu verkraften.
Und dann geschah etwas Besonderes, manchmal wenn ich vorm Computer sitze, oder über mein Leben nachdenke, kommt mir der Gedanke, es könnte doch mal jemand anrufen und ein unvorhersehbares Ereignis nimmt seinen Lauf. Dann kam tatsächlich ein Anruf von meinem besten Schulfreund Werner. Ich war wieder einmal verschollen und es ging um ein Klassentreffen im nächsten Jahr in Pirna. Er hat sich wirklich große Mühe gegeben um mich zu finden. Ich muss ehrlich sagen in meinem jetzigen Leben spielte bisher ein Klassentreffen keine vordergründige Rolle, obwohl ich eigentlich nur gute und schöne Erinnerungen hatte. Das letzte Klassentreffen ist ja nun auch schon 12 Jahre her. Wenn ich mich einigermaßen fühle werde ich teilnehmen.
Aber etwas hat mich schon die ganzen letzten Jahre beschäftigt und das konnte ich nun klären.
Bei einem der vergangenen Klassentreffen habe ich mich mit einer ehemaligen Klassenkameradin gut unterhalten und wir lernten uns näher kennen, nein nicht doch, es war nichts weiter gewesen. Noch heute habe ihre frische, humorvolle Art in Erinnerung und wir verlebten sogar einen gemeinsamen Tag in Berlin. Ein sehr schöner Tag, mit Visite im Fernsehturmrestaurant und Einkauf für die ›gesamte Republik‹ in der, zu DDR–Zeiten sagenumwobenen Leipziger Straße. Das sind genau 20, in Worten zwanzig Jahre her. Danach verloren wir uns leider aus den Augen. Einmal gab es noch ein Klassentreffen, ich war verheiratet, es gab wieder eine nette Unterhaltung, aber wir wussten, was sich gehört. Die Frage, hätte mein Leben vor 20 Jahren einen anderen Verlauf nehmen können, war schon im Kopf vorhanden!!
Durch den Anruf meines Schulfreundes, der damals, über die Keime der Beziehungsentwicklung gar nicht so begeistert war, habe ich meine Chance gesehen. Ich wusste nichts von ihr, keine Adresse bzw. Telefonnummer. In den vergangenen Jahren habe ich, um ehrlich zu sein, schon oftmals an sie gedacht, aber vielleicht war sie längst verheiratet und ich hatte eigentlich kein Recht wieder in ihr Leben zu treten und dann kam noch meine Krankheit dazu. Kurz und gut, Werner hat mir die Adresse gegeben und auch ihre Telefonnummer, er wusste aber auch nichts Genaues über sie. So einfach ist das also, dachte ich mir. Anzurufen habe ich mir, ehrlich gesagt, nicht getraut, vielleicht ist ihr Mann ist am Telefon und was dann?
Ich musste mir was einfallen lassen!
Ich erinnerte mich noch, dass ich beim letzten Klassentreffen, vor 12 Jahren, anschließend gleich wieder von Pirna über Dresden, noch in der Nacht, nach Berlin gefahren bin. Meine Schulfreundin wäre gern mit mir nach Dresden gefahren. Es gab aber, warum auch immer, keine vorherige Absprache zwischen uns, ich nahm eine andere Klassenkameradin ein Stück mit.
Nun hatte ich meine Chance, also schrieb ich einen langen Brief und bot ihr an, sie mit nach Pirna zum Klassentreffen zu nehmen und ich fahre sie auch wieder zurück. Brief abgeschickt und gewartet. Nicht lange, da rief sie an, wir waren wohl beide überrascht über unsere Stimmen. Es ist natürlich auch klar, viel ist passiert, aber mein Angebot nahm sie ohne zögern an.
Was soll ich lange warten, wie verabredeten uns und ich besuchte meine Schulfreundin noch im Dezember, ich wollte sowieso meine Mutter nach Berlin holen, damit sie mir bei den Geburtstagvorbereitungen hilft. Um es gleich vorweg zu sagen, an meiner Scheidung im Jahre 1983 war sie nicht Schuld, muss ja auch noch einmal ganz deutlich gesagt werden. Ist ja auch egal, es ist nun sowieso nicht mehr rückgängig zu machen!
Jedenfalls haben wir uns getroffen, sind noch in unsere Stadt Pirna , in der wir gemeinsam in die Schule gegangen sind, gefahren und ich wurde, weil sie mich abgelenkt hat auch noch auf der Rückfahrt geblitzt, na schön, 25 Euro für einen Sozialhilfeempfänger sind ja nicht so wenig.
Um die Frage gleich vorwegzunehmen, ich fahre als Sozialhilfeempfänger ein Auto, weil ich das Merkzeichen G habe und seit diesem Jahr zu 100 % schwerbehindert bin. Das Auto hilft mir manchmal, mich von A nach B zu bewegen, obwohl es mit der Bewegungseinschränkung auch nicht gerade angenehm ist zu fahren.
Der Besuch bei ihr war so, wie ich es mir nach 20 Jahren vorgestellt habe, jeder hat sein Leben gelebt, ich war sicherlich nicht so auf der Gewinnerstrecke, ob es meine Schulfreundin war, ich kann es nicht 100% einschätzen. Na gut, es wird weiteres zu berichten geben, jedenfalls, kann ich sie zum Klassentreffen mitnehmen und ich fahre sie auch wie vor 20 Jahren wieder nach Hause und werde bei ihr übernachten, dass mit dem Übernachten war aber vor 20 Jahren nicht so gewesen.
Es ist immer wieder dasselbe, wenn alle Leute froh sind Weihnachten geschafft zu haben geht es bei mir noch einmal so richtig los. Meine Mutter konnte ich nun doch überzeugen, Weihnachten mal bei mir in aller Ruhe zu verbringen. Aber meine Schwestern haben sie nur unter ›Protest‹ fahren lassen. Es war dann aber wirklich sehr ruhig geworden, wenn da nicht die Vorbereitung des Geburtstages gewesen wären. Da war ich wirklich froh, dass mich meine Mutter so tatkräftig unterstützt hat, einige Arbeiten fallen mir eben doch sehr schwer. Ich glaube alle Gäste waren zufrieden und ich natürlich auch.
Meine Mutter könnte auch jedes Jahr Weihnachten bei mir sein, trotz ihres Alters ist sie eben sehr ›pflegeleicht‹ , nur gibt es eben bei mir in der Wohnung kein Unkraut zu jäten und das macht ihr, selbst im Winter, Probleme.
Nun sind sie alle wieder gefahren, Mutter, Tanten, Schwestern, Schwägerin, Schwagers, Cousine und noch andere Freunde, mein fünfundfünfzigster Geburtstagtag war gelaufen. Einige gibt aber noch, die zwar nicht da waren, aber Freunde sind es allemal. Die Einsamkeit ist dann schlagartig nicht so einfach zu verkraften und manchmal kommt schon eine Träne gerollt.
Doch der Geburtstag war anders gewesen, ja warum ist einfach zu erklären, zum 55.zigsten kamen nur noch die Menschen, die auch in schweren Zeiten zu mir gehalten haben, an mich geglaubt und mich unterstützt haben, wie auch immer und da sind von ca. 40 nur noch reichlich 10 übrig geblieben. Sicherlich hat das unterschiedliche Ursachen, wahrscheinlich haben einige Menschen meine Krebserkrankung nicht verkrafteten können, denn es gibt immer noch viele Menschen die mit dem Krebs nichts anzufangen wissen. Warum auch immer sich die Menschen von mir abgewandt haben, letztmalig war hier die Möglichkeit, auch von denen die einmal meine Achtung hatten, den Kontakt wieder herzustellen. Warum sind die Menschen eigentlich manchmal so grausam?
Aber ich habe mich damit abgefunden und Mittlerweile kann ich damit ganz gut leben.
Dann kam das Jahresende, für mich eigentlich nach fünf Jahren Alleinsein, kein Problem mehr.
Doch das Schicksal schlug noch einmal erbarmungslos zu, die Familie vom Schwager Rolf, hat mich noch am letzten Tag des alten Jahres zum Abendbrot eingeladen. Ich wollte für seine Frau noch ein paar Blumen besorgen, na ja die Bundeshauptstadt, viele Blumenläden hatten schon geschlossen, also zum Alex und dann passierte es. ›Eine Begegnung der unheimlichen Art‹ am Ostbahnhof stieg meine Frau in den gleichen Wagen ein, natürlich in Begleitung, ich kann nicht einmal genau sagen, ob sich unsere Blicke begegneten, aber so wie sie geguckt hat, denke ich schon, oder es kann auch sein sie schaut jetzt immer so.
Den Jahreswechsel habe ich dann wieder allein zu Hause genossen, es war trotzdem schön gewesen, aber es muss auch nicht immer so bleiben!
Natürlich habe ich mir, wie jedes Jahr, über meine neuen Ziele Gedanken gemacht und da hatte ich mir, wenn die Gesundheit so bleibt, wieder einiges vorgenommen. Es geht tatsächlich langsam aufwärts. Die Probleme wie Grundsicherung und Scheidung konnten in diesem Jahr nicht gelöst werden und es bleiben einige Unsicherheiten übrig. Ich hoffe einiges wird sich im nächsten Jahr lösen, denn für den gesamten Prozess der Gesundung, wäre es schon wichtig.
7. Feierlichkeiten, Scheidung und ein neues Problem (2004)
Was war es eigentlich, dass mich immer wieder so optimistisch machte,
• war es mein Gesundheitszustand,
• waren es meine Hobbys,
• war es meine Familie,
• waren es meine E–Mail – Kontakte, oder
• war es mein Lebensmut.
Ich werde darüber in diesem Kapitel berichten, aber der Reihe nach, denn es gibt wieder viel zu schreiben.
Da kam mir schon einmal die Idee, warum eigentlich den ›Alleinflug‹ nicht als Hörbuch heraus zubringen. Für die Menschen die es interessiert oder für die nicht mehr oder nicht mehr gut lesen können.
Da hätte ich doch auch gleich paar Geschenke zur Hand, wo man ja heute sowieso nicht weiß was man schenken soll. Ich könnte damit auf einmal, alle Weihnachtsgeschenke, Geburtstagsgeschenke, Ostergeschenke und weitere Geschenke abdecken, denn eigentlich bekommen ja nur solche Leute was von mir, die sich auch für mich interessieren. In eine schöne Schachtel verpackt, ich meine die CD, das wäre doch super, dann gäbe es auch keine Probleme mehr mit meiner Rechtschreibung bzw. Grammatik. Aber es bleibt vorerst bei der Idee.
Dazu gleich einen Satz, ich kann mir alles tausendmal durchlesen und finde die Fehler trotzdem nicht, ich glaube der Inhalt macht es und dass, der richtig ist dafür lege ich die Hand ins Feuer, wie man so schön sagt.
Meine ehemalige Deutschlehrerin Frau Arndt wäre heute bestimmt stolz auf mich wenn sie wüsste, dass ich schreibe; wie sagte sie doch einmal treffend zu mir, als sie hörte, dass ich die Fachschulabschluss in JURA gemacht habe, » Henry, das hätte ich nicht von Sie gedachte «. Meine Zensuren im Fach Deutsch möchte ich hier lieber verschweigen, ich bin kein Vorbild für die Jugend.
›Der Alleinflug‹ würde es zwar nie in die Buchhandlung schaffen, es ist mein persönlicher Erfolg, egal was andere darüber denken und welche Meinung sie haben.
Schon seit geraumer Zeit überlegte ich, ob und wie ich den Kontakt zu meiner Tochter wieder herstellen könnte. Ich kannte leider weder ihren jetzigen Namen noch die Adresse und auch nicht ob sie überhaupt Interesse an einem Kontakt zu mir hat. Sicherlich würde es für beide nicht einfach sein und ich trage ja auch gewiss die Hauptschuld, dass es so gekommen ist, aber rückgängig ist es nicht mehr zu machen. Oftmals hatte ich schon daran gedacht und es gab auch Menschen die mich dazu ermutigten, also beschloss ich einen Brief an meine Tochter zu schreiben.
Der Hauptgrund ist eigentlich die Erkrankung, weil ich es als meine Pflicht ansah, meine Tochter darüber zu informieren, nicht um Mitleid zu erregen, das brauche ich schon lange nicht mehr, mein Leben ist so wie es ist und das ist gut so.
Mir geht es darum, ihr zu sagen wie wichtig Vorsorgeuntersuchungen sind, um solche Probleme frühzeitig zu erkennen und gar nicht erst zum Tragen kommen zu lassen, obwohl bis heute nicht ganz geklärt, gibt es doch Hinweise auf Vererbungen und in dem Zusammenhang hätte ich mich über einen Kontaktaufnahme gefreut.
Ich bin mir auch sicher, dass sie meinen Brief erhalten hat. Die Hoffnung gebe ich aber nicht auf. Vielleicht gibt es ja in einem der nächsten Teile vom Alleinflug was darüber zu berichten und das Jahr ist ja auch noch nicht zu Ende.
Mein letzter Versuch in diesem Jahr endete darin, dass ich ihr zum 30. Geburtstag eine Karte schrieb und einen bescheidenen Blumenscheck mitschickte, ich kann warten!
Bei mir gab es schon im vergangenen Jahr Überlegungen, etwas für unsere Schulklasse zu machen, also beschloss ich auf meiner Website, einige Seiten über unserer Klasse zu machen, dann sind es doch fünf geworden. Was ich mir damit für Arbeit aufgeladen habe, ahnte ich am Anfang nicht.
Ich besorgte mir als erstes alle Bilder von den vergangenen Klassentreffen und das waren nicht wenige. Um sie zu verwenden mussten alle eingescannt und mit meinem Bildbearbeitungsprogramm bearbeitet werden. Es hatte auch was Nützliches gehabt, ich lernte das Programm beherrschen, vorher hatte ich es zwar, aber die vielen Funktionen und die Komplexität des Programms blieben mir weitgehend verborgen, um es genau zu sagen, es war mir alles viel zu kompliziert. Zusätzlich zu den Webseiten wollte ich noch eine Foto–CD bzw. eine Video–CD erstellen. Es kamen insgesamt ca.500 Bilder zusammen.
Ich hatte dann bis kurz vor dem Klassentreffen voll zu tun
um alles rechtzeitig fertig zu haben, aber ich habe es gern gemacht und
ich denke meine Arbeit ist auch angekommen und die Mühe hat sich gelohnt.
Selbst zum Klassentreffen war ich mit dem Brennen von CD's beschäftigt
und musste auch viele Fragen rund um den PC beantworten, denn unser Jahrgang
zählt nicht wirklich zur Computergeneration. Ausnahmen gibt es natürlich!
Zum Klassentreffen verzeichneten wir eine Rekordbeteiligung, es fehlten nur zwei Mitschüler. Das letzte Klassentreffen fand vor über zehn Jahren statt, wir hatten uns alle verändert und es gab natürlich viel zu erzählen. Die Zeit verging wie im Fluge. Einige sind so geblieben in ihrer Art und andere erkannte man kaum wieder. Die Organisatoren, Werner und Monika hatten sich große Mühe gegeben und das wurde durch die rege Teilnahme honoriert. Nun soll alle 5 Jahre ein Treffen erfolgen und ich habe damit 5 Jahre Zeit um die Bilder und Informationen aufzuarbeiten.
Wie war es mit meiner Schulfreundin gelaufen, ja wie ausgemacht habe ich sie von ihrer Wohnung abgeholt und wir sind gemeinsam nach Wehlen, dem Ort des Klassentreffens, gefahren und dann ging es gegen Mitternacht zurück, ohne Blitzer, dieses Mal.
Einige ehemalige Mitschüler hatten auf meiner Website was gelesen, über eine Schulfreundin von mir, über die Anfänge berichtete ich ja schon im Teil 6 vom ›Alleinflug‹ , so hat sich dann im Verlauf des Treffens alles aufgeklärt. Klar haben manche gestaunt.
Am nächsten Tag, am Sonntag, kam eine ehemalige Mitschülerin und ihr Mann zu Besuch nach Dresden und wir haben einen Stadtbummel gemacht. Geplant war weiterhin, dass meine Schulfreundin, für paar Tage, mit nach Berlin zu mir fährt. So fuhren wir gemeinsam am Montag nach Berlin. Es waren paar nette Tage gewesen und es wird wohl bei einem freundschaftlichen Verhältnis bleiben, das sich auf gelegentliche Besuche und Anrufe beschränken wird. Ich finde es gut so und vor Weihnachten werde ich sicherlich kurz bei ihr vorbeifahren, meine Weihnachtsgeschenke vorbeibringen und die für mich bereitliegenden mitnehmen.
Nun ist es passiert, ich bin geschieden und es war überhaupt nicht feierlich gewesen. Es ist also jetzt meine Ex–Frau. Es hat insgesamt fünf Jahre gedauert bis es nun zum positiven Ende kam.
Damit es besser nachvollziehbar ist, was sich bei so einer Ehescheidung abspielt, was alles hervorgekramt wird und wer alles als Zeuge benannt wird, gebe ich Auszüge aus einigen Schreiben wieder. Zugriff nur über die Privat–Seiten, ich muss immer noch vorsichtig sein, man weiß ja nie.
Es gab in diesem Jahr vier Verhandlungstermine und es war immer wieder das Gleiche, die Vorwürfe über meine Faulheit, Trunksucht und andere üblen Eigenschaften wurden von ihr immer wieder, mündlich bzw. schriftlich hervorgebracht, dass es selbst dem Richter manchmal zu viel wurde und er sie zur Sachlichkeit ermahnte. Mein Rechtsanwalt merkte natürlich wie ich innerlich kochte und es war glaube ich das einzige Mal, dass er mir während einer Verhandlung was sagte, nämlich ich solle ruhig bleiben. Mein Rechtsanwalt ist ja wesentlich jünger als ich und es hat sich doch ein gutes Verhältnis entwickelt, trotzdem, wenn er etwas cleverer gewesen wäre, so hätten wir noch mehr rausschlagen können.
Interessant war auch, wie sich die beiden Rechtsanwälte beharkt haben, nicht vor Gericht, sondern in ihren gegenseitigen Schreiben, da ging es um Terminversäumnisse, Unterlassungen, ich glaube es gehört wohl dazu.
Ich habe der Frau während den Verhandlungen nicht immer richtig zugehört, sondern darüber nachgedacht, warum sie so geworden ist, eigentlich stimmt das nicht, sie war schon immer so, nur ich habe es nicht wahr haben wollen, na gut also dieses Kapitel in meinem Leben ist abgeschlossen. Ich hätte niemals gedacht, dass ein Mensch zu solchen Lügen fähig ist und es artete dann doch mehr und mehr in eine Belastung aus. Die Gegendarstellungen wurden mir langsam lästig, denn ich wollte nicht mein restliches Leben damit verbringen.
Vor allem aber ein neues gesundheitliches Problem machte mir zu schaffen und ich wollte einen Schlussstrich ziehen. Nach Beratung mit meinem Rechtsanwalt haben wir dann einen Vergleich, hinsichtlich des Vorsorgeausgleiches, angestrebt. Im Nachhinein erwies es sich als Richtig.
Jetzt ist es schon komisch, wenn keine Briefe vom Gericht oder Rechtsanwalt kommen und mit der Prozesskostenhilfe scheint ja auch geklappt zu haben, weil bisher keiner Geld haben wollte.
Nach all den Gerichtsterminen ist mir auch klar, warum einige Menschen kein Kontakt zu mir suchen, denn sie sind als Zeugen benannt, die meine Faulheit, Trunkenheit und Jähzornigkeit bestätigen sollen, selbst mein Hausarzt wurde erwähnt.
Ich bin meinerseits froh, dass es so gekommen ist, mein Leben hätte sich zur Hölle entwickelt, das Ende unserer Ehe wäre so oder so gekommen. Ich wäre immer auf diese Frau angewiesen gewesen, jeden Euro hätte ich mir erbetteln müssen und sie hätte es mir spüren lassen, dann wäre ich vielleicht derjenige gewesen der die Scheidung beantragt hätte. Warum ist ganz einfach, weil ich aufgrund des Einkommens meiner Frau, keine Sozialhilfe bekommen hätte. Na gut, es ist eine Vermutung, die aber sehr nahe an der Wahrheit liegt. So habe ich zwar auch keine großen finanziellen Mittel aber ich brauche meine Frau nicht anbetteln.
Noch nicht geklärt ist die Unterhaltszahlung, die ja über das Sozialamt läuft und bei der Verhandlung keine Rolle spielte, ich bin froh darüber, dass mein Rechtsanwalt das nicht übernommen hat.
Mir ist aber bekannt, dass es mittlerweile eine Forderung vom Sozialamt gibt, die nicht gerade niedrig ist. Warum ich das weiß ganz einfach, meine Ex – Frau hat die Zahlungsaufforderung, es war schon die erste Mahnung, an meine Mutter geschickt. Dabei hat sie ihre Angaben geschwärzt und die meiner Mutter eingesetzt, zufällig oder besser gesagt bloß gut, als der Brief kam war ich zu Besuch bei meiner Mutter. Ich konnte sie gleich beruhigen.
Der Wortlaut, »Bitte kümmere Dich doch endlich mal um Deinen Sohn Henry. Ich zahle schon seit Jahren seine Schulden, habe Deinen Sohn unterhalten. Wünsch Dir alles Gute Unterschrift«
Ich konnte über soviel Dreistigkeit nur mit dem Kopf schütteln, da der Unterhalt nicht bei Gericht verhandelt wird, brachte ich dazu nichts vor. Wieder so eine typische Kurzschlussreaktion der Frau, der ›Antialkoholikerin‹ , ich hätte auch diesbezüglich einiges bei Gericht vorzubringen und hätte eine Menge Zeugen gehabt.
Das Sozialamt, mit seiner chronischen Überlastung, habe ich damit auch nicht behelligt.
Wer nun denkt ich habe es geschafft, der täuscht sich gewaltig, gerade wo ich diese Zeilen schreibe, kam ein Brief vom Rechtsanwalt, es gibt einen neuen Termin bei Gericht, aber erst im Januar 2005, was wird es da wohl wieder geben? Es soll um die Gerichtskostenkosten gehen, man versucht mir wieder etwas anzuhängen, ja so eine Scheidung ist eben teuer.
Im letzten Kapitel schilderte ich meine Behandlung wegen dem Morbus Bechterew in der Charité, ich bekomme seit dieser Zeit ein Medikament, was ich zweimal täglich einnehmen muss und im Juni war der Termin zur Nachkontrolle. Man hat einen Namen, kennt die Ärztin und fühlt sich aufgehoben, ich bin wirklich froh, wie es gelaufen ist. Es geht mir soweit auch ganz gut damit, aber die Versteifung bleibt eben, wie üblich bei den Kontrolluntersuchungen ist natürlich die Blutabnahme und Urinkontrolle dabei.
Die Ärztin meinte, wenn sich etwas ergibt, bekomme ich Bescheid und ich bekam ihn auch. Es sah nicht gut aus mit den Entzündungswerten, also überlegte man, eine neue Therapie in Anwendung zu bringen. Die Abteilung der Rheumaklinik heißt ›Rheumatologische Spezialsprechstunde‹ , da die Krebsoperation aber erst vier Jahren her ist, musste zuvor der Leiter der Rheumaklinik Prof. Dr. med Burmester konsultiert werden. Es wurde entschieden mir eine Infusion zu geben, die aber noch nicht so lange am Markt ist. Die Anti – TNF(Tumornekrosefaktor)α Therapie mit dem Wirkstoff Remicade. Durch diese Remicade –Therapie wird das Immunsystem erheblich geschwächt und die Nebenwirkungen sind auch nicht ohne.
Da stand ich wieder da, aber es kommt noch schlimmer, weil eben das Immunsystem geschwächt ist und im Zusammenhang mit der Therapie auch Tuberkulose aufgetreten ist, musste bei mir ein Tuberkulin – Test durchgeführt werden. Gleichzeitig wurde noch einmal der Thorax geröntgt.
Was rauskam, der Tuberkulin – Test war positiv, ich habe auch nichts anderes erwartet und in bzw. an der Lunge gibt es schon lange eine verkalkte Zyste, deren Herkunft ist nicht ganz geklärt, vielleicht kommt sie von den Knoten in der Schilddrüse. Die Reaktion auf den Test war so heftig, dass es selbst der Ärztin den Atem verschlug. Es wurde festgelegt, dass ich erst einmal ein Antibiotikum nehmen muss, aber nicht nur paar Tage, sondern 9 Monate lang, dass hat mir nun wieder den Atem verschlagen, als ob ich nicht schon genug Medikamente nehme. Eine TBC wollte ich aber auch nicht bekommen. Mit der Therapie wegen dem Morbus Bechterew wolle man noch warten.
Ich hatte insgesamt ein ungutes Gefühl und mein Gefühl täuschte mich nicht, ich vertrug das Antibiotikum nicht, was sich in einer Unterzuckerung bemerkbar machte, ich setzte die Tabletten selbstständig ab und wollte zum nächsten Termin in der Rheumaklinik dieses angeben, die eigentliche Therapie hatte ja noch nicht begonnen.
Aber es kam noch schlimmer, ich hatte mir vorgenommen Anfang August meine Mutter in Bautzen zu besuchen, es stand ja wieder einmal die Doppelkopfspiele an, meine Schwestern warteten schon eine ganze Weile auf mich und der Geburtstag von meiner Schwester Evelyn sollte auch gefeiert werden.
Während des Besuches fing mein rechtes Auge an zu tränen, aber ich nahm es nicht so tragisch, ich fühlte mich aber auch insgesamt nicht Wohl und hatte überlegt, ob ich überhaupt fahre. Zurück in Berlin bin ich dann zur Augenärztin gegangen.
Obwohl ich ja von der Zuzahlung befreit bin, wollte man mir die Praxisgebühr abnehmen, weil ich keine Überweisung hatte. Es ist schon eigenartig wie sich Sprechstundenhilfe auskannte, erst eine Rücksprache mit meiner Krankenkasse, hielt sie davon ab, fast ein dreiviertel Jahr nach Einführung dieser Gebühr, was soll man dazu noch sagen.
Natürlich besaß ich auch keinen Termin, aber man sah es mir ja an, dass ich nicht zum Spaße komme. Die Ärztin sagte gleich es ist eine massive Iritis (Regenbogenhautentzündung). Nun auch noch das, ich wusste, dass beim Morbus Bechterew eine solche Iritis auftreten kann und alles was kann nehme ich natürlich bereitwillig mit!! Ich ahnte auch noch nicht im Entferntesten, was mich erwartet und wie lange es dauern wird.
Das war wie gesagt Anfang August gewesen, ich bekam nun Tropfen und Salbe für das Auge verordnet, es war aber keine Besserung in Sicht. Meine Augenärztin startete den letzten Versuch und gab mir eine Kortisonspritze in den Augenhintergrund, ich bin schon vieles gewöhnt, aber das war nun wirklich unangenehm gewesen. Als das auch nicht half, überwies sie mich in die Notaufnahme der Augenklinik im Virchow Klinikum zur stationären Behandlung. Ich denke auch die vielen Therapien und Medikamente haben sie zu diesem Schritt veranlasst und ich wusste damals schon, dass was zurückbleiben wird, denn das linke Auge hatte nur noch eine Sehkraft von 10%. Nun konnte ich den Computer, das Englischlernen, das Autofahren, den Balkon und die Sonne vergessen. Meine Tätigkeit als virtueller Pilot bei der Colourair und der Euroberlin musste ich auch zeitweise einstellen.
Zwischendurch war ich in der Rheumaklinik und hatte meine Bedenken wegen den Nebenwirkungen vorgebracht, natürlich war die Iritis, ein Grund mehr für die Ärztin die Remicade – Therapie durchzuführen. Weil eben diese Regenbogenhautentzündung gern gemeinsam mit dem Morbus Bechterew auftritt. Meine Argumente waren am Ende gewesen, ich bekam ein neues Antibiotikum und nach einer Woche hatte ich den ersten Termin zur Infusion.
Dieser erste Termin fiel genau auf den Tag, wo ich geschieden wurde, d.h. 9.00 Uhr im Gerichtssaal, auf einem Auge fast blind und 10.00 Uhr zur Infusion in die Charité. Der Richter merkte natürlich, dass mit mir was nicht stimmte und auf die Frage, ob es mir nicht gut gehe, habe ich dann wahrheitsgemäß geantwortet, wie man es bei Gericht so macht. Er meinte noch, ob ich in der Lage bin die Verhandlung zu verfolgen. Ich hatte den Eindruck, es kann auch täuschen, dass er mehr auf meiner Seite stand, sie musste in den vielen Verhandlungen mehrere Zurechtweisungen hinnehmen.
Meine noch zukünftige Ex – Ehefrau konnte ich auch nur ganz verschwommen erkennen, es war vielleicht auch besser so. Jetzt hatte ich doch tatsächlich keine Zeit, mit ihr noch einen Kaffee trinken zu gehen, so wie sie es vor langer Zeit versprach. Ich glaube schon, dass sie richtig sauer, über den Ausgang der Scheidung war. Trotz meines Zustandes freute ich mich zumindest innerlich.
Vor der ersten Infusion hat man natürlich immer etwas Angst und ich dachte unwillkürlich an die Zeit der Chemotherapie. Die Infusion dauert ca. 2 Stunden und eine Stunde sollte man noch unter Beobachtung bleiben. Ich habe sie gut vertragen, konnte aber keine Verbesserung verspüren, die Halswirbelsäule blieb steif. Die Infusion bekomme ich ja nun zeitlebens, wichtig ist aber, dass die Entzündung im Körper zurückgedrängt wird, was sich positiv auf die Iritis auswirken könnte, sagte mir die Ärztin. Sie wird mich eine ganze Zeit lang begleiten.
Aber die Infusion begann gleich wieder mit Ungemach, es lag wohl an den Augen oder waren noch die Anstrengungen der Gerichtsverhandlung, mir entglitt mein, vom Munde abgesparter, MP3 – Player, er fiel auf den Boden und war kaputt. Ich wollte die Zeit wie üblich nutzen um englische Vokabeln zu lernen. Ich bekam in den nächsten Tagen einen neuen geschenkt, von meiner Cousine, den ihr Sohn mir überbrachte.
Nun wird es so sein, dass ich jetzt jeden zweiten Monat in die Charité muss, um diese Infusion zu bekommen. Ich bin überzeugt, dass die Behandlung und die Untersuchungen von qualifizierten Ärzten durchgeführt werden und ich habe mich auch bereit erklärt, immer einen viertel Liter Blut für die Wissenschaft abzugeben. Es hat noch etwas Positives, man nimmt oder hat wesentlich mehr Zeit für die Betreuung der Patienten, so sind es in der normalen Sprechstunde in der Rheumaklinik höchstens 20 Minuten, dort in der ›Neuen Therapien‹ mindestens 45 Minuten und mehr. Ich bin natürlich damit nicht unzufrieden, obwohl die Einrichtung sehr beengt ist, die Infusion bekommt man praktisch in der Anmeldung, etwas abgeschirmt vom Publikumsverkehr.
Bevor ich in die Augenklinik gefahren bin, habe ich meine Tasche (Notfallkoffer) fürs Krankenhaus gepackt, obwohl ich erst einmal ohne Tasche kommen sollte.
Immer wenn ich zu so einer neuen Umgebung überwiesen werde, überkommt mich die blanke Unruhe, die sich erst wieder legt, wenn ich mich auskenne. Von meiner Wohnung brauche ich, mit der S– und U – Bahn, eine reichliche Stunde, für Berlin ein guter Schnitt. Bis zu meiner S – Bahn Station (Grünbergallee)laufe ich nur 5 Minuten. Meiner Ex – Frau sei für die ›kluge Auswahl‹ der Wohnung gedankt, aber das war garantiert nicht ihr Ziel, sie hätte mir sicherlich einen Fußweg von mehreren Kilometern an den ›Hals‹ gewünscht.
Ich habe die Wohnung behalten, weil ich gar keine Zeit hatte mir eine neue zu suchen und um ehrlich zu sein, ich habe mich auch nicht sonderlich angestrengt. Da sie aber nicht schnell genug von mir weg kommen konnte, ist sie dann schließlich ausgezogen, obwohl sie die Wohnung bestimmt auch gerne behalten hättet. Wir hatten nach ihrer Scheidungsabsicht, die anteilmäßige Zahlung der Miete und sonstigen Kosten vereinbart. Selbst das wurde von ihr vor Gericht noch bestritten, da ich aber meine Quittungen über die Zahlungen aufbewahrte, konnte ich es entkräften.
Nun bin ich etwas abgeschweift, die Augenklinik der Charité befindet sich im Virchow Klinikum und da war ich bisher noch nicht gewesen, höchstens vor einigen Jahren als Taxifahrer.
Nachdem ich mich durchgefragt und die Anmeldeformalitäten erledigt waren, habe ich ca. 2 Stunden warten müssen.
Die Ärztin, Frau Doktor Schmidt, nette jüngere Frau, zu der ich sofort Vertrauen aufbauen konnte, konnte auch nur die ausgeprägte Iritis feststellen, die mich jetzt schon einen Monat plagt, etwas Angst kommt da schon auf. Sie gab mir neben Augentropfen, Augensalbe und nach Konsultation mit dem Oberarzt das Medikament Decortin (Cortison). Ich informierte sie über den Diabetes und bat sie sich mit der Rheumaklinik der Charité in Verbindung zu setzen, Frau Doktor war am Telefon und so nahm die langsame Heilung seinen Lauf. Ich wurde von der Ärztin auch beruhig und musste auch nicht einrücken. Ich bin noch mehrmals zu ihr in die Sprechstunde gegangen. Man musste immer sehr viel Zeit mitbringen. Das Medikament nahm ich ausschleichend bis Mitte Oktober, aber das Auge war leider noch nicht ganz in Ordnung. Zum Glück hat sich das Cortison nicht negativ auf den Zucker ausgewirkt.
In meiner Apotheke gab das Rezept Decortin beim einscannen einen Piepton von sich. Der Computer reagiert, wenn es Unverträglichkeiten zwischen den Medikamenten gibt, bei mir war es das NovoNorm, was ich gegen den Zucker nehme. Ich finde das gut, man wird darauf hingewiesen und kann die weitere Medikation mit seinen Ärzten besprechen. Das geht natürlich nur wenn man alle Medikamente in einer Apotheke holt.
Nach ca. 8 Wochen wurde ich an meine Augenärztin zurück überwiesen, ich war nicht geheilt aber nicht mehr akut gefährdet, das Auge sah wieder mit 50 % und glücklicherweise sind offensichtlich keine Schäden an der Netzhaut zurückgeblieben, die eingetretene Linsentrübung kann später durch eine Laserbehandlung korrigiert werden. Trotzdem werde ich mir überlegen, ob ich eine andere Augenärztin aufsuche, das ist aber gar nicht so einfach.
Im Arztbrief des Virchow Klinikums stand, dass ich gern wiederkommen kann und das ist nicht nur so dahergesagt, wie mir auch meine Augenärztin bestätigte, bei der nächsten Iritisattacke, sollte ich sofort die Notaufnahme aufsuchen, jetzt mit einer Akte geht es unkompliziert, wie sie meinte, abweisen kann mich mit der Erkrankung keiner.
Und sie sagte noch etwas, sie sprach vom Glück, ich und Glück, na wie finde ich den das, die Erblindung auf einem Auge war nicht auszuschließen, wie sie andächtig meinte. Ich glaube ja nicht an Glück, na jedenfalls nicht so richtig, aber vielleicht gibt es ja paar Menschen, die mir ab und zu die Daumen drücken, oder gar für mich beten. Ich lasse es einmal so stehen, die die ich meine wissen es garantiert.
Erst kurz vor Jahresende hat sich das Auge auf 80 % Sehkraft hoch gerappelt , worüber ich natürlich sehr froh bin, mehr ist nicht zu erwarten, aber ich kann wieder ganz vernünftig lesen und auch am Computer schreiben, es war ja neben den anderen Belastungen, die größte Entbehrung. Ist mir doch mein Computer ein treuer Begleiter in guten, wie in schlechten Zeiten geworden, die Anspielung auf meine Ehe ist natürlich bewusst von mir gewählt. Somit wird auch der siebente Teil vom ›Alleinflug‹ pünktlich erscheinen.
Eigentlich hatte ich mich ja Anfang August gesundheitlich ganz gut gefühlt und dann das, aber so ist es eben, wenn man gesundheitlich angeschlagen ist, sollte wirklich jeden Tag aufs Neue genossen werden.
Im April, es liegt schon paar Monate zurück, kaufte ich mir ein Trainingsgerät, weil ich an Gewicht zugenommen habe und ich meine Bewegungseinschränkung in Grenzen halten will, also legte ich mir unter der Devise,
Die Bechterewler brauchen Bewegung !
einen Hometrainer (deswegen sehen wir Bechterewler auch alle so sportlich aus!!) zu, für einen Sozialhilfeempfänger sicherlich eine Anschaffung, wie für andere Menschen ein Auto und ich glaube nicht, dass mir das Sozialamt so etwas gekauft hätte.
Damit will ich vor allem erreichen, dass;
› – die Elastizität des entzündlich befallenen bzw. schon vernarbten Gewebes soll erhalten bleiben soll
› – die Muskelkraft soll erhalten und gestärkt werden.
› – mit trainierter Muskelkraft soll die Wirbelsäule, die bei Unachtsamkeit eine Neigung zur Beugung aufweist,
aufrecht gehalten werden, und zwar auch dann, wenn das vernarbte Gewebe wirklich verknöchern sollte.
› – das Bewegungstraining hat zum Ziel, über Stärkung der Muskelkraft die Haltung des Körpers zu korrigieren
und schließlich über die Zugbelastung auf den Knochen einer Osteoporose vorzubeugen.
Ich als Bechterewler mit aktivem Krankheitsbild kann mir keine Trainingspause leisten, ich bemerke schon nach 4 bis 8 Wochen sowohl Leistungsabfall wie auch Bewegungsverminderung.
Leider musste ich aber jetzt aufgrund der Iritis, des Cortison und der ersten Infusionen meine Aktivitäten in den Hintergrund stellen.
Im Monat Oktober habe ich dann mit dem Radfahren wieder begonnen, es ist die einzige Möglichkeit mich fit zu halten und so fahre ich jeden Monat ca. 200 Kilometer. Das sind am Tag ca. 10 km, also jeden Tag, außer Sonntag und Sonnabend. Ich kann fahren bei Regen, Schnee, Glatteis, Sonne usw. ist doch eine feine Sache, es stört nichts, nur manchmal der innere ›Schweinehund‹ , den jeder wohl kennt. Bis zu Ende des Jahres habe ich ca. 1400 Kilometer zurückgelegt, 85 Stunden dazu benötigt und 50000 Kalorien verbraucht. Da bin ich auch etwas Stolz auf mich.
Die Probleme mit der Schilddrüse, die ja schon aus dem vergangen Jahr bekannt sind, sollten eigentlich dieses Jahr geklärt werden. Ich glaube nun nicht mehr daran, weil auch sie dem Auge weichen mussten und nun noch die alljährliche Computertomographie und die Koloskopie anstehen, d.h. sie erfolgen Ende November und kurz vor Weihnachten die nächste Infusion, da passt die Schilddrüse überhaupt nicht mehr dazwischen.
Ich habe die Kontrolluntersuchung doch noch dazwischen bekommen, die Kontrolle in der Nuklearmedizin ergab, dass die Knoten nicht gewachsen sind und deshalb eine Operation zurzeit nicht zwingend notwendig ist.
Die Ärztin meinte, wenn ich einmal nichts anderes mehr habe, könnte man operieren, mal sehen ob diese Zeit jemals kommen wird! Ich war über die Mitteilung froh, denn es ist ja doch wieder einiges passiert in diesem Jahr. Notwendig ist die weitere Einnahme der Schilddrüsenhormontabletten L – Thyroxin 50mg, die Kontrolle der Werte im Labor und selbstverständlich wird eine jährliche Kontrolle in der Nuklearmedizin erfolgen.
Das, was mich das ganze Jahr über am Laufenden hält, sind die Probleme mit den Behörden, auch meine Gerichtstermine, da ist so einiges wieder zusammengekommen.
Meine Geldgeber ist das Sozialamt und bald wäre es das Grundsicherungsamt geworden, aber der Reihe nach
Am Jahresanfang hatte ich die Zahlung der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zu klären und zwar für das Jahr 2003. Ich schrieb wie üblich einen Antrag mit entsprechender Begründung, es ging darum, dass noch 21 Beitragsmonate fehlten um mit 60 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen zu können. Die Beiträge für 2003 wurden vom Sozialamt übernommen, die Übernahme der restlichen Beiträge für 2004 wurde abgelehnt.
Ich sollte einen Bescheid über die vermutliche Rentenhöhe beibringen und es wurde mir mitgeteilt, dass ich ja bald Grundsicherung bekäme und dann die ausstehenden Beiträge von mir selbst bezahlt werden könnten. Diese Feststellung übertraf ja nun alles bisher da gewesene was ich vom Sozialamt gewohnt war. War den Leuten dort wirklich nicht bekannt, dass die Grundsicherung sogar etwas weniger ist, als die Sozialhilfe. Solche arroganten und nichtnachvollziehbaren Behauptungen, lassen mich trotz meinen Erfahrungen in die Höhe schnellen. Es ist zu durchschaubar, hier wird die Verantwortlichkeit weg geschoben.
Bis zur Rente mit 60 Jahren sind es nur noch vier Jahre, wie doch die Zeit vergeht, dann könnte ich einen Teil meines Lebensunterhaltes selbst bestreiten, loskommen werde ich aber vom Sozialamt bzw. Grundsicherungsamt nicht, obwohl ich dann 35 Jahre Beiträge eingezahlt habe. Der Grund ist einfach, ich falle unter das Strafrentensystem, weil ich in der DDR nichts anderes getan habe, als der Bundesgrenzschutz in der BRD, nur ich stand auf der andern, auf der richtigen Seite. Warum ist denn eigentlich die Bundesrepublik bei ihren Nazis nicht auch so konsequent gewesen, stelle ich mir manchmal ernsthaft die Frage? Da gab es eine Lobby und die habe ich (wir) nicht.
Jetzt gab es noch einen Verhandlungspartner, nämlich die LVA. In Berlin wird das von der BVA mitgemacht, es gibt also nur eine Anlaufstelle und die besten Erfahrungen hatte ich bisher sowieso nicht gemacht, sei es Rentenantrag, Rehantrag oder Zuzahlung. Mit einiger Wartezeit konnte ich mein Problem vorbringen und merkte gleich eine gewisse Disharmonie zwischen beiden Stellen. Man versprach mir ein Schreiben zuzusenden, welches auch relativ schnell kam und dort wurde mir die Rentenhöhe mitgeteilt, aber es war nicht ersichtlich, dass ich mit 60 Jahren ohne Abzüge in Altersrente gehen kann und es fehlte die Angabe, wie viele Monatsbeiträge ich noch zu zahlen habe.
Der telefonische Rückruf bei der LVA zeigte mir wieder einmal, die erschreckende Inkompetenz der Mitarbeiter, obwohl ich den Gesetzestext der Dame am Telefon vorlas, war sie nicht in der Lage die Richtigkeit zuerkennen und beharrte auf der Aussage, dass ich zwar mit 60 Jahren in Rente gehen könnte, aber eben nur mit entsprechenden Abzügen.
Ich brauchte aber für das Sozialamt dieses Schreiben mit der Bestätigung, ich zweifelte schon selbst an mir, ob ich eventuell zu blöde bin die Gesetzte richtig zu lesen.
Ich musste mich in den letzten Jahren nicht das erste Mal mit Gesetzten beschäftigen und war der Meinung ich kenne mich aus. Ich hätte mich sicherlich auch an einen Vorgesetzten in der LVA wenden können, aber ich zog es vor mit den Praktikern zu reden, nämlich mit dem Versicherungsältesten des Stadtbezirkes. Der war sofort meiner Meinung und kurze Zeit später hatte ich das entsprechende Schreiben in der Hand, na es geht doch.
Den Widerspruch für das Sozialamt formuliert und abgegeben, ich geben meine Schreiben immer selbst ab, bei der Poststelle des Sozialamtes. Am Anfang hatte ich Bedenken, weil ich das Sozialamt nur Originale akzeptiert, ob nicht einmal etwas wegkommt, aber die Befürchtung war unbegründet.
Der Eingang des Widerspruches wurde mir schriftlich bestätigt, dann geschah wieder etwas völlig unvorstellbares. Ich bekam einen Bescheid vom Sozialamt über die Einstellung der kompletten Unterhaltszahlung durch das Sozialamt. Ich bekäme ab 1.5.04 Grundsicherung, nur blöderweise wusste ich davon noch nichts, komisch dachte ich und mir schwante schon wieder das Schlimmste. Ich war es doch gewöhnt, dass bei mir nie etwas auf Anhieb funktionierte.
Also machte ich mich zum Grundsicherungsamt auf, dort gibt es einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Sozialhilfe, es ist nicht so viel Andrang. Hier war man verwundert, weil noch gar nichts geregelt ist.
Einige Tage später wurde mir vom Grundsicherungsamt mitgeteilt, dass noch der Abgleich mit dem Sozialamt läuft. Wo der Mensch im Abgleich bleibt ist denen doch vollkommen egal, die bekommen doch regelmäßig ihr Geld. Die Bearbeiter dort können es sich nicht vorstellen, wie es ist, jeden Monat auf den Eingang des Geldes zu warten, mein Vermieter fragt nämlich nicht erst nach, bevor die Miete abgebucht wird. Der Monat April ging bereits in die letzte Woche, erst eine erneute persönliche Nachfrage ergab, dass die Bearbeitung noch nicht abgeschlossen ist, wenn ich in den nächsten Tagen nichts höre, sollte ich mich noch einmal melden.
Kurz vor dem Ende des Monats habe ich dann telefonisch bei der Bereichsleiterin nachgefragt, sie wollte sich kümmern und es kam auch die Antwort.
Mit dieser Antwort habe ich nicht gerechnet, die Grundsicherung wird abgelehnt, es war wieder so eine Situation, wo sich bei mir sofort alle Gehirnwindungen auf das Äußerste anspannen. Nun habe ich ja schon mehrfach solche oder ähnliche Situationen gemeistert. Für die Ablehnung gab es einen sehr einfachen Grund, erst wenn die Unterhaltsforderung gegenüber meiner Frau geklärt ist, könnte ich Grundsicherung bekommen. Man versprach mir auch, sich mit dem Sozialamt in Verbindung zu setzte um die Zahlung wieder zu aktivieren.
Das Grundsicherungsamt ist nicht berechtigt Unterhaltsforderungen einzuklagen, das darf nur das Sozialamt. Obwohl die Unterhaltsproblematik ja beim Sozialamt anhängig ist, hat wohl die eine Tür nicht gewusst, was die andere macht, na gut, weiteren Kommentar erspare ich mir, schließlich ist das Sozialamt mein Geldgeber und über seinen Vorgesetzten spricht man nicht schlecht.
Einen positiven Aspekt hatte der erste Kontakt mit dem Grundsicherungsamt doch, ich hatte zwar meine Erwerbsunfähigkeit im Schreiben der LVA bestätigt, aber die war dem Grundsicherungsamt nicht eindeutig genug. Deshalb beantragte das Amt bei der LVA eine entsprechende aussagekräftige, schriftliche Erklärung, das kann erfahrungsgemäß dauern.
Wenn ich nun glaubte, dass ich für den Monat Mai Sozialhilfe bekommen, es gibt ja auch ›Irrglauben‹ , erst meine Nachfrage Ende Mai beim Sozialamt brachte mir wieder Hilfe zum Lebensunterhalt und auch einen neuen Termin ein.
Ich weiß ja, dass die Bearbeiterin viel Arbeit hat, ich will auch nicht immer dort telefonisch Nachfragen, weil ich es erlebe, wie es ist wenn es ständig klingelt oder jemand die Tür aufmacht, da ist kein konzentriertes Arbeiten möglich. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wenn hier manchmal etwas nicht bearbeitet wird. Ich möchte auch hier ausdrücklich feststellen, dass ich mit meiner jetzigen Bearbeiterin zufrieden bin.
Beim Termin, ging es natürlich um die weitere Zahlung der Sozialhilfe und um meinen Widerspruch zur Rentenzahlung. Da die Zahlung der Mindestbeiträge noch bis März 2005 Zeit hat und die Bearbeiterin wieder auf die Grundsicherung spekulierte, gab es eine schriftliche Vereinbarung, dass ich im Monat November den Antrag noch einmal stellen sollte, was ich auch tat. Jetzt fällt, das natürlich genau in die Zusammenlegung von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe und das Chaos ist vorprogrammiert. Ich falle nicht in das ALG II, müsste demzufolge die Sozialhilfe, als erwerbsunfähiger Klient, weiter bekommen. Aber zum letzten Termin im September war dem Sozialamt noch nicht klar wie es weitergeht. Man sagte mir nur, dass die Zahlung bis Dezember gesichert ist. Damit musste ich mich zufrieden geben. Zwischenzeitlich kam auch die Bestätigung durch die LVA, über meine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit, noch ahnte ich nicht was das für ein ›Glücksfall‹ für mich sein wird. Vorsichtshalber gab ich diese Bestätigung beim Grundsicherungsamt ab, man sollte mein Gesicht nicht vergessen. Es gab zu dieser Zeit nur zwei Mitarbeiter, zu denen ich ziemlich guten Kontakt hatte.
Durch meine Betreuerin von der Behindertenhilfe im Bezirksamt, zu der ich mindestens einmal im Quartal Kontakt aufnehme, erfuhr ich, dass es eine neue Stelle beim Sozialamt gibt. Die sich mit den erwerbsunfähigen Sozialhilfeempfängern beschäftigen soll, also genau die richtige Stelle für mich. Ich habe mich dort gleich vorgestellt, mir wehte aber eine steife Brise ›sozialer Kälte‹ massiv entgegen, obwohl die Mitarbeiterin einen kompetenten Eindruck machte. Sie sagte mir, dass es bei mir eher unwahrscheinlich ist, dass ich ab Januar kein Geld bekomme. Den Sinn dieser Stelle habe ich trotzdem nicht herausfinden können. Es wäre sehr gut, wenn dadurch ein kompetenter Anlaufpunkt geschaffen würde, weil ich immer wieder feststellen musste, dass die Behindertenhilfe bei Problemen mit der Sozialhilfe ziemlich machtlos ist.
So wie jedes Jahr drängten sich bei mir am Jahresende die Termine, die Krebsnachsorge stand an und weil die Iritis dazwischen kam, wurde es besonders eng, bis kurz vor Weihnachten.
Mehrfach habe ich schon über die beiden Untersuchungen, Darmspieglung bzw. Computertomographie geschrieben, kann mir das schildern der Prozedur ersparen, denn es ändert sich nichts. Das Mittel zur Darmreinigung schmeckt immer noch abscheulich, wichtig ist aber das Ergebnis und das war in Ordnung.
Die Onkologin meinte, es sähe wirklich gut aus und auf die Darmspieglung können wir im, also ich im nächsten Jahr eventuell verzichten, damit wäre ich sehr einverstanden. Die Ärztin will mich erst im Sommer wieder sehen, ein gutes Zeichen wie ich finde, natürlich kann ich aber jederzeit vorbeikommen, wenn es was gibt.
Mitte Dezember bekam ich die letzte Infusion für dieses Jahr in der Charité. Auf die Frage der Ärztin, wie es mir geht, brachte ich mein neuerliches Problem zur Sprache. Ich verspürte seit einiger Zeit fast jeden Morgen ziemlich starke Kopfschmerzen, die aber meist im Tagesverlauf nachlassen.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Problem mit der Remicade – Therapie oder der Einnahme des Antibiotikums zusammenhängt. Es könnte aber auch noch von der Iritis herrühren oder eine Nasennebenhöhlenentzündung sein, weil durch die Remicade – Therapie das Immunsystem erheblich geschwächt ist, eine Grippeschutzimpfung wurde mir deshalb auch nicht angeraten. Die allerletzte Möglichkeit wäre ein Tumor im Gehirn, na gut, soweit wollten wir nicht denken, aber wie ich ja schon oft erfahren habe, alles was es gibt, will ich haben!!
Wir besprachen das Problem und ich ging nach der Therapie gleich zum Röntgen, um alle Eventualitäten auszuschließen sollte ich noch eine Computertomographie des Kopfes machen lassen. Die CT ist zwei Tage vor Heiligabend, aber nun wirklich der allerletzte Termin in diesem Jahr.
Mein Entschluss, alles was mit Krebs zusammenhängt, lasse ich im OZK machen und alles andere in der Charité, ich denke so ist es am effektivsten und eventuelle Rücksprachen sind somit schnell erledigt. Ich habe nämlich in diesem Jahr festgestellt, dass es sich nicht lohnt alle Ärzte mit allen meinen Problemen zu konfrontieren, es bringt nicht, also setzte ich Schwerpunkte und die beiden Kliniken habe ich jetzt ausgewählt. Damit Schluss mit den gesundheitlichen Problemen, ich hoffe nicht, dass es im nächsten Teil neue zu berichten gibt.
Dieses Jahr hatte ich noch einige andere Aktivitäten im Programm. Seit ca. 20 Jahren besuchte ich wieder ein Kino, habe mir einige Filme an den Kinotagen angesehen, weil da der Eintritt etwas billiger ist. Man war das komisch gewesen, ich kam mir vor wie ein Schulanfänger. Ich wusste auch nicht, dass es in den Kinos mehrere kleiner Kinosäle gibt und staunte, dass die Kinos so leer sind. Nun kenne ich mich aus, weiß auch, dass man Popkorn nur für einen Euro kauft und nicht für drei Euro, es sei denn man will die ganze Reihe versorgen.
Ich nahm mir auch vor, Berlin etwas besser kennen zu lernen, denn es könnte ja sein, dass mich einmal jemand besucht und dann vielleicht noch aus dem Ausland und ich kann nichts erklären. Bisher stand immer die Arbeit im Vordergrund, dann hatte ich aufgrund meiner gesundheitlichen Situation keine Lust. Ich kannte zwar den Ostteil ganz gut, nicht aber das Umfeld von Berlin und so nahm ich mir vor, wenn immer es geht etwas zu unternehmen. Allerdings durfte ich mir nicht zu viel vornehmen, denn nach wie vor machte mir die schwere Polyneuropathie zu schaffen und manchmal trieben mich vor allem die Schmerzen an den Füßen fast zur Verzweiflung.

Besonders am Sonntag war eine meiner Lieblingsrouten,
der Potsdamer Platz, mit dem Sonycenter,
Fußmarsch zum Brandenburger Tor.
Am Brandenburger Tor ist immer etwas los und in unmittelbarer Nähe liegen auch die Gebäude der Regierung, auch der Weg am "Hotel Adlon" vorbei bringt oftmals eine Überraschung,
z.B. Begegnung mit Bill Clinton. Meist fahre ich dann mit dem Bus zum Alexanderplatz,
oder wenn ich noch gut zu Fuß bin, gehe ich ein Stück die Straße Unter den Linden entlang.

Im Sony – Center gibt es eine Besonderheit für mich, es existiert eine so genannter HotSpot, also von dort aus kann man, vorausgesetzt das Notebook ist mit W–LAN ausgestattet, der Akku gut geladen, in DSL Geschwindigkeit ins Internet gehen. Unter den vielen Jugendlichen wirke ich natürlich wie ein ›Exot‹ , viele Menschen sprechen einem an und wollen wissen wie es geht, klar gebe ich bereitwillig Auskunft. Diese Möglichkeit kann man auch im Winter, an den Heizstrahlern oder in einem der Cafés, nutzen. Also wenn einer mit dem Rucksack dort sitzt, ne Pfeife raucht und einen Milchkaffee trinkt, das Notebook aufgeklappt hat, bin ich es. Nutzen tue ich das insbesondere um Online Englisch zu lernen, zum Beispiel auf der Website von BBC – World und um Recherchen über die mich interessierenden Probleme im Internet durchzuführen. Ich finde es eine gute Sache, dass es auch einmal etwas kostenlos gibt.
Weiterhin gehe ich gern zu Ausstellungen oder Aktionstage. Die Umgebung von Berlin habe ich auch erkundet, also Potsdam, oder der Besuch des Blütenfests in Werder. Hier präsentieren die Obstbauern ihren, nicht immer ganz ungefährlichen Wein, aus allen möglichen Obstsorten.
Den Tag der offenen Tür des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB) besuchte ich ebenfalls und von den Moderatoren die mich besonders interessierten, holte ich mir ein Autogramm und wechselte auch paar Worte.
Gern werde ich im nächsten Jahr, bei hoffentlich guter Gesundheit, diese Aktivitäten fortsetzen, auch dadurch erhoffe ich mir weiter Genesung.
Das langfristige Ziel, die englische Sprache zu erlernen, habe ich keinesfalls aus den Augen verloren und mich weiter entwickelt.
Dazu kaufte ich mir einen kleinen MP3 Player, der nun überall mitgenommen wird, sei es in der S – bzw. U – Bahn, bei Arztterminen, darauf sind in erster Linie Vokabeln des englischen Grundwortschatz und Aufbauwortschatz, natürlich selbst erstellt. Einige Audiodateien habe ich ebenfalls erworben, so dass ich entsprechend meiner Lust und Laune meinen Lernplan zusammenstellen kann.
Im Laufe des Jahres habe ich mir einige Lernmittel zugelegt, oftmals gibt es qualitativ hochwertige Materialien für wirklich wenig Geld. Andere Hilfsmittel sind zum Beispiel Platzdeckchen mit Grundwortschatz, Aufbauwortschatz und Grammatik. Im Bad spielt der CD – Player auch Lernprogramme, ich habe sogar ein Computerprogramm gewonnen, also die Basis ist vorhanden. Ich will ja ehrlich sein, nicht jeden Tag lerne ich intensiv, ab und zu muss ich mich auch meiner Website widmen. Dazu sind die erworben Kenntnisse in Englisch auch sehr nützlich und so schließt sich der Kreis wieder. Es ist also nicht umsonst was ich mache.
Meine Website liegt mir sehr am Herzen und ich bin froh, dass ich mich vor fast zwei Jahren entschlossen habe, dieses Projekt anzupacken. Dadurch habe ich viele neue Kontakte schließen können und viel Lob und Anerkennung sind mir zuteil geworden.
Ich bin mir gar sicher, ob Webdesign nicht noch eine Krankheit ist, die sich bei mir eingenistet hat, zumindest kann es sehr süchtig machen. Jetzt zum Jahresende bin ich gerade dabei alle Seiten umzuarbeiten um sie barrierefrei zu machen, das heißt die Umwandlung von HTML in XHTML.
Im Grunde genommen geht es darum die Website für sehbehinderte Benutzer zugänglich zu machen, die einen Text–to–Speech–Übersetzter ( dt. Text–in–Sprache–Übersetzter ) verwenden, oder für einen Benutzter, der ein Braille –Gerät zum Lesen benutzt und das geht nur bei konsequenter Anwendung von XHTML. Für diese Menschen will ich es tun, obwohl ich mich nicht um den ›Biene Award‹ bewerbe, denn für solche Seiten gibt es ganz andere Experten.
Das Jahr 2004 neigt sich nun bald dem Ende zu, als eine der letzten Handlungen stand noch der TÜV für mein 7 Jahre altes Auto an und es stellte sich heraus, dass es gesünder ist wie ich, aber mit den ›Augen‹ war auch etwas nicht in Ordnung, eine defekte Glühbirne.
Mehr über mich im nächsten Kapitel, denn nun geht es zu meiner Familie nach Bautzen um ein geruhsames Weihnachtsfest zu verbringen.
8. Sorgen, Überraschungen, paar geklaute Monate und
ein Jubiläum mit Praxistest (2005)
Weihnachten 2004 kam immer näher, alle Geschenke, na ja Kleinigkeiten waren verpackt und wenn notwendig verschickt worden. Ein Päckchen ging besonders weit, denn es hat fast 14 Tage gedauert bis es ankam, somit nicht pünktlich zur Bescherung. Die Deutsche Post machte ihrem Namen (Schneckenpost) wieder einmal alle Ehre, trotz teurer Gebühren muss man für ein kleines Päckchen nach Österreich lange Zeit einplanen.
Zwei Tage vor Weihnachten fuhr ich los, vorher kam noch ein Brief vom Rechtsanwalt, dass der Termin beim Amtsgericht im Januar ausfällt, weil die Klage gegen die Prozesskosten von meiner Ex–Frau zurückgezogen wurde, vielleicht hatte sie nun endlich begriffen, dass den Armen nix mehr zu nehmen ist. Letztendlich blieb sie auf den Kosten von 3000 Euro sitzen, eine kleine Genugtuung für mich. Beim Öffnen des Briefes, dachte ich schon, hört denn das niemals auf.
Die Fahrt ging über Dresden nach Bautzen, ich bin noch für eine Stunde bei meiner Schulfreundin vorbeigefahren, ich glaube sie hat sich sehr gefreut und paar kleine Geschenke wurden auch ausgetauscht, die natürlich erst am Heiligen Abend geöffnet werden durften. Harte Sitten im Sachsenland, wo Weihnachten sowieso anders ist, mehr Heimlichkeiten, mehr Christstollen, mehr Weihnachtsmarkt, also viel gemütlicher.
Am zeitigen Nachmittag kam ich dann bei meiner Mutter an, es war die erste große Fahrt nach den massiven Augenproblemen im letzten Jahr, es ging gut, weil es hell war, denn ich habe den Eindruck als ob ich nachts nicht mehr so gut sehen kann.
In Bautzen wurde kurz der Plan gemacht, wie das Fest abläuft und wie mein Geburtstag organisiert wird.
Am 24. Dezember hatte meine Mutter entgegen allen Traditionen zu sich eingeladen, also waren wir am Heiligen Abend insgesamt 8 Menschen, eine Katze und eine Katzentransportkiste, der Platz wurde jedenfalls eng.
Geschenke gibt es nicht, nichts heißt aber nicht gar nichts, es sind Kleinigkeiten, Mutter ist natürlich großzügig, ihre Kinder und die Enkel bekommen einen nicht unerheblichen Geldbetrag. Es gibt den gleichen Betrag in Euro, sie hat es so wie viele Händler gemacht und 1 zu 1 umgestellt. Natürlich haben wir die Mutter darauf aufmerksam gemacht, sie meinte Vater hätte es auch so gewollt.
Am 1. Feiertag, lud wie immer, meine Schwester Sonja zum Entenessen ein, ihre beiden Kinder und meine Tante waren auch zu gegen, der jüngste Sohn meiner Schwester hatte in Frankfurt am Main im Hotel Dienst zu machen, war also nicht da. Er ist erst nach Weihnachten gekommen. Es war ein vorzügliches Mal gewesen, anschließend bin ich gemeinsam mit Mutter zu ihrem Anwesen gelaufen. Es herrschte eine eigenartige atmosphärische Stimmung vor, die Berge waren so nah wie noch nie, es war ganz still, wie Weltuntergang und in der Nacht kam ja auch die Flutwelle in Südostasien!
Der 2. Feiertag sollte eigentlich ruhig werden, ich hatte schon seit mehreren Wochen Kopfschmerzen, deshalb wurde ja auch die CT in der Charité gemacht, sie waren beim Aufwachen da und verschwanden in den Vormittagsstunden. Es kam aber anders, meine Schwester Sonja rief am Vormittag an und fragte, ob wir nicht helfen wollen, ihr Karnickel zu verspeisen. Früher war ich nicht so ein guter Esser, aber solche Gelegenheiten lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Weil es regnete, holte uns mein Neffe Ronny mit dem Auto ab. Mir schmeckt der Hase besser als die Ente, wichtiger als Fleisch ist mir aber Soße, Rotkraut und Kartoffeln, bescheiden wie ich bin.
Da genug Leute da waren, wurde am Nachmittag ein gemütlicher Doppelkopf gespielt, obwohl es Weihnachten eigentlich nicht üblich ist. Alle verloren haushoch, ich war der überragende Gewinner. Es wird nicht um große Summen gespielt, das Geld ist für einen guten Zweck bestimmt, es verhilft uns Mitspielern in Form eines gemeinsamen Essens in einer Gastwirtschaft.
Weihnachten war wieder einmal vorbei und wie immer kam am nächsten Tag mein Geburtstag. Ich plante die Runde vom Heiligen Abend einzuladen. Für das Abendbrot habe ich, mit Mutter, am Vormittag eingekauft, ich konnte das von meiner ›Weihnachtsgratifikation‹ vom Sozialamt bezahlen. Die Feier war angenehm und natürlich wurde sich auch über meine Situation unterhalten, alle haben sie mir bescheinigt, dass ich trotz meiner Krankheit doch recht aktiv bin. Ich selbst habe auch noch positive über den Staat gesprochen, ich meine über die Hilfe die den wirklich Armen zu teil wird, noch ahnte ich nicht im Entferntesten was mich nach meiner Rückkehr in Berlin erwartet.
Es gab neben den Geburtstagsgeschenken, noch eine schöne Überraschung, eine sehr gute Mailfreundin Amely aus Österreich rief an um mir zu gratulieren. Wir kennen uns seit einem Jahr, aber eben nur virtuell, geplant ist aber auch ein persönliches Kennenlernen. Es hat sich daraus eine intensive und vor allem niveauvolle Mailfreundschaft entwickelt. Ja und diese Frau rief an, weil ich damit überhaupt nicht gerechnet habe, war die Freude groß. Es ist schon komisch, manche Leute aus dem Netz, stehen mir näher, als die aus meiner unmittelbaren Umgebung und wissen auch viel mehr über mich. Deshalb wäre für mich ein Leben ohne Internet kaum noch denkbar.
Am 28.12. fuhr ich zurück nach Berlin, ich habe immer ein ungutes Gefühl, wenn ich paar Tage nicht zu Hause bin und mein Gefühl täuschte mich auch dieses Mal nicht.
Die Vögel lebten alle, aber das Ungemach lag im Briefkasten bzw. auf dem Esstisch in der Wohnung. Ich konnte es kaum glauben, ein Brief vom Sozialamt mit einen Antrag auf Arbeitslosengeld II (ALG II), abgeschickt am 22.12.2004. Ich hatte im letzten Jahr mehrmals im Sozialamt nachgefragt, wie es bei mir ab 01.01.2005 weitergeht, weil eindeutig klar war, dass ich mit dem ALG II nichts zu tun habe. Ich bin seit 2000 voll erwerbsgemindert, bescheinigt durch die LVA.
Damit war mir schon klar, es gibt erst einmal kein Geld im Januar, zu Glück hatte ich mir im Laufe des Jahres soviel Geld zusammengespart und konnte wenigstens die Miete bezahlen, ohne mein Konto zu überziehen, aber wem interessiert das schon im Sozialamt.
Nun begann für mich der Kampf »David gegen Goliath«, es galt zuerst genau zu überlegen, was ich jetzt mache, denn die Zeit war knapp. Ich rief bei der angegebenen Hotline an und teilte mit dass ich diesen Antrag bekommen hätte. Man sagte mir, sicherlich ein Versehen, wenn ich erwerbsunfähig bin, trifft es auf mich nicht zu, damit war mir aber immer noch nicht geholfen. Am selben Tag setzte ich mich noch mit der Mitarbeiterin des Sozialamtes, die eigentlich für erwerbsunfähige Sozialhilfeempfänger zuständig ist in Verbindung. Die Antworten waren nicht gerade hilfreich und kompetent. Irgendwie war ich gelähmt, ich wusste plötzlich gar nicht wo ich mich hinwenden sollte, schickte noch eine E–Mail an meine ehemalige Sachbearbeiterin im Sozialamt, darauf habe ich bis heute keine Antwort.
Am nächsten Tag begab ich mich persönlich zum Sozialamt um eine Klärung herbeizuführen, wohin stellte sich mir die Frage, ich ging zur Erstberatung, verwunderlich dort standen, wie sonst nie keine Leute an, der Mitarbeiter den ich ansprach war mit meinem Anliegen vollkommen überfordert und meinte ich solle schnell noch einen Antrag auf Sozialgeld nach SGB XII ausfüllen. Ich hatte bis jetzt nirgendwo gelesen oder gehört, dass ich einen neuen Antrag ausfüllen muss. Kurioserweise waren gab es noch gar keine neuen Anträge, also stand ich wieder da, ging noch einmal persönlich zu der Mitarbeiterin die für die ›Nichterwerbsfähigen‹ zuständig war. Sie war ratlos, ich bin mir bis heute nicht klar, was diese Stelle überhaupt für eine Aufgabe hat, das Einzige was sie in Erfahrung bringen konnte, dass für mich kein Geld zur Zahlung angewiesen wurde, das war doch mal eine Beruhigung!
Sie konnte mir noch den Namen eines Gruppenleiters geben, der eventuell für mich zuständig sein könnte. Also versuchte ich ihn zu finden, hektisch hin und her laufende Menschen mit Akten und Büromaterialien zeigten deutlich die ›klare Linie‹ im Sozialamt. In einigen Zimmern waren auch schon die Vorbereitungen für die Silvesterfeier im Gange, was sich an Papierschlangen und anderen Utensilien ausmachen ließ. In all dem Treiben stand ich nun und suchte das Zimmer des Gruppenleiters, Vorstellungen, dass mir geholfen wird, kamen mir dabei nicht in den Sinn. Das war dann auch kein ›Kleinscheiß‹ mehr, ich hatte ein echtes Problem.
Wenig später stand ich ohne Anmeldung, nur mit Klopfen im Zimmer des Gruppenleiters, er war recht zugänglich, ich staunte nicht schlecht, fast so ein Mensch wie ›DU und ICH‹ . Ich schilderte mein Problem, aber helfen konnte er mir auch nicht, er meinte ich solle am 3.1. oder besser erst am 4.1. wieder vorbei kommen.
Damit war für mich der Jahreswechsel gelaufen, Stimmung wollte nicht aufkommen, es gab keinen Grund dafür. Schade eigentlich, eine leichte Depression machte sich breit, aber ich schob sie beiseite, nicht einmal ›Dinner for One‹ konnte mich so richtig erheitern. Eigentlich wollte ich vor den Jahreswechsel endlich einmal das Brandenburger Tor beehren, aber mir war die Lust vergangen, vielleicht gönne ich es mir im nächsten Jahr, wenn mir nicht wieder so eine Behörde einen dicken Strich durch die Rechnung macht.
Im Kopf kreisen die Gedanken, du hast in den letzten 5 Jahren so viel erreicht und dir alles schwer erkämpft, da wird es wohl im neuen Jahr eine Lösung geben, denn die Hilfe steht dir doch zu. Ich hatte nun Zeit drei Tage darüber nachzudenken wie ich im Januar vorgehen will und das macht sich zum Jahreswechsel ziemlich gut!
Danke, Sozialamt kann ich da nur sagen.
Zuerst habe ich mir den Gesetzestext im Internet besorgt, Ansprechpartner, wie Petitionsausschuss im Abgeordnetenhaus zu Berlin und mir schon einmal die Nummer vom Bürgertelefon der CDU – Geschäftsstelle rausgesucht. Ich hatte auch Zeit ein Schreiben zu entwerfen an den Leiter des Sozialamtes, welches ich, egal wie die Sache ausgeht abschicken wollte.
Im Internet wurde ich fündig dort steht;
§ 41 SGB XII – Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch – Sozialhilfe folgende (Fassung vom 01.01.2005)
(1) Zur Sicherung des Lebensunterhaltes im Alter und bei dauerhafter Erwerbsminderung können Personen mit gewöhnlichem Aufenthalt im Inland, die
1. das 65. Lebensjahr vollendet haben oder
2. das 18. Lebensjahr vollendet haben, unabhängig von der jeweiligen Arbeitsmarktlage voll erwerbsgemindert im Sinne des § 43 Abs. 2 des Sechsten Buches sind und bei denen unwahrscheinlich ist, dass die volle Erwerbsminderung behoben werden kann, auf Antrag die Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach diesem Kapitel erhalten.
(2) Anspruch auf Leistungen haben Leistungsberechtigte nach Absatz 1, soweit sie ihren Lebensunterhalt nicht aus ihrem Einkommen und Vermögen gemäß §§ 82 bis 84 und 90 beschaffen können.
(3) Keinen Anspruch auf Leistungen nach diesem Kapitel haben Personen, die in den letzten zehn Jahren ihre Bedürftigkeit vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt haben.
Genau dieser Paragraph trifft für mich zu, außer Absatz (3) natürlich.
Ich erinnerte mich daran, dass meine Grundsicherung im April 2004 schon einmal abgelehnt wurde, weil das Amt damals nicht die Unterhaltsforderungen gegenüber meiner Ex – Frau durchsetzten konnte. Dem Amt fehlten die Rechtsmittel und ich wurde an das Sozialamt zurückverwiesen, aber ich hatte damals das Schreiben von der LVA bekommen über meine voller Erwerbsminderung. Ich will mir gar nicht vorstellen wie es wäre, wenn ich diese Problematik nicht schon geklärt hätte.
Das war alles was ich vorbereiten konnte, meine gesamten Unterlagen die ich für die Beantragung als notwendig erachtete legte ich zurecht und am Montag , nicht erst am Dienstag, begab ich mich wieder zum Sozialamt.
Irgendwie hatte ich schon wieder eine Vorahnung, was mich erwarten wird, nämlich Inkompetenz, so war es auch. Ich erspare mir die Gedanken und Gefühle zu beschreiben die mich umgaben, jeder kann sie sich selbst ausmalen, manchmal, obwohl es sicherlich nicht gerecht ist, wünschte ich diesen Menschen ähnliche Probleme!!!
Die Damen an der Information waren mit meinem Anliegen, Geld nach SGB XII zu bekommen überfordert, schickten mich zur Beantragung von ALG II und zur Beantragung der Grundsicherung zu den entsprechenden Stellen. Es müsse erst die Ablehnung dieser beiden Stellen vorliegen, bevor ich etwas beantragen könnte. Es waren außer mir keine weitere Bedürftige da, also unter Zeitdruck standen sie bestimmt nicht. Sie hatten ganz einfach keine Ahnung. So einfach wollte ich mich aber nicht abwimmeln lassen, sprach noch einmal den Gruppenleiter an, der hatte aber keine Zeit, weil er zu einer Besprechung musste. Er sagte mir, ich solle morgen wiederkommen, dann will er mir helfen!
Da stellte sich mir ernsthaft die Frage, wie man mir helfen will, wenn keiner durchblickt. Ich dachte auch an den Brief für den Leiter des Sozialamtes den ich bei mir hatte, aber dann wollte ich doch erst den nächsten Tag abwarten. Trotzdem ich wusste, dass die Auskunft falsch ist, musste ich den Irrsinn mitmachen, den ›qualifizierten Mitarbeitern‹ sei dank.
Am selbigen Tag sprach ich bei der Beantragungsstelle für das ALG II vor, hier wurde ich wenigstens freundlich empfangen. Obwohl ihnen unklar war, warum ich ALG II beantrage, musste ich den Antrag trotzdem ausfüllen, das Ausfüllen wurde mir sogar abgenommen.
Danach ging ich zum Grundsicherungsamt und brachte mein Anliegen vor, auch dort stellte ich einen neuen Antrag. Der Herr in der Antragsstelle hatte überhaupt keine Ahnung, er musste erst irgendwo nachfragen und zu dem Antrag wurden auch keinerlei Unterlagen benötigt, das erschien mir alles sehr merkwürdig.
Mehr konnte ich am Montag vor Ort nicht machen, also wieder nachdenken zu Hause, mich regenerieren, denn ich fühlte mich ziemlich ausgelaugt. Die Problematik schlug mir unversehens auf den Darm, er rebellierte und ich bekam Hautausschlag, den ich beim nächsten Arzttermin abklären lassen musste.
Am Abend erfuhr ich im Fernsehen eine Telefonnummer von Rechtsanwälten, wo man sich beraten lassen konnte zu Fragen von Hartz IV, aber mein Problem hat mit Hartz IV eigentlich nichts zu tun, die Rechtsanwältin bestärkte mich auch in meiner Auffassung und meinte ich solle zum Sozialgericht gehen und ein einstweilige Anordnung erwirken. Nicht schon wieder ein Gericht kam es mir gleich in den Sinn.
Mir kam aber eine Idee, ich wusste, dass in meinem Bezirksamt, das Grundsicherungsamt zum Wohnungsamt gehört und nicht zum Sozialamt, obwohl es jetzt nach SGB XII eigentlich zum Sozialamt gehören müsste. Klingt komisch ist aber so, der Bürgermeister wollte es so, diese Ausnahmen gibt es nur sehr selten in der gesamten BRD und ich ahnte schon, dass das Problem vermutlich hier liegt.
Am Dienstag fuhr ich wieder zum Bezirksamt, begab mich gleich zum Gruppenleiter, dem ich auch, nach wirklich kurzer Wartezeit, mein Problem schildern konnte. Ich war auch gewillt, nicht eher zu gehen bis es eine Klärung gab.
Ich brachte vor, dass ich gestern, die beiden Anträge abgegeben habe und er fragte mich, wie lange es dauert bis sie abgelehnt werden, ich dachte schon er wollte so lange warten, aber er konsultierte sich mit einer Sachbearbeiterin.
Wieder stand das Problem der Zugehörigkeit des Grundsicherungsamt im Mittelpunkt, bis er sich nun endlich mit einer der Gruppenleiterin des Grundsicherungsamtes in Verbindung setzte. Wieder gab es keine Antwort, aber sie wollte sich darum kümmern und zurückrufen. War ich nun doch bei der richtigen Stelle im Grundsicherungsamt gelandet. Ich musste wieder auf dem Gang Platz nehmen, nach einer knappen Stunde war die Antwort da, ich gehöre jetzt zum Grundsicherungsamt und sollte mich dort melden, scheinbar war das am Montag noch nicht bekannt, bin ich etwas besonderes, war mein Fall einmalig?
Die zwei Mitarbeiter im Grundsicherungsamt waren mir schon bekannt, ich will es vorsichtig formulieren, sie sind zugänglicher, menschlicher, ob es was bringt wird die Zukunft zeigen. Ich staunte nicht schlecht wie schnell meine Akte wieder aus dem Archiv vorgeholt wurde und mein gestriger Antrag war auch schon im Computer, nun brauchten nur paar Daten ergänzt bzw. aktualisiert werden, jetzt fehlt nur noch das Geld.
Die zwei Probleme die sich auftaten, waren die Unterhaltsforderung gegenüber meiner Ex–Frau und meine zu große Wohnung. Man wollte mir aber schnell helfen und mir ein Darlehn für ein halbes Jahr geben, was auch immer das bedeuten sollte. Das Geld für Januar sollte ich mittels Scheck bekommen, welcher dann in der Sozialkasse bar ausgezahlt wird.
Nicht wirklich zufrieden begab ich mich wieder nach Hause und dachte nach, denn es standen weitere Zahlungen an, Telefon, Energie und Praxisgebühr, ich glaubte nicht wirklich daran, dass ich kurzfristig finanzielle Mittel bekomme, aber was half es, warten war angesagt. Als ich bis Sonnabend keinen Bescheid bei mir eingegangen war, beschloss ich am Montag wieder anzurufen um nachzufragen.
Mein Sachbearbeiter war sofort im Bilde und sagte der Scheck liegt bei der Gruppenleiterin, ich ließ mir die Nummer geben und rief an.
Meinen Namen konnte sie zuordnen, sie wusste sofort Bescheid und sagte die Akte liegt bei ihr auf dem Tisch, na schön dachte ich mir, wenigstens ist sie nicht verschwunden, bei der Übersicht hätte es mich nicht gerade gewundert.
Ich teilte der Gruppenleiterin mit, dass ich am Dienstag einen Arzttermin habe und die Praxisgebühr bzw. meine Zuzahlung zu den Medikamenten nicht leisten kann. Es schien sie hellhörig zu machen und sie meinte ob ich nicht vorher vorbeikommen könnte um mir den Scheck abzuholen. Es gäbe ein Darlehn für ein halbes Jahr mit Auflagen, die darin bestanden, dass ich mich um den Unterhalt von meiner Ex– Frau kümmern muss und mir einen angemessenen Wohnraum suchen sollte.
Beide Probleme sind beim damaligen Sozialamt schon geklärt worden. Na ja, Zusammenarbeit oder Absprachen egal welcher Art gibt es nicht, ich wunderte mich nicht mehr. Wichtig war für mich, dass ich mein Geld bekomme, die anderen Probleme werde ich im Laufe der Zeit klären. Es ist ja noch viel Zeit, ein halbes Jahr.
Trotzdem, ein ›Glücksgefühl‹ stellte sich nach dem Anruf nicht ein, ich war gespannt, was mich am nächsten Tag erwarten wird.
Am späten Nachmittag, ich arbeitete gerade an meiner Website um endlich die mehr als umfangreichen Seiten über die Euromünzen fertig zu stellen, diese Arbeit lenkt mich, beim Warten auf die Problemlösung ab. Da klingelte das Telefon, ich dachte schon, wird wieder ein neues Problem bei der Grundsicherung aufgetaucht sein. Aber es war meine Ärztin aus der Rheumatologie der Charité.
Sie teilte mir mit, dass bei der Kopf – CT im vergangenen Jahr etwas festgestellt wurde, sie hatte diese veranlasst, weil ich in der letzten Zeit verstärkt über Kopfschmerzen geklagt habe, zusätzlich vernahm ich noch Kopfgeräusche.
Da aufgrund meiner Vorerkrankung und der jetzigen Remicade – Therapie eine Metastasenbildung im Gehirn nicht ausgeschlossen ist, wollen die Neuroradiologen noch einmal genauer gucken.
Dazu machte sich eine Magnetresonanztomographie (MRT) notwendig. Sie sagte mir es wird sich jemand bei mir melden und einen Termin ausmachen, paar Tage später solle ich dann zur Auswertung kommen. Das war natürlich gleich wieder ein Schlag, ein Problem noch nicht geklärt und ein neues taucht schon wieder auf, wenn das nicht ein Jahresbeginn nach Maß ist.
Man befasst sich ja gleich wieder mit Krebs und allen seinen Nebenerscheinungen. Ich stellte mir die Frage, muss ich schon wieder einen neuen Abschiedsbrief schreiben? Aber so verbissen sah ich das Problem dieses Mal nicht, wenn es so ist, lässt es sich nicht ändern.
Der Termin wurde kurzfristig für die nächste Woche festgelegt.
Am nächsten Tag ging ich wie vereinbart zum Grundsicherungsamt um meinen Scheck abzuholen. Die Vorsprache beim Sachbearbeiter ergab, dass noch kein Scheck da war, er schickte mich gleich zu seiner Vorgesetzten. Nun sah ich die Gruppenleiterin wenigstens auch einmal, ich kann aber keine Einschätzung von mir geben. Obwohl sie mit mir sprach, Beachtung schenkte sie mir nicht, habe ich auch nicht erwartet, bin ja nur ein Schwerbehinderter und auf Hilfe angewiesen!
Endlich hatte ich den Scheck in der Hand und den Bescheid des Grundsicherungsamtes.
BESCHEID
über die Gewährung eines Vorschusses auf Leistungen nach dem vierten
Kapitel des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII)
Sehr geehrter Herr Ullmann
unter Berücksichtigung Ihrer wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse erhalten Sie:
gem. § 42 SGB I einen Vorschuss vorbehaltlich der Überprüfung Ihrer Vermögensverhältnisse
für die Monate Januar 2005 bis Juni 2005.
In dieser Zeit sind Sie verpflichtet:
– Die Unterhaltsansprüche gegenüber Ihrer geschiedenen Frau gerichtlich einzuklagen.
– In Abstimmung mit dem Amt für Grundsicherung preislich vertretbaren Wohnraum zu suchen.
Sollten Sie dieser Verpflichtung nicht nachkommen, werde ich die gezahlte Vorschusszahlung zurück fordern.
Die Vorschüsse sind gem. § 42 Abs. 2 SGB I auf die zustehenden Leistungen anzurechnen. Soweit sie diese übersteigen, sind sie vom Empfänger zu erstatten.
Wie ich etwas klären sollte wurde mir von der Gruppenleiterin, die man getrost als ›arrogante Ziege‹ bezeichnen kann, folgendermaßen erläutert. Ich sollte nur zum Rechtsanwalt gehen und ihn beauftragen den Unterhalt bei Gericht einzuklagen, was und wann es ein Ergebnis gibt ist egal, dass Grundsicherungsamt wollte nur eine Aktion von mir sehen, klingt komisch ist aber so. Mein Rechtsanwalt wird sich freuen, wenn er sich mit meiner Ex – Frau wieder vor Gericht ärgern muss, er war damals froh, dass das Sozialamt die Sache selbst klären wollte. Meinen Bearbeiter bat ich noch zu klären, wie es ab nächsten Monat weitergeht und er änderte in meinem Beisein die Zahlungsanweisung, d.h. ab Februar müsste ich das Geld wieder auf das Konto bekommen. Ich hoffe es wir auch so sein, aber nach dem was ich alles erlebte, kamen doch leichte Zweifel auf.
Ich musste anschließend sowie so zur Sozialkasse um das Geld zu holen, beschloss ich gleich bei der Rechtstelle des Sozialamtes vorbeizugehen um die Unterhaltsproblematik abzuklären. Die Auskunft vom Grundsicherungsamt war mir doch zu blöd.
Die Mitarbeiterin der Rechtsstelle war zu Anfang etwas unnahbar, kannte aber meinen Fall komischerweise, langsam werde ich bekannt, da lebt es sich doch gleich viel besser. Ich erfuhr, dass meine Ex – Frau den Unterhalt nicht bezahlen will. Es gibt deshalb mit ihr massive Probleme, die Begründung ist die Gleiche wie bei der Scheidung, er ist faul, er trinkt, er schläft nur und hat nie etwas zum gemeinsamen Auskommen beigetragen. Ich heiratete doch wirklich, eine ›liebenswerte, herzensgute Frau‹ ,die immer für alles gesorgt hat, man hatte ich es gut.
Natürlich hat sie auch wieder ihren Mädchennamen angenommen, ich weiß gar nicht zum wievielten Male, deshalb ist die letzte Mahnung auch an das Sozialamt zurückgekommen. Es ist schon eine ziemlich hohe Summe zusammengekommen, ich werde sicherlich bei ihr in guter Erinnerung bleiben und sie wird noch öfters an mich denken müssen als ihr lieb ist. Ich kann es nicht ändern, selbst wenn ich es wollte, was ich natürlich nicht will. Dazu hat mir diese Frau zu viel angetan.
Auch die Mitarbeiterin sagte mir, ich sollte zum Rechtsanwalt gehen und ihn mit der Klage beauftragen. Jetzt versuchte ich, ›das kleine Würstchen‹ es noch einmal und machte sie auf die Besonderheit im Bezirksamt aufmerksam. Die Grundsicherung gehört eigentlich nun nach SGB XII auch zum Sozialamt mit allen Rechten und Pflichten, also kann das Amt nun auch Unterhaltsforderungen einklagen, nur kennt sich vermutlich keiner aus, oder keiner hat Lust. Bei mir im Bezirksamt ist es aber so, dass die Grundsicherung zwar zum Sozialamt gehört, aber dem Wohnungsamt unterstellt ist. Es ist ein ›Politikum‹ meinten einige Mitarbeiter im Grundsicherungsamt, weil ein einzelner Herr, nämlich der Bezirksbürgermeister es so wollte, vielleicht blickt ja deshalb niemand durch und die Menschen bleiben auf der Strecke. Der Grundgedanke ist ja nicht schlecht, die Grundsicherungsempfänger sollten nicht mit den Sozialhilfeempfängern in Berührung kommen, man wollte uns die Scheu nehmen. Ich stelle mir ernsthaft die Frage ›Scheu vor WAS oder WEM‹ ,ich bin doch genau so arm dran wie alle anderen, habe ja zwei Jahre inmitten der Sozialhilfeempfänger zugebracht, ich hatte nie Scheu und wenn es um das Überleben geht ist sie sowieso am falschen Platze.
Nach dem ich das Politikum ansprach, war sich die Mitarbeiterin der Rechtsstelle gar nicht mehr so sicher, wer nun in Aktion treten muss und sie sagte mir ich bekomme Bescheid, ob ich mich darum kümmern muss. War das etwa ein ›Satzgewinn‹ für mich?
Ich war jedenfalls erst einmal froh wieder finanzielle Mittel in der Hand zu halten, denn ich brauchte sie dringend und um es gleich vorwegzunehmen, dass Geld für Februar wurde sogar überpünktlich auf meinem Konto überwiesen.
Da ich insgesamt mit der Abhandlung der Problematik überhaupt nicht zufrieden war, schrieb ich am Ende des Monates den Brief an den an den Leiter des Sozialamtes.
Brief an den Leiter des Sozialamtes vom 31. Januar 2005
Die vergessenen ehemaligen dauerhaft erwerbsunfähigen Sozialhilfeempfänger.
Sehr geehrter Herr Leiter des Sozialamtes
mir ist bekannt, dass ab 01.01.2005 neue Gesetze, für die bisherigen Bezieher von Arbeitslosenhilfe und die erwerbsfähigen Bezieher von Sozialhilfe in Kraft getreten sind. Von diesen Neuregelungen bin ich aber nicht betroffen, da ich ›voll erwerbsgemindert‹ bin und deshalb nach SGB XII § 41 meine Sozialhilfe weiter beziehe.
Ich möchte mich mit meinem Anliegen an Sie wenden, weil ich einige Probleme und Sachverhalte nicht nachvollziehen kann.
Um es aber gleich vorwegzunehmen, ab Februar 2005 habe ich jetzt die Grundsicherung auf mein Konto überwiesen bekommen.
Am 23.12.04 wurde mir per Post ein Schreiben zugestellt, in dem ich aufgefordert wurde das Arbeitslosengeld II zu beantragen, eine Nachfrage bei der angegebenen Telefonnummer ergab, dass ich, wenn ich ›voll erwerbsgemindert‹ bin diesen Antrag nicht ausfüllen muss.
Alle dafür notwendigen Unterlagen (Bestätigung der LVA) sind im meiner Akte im Sozialamt schon seit dem Jahre 2001 enthalten und der Mehrbedarf zur Erwerbsunfähigkeit wurde auch schon immer gezahlt. Ich hatte schon das Gefühl, etwas wird schief gehen.
Es ist auch nicht so, dass ich mich nicht um die Formalitäten gekümmert habe, nur habe ich nie eine Antwort bekommen; so meine schriftliche Nachfrage am 23.11.2004 beim meiner Sachbearbeiterin, über den weiteren Bezug von Hilfe ab 01.01.2005 und auch zwei Nachfragen per E–Mail wurden nicht beantwortet.
Am 29.12.2004 begab ich mich deshalb persönlich zum Sozialamt, dort war man in der geöffneten Erstberatung im Haus 4 nicht in der Lage mir eine Auskunft zu geben. Die Mitarbeiterin in der Anlaufstelle für erwerbsunfähige Sozialhilfeempfänger im Haus 3, sah sich ebenfalls nicht in der Lage mir zu helfen, sie konnte mir lediglich mitteilen, dass kein Geld für mich angewiesene wurde. Durch sie wurde ich an den Gruppenleiter verwiesen, der eventuell helfen könnte. Er war auch ansprechbar und sagte mir ich solle am 3.1. oder 4.1.2005 wieder vorsprechen um die Sozialhilfe neu zu beantragen. Anträge für die Hilfe nach SGB XII waren zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorhanden.
Meine Vorsprache am 03.01.05 in der Information im Haus 3 zeigte das gleiche Bild wie im alten Jahr, die Mitarbeiterinnen waren mit meinem Anliegen ebenfalls überfordert. Um Sozialgeld zu bekommen, sollte ich erst einmal den Antrag auf ALG II stellen. Darüber hinaus wurde mir ein, jetzt vorhandener Antrag Grundsicherung nach SGB XII ausgehändigt. Als ich daraufhin mein Anliegen vorbrachte, dass ich ›voll erwerbsgemindert‹ bin und die Grundsicherung im April des Jahres bereits abgelehnt wurde, hat man mir gesagt, erst müsse ich diese beiden Anträge stellen und wenn die abgelehnt würden, könnte ich Sozialhilfe beantragen. Beide Schreiben, Erwerbsminderung und Ablehnung auf Grundsicherung habe ich hier auch vorgelegt. Da ich mit der Antwort nicht zufrieden war, sprach ich noch einmal bei Gruppenleiter vor, der aber an diesem Tag aufgrund von Besprechungen keine Zeit hatte, er sage, dass ich am nächsten Tag noch einmal vorsprechen sollte.
Frustriert ging ich in das Haus 9 um ALG II zu beantragen, brachte mein Anliegen vor und der Antrag wurde ausgefüllt. Danach ging ich zum Grundsicherungsamt und füllte dort den Antrag auf Grundsicherung aus.
Am 04.01.05 erschien ich dann wieder beim Gruppenleiter und teilte ihm mit was ich bisher gemacht habe um an meine finanziellen Mittel zu kommen. Er schickte mich dann, nach Rücksprache mit der Gruppenleiterin des Grundsicherungsamtes in das Grundsicherungsamt. Dort habe ich am 04.01. den Antrag auf Grundsicherung nach SGB XII noch einmal ausgefüllt, da meine Akte noch im Archiv vorhanden war, stelle der neue Antrag kein großes Problem dar hatte ich den Eindruck.
Froh darüber jetzt den richtigen Ansprechpartner gefunden zu haben und mit der Zusicherung man wolle mir erst einmal kurzfristig mit einem Scheck helfen verließ ich das Amt.
Da ich bis zum 10.01.05 keinen Anruf oder Information vom Grundsicherungsamt bekam, rief ich bei meinem Sachbearbeiter an, er meinte der Antrag befindet sich noch zur Bearbeitung bei der Gruppenleiterin. Da ich nun Probleme bekam, meine Ausgaben ( Praxisgebühr, Medikamente und Stromlieferung ) zu bezahlen rief bei ihr an und informierte mich. Sie sagte mir zu, dass ich am nächsten Tag den Scheck abholen kann. Das hat dann auch geklappt.
Das Problem was sich für mich nun ergibt ist, dass die finanziellen Mittel nur für ein halbes Jahr übernommen werden und bis dahin muss ich nun bestimmte Auflagen refüllen.
1. Suchen von angemessenen Wohnraum
2. Klärung des Unterhaltsanspruches gegenüber meiner Ex–Ehefrau
zu 1. Im Jahre 2002 wurde mir aufgrund meiner Erkrankungen vom Sozialamt mitgeteilt, dass die Kosten für die Wohnung in tatsächlicher Höhe übernommen werden. An meiner gesundheitlichen Situation hat sich auch jetzt nichts geändert, im Gegenteil, ich bin nunmehr zu 100 Grad schwerbehindert und habe das Merkzeichen ›G‹. Meine Begründung die ich im Jahre 2002 eingereicht habe ist nach wie vor aktuell und liegt in meiner Akte.
zu 2.
Die Problematik des Unterhalts wurde im Jahre 2004 von meinem Rechtsanwalt an das Sozialamt zurückgegeben, vom Sozialamt wurde mir Schreiben mitgeteilt, dass der Unterhaltsanspruch vom Sozialamt selbst übernommen wird, also sah ich für mich keinen Handlungsbedarf. Bei einer Rücksprache mit der Mitarbeiterin der Rechtsstelle des Sozialamtes wurde mir nun mitgeteilt, dass ich erst einmal nichts unternehmen solle, sie wird mich bis Mitte Februar informieren, wie es weitergeht.
Ein weiteres Problem, für dass ich keinen Ansprechpartner gefunden habe ist; mein Antrag auf die Übernahme von Zahlung der Rentenbeiträge für das Jahr 2004.
Mir fehlen noch 9 Monate Beiträge um mit 60 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen zu können.
Die Beiträge für das Jahr 2003 wurden vom Sozialamt übernommen und für die Zahlungen 2004 sollte ich eine Bestätigung der LVA über den Sachverhalt erbringen, was ich auch tat. Dem Sozialamt liegt ein entsprechendes Schreiben vor, ebenfalls über die Rentenhöhe. Mir wurde mitgeteilt, dass ich ja bald Grundsicherung bekäme und dann diese Beiträge selbst bezahlen kann. Ich legte Widerspruch ein und die Grundsicherung wurde damals im April 2004 abgelehnt, weil die Unterhaltsansprüche nicht geklärt waren.
Mit meiner Sachbearbeiterin habe ich dann vereinbart (schriftlich), dass ich den Antrag im November 2004 noch einmal stellen sollte. Was ich auch tat.
Ich habe volles Verständnis, dass es zu Problemen bei einer solchen großen Umstellung kommen kann, es sind eben oftmals die Kranken und Behinderten die dann vor Problemen stehen.
Auf Grund meiner Schwerbehinderung und gesamten gesundheitliche Situation kann ich mich nicht ständig mit dieser Problematik befassen, es ist mir nicht möglich aller halben Jahre neue scheinbar unüberwindbare Problem vor mir zu sehen. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen liegen dem Sozialamt ebenfalls vor. Auf Anlagen habe ich verzichtet, weil sie in der Akte vorhanden sind, wenn notwendig reiche ich diese nach.
Ich hoffe mich an die richtige Stelle gewandt zu haben, sonst bleibt mir nur noch übrig mich an den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses zu wenden, da ich aufgrund meiner Erkrankungen solche psychischen und physischen Belastungen nicht ständig durchstehen kann.
Ich bitte um Überprüfung der aufgeführten Sachverhalte.
Mit freundlichen Grüßen
Henry Ullmann
und wenn bis Mitte Februar keine Antwort eingeht schreibe ich einen Brief an den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses zu Berlin.
Nach soviel Bürokratie ist die Gesundheit wieder dran, denn ich bekam den Anruf von der Röntgenabteilung der Charité zwecks Terminabsprache, Kernspintomographie hatte ich noch keine gehabt, also machte ich mich erst einmal im Web sachkundig, ja klang ja nicht so gefährlich, keine Strahlenbelastung und in eine Röhre wird man da geschoben, ich ließ mich überraschen.
Wie immer war ich etwas eher da und mir wurde gleich ein Zugang in die Vene gelegt, für das Kontrastmittel, was nicht so spannend war.
Ich musste zum Container gehen, der hat aber mit › Brother‹ nix zu tun, erliegt etwas außerhalb der Poliklinik.
Es war soweit, wieder eine nette MTA die mir die Einwilligungserklärung gab, die ich ausfüllte. Fragen hatte ich keine, musste alle metallenen Gegenstände ablegen, vor allem auch die Scheckkarte, weil die sonst gelöscht wird, es gab zwar bei mir nix zu löschen, dann musste ich mich lang auf die Pritsche legen. Das fiel mir schon ziemlich schwer mit dem Bechterew, der Kopf wurde in einem Gestell fixiert und ich durfte mich nicht bewegen. Die Röhre hatte ich mir vorher gar nicht angesehen, die MTR sagte noch es wird laut werden und dauert ca. 20 Minuten. Mit hinein durfte ich ein paar Kopfhörer und eine Klingel nehmen, der Kopfhörer war aber nicht zum Musik hören, sondern als Schallschutz gedacht. Dann schob sie mich in die Röhre, diffuses Licht und eine ungeheure Enge umfing mich, 20 Minuten, das kann ja heiter werden. Man musste sich beherrschen um keine Platzangst zu bekommen, ich versuchte mich sofort durch Gedanken abzulenken um bloß keinen Hustenanfall oder Niesanfall zu bekommen, aber es ging alles gut.
Es war, wie angekündigt sehr laut, es knallte und ratterte häufig und ich hatte schon das Gefühl durch Magnetströme zu fahren. Ich dachte daran, wenn du hier wieder raus bist gönne ich mir einen Kaffee und ein Buttercrossant, so machte ich es auch. Befund gab es natürlich so schnell keinen, also bis Montag zur Auswertung bei meiner Ärztin.
Diese Woche gab es noch eine schöne Überraschung, natürlich hatte ich es meiner Familie gesagt, mit dem Befund bei der CT und sie beschlossen mich am Wochenende in Berlin zu besuchen. Am Sonnabend kamen Mutter, Schwestern, Tante und Schwager mit dem Zug angefahren, zu fünft mit Wochenendticket, gegen 12 Uhr traf ich mich mit ihnen am Alex an der Weltzeituhr. Wir spazierten zum Nikolaiviertel, dem ehemaligen Zentrum von Ostberlin und besuchten dort ein Lokal um Mittag zu essen, denn 16 Uhr fuhr der Zug schon wieder zurück nach Bautzen. Ich habe mich über den Besuch riesig gefreut, hatte ja die Auswertung noch vor mir, aber die spielte, jedenfalls nach außen, keine Rolle.
Bevor ich weiter schreibe möchte ich noch ein paar Gedanken äußern, ich denke es ist wichtig zur Beurteilung des Verhältnisses, zu den Menschen die in meinem nahen Umfeld leben. Eigentlich ist allen bekannt, von was ich lebe und sie haben damit keine Probleme, ich am Allerwenigsten. Deshalb fasse ich Gesten, welcher Natur auch immer, als Bestätigung zu meinem neuen Leben auf. Es geht hier auch nicht um Geldbeträge, sondern um Kleinigkeiten, die für mich aber sehr wichtig sind und mir zeigen wie die Menschen zu mir stehen. Besuche oder Treffen, welche fahren fast an meiner Wohnung vorbei und schauen nicht herein, welche die sonst eher nicht bei mir vorbeigekommen sind, kommen vorbei. Bei Einladungen wird mir schon einmal eine Roulade eingepackt, oder eine Tüte mit Süßigkeiten mitgegeben, ein verbindliches Wort, auch zu meiner Internetdokumentation oder ein Eintrag im Gästebuch meiner Website, ein paar Mozartkugeln direkt aus Salzburg, ein Gebet für mich. Sicherlich gibt es noch mehr aufzuzählen, wenn man will kann man mir mit Kleinigkeiten, große Freude bereiten. Was ich überhaupt nicht will, wenn man versucht »mir zuliebe« etwas zu tun, nein danke kann ich da nur sagen.
Ich habe besonders in den letzten fünf Jahren gelernt, feinfühlige Unterscheidungen zu treffen, schade nur, dass man dazu erst Krebs bekommen muss, Krebs schärft nämlich auch das Gehirn und seine Umwelt kann man viel bewusster wahrnehmen, aber zu pingelig sollte man auch nicht sein.
Der Tag der Entscheidung nahte und ich hatte Termin bei meiner Rheumatologin, die sozusagen die Koordination für die Untersuchungen in der Hand hielt, was sie gut managte. Ich musste etwas warten und dann begrüßte sie mich, lächelnd, konnte das ein gutes Zeichen sein, ja es war es. Auch sie war erleichtert, aber es war nicht alles in Ordnung. Mein Optimismus wurde also schon wieder einmal gedämpft, bei der MRT wurde eine chronische Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) diagnostiziert. Als meine Mutter das hörte sagte sie spontan, »Die Nase konntest du noch nie richtig putzen!«, das habe ich geahnt, dass diese Äußerung so kommt.
Ein anderes Problem was mich seit einiger Zeit bewegt, oder besser was mir zu schaffen macht, ich bekam ein Hautekzem, was Kopf, Hände, Füße und andere Stellen am Körper befallen hat und auch schon nach außen sichtbar war. Vor allem bekam ich sehr starken Haarausfall. Nun ist ja so ein Ekzem nicht immer gleich ›tödlich‹ , aber ich kannte mich damit sehr gut aus.
Es ist nun über 20 Jahre her, die Hautklinik war noch in einem anderen Gebäude der Charité untergebracht und ich wurde für ca. ein Jahr Stammgast, d.h. ich musste immer wieder »einrücken«, weil nach kurzer Besserung, ein mykologisches Ekzem immer wieder massiv zum Ausbruch kam, die Zeit war entsetzliche. Es war keine Heilung in Sicht und auch die Zustände in der Hautklinik waren nicht gerade für die Genesung hilfreich, denn zur damaligen Zeit lagen noch bis zu 8 Patienten auf einem Zimmer, manchmal wurden auch noch Notbetten aufgestellt. Die Betreuung war aber in Ordnung und Spaß gab es auch eine Menge. Dort kam ich auch zum ersten Mal mit der Ergotherapie in Berührung, die damals vielleicht anders hieß und ich erlernte die hohe Kunst des Makramees, also das kunstvolle Knüpfen von Fäden und Stricken, ich glaube ich habe meiner Tochter sogar eine Tasche gemacht, war damals groß in Mode. Es wurde nicht nur äußerlich geheilt in Form von Salben, Wässerchen und Bädern, sondern beim täglichen Ausgang auch mal mit einem Bier.
So wie das Ekzem kam, so plötzlich ging es wieder weg, die Ärzte meinen damals es käme vom Kopf. Ich hatte auch zum damaligen Zeitpunkt einiges an Stress auf der Arbeit zu überstehen und aufgrund der einjährigen Krankheit konnte ich einige Maßnahmen nicht so wie geplant durchgeführt, z.B. ein fünfjähriges Fernstudium zum Diplomjuristen. Später machte ich ein dreijähriges Fernstudium unter großem Kraftaufwand zum Juristen. Leider ist heute ist beides ›für die Katz‹ , genau wie vieles andere auch. Für mich privat hat es allerdings einen Vorteil, Auseinandersetzungen mit Behörden oder Ämtern bringen mich nicht in Verzweiflung.
In meiner jetzigen Situation gab es ja auch viele Probleme, die mich kopfseitig stark beschäftigen, gesundheitlicher wie auch sozialtechnischer Natur und die von den Politiker, so oftmals zelebrierte ›Sozialromantik‹ war im ›Arsch‹ , deshalb kam mir das alles schlagartig wieder in den Sinn.
Meine Ärztin überwies mich in die Hautklinik und zur HNO – Poliklinik, hier hat die Charité ein Gutes, man bekommt einen Termin schneller, weil es von Klinik zu Klinik geht und man sich nicht selbst um den Termin bemühen muss.
Bevor die HNO – Problematik nicht abgeklärt ist, gab es auch keinen neuen Infusionstermin in der Rheumaklinik, ließ mich meine Ärztin noch wissen. Die Remicade – Therapie wird nicht gemacht, wenn Probleme vorliegen, die eine Schwächung des Immunsystems zur Folge haben können, weil die Infusion das System erheblich belastet. Die Therapie kostet immerhin ca. 26 000 Euro im Jahr und es gibt wohl zurzeit nur 300 Patienten die diesen Cocktail in der Berliner Charité verabreicht bekommen. Kann ich mich doch glücklich schätzen und ich glaube es hilft wirklich den Bechterew einigermaßen in den Griff zu halten.
Zwei Tage später war schon der Termin in der Hautklinik, ich hatte Mühe mir noch die Überweisung vom Hausarzt zu besorgen. Es muss ja alles seine Richtigkeit haben, da komme ich auch in der Charité nicht daran vorbei. Die Hautklinik ist nicht mehr dort wo sie vor 20 Jahren war und der Arzt war ein Chinese, er sah jedenfalls so aus und hatte auch einen so klingenden Namen Doktor Lee, besondere Kennzeichen, immer in Eile und etwas zerstreut. Er war begeistert als er mich sah, er holte sofort den Fotoapparat um die entsprechenden Stellen zu dokumentieren, zudem entnahm er noch eine Hautprobe (Biopsie), die unter lokaler Betäubung erfolgte. Dadurch kann man bestimmte Krebsformen nachweisen. Mit paar Stichen nähte er die Stelle wieder zu. Er arbeitete eng mit der Rheumaklinik zusammen, scheinbar sind Hautausschläge keine Seltenheit bei gewissen Rheumamittel. Er sah auch gleich noch einen Leberfleck, der ›beobachtenswert‹ ist wie er meinte. Na das konnte ich ja nun überhaupt nicht gebrauchen.
Er stellte insgesamt drei verschieden Ekzeme fest, die sich auf Kopf, Rumpf und Hände/Füße verteilten.
Sicher ist, dass es sich beim Kopf um eine so genannte seborrhoische Dermatitis handelt. Sie macht sich durch große, gelbliche Schuppen, Juckreiz und gerötete Kopfhaut bemerkbar, genau wie es bei mir zutraf. Die Therapie bestand in salben und ölen, nach besonderen Rhythmen, er schrieb zwar nicht Chinesisch, aber zu lesen war es im Nachhinein trotzdem nicht, sodass ich mir in meiner Apotheke erst mal einiges deuten lassen musste. Er meinte, Ekzeme sind eine langwierige Angelegenheit, was ich ja aus eigener Erfahrung bestätigen konnte. Leider wurden die weinigsten Mittel von der Kasse bezahlt, ich musste kräftig schlucken, als ich die Preise sah. Ich hatte die Wahl nehmen oder nicht, denn oftmals wirken sie ja nicht und man hat das viele Geld bezahlt, ich nahm sie und hielt mich an die Therapieanweisungen.
Der erste Erfolg stellte sich auf dem Kopf ein, ich ölte meine Kopfhaut ein und verbrachte den Tag unter einer ›modische Duschhaube‹ aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts gewesen sein muss. Die mir Mutter beim letzten Besuch zu ihrem Geburtstag dankenswerterweise zur Verfügung stellte. Gut wenn nichts voreilig weggeworfen wird, es kommt der Tag wo es gebraucht wird.
Die Gewebeproben ergaben nichts schlimmes, auch keine Neurodermitis, der Ausschlag ist da. Als Ursache benannte er, die Immunsystemschwäche durch die Remicade – Therapie und der Stress mit den Behörden. Ich kann nun jeden Montag am Vormittag beim chinesischen Doktor vorbeikommen. Und ich habe schon wieder so eine böse Vorahnung, als ob ich die Sache wohl nicht so schnell in den Griff bekomme.
Der Termin in der HNO – Klinik war paar Tage später anberaumt worden, da ich keine Auflagen erhielt etwas mitzubringen, nahm ich nur den Befund der MRT mit. Das ist eines der nicht so angenehmen Begleiterscheinungen in der Charité, man hat mit Assistenzärzten zu tun, jeder sieht es etwas anders und noch schlimmer ist, dass man immer bei einem anderen Arzt landet, ich wurde gleich wieder an die wechselnden Sachbearbeiter im Sozialamt erinnert.
Nachdem ich den Befund vorgelegt und meine Beschwerden geschildert hatte, schaute er mir in die Nase mit diesem langen, leuchtenden Endoskop, es gibt schlimmeres, obwohl er doch bald im Gehirn gewesen sein muss, so tief wie der drin war.
Er konnte nichts feststellen und ich bekam einen neuen Vorstellungstermin, dieses Mal mit den Bildern der CT, anderer Arzt, auf den Bildern konnte er auch nichts feststellen, auch er schaute wieder in die Nase und fragte mich wieso ich die Aufnahmen der MRT nicht mitgebracht habe. Der vorhergehende Arzt, den ich extra danach gefragt habe, meinte diese Aufnahmen sind nicht notwendig. Also steht man erst einmal wieder da, da er nix erkennen konnte sollte noch eine CT vom Kopf, speziell Nasenhöhle gemacht werden.
Die neuerliche CT des speziellen Nasenbereiches wurde ohne Kontrastmittel durchgeführt und die Bilder bekam ich gleich mit. In der HNO Klinik wurde nun bestätigt dass ich eine chronische Sinusitis habe und der Arzt bot mir eine Operation an. Er wollte aber, dass ich vorher noch ein kortisonhaltiges Nasenspray zur Anwendung bringe und in vier Wochen sollte ich wieder vorsprechen. Das Nasenspray half nicht, es half mir nur meine Zuzahlungsbefreiung zu bekommen und bei meiner Diabetologin brachte es mir einen bösen Blick ein. Da aber mein Zucker ziemlich gut eingestellt ist, warf mich das nicht aus der Bahn.
Der HNO – Arzt gab mir auch grünes Licht für die schon um einen Monat verschobene Remicade – Therapie in der Rheumaklinik.
Ich hatte wieder Zeit um mich um die Ämter zu kümmern. Mir kreiste immer noch der Bescheid vom Grundsicherungsamt im Kopf herum, der mit dem Darlehn, eigentlich sollte ich dagegen noch einen Widerspruch formulieren, damit mich dort ja keiner vergisst.
Widerspruch gegen den Bescheid vom 10.01.2005 über die Gewährung eines Vorschusses auf Leistungen nach SGB XII viertes Kapitel
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit lege ich Widerspruch gegen den oben genannten Bescheid ein.
Begründung:
Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum ich nur einen ›Vorschuss‹ bekomme begrenzt für ein halbes Jahr.
Ich bekomme seit 2002 fast durchweg Sozialhilfe und kann diese Verfahrensweise nicht verstehen. Die besondere Zuordnung des Grundsicherungsamtes im Bezirksamt mag zwar seine Richtigkeit haben, aber dadurch können doch dem Bürger keine solchen Nachteile erwachsen.
Zu der Forderung ›Unterhaltsklage gegenüber meiner geschiedenen Ehefrau‹ ist festzustellen, dass hier dem Amt das Schreiben des Sozialamtes vorliegt, aus dem hervorgeht, dass die Unterhaltsforderung von Sozialamt vorgenommen wird ist für mich immer noch verbindlich, denn das Sozialamt ist ja immer noch vorhanden.
Bezugnehmend auf die Forderung ›Suche einer preislich vertretbaren Wohnung‹, mir ist vollkommen klar, dass meine Wohnung nicht angemessen ist. Dazu gibt es ein Schreiben vom Sozialamt, das die Kosten in der tatsächlichen Höhe übernommen werden. Meine damalige Begründung dazu liegt dem Grundsicherungsamt ebenfalls vor.
Ergänzend dazu möchte ich mitteilen, dass sich mein Grad der Behinderung auf 100 erhöht hat und ich nunmehr auch das Merkzeichen ›G‹ besitze.
Weiterhin bin ich aufgrund meiner Erkrankungen nicht in der Lage solcher psychischen und physischen Belastung auf Dauer zu widerstehen.
Zum gesamten Sachverhalt, insbesondere über die Verfahrensweise mit den ehemaligen ›dauerhaft erwerbsunfähigen‹ Sozialhilfeempfängern habe ich einen Brief an den Leiter des Sozialamtes gesandt.
Mit freundlichen Grüßen
Henry Ullmann
Ich brachte ihn persönlich vorbei, Schreiben an die Ämter können mich nun wahrlich nicht mehr erschüttern. Zwischendurch habe ich auch vom Sozialamt auf meine Anfrage eine Antwort bekommen, aber nicht vom Leiter, sondern von einer Mitarbeiterin.
Ihre Nachfrage zum Sozialhilfebezug und zum Antrag auf Zahlung der Rentenbeiträge für das Jahr 2004
Sehr geehrter Herr Ullmann, auf Ihre Nachfrage vom 03.02.2005 gebe ich Ihnen folgende Hinweise:
1. Bis zum 31.12.2004 waren Ihnen Sozialhilfeleistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz gewährt worden. Ihrem Schreiben entnehme ich, dass Ihnen seit Januar 2005 nunmehr Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach §§ 41 ff. SGB VII durch das Amt für Grundsicherung und Wohnen gewährt werden. Ihr laufender Lebensunterhalt dürfte deshalb durch diese Leistungen gedeckt sein.
Soweit das Grundsicherungsamt Ihnen im Rahmen der Leistungsbewilligung Auflagen erteilt hat, müssen Sie deren Erfüllung mit der Grundsicherungsstelle klären. Das Sozialamt kann Ihnen dabei nicht behilflich sein.
Rein informatorisch gebe ich Ihnen zu bedenken, dass nach § 42 Satz 1 Nr. 2 SGB XII nur die angemessenen tatsächlichen Aufwendungen für Unterkunft und Heizung entsprechend § 29 SGB XII übernommen werden. Soweit das Sozialamt in der Vergangenheit überhöhte Unterkunftskosten im Rahmen des Sozialhilfebezuges nach dem Bundessozialhilfegesetz akzeptiert hat, wirkt dies nicht für die gegenwärtige Gesetzeslage fort. Aus meiner Sicht ist nicht zu beanstanden, dass das Amt für Grundsicherung und Wohnen Sie zu Bemühungen um angemessenen Wohnraum auffordert.
Allerdings könnten Sie sämtliche Umstände, die ein Verbleiben in der Wohnung erfordern, geltend machen und das Amt für Grundsicherung und Wohnen hätte dann in entsprechender Anwendung des § 29 Abs. 1 Satz 3 SGB XII zu prüfen, ob Ihnen ein Wohnungswechsel oder eine Senkung der Unterkunftskosten auf anderem Wege zuzumuten ist.
Ähnliches gilt für die Unterhaltsangelegenheit. Auch dies ist eine Rechtsfrage, die das Amt für Grundsicherung und Wohnen in eigener Zuständigkeit beantwortet. Soweit nach dortiger Auffassung ein Unterhaltsanspruch gegen Ihre vormalige Ehefrau weiteren Grundsicherungsleistungen entgegensteht, empfehle ich Ihnen, diese Unterhaltsangelegenheit nun möglichst kurzfristig zu klären.
2. Ihr Antrag auf Zahlung der Rentenbeiträge für das Jahr 2004 vom 23.11.2004 liegt hier vor. Ich habe nunmehr diesen Antrag der jetzt zuständigen Bearbeiterin zugeleitet. Dieser Antrag wird nun kurzfristig geprüft und Sie werden in Kürze darüber einen gesonderten Bescheid erhalten.
Ich hoffe, dass ich die von Ihnen mit Ihrem Schreiben vom 03.02.2005 aufgeworfenen Fragen erschöpfend beantworten konnte.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Die Antworten befriedigten mich nicht, dieser Irrlauf vom Jahresanfang wurde überhaupt nicht erwähnt und wahrscheinlich als normal betrachtet. Auf die Entscheidungen die das Sozialamt in der Vergangenheit getroffen hat, bezüglich Unterhalt und Wohnung, wurde überhaupt nicht eingegangen. Die müssen doch deine Akte Januar vernichtet haben, die wussten von nichts mehr, schoss es mir durch den Kopf. Sie sind nicht mehr zuständig für mich, so einfach ist eben.
Die Rentenproblematik wollte man aber klären, komisch hier auf einmal sahen sie Handlungsbedarf, verstehe die Welt wer will, mir fällt es immer schwerer, Hauptsache die Politiker können sich anerkennend auf die Schulter klopfen.
Da ich mit der Antwort völlig unzufrieden war und mir es wieder so vorkam, als ob jeder die Verantwortung weiter schiebt, wurde ich Mitte Februar beim Petitionsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses vorstellig. Mich empfing ein Mitglied der FDP – Faktion des Abgeordnetenhauses, er machte einen aufgeschlossenen Eindruck und ich konnte mein Anliegen vorbringen. Ich hatte alle Schreiben, Widersprüche und Unterlagen dabei, gab alles ab und einige Zeit später bekam ich vom Petitionsausschuss ein das mein Problem in Klärung ist. Wieder was auf den Weg gebracht dachte ich mir und ich staunte nicht schlecht, als ich vom Sozialamt Bescheid bekam, dass meine Rentenbeiträge für 2004 übernommen werden.
Diese wurden auch gleich vom Sozialamt an die LVA überwiesen, nun war das ausgestanden und ich konnte mit 60 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen. Der Kampf hat sich also gelohnt und ich muss hier immer wieder an Menschen denken, die, aus welchem Grund auch immer, nicht in der Lage sind, sich gegen Ämter und Behörden durchzusetzen. Es äußerst traurig wie es in dem Staat zugeht.
Nachdem die Geburtstagsfeier bei Mutter in Bautzen vorbei war, fuhr ich gleich wieder nach Berlin zurück, es war wie immer schön, aber ich blieb nur paar Tage. Meine Probleme mit dem Kopf und dem Ekzem belasteten mich schon, aber für zweimal Doppelkopf mit Mutter und Schwestern reichte es trotzdem und am folgenden Wochenende fand im Berliner ICC die 1.Offene Krebskonferenz statt und dort wollte ich natürlich teilnehmen. Konnte dort im letzten Jahr einen kostenlosen PSA – Test machen lassen.
Auf der Krebskonferenz bot ich mich, bei den Gründern der ›Gemeinnützigen Volker Karl Oehlrich – Gesellschaft e.V‹ an, im Krebskompass, eine Website die mehrfach als bestes deutschsprachiges Krebsinformations–Portal ausgezeichneten wurde, mitzuarbeiten, obwohl ich bald merkte, dass mir das Schreiben in Foren nicht wirklich Freude macht. Die ›selbst ernannten Experten‹ die sich dort tummeln sind nicht meine Welt.
Meine Augenprobleme aus dem letzten Jahr, diese massive Iritis, machten es notwendig öfters bei meiner Augenärztin vorstellig zu werden. Obwohl ich wieder ziemlich gut sehen kann, was sie immer wieder erstaunt, aber trotzdem erhielt ich eine neue Botschaft, sagte sie wirklich »in mir tickt eine Zeitbombe«. Ich sollte mich sofort, zu ihr oder in die Augenklinik begeben, wenn ich irgendetwas am Auge verspüre. Noch so eine massive Iritis könnte ich nicht verkraften. Das Schlimmste für mich wäre nicht mehr mit voller Kraft am PC zu schreiben.
Mitte März habe ich, da bisher keine Antwort auf den Widerspruch vom Grundsicherungsamt eingegangen ist, nicht einmal eine Bestätigung des Eingangs, eine Nachfrage gestartet. Es waren immerhin schon 1 ½ Monat vergangen.
Nachfrage zum Widerspruch und zur weiteren Verfahrensweise der Sicherung meines Lebensunterhaltes
Sehr geehrte Sachbearbeiter Herr .....,
leider habe ich auf meinen Widerspruch vom 03.02.05 bisher keine Antwort erhalten.
Ich möchte deshalb noch einmal Nachfragen, wie die weitere Verfahrensweise ist und hier folgende Punkte anführen.
1. Auf schriftliche Nachfrage beim Leiter des Sozialamtes wurden nun die restlichen Beiträge an meinen Rentenversicherungsträger gezahlt, so dass ich mit 60 Jahren ohne Abzüge in die ›Altersrente für schwer behinderte Menschen‹ gehen kann. Damit könnte ich dann einen Teil meinen Lebensunterhalt selbst bestreiten. Verwunderlich war für mich, dass sich hier das Sozialamt noch Zuständig fühlte.
2. In der Unterhaltsproblematik gegenüber meiner geschiedenen Ehefrau wurde offensichtlich nichts geklärt, obwohl mir hier die Rechtsstelle des Sozialamtes Bescheid über die weitere Verfahrensweise geben wollte, erwartungsgemäß erfolgte hier keine Information. Ich werde jetzt mit meinem Rechtsanwalt einen Termin vereinbaren. Er wird natürlich die Kostenfrage in den Vordergrund stellen, denn obwohl ich Prozesskostenhilfe beantragen kann, wird diese nur wirksam wenn die Unterhaltsklage Erfolg hat. Zur Klärung der Kosten wird er sich an das Grundsicherungsamt wenden und es müsste dann eine Entscheidung über Kostenübernahme erfolgen. Dass der Unterhalt nicht schon im Rahmen der Ehescheidung verhandelt werden konnte, liegt ja auch darin begründet, dass das Sozialamt die Klärung der Unterhaltsansprüche übernehmen wollte. Auch die bisher unternommenen Aktivitäten des Sozialamtes sprechen doch hier dagegen, dass nun die Arbeit noch einmal von meinem Rechtanwalt durchgeführt wird.
3. Zur Problematik, ›Suche von preislich vertretbaren Wohnraum‹ möchte ich auf mein Schreiben, welches sich in Ihren Unterlagen befindet, hinweisen. Da ich nicht in der Lage Tätigkeiten zu verrichten die im Rahmen eines Umzuges notwendig sind. Auch ist es mir nicht immer möglich meine Wohnung ohne Probleme zu verlassen und deshalb ist die Suche nach einer preislich vertretbaren Wohnung mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Als Anlage füge ich meinen aktuellen Bescheid vom Versorgungsamt über die Feststellung der Behinderung bei.
Ich würde Sie bitten mir mitzuteilen, welche Kosten das Grundsicherungsamt ab 01.07.05 übernehmen würde, falls ich nicht in der Lage bin mir preislich vertretbaren Wohnraum zu suchen.
4. Des Weiteren bitte ich Sie mich zu informieren, welche Anträge ich wo und wann stellen muss um ab 01.07.05 weiter Grundsicherung zu erhalten um nicht wieder solche Probleme wie am Jahresanfang zu bekommen.
5. Weiterhin möchte ich Sie informieren, dass ich mich mit meiner gesamten Problematik an den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses gewandt habe. Weil ich auch aufgrund meiner gesundheitlichen Gesamtsituation gegenwärtig nicht in der Lage bin mich ständig mit dieser Problematik zu befassen. Eigentlich war bis Ende 2004 alles geklärt und nur weil es hier im Bezirk einige Besonderheiten gibt, die ja dem Bürger dienen sollten, können doch gelöste Probleme nicht wieder als ungelöste auftauchen.
Am 23.03.2005 werde ich auch den Bezirksbürgermeister von Treptow Köpenick mit dieser Problematik konfrontieren, vielleicht kann er mir die Vorteile der Trennung der beiden Ämter erklären.
Mit freundlichen Grüßen
Henry Ullmann
In der Poststelle des Wohnungsamtes war nichts über einen Widerspruch bekannt, mich hat es nicht weiter interessiert und gab die Nachfrage ab. Ich dachte bei mir, einer wird sich schon melden, das halbe Darlehn – Jahr ist ja noch nicht zu Ende. Es dauerte, ich glaube nur zwei Tage und die Leiterin des Wohnungsamtes rief mich an um einen Termin zu vereinbaren. Natürlich standen die beiden Probleme; Wohnungsgröße und Unterhaltsverpflichtung im Vordergrund. Sie wollte mich aber auch persönlich kennen lernen, sagte sie jedenfalls.
Der Termin war am Gründonnerstag, ich dachte sofort an das letzte Silvester und hoffte nicht wieder problembeladene Feiertage verbringen zu müssen. Zum Termin bereitete ich mich entsprechend vor, die Leiterin war keine unsympathische Person und hörte mir erst einmal zu, dann brachte sie ihre Argumente vor.
Leider wird man nicht als Hundertprozentig – Schwerbehinderter – Erheblich – Gehbehinderter, sondern als ein Zuviel – Wohnraum – Besitzender Mensch gesehen.
Sie hatte auch schon eine Wohnung für mich freigehalten und würde alle Kosten übernehmen. Die Wohnung, zwei Zimmer 43 m², ist natürlich wesentlich kleiner als meine jetzige Wohnung und liegt noch unter der mir zuerkannten Wohnungsgröße von ca.50 m². Natürlich ist die Miete billiger, aber verglichen mit meiner jetzigen Wohnung liegt der Preis pro m² wesentlich höher.
Ich hatte allerdings auch nicht den Eindruck, dass ich ›Hals über Kopf‹ umziehen bzw. ausziehen muss. Zu diesem Problem, wollte sie nun alle ›Pro und Kontra‹ abwägen, d.h. die Kosten und den Nutzen, denn in reichlich drei Jahren bekomme ich Rente und ich erklärte mich auch bereit, den mir zustehenden Nachteilsausgleich von 58 Euro für die Kaltmiete aufzuwenden. Meine Wohnung kostet ca. 250 Euro Kaltmiete, plus 25 Euro Modernisierungskosten und zustehen tun mir 220 Euro. Wo genau die Modernisierungskosten angesiedelt sind muss ich noch feststellen, dann wenn sie mit in die Kaltmiete fallen würden, brauchten sie ja nicht als Extraposten aufgeführt werden.
Nun kam noch das zweite Problem, die Unterhaltsforderungen gegenüber meiner Ex – Ehefrau im Beamtenstatus. Ich brachte natürlich erst einmal mein Unverständnis zum Ausdruck, warum diese Angelegenheit nicht im Rahmen der Scheidung durchgesetzt wurde, der Vorsorgeausgleich wurde ja auch entschieden, dass war für sie auch nicht so richtig nachvollziehbar. Es hätte schon alles geklärt sein können und das Sozialamt / Grundsicherungsamt hätte das Geld bekommen. Auf die Frage, ob ich mich nun bei meinem Rechtsanwalt darum kümmern muss, sagte sie, »Das Sozialamt wird den Unterhalt für die Jahre 2002 bis 2004 einklagen und das Wohnungsamt ab 01.01.2005 Klage einreichen«, und ich hoffe es ist definitiv. Ich habe trotzdem ein ungutes Gefühl, denn meine Ex – Frau hat schon wieder von irgendwelchen ›Ländereien‹ , die in meinem Besitz sein sollen, auch gegenüber dem Sozialamt, gesprochen.
Die Leiterin des Wohnungsamtes ist mit mir so verblieben, dass ich mich nach dem Besuch beim HNO – Arzt in der Charité bei ihr melden soll. Zum Abschluss teilte ich ihr noch mit, dass ich mich mit der Problematik bereits an den Petitionsausschuss gewandt habe, daraufhin antwortete sie, dass sie damit kein Problem hat, ich aber auch nicht. Den Termin beim Bezirksbürgermeister habe ich erst einmal zurückgestellt und den Widerspruch natürlich aufrecht gehalten.
Jetzt hatte ich über Ostern Zeit mich mit der Problematik auseinanderzusetzen. Mir wurde sofort unwohl, wenn ich an den Umzug dachte, war ich doch in meiner Bewegung eingeschränkt, obwohl mir versprochen wurde alles zu machen, aber was ist alles und da kamen mir Bedenken. Sicherlich würde der Aus– und Einzug realisiert werden und auch die Übergabe der Wohnung, aber dann sitze ich in der neuen Wohnung, denn mit aus– und einräumen ist ja ein Umzug bekanntlich nicht getan. Davor hatte ich regelrecht Angst, dazu kommen ja auch noch die gesundheitlichen Probleme, die nicht nur mal so nebenbei zu lösen sind. Ich wolle aber auch erst den Termin in der HNO – Klinik abwarten. Ostern war zwar nicht ganz so traurig wie Silvester, aber doch schon etwas getrübt, da half auch kein ›Osterwasser‹ so richtig.
Deshalb gönnte ich mir etwas Kultur, ich hatte schon immer vom ›Jedermann‹ gehört und am Karlfreitag, war neben Bibelfilmen und andern Actionfilmen nix im Fernsehen zu finden, so kam mir die Idee die Aufführung des Stückes von Hugo von Hofmannsthal in 3Stat anzusehen. Es gibt ja viele Schauspieler die es als Königsdisziplin betrachten, einmal den ›Jedermann‹ zu spielen und davon wollte ich mich überzeugen. Die Aufführung war aus dem Jahre 2004 vom Salzburger Domplatz, mit Peter Simonischek als Jedermann, Tomas Moretti als Tod und Veronica Ferres als Buhlschaft, die Aufführung hat mir gut gefallen und nun ist mir auch klar, warum es schon etwas besonderes ist, ihn zu spielen und sicherlich auch eine Fleißarbeit, Dialoge und Monologe zu lernen. Denn viel improvisieren kann man nicht.
In Berlin soll es bald für Bedürftige, Theaterkarten für 3 Euro geben, Karten die übrig sind, ich finde es gut, nur kann ich mir es nicht vorstellen wie das ablaufen soll, eile ich dann von Theater zu Theater und frage nach ob noch Karten übrig sind? Vielleicht nehme ich das einmal wahr, wenn ich meine Probleme im Griff habe.
Der Monat März war vergangen und der neue Termin in der HNO – Klinik stand an, wieder eine neue Ärztin, aber ich fand sie ganz gut, sie wollte an eine Operation nicht so richtig ran, fragte noch einmal nach den Symptomen und brachte auch zu Ausdruck, dass die Operation keine Garantie dafür ist, dass meine Kopfschmerzen und die Kopfgeräusche (Pfeifkessel) weggehen. Ich musste zum Riechtest und zum Nasenatmungstest (den Namen habe ich erfunden) der Riechtest war in Ordnung, aber bei der Nasenluft gab es Probleme, ich merkte da schon, dass es schwer ging.
Die Ärztin hatte inzwischen mit dem Oberarzt gesprochen und man machte mir den Vorschlag vorerst nur eine Laseroperation vorzunehmen. Damit war ich einverstanden, obwohl auch sie mit Risiko verbunden. Im Prinzip geht es darum eine bessere Belüftung der Nasennebenhöhle zu erreichen und damit die Symptome zu beseitigen.
Diese Operation findet am 2. Mai statt, einen Tag nach Sonjas 50. Geburtstag, nach kurzer Überlegung beschloss ich trotzdem die 500 Kilometer auf mich zu nehmen, sie hat es ganz einfach verdient, dass ich dabei bin.
Nun musste ich noch die Remicadetherapie koordinieren, denn sie sollte am 4. Mai sein und ich ahnte schon, dass der Abstand zwischen Operation und Therapie zu kurz ist. Also ging ich zur Rheumaklinik und legte mein Problem dar, sie sahen es ebenfalls so und zogen die Therapie um drei Wochen vor.
Da ich gerade in der Charité war, ging ich gleich noch zur Strahlenklinik, vorbei am CLINAC 3 dem Strahlenbunker, um mir einen Termin für die jährliche Kontrolluntersuchung zu holen. Danach besuchte ich noch die Tagesstation, es gibt immer noch Schwestern, die ich kenne, ob sie mich noch kennen kann ich nicht genau sagen. Aber ich bin dort vor ca. 4 ½ Jahren für 6 Wochen ein– und ausgegangen und war dankbar für jedes freundliche Wort. Sie freuen sich immer wenn sie Menschen sehen die es geschafft (hoffentlich) haben. Trotzdem beschleicht mich auch ein bedrückendes Gefühl, wenn ich diese Einrichtung besuche, es waren die dunkelsten Monate in meinem Leben, durch die ich mich wieder ans Licht wühlen musste und diese Erfahrungen, die ich während dieser Zeit sammelte, haben mich geprägt. Manche sagen ich bin ein ganz anderer Mensch geworden. Auch lasse ich mir durch keine Amt oder Behörde das wieder kaputt machen. Die können mir allenfalls paar Lebensmonate klauen, so bezeichne ich diese Zeit, in der ich mich immer wieder mit irgendwelchen Problemen herumschlagen muss, so wie jetzt, denn jeder Monat in dem ich mich nicht um mich kümmern kann ist geklaut. Dazu hat niemand das Recht und der Staat gleich gar nicht.
Wie versprochen habe ich mich nach dem Termin in der HNO Klinik bei der Leiterin des Wohnungsamtes, mit folgender e – Mail gemeldet:
Sehr geehrte Frau ......
Wie in unserem Gespräch vom 25.03.05 vereinbart meine Mitteilung.
Der gestrige Termin in der Charité ergab, dass am 02.05.05 einen Laser Operation durchgeführt wird über weitere Maßnahmen wird danach entschieden. In Zusammenhang mit dieser Operation muss die Infusionstherapie in der Charité, die ich wegen einer anderen Erkrankung bekomme, vorgezogen werden, sie erfolgt am 12.05.05. Da diese Infusion eine erheblich Schwächung des Immunsystems zur Folge hat, sehe ich mich nicht in der Lage einen Umzug, trotz Ihrer Hilfe, durchzuführen.
Ein kürzlich diagnostiziertes mehrfaches Hautekzem belastet mich nun noch zusätzlich. Ich möchte Ihnen aber hier nicht alle meine gesundheitlichen Probleme aufzeigen.
Einer Klärung der Umzugsfähigkeit durch den zuständigen Amtsarzt würde ich natürlich zustimmen. Trotzdem habe ich mir vorab die Wegstrecke zur mir angebotenen Wohnung angesehen, der Weg bis zum S – Bahnhof Grünbergallee ist wesentlich länger als von meiner jetzigen Wohnung, ich brauchte ca. 15 – 20 Minuten bis zum Bahnhof, jetzt gerade einmal 5 Minuten.
Da ich wöchentlich mindestens zwei Arzttermine wahrnehmen muss, – Krebsnachsorge in der Charité und im Krankenhaus Lichtenberg – Behandlung des Morbus Bechterew in der Charité, um nur die Wichtigsten zu nennen, stellt der Weg für mich eine erhebliche Belastung dar.
Als Anlage schicke ich Ihnen deshalb die Beurteilung der Charité mit, die auch die Grundlage für das Merkzeichen ›G‹ beim Versorgungsamt bildet.
Ich möchte Sie deshalb bitten, den Sachverhalt noch einmal zu prüfen. Ich bin auch bereit, geringere Leistungen hinsichtlich der Wohnkosten, in Kauf zu nehmen. Zur Deckung der Wohnkosten, könnte ich zum Beispiel den Nachteilsausgleich, den ich auf die Schwerbehinderung bekomme, für die Begleichung der Grundmiete verwenden.
Mit freundlichen Grüßen
Henry Ullmann
Ihre Antwort lautete kurz;
Sehr geehrter Herr Ullmann,
herzlichen Dank für Ihre Information.
Meine Widerspruchsstelle wird nunmehr umgehend Ihren Widerspruch prüfen.
Mit freundlichen Grüßen
War die kurze Antwort nun ein positives Zeichen oder wie ist sie zu werten, auf alle Fälle heißt es für mich wieder warten, zum Zeichen meines äußerlichen Protestes bepflanze ich meine Blumenkästen auf dem Balkon nicht.
Nebenbei musste ich noch paar andere Probleme bewältigen, der Termin der Remicadetherapie wurde vorgezogen, damit zur Laseroperation das Immunsystem nicht geschwächt ist und fand schon Mitte April statt. Ich wusste, dass meine Ärztin rotiert, d.h. sie qualifiziert sich in einem anderen Bereich der Charité und kommt im halben Jahr zurück. Einige Ärzte kenne ich schon gut, die Frau Dr. Strangfeld auch, sie wird mich die nächste Zeit betreuen, eine sehr gründliche und dazu noch hübsche Ärztin, zu der ich sofort Kontakt fand. Ich merke es sofort, an den Fragen, die mir gestellt werden, ob die Ärzte meine Akte gelesen haben oder nicht, sie hatte. über diese Station gibt meinerseits sowieso keine Beschwerden, trotz aller Hektik, die manchmal herrscht, immer nette und freundliche Schwestern, die meisten Ärzte auch.
Ein Problem bereitete der Ärztin die Hautekzeme und sie überlegt nun, ob ich nun meine jetzige Anti–TNFα – Therapie mit Remicade, auf Etanercept umgestellt werde soll, dass hängt vom Hand – Fuß – Ekzem ab. Das Etanercept hätte ich mir nach kurzer Einweisungszeit selbst spritzen müssen.
Ich überlegte ernsthaft, ob mir ein neuerlicher dreiwöchentlicher Aufenthalt in der Tagesklinik der Rheumastation nicht gut tun würde, da könnte die Sache mit dem Etanercept gleich geregelt werden. Mit Frau Dr. Strangfeld führte ich darüber ein Gespräch, klar, es ist natürlich jederzeit möglich, nur solle ich erst einmal die Laseroperation durchführen lassen. Mir hat Aufenthalt vor drei Jahren sehr gut getan, Anwendungen von 09.00 bis 15.00 Uhr, Bäder, Wassergymnastik, Massagen und vieles mehr.
Das Gespräch bei der Ärztin mit Untersuchung hat wieder fast eine Stunde gedauert. Dann gab es wieder Probleme mit der Infusion, d.h. die Nadel wollte nicht in die Vene, aber schließlich klappte es doch. Jetzt hatte ich zwei Stunden Zeit, in der die Infusion in die Vene tropfte. Nutzen konnte ich diese Zeit um wieder Englisch zu lernen, aber es wurde mir langweilig und ich verstellte das Rädchen, was für die Tropfgeschwindigkeit zuständig ist, auf einen schnelleren Rhythmus. Das hätte ich mir vor Jahren niemals getraut, daran zu drehen, im Gegenteil ich betrachtete das ›Schauglas‹ immer mit Andacht.
Nebenwirkungen habe ich in der Regel keine, etwas müde vielleicht, aber sonst ist es in Ordnung.
Der nächste Termin ist für Anfang Juni festgelegt. Ich bat noch um eine Kopie der Laborwerte und war erstaunt, super Werte, alle lagen sie im Normbereich.
Mit meiner Rheumatologin vereinbarte ich schon vor einiger Zeit, dass
sie mir einen Arztbrief, über meinen derzeitigen Gesundheitszustand unter
der Remicadetherapie in der rheumatologischen Spezialsprechstunde schreibt,
obwohl sie nicht mehr da war, traf ich sie trotzdem dort an und sie sagte
gleich, »Ich habe ihn im Kopf!« Ich wollte diesen Brief auch bei
einer eventuellen Vorstellung beim Amtsarzt vorlegen, damit er meinen Zustand
und damit die Umzugsfähigkeit beurteilen konnte. Nach einer Woche war
der Brief da.
Arztbrief der Charité vom 15.04.2005
CHARITÁ – UNIVERSITÄTSMEDIZIN BERLIN
Medizinische Klinik
Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie,
Prof. Dr. med. Burmester.
Klinikdirektor
Rheumatologische Spezialsprechstunde
– Neue Therapien –
An den mitbehandelnden Arzt/Ärztin
Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege, wir berichten Ihnen über den Patienten Henry Ullmann, geb. 27.12.1948, der sich in unserer rheumatologischen Spezialsprechstunde in Behandlung befindet und sich am 12.04.2005 zur Therapiefortführung vorstellte.
Diagnose:
Spondylitis ankylosans mit peripherer Beteiligung (rez. Iridozyklitiden; ED 2001)
Z.n. Anteriore Resektion eines Adenokarzinoms des Rektums (07/2000)
Diabetes mellitus
Periphere Polyneuropathie
Aktueller klinischer Befund:
Kardiopulmonal, Nierenlager und Abdomen unauffällig, keine Infektionszeichen. Kein Wirbelsäulenklopfschmerz, NAP frei. Auge: Injektionen links > rechts (It. Patient wurde durch die Augenärztin einer erhöhter Augeninnendruck gemessen); Hand–Fuß–Syndrom in Abheilung.
Zusammenfassender Bericht:
Herr Ullmann erhält seit dem 24.08.2004 infolge der sehr hohen Krankheitsaktivität des bekannten Morbus Bechterews mit rezidivierenden Iridozyklitiden eine Behandlung mit dem anti–TNFalpha Blocker Infliximab. Aufgrund eines kalkdichten Herdes im rechten Oberlappen und einen positiven PPD–Testergebnisses verabreichten wir zur Tuberkuloseprophylaxe eine Therapie zunächst mit Isozid, die wir dann infolge von Unverträglichkeiten (Diarrhoen) auf Rifampicin umstellten. Herr Ullmann wurde hinsichtlich des erhöhten Risikos eines Tumorrezidivs bei anamnestisch eruierbaren Rektumkarzinom mit Resektion ausführlichst aufgeklärt. Ein regelmäßiges Staging wird bei dem Patienten durchgeführt. Die Behandlung mit Infliximab erbrachte eine deutliche Besserung der Bechterew – Symptomatik.
Im Dezember 2004 klagte der Patient über zunehmende frontale Kopfschmerzen,
die fast täglich auftraten. Wir veranlassten zunächst eine Röntgenaufnahme
der Nasennebenhöhlen zum Ausschluss einer Sinusitis. Da hier der Verdacht
auf eine Spiegelbildung geäußert wurde, führten wir zusätzlich
eine kranielle Computertomographie durch. Hier stellte sich der Verdacht auf
eine ossäre Metastasierung und zeigten sich Zeichen einer chronischen
Sinusitis sphenoidalis. Zur Verifizierung wurde ein MRT des Kopfes durchgeführt.
Hier bestätigte sich der Verdacht der Metastasierung nicht. Zur Behandlung
der chronischen Sinusitis überwiesen wir Herrn Ullmann in die HNO–ärztliche
Mitbehandlung. Gegen eine Weiterbehandlung mit Infliximab wurde von den HNO–Ärzten
keine Kontraindikation gestellt. Allerdings empfahlen sie dem Patienten eine
operative Sanierung der Sinusitis als mögliche Ursache der persistierenden
Kopfschmerzen. Die Operation ist im Mai 2005 geplant.
Im Januar 2005 zeigten sich bei Herrn Ullmann ein kleinfleckiges Exanthem im Bereich des Körperstammes und eine Blasenbildung im Bereich der Hände und Füße im Sinne eines Hand – Fuß–Syndroms. Wir stellten Herr Ullmann unseren Dermatologen unter der Frage einer medikamenten–toxischen Reaktion unter Infliximab vor. Diese wurde von Dr. Lee primär ausgeschlossen. Ein endgültiges differenzialdiagnostisches histologisches Ergebnis steht allerdings noch aus. Wir verabreichten Herrn Ullmann am 12.04.2005 erneut 400 mg Infliximab. Bei erneuter Progredienz des Hand–Fuß–Ekzemes sollte eine Umstellung der anti–TNFα –Therapie auf Etanercept diskutiert werden.
Mit freundlichen Grüßen
Sogar vom Klinikdirektor Prof. Dr. med. Burmester abgezeichnet, vielleicht einmal ein Trumpf in meiner Hand, ich freute mich.
Meinen turnusmäßigen Besuch beim Hausarzt absolvierte ich ebenfalls, brauchte vor allem wieder Überweisungen für alle mögliche Ärzte. Die Vorstellung beim Doktor verlief wie immer im kumpelhaften, ja fast im scherzhaften Ton, obwohl ich mit ihm im vergangenen Jahr bald eine Auseinandersetzung hatte. Als meine Ex – Frau im Rahmen der Scheidung behauptete, ich sei ein ›Trinker‹ und zur Bestätigung unseren Hausarzt nannte, zu dem sie übrigens nicht mehr geht, stellte ich ihn zur Rede. Er konnte natürlich den Sachverhalt nicht bestätigen, aber da er auch ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Frau hat und sie als Beamtin ja Privatpatientin ist, war ich mir nicht so sicher was da abgelaufen ist. Er berief sich damals auf seine ärztliche Schweigepflicht und sagte solche Äußerungen keinesfalls gemacht zu haben. Trotzdem kam mir einiges komisch vor und ich verspürte eine leichte Unsicherheit bei ihm, kann mich aber auch täuschen. Jedenfalls meinte er letztendlich; »Wenn Deine Frau so etwas behauptet, muss sie es auch beweisen können!« ,diesen solle ich über meinen Rechtsanwalt einfordern. Da ich aber keinen Grund sah und der Herr Richter auch nicht, mich zu rechtfertigen blieb es im Raum stehen. Eine der vielen Unwahrheiten die immer wieder vor Gericht von meiner Ex – Frau behauptet worden sind.
Ich legte jedenfalls meinem Doktor die Laborwerte vor und er las sie aufmerksam, auch den Leberwert und ich fragte ihn ketzerisch, »Sind die beim Trinker so üblich«. Er war sofort im Bilde und meinte, »Na ja, im früheren Leben waren wir doch alle mal Trinker!«, vielleicht meinte er ja die Muttermilch.
Zum Thema Amtsarzt fragte ihn, ob er bereit ist über meinen Gesundheitszustand Auskunft zu geben, er sagte sofort zu, darauf kann ich mich verlassen. Ich muss es wieder betonen, ich bin froh so ein sehr gutes Verhältnis zum Hausarzt zu haben, es macht einiges leichter und er hat mir auch schon oft geholfen.
Ich nahm mir vor, eine Video – CD anzufertigen und zwar zum 50. Geburtstag meiner Schwester Sonja, sie hat auch so ihrer Höhen und Tiefen im Leben durch, drei Kinder erziehungsmäßig fast alleine durchgebracht. Ihr Mann hat sich erst scheiden, eine andere Frau geheiratet und dann ist er gestorben. ›Gott hab ihn selig‹ ist in unserer Familie das geflügelte Wort für ihn.
Ich kenne noch den Arbeitsaufwand von der Klassentreffen – CD, die Zeit wurde langsam knapp, aber mir fehlte der Trieb anzufangen. Die ganze ungeklärte Situation lähmte mich. Trotzdem fing ich an alle verfügbaren Bilder einzuscannen, der Rest ergibt sich dann schon. Dieses Mal wollte ich eine verbesserte Qualität verwenden, mit Musikunterlegung, eine Supervideo – CD sollte es werden. Nur ging das Material nach dem Rändern nicht auf eine CD und einen DVD – Brenner habe ich nicht (noch nicht). Mir blieb nichts anderes übrig, ich musste sie teilen, mein Rechenknecht trieb mir die Tränen in die Augen, nach jedem zweiten eingefügten Bildübergang stürzte das Programm ab. In diesem Dilemma bekam ich einen Anruf in der Vormittagszeit, eigentlich eine Zeit wo kaum private Anrufe kommen und meine Mail an das Wohnungsamt war auch schon 14 Tage alt, es könnte ja schon ein Ergebnis sein.
Es war eine männliche Stimme die, vom Onkologischen Forum , er meinte ob ich sitze, ich hätte gewonnen. Am Telefon gewinnt man ja öfters einmal, oder es gibt eine Befragung zu den Trinkgewohnheiten; »Welchen Wein trinken Sie, rot oder weiß, trocken oder lieblich«?, meine Antwort ist immer die gleiche, »Rot und Trocken« und die freundliche Stimme sagt regelmäßig, man wird sich bei mir noch einmal melden um mir ein Präsent zukommen zu lassen. Man meldet sich auch, natürlich wollen sie vorbeikommen um es mir persönlich zu überreichen, weil sie gerade in meiner Nähe sind und so weiter und so weiter.
Da ich ein freundlicher Mensch bin, den Leuten das Treppensteigen mit Staubsaugern, Weinkisten und anderen Hausrat, ersparen will, mache ich auf meine Situation aufmerksam. Regelmäßig wird mir dann versprochen, das Präsent wird mir zugeschickt, angekommen ist noch nie eins.
Aber zurück zum Anruf, ich habe eine Reise für zwei Personen zum Kongress der DGHO gewonnen, später habe ich mich erst einmal im Internet kundig gemacht, es ist die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, die ihren Kongress in Hannover abhält.
Ich musste überlegen, gewonnen ich und wieso, ja es stimmt ich hatte mich als Mitglied im Forum registrieren lassen und auch paar Beiträge geschrieben. Unter diesen wurde einer gezogen, ich habe es glaube auf der Krebskonferenz in Berlin gelesen, na prima ist doch einmal etwas Positives. Nun musste ich nur noch die zweite Person auftreiben, aber es ist noch bis Ende September Zeit, vielleicht findet sich bis dahin noch jemand. Ich fahre zum ersten Mal in meinem, nun doch schon betagten Leben, mit dem ICE von Berlin nach Hannover und zurück, ohne Krebs wäre mir das nicht passiert und somit hat jede Krankheit auch etwas Gutes.
Am Sonntag hatte ich vor das Frühlingsfest in Köpenick zu besuchen, vielleicht treffe ich ja meinen Bürgermeister, dem konnte ich dann gleich berichten was mich so bedrückt. Aber es war nicht mehr notwendig, denn am letzten Aprilsonntag passierte für mich etwas sehr Positives, ein sehr kraftraubender Kampfabschnitt ging nach gut 4 Monaten zu Ende.
Eigentlich kommt ja am Sonntag keine Post und die vom Sonnabend holte ich am Nachmittag aus dem Briefkasten, keine Rechnung sondern, es war ein Brief ausgetragen von der PIN AG. Ein Brief vom Bezirksamt Treptow – Köpenick Amt für Grundsicherung und Wohnen drin.
Mein Herz begann sofort heftig zu schlagen und die Hände zitterten. Die Briefe der Ämter werden durch diese private Firma versandt und die tragen die Briefe auch noch aus, wenn die Post schon lange schläft.
Völlig außer Atem in der Wohnung angekommen, versuchte ich den Brief zu öffnen, es konnte eigentlich nur die Ablehnung meines Widerspruchs sein, oder die Anerkennung. Das Raten nützt hier nicht, also zog ich den Brief vorsichtig aus dem Umschlag und las die Überschrift; ABHILFEBESCHEID
über die Gewährung von laufenden Leistungen nach dem vierten Kapitel SGB XII ; damit konnte ich überhaupt gar nichts anfangen, las weiter und begriff es langsam, meinem Widerspruch wird inhaltlich voll entsprochen. Ich bekomme jetzt erst einmal bis 30.04.2006 Grundsicherungsleistungen.
Die Begründung lautet;
Im Widerspruchsverfahren wurde geprüft, ob es Ihnen zuzumuten ist, einen Wohnungswechsel vorzunehmen. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass es Ihr Gesundheitszustand nicht zulässt, Ihnen die Strapazen einen Umzuges und den damit verbundenen bürokratischen Prozesse zuzumuten.
Die Kosten der Unterkunft werden in voller Höhe berücksichtigt.
In Fettschrift steht am Ende
Ich wünsche Ihnen gesundheitlich Alles Gute und bedaure sehr, dass Sie mit unserer Prüfung der Aktenlage sehr belastet wurden.
Ich war ja alleine und konnte meinen Emotionen freien Lauf lassen, ich meine die Tränen und habe mich besonders über den letzten Satz gefreut, der ja etwas Menschliches innehat.
Vom Unterhalt gegenüber meiner Ex – Frau konnte ich nichts lesen, da verhalte ich mich erst einmal ruhig.
Man sieht es immer wieder, wer nicht kämpft hat schon im Ansatz verloren, ich werde dem Amt auch noch ein paar dankende Worte zukommen lassen, ein weiter Abschnitt in meinem neuen Leben ist geendet und zwar positiv.
Mein Leitspruch "Hoffnung ist eine gute Sache und gute Dinge können nicht sterben" hat sich wieder einmal bewahrheitet.
Also Köpenick fällt aus, ich schnappte meine Pfeife samt Tabak, sonst ist ja niemand da zum Schnappen und fuhr in Richtung Stadtzentrum. In der S – Bahn sitzend überlegte ich, was ich mir gönne und beschloss auf den höchsten Punkt Berlins zu gehen. Auf den Fernsehturm ins Telecafé, immerhin 207 Meter hoch, ein Bauwerk aus DDR – Zeiten, wo man bisher noch kein Asbest gefunden hat und auch sonst nix zu meckern hat. Das Café dreht sich innerhalb von einer halben Stunde um 360 Grad und man hat eine herrliche Sicht über Berlin. Früher dauerte die Drehung eine Stunde. Ich trank einen Kaffee und ein Glas Sekt, freute mich und erinnerte mich, dass ich hier vor über 35 Jahren gemeinsam mit anderen Leuten, ich glaube es waren 400 die so genannte Belastungsprobe mitgemacht habe.
Was wohl als nächstes folgen wird, das Jahr war ja noch lang. Ganz sicher gebe ich nun meinen Protest auf und bepflanze die Balkonkästen.
Den letzten Donnerstag im April fuhr ich
nach Bautzen zu meiner Mutter, die Fahrt ca. 230 Km verlief ohne Probleme,
ich habe immer ein ungutes Gefühl bei der Fahrt, als ob etwas mit
dem Auto passieren könnte, denn ich glaube es ist ein ›Montagsauto‹ und
vermutlich nicht in Deutschland zusammengebaut, aber es ging alles gut.
Oder fährt etwa meine Ex – Frau als ›Racheengel‹ irgendwo
versteckt. Angekommen, musste ich erst einmal berichten was sich so alles
in den letzten Wochen ereignet hat und da meine Schwester Evelyn noch zu
tun hatte mit der Geburtstagszeitung, verbrachte ich den Rest des Tages
und den Abend mit meiner Mutter alleine. Ich war froh die Super Video – CD's
im Handgepäck zu haben. Aber bei Evelyn ist es Methode, ihre Zeitungen
und Texte sind bei Geburtstagen beliebt und obligatorisch, aber sie werden
immer erst kurz vor der Feier fertig und bereiten ihr oftmals schlaflose
Nächte.
Am Freitag fand unser traditioneller ›Doppelkopf‹ statt und ich war wieder einmal der Verlierer, aber es war nicht so schlimm, anschließend gaben wir das eingespielte Geld in der nahe liegenden Gaststätte in Rabitz ›Zur Goldenen Höhe‹ aus. Jeder konnte essen und trinken was er wollte, ein schöner Tag. Es ist das Geld von mehreren Monaten Spiel, sieben Mitspielern und einem nur Einzahler. Da nie alle da sind, muss Sonja hier die Kontrolle behalten, wer wann mit wem gegessen hat, damit keiner zu kurz kommt, vor allem ICH.
Am Sonnabend, dem letzten Tag im April, findet immer das traditionelle Hexenbrennen statt, was mich an meine Kindheit und frühe Jugend erinnert.
Mit dem Hexenbrennen wird der Winter endgültig vertrieben, es werden auf Scheiterhaufen aus Stroh gebastelte Hexen verbrannt, heute ein eher kommerzielles Volksfest. Früher, ein kultiges Fest, die Reisighaufen wurden schon Wochen vorher zusammengetragen und von der Dorfjugend bewacht, damals hatte jedes Dorf einen Haufen. Als beschämend für das ganze Dorf galt, wenn dieser Haufen vorher von fremden Dörflern angezündet wurde, deshalb stellten wir Wachen auf und schickten Trupps in anderer Dörfer um deren Haufen vorher anzuzünden.
Heute wird dieses Fest, eher im Garten in familiärer Runde, bei Bier und Grill gefeiert und meine Familie machte es ebenso, wieder ein schöner Tag, deshalb fahre ich auch gern nach Bautzen. Schade, dass mein Vater nicht mehr lebt, denn jetzt wo die einstige ›Giftspritze‹ weg ist, sind die Feiern irgendwie besser, ich erfahre eine ganz andere Achtung innerhalb meiner Familie, das ist wie Goldstaub auf meiner Seele. Ich kann heute behaupten, dass ich deshalb meine Ex – Frau in keiner Weise vermisse. Ich glaube sie hat kein Bild in meiner Seele hinterlassen. Manchmal wünsche ich mir schon eine neue Partnerin, mit der ich gemeinsam etwas unternehmen könnte, aber es geht auch so.
Der 50. Geburtstag meiner Schwester fand in familiärer Runde statt,
wir trafen uns alle in ihrer Wohnung, auf ein Glas Sekt. Ich hatte die
Möglichkeit die Video – CD's zu überreichen, Sonja freute
sich sehr. Die erste sahen wir uns noch an, dann war die Zeit weg. Ich
landete meinen Überraschungscup und die Emotionen schlugen hoch. Da
ist es dann bis zu Tränen auch nicht weit, aber ich finde es nicht
schlecht, wenn man seinen Gefühlen freien Lauf lassen kann. Die Feier
fand in der Gaststätte ›Spreetal‹ in
Grubschütz statt, nach dem Kaffeetrinken fuhr ich zurück nach
Berlin und ich war froh, dass ich trotz der morgigen Operation bei Sonja
war.
Am Montag musste ich schon etwas früher aufstehen und das ist auch ein Problem bei mir, bevor ich den Bechterew besiegt und meinen angeschlagenen Darm beruhigt habe brauche ich so meine Zeit, besonders der Darm nimmt mir jede Ungewöhnlichkeit übel, aber es ging alles gut und ich war pünktlich um 8.30 Uhr in der Charité. Die HNO Klinik kannte ich, aber den Raum für die Laseroperation fand ich erst wieder nach mehrmaligem Anlauf. Ein netter und auch fachkundiger Arzt, wie sich bei der Laserbehandlung rausstellte begrüßte mich freundlich. Die Nase betäubte er örtlich, aber nicht mit einem Schlag, sondern mit einer Lösung, nennt sich Oberflächenanästhesie, dazu wurde mir in jedes Nasenloch ein getränkter Tampon gesteckt, danach musste ich ca. 10 Minuten warten und schon war die Nase nicht mehr zu spüren. Mir wurde schon ganz komisch, als ich dieses ›Engelshemd‹ drüber ziehen musste, aber es wurde nicht so schlimm, ich bekam noch eine Schutzbrille auf und dann ging es los.
Die Lasermuschelkaustik wird endoskopisch durchgeführt, also nix für zittrige Hände, aber der Arzt war ruhig und erfahren, er überwachte die gesamte Operation am Monitor, kontrollierte ständig und machte auch mal eine kleine Pause. Man merkt eigentlich nicht viel, die Schmerzen, wenn überhaupt sind auszuhalten, es riecht wie beim Grillen und es qualmt aus der Nase. Nach einer halben Stunde war ich fertig und die Nase blutete ein wenig. Nun konnte ich nur hoffen, dass die Geräusche und Kopfschmerzen verschwanden. Zur Nachkontrolle wurde ich nach einem Monat wiederbestellt. Danach ging ich gemütlich Frühstücken, da ich ja nüchtern erscheinen sollte und schickte ein SMS nach Österreich. Wieder etwas geschafft!
Einige Tage später lag einen Brief vom Abgeordnetenhaus von Berlin im Briefkasten, der hoffentlich einen endgültigen Schlusspunkt unter meine verlorenen Monate setzen wird.
Abgeordnetenhaus B E R L i N
Der Vorsitzende des Petitionsausschusses
Abgeordnetenhaus von Berlin
Sehr geehrter Herr Ullmann,
die Mitglieder des Petitionsausschusses des Abgeordnetenhauses von Berlin haben Ihre Eingabe beraten. Das Sozialamt Treptow–Köpenick hat über Ihren Antrag auf Übernahme der Rentenversicherungsbeiträge für das Jahr 2004 am 14. Februar 2005 entschieden und die Beiträge überwiesen.
Das Amt für Grundsicherung und Wohnen hat Ihnen mit Bescheid vom 18. April 2005 Grundsicherungsleistungen nach dem SGB XII für die Zeit vom 1. Januar 2005 bis 30. April 2006 bewilligt. Die Kosten der von Ihnen bewohnten Wohnung wurden dabei in voller Höhe berücksichtigt. Ein Wohnungswechsel wird von Ihnen nicht verlangt.
Ihre (an das Sozial– bzw. Grundsicherungsamt übergegangenen) etwaigen Unterhaltsansprüche gegen Ihre getrennt lebende Ehefrau müssen Sie nicht selbst verfolgen. Das Grundsicherungsamt macht diese direkt geltend. Zu diesem Zweck ist inzwischen vor dem Familiengericht Tempelhof–Kreuzberg ein Rechtsstreit anhängig.
Wir freuen uns, dass Ihren Anliegen damit entsprochen wurde, und haben die Bearbeitung Ihrer Eingabe mit diesem Schreiben abgeschlossen.
Mit freundlichen Grüßen
Vielleicht ist nun für paar Jahre alles geklärt, zumindest habe ich genügen Schriftstücke in der Hand, wenn wieder einmal die Akte ›versenkt‹ wurde.
Himmelfahrt 2005, im Fernsehen gab es das Konzert mit Shania Twain in Chicago, was ich damals, Silvester 2004 schon gesehen habe, aber es nicht so richtig genießen konnte, weil ich vor fast unlöslichen Problemen stand, nun waren sie gelöst und ich konnte wieder einmal Stolz auf mich sein, meine Beharrlichkeit hatte sich ausgezahlt.
Jetzt sollte zumindest bis April 2006 Ruhe einziehen und ich konnte mich anderen Aufgaben widmen und da gab es eine Menge zu tun. Einiges war natürlich auch von meiner Gesundheit abhängig. Ich wohnte nun schon 7 Jahre in der Wohnung und eigentlich ist sie nie richtig fertig geworden, damals zum Umzug musste alles schnell gehen, damit meine Ex – Frau in 10 Minuten auf der Arbeit war. Ich hatte innerhalb kürzester Zeit zwei Wohnungen zu renovieren, die alte und die neue und zwischendurch musste ich auch noch Geld auf der ›Straße‹ verdienen und dafür wurde ich dann während der Scheidung als ›trinkender fauler Hund‹ betitelt, aber so ist das Leben, na gut. Erfahrungen sind eben dazu da um sie zu machen.
Jetzt hatte ich wieder Lust etwas zu tun, ich wollte auch den Sommer genießen auf Balkon und im Freien, Pläne habe ich schon. Urlaub will ich auch machen, gemeinsam mit meiner Mutter und meiner Schwester, wir wollten nach Holland fahren, zu Dritt, erschwinglich auch für mich. Eigentlich sollte die Reise schon im vergangenen stattfinden, aber die Iritis im letzten Jahr hatte mir ja einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht.
An die Iritis erinnert sich meine Augenärztin auch immer ›gern‹ und sie meinte beim letzten Besuch im Mai zu mir, in ihrer langjährigen Praxis hat sie erst zwei Patienten mit solch einer massiven Iritis erlebt und in ein Krankenhaus zur weiteren Behandlung überwiesen, einer davon ist dann auf einem Auge erblindet und der andere bin ich gewesen. Sie war auch erfreut darüber, dass meine Sehkraft fast so gut ist wie vorher war und der Augeninnendruck sich im Normbereich bewegte. Keine Hiobsbotschaft und auch momentan keine ›tickende Zeitbombe‹ .
Mitte des Monats bekam ich vom Onkologischen Forum die schriftliche Einladung zum Patiententag des DGHO – Kongress in Hannover zugesandt.
Nun hatte ich nur noch das Problem die zweite mitreisende Person zu finden, aber auch allein nehme ich natürlich teil, denn es gibt mir immer wieder die Möglichkeit mich zu informieren und Kontakte zu knüpfen.
Im Monat Juni stehen wieder paar Termine an, bei denen es sich aber nur um meine Gesundheit dreht und es geht gleich mit der Nachkontrolle zur Nasenlaseroperation los.
Die vier Wochen waren vorbei und ich befand mich wieder vor dem Raum in der Charité, wo Rhinologie und Allergologie darüber stand und über der Tür die Signaltafel ›Laser‹ , die aber nicht leuchtete. An die Tür sollte man nicht klopfen stand daran, aber nach einer halben Stunde tat sich nichts und ich fragte noch einmal bei der Anmeldung nach. Die Antwort war nicht so sehr freundlich, es klang so wie, ich sollte mich gefälligst gedulden.
Der Arzt der mich operiert hatte lief an mir vorbei und mir entglitt der Satz, »Ach hier ist er!«, aber er nahm keine Notiz von mir, ich ging wieder zu der besagten Tür und wartete. Dann erschien der Arzt und er tat so als ob ich nicht da bin, blätterte geistesabwesend in meiner Akte, die im dafür vorgesehenen Fach lag. Er wartete ebenfalls vor der Tür, weil sie verschlossen war. Nach Anruf kam die Schwester und beide verschwanden im Zimmer, ich wartete immer noch, dann wurde ich aufgerufen und der Doktor erklärte mir, was er vor hat und fragte mich welche Art meine Probleme sind. Verwundert machte ich ihm darauf aufmerksam, das ich schon vor einem Monat operiert worden bin und ich heute nur einen Termin zur Nachkontrolle habe. Wieder begann er meine Akte zu durchsuchen, fand aber keinen Vermerk über die Operation und er sagte, »Aber nicht von mir!« ich antwortete; »Natürlich von Ihnen!«. Fakt war also der Operationsbericht war nicht in der Akte, obwohl ich einen Durchschlag erhalten hatte. Er wunderte sich immer noch und betäubte meine Nase noch einmal, es war aber trotzdem ein umgänglicher Arzt, als die Operationsstuhl eingerichtet werden sollte, streikte er, die Batterie ist leer meinte er und der Stuhl konnte nicht, meinen Bedürfnissen entsprechend angepasst werden, den mit dem Morbus Bechterew brauche ich vor allen am Kopf entsprechende Unterstützung. Die Schwester holte, wie das letzte Mal, ein Kopfkissen herbei und dann ging es los.
Er zeigte mir am Monitor, dass sich noch Schorf in der Nasenmuschel befand, der entfernt werden muss, er schätzte die Operation als gelungen ein, ich bedankte und verabschiedete mich, er meinte noch wenn wieder etwas ist, kann ich gern wiederkommen.
Auf dem Flur saß einen junge Frau und fragte mich ob ich zur Laseroperation war, sie hätte so schreckliche Angst, ich beruhigte sie und sagte die Operation ist fast schmerzfrei, nur etwas unangenehm.
Als nächstes stand jetzt die Infusion in der Rheumaklinik an, ich fühlte mich gar nicht so sehr gut, ging aber trotzdem hin, meine neue Ärztin, Frau Dr. Strangfeld fragt immer nach dem Befinden. Wir haben uns geeinigt, dass es mir gut geht, dabei besprachen wir auch meine Probleme, das Hautekzem, die Kopfschmerzen, die Geräusche im Kopf und die Iritis, also wieder mehr als genug. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es fast einer Stunde dauert bis die Infusion anliegt. Dazu wurden noch meine Beweglichkeit geprüft, alles vermessen und dokumentiert, wie gesagt mit meiner Ärztin bin ich sehr zufrieden.
Sie vereinbarte noch Termine in der Kardiologie, in der Augenklinik im Virchow Klinikum und beim Hautarzt in der Charité. Danach begann die übliche Prozedur der eigentlich zweistündigen Infusion, die ich in der Regel gut überstehe und in kürzerer Zeit.
Einige Zeit später lag im Briefkasten schon das Schreiben meiner Ärztin mit den Terminen und den jeweiligen Arztbrief.
Der erste Termin war in der Augenklinik des Virchow Klinikums, man bestellte mich zum Konzil, untersucht wurde ich war wieder von Frau Doktor Schmidt, die vor einem Jahr die Iritis erfolgreich behandelt hat. Gegenstand im Arztbrief der Charité war die Frage, Rezidivierende Iridocyclitis, mit der Bitte um Klärung bzw. Ausschluss der rezidivierenden Iridocyclitis als Nebenwirkung der Remicade – Therapie. Die Augenärztin fand keine Anzeichen einer Iritis und war auch sonst mit dem Sehvermögen sehr zufrieden. Eine Konsultation mit dem Leiter der Augenklinik wollte sie noch durchführen und den Befund an die Rheumaklinik senden. Ich war mit diesem Befund mehr als zufrieden.
Zwischen den beiden Terminen nahm ich mir die Renovierung meine Wohnung vor, dabei stellten sich mir zwei massive Probleme in den Weg. Erstens das finanzielle Problem und zweitens meine Bewegungseinschränkung, aber was ich mir vorgenommen hatte, wollte ich auch alleine packen. Also kaufte ich Tapete, Farbe, Auslegeware, Leisten, andere Kleinigkeiten und überdachte die finanzielle Belastung, denn vom Staat gibt es keinen Cent mehr dazu für die Wohnungsrenovierung. Deshalb musste ich, für die nächsten Monate noch einige Sachen zurückstellen, wie z.B. das Panel und die Leuchtspots im Flur.
Die Arbeiten gingen zügig voran, glaubte ich jedenfalls, ich konnte auch meine fensterlose Küche entsprechend meinen Vorstellungen wieder mit Holz gestalten, was mir beim Einzug damals strikt ›verboten‹ wurde, aber ein Problem trieb mich fast zur Verzweiflung. Ich wollte auch einmal die neue Vliestapete kleben und dachte ist vielleicht eine Erleichterung, wenn man die Wand einstreichen kann. Es waren ja nur zwei Wände im Wohnzimmer.
Ich muss dazu sagen, ich habe bestimmt schon einige 100 Rollen Tapete verklebt, Decken tapeziert und es gab niemals Probleme. Aber hier, als ich die Wände fertig hatte, die Polsterecke stand schon wieder auf ihrem Platz und ich trank mein erstes verdientes Glas ›Dornfelder‹ und schmauchte eine Tabakspfeife mit Vanilla Club. Plötzlich knackte und knallte es hinter mir relativ laut und die Tapete sprang von der Wand, erst eine Bahn, dann die nächste usw. ,usw., usw., manchen blieben auch noch etwas kleben, ich war entsetzt und glaubte im falschen Film oder in einem Lustspielfilm zu sein. Am nächsten Morgen habe ich alle Bahnen abgezogen, das klappte prima, Leim war genug da. Aber vorher überlegte ich und stellte mir die Frage, »Was habe ich falsch gemacht?« Vermutlich zu wenig Leim genommen, gespart an der falschen Stelle, dachte ich mir. Also die Polsterecke wieder weggerückt, wenn ich die noch mehrmals bewege ist die auch bald hin, Billigprodukt von Domäne, viel Wert ist sie eh nicht mehr.
Ich merkte schon, dass es mir schwer fiel, hatte ich doch beim Decke streichen so meine Probleme, ich kann nicht nach oben sehen, weil ich den Kopf nicht so bewegen kann, also musste ich teilweise im ›Blindflug‹ streichen, es ist mir aber trotzdem ganz gut gelungen, sagen die Leute. Die Arbeiten am Boden sind für mich auch nicht leichter, da kommt die Schwierigkeiten beim Bücken zum Tragen, also hinlegen oder knien, was auch nicht so bequem ist. Nun ist aber genug gebarmt. Die Tapete hing wieder, Sofa stand und ich war nicht zufrieden, sie fiel zwar nicht mehr herunter, aber kleben tat sie nicht wirklich richtig und eine Hitze in Berlin.
Ich brauchte Hilfe und ging zum Händler um zu fragte, warum die Tapete nicht klebt, man sagte mir ich solle eine Dose Kleber für Wandbeläge zum Leim dazugeben, was ich auch machte. Was blieb mir weiter übrig, Tapete noch einmal abziehen, ging wieder gut und noch einmal von vorn, nun hält sie auch, was für eine Schmach für mich.
Nun bin ich erst einmal zufrieden, die Schrammen und Kratzer die meine Ex – Frau bei ihrem Auszug hinterlassen hat, beseitigt ebenfalls, damit verblassen auch die letzten Erinnerungen. Jetzt konnte ich die Sonne auf dem Balkon genießen.
Der nächste Termin in der Kardiologischen Klinik in der Charité stand an, ganz fertig war ich zwar in der Wohnung noch nicht, aber die paar Kleinigkeiten erledige ich noch so nach und nach. Obwohl das etwas Gefährliches ist, manche Restarbeiten können sich über Jahre hinziehen, besser ist es, man erledigt es gleich, ich weiß von was ich spreche.
Es sollte ein Ultraschall (Gefäß – Doppler – Beurteilung) der kopfversorgenden Gefäße gemacht werden, das konnte ja so schlimm nicht sein, dachte ich mir. Das entsprechende Zimmer fand ich ganz gut, ohne Rundgang durch die Charité, so langsam kennt man sich eben aus. Den Befund habe ich gleich mitbekommen, ihn muss ich mir nun bei der nächsten Infusion erst einmal erklären lassen, weil so viele unbekannte Begriffe darin stehen, der Arzt war übrigens auch nicht gerade der Mitteilsamste, er sagte während der Untersuchung nämlich nix zu mir oder zu sich, bloß gut dass solche Ärzte bei mir die Ausnahme sind. Ich hörte während des Ultraschalls nur meinen Pulsschlag laut und deutlich.
Als Befund stand jedenfalls: ›Geringe arteriosklerotische Veränderungen im darstellbaren Bereich der extrakraniellen hirnversorgenden Gefäße ohne Nachweis bedeutsamen Stenosen (Verschluss)‹.
Also ohne bedeutsame Stenjedenfalls:osen, war also doch was, vielleicht gut für die Kopfschmerzen oder die Geräusche.
Meine Unternehmungen waren bedingt durch die Wohnungsrenovierung ziemlich eingeschränkt, einmal habe ich mich mit meiner Schwester Evelyn und meinem Schwager getroffen. Sie machten Urlaub im Umland von Berlin, da haben sie mich zum Essen eingeladen. Wir waren bei Julchen Hoppe, der Tochter von Mutter Hoppe, ein Altberliner Gasthaus mit deftiger deutscher Küche im Nikolaiviertel. Ich freue mich immer wieder über das gute Verhältnis zu den beiden, es hat sich sehr positiv entwickelt. Sonja und Mutter haben mich auch besucht, aber wir hatten keine Zeit essen zu gehen, sie haben mir in der Wohnung geholfen, um das Essen habe ich mich gekümmert. Auf besonderen Wunsch gab es ganz kleine Pellkartoffeln, Pfifferlinge und Bouletten à la Henry, und einiges mehr, ja zu trinken gab es natürlich auch etwas. Beide sind echte ›Pellkartoffelfans‹ je kleiner umso leckerer.
An einem schönen Sonntag nahm ich mir vor wieder einmal meine Kenntnisse über Berlin aufzufrischen und fuhr zum neuen Hauptbahnhof (Lehrter Bahnhof), um dann durch den Spreebogen – Park, immer an der Spree entlang bis zum Alexanderplatz zurückzulaufen, etwas anstrengend, aber es ist schon imposant was alles besonders im Regierungsviertel gebaut wurde, das musste ich, als nicht gerade ›regierungsfreundlicher Mensch‹ anerkennen.
Wenn ich denke, wieder einmal alles geklärt, kommt etwas Neues auf mich zu, nun ist es die Überprüfung meiner Schwerbehinderung durch das Versorgungsamt, nach 5 Jahren Krebsoperation ist das wohl so, sicherlich werde ich einem Amtsarzt vorgeführt, der dann entscheidet, ich lasse mich überraschen.
Als ich mit meiner damaligen Frau zusammenlebte und die Welt scheinbar noch in Ordnung war, fanden in Zeuthen, wo mein Wochenendhaus auf dem Grundstück meiner Tante stand, Arbeitseinsätze. Dabei wurde das gesamte Grundstück ›Gereinigt und Gelüftet‹ , nicht nur das Stück auf dem mein ehemaliger Bungalow steht. Nach getaner Arbeit wurde für die fleißigen Helfer, ein Grillfest organisiert. Dafür war ich aber nicht verantwortlich, das machten meine Schwäger, ich beschäftigte mich mit der Koordination der Arbeit. Das Grundstück war aufgrund seiner Größe sehr arbeitsintensiv, die in der Regel sonst an mir hängen blieb. Ich kannte in Zeuthen, über viele Jahre als Anzugsordnung nur meine Arbeitslatzhose. Jetzt war ich froh solche fleißigen Helfer in Form meiner Schwägerinnen und Schwäger, nebst Kindern zur Seite zu haben.
Nach meiner Operation hatte ich keine Kraft, keine Lust und auch kein Geld um auf dem Grundstück etwas zu machen und ich zog mich mit Einverständnis zurück, die Pflege übernahm ein Nichtdeutscher, der auch mein Wochenendhaus nutzte. Als er merkte, dass er seine Interessen nicht durchsetzten konnte, verschlampte das Grundstück mehr und mehr, jetzt muss er wieder runter.
Deshalb habe ich nach 6 Jahren wieder einen Arbeitseinsatz, am vorletzten Juliwochenende, organisiert. Zu meinem Ex–Schwager Rolf und seiner Familie hatte ich schon die ganze Zeit in gutem Kontakt, wir haben auch hin und wieder in Zeuthen gegrillt. Nun kam für mich eine wirklich angenehme Überraschung, es meldete sich Ex–Schwager Frank und fragte an, ob er mit seiner Frau auch kommen kann, ich sagte natürlich sofort zu und freute mich riesig, wieder eine Überraschung mit der ich nicht gerechnet hätte. Leider war das Wetter nicht so sehr gut aber es war schön und der nächste Arbeits–, Grilleinsatz ist für September schon geplant.
In Vorbereitung unserer Hollandreise, für eine Woche in den Ferienhaus– Park Kijkduin bei Den Haag, war ich mir nicht sicher, ob ich noch eine Grüne Versicherungskarte benötige. Ich rief deshalb bei meinem Versicherungsvertreter (Vereinte) an, er meine eigentlich nicht, aber er schickt mir eine zu, das fand ich ja noch als ›normal‹ . Als er mich fragte, wie es mir geht, ob ich Probleme hätte und ob sich mein Gesundheit stabilisiert hat, staunte ich nicht schlecht, war es doch schon drei Jahre her als er zum Versicherungsabschluss bei mir war. Bisher traf ich noch keinen menschlichen Versicherungsvertreter, aber auch seine Wurzeln liegen im ›Osten‹ . Jetzt beginnt wieder die Zeit der Nachsorge und der erste Termin bei meiner Onkologin steht Anfang August an, sie hat mir im vergangenen Jahr nach der Darmspieglung gesagt, ich solle im Sommer wiederkommen. Sie versprach mir auch, dass dieses Jahr keine Darmspieglung gemacht wird, ich hoffe sie weiß es noch. Danach geht es für eine Woche nach Bautzen, Mutter besuchen, Geburtstag feiern, Doppelkopf spielen, Urlaub absprechen und mal sehen was die Mutter für Aufgaben für mich hat.
Ein verregneter Montag, typisch für den Sommer 2005, aufrechten Hauptes ging ich zur Onkologin, nach fünf Jahren guter Betreuung, was sollte mich da eigentlich Negatives erwarten, aber man weiß ja nie. Es war, entgegen manch anderen Terminen, relativ leer, es dauerte nicht lange und Schwester Yvonne rief mich auf. Ich hatte für die Frau Doktor, den Arztbrief der Charité und die Blutwerte kopiert, aber sie macht eine andere Laboruntersuchung wie die Charité, so dass die Schwester mir, sehr gekonnt Blut abnahm. Da konnte ich einen Blick in das Zimmer werfen, wo die ›Cocktails‹ (Chemotherapie) verabreicht werden, der Raum war voll besetzt, jetzt sitzt man allerdings auf bequemen, modernen Sesseln. Als ich meine Chemotherapie bekam, fand diese noch nicht im neuen MZL (Medizinisches Zentrum Lichtenberg) statt, es war alles etwas anders, persönlicher. Wenn die Betten alle besetzt waren, wurde schon mal ein zusätzliches Bett provisorisch in ein Arztzimmer geschoben, trotzdem, ich war nicht unzufrieden gewesen. Schwester Yvonne war damals auch noch nicht bei Frau Doktor, Schwester Jutta hatte die Obhut über die Patienten, sie war es auch die mir etwas von der Angst nahm, die vor jeder Chemotherapie hatte.
Schwester Yvonne war, trotz ihrer Jugend oder gerade deshalb, sehr einfühlsam. Ich baute bei den vergangenen Besuchen sofort einen guten Kontakt zu ihr auf. Heut ging es bei ihr, neben der Blutabnahme, um die Einschätzung gegenüber dem Versorgungsamt. Es galt es meinen Gesundheitszustand einzuschätzen, um der Doktorin die entsprechende Vorarbeit abzunehmen. Ich denke wir haben eine ordentliche Einschätzung hinbekommen und nun warte ich was passiert, mein Hausarzt muss ebenfalls seine Einschätzung abgeben. Wichtig für mich ist, dass ich mit 60 Jahren, ohne Abzüge in Rente gehen kann. Damit ich nicht mehr mit voller finanziellen Last dem Grundsicherungsamt auf der Tasche liegen muss. Ein Restbetrag wird sicherlich immer bleiben.
Frau Doktor war wie immer in Eile, aber über meinen Zustand sehr erfreut. Nun ging es nur noch um die Termine für die jährliche, herbstliche Kontrolle. Die CT (Computertomografie) stand an und die Darmspieglung auch, sie meinte die Darmspieglung brauchte ich nicht mehr jährlich zu machen, ab nächsten Jahr, ab nächsten Jahr. Ich erinnerte sie gleich an ihre Zusage im vergangenen Jahr und sie sagte mit einem leichten Augenzwinkern, »Soweit kommt es noch, jetzt fangen die Patienten schon an zu handeln«. Sie gab mit nur die Briefchen für den Haemoccult – Test, zum Nachweis auf okkultes Blut im Stuhl mit, eine Belastung weniger, die Darmspieglung ist zwar kein Höherpunkt mehr für mich, aber durch die notwendige Darmreinigung stellt sie mich immer wieder vor Probleme. Es gibt im Oktober dann nur die CT und dass ich kein Blut im Stuhl habe darüber bin ich mir fast sicher, oder, na ziemlich.
Nun konnte ich mich auf die Reise zu Muttern begeben, entgegen meiner sonstigen Art blieb ich fast 1 ½ Wochen, es war eine ganze Menge geplant, leider gab es ein nicht so gutes Ereignis, denn meine 90 jährige Tante lag im Krankenhaus, sie hatte einen Schlaganfall erlitten, nach 14 Tagen ist sie an dessen Folgen verstorben. Aber wir waren uns in meiner Familie einig, mit 90 Jahren hat sie ein erfülltes Leben gehabt und da sie halbseitig gelähmt war und auch nicht mehr richtig sprechen konnte, wir sind Realisten, es war das Beste für alle. Ich selbst habe sie zweimal besucht und als ich mich verabschiedet habe, weinte sie, ich glaube sie ahnte ihr Ende voraus, denn geistig war sie vollkommen klar.
Mein Schwager organisierte eine Zugfahrt mit Wochenendticket nach Plauen im Vogtland, ich musste als 5 Person einspringen, denn bisher fuhr meine Tante mit, ähnlich erging es mir schon beim Doppelkopf, als Ersatz für meinen Vater. Das Vogtland kannte ich bisher eigentlich kaum, vor vielen Jahren war ich mit Werner, meinem Schulfreund, in Klingenthal. Mit dem Fahrrad 180 Kilometer von Pirna entfernt, eine Riesentour bei Wind und Wetter.
Mit dem Zug ging es natürlich besser, in Bautzen sind wir 6.00 Uhr losgefahren, über Dresden – Freiberg – Chemnitz – Zwickau, Umstieg in die Vogtlandbahn über Plauen nach Muldenberg (Floßplatz) und von dort zurück nach Bautzen. Im Höhenluftkurort Grünbach/Muldenberg haben wir in der Gaststätte Flößerstube gemütlich zu Mittag gegessen. Gegen 18.00 Uhr waren wir zurück, für mich ein schöner Tag den ich gern in Erinnerung behalte.
In den nächsten Tagen wollte ich meiner Mutter helfen, das Bad vorzurichten und das Dach des Carports, der nie einer war, zu erneuern. Hier werden Gartengerät und alle anderen möglichen und unmöglichen Sachen gelagert. Es regnete manchmal herein, was Mutter misshagte, sie hat sich zwar schon selbst geholfen, aber das Problem besteht schon sehr lange. Auch wenn mir manche Arbeit schwer fällt, so versuche ich mich immer wieder selbst zu überwinden, ich glaube das bekommt mir ganz gut. Erstaunlich ist für mich immer wieder, wie Mutter mit ihren 78 Jahren zupackt, wenn ich die Tapetenbahnen nicht schnell genug an die Wand klebe und sie hätte Zeit zum Ausruhen, da ist sie schon wieder im Garten um Unkraut zu zupfen.
Ich beschloss dieses Mal am Sonntag zurückzufahren, weil ich am Dienstag wieder an den Tropf in die Charité musste, vorher habe ich noch mein Auto gründlich gereinigt, um Mutter und Sonja ein sauberes Fahrzeug für den Urlaub anzubieten. In der Regel mache ich das einmal im Jahr, aber letztes Jahr kam die Iritis dazwischen, es wurde Zeit. Die Geburtstagsfeier meiner größeren Schwester verlief auch im kleinen harmonischen Kreis und da das Essen in der Gasstätte nicht vollständig vertilgt wurde, gab es am nächsten Tag den obligatorischen Doppelkopf, verbunden mit dem Essen der Reste.
Am Sonntagvormittag beluden Mutter und ich das Auto, d.h. es musste Obst und Gemüse im Kofferraum verstaut werden und da wir allesamt nette Menschen sind wird dann in Berlin verteilt, meine Tante und auch mein Ex–Schwager bekommt was ab. Mutter versorgt mich noch mit eingemachtem Obst, aber auch Wust usw. fürs erste überleben nach meiner Ankunft in Berlin und so manches mehr. Ich kann mein Auto gar nicht auf einmal entladen, so voll ist es immer. Ich selbst habe mir noch Gewürze wie Dill und Bohnenkraut mitgebracht und für meine Vögel Beifuß, welchen sie gerne zu sich nehmen. Die Heimfahrt verlief reibungslos und in der Wohnung war auch alles in Ordnung als ich zurückkam.
Am Dienstag begab ich mich zum Termin in die Charité um meine Infusion abzuholen und ich freute mich auch schon auf das vorherige Gespräch mit Frau Dr. Strangfeld, die mir, ich kann es durchaus so sagen, sehr sympathisch ist, aber auch große fachliche Kompetenz besitzt. Es lief wie immer ab, Untersuchung, Vermessung und vor allem Nachfrage nach meinem Befinden, erst dann wird der ›Cocktails‹ zubereitet und die Infusion beginnt. Sie hatte auch die Ergebnisse der Augenklinik vorliegen und besonders erfreulich, es gibt kein Rezidiv. Das Untersuchungsergebnis der Sonografie der hirnversorgenden Blutgefäße händigte ich ihr aus und auch damit war sie zufrieden und die Stenosen, sind Einengungen der Blutbahnen, die altersmäßig bedingt vorhanden sind. Ich konnte mich also während der Infusion zurücklehnen und englische Vokabeln lernen.
Wenn das Wetter es zulässt sitze ich auf dem Balkon inmitten meiner Tomatenpflanzen und Hibisken, frühstücke, lese, plane meine nächsten Aktivitäten oder denke einfach nur nach. So auch über meine Kontaktversuche im Internet und ich hatte es mir eigentlich einfacher vorgestellt, aber scheinbar ist der Krebs für viele immer noch ein Hindernis, Menschen näher kennen zu lernen oder liegt es daran, dass ich ›nur‹ Grundsicherung (vormals Sozialhilfe) bekomme. Es kann ja sein, man denkt der ist auf Geld aus, das ist er bestimmt nicht, er lebt so ganz gut.
Meine jetzigen intensiven Mailkontakte sind zwar ziemlich international, Österreich, Schweiz und natürlich Deutschland, hier habe ich schon Menschen gefunden mit denen ich mich austauschen kann, aber für gemeinsame Unternehmungen bzw. Freizeit sind sie zu weit weg. Aber auch Gefahren laueren im Netz, manche Menschen gaukeln einem was vor und am Ende wollen sie nur ein Buch verkaufen und wenn es dann geklappt hat ist Schluss mit dem Kontakt, na Dankeschön kann ich da nur sagen. Natürlich habe ich auch nicht an jedem Kontakt Interesse um ehrlich zu sein, es muss schon paar Gemeinsamkeiten geben, aber die Hoffnung gebe ich nicht auf.
Deshalb musste ich auch zum Global Fashion Festival
2005 auf dem Kurfürstendamm alleine gehen, verbunden mit dem Besuch
der Panorama –Etage im Europa – Center hier lag mir die ganze
Stadt zu Füßen. Die 20. Etage, ein fantastisches Panorama, Hauptstadt
bis zum Horizont, mit Fotogalerie, es lohnt sich wirklich und zu der Zeit
wo ich dort war, vielleicht Sonntag gegen 10.30 Uhr wenige Menschen auf der
Plattform. Man kann auch einen virtuellen Helikopterrundflug für
9,50 Euro machen, den hob ich mir für später auf. Da in Berlin am
Wochenende immer etwas los ist, fällt es manchmal schwer sich zu entscheiden,
ein weitere Event's war, das absenken der Bügelbrücken am neuen
Berliner Hauptbahnhof – Lehrer Bahnhof oder der Tag der Offen Tür
im Kanzleramt, ein gar nicht so pompöses Gebäude, aber mit großer
Parkanlage, direkt an der Spree.
Ich entschloss mich den Haemoccult – Test vor dem Urlaub doch noch bei meiner Onkologin abzugeben und einen Termin zur Auswertung der CT brauchte ich auch noch, also begab ich mich mit den Briefchen auf den Weg, Schwester Ivonne stand am Tresen als ich den Test abgab, sie fragte sie mich, ob sie es gleich machen soll. Ich antwortete, dass ich in der nächsten Woche in Urlaub fahren will und stimmte zu. Es ist schon komisch, obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass kein okkultes Blut vorhanden sein wird, wurde mir plötzlich ganz flau im Magen. Alles ist wieder da, aber die Sorge war umsonst und Frau Doktor kam kurze Zeit später in den Warteraum und sagte, » Herr Ullmann, ich wünsche ihnen einen schönen Urlaub!«.
Es macht plumps und da denke ich immer, ich bin gegen so etwas immun geworden, da wurde mir auch schlagartig bewusst, ich hänge am Leben, wie jeder andere vernünftige Mensch auch, aber das war nicht immer so.
Jetzt konnte ich mich der Urlaubsvorbereitung widmen, denn Anfang September wollte ich mit Mutter und Sonja nach Holland in den Ferienpark Kijkduin fahren in der Nähe von Den Haag an der Nordsee, allein hätte ich es mir nicht leisten können. Es ist auch nicht der erste gemeinsame Urlaub oder Fahrt und die Ereignisse sind mir bis jetzt immer in guter Erinnerung geblieben. Besonders gern verreise ich mit Ronny meinem Neffen, eigentlich mag ich ihn, aber er hat auch ›Hörner‹ die er ab und zu ausfährt. Da kann es schon sein, das er plötzlich in Kopenhagen sein Beifahrerdienst einstellt. Da musste ich mich eben selbst aus der Stadt ›fädeln‹ , aber böse bin ich ihm nicht, er ist eben auf seine Art ein liebenswerter Mensch.
Ich erinnere mich aber auch an andere Urlaube, die schon wegen den kleinsten Kleinigkeiten regelmäßig im Streit endeten, da hatte ›sie‹ sie nicht die richtige Bekleidung an, oder wusste über irgendetwas nicht Bescheid. Da wurden nicht nur mir, sondern auch den Miturlaubern ganze Tage versaut.
Eine Begebenheit will ich doch erwähnen, weil sie typisch ist, 1995 Urlaub in Norwegen gemeinsam mit meinen Eltern, am Abend wurde der Plan gemacht, es sollte am nächsten Tag nach Bergen gehen. Jeder war für seine Reiseverpflegung selbst verantwortlich, dass heißt am Morgen wurden die Brote geschmiert, alle wussten Bescheid nur die Ex nicht. Da machte sie einen Aufriss und zerstörte fast die Fahrt nach Bergen, ich hatte natürlich Schuld, deshalb sprach sie auch den ganzen Tag nicht mit mir. Es war so etwas von blöd und das Schlimmste es war noch gar nichts passiert. Aus Protest nahm sie keine Reiseverpflegung mit. Dafür wurde eben eine Zigarette mehr geraucht. Zum Glück kannten meine Eltern ihre Eskapaden, sonst hätte ich mich geschämt. Aber das ist Geschichte und da soll sie auch bleiben.
Die Trauerfeier für meine Tante in Bautzen fand noch paar Tage vor dem Urlaub statt.
Sie war auch einer derjenigen Menschen die mit meiner Krankheit nicht umgehen konnten, sie war ganz einfach nicht in der Lage mit mir ein Gespräch nach meiner Operation zu führen. Sie konnte mich nicht nach meinem Befinden fragen, so dass das Verhältnis nicht mehr so wie früher war. Warum konnte ich nicht mehr erfahren, aber vielleicht spielte es eine Rolle, dass ihr Mann, also mein Onkel an Krebs verstorben war. Aber es soll nicht unerwähnt bleiben, dass sie mich in meiner schwersten Zeit finanziell unterstützt hat und dafür danke ich ihr auch.
Die Rede zur Feier war ausgewogen, der Redner war wirklich in der Lage ihren Lebensweg nachzuzeichnen, nicht wie der, der zur Beerdigung meines Vaters gesprochen hat. Der kam schon zur Vorbereitung der Rede, trotz Auto mit Alkoholfahne und entsprechend war auch die Rede, die mein Vater wirklich nicht verdient hatte, na gut, das bringt ihn auch nicht mehr zurück. Nach dem gemeinsamen Mittagessen der Trauergäste, welches Evelyn in der Gaststätte ›Lusatia‹ organisiert hat, eine Gaststätte in Bautzen, wo traditionell viele unserer Familiefeierlichkeiten stattfinden. Die engere Verwandtschaft traf sich anschließend noch bei Mutter im Garten zum Kaffee, dann ging es zurück nach Berlin.
Jetzt kann der Urlaub kommen, aber ›unverhofft kommt oft‹ ,paar Tage vorher bekam ich eine Mandelentzündung. Sofort dachte ich an das Problem zwischen Infusion und Immunsystem. Vorsichtshalber ging ich noch einmal zum Hausarzt und ließ mir ein paar Antibiotika geben, denn hier will ich nichts riskieren. Sie haben geholfen und wir konnten planmäßig den Urlaub antreten.
Bei unserer Urlaubsreise bestand meine Aufgabe im Transport, damit mein Auto auch weiß warum es ein Auto geworden ist. Ich befasste mich mit der Streckenplanung zum Ferienziel. Die Planung vor Ort war auch meine Aufgabe, natürlich mit demokratischem Mitspracherecht der Urlauber.
Einige Eindrücke, an erster Stelle sind mir die vielen Autos in Holland in Erinnerung geblieben, ich habe mir immer wieder die Frage gestellt, wo sie alle herkommen, denn so viele Einwohner hat Holland ja nicht, insbesondere vor Städten war es manchmal eine Katastrophe.
Die Fahrweise ist auch nicht gerade als sanft zu bezeichnen. Ich glaube mir hier als ehemaliger Taxifahrer ein Urteil erlauben zu können, man muss sich schon mit aller Macht den Spurwechsel oder die Ausfahrt aus der Autobahn erzwingen. Dazu kommt, dass die Beschilderung insbesondere auch auf der Autobahn gewöhnungsbedürftig ist, von den gefahrenen 2.500 Kilometern sind bestimmt 200 bis 300 ›verfahrene Kilometer‹ . Des Weiteren gibt es in Holland viele Kreisverkehre, die aber in der Regel gut zu durchfahren sind, die so genannten ›Drempel‹ (Schikanen auf der Fahrbahn) insbesondere vor Ortseingängen. Jeder Holländer hat natürlich ein Fahrrad und benutzt es auch. Die Holländer an sich sind nette und lustige Menschen, die gern irgendwelche außergewöhnliche Dinge tun und das Leben in Holland ist teurer als in Deutschland.
Besichtigt haben wir in Holland, Den Haag, Delft, Rotterdam und Gouda, die Städte machten abseits der Hauptstraßen einen schmutzigen Eindruck. Weitere Sehenswürdigkeiten waren das meistfotografierte Wahrzeichen und Unesco – Kulturerbe, die 19 Windmühlen von Kinderdijk und der Oosterscheldedam.
Einen kleinen Abstecher, von 400 Kilometern nach Belgien haben wir auch unternommen und die Stadt des Diamantenhandels Antwerpen besichtigt, Sauberkeit ähnlich wie in Holland.
Natürlich sind wir auch die Uferpromenade in Kijkduin und in Scheveningen mehrmals abgelaufen, viele Gaststätten, hier haben wir auch die holländischen Fritten probiert.
Da sich das Wetter von seiner schönsten Seite zeigte, unternahmen wir auch einige Strandwanderungen, denn der Ferienpark lag ja direkt an der Nordsee.
Der Höhepunkt unserer Reise war natürlich der Besuch von Amsterdam, auch ein Parkhaus in der Nähe von Bahnhof Amsterdam Centraal fanden wir ziemlich schnell. Nach 15 Minuten Fußmarsch befanden wir uns an der Anlegestelle vom ›Canal Bus‹ und beschlossen die 16 Euro für eine ›dagkaart‹ zu investieren, die uns die Möglichkeit eröffnete, mit der Green Line, Red Line oder Blue Line durch die Grachten von Amsterdam zu fahren. Man konnte beliebig oft ein und aussteigen und auch die Linien wechseln, das ganze dauerte ca. 3 Stunden. Es hat sich gelohnt um eine kleine Vorstellung von Amsterdam zu bekommen. Abschließend kann ich sagen, eine Woche ist natürlich viel zu wenig um noch mehr zu unternehmen, aber es war schön und harmonisch gewesen.
Einen Punkt konnten wir allerdings nicht abarbeiten, ich hatte ja vorgehabt noch nach London überzusetzen, aber hier habe ich dann doch auf meine 78 jährige Mutter Rücksicht genommen, aber den Fähranleger in Hoek van Holland haben wir uns schon angesehen, von dort sollte es in 3.40 Stunden nach Harwich in England gehen.
Ich las im Internet, dass es ein Spezialangebot der Stena HSS gibt. Für 80 Euro Fahrt mit der Schnellfähre Stena HSS, anschließen mit dem Zug HSS Express und das Ganze Hin und Zurück, das hörte sich sehr gut und günstig an.
07.20 Abfahrt in Hoek van Holland mit Stena HSS
10.10 Ankunft in Harwich
10.50 Abfahrt mit HSS Express nach London
12.11 Ankunft in London Liverpool Street Station
17.02 Rückfahrt nach Harwich mit HSS Express
18.26 Ankunft in Harwich
19.20 Rückfahrt mit Stena HSS nach Hoek van Holland
23.55 Ankunft in Hoek van Holland
und das lag nur 12 Kilometer von unserem Ferienpark entfernt.
Hoek van Holland hat mich insbesondere auch deshalb interessiert, weil ich in vergangenen Zeiten die Züge kontrolliert habe die von Berlin aus nach Hoek van Holland gefahren sind, damals allerdings mit keiner Silbe daran gedacht, hier einmal stehen.
Londen wie die Holländer schreiben ist aber nach wie vor in meinen Gedanken enthalten.
Zurück in Deutschland, ich konnte noch gar nicht alle Eindrücke verarbeiten, galt es schon das nächste Event vorzubereiten, denn ich habe im Frühjahr des Jahres eine Reise nach Hannover, zum Patiententag der Jahrestagung der DGHO ( Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V.), gewonnen. Sie ist eine Vereinigung von Wissenschaftlern und Ärzten, die auf die Erforschung, Diagnose und Behandlung von Blutkrankheiten und bösartigen Tumoren spezialisiert sind. Weitere Informationen gibt es auf der Website.
Der Patiententag fand am 01.10.05 im Hannover Congress Centrum (HCC) statt. Leider hatte ich seit Mai von meinem Ansprechpartner im Onkologischen Forum nichts mehr gehört, war aber deshalb nicht gleich unruhig geworden, denn es war ja noch etwas Zeit. 14 Tage vor dem Patiententag meldetet ich mich per E – Mail beim Ansprechpartner, bekam aber auch nach einigen Tagen keine Antwort, ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, wollte mir aber die Fahrt auch nicht entgehen lassen. Ich beschloss den Chef vom Onkologischen Forums persönlich, über die allgemeine E – Mailadresse der Website, anzuschreiben und bekam sofort eine Nachricht, dass die Unterlagen auf dem Weg zu mir sind, also geht doch. In der Mail stand auch, dass man sich mit mir im HCC treffen will. Die Unterlagen trafen dann auch einige Tage später bei mir ein, darin war ein Stadtplan, die Wegbeschreibung zum Hotel und zum HCC, die Hin – und Rückfahrkarte für den ICE und der Hotelgutschein für das Grand Hotel in Hannover. Alles war schon im Mai ausgestellt, warum ich es fast nicht bekommen habe erfahre ich später auch noch.
Gleich hatte ich ein neues Problem, muss ich mich mit den Hotelgutschein vorher telefonisch im Hotel anmelden und was ist mit den Platzkarten für den ICE, es war nur ein formloses Schreiben über die Reservierung dabei gewesen. Die Nachfrage im Hotel ergab, dass es richtig war vorher anzurufen, die formlose Registrierung der Platzkarten war auch in Ordnung. Na ja ich fahre nicht jeden Tag mit dem ICE und schon gar nicht gehe ich in solch ein Hotel.
Am letzten Freitag im September startete ich mit dem ICE 954 pünktlich 7.42 Uhr in Richtung Hannover, etwas aufgeregt war ich schon, denn es war die erste Fahr mit dem ICE. Erstaunt war ich, dass der Zug so voll war, aber ich hatte ja Platzkarten und nicht nur eine sondern, zwei, weil die Reise eigentlich für zwei Personen war, aber keiner mitfahren wollte. Auf dem Ostbahnhof (vormals Ostbahnhof dann Hauptbahnhof dann wieder Ostbahnhof, es kann ja nicht sein, dass es im ehemaligen Ostteil der Stadt einen Hauptbahnhof gibt) kaufte ich mir noch einen ›Café to go‹ um von der Zugversorgung unabhängig zu sein.
Vorher informierte ich mich noch am Wagenlaufplan, wo mein Wagen ist und positionierte mich im entsprechenden Bereich, denn wer hier nicht aufpasst hat gleich am Anfang der Reisestress, denn die Züge halten nicht lange, also kann es passieren, dass man mit allen seinen Koffern durch diesen ellenlangen Zug und zum gern genommenen Beobachtungsobjekt der Reisenden wird. Ich konnte ich mich meinen Beobachtungen hingeben, weil ich alles richtig gemacht hatte und war erstaunt, mit wie viel Gepäck die Leute reisen. Ich brauchte meine Tasche zum Glück nicht in die Gepäckablage hieven, also ich bin ja nun nicht gerade der ›kleinste‹ aber dafür muss man schon groß und kräftig sein. Als der Zug an den mir bekannten Bahnhöfen Alexanderplatz – Friedrichstrasse – Zoo vorbeifuhr und ich die Leute dort an den S – Bahnsteigen stehen sah, dachte ich daran, wie oft ich den ICEs nachschaute, mit keiner Silbe daran denkend, auch einmal in einem solchen zu sitzen. Es war ein erhebendes Gefühl, der vom Leben gebeutelte fährt mit dem ICE.
Wie schnell 250 Km/h sind merkt man während der Fahrt nicht, es versprach ein schöner Tag zu werden, also legt ich die Ohrhörer meines MP3 –Players an, lehnte mich zurück und ließ mich von dem Englischlernprogramm berieseln. Nach ca. 1 ½ Sunden kam ich, mit Zwischenhalt in Wolfsburg, an und war erstaunt, wie viele Menschen sich auf dem Bahnhof in Hannover bewegten, da kommen einem ja die Bahnhöfe in Berlin, provinziell vor. An einem der vielen Imbissstände kaufte ich mir ein frisch zubereitetes Zwiebelmettbaguette, das sehr gut schmeckte, dazu trank ich eine Cola. Danach informierte ich mich über die Lage des Hotels, aber ich hatte noch viel Zeit um einzuchecken, lief ein Stück zu Fuß und fuhr dann mit der U – Bahn von der Station Kröpke zur Station Markthalle/Landtag. Was ich in noch keiner anderen Stadt gesehen habe, hier gab es Rolltreppen in der U – Bahn die sich in beide Richtungen bewegten, d.h. wenn man Glück hatte und man stand eine Weile vor einer entgegengesetzt laufenden Rolltreppe, hielt sie an und bewegte sich in die andere Richtung. Selbst die Einheimischen waren mit diesem System nicht so richtig vertraut. Meine Reisetasche nervte mich, sie baumelte an den Oberschenkeln herum und schwer war sie auch. Sollte ich mir vielleicht irgendwann einen Trolley zulegen, da ich kaum verreise, schien mir die Ausgabe nicht (noch nicht) gerechtfertigt. Sieht natürlich besser aus, als mit der schweren Tasche über der Schulter..
Im Hotel wurde ich herzlich begrüßt, legte meinen Gutschein vor und bekam meinen Zimmerschlüssel für ein schönes Doppelzimmer in der 9. Etage. Es war sauber, zweckmäßig eingerichtet, bei einem Zimmerpreis von 135 Euro pro Nacht, konnte man das auch erwarten. Nachdem ich alles begutachtet und mich etwas frisch gemacht hatte, warf ich noch einen Blick aus dem Fenster, sah direkt auf das auf das neue Rathaus. Ich verweilte aber nicht lange im Zimmer, sondern begab mich auf Sightseeingtour, schließlich wollte ich von Hannover auch etwas sehen. Zu Fuß ging ich von der Markthalle bis zum Hauptbahnhof, über die Einkaufsmeile, kaufte natürlich nichts ein. Am Mittag fuhr ich schon einmal zur Probe zum HCC und danach zum Flughafen Hannover Langenhagen, als Flugsimulant muss man den schon im Programm haben, ein relativ großer Airport, aber mit wenig Fliegern. Da ich aufgrund meiner Schwerbehinderung mit Merkzeichen ›G‹ in allen Städten der Republik für die Verkehrsmittel nichts bezahlen muss, konnte ich mir diese Fahren leisten, ob der Flughafen noch im Bereich lag, wusste ich nicht wirklich.
Eine Erholungspause im Hotel tat nun gut, ein leichter Sonnenbrand machte sich auch schon bemerkbar, denn Sonne meinte es sehr gut. Auf dem Zimmer schrieb ich meine Ansichtskarten und stellte fest, dass sich noch einiges verändert hat, ein großer Obstteller stand bereit und auch eine Flasche Mineralwasser war vorhanden. Bei mir dachte ich, hoffentlich muss ich das am Ende nicht noch bezahlen, denn die Preise in der Minibar hatten mich schon schockiert und ich schloss sie schnell wieder.
Danach verließ ich das Hotel abermals, da ich von der Altstadt Hannovers bisher noch nicht viel gesehen habe, wollte ich das jetzt nachholen. Es lohnt sich, viele liebevollen Fachwerkbauten und historische Gebäude gibt es zu sehen. Zufällig begegnete ich einer Stadtführerin mit einigen Leuten, ich schloss mich unvermittelt an und hörte ihren Ausführungen zu. Dabei erfuhr ich auch einige Dinge die es so bestimmt nicht in Reiseführern zu lesen gibt, zum Beispiel, warum es an der Marktkirche immer etwas windig ist, dort hat nämlich der Teufel den Wind ausgetrickst und der wartet nun immer noch auf die Rückkehr des Teufels, wer mehr wissen will sollte sich einer Stadtführung anschließen.
Danach habe ich eine Runde mit der Tram gedreht, bin aber in einer Gegen gelandet, die mir keinen soliden Eindruck machte, die Tram war leer, es dunkelte bereits. Ich stieg lieber aus und fuhr zurück in die Helligkeit.
Bevor ich in mich in einer gemütlich Bierstube der Altstadt niederließ um etwas zu essen, traf ich noch einen Berlinerin, die mich nach einer Kunstausstellung fragte. Als ich ihr sagte, dass ich nicht von hier bin, waren wir uns einig die Welt ist klein. Gemütlich ging es schon zu in der Bierstube und getrunken wird auch. Man kommt auch schnell ins Gespräch mit den Einheimischen, wenn sie hören wo man her kommt, gibt es immer was zu erzählen. Am Tresen muss man wirklich aufpassen, dass man nicht ›versackt‹ , ich musste mich gegen 22.00 Uhr gewaltsam entfernen. Es ist übrigens das erste Mal seit 5 Jahren, dass ich mal wieder in einer Kneipe war. Nun, bei Dunkelheit ging ich zurück ins Hotel, dabei machte die Altstadt, mit ihren engen Gassen einen geheimnisvollen, ja fast mystischen Eindruck.
Im Hotel angekommen, standen auf dem Tisch noch paar Snacks, ein Bademantel lag bereit, selbst das Tollentenpapier war am Anfang zu einer Spitze gefaltet, sorry ich habe das zum ersten Mal gesehen. Die Zimmerminibar rührte ich natürlich nicht an, eine gekaufte Flasche Bier stellte ich mir schon am Nachmittag kalt. Nach dem wohltuenden Bad trank ich diese, just in dem Augenblick ginge ein Feuerwerk los, was ich von Fenster aus gut beobachten konnte. So werden also die Gäste aus Berlin empfangen.
Nach einer recht angenehmen Nacht ging ich in das Restaurant L´Adresse um das Frühstück einzunehmen, was im Preis enthalten war. Ich fand mich auch gleich zurecht, setzte mich an einen freien Tisch, Kaffeekanne stand auf dem Tisch, ich wartet kurz um abzuchecken ob eine Bedienung kommt, kam nicht, also schenkte ich mir den Kaffee selbst ein. Danach ging ich ans Buffet, es war wirklich reichlich von allem vorhanden. Eigentlich brauche ich zum Frühstück nur eine Schrippe und Kaffee, aber wo es nun mal da war und ich auch nicht wusste, wann ich das nächste Mal etwas zu essen bekomme, brauchte ich fast eine Stunde. Dabei gab es Gelegenheit, Menschen zu beobachten, dass Hotel war nicht voll belegt, ich sah auch Menschen wie ›Du und Ich‹ , aber auch andere, denen man es ansah, dass sie nicht wie ›Du und Ich‹ sind. Ich war zufrieden und wusste, die nächsten Stunden brauche ich nichts zu essen. Danach packte ich meine Sachen und stellte fest, dass es entsetzlich regnete, na was soll es, bis zum U – Bahnhof war es nicht weit und mein Gepäck ließ ich, nachdem ich ausgecheckt hatte, vorerst im Hotel.
Da mir der Weg zum HCC bekannt war, konnte ich am Hauptbahnhof sogar noch einigen Menschen sagen, wie sie dort hinkommen. Es war natürlich im Vergleich zu den Patiententagen im ICC in Berlin, die ich schon mehrfach besucht habe, schlicht und bescheiden. Leider waren auch nicht viele Besucher da, aber vielleicht war 10.00 Uhr auch noch zu früh dachte so bei mir, hörte mir die Begrüßung des Kongresspräsidenten und danach die Ausführungen von Frau Dr. Tanja Vollmer aus München an. Das Thema war ›Psychoonkolgische Versorgung – Wunsch oder Wirklichkeit‹ .
Danach wartete ich auf den Anruf vom Onkologischen Forum, schaute mir inzwischen die Ausstellung an, es gab zwar einige Informationsstände, aber sehr wenige Besucher. Ich bekam tatsächlich einen Anruf und wir verabredeten uns, nach einiger Zeit erschein er tatsächlich mit einer Mitarbeiterin, die auch paar Fotos machte. Wir unterhielten uns, vor allem über die wenigen Besucher. Ich sagte ihm, dass ich auch in ganz Hannover keinen Hinweis über den Patiententag finden konnte. Wir waren uns auch darüber einig, dass es eigentlich nicht Patiententag heißen müsste, sondern ›Gesundentag‹ , denn die schon einmal Krebs durchgemacht haben kommen sowieso, aber kommen sollten eigentlich die Gesunden. Ich kenne es selbst, genau so ist es, denn als ich noch keinen Krebs durchgemacht hatte, waren auch für mich solche Veranstaltungen nicht relevant. Man beschäftigt sich einfach nicht damit, will das Thema gar nicht an sich herankommen lassen. Anders ist es auch nicht zu erklären, warum so wenig Menschen zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Aber hier spielt das gleiche Problem wie oben eine Rolle. Er entschuldigte sich noch bei mir, der Mitarbeiter der für meine Einladung zuständig war, ist nicht mehr im Onkologischen Forum, ich glaube wenn ich mich nicht gerührt hätte, wäre aus der Reise nichts geworden.
Das Programm des Patiententages war natürlich sehr anspruchsvoll und die Referenten zu den einzelnen Themenschwerpunkten waren meist Professoren. Ich habe am Symposium teilgenommen, das von Frau Dr.Rubin geleitet wurde. Dort gab es nämlich auch etwas zu essen, in meinem Beitrag sprach ich über die gemachten Erfahrungen in der vergangenen Zeit, nicht nur über die Krankheit, auch über die Zusammenhänge die sich bei mir so ergeben haben. Die Fragen konnte ich umfassend klären, ich habe die Frau Rubin schon mehrmals bei solchen Veranstaltungen gesehen, sie sieht viel kleiner aus, wie im Fernsehen. Sie tat so als ob wir alte Bekannte waren. Damit war mein Auftritt hier beendet.
Bei meinem Rundgang beobachtete Leute die eine Umhängetasche trugen, sie sah aus wie eine Notebooktasche, bedruckt mit dem Veranstaltungslogo. Ich spürte die Stelle auf, wo die Taschen ausgegeben wurden, schnell stellte ich aber fest, dass es die nur für die Doktoren und Professoren gibt, die die ganze Zeit beim Kongress sind. Dafür musste man Teilnahmegebühren bezahlen und akkreditiert sein, denn der Kongress ging ja eine ganze Woche. Aber so eine Tasche wäre nicht schlecht gewesen, ich fasste den Entschluss und ging noch einmal hin.
An den Ausgabeschaltern standen immer noch eine Menge Leute, als Erkennungszeichen hatten sie alle einen Ausweis mit Lichtbild am Schlüsselband umhängen, ich natürlich nicht, der war erst zum richtigen Kongress, ab Sonntag notwendig. Aber ich reihte mich trotzdem ein, als ich dran war stellte ich mich vor mit ›Dr. Ullmann‹ und bemerkte, dass hier heute einen Vortrag gehalten habe, mir war nicht mal komisch dabei. Der freundliche Herr sagte, er schaue mal in die Liste, natürlich stand weder ein Ullmann, noch Dr. Ullmann, noch Prof. Ullmann drauf. Daraufhin meinte er, er könne es bis morgen klären, darauf ich, dass ich heute schon wieder zurück nach Berlin muss.
Ich glaube er hat es gemerkt und sagte, »Wenn meine Chefs nicht alle hier wären, würde ich Ihnen eine Tasche geben!« Ich fragte, »Soll ich noch einmal wiederkommen?“, daraufhin antwortete er, »Ich reiche Ihnen einfach eine rüber, sie tun so als ob es ganz normal ist und dann verschwinden sie unauffällig!« Ich schnappte meine Tasche und verschwand, wie gesagt und nun hatte ich sie und war stolz.
Der nächste Kongress ist übrigens in Luzern, aber eine Einladung ist eher unwahrscheinlich, aber nicht wegen der kleine Falschaussage.
Im Hotel räumte ich die neue Tasche ein, jetzt musste ich allerdings noch eine Tasche tragen. Es ist schon komisch, am Vortag stand ich vor einer ähnlichen Tasche und hätte sie beinah gekauft, meine bisherige Armgelenktasche (Geschenk zum 50. Geburtstag von meiner Ex – Frau) gibt bald den Geist auf, gut dass ich mich wie immer nicht gleich entscheiden konnte. Die Armgelenktasche vernichtete ich noch in Hannover, wieder eine Erinnerung weniger an sie.
Es regnete immer noch, mit zwei Taschen und Regenschirm ging gar nicht, da kommt man sich vor wie ein Lastentier vor, es fehlt immer eine Hand. Man, wäre ein Trolley jetzt schön gewesen. Zu allem Unglück, vertat ich mich auch noch um eine Stunde mit dem Zug, 16.31 Uhr fuhr zwar auch einer, aber meiner fuhr erst 17.31 Uhr, also tigerte ich noch 1 Stunde auf dem Bahnhof rum.
Gegen 19.30 Uhr war ich wieder am Ostbahnhof in Berlin. Auf der Rückfahrt habe ich noch einem jungen Mädchen meinen zweiten Platz angeboten, weil sie Probleme bekam, ihre Platzkarte wurde zweimal verkauft. Ein älteres Ehepaar spielte sich entsetzlich auf, das Mädel war ihnen nicht gewachsen, also schritt ich ein, so konnte ich doch noch ein gutes Werk tun.
Das war die Reise, anstrengend aber ich habe es jedenfalls nicht bereut und um nicht aus der Übung zu kommen bin ich am Montag gleich zu den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit nach Potsdam gefahren, aber nicht um diesen Tag zu huldigen, sondern um einfach unter Menschen zu sein.
Nach der Reise standen nun die gesundheitlichen Angelegenheiten wieder im Vordergrund, ich machte als erstes das CT und war mir ziemlich sicher, es wird kein negatives Ergebnis geben. Dieses Mal konnte ich mit dem Trinken der Kontrastmittellösung zu Hause beginnen, einige Schlücke noch in der S – Bahn und den Rest dort, damit spart man natürlich viel Zeit ein. Die Kontrastmittellösung habe ich bisher immer gut vertragen. Ich bin auch pünktlich drangekommen, man kennt sich schon, nur das Legen des kleinen Katheters für das Kontrastmittel, wird immer wieder zum Problem, aber schaffen tut die Oberärztin es immer. Das Gefühl kenne ich ja schon, beim Zulauf des Mittels wird es heiß im Körper, aber nicht schlimm.
Eine Woche später ging ich zu meiner Onkologin zur Auswertung, sie war zufrieden, die, wie es heißt; ›minimalen dorsobasale narbige Veränderung in der Pulmo rechts‹ machten mir Sorgen, aber den Ärzten scheinbar nicht. Vielleicht hängt es auch mit der Schilddrüse zusammen. Wichtig, dass kein Lokalrezidiv vorhanden und die Tumorenmarker negativ waren.
Frau Doktor meinte, »Nächstes Jahr im Spätsommer sehen wir uns wieder, dann gibt aber auch wieder eine Darmspieglung!« in Anspielung auf meine diesjährige ›Verweigerung‹ .
Zufällig lief mir Schwester Jutta über den Weg, die jetzt schon in Rente ist, sie kann es aber auch nicht lassen immer wieder mal nach dem Rechten zu sehen, sie kennt mich sogar noch beim Familiennamen. Sie war es auch vor 5 Jahren, die mir die Angst vor der Chemotherapie nahm. Ich glaube so gemütlich geht es in der neuen Praxis nicht mehr zu, sieht immer etwas stressig aus. Ich bin froh, dass ich nicht mehr zu den ›Akuten‹ gehöre.
Zwischenzeitlich habe ich an einer kleinen Studie teilgenommen, deren Titel ungefähr so lautet, ›Der Morbus Bechterew und die Auswirkungen auf die Zähne‹, dazu musste ich in die Zahnklinik des Virchow Klinikum, was zur Charité gehört. Es wurde nach Parodontose geschaut, mit einer Nadel, welche in die Zahntaschen geschoben wurde. Es gibt angenehmeres, aber einen Ex – Krebspatienten kann so schnell nix mehr umhauen. Der junge Doktor hatte fast keine Beanstandungen, ärgerlich, dass ich meinen Zähnen nach der Krebsoperation keine so große Beachtung gescheckt habe. Ich dachte damals, es gibt wichtigeres und vielleicht lohnt es sich ja auch nicht mehr, nun habe ich den Salat. Paar fehlen, mal sehen ob der Staat oder die Kasse hier eine Unterstützung geben kann, muss ich eben wieder einmal kämpfen.
Als Dankeschön bekam ich eine professionelle Zahnreinigung, einschließlich Zahnsteinentfernung. Da in der Charité auch gespart werden muss, war keine Schwester da, also bat mich der Arzt, ob ich bei der Zahnsteinentfernung den Speichel selbst absaugen kann, natürlich konnte ich das, am Anfang zog es die Zunge immer mit herein, aber dann nach nochmaliger kurzer Einweisung war ich perfekt.
In Sachen Morbus Bechterew Behandlung in der Charité gab es eine Änderung, die Remicadetherapie erfolgt nun im Rahmen der Dispensairebetreuung direkt in der Rheumaklinik. Die Patienten, die aus der Studie, in der ›Neuen Therapien‹ heraus sind werden hier weiterbehandelt. Der Grund ist, Kapazitäten für neue Studien zu schaffen. Natürlich sind die Ärzte und Schwestern in der Rheumaklinik ebenfalls um das Wohl der Patienten besorgt, aber es geht etwas hektischer zu. Man steht nicht mehr in der ersten Reihe und ich hatte wieder eine neue, allerdings nette Ärztin, die mich jetzt für ein halbes Jahr behandelt sollte.
Die Schwester kannte ich noch von der Tagesklinik, na ja und die Infusion war wie immer. Die Schwester bekam den Katheter nicht hin, musste die Ärztin holen, meine Venen haben eben schon viel erlebt. Beim legen eines Katheters sehen sie immer gleich ›Rot‹ , weil sie sich an die Tortur in der Strahlenklinik vor fast 5 Jahren erinnern, wie die Zeit doch vergeht.
Meine neue Ärztin Frau Dr. Franz stellte beim abhören der Lunge, irgendein Geräusch fest, was sie etwas beunruhigte, aber letztlich gab es die Infusion, eine Überweisung zur Hautklinik und eine Verordnung für die Physiotherapie.
Doktor Lee aus dem Allergie – Centrum – Charité der Hautklinik kannte ich und wusste aus Erfahrung, am besten man geht hin und versucht ihn zu finden, was ich auch tat. Meine Akte war natürlich in der Anmeldung nicht auffindbar, weil er diese persönlich verwaltet. Er selbst war auch nicht auffindbar, ich sollte mich mal selbst darum kümmern. Daraufhin begab ich mich direkt ins Allergie Centrum, in der Hoffnung ihn zu finden oder zumindest einen Termin zu machen. In der dortigen Anmeldung befand sich zufällig, die Leiterin eine Frau Professor und hörte mein Anliegen. Der Doktor ist noch nicht da, er fängt heute erst Mittag an, aber sie riet mir zu warten, sie würde ihm Bescheid sagen, wenn er kommt. Es könne aber noch mindestens eine halbe Stunde dauern, bei mir dachte ich, ob ich hier nicht vergessen werde!
Es dauerte eine reichliche halbe Stunde, dann erschien er mit meiner Akte unter dem Arm. Er suchte ein Behandlungszimmer und musste sich erst einmal in meiner Akte belesen, ist ja auch klar, das letzte Mal war ich im März dort, aber er konnte sich dann gleich erinnern und er begutachtete mein hartnäckiges Ekzem auf dem Fußrücken. Verschreib mir noch einmal diese Dermatop – Salbe, war aber mit meinem Zustand soweit zufrieden. Meinte aber, dass die Untersuchung ein leicht erhöhtes Allergierisiko gezeigt und auf den Zehnnägeln sich ein Pilz angesiedelt hat. Dieser müsse mit Tabletten behandelt werden, aber erst brauchte er die Zustimmung der Rheumatologie, im Dezember werde ich dort das Problem vorbringen und anschließend soll ich gleich bei ihm vorbeikommen.
Es ist also nichts Lebensbedrohliches.
Als ich mir den Termin in der Physiotherapie holte, stellte die Leiterin fest, dass das Rezept zwar unterschieben war, aber der Stempel fehlte. Da ich vor 2 Jahren schon einmal dort war und sie mich noch kannte, konnte ich den ersten Termin auch so wahrnehmen.
Bei meiner Neurologin, brachte ich mein Problem mit den Kopfgeräuschen noch einmal zur Sprache. Ich dachte, vielleicht fällt es in ihr Ressort, aber auch sie hatte keine richtige Diagnose. Auf Grund meiner Schilderung meinte sie, vielleicht sollte ich mich einmal auf Tinnitus untersuchen lassen, die Halswirbelsäule könnte hier der Auslöser sein. Sie meinte aber in der Charité gäbe es in der Spezialabteilung sehr lange Wartezeiten, ich werde auch das zur nächsten Infusion ansprechen und hoffe es gibt nicht wieder ein neues Problem. Es bleibt also immer spannend in den Fragen der Gesundheit.
Im Monat Oktober lag der Bescheid über die Betriebskosten und die Heizkosten meiner Wohnbautengesellschaft im Briefkasten, es war fast eine komplette Miete die ich zurückbekam. Ich wusste, dass es nicht mir gehört, damit habe ich auch kein Problem. Vom Grundsicherungsamt wurde ich mehrmals darauf hingewiesen, jede Veränderung sofort zu melden. Also rief ich dort an, obwohl ich gar nicht wusste, wann und wie ich das Geld ausgezahlt bekomme. Na und jetzt, Erinnerungen an das Sozialamt werden wach, ein neuer Mitarbeiter war für mich zuständig. Einige Tage später sprach ich vor, es hatte sich einiges geändert. Vier Sachbearbeiter in einem Zimmer, also vier Anliegen mussten auf engsten Raum geklärt werden. Ich hatte den Eindruck es wurde vollkommen lustlos, ja fast ›lahmarschig‹ gearbeitet, Kompetenz konnte ich keine erkennen.
Die Auszahlung des neuen Betrages wurde sofort eingeleitet, meine Entgegnung, dass ich ja das Geld von der Wohnungsbaugesellschaft noch gar nicht erhalten habe spielte hierbei keine Rolle, gegebenenfalls müsse ich mich noch einmal melden. Einen Antrag auf die Weiterbewilligung ab April 2006 ließ ich mir gleich mitgeben, hoffentlich lässt sich die neue Regierung nicht wieder etwas einfallen, was mein Leben durcheinander bringt.
Ich hatte noch ein Problem, ein Schreiben meiner Krankenversicherung, indem es um die Nachzahlung von Beiträgen seit Anfang des Jahres ging und um einen neuen Beitragssatz zur Versicherung. Der Mitarbeiter nahm es zur Kenntnis und meinte ich solle einen Widerspruch machen, was ich auch tat, interessiert hat es ihn nicht wirklich.
Das Versorgungsamt meldete sich fast genau 5 Jahre nach meiner Operation bei mir, sie schickten mir ein Schreiben zur Neufeststellung oder Neubewertung des Grades meiner Behinderung. Ich sollte meine Ärzte angeben, also Hausarzt und Onkologin und eventuelle Gutachten einreichen, ich hatte aber nur ein Schreiben von der Rheumaklinik in dem mein Zustand beurteilt wurde, das schickte an das Versorgungsamt. Sie behalten es sich vor eine Untersuchung durch einen Vertragsarzt durchführen zu lassen. Meine maßgeblichen Ärzte habe ich schon darüber informiert.
Dazu kam es aber nicht, Erkundigungen wurden bei der Onkologin eingeholt und einige Zeit später hatte ich wieder Post vom Versorgungsamt, es wird der Grad der Behinderung auf 70 Prozent herabgestuft, aber das Merkzeichen ›G‹ wird beibehalten, das ist ja für mich eigentlich das Wichtigste. An das Merkzeichen ist ja die Beweglichkeit in Berlin geknüpft und auch ein Mehrbedarf vom Grundsicherungsamt. Vorsorglich habe ich mich aber noch bei meiner Betreuerin der Krebshilfe sachkundig gemacht, wir einigten uns keinen Widerspruch zu machen. Mit dem Merkzeichen ›G‹ ist auch die Entscheidung verbunden, mein altes Taxi vor dem TÜV im Dezember 2006 zu verkaufen, es rechnet sich nicht, die Betriebskosten sind einfach zu hoch und stehen in keinem Verhältnis zu jährlichen Fahrleistung. Es ist aber erst eine Überlegung, so einfach ist die Trennung auch nicht.
Am 06.12.jährt sich zum fünften Mal der Tag an dem ich meine letzte Bestrahlung in der Strahlenklinik der Charité bekam, danach lagen nur noch zwei Monate Chemotherapie vor mir. Ich glaube den Tag kann ich nicht vergessen, ich erinnere mich noch genau, mit welchem erhebenden Gefühl ich hinkommen bin. In der Tagesstation stand schon der Weihnachtsbaum und die Kerzen brannten. Es war ja Nicolaus, ich wurde nach der Bestrahlung endlich meine Umhängetasche mit der Infusionslösung los. Der mühevoll eingefädelte Katheter wurde ebenfalls entfernt, es war der glücklichste Moment in meinem Leben, obwohl ich damals noch keine Prognose wagte, ob ich es überstanden habe.
Deshalb habe ich mir an diesem Tag etwas Besonderes vorgenommen, ich wollte den Nicolaustag in London verbringen, will drei Tage bleiben und das verbinden mit einem Praxistest hinsichtlich der Beherrschung der englischen Sprache.
Im Gedanken war mir das schon klar, dann kamen mir wieder Zweifel auf, ob ich es packe, vor allem auch gesundheitlich. Bevor mir diese Selbstzweifel zu sehr in das Gedächtnis rückten, habe ich zumindest den Flug bei easyJet gebucht. Die billigsten Flüge waren schon weg, wieder mal zu lange gewartet, aber für 50 Euro Hin und Zurück inklusive Gebühren und Steuern geht es noch. Den Flug buchte ich schon vor meiner Reise nach Hannover, vorher habe ich mir die Modalitäten am Flughafen Schönefeld angesehen.
Nun brauchte ich noch eine Unterkunft, da hatte ich ein Problem, ich wollte im Internet in London buchen, aber da waren die Buchungen nur mit Kreditkarte möglich, die ich nicht hatte. Eine Nachfrage bei meiner Bank ergab, dass sie mir auch keine geben, weil ich nur Grundsicherung bekomme und deshalb nicht ›Kreditwürdig‹ bin. Da spielen die 15 Jahre Zugehörigkeit keine Rolle, nie das Konto überzogen, das musste ich erst einmal zur Kenntnis nehmen. Deshalb erfolge die Hotelbuchung auch bei easyJet, dort geht es mit dem Lastschriftverfahren problemlos. Eine Kreditkarte habe ich mir nun bei einer anderen Bank besorg, so dass ich in London etwas unabhängiger bin.
Zur Vorbereitung habe ich mich im Internet belesen und festgestellt, dass man nicht unbedingt einen Reiseführer braucht, weil es sämtliche Informationen gibt, aber ich hatte mir schon einen zugelegt.
Das BRITAIN VISITOR CENTRE schloss ich ebenfalls in meine Vorbereitungen ein, dort habe ich mir die 3 Day – VISITOR Travelcard für die Zone 1 und 2 gekauft. Mit dieser Karte kann man alle öffentlichen Verkehrsmittel (U–Bahn, Busse, Bahnen) in den Zonen 1 und 2 nutzen. Damit bin ich beweglich genug, denn dadurch wird das Stadtzentrum abgedeckt und die Docklands Light Railway kann ich auch benutzen.
Des Weiteren kaufte ich mir noch die Fahrkarte für den Thameslink um vom Flughafen Luton nach dem Bahnhof Kings Cross zu kommen. Alle Karten sind dort in Euro bar zu bezahlen. Vor Reiseantritt werde ich mir noch etwas Bargeld umtauschen und dann konnte es losgehen, in der Hoffnung, ›the weather isn't very British‹ .
Aber noch war es ja nicht soweit, denn es waren wieder paar Probleme aufgetaucht, aber keine gesundheitlichen. Die Krankenkasse mahnte mich, meine ausstehenden Beiträge zu bezahlen, ansonsten würde mir die Mitgliedschaft gekündigt, da wurde mir wieder ganz komisch zu mute. Ich rief den Mitarbeiter im Grundsicherungsamt an und konfrontierte ihn mit dem Sachverhalt, er war aber der Meinung, dass das Amt die Beiträge gezahlt hat, nur nicht die Nachzahlung bzw. sei der Beitrag auch noch nicht abgeändert. Ich solle das Schreiben zuschicken, ich rief aber noch einmal bei der Krankenkasse an und mir wurde gesagt, »Sie sind bei uns versichert und deshalb auch für die Bezahlung des Beitrages verantwortlich«. Ja was soll man dazu sagen, sicherlich haben die irgendwo Recht, also rief ich den Mitarbeiter wieder an, er bat mich um die Telefonnummer und wollte es klären.
Wenn ich nun glaubte, ich bekomme eine Rückmeldung, dann täuschte ich mich, nach paar Tagen rief ich im Grundsicherungsamt wieder an, er meinte die Krankenkasse will es klären. So richtig wohl war mir bei der Antwort nicht gerade. Aber ich dachte mir, so ohne weiteres können sie mir doch die Mitgliedschaft nicht kündigen, denn das wäre für mich der Untergang.
In meinem jugendlichen Leichtsinn plante ich mir eine Lesebrille machen zu lassen, im Supermarkt kosteten diese nur 10 Euro, da ich aber noch ein gutes Brillengestell vom Vater hatte ging ich zu Apollo und wollte mir dort eine anfertigen lassen. Meine letzte Brille beim Optiker habe ich mir vor 10 Jahren machen lassen. Ich wollte auch wegen meiner Vorbelastung (Iritis) einen Optiker konsultieren, mich haut es bald vom Sessel als ich den Preis vernahm Glasgläser 110 Euro und Plastegläser 150 Euro, ich beschloss die aus Glas zu nehmen. Ich hätte gar keine nehmen sollen, manchmal ist man aber auch blöd.
Ein Termin in der Nuklearmedizin wegen der Knoten in der Schilddrüse stand noch aus, es war ein neuer Arzt dort, der alles etwas lockerer sah. Es wurde ein Szintigramm gemacht und dabei festgestellt, dass die Knoten nicht gewachsen sind, also keine Operation, weil ich auch keine Beschwerden beim Schlucken habe. Er meinte aber, wenn der Hals anschwillt solle ich lieber gleich zum Chirurgen gehen.
Nun rückte der Zeitpunkt der Reise immer näher und da ich mich nicht gegen die Grippe impfen lassen habe, es war ganz einfach nicht 100% - prozentig von den Rheumatologen der Charité zu erfragen und die anderen Ärzte wollten da auch von sich aus nichts machen. Also sprach ich meinen Freund, den Hausarzt an und teilte ihm mit, dass ich verreisen, aber nicht ohne Antibiotika losfliegen will, man weiß ja nie. Ich mit ihm einen Deal ein, ließ mir keine Medikamente gegen die Schilddrüse verschreiben sondern Antibiotika, ich hatte noch welche und am Jahresende ist es sowieso immer schlecht mit Medikamenten. Er meinte auch zu mir, eigentlich könnte er zu machen, denn sein Budget ist ausgeschöpft, er arbeitet sowieso für umsonst. Auf die Frage wie denn das geht, meinte er die Politik setzt auf unseren ärztlichen Ethos, ist das nicht schrecklich, wie mit den Ärzten umgesprungen wird.
Für meine Reise brauchte ich noch eine Reisetasche, mir fiel mit Schrecken gleich Hannover ein, als ich mit der Umhängetasche wie ein Lastentier durch die Gegend zog, das wollte ich mir in London nicht antun. Ich wollte mir einen Trolley kaufen, um mein Gepäck bequem hinter mir herzuziehen zu können. Mehrmals schon besah ich mir welche in verschiedenen Läden, aber meine Entschlusskraft tendierte immer gegen null. Die Preise lagen so zwischen 40 und 100 Euro, 4 Tage vor der Reise musste es nun werden, ich kaufte einen, der von 90 auf 40 Euro gesenkt war, er entsprach so ungefähr meinen Vorstellungen, nicht zu groß, also bequem zu händeln. An dem Tag gab es auch noch 10% Rabatt in der Galeria Kaufhof, also kostete er nur 36 Euro, Schnäppchen gemacht.
In dieser Woche war noch allerhand los, eine neu analoge Spiegelreflexkamera legte ich mir zu, mit meiner Digitalkamera war ich eigentlich nicht so sehr zufrieden und mein vorhandene Fotoausrüstung samt Kamera war zu umfangreich um das alles mitzunehmen. Da gab es noch einiges zu studieren, damit ich die Bilder auch in ordentlicher Qualität werden. Sonnabend dem 03.12. war unsere Flugsimulantenstammtisch – Weihnachtsfeier in der Gaststätte – Am Rollfeld in Tempelhof, bei Kaffee und Hausfrühstück wurde wieder über alles mögliche Rund um die Flugsimulation und den Computer gefachsimpelt. Vom Wirt bekamen wir als treue Gesellschaft jeder eine Flasche Rotwein geschenkt.
Dieses Jahr habe ich, anlässlich des 5. Jahrestages der Beendigung meiner Bestrahlung, alles was mit Weihnachten zu tun hat in der Wohnung verteilt, manches Jahr war es nicht so gewesen, es tummelten sich Schwibbogen, Glasfieberweihnachtsbaum, Räuchermänner, Laterne und Adventskranz in der Wohnung, entsprechende Tischdecken und Deckchen wurden aufgelegt. Es war so richtig gemütlich, auch alleine. Ich als ›Randerzgebirgler‹ brauche das.
Am Nikolaustag trat ich meine Flugreise nach London an.

Ich gab der Reise den Titel "Adventshopping in London", aber ich war mehr zum Eindrücke sammeln dort, hier sind meine Reiseerlebnisse . Nur soviel sei hier gesagt, eine Stadt mit soviel Flair habe ich noch nicht gesehen und ich dachte immer ich habe Hauptstadterfahrung.
Seit dieser Zeit bin ich anglophil
Nach meiner Rückkehr wurde ich vom Alltag gleich wieder eingeholt, es standen Arzttermine, Weihnachts– und Geburtstagsvorbereitung an. Einen Termin hatte ich noch bei meiner Diabetologin Frau Dr. Wagner, es ging um die Auswertung der letzten Blut– bzw. Urinuntersuchung und um die Folgeverordnung für die diabetische Fußpflege.
Die Laborwerte waren eigentlich ganz gut gewesen, aber nun hatte ich das erste Mal nach meiner damaligen Operation, erhöhte Leberwerte, aber noch kein Grund zur Beunruhigung meinte die Ärztin. Die Folgeverordnung für die medizinische Fußpflege bekam ich natürlich, es ist sehr wichtig für mich, vor allem, weil ich aufgrund des Bechterew mir die Zehennägel nicht schneiden kann, wenn ich es tue nur ›blind‹ und mit unmöglichen Verrenkungen. Jetzt muss sie die Krankenkassen nur noch genehmigen, man ist immer in Bewegung.
Als nächstes war die Infusion in der Charité fällig, es hatte sich jetzt in der Rheumaklinik schon eingespielt und ich habe wieder das Gefühl in guten Händen zu sein. Mit der Ärztin Frau Dr. Franz verstand ich mich gut und teilte ihr gleich das Problem mit den Leberwerten mit, auch hier waren bei der letzten Untersuchung diese leicht erhöht. Bisher erfolgte bei jeder Infusion eine Blutabnahme, das soll jetzt anders und vom Hausarzt gemacht werden. Mal sehen wie sich das entwickeln wird, sparen aller Orten. Ich teilte ihr auch das Ergebnis des Arztbesuches in der Hautklinik mit (Behandlung des Nagelpilzes mit Tabletten), aufgrund der Leberwerte einigten wir uns auf keine Behandlung, ich hatte ja im Anschluss noch einen Termin bei Dr. Lee, wenn ich rechtzeitig fertig werde. Dann erfolgten die üblichen Untersuchungen und erst wenn sie nix auszusetzen hat und ich bereit bin, wird der ›Cocktail‹ angemixt. Trotzdem soviel Zeit wie in der Studienabteilung ist nicht da, aber ich will mich nicht beschweren, bin froh, dass ich dort bin. Sollten sich irgendwelche Probleme mit den Blutwerten ergeben, wollte sich meine Ärztin bei mir melden.
Schwester Heidi, die beim letzten Mal noch so ihre Probleme mit dem Legen des Katheders hatte, schaffte es beim ersten Mal. Es ist ja nicht so wie beim Blutabnehmen, für die Infusion muss so ein klitzekleiner Schlauch in die Vene geschoben werden. In dem Zimmer sitzen dann immer drei bis vier Leute die die Infusion bekommen, aber Unterhaltung gibt es kaum, ich höre meine Vokabeln oder Grammatik im MP3 – Player.
Erst wird der Tropf langsam eingestellt, ist ja auch richtig, aber dann musste ich ihn etwas beschleunigen, damit ich noch den Termin beim Dr. Lee schaffe, Mutter und Sonja hatten sich zum Nachmittag auch zu Besuch angesagt, also Stress pur.
Doktor Lee aus der Hautklinik musste gesucht werden, wie immer eigentlich, aber er wird immer gefunden. Als er kam hatte er natürlich meine Akte nicht zur Hand und ich musste ihm erklären um was es geht, es ging ja um die Pilzgeschichte, ich übermittelte ihm die Entscheidung meiner Ärztin, mit der er voll einverstanden war. Danach zeigte ich ihm noch die Stelle auf dem Fußrücken, die trotz Salbe nicht abheilt, wir einigten uns dass ich jetzt nichts mehr auftrage. Im Februar vor der nächsten Infusion will er mich sehen und der Frau Professor vorstellen, er meinte es könnte eine Medikamentenallergie sein. Ich sputete mich nach Hause zu kommen.
Dann kamen schon die Vorweihnachtsbesucher aus Bautzen angereist, es war wie immer schön, mit kleiner Stadtrundfahrt und dem Besuch diverser Berliner Weihnachtsmärkte. Meine Mutter konnte ich schon beim letzten Besuch in Bautzen nicht dazu bewegen, Weihnachten bei mir zu bleiben. Der immer wieder vorgebrachte Einwand, es wäre ihr zu langweilig bei mir, also beschloss ich Weihnachten alleine zu bleiben und es mir gemütlich zu machen, inmitten meiner Weihnachtsdekoration. Denn zum Geburtstag sind sie sowieso alle wieder da.
Aber es gab in der Vorweihnachtswoche noch etwas Wichtiges zu erledigen, ich wollte gern das Problem mit meiner Krankenkasse geklärt haben, also rief ich dort an. Die Nachfrage, ob sich schon etwas mit der Nachzahlung bzw. dem neuen Beitragssatz geklärt hat, ergab ein negatives Ergebnis, also begab ich mich noch einmal zum zuständigen Sachbearbeiter im Grundsicherungsamt. Man muss ja trotz aller Probleme immer versuchen ruhig zu bleiben. Ich nahm mir vor, wenn er wieder nichts unternimmt, seiner Leiterin per E – Mail den Sachverhalt zu schildern, weil es für mich nicht nachvollziehbar ist warum man sich so verhält und am Ende eine Kündigung der Krankenkasse heraufbeschwört, denn die Arztrechnungen muss das Amt sowieso bezahlen, dann wird es noch teurer. Der Mitarbeiter meinte, er hätte mit der Krankenkasse gesprochen, so hörte es sich aber in meinem Gespräch mit der Kasse nicht an, erlaubte ich mir anzumerken. Er wollte abwarten, bis mein Widerspruch von der Kasse bearbeitet ist, es würde dem Amt viel Arbeit machen, erst zu bezahlen und dann eventuell das Geld zurückzufordern. Ich konnte es nicht nachvollziehen, was glaubt er denn warum er Arbeit hat um zu arbeiten dachte ich immer. Ich würde den Jahreswechsel ruhiger verbringen wenn ich wüsste es gibt eine Klärung, oder er möge mir eine Bestätigung für die Krankenkasse ausstellen, aus der hervorgeht, dass ich wiederholt beim Amt zum Sachverhalt vorgesprochen habe. Daraufhin meinte er, er könne das Geld unter Vorbehalt bezahlen, ehrlich gesagt mir war es egal, Hauptsache es wird bezahlt. Ich glaube er war nur faul, faul, faul.
Ich sollte einen neuen Bescheid zugeschickt bekommen, war mir aber nicht sicher ob er kommt, denn er versprach es schon zweimal. Ich erinnerte mich immer wieder an den letzten Jahreswechsel, als ich ohne Geld und Aussicht auf Klärung in meiner Wohnung saß.
Den Heiligen Abend, oder besser Nachmittag war ich mit der Berliner –
Tante bei meiner Cousine und deren Sohn zum gemeinsamen Kaffeetrinken
eingeladen. Den Dreien habe ich in den vergangenen Jahren auch einiges zu verdanken,
es waren immer meine ersten Ansprechpartner, Helfer bei Problemen. Jetzt bin
ich auf Hilfe nicht mehr so angewiesen, jeder muss sein Leben sowieso für
sich leben und ich packe es momentan zumindest ganz gut. Einige neue
Ansprechpartner sind auch dazugekommen. Auf den anschließenden Kirchgang
habe ich aber verzichtet, das ist mir dann noch zu gewöhnungsbedürftig,
außerdem
beschloss ich Weihnachten keine Besuche mehr zu machen.
Depressionen kenne ich schon seit paar Jahren nicht mehr, deshalb habe ich Weihnachten auch kein Problem mit dem Alleinsein. Das Essen fiel nicht so üppig aus, wie es vielleicht an Weihnachten üblich ist, vor lag viel Arbeit. Ich wollte meine 1. London – DVD erstellen und musste mein Geburtstag am 27. vorbereiten.
• Das Erstere gelang mir nicht, nach dem zigsten Programmabsturz gab ich entnervt auf und fluchte auf ›Pinnacle‹, werde mir wohl ein neues Programm zulegen, erst einmal sind ja alle Bilder eingescannt.
•Das Zweite, die Geburtstagsvorbereitung gelang mir besser, ich hatte vor Weihnachten schon alles eingekauft, außer Baguettebrote. Aber am zweiten Feiertag nachmittags begann ich schon kleine Hackfleischbällchen, etwas über 100 Stück, zu braten, diese werden von meinen Gästen immer gern genommen. Kuchen brauchte ich nicht backen, der wurde aus Bautzen mitgebracht, obwohl Probleme hätte ich damit nicht.
Am Morgen meines Geburtstages kaufte ich 4 Baguettebrote, schnitt sie in Scheiben und belegte sie vielfältig, Getränke waren ebenfalls genug da und zumindest vom Essen ist nix übrig geblieben, also denke ich dass es allen gemundet hat. Man hat ja immer so seine Sorgen ob alles reicht, aber es war alles in Ordnung. Gekommen sind die, die sonst auch immer da waren, 11 Leute sind zusammengekommen, es war sehr gemütlich. Besonders gefreut habe ich mich, dass zum ersten Mal weiterer Besuch aus der Familie meiner Ex – Frau da war, meine Ex –Schwägerin, ihr Mann musste leider arbeiten.
Nach dem Geburtstag bekam ich noch den erwarteten Brief vom Versorgungsamt, mit der Bestätigung der Schwerbehinderung 70 Grad einschließlich Merkzeichen ›G‹. Der Schwerbehindertenausweis war jetzt gültig bis 01/2021, die Zahl wollte mir gar nicht so richtig in den Kopf, was wird da wohl sein, da liege ich bestimmt schon in Bautzen neben meinem Vater. Begründet wurde das mit folgenden Funktionseinschränkungen
a) Bechterew'sche Erkrankung mit Gelenkbeteiligung
b) Tablettenpflichtige Zuckererkrankung mit Folgeerkrankungen
c) Teilverlust des Dickdarmes, Afterschließmuskelschwäche
Ja so steht es geschrieben und damit hat das Versorgungsamt Recht. Besonders wichtig war für mich das Merkzeichen ›G‹.
Ich bekam noch einen noch eine Brief von meiner Ärztin aus der Charité mit den Laborwerten und es bestätigte sich, dass die Leberwerte nicht ganz so gut waren, sie meinte dass diese sicherlich auf Medikamente zurückzuführen sind und ich solle beim nächsten Besuch den Hausarzt informieren. Bin ja gespannt was sich daraus entwickelt.
9. Erinnerungen, wieder Ärger, neue Glanzpunkte und ein erfüllter Traum
aus dem Jahre 2006
Ja, ich habe es getan und war am Brandenburger Tor aber nur bis 18.00 Uhr, denn dann wurde es voller und voller, alleine macht es auch nicht wirklich Freude. Den Rest des Abends verbrachte ich in meiner Wohnung, ich lege sogar Papierschlangen aus. Das gesamte Weihnachtszeug verstaue schon einen oder zweit Tage nach dem Geburtstag, es reichte und man freut sich wenn wieder Ordnung herrscht.
Mitternacht sah mir die ›Euroshow‹ an, also es sieht sehr schön aus, wenn die Geldscheine in Form von Raketen in die Luft fliegen. Um 01.00 Uhr schaute ich noch auf BBC das Feuerwerk in London an, die zentrale Stelle ist das BA LONDON EYE, es sah auch nicht schlecht aus und wenn man sich nun schon etwas auskennt noch besser.
Ein gedankliches Flämmchen keimte, wie wäre es einmal Silvester in London zu verbringen?
Natürlich dachte ich zum Jahreswechsel an das letzte Jahr zurück, mit Schrecken an die Situation am Anfang des Jahres. Ich konnte eigentlich richtig glücklich sein, wie nach dem verkorksten Jahresanfang, das Jahr doch noch einen positiven Verlauf nahm.
Ich war auch nicht faul in Punkto der Erhaltung meiner Beweglichkeit, der Bechterew zwingt mich dazu. Leider konnte ich mein Training auf dem Ergometer nicht konsequent das Jahr über durchhalten. Aber es sind immerhin 850 Kilometer und 46 Stunden zusammengekommen. Ein Vorsatz ist, wenn es gesundheitlich klappt, im dieses Jahr monatlich ca. 200 Kilometer abzustrampeln, Pausen lege ich nur am Wochenende ein.
Meine Wohnung war fast fertig renoviert, der Rest (Paneleinbau im Flur) erfolgt dieses Jahr, obwohl ich im April meine Leistungen beim Grundsicherungsamt neu beantragen muss. Ich hoffe nur, dass der Kampf um die Wohnung nicht wieder von vorn losgeht, wie haben ja eine neue Regierung im Amt.
Zwei Hauptstädte besucht oder drei wenn ich Berlin mitrechne, die Gesundheit spielte so einigermaßen mit, also konnte ich ziemlich zufrieden sein.
Seit vielen Jahren mal ein Jahresbeginn ohne Probleme?
Vorplanungen für 2006 machte ich auch, meine Mutter hat mir zum Geburtstag den traditionellen Obolus geschenkt, dafür habe ich mir einen Flug gebucht und wohin, natürlich nach London für den Mai. Mein Motto ›Spring at the Thames‹ ,wenn mich jemand fragt warum, »Weil ich es mir Wert bin!« ,den Anlass fand ich auch. Vor fünf Jahren im Mai begann eigentlich meine langsame Genesung, die Bestrahlung und die Chemotherapie waren vorbei, ich erholte mich in der Reha – Klinik in Kalbe an der Milde. Dort faste ich trotz der Diagnose Morbus Bechterew wieder Lebensmut, danach ging es schrittweise aufwärts.
Andere Menschen haben nicht so viel Glück wie ich, schaffen es nicht. Ich erfuhr mit Schrecken, dass die Sängerin Hanne Haller im vergangenen Jahr verstorben ist, ihre Lieder mochte ich sehr. Das hat mich besonders bewegt, weil ich sie vor zwei Jahren im Saturn Markt getroffen habe. Sie gab Autogramme, sah gut aus und wie wechselten einige Worte über die Geisel der Menschheit, beglückwünschten uns gegenseitig zum geglaubten Sieg über den Krebs. Dann nach nicht einmal zwei Jahren gibt es keine Rettung mehr für sie. Vieles bewegt mich nicht mehr so stark, aber wenn es um den verlorenen Kampf gegen den Krebs geht, da bin ich doch sehr emotional veranlagt. Ich bin mir natürlich auch bewusst, es gibt viele Menschen die ihn gewinnen oder verlieren, jeder hat sein ganz persönliches Schicksal zu meistern, nur von den ›Prominenten‹ erfährt man es. Wichtig ist, man muss nach vorn schauen und sich mit der Zukunft intensiv auseinandersetzten. Wenn es dann soweit ist, sollte man selbst und das Umfeld sagen können, der hat noch etwas aus dem Leben gemacht.
Als ich in der ersten Januarwoche vom Flugsimulantenstammtisch kam und im Briefkasten ein Schreiben meiner Krankenkasse vorfand, ahnte ich nichts Gutes. Ich glaub es geht schon wieder los, das Lied kann ich mir eigentlich in Stein meißeln lassen. Zumal es sich um eine so genannte förmliche Zustallung mit Postzustellungsurkunde handelte. Nach dem Öffnen bestätigte sich mein Gefühl auch, es war ein Brief vom Team Versicherungsrecht;
Beendigung Ihrer freiwilligen Krankenversicherung
hier: Ausschluss wegen Zahlungsverzug
Sonnabend gegen 15.00 Uhr, keiner ist zu erreichen, also stand mir wieder einmal ein Wochenende mit Grübeln bevor und mein Optimismus im neuen Jahr sank schon im Januar gegen ›Null‹ . Ich habe am Sonnabend nur die Überschrift gelesen und erst am Sonntag nahm ich mir das Schreiben noch einmal vor. Der wörtliche Inhalt war folgender;
Der Beitrag zur freiwilligen Krankenversicherung für den Monat 11/05 sind bisher nicht oder nicht vollständig entrichtet worden. Der Gesamtrückstand einschließlich dem Beitrag für 12/05 beläuft sich am 16.01.06 auf insgesamt
170,18 EURO
Nach § 191 Nr.3 Sozialgesetzbuch V endet die freiwillige Mitgliedschaft mit Ablauf des nächsten Zahltages, wenn für zwei Monate die fälligen Beiträge trotz Hinweises auf die Folgen nicht entrichtet wurde.
Zur Vermeidung des drohenden Ausschlusses zum 15.02.06 ist es zwingend erforderlich, dass Sie zumindest den Beitrag zur freiwilligen Krankenversicherung (ohne Pflegeversicherung und Nebenkosten) für den Monat 11/05 in Höhe von 17,06 EURO bis spätestens zum 16.01.06 entrichten.
Als Tag der Entrichtung der Beiträge gilt bei Zahlung durch Scheck, bei Überweisung oder Einzahlung auf eines unserer Bankkonten der Tag der Wertstellung zugunsten der Krankenkasse. Veranlassen Sie bitte daher die Zahlung rechtzeitig vor dem genannten Termin.
Zweite Seite Schreiben vom 05.01.2006 Sofern vorerst nur die Krankenversicherungsbeiträge eingezahlt werden können, weisen wir Sie darauf hin, dass die Beiträge zur Pflegeversicherung darüber hinaus fällig bleiben. Um weitere Gebühren und mögliche Vollstreckungsmaßnahmen zu vermeiden, bitten wir Sie, diese Rückstände mit der nächsten Beitragszahlung zu begleichen.
Entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen machen wir auch darauf aufmerksam, dass bei Erfüllung der Voraussetzungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB XII) die Übernahme von Krankenversicherungsbeiträgen durch den Sozialhilfeträger möglich ist. Ergibt sich der Zahlungsverzug aus finanziellen Schwierigkeiten, empfehlen wir Ihnen, sich mit uns wegen einer Zahlungsvereinbarung oder eines persönlichen Beratungsgesprächs – unbedingt vor Ablauf des genannten Zahlungstermins – in Verbindung zu setzen.
Ferner machen wir ausdrücklich darauf aufmerksam, dass bei einem Ausschluss die freiwillige Mitgliedschaft unwiderruflich in der gesetzlichen Krankenversicherung endet, d.h., auch bei einer anderen gesetzlichen Krankenkasse ist eine freiwillige Krankenversicherung dann nicht mehr möglich. Dies gilt auch dann, wenn der Beitrag nachträglich vollständig entrichtet wird. Gegen einen Bescheid über den Ausschluss aus der gesetzlichen Krankenversicherung wegen Zahlungsverzug ist die Einlegung eines Widerspruchs möglich. Wir weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass dieser nach den Vorschriften des Sozialgerichtsgesetz (SGG) keine aufschiebende Wirkung hat, da die sofortige Vollziehung im öffentlichen Interesse oder im überwiegenden Interesse eines Beteiligten liegt (§ 86a Abs. 2 Nr. 5 SGG). Sollte es in Ihrem Fall tatsächlich zum beschriebenen Zahlungsverzug kommen, so weisen wir schon jetzt darauf hin, dass die sofortige Vollziehung im Interesse der übrigen Versicherten (Solidargemeinschaft) angeordnet werden wird.
Freundliche Grüße
Trotz relativer geistiger Rege bekam ich den Inhalt nicht im Gehirn unter, vielleicht wollte ich es auch nicht. Deshalb beschloss ich Sonntag zu machen und mich am Montag erst beim Grundsicherungsamt und dann bei der Krankenkasse zu melden. Ich habe ja in den letzten fünf Jahren viel gelernt und bin mit allen möglichen Problemen fertig geworden, aber was ich nicht kann, Probleme einfach wegzudenken, sie sind immer präsent. Denn ein Ausschluss mit allen seinen Folgen wäre für mich das Schlimmste was passieren kann. Ich verfluchte meinen Bearbeiter im Grundsicherungsamt, den ich seit Oktober diesbezüglich mehrmals ansprach. Was geht in den Köpfen der Leute eigentlich vor, wissen die denn gar nicht, dass es um Menschen und deren Existenz. Ich hatte doch tatsächlich, am 27. Dezember, einen neuen Bescheid vom Grundsicherungsamt bekommen, daraus geht hervor, dass die neuen Beitragshöhe und die Nachzahlung erfolgt sind.
Am Montag rief ich meinen Bearbeiter an und fragte nach, er reagierte sofort, genervt und gereizt. Er meinte es ist sicherlich eine Überschneidung, mein Hinweis auf einen drohenden Ausschluss bewegte ihn auch nicht sonderlich. Die Nachfrage wann das Geld überwiesen wurde konnte er definitiv nicht beantworten, für ihn war die Sache damit erledigt, es geht ja hier nur um Menschen. Ich überlegte schon ob ich mich weiter wenden sollte, an seine Leiterin oder an den Petitionsausschuss, aber dann dachte ich mir, dass ich auf diesen Menschen sicherlich nicht das letzte Mal angewiesen bin, man muss als ›Abhängiger‹ immer genau abwägen.
Danach rief ich in der Krankenkasse an, zum Glück war die Briefschreiberin nicht da, zu ihr finde ich einfach keinen ›Draht‹ , also sprach ich mit einer anderen, in der Hoffnung, dass die Zahlung eventuell schon eingegangen ist, aber ich erhielt eine negative Antwort und ich soll mich am Mittwoch noch einmal melden. Wieder war warten angesagt.
Das Leben geht aber trotzdem weiter und deshalb nahm ich meinen Termin zur diabetischen Fußpflege wahr, die Weiterbewilligung wurde mir von der Krankenkasse genehmigt. Die neue Fußpflegerin arbeitet sehr gewissenhaft, es dauerte fast ein Stunde, der Wechsel war eine richtige Entscheidung, aber nicht wegen der Qualität, sondern aufgrund des kurzen Weges. Die Physiotherapie Wagner zu der auch die Fußpflegepraxis gehört kann ich zu Fuß erreichen und die Chefin freut sich über einen neuen Kunden. Meine ehemalige Podologin kann es verschmerzen, sie war mir auch nicht böse, dass ich den Wechsel vollzogen habe.
Bis Mittwoch drehten sich die Gedanken nur um den Ausschluss. Einen Notfallplan legte ich mit natürlich zurecht und wollte die geforderte Summe aus der eigener Tasche bezahlen, obwohl ich nicht wusste, ob ich das Geld dann jemals zurückbekomme. Ich wäre dann sofort zum Hauptsitz meiner Krankenkasse gefahren um die Bezahlung zu tätigen, denn eine Überweisung wäre vielleicht nicht mehr pünktlich angekommen, was dann passiert, steht eindeutig im Schreiben. Verwundert war ich, dass hier ein Hinweis enthalten ist, dass ich mich wegen der Zahlung an den Sozialhilfeträger wenden kann. Weiß denn die Krankenkasse nicht wer meine Beiträge bezahlt?
Am Mittwoch rief ich wieder an, diese Mal war die Briefschreiberin selbst am Telefon, meine Nachfrage über den Zahlungseingang war positiv, was mir emotionslos mitgeteilt wurde, ich konnte gerade noch nachfragen, ob sich nun alles erledigt hätte und ob der Beitrag in der richtigen Höhe überwiesen worden ist, da war das Gespräch genau so emotionslos beendet. Vorher erfuhr ich noch, dass die Nachzahlung und auch der neue Beitragssatz in der entsprechen Höhe gezahlt wurde. Ich hätte jetzt ein Guthaben von einigen EURO, deshalb werde ich vorerst nichts unternehmen.
Ich glaube die Kasse wäre ganz froh, wenn sie mich nicht mehr hätten, so ein Gefühl beschleicht mich jedenfalls, Gefühle kann man ja mal äußern.
Dieses Problem hat mir wieder einmal anschaulich und in aller Deutlichkeit gezeigt, es löst sich nichts von selbst. Man sollte sich auch nicht von den Ämtern abwimmeln lassen, denn wenn ich nicht im Dezember zum dritten Mal beim Grundsicherungsamt auf die Lösung gedrungen hätte, wäre es nicht so positiv ausgegangen. Man muss immer höllisch aufpassen, dass man nicht zwischen die Mahlsteine der Ämter oder Behörden gerät und ich muss immer wieder an die Menschen denken, die nicht in der Lage sind, aus welchem Grund auch immer, sich zu helfen.
Es gab aber auch eine positive Nachricht, der neue Schwerbehindertenausweis kann angefordert werden, ich brauchte nur ein Lichtbild hinschicken und innerhalb weniger Tage hatte ich den ›Neuen‹ in der Hand, mit der Bestätigung der Behinderung von 70 Grad und dem Merkzeichen ›G‹ wegen ›erheblich gehbehindert‹. Wenn man, wie ich, keine Steuern bezahlt, ist der Grad der Behinderung nicht so wichtig, aber das Merkzeichen schon, man bekommt die Jahreskarte für den öffentlichen Personennahverkehr für 60 Euro, zuzüglich freie Fahrt in den Regionalzügen im Umkreis von 50 Kilometern. Da ich aber Sozialleistungen erhalte brauche ich für die Jahreskarte nichts bezahlen und das hilft mir ungemein. Dazu kommt, dass ich auf das Merkzeichen noch einen Mehrbedarf vom Grundsicherungsamt bekomme.
Ich bin mir hier allerdings nicht ganz sicher, ob ich diesen wegen der Erwerbsunfähigkeit, des Merkzeichens oder nur wenn beides zutrifft. Es ist mir auch irgendwie egal, Hauptsache ich bekomme ihn. Ich werde, so wie es aussieht wegen der Gültigkeit keine Probleme mehr bekommen, denn der Ausweis ist bis zum Jahre 2021 gültig, eine Zahl die in mein Gehirn nicht hineinpasst und Realist bin ich ja auch.
Belogen habe ich das Grundsicherungsamt hinsichtlich der häufigen Arzttermine nicht, innerhalb der ersten 14 Tage im Februar standen fünf Arzttermine an.
Bevor ich den Termin beim Hausarzt wahrnahm, habe ich die ›Chemie‹ (Blutbild) machen lassen. Ich wusste gar nicht, dass die Ärzte auch nur ein bestimmtes Kontingent haben um Laboruntersuchungen machen zu lassen, nur durch die Eingabe einer entsprechenden Verwaltungsnummer geht es nicht vom Kontingent, dazu hatte ich extra von der Rheumaklinik der Charité ein Schreiben mitbekommen. Das Ergebnis der Untersuchung war so wie bisher, die Leberwerte waren geringfügig erhöht. Es machte meinem Hausarzt keine ernsthaften Sorgen, er empfahl mir eine Ultraschalluntersuchung machen zu lassen. Er übergab mir auch noch den Befund der Schilddrüsensonografie, aus dem hervorging, dass sich die Knoten nicht vergrößert haben, nächste Kontrolluntersuchung im Herbst des Jahres.
Die nächsten beiden Termine waren an einem Tag, Vormittag bei der Neurologin und am Nachmittag bei der Diabetologin, bewaffnet mit den Laborwerten ging ich zu den Ärztinnen.
Die Neurologin verwies gleich darauf, dass es am Gabapentin nicht liegen könne, es wird nicht über die Leber abgebaut. Heute stand auch die noch die Untersuchung der Nervenleitbahnen auf dem Programm, diese ergab keine Verschlechterung zum Jahre 2003. Die Messung ist nicht wirklich angenehm, aber alle 2 bis 3 Jahre, auszuhalten. Die Schmerzen in den Füßen sind immer noch da, werden wohl nicht mehr weggehen, trotz der Einnahme der Medikamente, sie meinte zwar die Dosis ist noch nicht ausgeschöpft, ob die Medikamente helfen kann ich auch nicht so richtig einschätzen. Die beste Hilfe gegen die Schmerzen habe ich, wenn ich nicht daran denke, wie jetzt zum Beispiel, wenn ich am PC sitze und schreiben. Da war doch vor vielen Jahren schon einmal etwas mit dem Kopf!
Nachmittag bei meiner Diabetologin, wieder so ein Glücksgriff, gab es nicht viel auszusetzen, die Leberwerte nahm sie auch nicht so tragisch, gegenüber ihrer Untersuchung im vergangenen Jahr haben sie sich sogar verbessert. Der HbA1c (Langzeitwert) war 5,8 mmol/l und der aktuelle Wert 4,9 mmol/l also keine Besorgnis angesagt, obwohl ich eigentlich den Diabetes bei meiner Ernährung nicht vordergründig beachte, vielleicht liegt es ja auch an der Bewegung, die Benutzung des Ergometers, dass die Werte relativ gut sind.
Immerhin habe ich in den letzten zwei Jahren, seit März 2004 insgesamt 2600 Kilometer abgestrampelt, dabei ca. 10 000 Kalorien verbraucht und 140 Stunden auf dem Gerät gestrampelt. Das sind so meine Erfolgserlebnisse und wenn man den inneren ›Schweinehund“ überwunden hat, ist es eigentlich kein Problem. Jetzt bin ich am überlegen, ob ich mir einen Crosstrainer zulege, um auch die Schultern mit in die Bewegung einzubeziehen. Bei meiner Diabetologin ließ ich mir auch den Antrag auf kostenaufwendige Ernährung bestätigen um auch hier in den Genuss des Mehrbedarfs zu kommen.
Die beiden letzten Termine, Hautklinik und Rheumaklinik in der Charité, fanden ebenfalls an einem Tag statt.
Zuerst war ich bei Doktor Lee in der Hautklinik, er brauchte heute nicht lange gesucht werden, aber meine Akte hatte er wieder nicht dabei, ich bin mir auch nicht so sicher ob er den Termin im Plan hatte. Die Stelle auf dem Fußrücken sah ganz vernünftig aus wie er meinte. Er sprach wieder von einer eventuellen Arzneimittelallergie und wollte diese durch einen Allergietest abklären, dass hätte für mich bedeutet, drei wochenlang jeden Tag mich vorzustellen, diese tägliche Berlindurchquerung wollte ich mir nicht antun. Wir einigten uns, dass ich wenn es schlimmer wird wieder vorbei komme, die anderen Stellen am Körper und auf dem Kopf habe ich ja auch in den Griff bekommen. Ich persönlich bin der Meinung, dass es an den Medikamenten gegen die TBC lag, die ich am Anfang der Remicadetherapie neun Monate einnehmen musste. Der Frau Professor wurde ich nicht vorgestellt. Er gab mir dann noch eine Hand voll Salbentuben und ich verabschiedete mich.
Danach ging ich in die Rheumaklinik zur Remicadetherapie, es geht jetzt hier etwas geordneter zu, also es herrscht eine Arbeitsteilung zwischen Schwester und Ärztin. Die administrativen Sachen, wie das Ausfüllen der Fragebögen, die Vermessung der Beweglichkeit, Blutabnahme und der Anschluss an die Infusion wird von Schwester Carola oder Kerstin durchgeführt, auch die kenne ich schon vom Aufenthalt in der Tagesklinik im Jahre 2002.
Meine Ärztin Frau Doktor Franz sah das mit den Leberwerten auch nicht so tragisch, wir vereinbarten eine Ultraschalluntersuchung. Sie erwägte auch mich auf Hepatitis C Erreger untersuchen zu lassen, die Halswirbelsäule sollte noch einmal röntgen werden, um eventuell gezielte physiotherapeutische Maßnahmen einzusetzen. Ich verspürte in der letzten Zeit vermehrt Schmerzen beim Laufen im Kreuzbein, deshalb ließ ich mir noch paar Tropfen verschreiben, welche die nicht auf die Leber gehen. Sie war übrigens auch der Meinung, dass die erhöhten Werte nicht an der Infusion liegen können.
Danach erfolgte die Infusion, die zwei geplanten Stunden waren schon wieder in 1 ½ Stunden vorbei, man kennt sich ja aus, ich überholte sogar einige im Raum. Dabei lernte ich English und brauchte mir dadurch die Sätze eines ›Schuld auf die Ärzte‹ abschiebenden Menschen bis zu einen bestimmten Zeitpunkt nicht anhören. In seiner Familie gab es alle erdenklichen Krankheiten, Todesfälle und immer waren die Ärzte schuld, als es mir zu viel wurde musste ich doch paar Sätze sagen, erzählte über meine Krebserkrankung und die Genesung, fortan verstummte er mit seinen Geschichten und ich konnte wieder Englisch lernen.
Danach holte ich mir den Termin in der Inneren Medizin für den Ultraschall und zum Röntgen ging ich gleich. Auf der Heimfahrt hatte ich so meine Mühe rechtzeitig in die Wohnung zu kommen, die Hosen konnte ich gerade noch so runterziehen, vielleicht sollte ich die Zeit bei der nächsten Infusion einhalten und kein ›Wettrennen‹ machen.
Da meine Grundsicherung immer nur für ein Jahr genehmigt wird, musste ich sie, das heißt zwei Monate vor Ablauf Ende April, neu beantragen. Der Antrag ist ein Blatt und ich brauchte nur die geforderten Unterlagen beibringen, also ging ich Mitte Februar zum Grundsicherungsamt und erlebte eine Überraschung.
Es gab einen Aushang, dass die Grundsicherung ab März 2006 dem Sozialamt zugeordnet wird. Ab dem 13.02.2006 gibt es keine Sprechstunden mehr, ich war am 14. Februar dort, prima dachte ich bei mir, der ganze Ärger Anfang 2005 für umsonst gewesen, hoffentlich erlebe ich nun nicht noch einmal diese Prozedur. Da ich wusste wo mein Bearbeiter saß, bin ich trotzdem hingegangen und habe ihm den Antrag abgegeben. Der Antrag wird geprüft, er nahm ihn zumindest entgegen. Wer mein neuer Bearbeiter ist wusste er auch nicht, nun hieß es wieder warten, warten, warten.
Nun ist die Grundsicherung also wie in allen anderen Bezirken in Berlin aus dem Wohnungsamt ausgegliedert und dort angesiedelt wo sie als Sozialleistung hingehört, der Wunsch des einzelnen Herrn, des Bürgermeisters, hat sich nicht erfüllt, dass hier Menschen dranhängen wird dabei oftmals nicht beachtet. Da wir keine Lobby haben wird es wohl ewig so weitergehen. Da fällt mir manchmal diese unsinnige Werbung im Fernsehen ein, wo gut bezahlte Menschen mir einreden wollen, ›Du bist Deutschland!‹ ich weiß gar nicht wer sich solchen Schwachsinn ausdenkt, ja wenn ich soviel Geld hätte, dann fiele es mir nicht schwer Deutschland zu sein. So steht in meine Situation die Antwort fest.
Der der Monat war noch nicht zu Ende, ich habe schon soviel Ausgegeben, dass mich von der Zuzahlung befreien lassen konnte. Ich suchte die Servicestelle meiner Krankenkasse, der IKK auf, dort wird die Stimmung von Mal zu Mal, eisiger, kundenunfreundlicher und bürokratischer, zumindest an dem Tag kam es mir so vor. Gewissenhaft wie ich bin hatte ich alle Unterlagen dabei, Einkünfte konnte ich keine angeben, legte aber meinen Grundsicherungsbescheid vor, sofort wurde das von der ›freundlichen‹ Dame angezweifelt, so etwas gibt es nicht meinte sie ernsthaft, ich kam mir als Betrüger abgestempelt vor. Ich versuchte zu erklären, warum das so ist, dann fand sie noch einen ›Krümel‹ im Grundsicherungsbescheid und war vollkommen außer sich.
Dort stand nämlich, dass die Nachzahlung der Krankenkassenbeiträge nur unter Vorbehalt geschieht, weil der Widerspruch noch nicht beantwortet ist. Daraufhin hielt sie mir einen Vortrag, dass Widersprüche beantwortet werden müssen, als ich ihr sagte, dass es sich hierbei um einen Widerspruch meinerseits gegen ihre Krankenkasse handelt, war das Zerwürfnis perfekt. Sie kopierte die Unterlagen, meine Erklärungsversuche blieben ungehört, denn sie wandte sich anderen Tätigkeiten zu. Sie meinte nur noch, sie wird es zur Prüfung weiterleiten.
Zum Glück gab es noch ein erfreuliches Ergebnis an diesem Tag, meine Berliner Tante hatte Geburtstag und wurde 85 Jahre alt. Das war die offizielle Feier und die mit der Familie erfolgte am Wochenende in Königs Wusterhausen bei Berlin. Vor fünf Jahren gab es hier ebenfalls die Nachfeier, da lebten allerdings noch mehr Personen, die Zwillingsschwester meiner Tante, noch eine Tante aus Bautzen und mein Vater, ich war in der letzten Phase meiner Chemotherapie. Es gibt eben immer wieder Punkte im Leben wo es gilt innezuhalten um nachzudenken und mit zunehmenden Alter werden diese nicht weniger.
Ich entschloss mich, dieses Jahr seit vielen Jahren, nicht zum Geburtstag meiner Mutter zu fahren, ich hatte einfach keine Stimmung gehabt und die Gesundheit. Es gibt neben den Leberwerten noch ein Problem, was mich zunehmend beschäftigt, es sind diese Geräusche im Kopf vor allem nach dem wach werden und mein linkes Auge macht mir auch kleinere Probleme, wie so eine Vorstufe der Iritis.
Den Termin bei der Augenärztin habe ich schon geholt, es dauert aber drei Monate und so akut ist es noch nicht, aber ich will eventuell den Arzt wechseln.
Das mit dem Kopf bin ich ja schon einmal angegangen, hat aber nix gebracht, das Problem will ich mit dem Hausarzt beim nächsten Besuch besprechen.
Von der Charité bekam ich den Befund der über die Hepatitis, also kein Nachweis, keine Antikörper, so richtig bin ich nicht schlau geworden und auch den Befund von der Halswirbelsäule war dabei, aber kein Wort meiner Ärztin, also denke ich es ist keine Gefahr im Verzug, auch dass wird mir der Hausarzt erklären müssen.
Nach der Abgabe des Antrages zur Zuzahlungsbefreiung hörte ich nach einer Woche immer noch nichts von meiner Krankenkasse. Ich hatte mir schon einen ›bösen‹ Brief ausgearbeitet, aber auch hier, muss ich vorsichtig sein, denn ich brauche die Kasse und die mich nicht, weil ich sowieso durch meine Krankheiten ein Verlustgeschäft bin.
Nach einer reichlichen Woche bekam ich ein Brief von der Kasse, endlich dachte ich so bei mir, beim Lesen aber verschlug es mir dann doch die Sprache, es war schon wieder eine Mahnung, dass ich mit der Beitragszahlung im Rückstand bin und der Hinweis über den Ausschluss war auch wieder enthalten. Es kotzt mich nun langsam an.
Ich kann es mir nicht erklären und habe ja auch keinerlei Einblick in die Zahlungsmodalitäten, weil diese ja vom Amt direkt überwiesen werden.
Drei e – Mails erstellt und versandt;
• eine an das Grundsicherungsamt bzw. Sozialamt, die aber erst am 06.03 2006 wieder arbeitsfähig sind,
• eine an die Servicestelle der Krankenkasse, mit einem höflichen Schreiben zur Gewährleistung der Zuzahlungsbefreiung und
• eine an die Beitragsstelle der Krankenkasse, mit der Bitte um Begründung.
Eine Antwort erhielt ich am nächsten Tag von der Servicestelle der Krankenkasse, in der mir mitgeteilt wurde, dass die Zuzahlungsbefreiung in den nächsten Tagen eingeht. Die kam schon am darauf folgenden Tag, aber die Befreiung geht nur bis Ende April, na gut ist nachvollziehbar, weil die Grundsicherung Ende April ausläuft. Im letzten Jahr war es nur ein vorläufiger Bescheid, ebenfalls begrenzt bis April, aber da bekam ich die Befreiung für das ganze Jahr, also ist bald wieder eine Vorsprachen notwendig, macht ja auch Spaß bei dieser Freundlichkeit. Trotzdem eigenartig, erst musste ich nachfragen bevor sich etwas rührte, kann ja auch ein Zufall sein.
Auf die anderen beiden Mails bekam ich keine Antwort, die Krankenkasse meldete sich auch nicht noch einmal.
So hat sich meine Euphorie vom Jahresanfang schon etwas relativiert.
Anfang März, genauer am ersten Tag, war mein Ultraschalltermin in der Charité, diese Untersuchung ergab keine besonderen Auffälligkeiten der Organe im Bauchraum, na ja, etwas verfettet ist die Leber schon und wegen der Luft im Bauch war nicht alles einsehbar, aber fast ausgeschlossen sind Metastasen. Mein Hausarzt war mit dem Ergebnis zufrieden und die große Hauptuntersuchung, der TÜV des Menschen, erfolgt erst im November bei meiner Onkologin im MZL des Sana Klinikums in Lichtenberg und der TÜV des Autos im Dezember.
Der Monat März war ansonsten ein ruhiger Monat gewesen, in den letzten Tagen im Monat stieg ich am S – Bahnhof Schöneweide um, auf den Bahnsteig, dachte ich so bei mir, eigentlich müsstest du dich ja wieder einmal bei deiner Betreuerin von der Krebshilfe sehen lassen. Warum ich gerade hier daran dachte, hat einen Grund, vor einiger Zeit trafen wir uns nämlich auf dem Bahnsteig zufällig und just in dem Augenblick kam sie mir wider entgegen gelaufen, was für ein erneuter Zufall. Dies Frau hat mich eigentlich den ganzen Weg nach der Erkrankung begleitet und ich habe großes Vertrauen zu ihr aufgebaut, obwohl ich sonst eher nicht so bin. Aber sie war der erste Ansprechpartner nach der Operation, konnte mir viele Tipps geben und stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite, hat mit mir gelitten, wenn es Probleme gab.
Das Verhältnis beschreibe ich für mich so, sie war der Mensch der nach der ›Wiedergeburt‹ ,also nach erfolgter Operation in mein Leben trat und mein Vertrauen gewann. Darüber war und bin ich sehr froh, denn ich kam mir damals, trotz meiner Familie, ziemlich hilflos und schwach vor. Mein Selbstvertrauen lag am Boden, ich wusste nicht wirklich, wie es weitergehen soll. Es gibt auch Dinge da kann eine noch so intakte Familie nicht helfen.
Also trafen wir uns und fuhren paar Stationen mit der gleichen S– Bahn, ich berichtete ihr über die letzten Probleme mit den Ämtern und verabredetet mit ihr, gleich wenn ich vom Sozialamt den neuen Bescheid bekomme, bei ihr vorzusprechen, um die Befreiung von den Rundfunk – und Fernsehgebühren bei der GEZ zu beantragen.
Ich glaubte es kaum, als ich Anfang April Post vom Sozialamt bekam, da macht sich immer wieder Beklemmung breit und ich stellte mir die Frage, »Was wird es wohl jetzt wieder für ein Problem geben?« ,aber nein, freudig las ich
Bescheid
Über die Gewährung von laufenden Leistungen nach dem vierten Kapitel des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII)
Sehr geehrter Herr Ullmann
unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse erhalten Sie für nachfolgend aufgeführte Person
Ullmann, Henry *27.12.1948
Leistungen ab dem 01.05.2006 bis 30.04.2007.
Keine Nachfragen zur Wohnung,
der Mehrbedarf gemäß § 42 Nr. 3 SGB XII
– wegen Erwerbsunfähigkeit und
– Kostenaufwendiger Ernährung
war ebenfalls dabei.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen im Sozialamt einmal nachzufragen, was die Unterhaltsforderung gegenüber meiner Ex – Frau macht, aber noch ist es mir egal und ich wollte keine ›schlafenden Hunde‹ wecken.
Das war doch etwas positives, ich holte mir sofort einen Termin bei meiner Betreuerin, um die Befreiung bei der GEZ noch rechtzeitig zu bekommen. Der Besuch bei ihr dauerte ca. eine Stunde und wir sprachen über viele Probleme, auch über meine vergangene Englandreise. Sie war auch in der Lage den Bescheid der Sozialhilfe zu beglaubigen, nur ein Problem gab es noch, die Beantragung des Sozialtarifs bei der Deutschen Telekom, das geht nur wenn der Befreiungsbescheid der GEZ vorliegt. Also bin ich wieder abhängig und warte, ob dieser Bescheid pünktlich kommt.
So ist das nun einmal, wenn man von den Ämtern abhängig ist und leider keine Lobby hat, es bleibt immer etwas Ungeklärtes im Gedächtnis hängen. Damit werden eben auch die Kranken aktiv gehalten, manches Mal vielleicht gar nicht so schlecht, bloß ich denke hier an die Menschen, die, aus welchem Grund auch immer, nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen.
Der Bescheid vom Sozialamt bedeutete auch, dass ich meine Befreiung von der Zuzahlung, bei der Krankenkasse bis zum Jahresende verlängern lassen konnte. Ich hoffte nicht wieder an diese ›freundliche Dame‹ im Servicecenter zu geraten. Aber es war eine andere, wirklich freundliche Mitarbeiterin und ich bekam meine Befreiung sofort ausgedruckt und zwar bis zum Jahresende, es geht doch, wieder ein Problem geklärt.
Nun konnte ich mich endlich wieder einmal meiner Website widmen, denn es gab einiges aufzuarbeiten. Die Seite über das letzte Klassentreffen im Jahre 2004 wollte ich fertig stellen, dazu mussten alle Bilder eingescannt werden, einige Probleme bei der Zuordnung von Bild und Person ergaben sich dennoch, ich hoffe niemand verwechselt zu haben. Die Bilder will ich nun von Zeit zu Zeit auszuwechseln um den Webspace nicht unnötig zu belasten, denn auch der kostet Geld und ich habe auch noch ein paar andere Projekte die ich unterbringen will.
Damit bin ich gleich beim nächsten Thema, die Erlebnisse über meine Reise nach London (Adventshopping in London), Ende 2005, wollte ihn unbedingt noch vor der nächsten Reise aufschreiben. Was ich mir vornehme klappt in der Regel auch, nun stehen sie im Netzt. Als nächstes sind dann die dazugehörigen Fotos für die Bilderseite dran, ich hoffe, dass es einen schönen Sommer gibt und ich auf dem Balkon, inmitten meiner Blumen dazu komme. Eine längere Mail steht auch noch im Plan, an einen lieben Mailkontakt, zumal sie in Stralsund bei der Qualifizierung auch hin und wieder eine Aufmunterung braucht.
Ostern wollte ich in diesem Jahr wieder einmal in Bautzen verbringen, also in der eigentlichen Hochburg der Osterbräuche, doch zuvor hatte ich noch meine Infusion in der Rheumaklinik der Charité zu bekommen. Darüber, dass ich keine Laborwerte mit hatte war Schwester Beate gar nicht so erfreut, aber was soll es, ich werde auch zukünftig nur jedes zweite Mal, diese vom Hausarzt mitbringen. Manchmal interessiert es auch keinen.
Nach wie vor kann ich mir den Eindruck nicht erwehren, in der ›Neuen Therapien‹ war es besser, es läuft hier, direkt in der Tagesklinik, alles etwas hektischer ab. Meine Ärztin Frau Dr. Franz war auch nicht anwesend und ich habe es nicht so gern, wenn ich immer neue Ärzte bekomme. Die Vertretung, stand überhaupt nicht im Stoff, zu allem Unglück war ich auch noch der erste ›Erste Kunde‹ .Deshalb erfolgte auch keine tiefgründige Auswertung der letzten Befunde (Sonografie, HWS – Röntgen), ich habe es auch nicht gewollt. Denn wenn ich den Befund über die Halswirbelsäule lese, kann ich mir ungefähr vorstellen, wie sich das weiter entwickeln wird, deshalb werde ich hier bei der nächsten Infusion noch einmal nachfragen. Sicherlich
hängen auch die Geräusche im Kopf bzw. im Ohr damit zusammen, aber keiner kümmert sich darum. Der Termin bei einer HNO Ärztin ist leider erst im Juli.
In dem Raum, wo die Patienten die Infusion bekommen, trifft man immer wieder die unterschiedlichste Menschen an, dieses Mal braucht ich meinen MP3 – Player gar nicht erst einstöpseln, denn es entwickelte sich sofort, ein Gespräch. Ich konnte feststellen, es gibt Menschen, denen es mit dem Bechterew noch viel schlechter geht als mir. Ungewöhnlicherweise mussten heute sogar Patienten auf die Infusion warten, weil nicht alle im Zimmer Platz hatten, da sollte man zukünftig doch etwas mehr Wert auf die Terminvergabe legen.
Zu Ostern habe ich dann wie geplant, meine Familie in Bautzen besucht, dass Wetter war nicht so überwältigend, aber trotzdem wurde viel unternommen, zwei Mal Doppelkopf gespielt und das eingezahlte Geld wurde beim gemeinsamen Abendbrot der Mitspieler ausgegeben. Dazu wählten wir, wie schon so oft, die gemütliche Gaststätte ›Goldenen Höhe“ in Rabitz, die sich vor allem im guten Essen, Bier und Bedienung auszeichnet.
Am Karfreitag erfolgte unser gemeinsamer Osterausflug nach Moritzburg bei Dresden, Mutter, meine beiden Schwestern, Schwager und die Tochter meiner älteren Schwester mit Freund. Leider war hier das Wetter ebenfalls nicht besonders, es regnete häufig, trotzdem, die Zugfahrt mit der Kleinbahn (Löcknitztalbahn) war schön, wir waren natürlich nicht die einzigen Ausflügler, die diese Idee hatten. Ein ›schauerhafter‹ Spaziergang zum Schloss Moritzburg, mit anschließendem Mittagessen in einer gemütlichen Gaststätte rundete den Ausflug ab.
Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Abstecher nach Kötschenbroda, wo es Kaffee und Kuchen gab und einen Blick auf das gerade abgezogene Elbehochwasser. Fieberhaft versuchte sich die ganze Familie im Absingen des berühmten ›Ostliedes‹, ›Verzeihung mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötschenbroda‹. Es kamen die verschiedensten Melodien und Texte heraus, bis wir an einer Gaststätte ihn lesen konnten, aber mit der Melodie hatten wir trotzdem unsere Probleme und waren zwischendurch auch schon einmal bei Udo Lindenberg mit dem ›Pankower Sonderzug‹ gelandet.
Am Sonnabend schlug das Wetter um, ein sehr schönen Tag, ich erledigte paar kleinere mir mögliche Arbeiten bei Mutter in Haus und Garten. Am Donnerst ließ ich mir ein Jackett in einem Einkaufscenter in Bautzen zurückhängen. Die Problematik beschäftigte mich den ganzen Sonnabend, manchmal lässt eben meine Entschlusskraft, besonders in solchen Sachen, sehr zu wünschen übrig, aber das muss ja nicht immer eine schlechte Eigenschaft sein. Ich nervte Mutter immer wieder mit der Frage, »Soll ich noch einmal gucken, ob es noch da ist, wenn nicht, hat es sich sowieso erledigt?« Ich hatte nämlich nur meine Winterjacke mit, da es so warm war, trieb es diesen Gedanken immer wieder hoch, ein Jackett wollte ich mir für meine nächsten Unternehmungen sowieso kaufen. Einige Zeit nach dem Kaffeetrinken, so gegen 17.00 fasste ich den Entschluss, es zu kaufen.
Um diese Zeit ist in der Bautzener Gegend das Osterschießen schon im vollen Gange, das Osterschießen wird noch heute vorwiegend im Oberland der Lausitz praktiziert. Seinen Ursprung hat der Brauch im Aberglauben. Damals glaubte man, mit Krach, Knallerei und Lärm böse Geister, Hexen und andere Unholde zu verjagen. Geschossen wird heute noch nach alter Tradition mit selbstgebauten Karbidkanonen. Ich kenne diesen Brauch noch aus meiner Kindheit, wir ›Kleinen‹ hatten uns Blechbüchsen mit Deckel und Zündloch organisiert, dahinein kam Karbid, dann wurde drauf gespuckt, der Deckel aufgedrückt und mit einem Streichholz das Gas am Loch entzündet. Später hatten wir auch Milchkannen vom Bauern im Einsatz, durch das Gas wird ein unheimlicher Druck erzeugt, der den Deckel unter lautem Knall einige Meter fliegen ließ.
Auch mein Vater, stand mir in jüngeren Jahren in solchen Sachen immer hilfreich zur Seite, er war ein praktischer Mensch, so wollte auch ich sein und deshalb lernte ich den gleichen Beruf. Er war es auch, der mir als Kind das Eislaufen beigebracht hat. Das Problem für mich war, dass der Dorfteich in Auritz im Dezember schon unter Wasser stand, aber das Geburtstagsgeschenk, die Schlittschuhe, mussten trotzdem ausprobiert werden und somit lernte ich schnell das Schlittschuhlaufen, also auch früher war es im Dezember nicht immer kalt.
Meine Mutter entschloss sich spontan mit zum Jackettkauf zukommen und damit schließt sich der Kreis wieder. Wir nutzten den Kauf und die österliche Stimmung um dem Grab meines Vaters einen Besuch abzustatten. Ich gehe jedes Mal wenn ich in Bautzen bin an sein Grab, weil hier auch schon ein Platz für meine Urne eingeplant ist. Meine Mutter hatte das Grab schon für das Frühjahr hergerichtet und wir legten noch einen Blumenstrauß nieder, nun werden es bald fünf Jahre, seit Vater tot ist, sicherlich hätte es dieses Jahr eine große Feier anlässlich seines 80. Geburtstages gegeben, denn ein Kind von Traurigkeit war er nicht gewesen. Meine Mutter, so meine Meinung und die der Familie, hat den Tod ihres langjährigen Ehepartners, zumindest nach außen hin, gut verkraftet.
Nun hatte ich mein neues Jackett, leider war am nächsten Tag, Ostersonntag, kein Jackenwetter. Mutter lud mich zur Osterfahrt der Bautzener Rentner ein, zuerst ging es nach Ralbitz und Wittichenau zu den Osterreitern, zu meiner Schande muss ich gestehen, als gebürtiger Bautzener habe ich diese Prozession noch nie gesehen.
Der Brauch des Osterreitens stammt aus vorchristlicher Zeit. Damals sollten Feldumritte die junge Saat vor Schaden bewahren und eine gute Ernte erzielt werden. Heute wird das Osterreiten in allen sorbisch – katholischen Gemeinden gepflegt. Am Ostersonntag verkünden Männer in Zylinder, Gehrock, Reithosen und Reitstiefeln auf besonders geschmückten Pferden laut singend und betend die frohe Botschaft über Christi Auferstehung. In der Oberlausitz sammeln sich in den jeweiligen Kirchgemeinden ca. 1.500 Reiter in neun Prozessionen. Es ist üblich, dass der Geistliche Kirchenfahnen, die Statue des Auferstandenen und das Kruzifix den Reitern überreicht. Danach segnet er alle Osterreiter mit den Worten: »Reitet in die Nachbargemeinde und verkündet: Christus ist auferstanden!« Nach dreimaligem Ritt um die Pfarrkirche und den Friedhof machen sich die Reiter auf in die Nachbargemeinde.

Es ist schon beeindruckend diese Reiter zu sehen, allein an unserem Standort sind um die 500 sorbisch singend vorbei geritten. Ich verstand nichts, obwohl ich immerhin drei Jahre sorbisch Unterricht hatte. Ich habe in der Grundschule in Grubditz, gleich nach Ende des ersten Schuljahres Sorbisch gelehrt bekommen, gern bin ich nicht in die Schule gegangen, vielleicht lag es daran;
Mir war es schon klar, dass es mit der unbeschwerten Kindheit nicht ewig so weiter gehen konnte. Es geschah so um den 1.September 1955, ich war noch nicht mal 7 Jahre alt und meine Schwestern noch viel viel kleiner. Die Erwachsenen hielten es für richtig und selbst meine Eltern waren dafür. Ich musste in die Schule gehen. Ein Schock von dem ich mich über 10 Jahre lang nicht erholen konnte. Das schönste waren die Zuckertüten, die am Baum in meiner Schule hingen, er wurde aber gleich abgeerntet und hat nie wieder welche getragen. Dann mussten wir in Begleitung der Eltern und Verwandten gleich wieder nach Hause, ich glaube es war ein Sonnabend. Danach feierten die Erwachsenen, warum weiß ich auch nicht. Ein gutes hatte die Feier für mich, es gab keine Kartoffelsuppe, die eigentlich bei uns an den Sonnabenden immer auf dem Mittagstisch stand. Sie wurde extra für mich mehrmals aufgewärmt, aber nicht weil sie dann besser schmeckt, sondern, weil ich die Angewohnheit hatte über der Suppe einzuschlafen. Meine Mutter weiß heute, dass ich eine ›Schluckhemmung‹ hatte, die sich aber bei den Bratkartoffeln mit Spiegelei sofort behoben war. Meine Oma wohnte nämlich unter uns verwöhnte mich. So war es damals, es fehlte einfach das Geld. Die Gäste zur Feier fühlten sich wohl, mich beschlich ein Unwohlsein, hatten die in der Schule nicht gesagt, dass ich am Montag wieder kommen soll und zwar alleine. Und dann kam es, da wir am Montag mit unserer Schule nicht fertig geworden sind, mussten wir am Dienstag gleich noch einmal kommen und so setzte es sich Tag für Tag , über 10 lange Jahre. Aber wahrscheinlich lag es auch daran, dass bei uns zwei Schuljahre in einer Klasse waren, ein Stress, der eine schüttete sein Tintenfass um, jene heulte weil was vergessen, der dritte hatte ein anderes wichtiges Problem. Dann mussten wir auch noch ab der zweiten Klasse eine Fremdsprache lernen, damit wir auch die alten Frauen im Dorf belauschen konnten, wenn etwas nicht für unsere Ohren bestimmt war. So geschah es, dass ich mit meiner jüngeren Schwester Evelyn in eine Klasse ging, ich in die 4. Klasse und sie in die 1.Klasse. Damals musste man ja, im wahrsten Sinne des Wortes, noch in die Schule gehen, ich hatte den weitesten Schulweg, brauchte über eine Stunde nur für den Hinweg, war immer der letzte, kam oft zu spät und ärgerte mich den ganzen Weg, dass ich ihn ja auch noch wieder zurückgehen muss. Im Winter mussten wir uns durch meterhohe Schneewehen kämpfen, aber konten auch wunderschöne Schneehütten bauen, die Schule rückte in weite Ferne. Bei mir stellten sich deshalb schon in frühester Jugend ›Migräneanfälle‹ ein und wenn das nicht half, habe ich beim letzten Haus des Dorfes starke Halsschmerzen bekommen, oder einen Schwächeanfall, ich musste aber aufpassen, meine andere Großmutter wohnte im letzten Haus vom Dorf, beim Bäcker, direkt über der Backstube, es musste schon echt aussehen, wenn ich in mich zusammen sackte. Sie war aber verschwiegen, manchmal war die letzte Rettung, dass mich bei der Milchrampe im Bauerndorf ein wildes Pferd nicht durchgelassen hat. Die gab es wirklich, manches wurde geklaubt, das meiste jedoch nicht.
Aber zurück zum Osterausflug, nachdem Mittagessen, ein einheimisches schmackhaftes Zanderfilet ging die Fahrt weiter in das Zittauer Gebirge nach Johnsdorf zum Kaffee. Anschließen machte der Schäfer John, gemeinsam mit uns und seiner Ziegen und Schafherde noch einen kleinen Rundgang durch Johnsdorf. Ein sehr schöner Ausflug.
Am Dienstag wurde noch einmal Doppelkopf gespielt, dieses Mal bei meiner Schwester Evelyn, der ich am Computer noch einen neuen Drucker installiert habe, am Mittwoch fuhr ich zurück nach Berlin. Ich fahre zwar gern nach Bautzen, aber bin auch froh wenn ich wieder in meinen vier Wänden bin.
Ende April hatte ich wieder Termin beim Hausarzt, er nahm seine Routineuntersuchung vor, dabei fragte er fragt mich, ob ich mal etwas von meiner Ex – Frau gehört hätte. Ich war ganz erstaunt über diese Frage, er wollte bisher noch nie etwas über sie wissen. Ich war der Annahme er hat noch einen Draht zu ihr, im darauf folgenden Gespräch erfuhr ich, dass sie sich schon vor der Scheidung nicht mehr bei ihm gemeldet hat, Es gab mir doch zu denken, sie hatte doch zu ihm fast ein noch besseres Verhältnis als ich. Er stellte diese Frage auch deshalb, weil er wissen wollte, ob sie überhaupt noch in Berlin ist und er die Akte archivieren kann.
Auf der Heimfahrt dachte ich noch einmal über die Frage nach und konnte den vermutlich Zusammenhang herstellen. Meine Ex – Frau hat mir im Rahmen der Scheidung ernsthaft vorgeworfen, ich hätte kein Geld als Taxifahrer verdient, weil ich immer nur im Bett gelegen habe, weil ich getrunken habe und dafür als Zeugen meinen Hausarzt aufgeführt. Wie schon erwähnt war mein Doktor war darüber empört, dass sie ihn benannt hat. Ich habe damals bei Gericht auch gefordert ihn als Zeugen zu hören, dazu kam es aber nicht, weil es erstens nicht stimmte und zweitens keine Rolle spielte, vielleicht ist sie daraufhin nicht mehr hingegangen, wer weiß, denn so einen guten Kontakt gibt man eigentlich nicht auf, das nur nebenbei, aber es gehört zur Aufarbeitung der Lebensgeschichte dazu.
Anfang Mai warfen insbesondere zwei geplante Ereignisse ihre langen Schatten voraus, die Pilotenreise der Colour Air VA auf die Ostseeinsel Fehmarn und die Londonreise ›Spring at the Thames‹.
Die Frage kommt ja auf, woher hat er das Geld, erstens kann ich mit Geld umgehen, ich bin ja nicht mehr verheiratet und dann habe ich Mutter. Sie war einmal beim VEB Zahlenlotto beschäftigt, musste am Montag und am Dienstag zu einer wirklich unchristlichen Zeit aufstehen und arbeiten, damit alle ihre Gewinne einlösen konnten, da gab es sogar Lohnabzug wenn eine Zahl nicht erkannt wurde. Mutter war immer schon am Sonntagabend aufgeregt. Die Auswertung der Lottoscheine erfolgte natürlich nicht mit dem Computer, sondern mit einer simplen Schablone. Trotzdem hängt sie wohl an dieser Zeit und hat ihren eigenen kleinen Lottobetrieb aufgebaut. Ich bin Mitspieler, sie tippt zwei Scheine, seit Vater tot ist, bin ich auch hier eingesprungen. Das Problem ist, ich muss meinen wöchentlichen Tippschein nicht bezahlen, das gewonnene Geld wird am Jahresende zwischen uns aufgeteilt. Ich denke meine Schwestern wissen und tolerieren es. Mutter betreibt hier ein eindeutiges Verlustgeschäft, sie häuft nur die Gewinne an, die Gebühren werden außen vor gelassen. Das hilft mir eine Teil der Reisen zu finanzieren, wie lange es noch geht, steht in meiner Situation sowieso in den Sternen, oder weiß der da oben schon etwas, egal, es ist jedenfalls keine Zeit etwas auf die lange Bank zu schieben.

Die Pilotenreise, eine kleine Truppe von Flugsimulanten traf sich auf der Ostseeinsel Fehmarn zur Konferenz. Ich betreibe die Flugsimulation am PC schon seit ca. 10 Jahren mit unterschiedlicher Intensität. Besonders in Zeiten der Scheidung und nach der Operation eigentlich gar nicht. Danach, als ich mich wieder mit dem PC beschäftigte, für mich, im stillen Kämmerlein. Irgendwann stelle ich fest, es gibt virtuelle Airlines und traf mich mit Matthias von der Euro – Berlin VA, dadurch kam ich zum Berliner Flugsimulantenstammtisch. Dort traf ich später meinen jetzige Chef Gregor von der Colour Air VA. Diese virtuelle Airline war sehr interessant für mich, da sie in Norwegen fliegt, eines meiner Lieblingsländer, ich bin gegenwärtig Pilot dieser beiden Airlines, im Range eines Senior Flight Kapitäns mit insgesamt 800 Flugstunden.
Die Colour Air VA hat schon mehrere Pilotenreisen gemacht, auch schon bis Norwegen, aber es waren immer irgendwelche Gründe (gesundheitliche oder finanzielle) warum ich nicht teilnehmen konnte. Zwar lag der Termin sehr ungünstig, am Sonntag zurück und am Dienstag nach London, trotzdem habe ich teilgenommen. Weil es so ein interessantes Hobby ist und es zu meinem Leben gehört will ich hier auch dazu schreiben.
Am Freitag 7.30 Uhr ging es los, mit dem ICE nach Hamburg, nach Umstieg in den Regionalexpress erwartete mich in Lübeck, Matthias von der Colour Air, den ich schon einmal beim Berliner Stammtisch getroffen habe, deshalb gab es auch kein Problem mit der Wiedererkennung. Er zeiget mir in einem zweistündigen Stadtrundgang Lübeck, eine sehr schöne Stadt, die ich bisher nicht kannte. Man hatte sich viel zu erzählen, über Simulation, Berlin, Lübeck und mehr, also verging die Zeit wie im Fluge. Danach fuhren wir auf die Ostseeinsel Fehmarn, ca. 100 Kilometer von Lübeck entfernt. Unser Hotel das ›Intersun‹ war recht angenehm gewesen, ich hatte sogar ein Zimmer mit Meeresblick. Matthias hatte Verpflichtungen als Fahrer und musste von Puttgarden einige Teilnehmer abholen, Gregor kam aus Dänemark und Gerhard aus Österreich.
Ich nahm die Gelegenheit war und inspizierte die Strandpromenade , es war sehr stürmisch gewesen, also beschloss ich mich in den überdachten Teil der Promenade zurückzuziehen. Dort schrieb ich einige Postkarten und vermischte den Geschmack der Seeluft mit einem Glas Radeberger. Einheimisches Bier gab es nicht, aber das Bier war mir ja nicht unbekannt. Später trafen wir uns mit den anderen Teilnehmern und brachen zum Abendessen in ›Det Old Aalhouse‹ auf. Dort gab es, wie der Name unschwer vermuten lässt, Fisch in allen Variationen, ich aß einen Fischteller, mit verschiedensten Fischsorten, einschließlich Krabben, die ich so oft noch nicht gegessen habe. Dazu gab es Bratkartoffeln, bald so wie ich sie macht, es war eine riesige Portion. Die Bedienung war allerdings nicht die Schnellste, sie musste wohl ein Gespräch zwischen Gregor, Matthias und mir mitgehört haben, es ging um die beste Currywurst in Berlin. Es ja bekannt wo es die gibt, bei Konnopke’s Imbiss ( Wenn’s um die Wurst geht – Tradition mit Geschmack ) unter der U – Bahn an der Schönhauser Allee. Als ich sagte, das wäre am U – Bahnhof Eberswalder Straße, mischte sie sich ein und meinte es stimmt nicht, diese Wurst gibt es am U – Bahnhof Schönhauser Allee, sie wüsste es, denn sie käme aus Berlin. Nicht gerade ein Aushängeschild, langsam und auch noch besserwisserisch, na die Menschen kann ich leiden, da werde ich gleich an meine Ex – Frau erinnert. Die Bedienung war noch lange nicht so alt an Jahren, wie ich schon in Berlin lebe. Das sind nun schon über 35 Jahre, Trinkgeld gab es deshalb nicht. Danach wurde noch bis in die Morgenstunden am PC geflogen, ich als ältester Teilnehmer, habe aber nicht bis zum Schluss durchgehalten.
Am nächsten Tag war die Konferenz geplant, dazu hatte Gregor einen Konferenzraum auf der Fähre von Scandlines gemietet. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel fuhren wir los. In Puttgarden am Fähranleger, stießen noch paar Teilnehmer zu uns und wir schifften uns auf der MS Deutschland ein. Gegen 11 Uhr legte das Schiff ab und die Konferenz begann. Sie dauerte bis nach 18 Uhr, im Mittelpunkt standen die Analyse der geleisteten Arbeit und die zukünftigen Pläne, um unser Ziel, eine der innovativsten Airline zu werden, zu verwirklichen. Ich hatte noch zusätzlich die Aufgabe, die Fahrten zu zählen, nach viermaligen Hin und Her mussten wir das Schiff verlassen. Man kann nicht gerade sagen, dass es billig war auf der Fähre, deshalb habe ich nur das Notwendigste zu mir genommen.
Am Abend war noch ein Abstecher in das Nachtleben von Burg geplant, der ›Hauptstadt‹ der Insel. Zum Abendbrot aß ich Seemannsfrühstück im ›Haifisch‹ in Burg, es war wieder eine Fischplatte mit verschiedenen Fischsorten und die Bedienung war dieses Mal mehr auf Draht. Die Gaststätte war eine kleine gemütliche Kneipe, unser Chef musste noch einen Fischergeist trinken, 56 % Schnaps, der brennend serviert wird. Danach war wieder fliegen am PC angesagt.
Am folgenden Tag mussten wir leider nach dem Frühstück schon wieder zurück, eigentlich war noch ein Rundflug mit der Cessna geplant, aber der CO – Pilot hatte am Abend eine Party und konnte deshalb nicht fliegen. Es war nicht allen unangenehm, dass nicht geflogen wurde, denn es herrschte immer noch eine ›Steife Brise‹ . Also tranken wir zum Abschluss noch einen Kaffee zusammen und dann ging es zurück. Matthias nahm mich wieder mit nach Lübeck und mit dem Regionalexpress fuhr ich weiter nach Hamburg. Leider war keine Zeit vorhanden, noch einen Abstecher zum gerade stattfindenden Hafengeburtstag zu machen. Hamburg ist jedenfalls im Plan für eine Wochenendreise, da hoffe ich dann auch, dass die Klimaanlage im ICE geht, Bahn eben.
Nur ein Tag Zeit und dann ging es schon weiter mit dem Flieger nach London, es war alles vorbereitet, Flugbuchung und Hotelbuchung lagen vor, die notwendigen Fahrkarten waren gekauft. Die für den Thameslink hatte ich ja noch vom vergangenen Jahr, die Queen wird es mir hoffentlich verzeihen, dass ich sie zweimal benutzen will. Wie schon erwähnt, den Grund für die Reise hatte ich, vor fünf Jahren im Mai 2001 begann mein langsamer Genesungsweg. Der Aufenthaltes in der REHA – Klinik Kalbe an der Milde legte dazu den Grundstein. Wenn mir da einer gesagt hätte, in fünf Jahren wirst du in London sein, ich hätte ihn für verrückt gehalten.

Ich habe meiner Reise wieder ein Motto gegeben ›Spring at the Thames‹ und hier sind meine Erlebnisse.
Einen Satz möchte ich aber noch über London verlieren, es war wesentlich eindrucksvoller, wie im Dezembe und ich werde es nicht zum letzten Mal tun, es gibt schon neue Pläne, aber der müssen erst noch reifen. Sie sind vor allem von der Gesundheit abhängig, denn im Herbst habe ich wieder das volle Nachsorgeprogramm zu durchlaufen.
Als ich von der Londonreise zurück kam, erhoffte ich mir, die Befreiung von der GEZ schon im Briefkasten zu haben, was solle es, denken kann man ja vieles, aber in Erfüllung geht es nie. Ich wolle mir die Atmosphäre der Londonreise nicht verderben und beschloss die Nichtzusendung zu ignorieren, einfach eigentlich, aber mein Problem ist nach wie vor, mein vegetatives Nervensystem. Ich trage solche Probleme dann doch in mir herum und denke, »Warum klappt es bei dir wieder mal nicht!«. Es hat sich schon wesentlich gebessert, nach dem was ich so alles erlebt habe in den letzten Jahren, trotzdem ganz überwinden kann ich das wohl nicht.
Nach dem Wochenende beschloss ich bei der GEZ in Köln anzurufen, es ging ja auch noch um den Sozialtarif bei der Telekom, denn dazu brauche ich die Befreiung. Nach ewigen Versuchen, klappte es endlich, die Mitarbeiterin war sehr nett, ich bracht mein Anliegen vor und sie meinte nach kurzer Überprüfung, der Antrag ist am Freitag raus gegangen. Also vom 28. März bis zum 11. Mai brauchte man um den Antrag zu bearbeiten. Da stellte sich mir gleich wieder die Frage; bin ich ›auch Deutschland?‹ Sicherlich ist den Damen und Herren dort bekannt, dass dieser Befreiungsbescheid notwendig ist um den Sozialtarif zu beantragen. Aber es geht ja nur um Menschen.
Wenn der Antrag am Freitag raus gegangen ist, so dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn, so müsste er am Dienstag spätestens ankommen, kam er aber nicht, sondern erst am Donnerstag, also nehme ich an, dass der Antrag erst nach meinem Anruf bearbeitet wurde.
Infolge hatte ich einen Tag später die Kündigung des Sozialtarifs von der Telekom im Briefkasten, es sind zwar nur 6,94 EURO, aber für mich viel, also geht mir hier aufgrund der schlampigen Arbeitsweise der GEZ ein Monat verloren. Die Wiederbeantragung im T – Punkt gestaltete sich allerdings als sehr unkompliziert, ich brauchte nicht einmal einen Antrag ausfüllen, die Vorlage der Befreiung rechte vollkommen aus. Nun habe ich bis April 2007 erst einmal Ruhe, es gibt eben immer etwas zu klären, mal sehen was als nächstes kommt.
Im Mai fand in Berlin die ILA (Internationale Luft– und Raumfahrtausstellung) statt, da ich vom Balkon die Flugvorführungen gut sehen kann, ist sie für mich immer ein Highlight. Da hat der Umzug im Jahre 1998 doch noch etwas Positives gebracht. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, auch weil ich 1998 gemeinsam mit der Ex – Frau dort war und mir einen kräftigen Sonnenbrand holte. Wie mir damals zumute war, ich hatte nicht mal mehr Geld um zum Friseur zu gehen. Sie wollte am liebsten alles neu kaufen und die Schuldenfalle schnappte zu. Nicht einmal zwei Jahren hielt sie es hier aus, ich bin heute froh über den Umzug froh, auch darüber, dass sie weg ist.
Nun lebe ich zwar alleine, aber ich bin nicht einsam und es lebt sich gar nicht schlecht, ohne Beleidigungen und sonstigen Gemeinheiten.

Für den letzten Tag der ILA hat sich, zu meiner Freude, die Bautzener Verwandtschaft angesagt, Mutter, Schwester, Schwester und Schwager, angesagt. Ich besorgte paar Getränke, richtete die Tribüne auf dem Balkon ein und briet einige Hackfleischbällchen. Mutter brachte den
Kartoffelsalat und Evelyn zwei Flaschen Rotkäppchen Sekt mit. Ich glaube sie haben es nicht wirklich geglaubt, dass man die Flieger sieht und staunten nicht schlecht, als der neue Airbus A 380 über das Haus kam. Solche spontanen Tage sind eigentlich immer die Schönsten. In zwei Jahren ist es dann wieder soweit. Die Plätze sind schon reserviert.
Die regelmäßigen Besuche in der Strahlenklinik der Charité gehört seit über fünf Jahren zu meinem Leben dazu, nun wird es der letzte sein. Den Doktor kannte ich schon vom vergangen Jahr. Er war nicht so mein Fall gewesen, hatte nichts Menschliches an sich und ist unnahbar. Die Prozedur ist immer gleich, erst in die Akte in der zentralen Anmeldung holen, die mittlerweile auch schon einen gewaltigen Umfang hat, danach in die Anmeldung der Strahlenklinik. Ich habe hier die ganze Zeit nicht wirklich, ein geborgenes Gefühl gehabt.
Die Ausnahme bildet hier lediglich die Tagesklinik, hier wurde man umsorgt und man fühlte sich geborgen.
Der Doktor, las meine mitgebrachten Befunde nicht, er
fragte mich routinemäßig wie es mir geht. Es geht ja hier eigentlich nur um Spätfolgen der Bestrahlung und da habe ich keine Probleme. Das Problem mit dem Stuhlgang wird sich nicht mehr ändern meinte er und ob die Polyneuropathie eine Folge der Bestrahlung ist, kann auch nicht nachgewiesen werden. Im Gespräch teilte ich ihm mit, dass die Operation nun schon fast 6 Jahre her ist, er war erstaunt, ein Zeichen, dass man sich nicht wirklich mit den Patienten beschäftigt, wie sollte man auch bei der Masse. Er meinte danach, ich brauchte nun nicht mehr zu kommen, erst war ich etwas verwundert, ja fast schockiert, aber dann dämmerte es mir, ein Lebensabschnitt im Kampf gegen Krebs geht zu Ende. Nach insgesamt 40 Besuchen in der Strahlenklinik brauche ich nicht mehr zu kommen. Er wünschte mir für die Zukunft alles Gute, meinte aber gleichzeitig, wenn ich irgendwelche Probleme habe sollte ich mir sofort einen Termin holen.
Zum Abschluss ging ich noch einmal über die Tagesklinik, die auf derselben Etage liegt, traf aber keine mir bekannte Schwester an. Egal ich habe mich bei einer Schwester bedankt, sie meinte, setzen sie sich doch und trinken sie noch einen Kaffee, was ich auch tat. Es waren auch noch Patienten da, denen es nicht so gut ging, ohne Überheblichkeit sprach ich mit ihnen, machte Mut und sagte vor 5 Jahren habe ich hier auch gesessen und der lange Weg der Genesung begann. Man denkt unweigerlich nach und ist natürlich Stolz zu denen zu gehören, die es vermutlich geschafft haben. Ein guter Grund am Abend ein Glas Wein zu trinken.
Ein Event stand in Berlin an, die Eröffnung des neuen Bahnhofs, Hauptbahnhof nennt er sich, wir hatten schon einmal einen Hauptbahnhof, den jetzigen Ostbahnhof, der heiß vor ›Wende‹ Hauptbahnhof. Erst dachte ich, es kann ja nicht sein, dass der ›Osten‹ einen Hauptbahnhof mitbringt, doch jetzt macht es schon Sinn. Nach vielen Jahren Bauzeit, hohen Baukosten, Querelen zwischen Bahn und Architekt, bezeichnenderweise war der auch nicht bei der offiziellen Eröffnung dabei.
Am 26. Mai war es nun so weit, mit einem riesigen Event wurde die Eröffnung gefeiert. Ich war schon zeitig da, man konnte an diesem Tag nicht im Hauptbahnhof aussteigen, also bin ich mit dem Bus hingefahren. Beim Eintreffen, so gegen 17 Uhr, ging es noch sehr beschaulich zu, ich hatte schon meine Bedenken, ob es so viele Menschen hier hinziehen wird. Ich machte die ersten Fotos, stärkte mich und begab mich dann auf die andere Seite des Spreebogens, genau gegenüber vom Hauptbahnhof. Dort traf ich einige Hobby Fotografen, mit Stativ und Teleobjektiven. Es wurde gefachsimpelt, ich überlegte, ob ich den Standort noch einmal verlassen sollte, noch waren nur wenige Menschen da, aber es wurden immer mehr, ich blieb stehen. So nach und nach füllte es sich und um 20 Uhr, als das offizielle Programm begann war es schon mächtig voll. Ich stand direkt an der Mauer und hatte eine hervorragende Sicht. Als die Lichtshow und das Feuerwerk um 22.30 Uhr begann, waren es über eine halbe Million Menschen und hinter mir standen sie in Zehnerreihe oder mehr.
Es war schon beeindruckend, was hier geboten wurde, ein einmaliges Erlebnis, was nur live die wirklichen Emotionen hervorruft. Ich war dabei und habe es nicht bereut, die fünft Stunden stehen waren natürlich ziemlich anstrengend, zumal es auch hin und wieder geregnet hat, dafür sahen die Scheinwerfer besonders eindrucksvoll aus. Ich habe eine solche gigantische Show noch nicht erleb und sicherlich wird es wohl auch nicht wieder passieren.
Ein Wermutstropfen war dann allerdings, der Amoklauf des verrückten, besoffenen Berliners, der 28 Besucher mit dem Messer verletzte. Ich hatte vermutlich Glück, weil ich nicht gleich nach Hause gegangen bin, sondern im ›Bundespressestrand‹, eine Gaststätte am Spreebogen, noch einen Drink zu mir nahm. Als ich den Tatort passierte war nur noch Chaos, wir wurden zum S – Bahnhof Friedrichstrasse umgeleitet, sahen zwar die Polizei und die Blaulichter, wussten aber nicht warum. Erst in der Wohnung, sah ich im TV was passiert war, klar ist auch, dass man nach so einem Tag nicht gleich ins Bett gehen kann, deshalb genehmigte ich mir noch ein Glas Rotwein und lag so gegen 2.30 Uhr im Bett. Trotz allem war ich froh, diese Strapaze auf mich genommen zu haben.
Der Monat Juni war wieder von einigen notwendigen Arztbesuchen geprägt, dabei bildete die Infusion in der Charité den Schwerpunkt. Frau Doktor Franz war auch wieder da und entschuldigte sich sogar, dass sie das letzte Mal nicht anwesend sein konnte. Sie musste Dienst auf der Rheumastation der Charité machen. Meine Laborwerte hatte ich dabei, es gab keine Ausrutscher, fast alle Werte lagen im Normbereich. Sie untersuchte mich, das Problem mit meinem schnellen Pulsschlag, was ja nicht neu ist, bereitete ihr zwar keine direkten Sorgen, aber sie gab mir eine Überweisung in die Kardiologie für ein 24 Stunden EKG.
Bei der Blutabnahme musste noch einmal ein Hepatitis C Test gemacht werden, ein Wert wurde nicht bestimmt. Die Infusion verlief dann wie immer, erst ließ ich es langsam tropfen und dann stellte ich es wieder schneller ein, so dass ich keine zwei Stunden brauchte, aber ein ›Wettrennen‹ gibt es nicht mehr.
Ich hatte eigentlich vor mir gleich einen Termin für das EKG in der Kardiologie zu holen, aber das geht so einfach nicht, wie sich herausstellte, nur mit Überweisung und entsprechenden Laborwerten ist das in Charité möglich. Meinen Hausarzt konfrontierte ich ebenfalls mit dem Problem, er war auch dafür, aber ein 24 Stunden EKG macht er nicht. Ich werde wohl erst einmal warten, hatte keine Lust schon wieder etwas Neues anzugehen.
Einen weiteren wichtigen Termin gab es noch, der bei meiner Augenärztin. Sie erinnerte sich natürlich sofort an mich und an diese hartnäckige Iritis im Jahre 2004, das sind nun auch schon wieder zwei Jahre her. Die Überweisung für den Augenarzt hatte ich von meiner Diabetologin bekommen. Es gab im Zusammenhang mit der Diabetes keine negativen Feststellungen, der Augendruck war in Ordnung und auch die Iritis hat nur kleinere Schäden hinterlassen.
Die Sehkraft ist zwar nicht schlechter geworden, aber besonders das linke Auge ist sehr empfindlich gegen die Sonne geworden und manchmal habe ich das Gefühl, als ob ich etwas im Auge habe. Sie meinte nach der schweren Erkrankung, solle ich froh sein, dass nicht mehr zurückgeblieben ist. Da die Iritis, aufgrund meiner Grunderkrankung Morbus Bechterew, immer wieder plötzlich auftreten kann, habe ich für diesen Notfall immer eine Überweisung für das aktuelle Quartal in der Tasche.
In Bautzen bei Mutter musste ich mich auch wieder einmal sehen lassen, das konnte ich gleich mit einem kurzen Besuch bei meiner Schulfreundin verbinden. Bei Mutter musste ich paar kleinere körperliche und geistige Arbeiten erledigen und für meine Schulfreundin habe etwas am PC geschrieben, was ich ihr vorbei gebracht habe. Natürlich wurde in Bautzen wieder Doppelkopf gespielt und meine Schwester Sonja hat Mutter und mich zur Einweihung ihrer neuen Küche eingeladen. Der obligatorische Besuch am Grab meines Vaters fehlte auch nicht. Insgesamt war der Aufenthalt durch sehr viel Wärme gekennzeichnet, also ich meine wettermäßige, die andere ist sowieso immer vorhanden.
Für mich gibt seit dem letzten Jahr ein Problem, ich kann oder will mein Auto nicht mehr auf das Grundstück fahren, da ich mit dem Auspuff aufsetze. Im letzten Jahr hatte ich mir nämlich den Vorschalldämpfer dadurch zerstört, der musste für über 200 Euro erneuert werden, Kulant wie meine Mutter ist, hat sie die Reparatur bezahlt. Vielleicht war das der Grund, dass es sich ein Marder im Motorraum des Autos gemütlich gemacht hat.
Mein Auto wird von ihnen regelmäßig besucht, aber bisher nur äußerlich, was an ihren Spuren auf der Karosserie, auf den Scheiben und sonstigen Hinterlassenschaften sichtbar ist. Als ich wieder nach Berlin starten wollte, merkte ich, dass die Batterie beim Anlassen nicht voll durchzog. Mit meinen Batterien habe ich sowieso immer wieder mal Probleme. Die Fahrt nach Berlin verlief ohne Zwischenfälle und ich stellte mein Auto ab.
Am nächsten Tag fuhr ich einkaufen, auch da stellte ich keine Probleme fest. Als ich einen Tag später das Auto wieder benutzen wollte, sagte es gar nichts mehr, mir war es schon klar als die Türen nicht mehr über die Zentralverrieglung öffnen ließen. Die Batterie war tot, mausetot. Als ich Motorhaube öffnete sah ich die Bescherung, die Dämmmatte war zerfressen, also hatte er es geschafft einzudringen und vermutlich irgendein Kabel angefressen, was nun einen Kurzschluss verursacht. Ich baute als erstes die Batterie aus um sie in der Wohnung aufzuladen. Bevor ich sie wieder einbaute machte ich eine Sichtkontrolle, aber feststellen konnte ich nichts. Das Auto sprang an und ich konnte meine Besorgungen erledigen, danach klemmte ich die Batterie wieder ab.
Das ist natürlich kein Dauerzustand, das ist mir klar, aber mich reißen hier meine Gefühle Hin und Her, lohnt es sich überhaupt das Auto zu behalten, denn der TÜV ist im Dezember fällig. Eigentlich brauche ich das Auto so gut wie nicht, hier in Berlin sowie so nicht, da ich mit dem Merkzeichen ›G‹ auf dem Schwerbehindertenausweis und als Grundsicherungsempfänger im öffentlichen Nahverkehr nichts bezahlen muss. Große Reisen werden vermutlich auch nicht mehr gemacht, beleibt nur Bautzen um das Obst nach Berlin zu transportieren. Also wenn ich maximal 3000 bis 4000 Kilometer fahre ist es schon viel. Dazu kommen die hohen Benzinpreise, also muss ich mich hier bis zum Jahresende entscheiden, leicht fällt es mir natürlich nicht, da ich seit über 40 Jahren mobilisiert bin.
Das Highlight in diesem Jahr war natürlich die Fußballweltmeisterschaft, eigentlich bin nicht so ein großer Fußballfan, aber besonders die Fanmeile hat mich fasziniert und ich war mehrmals dort. Meine Spiegelreflexkamera war natürlich immer mit dabei. Es war schon außergewöhnlich, dass es hier so friedlich zuging, wo sich doch sonst die einzelnen Nationen nicht immer so verstehen. Ich selbst habe viele Menschen kennen gelernt, besonders habe mich naturgemäß nach Engländern bzw. englischsprechenden Menschen Ausschau gehalten. Dabei konnte ich feststellen, es wird immer besser mit dem Englisch bei mir, die größten Hemmungen habe ich wenn Deutsche mit dabei sind, weil ich denke ich blamiere mich. Es sind mir viele schöne Erinnerungen im Gedächtnis hängen geblieben, besonders auch das Endspiel, wo es auf einmal so voll geworden ist, dass ich mir das Spiel auf der Meile ansehen musste, obwohl ich es eigentlich nicht wollte, aber es gab keine Möglichkeit die Meile zu verlassen. Es hatte auch sein Gutes, habe ich doch dadurch paar Leute aus Bristol kennengelernt, für die ich paar Bilder gemacht habe und wenn mir dann Richard schreibt;
Hello Henry
Your English is much better than my German!
Da kommt doch Freude auf.
Ich war auch zufrieden, dass Deutschland nicht Weltmeister geworden ist und eine Fahne hatte ich natürlich auch nicht am Auto oder sonst wo, mir hat schon die überhebliche Berichterstattung von Kerner und CO gereicht und das abgesperrte Sonycenter.
Anfang Juli war endlich mein Termin bei der HNO Ärztin Frau Dr. Bremer, dabei ging es einmal um die chronische Sinusitis und um meine Geräusche im Kopf bzw. Ohr, insbesondere das letzte Problem habe ich nicht im Griff. Es war einer der heißen Tage in Berlin und das Wartezimmer war voll, ich bekam schon einen leichten Schock als ich eintrat. Es ging auch relativ langsam voran, aber ich war der zweite oder dritte der aufgerufen wurde.
Wieder einmal Glück gehabt, eine sehr nette, relativ junge Ärztin, die sich meine mitgebrachten Unterlagen schon durchgesehen hatte. Sie untersuchte die Nasennebenhöhle und war zufrieden und meinte wenn ich mein Medikament (Nasonex) brauche, kann ich es mir das Rezept in der Anmeldung geben lassen, es ist im Computer vermerkt, das fand ich schon sehr zuvorkommend.
Mein Problem mit den Geräuschen brachte ich ebenfalls vor um einen Tinnitus auszuschließen. Bei der Untersuchung der Ohren, stellte sie fest, dass eine kleine Narbe auf dem Trommelfell ist, die vermutlich von einer Mittelohrentzündung stammt, ja solche Krankheiten hatte ich früher, aber es ist nicht gefährliches. Die Schwester machte noch einen spezielle Tests zur Hörfähigkeit. Dabei ging es um den Zeitpunkt des Hörens von hohen und tiefe Töne. Zur Auswertung musste ich noch einmal zur Frau Doktor. Die Schwester, die mir etwas laut und herrisch vorkam, hatte nicht gleich Zeit für mich und ich überlegte, warum ich so schnell drangekommen bin, der Grund war ganz einfach, ich hatte einen Termin und die anderen waren akut dort gewesen, das finde ich eigentlich gut so.
Die Auswertung der Tests ergab, keinen Tinnitus, gute Hörfähigkeit, nur die hohen Töne sind nicht so schnell erkannt worden, aber das wäre auch normal, es ist das Alter. Die Geräusche, so meinte sie stammen von der Halswirbelsäule, d.h. da dort auch Blutgefäße in den Kopf gegen, ist die Durchblutung nicht in ausreichendem Maße gewährleistet. Da war ich schon etwas schockiert und dachte an Alzheimer, aber sie und auch mein Hausarzt meinte, es hat mit Alzheimer nichts zu tun. Meine HNO – Ärztin sagte man kann die Durchblutung fördern, indem man eine Infusion gibt, das machen aber eigentlich nur die Internisten, sie macht es aber in Ausnahmefällen auch. Nun muss ich erst einmal meine Rheumatologen fragen, was sie dazu meinen, noch ein Tropf, das ist mir nicht so Wohl. Mal sehen ob ich zur nächsten Infusion in der Charité etwas sagen werde. Es war ein wirklich guter Arztbesuch und das als Kassenpatient.
Man hört ja immer über die Behandlung der Kassenpatienten ›Gräuelmärchen‹ . Ich bin nun seit sechs Jahren bei den verschiedensten Ärzten gewesen und das waren nicht wenige, ich wurde immer ordentlich behandelt, ich lebe noch und ich habe bisher noch nicht feststellen können, dass ich Patient zweiter Klasse bin. Man sollte eben nicht alles glauben was so erzählt wird.
Die ersten 6 – mal Fußpflege bei meiner neuen Podologin waren auch vorbei, ich bin eigentlich zufrieden, unterhalten kann man sich mit ihr auch über alle Probleme. Da sie weiß was ich durchgemacht habe, erzählt sie mir auch mal etwas mehr, was sie sonst nicht erzählen würde. Wenn Frau Wagner, die Chefin der Einrichtung mich sieht vergönn sie mir auch immer ein freundliches Wort. Im Herbst werde ich die Physiotherapie wieder aufsuchen, die HWS bearbeiten lassen.
Da die Verordnung abgelaufen ist, musste ich eine neue bei meiner Diabetologin ausschreiben und dann natürlich bei der Krankenkasse genehmigen lassen. Da habe ich immer wieder ein ungutes Gefühl, was wenn die Kasse plötzlich nein sagt, warum auch immer. Ich war überrascht, die Mitarbeiterin im Servicecenter, die mich am Anfang des Jahres wie den letzten Menschen behandelte, war wie ausgewechselt, im Stillen hoffte ich, dass sie nicht da ist. Sie begrüßte mich freundlich und als ich ihr die Verordnung vorlegte, war sie gleich im Bilde und meinte sie, dass ich sie zugeschickt bekomme. Am nächsten Tag hatte ich selbige mit Stempel im Briefkasten, es geht doch.
Daneben lag noch ein Brief der Krankenkasse vom Team Versicherungsrecht meine absoluten Freunde und von denen kommt gewöhnlich nichts Gutes. Es war, man glaubt es kaum, die Antwort auf meinen Widerspruch vom Oktober vergangenen Jahres. Diesen habe ich auf Anraten des Grundsicherungsamtes machen müssen. Der Grund war die Nachzahlung von Beiträgen und die Erhöhung der Beiträge. Nun kam nach 9 Monaten die Beantwortung, am Textanfang wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich den Widerspruch fristgerecht eingereicht habe. Einen Hinweis, warum er nicht Fristgerecht beantwortet wurde habe ich nicht gefunden. Es wird ja auch nun alles ordnungsgemäß bezahlt. Die gesetzlichen Bestimmungen, warum und weshalb, interessierten mich offen gesagt nicht so sehr, waren eben so. Ich sollte aber bis Anfang August schriftlich Bescheid geben ob sich der Widerspruch mit dieser Antwort geklärt hat. Die Entscheidung wollte ich aber mir nicht nur alleine zumuten, sondern auch dem Grundsicherungsamt, welches die Beiträge schließlich bezahlt.
Die Gültigkeit meiner Wertmarke für die vergünstigte Fahrt der Schwerbehinderten im öffentlichen Personennahverkehr läuft im August ab, ich brauchte vom Grundsicherungsamt eine Bestätigung auf dem neuen Antrag.
Dabei wollte ich gleich klären, ob sich der Widerspruch erledigt hat. Man kommt ja nicht mehr zum Sachbearbeiter, es gibt jetzt eine so genannte Servicestelle, nach kurzem warten kam ich auch schon dran. Es war schon mal keine überhebliche Begrüßung, ich bin es auch anders gewöhnt. Aber die Kompetenz der Mitarbeiterin ist sehr eingeschränkt, die Unterschrift auf meinen Antrag, bekam ich erst nach Rücksprache mit dem Sachbearbeiter, obwohl ich im Computer stehe. Das Anschreiben zur Beantwortung des Widerspruchs konnte ich da lassen. Die Mitarbeiterin war sehr nett gewesen, gab mir noch einen neuen Befreiungsantrag für die GEZ mit, damit ich die Befreiung eher beantragen kann.
Trotzdem das System ist wieder nicht durchdacht, wenn schon überall Computer stehen, sollte sie man auch effektiv nutzen und die Sachbearbeiter wirklich entlasten, aber es soll nicht mein Problem sein und ich war gespannt, ob sich mein Sachbearbeiter wegen dem Widerspruch melden wird. In den nächsten Tagen erhielt ich schon wieder Post vom Team Versicherungsrecht, es war eine Beitragserhöhung ab August, ich begriff die Welt nicht mehr so richtig und hoffte nur, dass das Problem mich nicht wieder bis an den Rand des Ausschluss aus der Versicherung bringt.
Ich hatte mir schon vorgenommen, wenn es wieder so ein Hin und Her gibt, zahle ich die Differenz selbst, es handelte sich um knapp 2 Euro.
Natürlich wollte und musste ich die Erhöhung dem Amt zukommen lassen. Es dauerte ein paar Tage und ich bekam einen Anruf von Sachbearbeiter aus dem Grundsicherungsamt, er meinte, ich solle den Widerspruch als erledigt betrachten, er hätte auch keine Zeit sich damit weiter zu beschäftigen. Na gut wenn es so ist, mein Geld war es nicht. Ich teilte ihm gleich mit, dass ich eine neuerliche Beitragserhöhung von der Krankenkasse bekommen habe. Jetzt kam wieder etwas unerwartetes, die Kasse hat ihm ebenfalls ein Schreiben geschickt. Die Erhöhung ist schon veranlasst, den entsprechenden Bescheid bekomme ich zugeschickt. Die Kasse hat es nun auch begriffen, wer die Beiträge momentan bezahlt.
Da waren wieder einige Probleme geklärt, ich war froh. Ich kann mit ungeklärten Sachen schlecht leben, auch wenn sie manchmal nicht lebensbedrohlich sind. Leider kann ich dieses ›Problem‹ wohl nicht mehr lösen.
Vor 6 Jahren am 10.Juli 2000 war die Operation, das Leben änderte sich danach grundlegend, die Krebserkrankung ist Teil meines Lebens geworden, meine Lebensgeschichte wurde neu geschrieben.
Die teilweise ausweglosen Situationen habe ich gemeistert und an die schönen, die es auch gab, erinnere ich mich gern, all das kann mir keiner nehmen.
Solche Ereignisse sind für immer Anlass zur Erinnerung und solche Tage Versuche ich mit Glanzpunkten unvergesslich zu machen. Ein neuer Punkt wird nun dazukommen, ich fahre mit der Deutschen Bahn vom 04.08. bis 07.08. nach Brüssel, ein verlängertes Wochenende sozusagen.

Das Motto der Reise ist ›Über den Dächern von Brüssel‹ und hier sind die Erlebnisse.
Mitte August musste wieder zur Infusion in der Charité, ich wunderte mich schon, wieso mein Termin um eine Woche vorverlegt wurde, die traurige Auflösung erfuhr ich von meiner Rheumatologin Frau Dr. Franz. Als ich das Arztzimmer betrat, sah ich einige Blumen und Geschenke. Daraufhin fragte ich, ob sie Geburtstag hat, ihre Antwort war, nein sie verlässt Deutschland und geht in die Schweiz. Einen mittelschweren Schock für mich, so eine menschliche ärztin finde ich nie wieder.
Ich mag diese Arztwechsel überhaupt nicht und wenn es sich um Ärzte handelt, mit denen ich gut auskam ist es noch schwerer. Sie tröstete mich aber gleich und meinte, am Ende des Jahres wäre sowieso ein Wechsel erfolgt. Im Rahmen der üblichen Untersuchung kamen wir auch über die Gründe ins Gespräch. Ihre Stelle als Rheumatologin in der Charité läuft aus und eine Festanstellung ist nicht in Sicht, der chronische Geldmangel im Gesundheitswesen in Deutschland treibt die Ärzte ins Ausland, wo sie weniger Arbeiten und wesentlich mehr Geld verdienen.
Was wird in Deutschland für eine Politik betrieben, muss man sich wirklich ernsthaft fragen. Meine Ärztin geht nun in eine Privatklinik nahe Luzern, danke Deutschland, sie ist nun nicht mehr ›Du bist Deutschland!‹ . Gespürt hat sie es auch gleich nach bekannt werden ihres Weggangs, keine eigenes Zimmer mehr, keine Umkleidemöglichkeit, keine Verabschiedung vom Leiter der Rheumaklinik. Es war ihr letzter Arbeitstag und die Untersuchung war genau so grünlich wie immer, ich wünsche ihr jedenfalls alles Gute. Mal sehen was mich nun erwartet. Wirklich schade!
Zwei Tage später musste ich zur Neurologin, ich wollte sie eigentlich dazu bewegen mir ein anderes Medikament zu verschreiben. Zuvor habe ich mich mit meiner Diabetologin beraten, weil ich eine nachhaltige Wirkung nicht so richtig feststellen kann, obwohl die Untersuchung der Füße bei ihr keine Verschlechterungen ergaben, eher eine leichte Verbesserung (Stimmgabeltest, Wärmetest) ergaben.
Meine Probleme liegen ja auch eher in einer Überempfindlichkeit, d.h. starker Berührungsschmerz, aber trotzdem kann ich nur in festem Schuhwerk laufen, denn schon ein falscher Tritt in Sandalen, kann zur Katastrophe werden. Die Neurologin reagierte auf das Ansinnen ziemlich angesäuert und meinte vielleicht sollten wir erst einmal die Dosis erhöhen, oder ich soll zwischendurch noch Tabletten einnehmen. Es stehen ja immer noch die Blutwerte zur Diskussion und mir ist auch klar, Medikamente haben eben auch auf die Leberwerte Auswirkungen. Beim nächsten Termin wollen wir uns noch einmal ausführlich unterhalte. Das Medikament ist Gabapentin, momentan nehme ich 400 mg zur Nacht und jetzt zusätzlich 200 mg tagsüber bei Bedarf.
Im August fand ein gemeinsamer Arbeitseinsatz in Zeuthen statt, mit Tante, Cousine, ihrem Sohn und der Familie meines Ex – Schwagers Rolf statt. Es tat Not, der Verschnitt der Hecken stand an, eine Arbeit die ich natürlich nicht mehr alleine machen kann, früher, als ich meinen Bungalow auf dem Grundstück noch genutzt habe, war es meine alleinige Aufgabe. Besonders die Familie meines Ex – Schwagers ist eine tatkräftige Unterstützung. Danach wird in gemütlicher Runde gegrillt, Rolf bekam die Gelegenheit, seinen neuen Grill auszuprobieren. Er war Stolz darauf, dass es nun endlich einmal richtig gut geklappt hat mit dem Grillen. Es war auch gleich noch eine kleine Nachfeier zu seinem 50. Geburtstag. Besonders freut er sich, wenn seine ›Grillkunst‹ immer wieder in den höchsten Tönen gelobt wird.
Ich hatte allerdings ein Problem mit meinem Auto, es sprang wieder einmal nicht an, die Batterie war abermals runter. Vielleicht sollte ich doch einmal eine Werkstatt aufsuchen. In der kommenden Woche wollte ich das unbedingt in Angriff nehmen, denn im September sollte es wieder zum Besuch nach Auritz zur Mutter gehen, Zaunbau war geplant.
Ich habe mir die Batterie von Rolf noch einmal in die Wohnung tragen lassen und sie bis Montag aufgeladen, danach eingebaut und in meine freie Werkstatt (Auto – Klix) gefahren, ein letztes Mal, weil sie vor Inkompetenz glänzten.
Was war passiert. Als ich mein Problem schilderte, sagte mir der Monteur, »Sie haben zu wenig Luft auf dem rechten Vorderrad!«, es stimmte zwar aber mein Problem war durch höheren Luftdruck auch nicht gelöst. Er kam nun mit einem Messgerät, ein ziemlich großer Kasten, den er an die Batterie anklemmte, einschaltete, dann gab es einen Knall ,eine Lampe leuchtete, mit der Bezeichnung ›Batterie schlecht‹. Ich dachte, »Das Gerät gehört ins Technikmuseum!«. Damit war es für den Monteur klar, die Batterie ist kaputt, aber die ist erst zwei Jahre alt meinte ich. Er wollte mir zum Test eine neue einbauen, die Prüfung der Zellen scheitete am nicht auffindbaren Säureprüfer. Eine weiter Prüfung auf einen Leitungsschaden, scheiterte ebenfalls, weil in dem nach langem Suchen gefundenen Gerät die Batterie entladen war. Damit stand für mich fest, dort fahre ich nie mehr hin und verabschiedete mich dankend.
Anschließend fuhr ich zu Auto – Unger, nicht das erste Mal, auch hier brachte ich mein Problem vor. Nach kurzer Zeit prüfte ein Mitarbeiter, die Batterie und die Lichtmaschine mit dem Ergebnis alles in bester Ordnung. Für eine Tiefenprüfung durch den Elektriker musste ich das Auto dort lassen, man wollte mich anrufen um mich zu informieren.
Auf der Nachhausefahrt mit Bus und S – Bahn kamen mir wieder die Gedanken auf, was wird mit dem Auto im Dezember, wenn der TÜV ansteht. Eine Entscheidung habe ich noch nicht getroffen. Zu Hause angekommen, dauerte es nicht lange und die Werkstatt rief an, Fehler gefunden und schon repariert, schneller als ich dachte. Vier Kabel waren im Motorraum beschädigt, ob vom Marder, man weiß es nicht genau. Auto – Unger hat im Ansehen gewonnen und wenn ich das Auto behalte, werde ich vorerst dort bleiben, denn es ist schon ein schönes Gefühl von A nach B zu fahren.
Die Familie meines Ex – Schwagers Rolf, zu der ich ein ziemlich enges Verhältnis habe, lud mich wieder einmal ein. Meine Ex – Nichte Jessica hatte Geburtstag. Ich wollte neben Blumen noch etwas mitbringen, meine Digitalkamera, die hat zwar schon 2 Jahre auf dem Buckel, in der schnelllebigen Zeit lohnt es nicht so etwas zu verkaufen, besser ist es jemanden eine Freunde zu machen. Ich glaube das Geschenk ist angekommen, es war ein netter Nachmittag bzw. Abend. Ilona kocht übrigens sehr gut, es gab Hackbraten, für mich wurde eigens ein zusätzlicher kleiner, höherer Tisch aufgestellt, damit ich bequemer essen kann. Ich kann mich kaum bücken und den Kopf auch nicht so weit runterbiegen. Das sind wirklich nette Menschen.
Ein neues Highlight war für Anfang September geplant, den Flug buchte ich schon vor einigen Monaten. Ich wollte bevor meine ganzen Herbstuntersuchungen beginnen, Darmspieglung, Computertomographie, Sonografie noch einmal nach London fliegen. Ohne pessimistisch zu sein, ich weiß ja nie, wenn das komische Schwert, also das des ›Damokles‹ wieder anfängt über mich zu schweben. Für die Reise suchte ich mir das zweite Wochenende im September aus.

Meine Londonreise hat das Motto: ›Weekend in London‹ , meine Eindrücke dazu.
Nach der Rückkehr am Dienstag in der Nacht hatte ich nur einen halben Tag Zeit und musste gleich wieder zur Muttern nach Bautzen fahren, Tasche neu bestückt und los ging es am Mittwoch Nachmittag. Natürlich gab es einen Grund für die Eile, Mutter hatte nämlich für die noch vorhandenen Familienmitglieder eine Fahrt nach Prag gesponsert und die fand am Donnerstag statt.
Gemeinsam fuhren Mutter, Evelyn, Sonja und ich, mit weiteren 40 – 50 älteren Menschen, gegen 7.00 Uhr los. Das Wetter war prima, vielleicht sogar etwas zu warm. Ich hatte gerade an dem Tag wieder einmal mit Darmproblemen zu kämpfen, deshalb mag ich eigentlich keine Busfahrten.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, ich war zwar schon mehrmals in Prag, aber eben meist zu Einkäufen zu DDR – Zeiten, bis auf den Hradschin bin ich nie gekommen, auch die berühmte Karlsbrücke kannte ich nicht. Es war schon ein Erlebnis gewesen, einige schöne Fotomotive gab es auch und natürlich auf dem Prager Altmarkt ein frisch gezapftes Budweiser, welches ich gesponsert habe, zu mehr war leider keine Zeit gewesen. Den Anschluss der Fahrt bildete ein Abendessen in einer Baude unweit der deutschen Grenze, der Name ist mir gleich wieder entfallen, weil das Essen ›Grottenschlecht‹ war. Das von der Reiseleiterin angepriesen Wild befand sich im kaum essbaren Zustand, es muss ein wohl sehr, sehr alter Hirsch gewesen sein. Ich sehe meine Schwester Sonja noch vor mir, wie sie an den Bissen würgte. Dafür gab es Böhmische Knödel genug, für mehr als ein schmackhaftes Bier blieb dieses Mal auch Zeit. Solche Fahrten könnte man öfters machen, war unsere einstimmige Meinung.
Am Freitag spielten wir den obligatorischen Doppelkopf, bei stürmischem Wind auf der Terrasse bei Mutter. Sonnabend wurde der alte Zaun abgebaut und am Sonntag ging es zum Tanken nach Tschechien, anschließend besuchten wir, Mutter, Sonja und ich ein so genanntes Waldfest in Sohland, wo es rund um das Thema, Holz, Waldfrüchte usw. ging, ein kleines aber feines Fest. Für mich als absoluter ›Holzfan‹ wie gemacht.
Montag sollte nun die Aktion Zaun oder wie Mutter immer sagt ›Zaum‹ beginnen. Die Hauptperson war mein Neffe Daniel, der z.Zt. in Bayern seine Brötchen als Maurer verdient, weil es eben auch in Sachsen keine Arbeit gibt. So ganz sicher waren wir uns nicht, ob er pünktlich aus dem Urlaub von Kroatien eintrifft, aber er war am Sonntag zur Absprache erschienen. Es ist ja doch eine heldenhafte Tat, wenn er den restlichen, kargen Urlaub dazu verwendet um bei seiner Oma eine Zaun zu bauen.
Um 9.00 Uhr standen dann 4 Leute zur Arbeit bereit, Mutter, Sonja,
Daniel und ich, als erstes mussten 11 ca. 50 – 60 cm tiefe Löcher
für die neuen Säulen gegraben werden. Wir waren auf alles gefasst
und Daniel hatte schweres Gerät besorgt. Vor allem meine Mutter meinte,
es hätte dort eine Mauer gestanden und es sind große Steine zu
erwarten, aber es stimmte nicht ganz. Daniel und ich gruben die Löcher,
einmal mit viel Glück, einmal mit weniger und überhaupt 11 : 2 geht
sowieso nicht, ich hatte mehr Glück, d.h. ich musste 6 Löcher graben,
weil ich weniger Steine auszubuddeln hatte, so ein Glück aber auch.
Wir staunten nicht schlecht, als wir zum späten Mittag schon alle Löcher gegraben hatten, also konnten die Säulen noch am selbigen Tag eingesetzt werden, für Daniel als Maurer kein Probleme. Mir und den anderen blieben Handlangerarbeiten übrig, gegen 17.00 Uhr waren wir fertig, im wahrsten Sinne des Wortes.
Die groben Arbeiten waren damit erledigt, da ich der Einzige
war der schon einmal einen Maschendrahtzaun verlegt hat, waren meine Kenntnisse
jetzt gefragt. Am nächsten Tag, Sonja und Daniel erschienen wieder pünktlich,
die Arbeit verteilte ich dieses Mal. Zuerst mussten die Leitdrähte gezogen
werden, drei Stück an der Zahl, oben – mitte – unten, nachdem
sie mit Spannschlössern gestrafft wurden, sah es schon ziemlich gut
aus. An einigen Stellen musste noch etwas Boden entfernt werden. Nun kam
der schwierigste Teil, die erste Rolle wurde ausgerollt, dazu brauchten wir
die eine Hälfte der Dorfstraße. Die zweite Rolle Maschendrahtzaum
musste jetzt angekettelt werden, nur ich kannte die Methode. Vielleicht ist
der Draht etwas besser, aber die Methode ist gleiche. Danach konnte der gesamte
Zaun provisorisch aufgestellt werden, es begann die ›Festknüpfarie‹ ein
geduldiges Spiel, aber dank der Arbeiter Mutter, Sonja, Daniel war auch das
bald überstanden. Es ist wirklich ein schöner, gerader grüner
Maschendrahtzaun geworden, Mutter war froh, dass diese Arbeit endlich erledigt
war.
Da ich mich auf mein Auto wieder verlassen kann, bin ich am Mittwoch, mit Obst und Gemüse für Familie Rolf und mich, mit Heu und Vogelmiere für meine Zebrafinken wieder nach Berlin gefahren. Die sich übrigens immer prächtig wohl fühlen, wenn ich eine Woche nicht da bin. Mit genügend Futter und Wasser funktioniert das prima. Es gibt auch einen neuen Plan für den Umbau bzw. Neubau des Vogelheims, z.Zt. ist er aber noch am PC in der Konstruktionsphase, erst will ich die Koloskopie abwarten.
Am Wochenende war schon wieder ein Arbeitseinsatz in Zeuthen von meiner unermüdlichen 85 jährigen Tante anberaumt wurden, zugegen waren wieder alle diesbezüglich Verdächtigen, gegrillt wurde auch wieder, ich habe mich aber bereit erklärt einen selbst gebackenen Pflaumenkuchen zu sponsern. So etwas geht mir eben auch problemlos von der Hand, wenn man nunmehr seit 7 Jahren alleine lebt, sie haben jedenfalls gesagt, er hat geschmeckt. Ich hoffe nicht nur aus Anstand, meine Tante bekam die restlichen zwei Stücke mit, sie schwärmte noch tagelang davon. Gearbeitet wurde auch, der Heckenverschnitt vom letzten Mal und der neu hinzugekommene musste geschreddert werden, das war ein ziemlich großer Haufen. Am nächsten Tag gab es den Muskelkater gratis dazu, aber wichtig ist, dass meine Tante zufrieden ist. Ich bzw. wir machen es hauptsächlich ihr zuliebe.
Das System bei meinem Zahnarzt, klappte bisher vorzüglich und seit ich wieder regelmäßig gehe habe ich auch mit den Besuchen bei ihm keine Probleme. Durch die Zahnarzthelferin werde ich halbjährig angerufen um einen neuen Termin zu vereinbaren, da gibt es keine Ausflüchte, find ich gut so. Meistens findet er nichts, aber jetzt mussten zwei alte Füllungen erneuert werden, die wie er richtig schlussfolgerte bestimmt 15 Jahre alt sind, ich musste zustimmen.
Ich hatte mich Anfang des Jahres schon einmal unverbindlich wegen Zahnersatz erkundigt und beraten lassen. Ich brachte das Gespräch noch einmal darauf weil ich noch zwei Jahre Zeit habe bis zur Rente, da ich mit 60 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen könnte. Es hängt davon ab, ob ich mit meiner geringen ›Strafrente‹ leben kann, weil ich eben nicht Deutschland bin. Ich würde jetzt als Bezieher von Grundsicherung die Kosten für den kompletten normalen Zahnersatz erstattet bekommen, ein paar Bonuspunkte habe ich ja auch schon wieder gesammelt, mein Zahnarzt meinte ich sollte das erst einmal mit meiner Krankenkasse abklären. Auf ein Problem machte er mich aber gleich aufmerksam, meine quer liegenden, schlafenden Weisheitszähne könnten zum Problem werden. Manchmal wird auch ein Gutachter der Krankenkasse hinzugezogen.
Was für eine begeisternde Idee, vom Skalpell des Kiefernchirurgen bearbeitet zu werden. Ich vereinbarte gleich nach drei Wochen einen neuen Termin, weil er meinte, wenn wir etwas machen wollen, dann gleich, weil man nie weiß was die Gesundheitsreform noch so alles bringt.
Einige Tage später war ich schon bei der Krankenkasse, ich wurde freundlich bedient, es gab sogar einen extra Platz für Zahnersatz, mit nur einer Nachfrage war alles geklärt. Ich bekomme die Erstattung, Irritationen gab es nur, weil die Summe der Leistung des Sozialamtes die Befreiungsobergrenze geringfügig übersteigt, aber im Bescheid steht die Gesamtsumme drin, einschließlich Wohnkosten und Krankenversicherung. So einfach habe ich es mir gar nicht vorgestellt, ich hoffe es realisiert sich auch so, damit ich w


